Posts by Elbegeist

    Ja, hier wird die Kriegs- und Nachkriegsgeneration, gekennzeichnet durch Mangelwirtschaft (in der DDR bis 1990), von der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft abgelöst. Da die Ersatzteilversorgung in der DDR gegen null ging, wurde alles aufgehoben. Heute ist Wegwerfen statt reparieren angesagt und die Ursache für eine nie gekannte Ressourcenverschwendung weltweit. Begleitet von einer Missachtung der alten Generation. Wen wundert es, dass dieses Denken sich auch in der Architektur widerspiegelt: "baue auf und reiße nieder, immer wieder- immer wieder!" Und ganz nebenbei Digitalisierung der gesamten Lebenswelt statt staubfangender Nippes und überflüssigem Krimskrams. Statt körperlicher Verzierungen. Ein Klick- und alles ist weg! Rückstandslos! Nur der Erblasser selbst muss leider noch kostenpflichtig entsorgt werden. Deine Freundinnen nahmen sicherlich gern die Erbschaft an. Und beschweren sich über die damit verbundenen Verpflichtungen, statt diskret die Entsorgung des Haushalts zu veranlassen.

    Archäologen der Zukunft werden sich wundern, was für eine arme Generation in dieser Zeit lebte, wenn alles Digitalisierte längst von der Zeit irreversibel gelöscht wurde.

    Nein Elbegeist es gibt auch bei den jungen Menschen keine Abkehr von der traditionellen europäischen Stadt. Ob Thießen-Studie o. a. - alle kommen zu dem Ergebnis, dass die Menschen Bauten in der traditionellen Formensprache vorziehen. Etwa 80% sind dieser Meinung - ob Mann oder Frau, egal aus welcher Schicht und Alter. Die Aussnahme bilden modernistisch eingestellte Architekten und Stadtplaner.

    Es sind aber vorwiegend junge Menschen, die in ihrem persönlichen Wohnumfeld auf herkömmliche Gemütlichkeit verzichten. Von der kalten, verzierungslosen Wohnungseinrichtung bis zur großflächigen Steinigung der Vorgärten.

    Ein wichtiger Aspekt bei der Beurteilung dürfte hier die zugrunde liegende Verweildauer sein. Das Vorbeifahren an einer verschandelten Häuser-Zeile ist weniger beeindruckend als die Dauerbetrachtung seitens Anwohnern oder Gästen von Freiluftgaststätten. Hier wird die fehlende Gemütlichkeit besonders deutlich. Man muss sich natürlich fragen, ob dieser Knick nicht gewollt ist. Wie in der Musik, wird heute das Schöne alter Klänge als schnulzig abgelehnt. Die jüngere Generation distanzierte sich schon immer damit von Eltern und Großeltern. Mit der Möblierung ist es ähnlich. Zur Zeit ist der Trend zur gravierenden Ungemütlichkeit unverkennbar.

    Die Frage ist, ob es jemals eine Umkehr gibt. Eigentlich nimmt der Bauhausmuff schon viel zu lange Einfluss auf die Architektur. Es wäre an der Zeit, auch unter diesen Talaren mal gründlich aufzuräumen. Die o.g. Studie belegt das bestehende Interesse.

    Nach jahrzehntelangem Verfall soll die Biermannsche Villa in Jessnitz endlich saniert werden. Teile des Hauses werden bis auf Keller und Umfassungsmauern abgerissen. Baustart soll im April sein. Es sind 13 Wohnungen geplant. Für 6 Wohnungen gibt es schon Vorverträge. Die obere Etage des Seitenbaus steht nicht unter Denkmalschutz und wird beseitigt. Dafür sollen am Seitenbau zehn Meter lange Balkone entstehen, die über die Mulde hinausragen. Abschluss wohl Mitte 2022. (MZ)

    Man bedenke nur die inflationäre Verwendung des Begriffes "Schandfleck" für vernachlässigte historische Bausubstanz. Da steht nicht ein zu rettendes Haus, sondern ist ein Schandfleck und Schande muss getilgt werden...

    Der Begriff Schandfleck lässt sich politisch keiner bestimmten Richtung zuordnen. Er wird für verwahrloste, vermüllte Grundstücke aller Couleur gebraucht. Für Hausbesetzer, "Asoziale" oder Westdeutsche, die nach der Wende denkmalgeschützte Objekte an lukrativen Standorten in ostdeutschen Städten aufkauften, diese, notfalls nach Entfernen einiger Ziegel, über Jahrzehnte dem Verfall preis gaben, bis der Denkmalschutz aufgehoben wurde und nun nach dem Abriss mit einer wüsten Baufläche auf Bauherren warten.

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    Ergänzend kann man dazu noch sagen, dass der hasserfüllte Sprachgebrauch nicht nur in den Medien zu sehen ist, sondern mittlerweile auch bei vielen Politikern angekommen ist. Es ist zu befürchten, dass mittlerweile auch schon viele architekturinteressierte Bürger von dieser Sprache eingeschüchtert sind und nicht mehr offen ihre Sympathie für die klassische Architektur nach außen tragen.


    Was man dagegen tun kann? Ich weiß es nicht. Aber eine Sache zu erkennen ist vielleicht der erste Schritt, um dagegen vor zu gehen...

    Es geht nicht vorwiegend um Architektur, sondern um reine Politik. Hier sehen wir nur eine neue Krücke, um einen Keil unter die Bevölkerung zu treiben. Extremisten brauchen zwingend ein neues Feindbild. Die alte Grenze zwischen Bourgeoisie und Proletariat ist verwaschen. Deshalb nutzt man ständige Provokationen, um vermeintliche Gegner aus der Reserve zu locken, zu lokalisieren und zu registrieren. Ob über Reko, Gender oder den allgemeinen Sprachschatz. Man beachte nur das gegenwärtige Theater um den Begriff "Indianer", welches eigentlich einen allgemeinen Aufstand provozieren müsste.

    Die Bevölkerung duckt sich, wie immer, und reagiert nicht. Nur nicht auffallen! Im Gegenteil- wenn ich mir die neue Mode der Innenausstattung betrachte, so drängt sich die Erkenntnis auf, dass die typisch deutsche "Gemütlichkeit" im Volk nun verpönt ist. Einfarbige Wände im schwarz-weiß-grau-Kontrast, schnörkellos und in jeder Hinsicht ungemütlich. Die Gärten folgen dem Trend- Schotter statt Grün.

    Wir müssen uns deshalb die Frage stellen: soll man eine solche Bevölkerung mit schöner Architektur zwangsbeglücken?

    Der Abriss der Berufsschule am Schlossplatz ist beendet. Die Getec-Holding hat nun den Bauantrag gestellt. Trotz Pandemie halte man am Projekt fest. Baubeginn dürfte bei Genehmigung Ende des Jahres sein. Auch auf einen Mieter habe man sich festgelegt, will ihn aber noch nicht nennen. (MZ)

    Warten wir es ab. Immerhin hatte gerade eine bekannte Hotelkette Konkurs angemeldet.

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    Oder kann sich hier jemand eine rekonstruierte Synagoge mit anderer Nutzung vorstellen?-


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    Das Problem der reduzierten Mitgliederzahl haben wir auch im kirchlichen Bereich, wo gerade in S.A. massenhaft die Kirchen verfallen. Wenn sie nicht für ihren ursprünglichen Zweck benötigt werden, bleibt nach der Rekonstruktion nur eine kulturelle Nutzung (Marienkirche Dessau), die sich natürlich im ländlichen Bereich nicht lohnt. Das Problem ist nicht neu: (Gröbzig)

    "Ab 1871 verringerte sich die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde vor Ort stark, weshalb 1934 die Synagoge der Stadt zur musealen Nutzung übergeben wurde. Sie brachte im Gebäude die heimatgeschichtliche Sammlung unter. Man vermutet, diese Nutzung habe die Anlage vor der Zerstörung zur Reichspogromnacht 1938 durch die Nationalsozialisten geschützt. "

    Danke für diesen Einblick in dein Seelenleben, Heimdall . Anstatt Dich so aufzuregen, sei lieber froh, dass wir überhaupt noch Denkmäler für Wagner aufstellen dürfen. Angesichts seines Antisemitismus und seiner Vereinnahmung durch die Hitlerei ist das beileibe keine Selbstverständlichkeit. Gerade deswegen finde ich dieses Denkmal so passend - weil es ihn nicht überhöht und mythisiert, sondern als "normalen" Menschen darstellt. Normale Menschen sind keine Heiligen, sie sind nicht perfekt. Wagner hat großartige Musik geschrieben und sehr schlimme Dinge über das jüdische Volk gesagt. Er war eben ein Mensch. Und das drückt das Denkmal perfekt aus.

    Auch Luther bleibt stehen, obwohl er sehr schlimme Dinge über das jüdische Volk gesagt hat. Und an einem späteren Missbrauch sind weder er noch Wagner schuld.

    Dessau galt für lange Zeit als Bayreuth des Nordens. Es gibt hier eine Richard-Wagner-Straße und eine Wagner-Passage, wobei ich die Herkunft des Namens der Passage bisher noch nicht in Erfahrung bringen konnte. Eben so fehlt mir ein Hinweis auf ein lokales Wagner-Denkmal .

    Vielleicht kann jemand helfen!

    Allen ein gesundes Neues Jahr!

    Das Bild zeigt keine "Taigatrommel", denn das war eine dieselelektrische Lokomotive, die keine Stromabnehmer bzw. Oberleitung brauchte.

    V 200 / 120 hatte den Spitznamen

    Die Taigatrommel hatte ihren Namen nicht nur wegen der anfänglich fehlenden Schalldämpfer. Die Motoren waren so miserabel ausgewuchtet, dass ihre geräuschvollen Schwingungen das Gleisbett und benachbarte Architektur nachhaltig schädigten.

    Das deutsche Recht kennt keine 100-Jahre-Regel im Urheberrecht. Aus der Rechtsnorm welchen Landes stammt also diese Regelung? Und welche Bedeutung sollte sie dann im internationalen Austausch besitzen?

    Richtig. Bei anonymen und pseudonymen Werken erlischt die Schutzfrist bereits 70 Jahre nach Erschaffung bzw. Veröffentlichung. Aber zur Schaffung gemeinsamen europäischen Rechts sind auch auf diesem Gebiet Veränderungen im Gange, die von den Mitgliedsländern übernommen werden dürfen/können und bisher immer die urheberbegünstigendste Variante eines der Mitgliedsländer zur Basis hatten.

    Normalerweise gibt es bei Eigentumsdelikten eine maximal 100jährige Verjährung auf Herausgabeansprüche, auch da Gegebenheiten in weiter Vergangenheit nicht mehr eindeutig geklärt werden können. So wurde es auch mit der Kolonie Hongkong geregelt, welche kürzlich an China zurückging. Wenn man allerdings von der SU die Raubkunst aus dem ZW zurückfordert, sollte man Kunstobjekte, die eindeutig in Kriegen erobert wurden, auch zurückgeben (auch wenn hier die Verjährung bereits kapp eingetreten ist).

    Wo kann man die 100 Jahre nachlesen? Mir sind im deutschen Recht nur 30 Jahre bekannt, bei unrechtmäßig erworbenem Gut gibt es keine Begrenzung. Was die SU betrifft:

    "ein 1998 verabschiedetes russisches Gesetz. Darin werden nahezu alle kriegsbedingt aus Deutschland verbrachten Kulturgüter zu russischem Staatseigentum erklärt. Dieses „Beutekunstgesetz“ steht nicht im Einklang mit international gültigem Völkerrecht."

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    Nur wäre es auch kein erstrebenswertes Endziel, dass man in jedem Land quasi nur noch Kunst zu sehen bekommt, die innerhalb der eigenen Landesgrenzen hergestellt wurde. Gerade die Ausstellung internationaler Kunstwerke möglichst vieler Kulturen und Epochen in den Museen ist es doch, was den Horizont erweitert und den inspirierenden Vergleich ermöglicht. Ein Dilemma...

    Da wäre erst einmal eine Studie von Nöten, die den unterschiedlichen Erlebnis- und Bildungseffekt von Originalen und genauen Kopien herausstellt. Sogar an der Originalität der Nofretete gab es Zweifel.

    Um mal bei Notre Dame zu bleiben: das ehrwürdige, originale Holzdach soll ja durch eine Stahlmonstruktion ersetzt werden. Offenbar, um den nächsten Brand zu verhindern. Dabei brennt Stahl ebensogut wie Holz (bzw. wird weich), wenn er nur heiß genug wird.

    Ist das also nicht bereits ein Rekonstruktios-Faux-Pas?


    Übrigens muss man bei allen Rekonstruktionen auch an das "Schiff des Theseus" denken, was meiner Meinung nach selten zur Sprache kommt...

    Also das kann man tatsächlich nicht so stehen lassen. Stahl brennt nicht ebenso gut wie Holz. Er brennt, wenn überhaupt, nur in pulverisiertem Zustand oder nach Zufuhr reinen Sauerstoffs. Er verliert oberhalb einer bestimmten Temperatur seine Festigkeit. Die Brandlast eines Bauwerks wird nach der Menge an brennbarer Substanz pro Flächeneinheit berechnet. Stahl hat darauf keinen Einfluss, so dass im Brandfall nur eine vielfach geringere Hitzeentwicklung und damit weit geringerer Schaden zu verzeichnen ist.

    Wenn die Erde unbewohnbar wird, wird es eine verschwindende Minderheit sein, die sich irgend wo hin retten kann. Eine außerirdische Architektur hätte dann nicht nur die Funktion des geschützten Wohnens, sondern ebenso der Produktion von Nahrungsmitteln. Gewächshäuser herkömmlicher Art könnten durch Lichttransformation (Solarzellen auf dem Dach, schützende Zwischenschicht, Beleuchtungskörper unter dem Dach)realisiert werden. Da dies auf extrem großen Flächen angelegt werden müsste, ist eine neue Art von Archtektur erforderlich.