Posts by UrPotsdamer

Wir wünschen allen Nutzern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021

    Ich hatte ein aha-Erlebnis, als ich Anfang der 2000er Jahre das erste Mal nach Posen/Poznań kam. Eine der Hauptstraßen dort ist geprägt von Bauten im typischen NS-Stil der 1930er Jahre - bloß dass Posen damals schon zu Polen gehörte! Dieser Stil war also international verbreitet und nicht spezifisch nationalsozialistisch - was eigentlich nicht verwundern sollte, denn die Architekten der 1930er Jahre, ob nun in Berlin oder Posen, hatten ja alle an denselben Universitäten und bei denselben Professoren ihr Handwerk gelernt...

    Nicht bloß immerhin - der Turm wurde damals abgebaut mit dem ausdrücklichen Ziel, ihn zu rekonstruieren. Der Bau wurde für damalige Verhältnisse genauestens dokumentiert, das Originalmaterial eingelagert zwecks des Wiederaufbaus. Ich denke, wenn eine Rekonstruktion ihre Berechtigung hat, dann diese!

    Klar, darüber kann man diskutieren. Mir gefällt die barocke Platzgestaltung wesentlich besser - und ich bin deswegen noch längst kein Schloßgegnerlump! Ich denke, viele andere Freunde der barocken Platzgestaltung werden sich das deutlichst verbitten, so tituliert und mit Trüby in eine Schublade gesteckt zu werden. Es ist eben eine Geschmacksfrage, beide Fassungen haben ihre Meriten, und es tut der Diskussion nicht gut, wenn eine Seite dämonisiert wird.


    Heimdall Hattest Du Dir sowas in der Art gewünscht? 😋

    Im Gesamtzusammenhang mit der Fläche Berlins ist die ökologische Bedeutung aber verschwindend gering und tritt hinter der bauästhetischen und kunsthistorischen Bedeutung weit zurück. Wir können uns gerne streiten, ob eine barocke "Steinwüste" oder ein historistischer Schmuckgarten passender ist. Das Strohmannargument "Umweltschutz" sollte in diesem speziellen Fall aber keine Rolle spielen!

    Das ist prinzipiell ohne Zweifel richtig, und Andreas streitet das auch nicht ab. Aber die Frage ist, ob wir nun wirklich den Städtebau und die Ästhetik dem Klimaschutz opfern müssen, und ob die verhältnismäßig kleine Fläche des Schlossplatz im Kontext zu Gesamtberlin wirklich ins Gewicht fällt.

    Mir scheint das ein typisches Strohmannargument zu sein - man ist mit der "Steinwüste" nicht zufrieden und nutzt den Umweltschutz, um sie loszuwerden. Aber wie gesagt, der Schuss kann sehr leicht nach hinten losgehen!

    Wenn tatsächlich jedes bisschen Fläche zählt, dann müssten wir auf jedes Flachdach (auch des Humboldtforums) Dachbegrünung aufbringen und auf jedes nach Süden gerichtete Pult- oder Zeltdach (auch die der Museumsinsel und des Charlottenburger Schlosses) Solarzellen. Ich denke, das wird keiner in diesem Forum wollen. Selbst in Marburg, wo vor einigen Jahren eine Solarzellenpflicht eingeführt wurde, gibt es Ausnahmeregelungen für historische Gebäude. In solchen Fällen sticht Denkmalschutz und Bauästhetik eben Umwelt- und Klimaschutz - und wie ich meine, absolut mit Recht.

    Bauaesthet Vorsicht mit solchen Aussagen - mit derselben Begründung könnten uns dann nämlich demnächst Solarzellen auf jedem historischen und rekonstruierten Dach blühen. Natürlich sind begrünte Flächen aus dieser Perspektive wünschenswerter als angebliche "Steinwüsten" , aber ob die paar Quadratmeter wirklich einen Unterschied ausmachen bei der Gesamtfläche der Stadt Berlin? Ich denke, dass man aus kunsthistorischen Gründen durchaus mal Abstriche machen kann.

    Können wir uns vielleicht darauf einigen, dass weder die monarchische noch die republikanische Staatsform Frieden und Demokratie garantieren? Schweden ist eine Monarchie und Frankreich eine Republik, trotzdem ist Schweden demokratischer verfasst als Frankreich. Die französische Republik hat den Ersten Weltkrieg genauso betrieben wie das monarchische Russland, und die Weimarer Republik fiel genau wie das Königreich Italien in die Hände undemokratischer Kräfte. Ich mag die monarchischen Zeremonien in London genau wie die republikanischen in Paris, weil beide eine Atmosphäre von Geschichte transportieren, die den deutschen, oft sehr nüchternen Staatstraditionen fehlt. Das ist aber auch schon alles.

    Die Kritik am "Dresdner Weg" finde ich durchaus bedenkenswert. Es handelt sich ja eben nicht um eine "Rekonstruktion", sondern eine Neukonstruktion. Es wird nicht das Alte wiederhergestellt, sondern etwas Neues geschaffen, das sich mehr oder weniger am Alten orientiert. Soweit so gut - aber dann soll man das Kind auch beim Namen nennen. - So verstehe ich die Kritik, die ich durchaus auch teile. Das heißt aber noch längst nicht, dass ich das Ergebnis nicht gutheiße.

    Nur weil etwas nicht objektiv wahr ist, kann es ja trotzdem subjektiv relevant sein. Niemand unter dem Alter von 40 hat die DDR noch wirklich und bewusst miterlebt, trotzdem "wissen" viele junge Leute, wie großartig es damals den Kunstschaffenden ging etc. Natürlich ist das ein Mythos, aber dieser ist wirkmächtig und muss darum ernstgenommen werden. Wir wissen, dass im Stadtzentrum von Potsdam auch vor dem Wiederaufbau des Stadtschlosses und der Garnisonkirche sowie dem Abriss der FH kaum wirkliche Teilhabe möglich war. Das ändert nichts daran, dass sie von Teilen der Bevölkerung imaginiert und "zurückgewünscht" wird. Wenn wir diesen Bedarf ignorieren, tut das unserem Anliegen nicht gut.

    Das Künstlerquartier hinter der Garnisonkirche ist ein Versuch, dieses Bedürfnis zu bedienen. Selbst wenn es von den "Rechenzentristen" nicht angenommen werden sollte, ist ihnen damit jedenfalls ein wichtiges Argument gegen die Garnisonkirche aus der Hand genommen. Etwas ähnliches sollte man im Stadtzentrum durchführen...

    Centralbahnhof Dein Argument wäre stichhaltig, wenn nicht rings um das Stadtschloss jede Menge Grünflächen vorhanden wären - u.a. das Marx-Engels-Forum, das viele, die den Schlossplatz begrünen wollen, am liebsten sofort wieder bebauen würden, der Monbijou-Park und nicht zuletzt der Lustgarten. An Grün herrscht am Stadtschloss nun wirklich kein Mangel...

    Redutze Ich glaube, es handelt sich bei dem Bild um eine Ansicht der Schlossfreiheit vor dem Abriss der Häuser und der Errichtung des Nationaldenkmals. Die Häuser befanden sich diesseits der Spree direkt gegenüber dem Schloß und begrenzten den Platz durchaus.

    Nicht jede kulturelle Eigenart ist es wert, erhalten zu werden (Menschenopfer, weibliche Genitalverstümmelung etc.). Aber zu behaupten, der europäische Einfluss sei ausschließlich positiv gewesen, ist eben auch meilenweit an der Wahrheit vorbei. Zahlreiche Indigenenstämme Südamerikas wurden durch europäischen Einfluss (sei es aktive Gewalt, sei es Einschleppung von Infektionskrankheiten, sei es kulturelle Hegemonie) dezimiert und ihrer Kultur weitgehend beraubt. Das sind unzweifelhafte Verluste, und für diese Kulturen war die Europäische Expansion eine Katastrophe.

    Getreu dem Motto "50 Billionen Fliegen können sich nicht irren...": die Hitparade der beliebtesten Lieder 2020 laut SWR


    1 Bohemian Rhapsody Queen

    2 Stairway to heaven Led Zeppelin

    3 Child in time Deep Purple

    4 The sound of silence Disturbed

    5 Der Hafer- und Bananenblues Pferdle & Äffle

    6 Brothers in arms (CD Album Version) Dire Straits

    7 Nothing else matters Metallica

    8 Wish you were here Pink Floyd

    9 Am Fenster City

    10 Music John Miles


    Ich habe vergeblich nach Brahms, Beethoven oder Mozart gesucht. Anscheinend sind sie selbst in ihrer Heimat nicht sooo beliebt...

    Frag mal die Menschen in Sicherheitsverwahrung. Ich vermute mal, die sehen keinen großen Unterschied "de facto".


    Aber darum geht es ja hier eigentlich gar nicht. Ich möchte gerne noch darauf hinweisen, dass ein Diebstahl oder gar Raub, so schwer er uns auch kulturell trifft, gewöhnlich nicht mit Höchststrafen bewehrt ist. Dass es noch einen Unterschied zwischen Mord und Diebstahl gibt und auch in der Bestrafung geben sollte, ist hoffentlich Konsens (obwohl ich mir da nicht sicher bin)...

    In diesem Forum wird immer wieder empört darauf hingewiesen, welche "häßlichen" 70er-Jahre-Bauten unter Denkmalschutz gestellt werden (meist in dem Kontext, dass dadurch Rekonstruktionen an dieser Stelle unmöglich werden). Genau das ist aber die Folge des dynamischen Kriteriums: in den 70er Jahren hat natürlich kein Mensch daran gedacht, brandneue Gebäude unter Schutz zu stellen. Und in 30 Jahren wird man Gebäude mit Baujahr 2015 unter Schutz stellen.

    Zum reinen Alter tritt aber meist noch das Kriterium der Außergewöhnlichkeit hinzu. Und da ist es nun mal so, dass nicht jeder Bau von 1890 allein wegen seines Alters schutzwürdig ist.

    Wenn wir schon mit "de iure" und "de facto" argumentieren, dann sollte nicht verschwiegen werden, dass eine Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung "de facto" einer lebenslangen Freiheitsstrafe gleichkommt. Und das kommt durchaus vor - "nie" ist also falsch.

    Dann kann die Lösung trotzdem nicht sein, den Rechtsstaat abzuschaffen. "Dura lex sed lex" - das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz. Wenn wir im Namen des Rechts die Rechte Einzelner abschaffen, dann schützt uns nichts mehr, wenn wir im Fokus der Aufmerksamkeit stehen.