Posts by Kurpfalz

    Nur eine Frage- warum gibt es solche Rollladen uberall und durfen sie solche uberhaupt auf Denkmäler benutzen?

    Freut mich, wenn dir die Bilder gefallen!

    Die vielen Rollläden sind mir anfangs gar nicht aufgefallen. Tatsächlich sind die bei den meisten Altbauten der Stadt ganz modern und banal. Die alten Holz-Rollläden oder Fensterläden wurden fast alle im Laufe der Zeit ersetzt. Ob diese modernen Rollläden bei denkmalgeschützten Häusern zulässig sind, weiß ich nicht. Die abgebildeten Häuser in der Friedhof-, Linden- oder Wormser Straße stehen aber alle nicht unter Denkmalschutz.

    Überhaupt ist die Denkmalliste von Pirmasens für eine Stadt dieser Größe etwas überschaubar. Die im Internet veröffentlichte Liste ist zwar nicht ganz vollständig, aber die allermeisten Altbauten der Stadt sind nicht denkmalgeschützt. Die Besitzer sind also völlig frei, wie sie die Gebäude gestalten möchten - manchmal ist das gut für das Weiterbestehen des Altbaus, häufig leidet aber der gute Geschmack.

    Wir verlassen das Landauer Tor nach Norden auf den Horeb, den Pirmasenser Haupthügel und ein gleichnamiges Stadtviertel. Der Westen des Viertels von der Innenstadt bis zur Herzogstraße wurde stärker kriegszerstört, östlich davon findet man noch einige schönere Straßen. Durchaus unerwartet, denn der Horeb hat viele nicht einladende Seiten. Der Südhang und der östliche Rand des Viertels sind edle Wohnlagen, aber schon wenige Blocks weiter gelangt man in sozial schwache, etwas heruntergekommene Gegenden.

    Der Beginn der Friedhofstraße am Rande der Innenstadt zeigt, wie weite Teile von Pirmasens wohl heute ohne die Kriegszerstörung aussehen würden - vielgestaltige, schlichte bis mittelaufwändig gestaltete Gründerzeitfassaden, die etwas durchwachsen gepflegt werden. Ganz links angeschnitten das unschöne Beispiel eines bei einer aktuellen (!) Sanierung entstuckten Altbaus, daneben ein sehr knalliges Rot, gefolgt von einer etwas schmutzigen Fassade, die ihr ursprüngliches Erdgeschoss verloren hat. Der gelbe Bau rechts davon ist recht frisch saniert, nur die Kacheln auf dem Sockel stören. Rechts daneben fehlt eigentlich nur ein frischer Anstrich (und eine Behandlung des Kachelproblems), es folgt eine traurige Brandruine ohne Dach und am letztem Altbau ganz rechts eine erhaltene Figurennische und eine unschöne Aufstockung.

    Ein kurzer Blick in die steile Bergstraße. Entlang der Straße verlief im 18. Jahrhundert die Stadtmauer, die die Soldaten des Landgrafen Ludwig IX. am Desertieren hindern sollte.

    Die Darmstädter Straße am Rande des Alten Friedhofs.

    Die Wormser Straße um den Darmstädter Platz herum, eine planmäßige 20er-Jahre Wohnsiedlung, die in den letzten 10 Jahren parallel zum Straßensanierungsprogramm der Stadt ganz gut auf Vordermann gebracht wurde.

    Die gründerzeitlich geprägte Lindenstraße im Süden des Viertels, ursprünglich benannt nach Adolf Friedrich Lindemann, einem deutschstämmigen Investor, der von London aus in den 1880er Jahren das Wasserversorgungsnetz des bergigen Pirmasens errichtete.

    Über die Villen am Ostrands des Horebs wie hier in der Orleansstraße gelangen wir in den Norden des Viertels.

    Der nördliche Horeb bietet mit dem Neuffer (rechts zu sehen) eine schlossartige, vorbildlich sanierte Fabrikanlage und der Luisenstraße einen sehr schönen Straßenzug.

    Der Eingang des Neuffers mit der prächtigen "Goldmark-Fassade" von 1926 nach einem Entwurf von Josef Uhl, einem in der Zwischenkriegszeit viel beschäftigten regionalen Architekten, der auch am Mailänder Hauptbahnhof beteiligt gewesen sein soll.

    Interessant sind auch die Seitenstraßen des Landauer-Tor-Viertels:

    Die Hohenzollernstraße führt von der Festhalle aus die Hänge des südlichen Horebs (der wichtigste der "Sieben Hügel" der Stadt) entlang. Eine edle Wohnlage, die über ihre Länge zunehmend in modernere Bebauung übergeht.

    Von der Landauer Straße (ganz hinten) aus führt die Schillerstraße in ein regelrechtes "Schillerviertel". An dieser Kreuzung, dem "Schillerplatz" geht nicht nur die Schillerstraße weiter, sondern auch noch der "Schillerring" ab. Anlass der Benennungen war wahrscheinlich Schillers 100. Todestag im Jahr 1905. Das Gebäude vorne links war ursprünglich eine Druckerei, das rechte Eckhaus einmal für kurze Zeit Wohnhaus des jungen Hugo Balls.

    Der Schillerplatz aus anderer Perspektive. Mehr eine Weggabelung als ein Platz. Geradeaus bzw. leicht nach links abknickend verläuft die Simter Straße, die weniger repräsentative Parallelstraße zur Landauer und zur Lemberger Straße. Das Gebäude mittig im Bild dürfte eine ehemalige Schuhfabrik sein. Ganz rechts sieht man eine denkmalgeschützte, aber sanierungsbedürtige alte Schuhfabrikantenvilla.

    Die Villa von vorne, barockisierende Reformarchitektur, Baujahr etwa 1905. Links daneben der schlichte Fabrikbau aus dem späten 19. Jahrhundert.

    Die Wildstraße führt von der Simter zur Lemberger Straße. Sehr dichte Gründerzeitbebauung, einfache bis mittelaufwändig gestaltete Fassaden, überwiegend gut gepflegt.

    Prächtige Fassade in der Charlottenstraße. Leider keine geteilten Fenster und die hier bei Sanierungen der Nachkriegszeit sehr beliebten Kacheln auf dem Sandsteinsockel, die eher nach einem 70er/80er-Jahre Badezimmer aussehen.

    Zurück in der Landauer Straße finden wir einen wunderschönen Bau von 1897, die "Adolfsche Villa", benannt nach dem gleichnamigen Schuhfabrikanten, der sie errichtet hat. Die Fabrik stand einst links daneben, brannte aber 1909 ab und wurde durch ein etwas klotziges Wohngebäude ersetzt (siehe Wikimedia Commons). Hier trübt ein einstöckiger, leerstehender Kiosk in der Villeneinfahrt das Bild, der hoffentlich irgendwann abgerissen wird.

    Wir besuchen eine andere Ecke der Stadt, das "Landauer Tor" im Süden der Innenstadt ist das zweite große Gründerzeitviertel. Im Vergleich zum Bahnhofsviertel wird es auch weniger von Brachen und großen Verkehrsachsen durchschnitten, mit Ausnahme der im Krieg stark zerstörten, zentralen Kreuzung Landauer-/Friedhof-/Kaiserstraße, heute gerne als "das Landauer Tor" bezeichnet. Namensgebend war das ehemalige Stadttor im 18. Jahrhundert in Richtung Landau, auch wenn das eine Kreuzung weiter an der Bergstraße lag und eigentlich "Buchsweiler Tor" hieß.

    Am Landauer Tor findet man heute mit dem Alten Friedhof einen schönen Stadtpark und mit Kino, städtischer Festhalle, Restaurants und Irish Pub auch etwas mehr Leben am Tage und in der (nicht allzu späten) Nacht.

    Der Carolinensaal war die alte Einsegnungshalle des Friedhofs (Baujahr ca. 1880) und wird heute für Kulturveranstaltungen genutzt.

    Die Buchsweilerstraße führt vom Carolinensaal in ein beliebtes Wohnviertel. Dazu gehören wunderschöne Villen, hauptsächlich in der Reformarchitektur der 1910er und 1920er Jahre.

    Hier auch ein äußerst eleganter 20er-Jahre-Bau, den man fast schon der Frühen Moderne zuordnen kann, die Villa Kaiser. Laut Denkmalliste ein "kubischer Zeltdachbau" in Reformarchitektur.

    Die Friedhofstraße leitet den Verkehr in die und aus der Innenstadt heraus. Hier stehen hauptsächlich Gründerzeitler. Der linke der drei vor uns besitzt sogar noch eine alte Figurennische inklusive Figur, der Sockel wurde aber mit hässlichen Kacheln verkleidet.


    Kern des Altbauviertels ist das Dreieck zwischen Landauer-, Lemberger und Volksgartenstraße, hier abgebildet die Landauer Straße mit großartigem Neorenaissance-Gebäude ganz rechts.

    Auf dieser Straßenseite der Landauer Straße zwischen Volksgarten- und Friedhofstraße ist der Bauzustand noch exakt wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Häuser befinden sich nicht immer in einem denkmalgerechten Zustand, aber viele Fassaden haben hohen architektonischen Wert. Ganz links gibt es noch eine originale Eingangstür.

    Blick in die Lemberger Straße stadtauswärts. In der Ferne erkennt man das Stadtbad aus den späten 20ern. Davor abwechslungsreiche späte Gründerzeit, die etwas unter Aufstockungen (am zweiten Bau von links gleich zwei Stockwerke extra) und Ladeneinbauten leidet.

    Leider fehlen in fast allen Häusern angemessene geteilte Fenster. Das kann sich gerade bei den Gebäuden mit schlichten Fassaden gefährlich auswirken, da sie nur im Gesamtbild als stimmiges Baudenkmal sinnlich erfahrbar sind (wozu die Fenster gehören und unpassende Eingangsüberdachungen nicht gehören). Da droht dann eher bei Verkauf eine Beseitigung als bei den opulenten neobarocken Fassaden.

    Den "Worst case", den du ansprichst, hat es hier die letzten Jahre schon ab und zu gegeben. Und könnte sich noch öfter wiederholen. Die Pirmasenser waren traditionell hauptsächlich Arbeiter und Kleinbürger, die ihre Häuser gerne liebevoll verbastelt haben, aber nicht so oft mit Kunstverstand gepflegt. Geteilte Fenster sind eines der geringeren Probleme ;) Ich zeige mal ein paar positive und negative Beispiele:

    Bei diesen Halbvillen in der Turnstraße ist noch fast alles original, Dach, Dachfenster, die Fensterläden links, Garteneinzäunung. Rechts sieht man allerdings nur noch oben die alten, nicht mehr ganz tauffrischen Fenster. Im Erdgeschoss wurden sie bereits durch ästhetisch wenig anspruchsvolle Kunststofffenster ersetzt.

    Schöne geteilte Fenster an der Villa Fahr unterhalb des Rheinbergers. Hinter dem Gebäude beginnt der Strecktalpark, der einst das Gelände der Gerberei Fahr war.

    Nicht ganz so schön dagegen: Ladeneinbauten des Grauens für die ehemalige "Bäckerei am Kaiserplatz". Das hier könnte ein wunderbares Eckhaus sein. Aber man kann die störende Glasfront nicht wegsehen.

    Und jetzt der maximale Stilbruch: Wunderschöner Stuckrahmen um die banal moderne Tür herum. Nein, dieses Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz. Weiß jemand, warum? :D Aber immerhin ist die Fassade so schön mit Stuck verziert, dass niemand auf die Idee käme, das das Haus einfach so zu beseitigen.

    Hier sehen wir links drei Gebäude, die leider bereits abgerissen wurden für einen Neubau von modernen, absolut unangepassten "Stadthäusern" (so sollen die aussehen, wir hatten die Neuigkeit bereits im Forumsstrang zur Stadt). Zwei sehr einfache Gründerzeitler, die durch ihre Dachausbauten verschandelt wurden, und eine schöne Stuckfassade ganz links. Die war zwar absolut erhaltenswert, aber sie stand nicht unter Denkmalschutz, und dem Bauprojekt als Ganzes im Weg.

    Für sich genommen nur ein einzelner trauriger Gebäudeverlust, aber der Ensemblecharakter der vorderen Turnstraße zur Innenstadt hin (hinten im Bild) wurde damit nachhaltig geschädigt und weiteren Abrissen der Weg bereitet. Dem schlecht erhaltenen Klinkerbau rechts neben den drei abgerissenen Häusern sage ich eher keine allzu rosige Zukunft voraus.

    Zum Abschluss etwas Positives: Die eine oder andere schöne Holztür findet man auch noch in Pirmasens, hier auf dem Horeb in der überhaupt sehr sehenswerten Luisenstraße.

    Bevor wir uns anderen Vierteln zuwenden, noch ein paar Highlights aus den weniger bekannten Ecken von Bahnhofsviertel und umliegenden Straßen:

    Eine 20er-Jahre Villa in der Schachenstraße, Ecke Gasstraße, mit schönem Dach.

    Eine weitere Villa in der Schachenstraße, direkt nebenan. Mit unaufdringlichem, sich harmonisch einfügenden modernen Nachbargebäude. Der letzte Satz kann Spuren von Ironie enthalten ;)

    Blümelstalstraße, am Rande des Stadtviertels "Schachen", nahe am Bahnhof, aber durch die heutige "Bahnbrücke" von diesem getrennt. Der alte Pirmasenser Hauptbahnhof vor dem Krieg lag noch näher an diesem Gebäude, nämlich leicht rechts und leicht dahinter. Dieses heutige Wohnhaus entstand um 1900 als Fuhrmannsbetrieb, um Waren vom Bahnhof in die Stadt und zurück zu transportieren.

    Auf der anderen Seite des Bahnhofs erklimmen wir die unteren Hänge der Husterhöhe und entdecken schöne Wohnbauten in der Gartenstraße.

    An der Kreuzung zur Turnstraße sehen wir (in einer anderen Jahreszeit) eine gut erhaltene neobarocke Villa. Ursprünglich war hier das "Königlich-bayerische Brandversicherungsamt".

    Die Turnstraße (siehe auch Bildersammlung auf Wikimedia Commons) führt zurück in Richtung Innenstadt und zählt mit ihrer Mischung aus Halbvillen und mehrstöckigen Gründerzeitlern zu den schönsten Straßenzügen in Pirmasens. Geschlossene Altbebauung gibt es aber nur jeweils auf einer der beiden Straßenseiten.

    Fassade in der Turnstraße mit alten Balkongittern.

    Weiter in Richtung Innenstadt wurde ein Balkon aufs grausamste entfernt. Ansonsten ist die Fassade gut erhalten.

    Wir machen weiter im Bahnhofsviertel:

    Der Krekeler-Platz vor der Alten Post ist auch eher eine Steinwüste, ein nettes Detail sind dafür die Bildtafeln an der Mauer, auf denen alte Bilder der Gegend (Beitrag #11 hatte schon den früheren Hauptbahnhof gezeigt) und ein Stadtplan aus den 1890er Jahren zu sehen sind.

    Die Bahnhofstraße nach 1910, auf der linken Seite der kleine Bau des allerersten Pirmasenser Bahnhofs von 1875 (1976 abgerissen). An der Stelle der 20er Jahre Hauptpost war einfach nur ein Hang (die Gebäude dahinter gehören zum Postdreieck und stehen alle noch). Auf der rechten Seite ausgehend von vorne Kohlenhandlung (einstöckig) und Bahnhofshotel der Familie Jung (das Hotel brannte in den 70ern mehrfach, die Ruine wurde 1981 abgerissen). Dahinter die Alte Post (1976 von der Post aufgegeben, 1986 unter Denkmalschutz gestellt und von der Stadt gekauft, Anfang der 90er baulich gesichert und von 1999 bis 2013 für die heutige Nutzung umgebaut). Es folgen das Hotel Matheis und die noch erhaltene Altbebauung.

    In der Umgebung gibt es viele weitere sehenswerte Gebäude wie hier in der Gärtnerstraße hinter dem Postdreieck, die Bebauung ist aber meist weniger geschlossen.

    Schachenstraße, gegenüber dem Rheinberger-Gebäude.

    Ehemalige Schuhmaschinenfabrik Schön & Cie in der Teichstraße, Gebäude betrachtet von der Rückseite zur Schachenstraße. Der Altbau stammt aus dem Jahr 1914 und wurde später aufgestockt und mit Anbauten versehen. Die Firma existiert noch als schoen + sandt machinery, im alten Gebäude sitzen heute eine große Telemarketingfirma und ein Sozialkaufhaus.

    Ecke Schachen- und Poststraße. Fotografiert aus Richtung Rheinberger, nach rechts geht es zur Alten Post.

    Norddeutsch anmutender Klinkerbau in der Schachenstraße mit schönem Treppengiebel und weniger schönen Dachausbauten.

    Einfache Gründerzeitbauten an der Ecke von Schachen- und Gasstraße.

    Sitzen auf den Smarties eigentlich wirklich mal irgendwelche Leute? Sehr bequem sehen sie nicht aus. Und die Abstände zwischen ihnen sind auch recht groß, so dass kaum zwei Personen beieinander sitzen und sich unterhalten können, oder?

    Selten. Das Material ist ziemlich bequem, die Fläche so groß, dass locker zwei Personen gleichzeitig auf ein Smartie passen. Aber auf Dauer fehlt wirklich eine Rückenlehne. Die Fläche ist wohl eher als vorzeigbare "Passage" gedacht, hierdurch gelangt man unter anderem von Bahnhof, Innenstadt oder der Jugendherberge aus zum Dynamikum. Dessen Kundschaft ist auch eher jünger, hauptsächlich Familien, Jugendgruppen und Schulklassen.

    An Einheimische wurde vielleicht bewusst nicht gedacht, dazu ist hier das Beispiel einer Parkanlage der 80er Jahre zu sehr präsent, die bedingt durch die Nähe zu einem "Kaufland"-Supermarkt zum Treffpunkt von Trinkern wurde, im Volksmund der "Oettinger-Park" genannt. Auch von einem Alkoholverbot ließen sie sich nicht aufhalten, sie sind einfach an den Rand des Parks im Schutze des nahen Parkhauses ausgewichen. Die neuen Stadtplätze sind diesem Negativbeispiel nicht gefolgt, besitzen aber auch kaum Aufenthaltsqualität. Der nahe Krekeler-Platz hat immerhin die Aussicht auf die Alte Post zu bieten, ist aber mehr funktional auf Freiluft-Kulturveranstaltungen ausgelegt.

    Grundsätzlich Zustimmung, Heimdall. Heutiger Platzgestaltung fällt selten mehr ein als großflächige Betonflächen und armselige Grünstreifen. Hier muss ich die Planung aber etwas in Schutz nehmen, die der Pirmasenser Garten- und Grünflächenamtsleiter selbst verantwortet hat (und der versteht in der Regel sein Handwerk). Das Kunstwerk sieht etwas komisch aus, ist aber eine Art Außenexponat des Dynamikums. Es stellt die DNA-Doppelhelix dar und lässt sich durch Drehen in Bewegung bringen. Die schrägen Platten auf der Rasenfläche sollen wohl den Zugang zum Exponat markieren. Die seitlichen Grünflächen und Beete sind mittlerweile deutlich grüner, die Bäume größer (die beiden Bilder sind von 2017). Die Smarties sind tatsächlich unkaputtbare Sitzmöbel. Ästhetisch fragwürdig, aber die Stadt spart Wartungsaufwand und Vandalismus hat keine Chance. Der Zeitgeist drückt hier also leider seinen Stil durch, im Einzelnen haben die Gestaltungsentscheidungen aber durchaus Berechtigung.

    Die Sandsteinwände an den Seiten sind historisch und werden von den neu eingebauten Stützen abgesichert. Mittlerweile ranken sich auch Pflanzen die Stützen hoch. Vom Rest des Platzes habe ich leider keine aktuelleren Bilder, aber die Beete am Rande sehen mittlerweile so aus:

    Fortsetzung: Die Bahnhofstraße aufwärts passieren wir den Joseph-Krekeler-Platz, erst 2015 angelegt an Stelle des 110 Jahre alten Hotels Matheis mit Jugendstilschmuck, aber insgesamt eher grobschlächtiger Form (Zustand ursprünglich so, zuletzt noch so). Vor dem Abriss war die Schaufassade der Alten Post stark zugestellt (siehe Wikimedia Commons). Der heutige bauliche Zustand entspricht wieder demjenigen vor dem Bau des Hotels:

    Oberhalb des schlichten Platzes durchgehende Altbebauung, die als Ensemble denkmalgeschützt ist ("Denkmalzone Bahnhofsviertel"):

    Hier noch einmal die städtischen Bauämter mit originaler Dachlandschaft inklusive fantastischem Eckturm. Ginge man die Bahnhofstraße weiter aufwärts in Richtung Zentrum, würde man zu Bezirksamt und Amtsgericht gelangen. Der Altbau von letzterem ist eigentlich dieses Gebäude (nach Kriegszerstörung vereinfacht wiederaufgebaut, meines Wissens nicht denkmalgeschützt), der von Civitas fortis abgebildete Bau wurde ursprünglich als Wohnhaus für den Ledergroßhändler August Himmelspach errichtet und ist heute auswärtiger Sitzungssaal des Arbeitsgerichts Kaiserslautern.

    Gegenüber das "Postdreieck" zwischen Bahnhof-, Schützen- und Gärtnerstraße, einst für ein Straßenbauprojekt zum Abriss vorgesehen. Es wurden in den 70ern auch schon Teile davon abgerissen (ein Haus ganz rechts, mehrere Häuser ganz links), der Rest aber durch Hausbesetzer gerettet und in den 90ern vorbildlich saniert.

    Die Schützenstraße führt in Richtung Rheinberger, im Hintergrund blickt man auf einen schönen Altbau in der Teichstraße, ehemals das kgl.-bayerische Rentamt, später Vermessungsamt, auf diesem Bild noch vor einer aufwändigen Sanierung der letzten Jahre.

    Die "Rheinberger-Passage" führt von der Teichstraße aus zum Rheinberger. Bis vor ein paar Jahren war hier noch das Gelände eines Reifenhändlers.

    Die Passage in Richtung Rheinberger-Gebäude, im Hintergrund der Eingang zum Innenhof des Komplexes und zum Dynamikum.

    Wir starten am Bahnhof, einer der wenigen Kriegsverluste im Bahnhofsviertel, da gezielt bombardiert. Der heutige Bau aus den 50ern wurde aber erst vor wenigen Jahren von der Stadt gekauft und ganz ansehnlich saniert. Hinter dem etwa 2002 angelegten Bahnhofspark (ehemaliges Gleisfeld des Postbahnhofs) gelangen wir über eine kleine Automeile (eine alteingesessene VW-Werkstatt nimmt beide Straßenseiten in Beschlag) zu den ersten Altbauten.

    Highlight des Viertels ist die bis 2013 über mehrere Jahrzehnte sanierte Alte Post von 1893 im Stil der Neorenaissance, heute ein Kulturzentrum mit Ausstellungen zum Landschaftsmaler Heinrich Bürkel und dem Dadaimusbegründer Hugo Ball. Interessantes Fassadendetail ist das Mosaikband mit Motiven aus dem Postbetrieb von Villeroy & Boch, im Krieg durch den Luftdruck in der Nähe eingeschlagener Bomben teilweise beschädigt und vor 10 Jahren nach Originalplänen vollständig wiederhergestellt.

    Auf der anderen Straßenseite liegt das neue, alte Postamt, die ehemalige Hauptpost aus den späten 20er Jahren. Errichtet, weil die Alte Post nach 30 Jahren bereits zu klein war, und mit damals modernster Technik inklusive mechanischer Paketverladung in den im Untergeschoss gelegenen Postbahnhof. Anfang der 2000er war der Bau aber schließlich völlig überdimensioniert und wurde aufgegeben. In den letzten Jahren wurde er (noch gerade rechtzeitig vor der Pandemie) zu einer Jugendherberge umgebaut.

    Danke für die Bilder, Neußer! Nach Pirmasens verliert man sich nicht so schnell. Die Innenstadt ist leider wirklich ein Best of BRD mit dem Charme der 50er- und 80er Jahre. Und das sind noch die besseren Bauten, zwischendrin entdeckt man auch die eine oder andere üble Bausünde der 60er und frühen 70er. Die Stadt wurde im Krieg zu insgesamt zwei Dritteln zerstört, das Zentrum aber zu ca. 90 Prozent, sicherlich auch der Lage geschuldet an praktisch nur zwei parallel verlaufenden Straßen, der Haupt- und der Allee-/Schlossstraße, und damit fast nur einer einzigen Einflugschneise für feindliche Bomber. Zu Kriegsende standen nur noch einzelne Bauten wie die abgebildete Bayerische Staatsbank unbeschädigt, die wichtigsten Bauten wie das Alte Rathaus und die Kirchen wurden wiederaufgebaut, aber das Stadtbild war unwiederbringlich verloren.

    Dagegen hat der Gründerzeitgürtel um den Stadtkern herum den Krieg fast unbeschädigt überstanden. Teilweise besteht er heute aus mehr schlecht als recht gepflegten früheren Arbeitervierteln, manche Straßenzüge sind autogerechten Straßen zum Opfer gefallen, aber die aufwändiger gestalteten Viertel am Landauer Tor im Süden und das Bahnhofsviertel im Nordwesten der Innenstadt sind ziemlich gut erhalten. Ich schaue, dass ich die nächsten Tage Bilder dazu beisteuere.

    Interessant war gestern Mittag die Aussage des geschäftsführenden Direktors des Städtetags RLP beim Interview im Deutschlandfunk, dass eine Vielzahl von Sirenen in der Zeit nach dem Ende des kalten Krieges abgebaut wurden. Man hat sich nicht mehr bedroht gefühlt und wollte sparen. In den letzten Jahren hat man dann verstärkt auf Digitaltechnik wie Warn-Apps gesetzt, um den Katastrophenschutz zu stärken. Was, wie Valjean anführt, schon letztes Jahr als "Trockenübung" nicht gut funktioniert hat. Kurzfristig gibt es hier einiges zu verbessern. Wenigstens werden Warnungen in Zukunft schon mal etwas ernster genommen. Eine Schulung zu Warntönen per Sirene ist aber auf alle Fälle notwendig, bei uns in der Region kennt man die nur als "die Feuerwehr fährt zu einem Einsatz" oder in Kombination mit Lautsprecherdurchsagen "in der Straße wird das Wasser abgestellt". Ich lebe aber nicht in einer Hochwasserregion.

    An der Mosel, wo meine Familie herkommt, kennt man Hochwasser und hat einen ziemlich gelassenen Umgang damit entwickelt. Die meisten Orte haben gute Schutzvorrichtungen wie Hochwassermauern, die bisher fast immer ausgereicht haben. Bei so einem springflutartigen Hochwasser reichen sie nicht mehr. Und die gelernte Gelassenheit kann leider tödlich enden. Zum Glück waren es bei meiner Verwandtschaft an der Mosel nur recht kurzzeitig anderthalb Meter hohes Wasser in der Straße. So etwas war dort früher tatsächlich normal, als es noch keine Hochwassermauer gab.

    Wo genau fahren heute noch Züge auf Gleisen oder Bahnschwellen aus der Kaiserzeit?

    Du hast schon Recht, die Gleise und Gleisbetten werden in der Zwischenzeit doch ein paar Mal ausgetauscht worden sein :D Die Stellwerkstechnik stammte aber vielerorts noch aus der Kaiserzeit und wurde erst in den letzten Jahren durch elektronische Stellwerke ersetzt. So jedenfalls in der Südpfalz. Brückenbauwerke wurden auch einige Male saniert in der Zwischenzeit, manche ausreichend oft, andere nicht. Ich finde es aber schon interessant, wie gut manches alte Bauwerk mit in der Zwischenzeit deutlich gestiegenem Verkehrsaufkommen klarkommt. Vielleicht war man verschwenderisch großzügig mit den Ressourcen, vielleicht wurde manche Brücke aus militärstrategischen Gründen so stabil gebaut (hier ein Beispiel an der Mosel, entlang der einstigen "Kanonenbahn" zwischen Berlin und Metz, bis heute sehr robust - wenn auch teilweise kriegszerstört und wiederaufgebaut).

    Solche Aufbauleistungen wären ohne die wirtschaftlichen Bedingungen des Kaiserreichs nicht möglich gewesen. Sie waren auch nötig, um die stark wachsenden Mengen Bevölkerung und Güter von A nach B zu bringen. Die Situation ist mit heute oder 1945/49 nicht vergleichbar. Aber vielleicht kann man sich heute etwas inspirieren lassen von der Fähigkeit, funktional, ästhetisch und nachhaltig zu bauen.

    Wesentlicher Unterschied ist, dass das Kaiserreich seine Infrastruktur mit einem enormen Kraftakt neu aufgebaut hat. Das heutige Deutschland hat einen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung viel größeren Staatshaushalt, der aber neben zahlreichen (mehr oder weniger sinnvollen) neu hinzugekommenen Staatsaufgaben auch die Instandhaltung sehr vieler alter Infrastruktur finanzieren muss. Es braucht heute viele Milliarden Euro pro Jahr, allein damit sich der Zustand nicht durch natürlichen Verschleiß verschlechtert. Eine einmalige Ausgabe zu finanzieren ist leicht für einen Staat, dauerhafter Unterhalt ist dagegen viel schwieriger und lästiger, wird also gerne vernachlässigt. In vielen Ländern noch schlimmer als bei uns ( z. B. in den USA), aber die letzten Jahrzehnte haben auch wir ziemlich von unserer Substanz gelebt.

    Eine Substanz, die teilweise immer noch auf das Kaiserreich zurückgeht. Gerade diese alten Brücken und Eisenbahnstrecken sind erstaunlich langlebig (und trotzdem heute teilweise erschreckend marode). Bleibt zu hoffen, dass die Infrastrukturoffensiven der letzten paar Jahre den Kassensturz nach der Pandemie überleben und wir gerade das alte Eisenbahnnetz zukunftsgemäß weiterentwickeln können.

    Das Nebengebäude der Villa Ufer heute im gepflegten Garten hinter der Villa:

    Die Villa Heilmann stand früher direkt links neben der Villa Ufer, aber sie wurde leider in den 80er- oder 90er-Jahren abgerissen und durch den postmodernen Erweiterungsbau der Verbandsgemeindeverwaltung ersetzt. Aus dem Jahr 1982 gibt es Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Landesamts für Denkmalpflege RLP im Bildindex der Kunst & Architektur, die das Gebäude noch recht gut in Schuss zeigen. Wenig später wurde es trotz mutmaßlichem Denkmalstatus abgerissen und hierdurch ersetzt:

    Für ein postmodernes Gebäude ganz interessant, scheinbar wurde auch die alte Haustür und das darüber liegende Fenster der alten Villa Heilmann in den Neubau integriert, aber dass man es überhaupt abgerissen hat, finde ich schon fragwürdig. Mit der Villa Ufer und der Villa Streccius sind Ludwig Levys bedeutendste Wohnbauten in Landau allerdings bis heute erhalten.

    Heute Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde Landau-Land, das Nebengebäude steht auch noch! Auf der Denkmalliste als "Kutscherhaus im Schweizerstil" bezeichnet. Wenn ich die Tage dort vorbeikomme, mache ich mal ein Foto davon. Der Architekt Ludwig Levy hat übrigens im ganzen südwestdeutschen Raum beeindruckende Gebäude geplant, neben Villen, Verwaltungsgebäuden und protestantischen Kirchen vor allem Synagogen, die leider fast alle später von den Nationalsozialisten zerstört wurden. Im Schweizer Kanton Neuenburg hat ein Exemplar überlebt.

    Die Grafschaft Burgund (gehörte die überhaupt zum HRR? Ich glaube nicht) ist ja heute in deutsche, französische und schweizer Gebiete aufgeteilt.

    Ich meine, der deutsche Teil des ehemaligen Burgunds macht den geringsten Anteil aus - Worms soll ja die Hauptstadt von Burgund gewesen sein.

    Ich weiß jetzt allerdings nicht, was der Sage und was der Geschichte entspringt, ich hab die Zeit Burgunds noch nicht so bewußt miterlebt.

    Das historische Burgund war geteilt in das Herzogtum Burgund mit der Hauptstadt Dijon, Teil Frankreichs, und der (Frei-)Grafschaft Burgund, der Franche-Comté, die bis 1678 Teil des HRR war. Hauptstadt der Freigrafschaft war das heute sehr beschauliche Dole, der Bischofssitz Besançon war reichsunmittelbare Freistadt. Hier sieht man eine Karte der Aufteilung, alles grüne kam 1032 als Königreich Arelat zum HRR, vorher gab es hier die Königreiche Hoch- und Niederburgund (siehe Karte), Worms war aber nie Teil davon. Das ist, wie du schon vermutet hast, Teil der Sage, nämlich aus dem Nibelungenlied. Historisch war der Stamm der Burgunder nur mal als römische Hilfstruppe am Rhein stationiert.

    Besançon hat auch eine interessante Kathedrale, eine ursprünglich romanische Basilika, mit einzelnen gotischen Elementen, später umfangreich barockisiert. In die Kategorie dieses Strangs fällt sie allerdings sicher nicht ;)

    Die Staatsbibliothek wurde heute endlich (wenn auch nur digital) wiedereröffnet. Dazu aktuelle Berichte im Tagesspiegel (von SPK-Präsident Parzinger selbst), in der Süddeutschen, und ein Videobeitrag beim ZDF, lief gerade in den Heute-Nachrichten. Schade, dass die alte Uhr des Kuppellesesaals so versteckt liegt (die SZ erwähnt einen "versteckten Gang hinter einer Treppe des Freihandmagazins"), das ist so ein herrliches Machwerk! Die neuen Lesesäle machen im Gesamtbild aber auch einen guten Eindruck auf mich. Zusammen mit historischen Brunnenhof und Treppenhaus eine schöne Folge von Raumkunst, die man hoffentlich bald wieder als Besucher erleben kann.