Posts by Elbegeist

    Deine Sorge ist berechtigt

    MZ vom 26.10., S.13. Zitat: "Die jüdische Gemeinde zu Dessau sieht sich leider gezwungen, den für den 29. Oktober geplanten Tag der offenen Tür der Weill-Synagoge verschieben zu müssen. Angesichts eines sehr regen Interesses und im Kontext der aktuellen weltpolitischen Lage wäre die Sicherheit aller Anwesenden nur mit einem sehr hohen Aufwand zu gewährleisten gewesen, teilt Anton Russ von der Gemeinde am Mittwoch mit. Die Jüdische Gemeinde danke allen interessierten Menschen und bittet in diesen schwierigen Zeiten um Verständnis.Der Tag der offenen Tür wird sobald wie möglich nachgeholt, verspricht die Gemeinde." Ab Mitte November soll es aber Gruppenbesichtigungen geben.

    Ich sehe durchaus etwas rundes an der alten Synagoge.

    220px-Dessau-Synagoge.jpg

    Aber es ist nicht mein Fachgebiet. Und ich bleibe bei meiner rein persönlichen Meinung, dass, nach erfolgter Deportation und Zerstörung der Gotteshäuser durch die Nazis, die Alliierten nicht davor zurück schreckten, eine Stadt mit aufklärerischer Historie und Geburts- und Wirkungsstätte jüdischer hochgeehrter Persönlichkeiten zu pulverisieren. Das war keine Heldentat!

    Auf Seite 7 ist zu lesen:

    Das ist übrigens ein durchaus nicht ungewöhnlicher Vorgang, dass die Juden für die Abtragung ihrer zerstörten Synagoge auch noch zur Kasse gebeten wurden. An Perversion ist das kaum zu überbieten.

    Zweifelsohne. Es steht aber nicht, wie vollständig dies erfolgte. Und wenn ich keine neue Brille brauche, so erkenne ich auf deinem Foto mitten in der weißen Fläche etwas Rundes, welches an Bauwerksreste erinnert. Vielleicht war es das, was meine Großmutter meinte.

    Ich finde in einer deiner Quellen:

    "Die Ruine wurde eingezäunt und später abgetragen. Es gibt nur wenige Dokumente, die an diesen beschämenden Vorgang erinnern." Deshalb hatte ich um die konkrete Stelle gebeten. Erst wenn ich alle Quellen geprüft habe, korrigiere ich die bisher geglaubte Meinung meiner Großmutter. Zu welchem Zweck? Einfach nur zur realen Geschichtsdarstellung. Selbstverständlich nachdem wir uns ausführlichst über die auslösende Schuld des Naziterrors geeinigt haben.

    Wenn es um das Stadtbild geht, spielt natürlich die Umgebung eines Gebäudes eine Rolle. Im Falle der Synagoge existierte diese nach den Angriffen nicht mehr. Der gesamte Straßenzug war buchstäblich pulverisiert und nur der Museumsturm ragte noch aus der Trümmerwüste hervor. Die DDR-Architekten bevorzugten den Wohnungsbau, ohne historischen Bezug. Trotzdem ist der Synagogen-Neubau recht gut eingebettet. Was von der Ruine zu Kriegsende noch übrig war, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Meine Großmutter, gebürtige Dessauerin, vermeinte, diese vor den Angriffen noch gesehen zu haben. Ich suche nach einer Quelle, aber angeblich wurde kaum etwas dokumentiert.

    Ergänzung: 5 Stunden nach meinem Post hier, ändert Elbegeist einfach seinen Text. So macht das natürlich gar keinen Sinn in einer Diskussion.

    Der originale Wortlaut steht nach wie vor zur Verfügung. Die Kritik bezüglich der zu Missverständnissen führenden Urheberschaft habe ich angeommen.

    Das sind doch keine Missverständnisse, sondern bewusste Geschichtsverfälschungen.

    Ich glaube nicht, dass heute noch jemandem die Vorgänge von 1938 unbekannt sind. Man sollte genau so wenig mit Begriffen übertreiben, wie bei @Orakels "Mitteldeutschland". Schließlich lesen wir hier in Sachsen-Anhalt die "Mitteldeutsche Zeitung" und hören den "Mitteldeutschen Rundfunk.

    Aber ich mache mal einen Korrekturversuch in meinem obigen Beitrag.

    Ich habe keine Anführungsstriche verwendet, sondern meine Meinung, leider ungenau, ergänzt. Nach den Angriffen lag die gesamte Straße in Trümmern. Was von der Synagoge tatsächlich noch übrig war, versuche ich mal auf Fotos zu finden. Und was davon wann abgetragen wurde, ebenfalls.

    Ich setze mal voraus, dass die Vorgänge 1938 vor allem hier in Mitteldeutschland allgemein bekannt sind, und die Reihenfolge der Schändungen und nachfolgenden nochmaligen Zerstörungen durch Angriffe auch.

    Geschichtsrevisionismus in Reinform (von der MZ?). Die Synagoge wurde Opfer der nationalsozialistischen Pogromnacht 1938, nicht der Alliierten. Wie übrigens fast alle Synagogen in Deutschland.

    Wikipedia-Artikel zur Alten Synagoge Dessau

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der…6rten_Synagogen

    Hier muss ich korrigieren. Der Text wurde von mir eingefügt und sollte lauten : Die Ruine der Synagoge fiel dem Angriff zum Opfer. Die MZ ist unschuldig.

    Am Sonntag, dem 22.Okt. um 11 Uhr wird in Anwesenheit hoher Gäste die neue Synagoge feierlich eröffnet. Mit der Weill-Synagoge verfügt die Gemeinde über ein barrierefreies modernes Zentrum. (MZ)

    Ihre Ruine war, wie die gesamte Altstadt, dem alliierten Bombenterror zum Opfer gefallen. Seit DDR-Zeiten stand dort nur eine runde Stele.

    Korrigiert von Elbegeist

    Meister Lampe,es kommt darauf an,wie das zukünftige Schiff einmal genutzt werden soll.

    Wenn es ein Plenarsaal wird (was ich nicht hoffe), dann ist diese einstige Gruft wohl passe.

    Aber wir müssen erst einmal abwarten,in welche Richtung sich die ganze mittlerweile ermüdende Endlosdiskussion RZ, in der nächsten Zeit hinentwickelt.

    Die Dessauer Marien- oder Schlosskirche wird öffentlich für Veranstaltungen aller Art genutzt. Dort sind die Särge der ausgelagerten Askanier wieder in die Turmgruft zurückgekehrt. Mitten im Schiff ist auch die Gruft des alten Dessauers noch vorhanden und begehbar. Leider ist sie leer, denn der Verbleib der Gebeine und seines soldatengezierten Sarges ist immer noch ungeklärt.

    Das muss man nicht mehr kommentieren, es bestätigt nur meine vorherige Aussage, oder?

    Zumindest hier in S.-A. wird kein Architekt an uns vorbei kommen, meint Herr Schlecht-Pese: "Nur wer bei uns Mitglied ist, darf sich Architekt nennen". Ohne einen über die Kammer zu bestellenden Stempel könne kein Bauantrag eingereicht werden, und ohne Antrag gehe gar nichts. Er denke darüber nach, das umfangreiche Fortbildungsprogramm der Kammer zur Pflicht zu machen.

    Ein Konzept nennt sich BIM (Bauwerksdatenmodellierungsprogramm) Gebündelte relevante Daten. Irgendwann soll das alte PDF-Format abgelöst werden.

    Das Nebeneinander von Villen- und Bauhausarchitektur kritisiert er als "gnadenloser Individualismus".Als Gegenmodell sieht er den Wohnungsbau der 20er Jahre: Verzicht auf Individualismus und teil gemeinschaftliches Engagement der Bewohner. (MZ)

    Im Innenstadtbereich wohl kaum möglich.

    Es ist sinnlos. Man muss darüber nicht mehr nachdenken, da alle sinnvollen Vorschläge von einer solchen Stadtverwaltung ignoriert werden. Es ist besser, die Stadt ihrem Schicksal, der totalen Bedeutungslosigkeit, zu überlassen und sich auf Städte zu konzentrieren, wo vernünftige Vorschläge aufgegriffen werden.,

    Der neue Geschäftsführer der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, Andre Schlecht-Pese, zum Hotelneubau: "Architektonisch geht es schlimmer". Der Bau wirke hochwertig, der Kniff mit dem Winkel, durch den der Blick auf das Schloss frei wird, sei sogar gut. Er ärgert sich lediglich, dass die Stadt "eines der historisch wertvollsten Grundstücke" verkauft und nicht über Erbbaupacht nachgedacht habe.

    Zum Bauhausmuseum: "Es ist das Ergebnis von Mutlosigkeit und Vorsicht." Das Ergebnis werde von den Dessauern als Autohaus tituliert, erhielt nichtsdestotrotz den dritten Preis beim Architekturwettbewerb.(MZ)

    Der Artikel trägt die Überschrift: "Prüft KI künftig Anträge?". Es wäre interessant, wie diese in den vorliegenden Fällen entscheiden würde.

    Ein kritischer Leser meint, man musste sich als traditionsbewusster Dessauer mit dem grauen Klotz im Herzen der Stadt arrangieren. Am bessten durch ignorieren oder von der Muldeseite betrachten, wo Bäume gnädig den Anblick verdecken. Er bezeichnet die Anbringung der Tafeln als Disneylandisierung historischer Bausubstanz: Zwergenhafte Ausführung, erheblicher Qualitätsverlust. Er hofft, dass die Originale bald wieder für die Öffentlichkeit zugänglich werden und auch der Würfel mit den runden Reliefs der Flussgötter-Pavillons bei der Neugestaltung des Lustgartens im Original vom Bauhausplatz an den Johannbau versetzt wird. (MZ)

    Der Vorwurf, nicht genug Sinn für Anhalts Geschichte zu zeigen, hat EX-OB Kuras weh getan. Er wies darauf hin, dass beim Hotelneubau zumindest historische Details an die frühere Bebauung erinnern sollten. Und tatsächlich: zwei historische Reliefs vom Marstallkomplex wurden eingearbeitet. Da als Originale zu groß, fertigte die Hochschule Anhalt kleine Repliken im 3-d-Druck. Die ehemalige Reitbahn wurde schon 1945 zerstört, aber samt den bekannten Eingangspavillons Elbe und Mulde, welche von den Reliefs geziert waren, erst 1965 abgerissen. (MZ)

    Man hat der Forderung entsprochen, aber der Besucher bekommt kaum einen Eindruck von der ehemaligen Bedeutung des Gesamtkomplexes.

    Ich sags mal so, ich sehe der Entwicklung mit großer Genugtuung entgegen. Jeder Finger, den die Bürger vor Ort selbst rühren würden, wäre bei dieser sogenannten "Stadtverwaltung" (andere passendere Begriffe dafür sind hier ja nicht erlaubt) vertane Energie. Die Stadt ist verloren.

    Aber sie kann es sich leiten, trotz großem Interesse zwei geplante Flohmärkte zu verbieten, weil ein Toilettenbesitzer seine Fäkalien unerlaubt in eine Grube auf der Wiese neben dem Gelände leitete.(MZ). Dafür läuft jetzt das Stadtfest ohne Leopold.

    Zur Zeit ist der neue Standort der Regenbogenschule in der Diskussion. In der Innenstadt sollte er angeblich zur Belebung beitragen. Aber die betroffenen behinderten Kinder besuchen weder Geschäfte noch Gaststätten, und ihre Zubringer fahren sofort wieder weg. Nun hat die MZ tatsächlich mal einen kritischen Leserbrief zur örtlichen Situation abgedruckt. Ein Herr aus dem Beherbergungsgewerbe "muss miterleben, wie unsere Urlauberzahlen seit vielen Jahren drastisch zurück gehen, was nur eines zeigt: Das ungewollte öffentliche Eingeständnis unserer Stadtoberhäupter, dass unser Multimillionen-Projekt Bauhausmuseum auf ganzer Linie gescheitert ist."

    Keine Innenstadtbelebung, aber Zeit und Geld gekostet. Und das Gleiche würde auch mit der Buga passieren. Es gäbe viele Stadtentwicklungs- und Marketingprojekte, die kostengünstig wären und und die Urlauberzahlen in nur wenigen Jahren verzehnfachen wrden. Aber dafür müsse man als Stadt auch einmal aufhören, arrogant, beratungsresistent und stupide zu sein. (MZ)

    Ob die verschmähte Historisierung den gewünschten Erfolg bringen würde?