Posts by Jakku Scum

    Gab es denn auch Initativen, die sich tatsächlich durchgesetzt haben?

    Jein.


    Die Bürgerinitiative Galopprennbahn hat mit ihrem Volksbegehren und Volksentscheid Erfolg gehabt – die Bebauung wurde gestoppt.

    Darüber war der Senat natürlich nicht wirklich erfreut und zeigt sich seitdem verschnupft und pikiert.

    Während die Bürgerinitiative breit aufgestellte und sehr ansprechende Nutzungskonzepte mit einem Mix aus Kultur, Bildung, Natur und Sport liefert, kommt von der politischen Seite nix.

    Im Gegenteil: Der Beirat hat sich gegen eine Nutzung der Galopprennbahn für Galopprennen ausgesprochen und die ZZZ (die mit der Nutzung und Vermittlung des Areals beauftragt und gleichzeitig Mieterin der Galopprennbahn ist) hat einen Renntag des Bremer Reitsportvereins im September abgelehnt.

    Beschlossen wurde ein fünf Meter breiter, asphaltierter Weg, der das Gelände mittig durchschneidet und Galopprennsport folglich unmöglich macht - die (von mir) so genannte 'Bücking-Trasse'.

    Robert Bücking (Bündnis 90/DieGrünen), Verfechter für mehr Bürgerbeteiligung in Bremen, sagte seinerseits in einer Bürgerschaftssitzung vor dem Volksentscheid in Richtung Bürgerinitiative Galopprennbahn: "Sie (die BI) hat Streit verdient!"

    Die 'Bücking-Trasse' ist Sinnbild und Ausdruck dieses Streits, den die BI (und damit die Bürger Bremens) in den Augen des Senats verdient hat...

    Die Entscheidung der Hanseatischen Projektentwicklung gegen eine rekonstruierte Essighaus-Fassade ist mega enttäuschend - um es diplomatisch auszudrücken.


    Nein, das wäre zu deprimierend.

    Gerade weil die aktuelle Situation der Bremer Innenstadt so deprimierend ist, galt das Balgequartier-Projekt als 'Handlauf zur Weser' für mich als positiver Mosaikstein für eine Aufwertung der City, die gelingen kann. Nun wird dem Projekt der emotionale Höhepunkt geraubt.

    Und wieder bleibt die angekündigte 'Belebung' nur Stückwerk.

    Realisierungswahrscheinlichkeit von vor ca. einem Jahr

    Die Befürchtung, da es um das Projekt seit über einem Jahr so still war, ist somit eingetreten.

    Zu Beginn und zur Vorstellung des Projekt 'Balgequartier' war Christian Jacobs noch persönlich aufgetreten.

    Nun verkündet Jean Jacques de Chapeaurouge das Aus der Fassadenrekonstruktion - auch wenn eine Beiratssitzung sicherlich kein medienwirksames Event darstellt.

    Gerade in Jacobs Aussagen und Unterstreichungen seiner Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Bremen hätte ich mehr Substanz vermutet. Letztendlich waren sie wohl eher halbherzig. Die Rendite siegt über eine einmalige historische Chance.

    Was bleibt ist ein 'historischer Schattenwurf'. Wie der aussieht, ist bisher nur den Beiratsmitgliedern bekannt, aber wenn selbst Astrid Selle (Grüne) die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand, lässt der Plan für den Neubau viel Schatten vermuten.


    Wie schön auch, dass der Landeskonservator fordert

    Die Aussagen des Landeskonservators lassen viel Interpretationsspielraum.

    So scheint es wahrscheinlich, dass es einen Entwurf gab, in dem die Utluchten, Spolien und Versatzstücke nicht mehr auftauchten - und somit Heinzers Wunsch hätte entsprochen werden können.

    Höhepunkt architektonischer Baukunst in der Kaiserzeit soll die Jahrhunderthalle in Breslau sein, dessen 65 Meter breite, freitragende Betonkuppel damals weltweit die Größte ihrer Art war.

    Angelehnt ist das Bauwerk an das Pantheon in Rom.

    Kritiker und am Bau beteiligte Personen waren skeptisch, ob die Kuppel je halten würde.


    Könnt ihr dazu weitere Infos liefern, die über Wiki hinausgehen?

    In der Geschichte ist eben nie etwas zwangsläufig

    Mein lieber Pagentorn,


    ich widerspreche dir nur ungern – aber in der Geschichte ist alles zwangsläufig, denn sie ist Vergangenheit. Die Vergangenheit ist einem Zwang untergeordnet: Auf etwas Vergangenes kann man keinen Einfluss nehmen. Anders in der Gegenwart. Die Gegenwart ist keinem Zwang in diesem Sinne untergeordnet, die Gegenwart lässt sich im Gegensatz zur Vergangenheit beeinflussen und formen, woraus die Zukunft entsteht.


    Was bringt uns (wir hier im Forum, im Jahre 2021) der Blick auf die Vergangenheit und der Frage, hätte in der Zeit bis zum Westfälischen Frieden 1648 die unabhängige Niederlande dem Heiligen Römischen Reich wieder angegliedert werden?

    Gut, ich kann nachvollziehen, dass solche Fragen oder Gedankenspiele interessant sind.

    Aber welchen Sinn haben die Antworten auf diese Fragen hier im Forum?

    Welchen Sinn hat es, darüber nachzudenken, was geschehen wäre, wenn ein gewisser Herr, geboren in Österreich, im September eines bestimmten Jahres nicht hätte zurückschießen lassen?

    Hat er nicht.

    Wir alle kennen die Konsequenzen.

    Das ist zwangsläufige Geschichte.

    Oder die Wiedervereinigung.

    Was, wenn Erich auf Gorbi gehört hätte?

    Eine spannende Frage, gewiss.

    Erich hat aber nicht auf Gorbi gehört.

    Das ist zwangsläufige Geschichte.

    Fragen nach 'Hätte-hätte' sind reine Hypothesen, ein Stochern im Nebel einer 'möglicherweise-Welt' die niemals die Wirklichkeit abbilden kann.

    Stellt sich die Minderheit der Freunde solcher Hypothesen eigentlich die Frage, wie befremdlich solch ein Stochern im Nebel für diejenigen sein kann, die eben nicht zu diesen Freunden der Hypothesen gehören wollen?

    Wie befremdlich können Hypothesen über historisches Kartenmaterial von 1871 sein, mit Hinweisen, Querverweisen und Eventualitäten wie 'Wenn Karl damals' und 'hätte einer der Fritzen nicht' und 'Wilhelm wäre in der Lage gewesen'?

    Ich lasse euch allen gerne diese Hypothesen; und ihr sollt ausführlich darüber diskutieren.


    Aber: Wir sollten hier in diesem Forum nicht darüber diskutieren, ob Wilhelm Zwo ein guter oder schlechter Monarch war, ob seine Politik oder Regentschaft gut oder schlecht war. Oder (beispielsweise) die unabhängigen Niederlande vor 1648 wieder ins Reich hätte eintreten können.

    Wir sollten lieber eine Diskussion darüber führen, ob die architektonischen Leistungen der wilhelminischen Zeit von Bedeutung sind oder nicht, ob sie gut oder schlecht sind.

    Denn wir sollten gute Argumente liefern können.

    Wir müssen gute Argumente liefern können.

    Sonst stehen wir mit unseren Rekonstruktionswünschen und -versuchen weiterhin auf verlorenen Posten.

    So, wie sich die Diskussion, die ich seit vielen Wochen still verfolge, hier entwickelt und darstellt, muss ich mich für meine zukünftigen Projekte von diesem Forum distanzieren, wenn in dieser Vehemenz weiter diskutiert wird.

    Ich muss mir zudem die Frage stellen, ob eine Zusammenarbeit bei den Projekten mit Stadtbild Deutschland wegen eben dieser (verfassungsrechtlich zustehenden Meinungsfreiheit, auf der ihr Hypothesen-Freunde gerne (zu recht) pocht) wiederkehrenden Diskussionen hier im Forum überhaupt angebracht wäre?


    Wie sagte es Franka? Sie vermisse die architektonischen Zusammenhänge in den Diskussionen hier in diesem Strang.

    Da stimme ich ihr zu.

    Die Zeit des Kaiserreiches hat architektonisch vieles zu bieten.

    Doch hier wird über Elsass-Lothringen oder die Unabhängigkeit der Niederlande diskutiert.

    Das mag für den einen oder anderen spannend sein, und bietet sicherlich in einem entsprechenden, eigenständigen Forum ausreichend Diskussionsstoff, wie sich hier zeigt.

    Aber leider ist eine solche, auf hypothetischen Grundlagen basierende Diskussion absolut nicht zielführend.

    Ich trage die große Sorge in mir, dass mir eure Hypothesen bei meiner Arbeit vor die Füsse fallen.

    Habt ihr euch darüber einmal Gedanken gemacht?

    Was antworte ich, wenn ich auf Zitate hier aus dem Forum angesprochen werde?

    Stellt ihr euch diese Frage, wenn ihr Beiträge über beispielsweise Elsass-Lothringen oder die Steuergerechtigkeit des Kaiserreiches schreibt?

    Lasst uns bitte endlich über die herausragenden, architektonischen Leistungen der Kaiserzeit in einem Maße diskutieren, wie hier über die politischen Verhältnisse, Konsequenzen und Hypothesen der Kaiserzeit diskutiert wird.


    Mehr gibt es dazu von meiner Seite zum Kaiserreich nicht zu sagen...

    Die Niederländer besingen bis zum heutigen Tage in ihrer Hymne ihren Gründervater, den ‚Schweiger’ als „Wilhelmus von Nassauen bin ik van deutse Blood’. Der Weg der ‚Generalstaaten’ aus dem Reichsverband heraus war durchaus keine Zwangsläufigkeit.

    Mein lieber Pagentorn, du kannst doch nicht wirklich daraus ableiten, nur weil die Niederländer heute noch in ihrer Nationalhymne (zu recht) Wilhelm von Nassau und Dillenburg und dessen (nachweislich) 'deutsches Blut' besingen, damals im 16. Jahrhundert nach dem erfolgreichen Kampf für die eigene Unabhängigkeit von der spanischen Krone lieber im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen verblieben wären?!


    Sich darauf im Nachhinein zu beziehen, ist, mMn, schlichtes 'Hätte-hätte-Fahrradkette'!


    Wilhelm der Schweiger oder Wilhelm von Oranien hat bestimmt nie seine deutschen Wurzeln geleugnet, den Unabhängigkeitskrieg focht er aber als Niederländer.


    So leugnet auch Willem-Alexander, Prinz von Oranien-Nassau, Jonkheer van Amsberg seine deutschen Wurzeln nicht, doch sieht er sich als Niederländer – nicht als Deutscher.


    Der Weg der ‚Generalstaaten’ aus dem Reichsverband heraus, von dem du schreibst, war daher in der Tat zwangsläufig, denn so ist es geschichtlich geschehen.


    Alles andere ist nur eine Fahrradkette.

    Es wäre ihm daher zuzutrauen, zum zweiten Mal für eine Renaissance Bremens zu sorgen.


    Diese Rolle ins 21. Jahrhundert zu übertragen, ist so leider nicht möglich.

    Es ist wichtig, die Bedeutung der St. Ansgarii für die Hansestadt hervorzuheben und zu verdeutlichen - dies sollte aber mit 'aktuellen' Themen und Strömungen des 21. Jahrhunderts verknüpft werden.

    Eine solche Verknüpfung ist keine Garantie für einen Wiederaufbau, zumindest aber eine Chance.

    Nutzungsmischung aus leben, wohnen, arbeiten und einkaufen besinnt

    Das klingt mir doch sehr stark nach altbackenen Immobilien-Invest-Marketing.


    Die Innenstadt muss wieder werden, was sie bis zum Zweiten Weltkrieg war: das unangefochtene Zentrum einer Großstadt, lebendig, vital und nachhaltig in ihrem ganzen Wesen.

    Das ist sehr geschichtsverklärend, denn für die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg galt für Bremen:

    Armenviertel im Zentrum der Großstadt - die, zugegeben, sehr lebendig waren; besonders lebendig waren Ratten und Filzläuse. Nachhaltig auch der Gestank, der durch die Gassen bis zum Dom zog...

    Rotlichtviertel im Zentrum der Großstadt - das, zugegeben, durchaus als vital zu nennen wäre...

    Die Innenstadt in Bremen vor dem Zweiten Weltkrieg war eben nicht nur Glanz und Gloria.

    Von daher wäre es besser zu differenzieren, wenn die Innenstadt Bremens von vor dem Zweiten Weltkrieg als Maßstab oder Vorbild für die Großstadt der Zukunft stehen soll...

    daß es vor den Zerstörungen des Bombenkrieges noch mehrere Bereiche der Altstadt gab, die - ebenso wie der Schnoor - von aus den Zeiten von Mittelalter bis zum frühen 19. Jahrhundert stammenden Kleinhäusern geprägt waren

    Ganz recht, lieber Pagentorn.

    Die Böttcherstraße war vor dem Ankauf Roslius' auch so ein mittelalterlicher Straßenzug. - Ein erbärmlicher Straßenzug zwar, wie Zeitgenossen aussagten, doch können wir dies wohl nicht wirklich nachweisen. Es sei denn, du hast in deinem Archiv vielleicht noch ein Foto von damals von vor dem Umbau.

    Angesichts dieser Fotos frage ich mich, wie lange wir uns noch an den Weser-Arkaden/Tiefer Arkaden erfreuen können. Die überfällige Sanierung lässt weiter auf sich warten.

    Es bleibt zu hoffen, dass sie nicht so lange gammeln wie die 'Seute Deern'. Die wird ja derzeit abgewrackt
    Den Arkaden möge dieses Schicksal erspart bleiben.

    Immerhin hamse die Böttcherstraße

    Die Böttcherstraße war damals ein 'Neubau'. Dass sie überhaupt in dem Stadtführer Erwähnung findet, ist wohl nur der Tatsache geschuldet, dass der Bremer Kaffee-Magnat Ludwig Gerhard Wilhelm Roselius (Kaffee Hag) Bauherr war.

    Wahrscheinlich wussten die Herausgeber nichts mit dem neuen Straßenzug anzufangen und ließen deshalb die Beschreibung weg.

    An Bedeutung gewann der Straßenzug erst nach dem Krieg und ist daher - wie das Schnoorviertel - eine sehr junge Touristenattraktion.

    Die gänzliche Aussparung des Schnoorviertels samt der dortigen Kirche ist schon ein arges Stück.

    Ein heruntergekommenes Arme-Leute-Viertel, in dem vor 1945 die Prostitution blühte, verdient wohl kaum als Sehenswürdigkeit in den Stadtführer aufgenommen zu werden. Zudem sollte es abgerissen werden.

    Erst in den 1950er Jahren zogen Künstler und Studenten wegen der günstigen Mieten ein und werteten das Viertel auf.

    Die Abrisspläne blieben dennoch bestehen. Dort sollten Hochhäuser entstehen.

    Neben anderen Personen ist es dem damaligen Leiter der Bremer Denkmalpfleger, Karls Dillschneider, zu verdanken, dass 1959 das Viertel ein 'Ortsstatut' bekam, eine Art vorzeitige unter Denkmalschutzstellung. Danach wurde das Schnoorviertel saniert, herausgeputzt und zu dem, als was man es heute erkunden und begehen kann: Eine Touristenattraktion, eine Stätte mittelalterlichen Gassen und Häuser.