Posts by Suebicus

    Ein Altstadtpurist findet natürlich genug zum Meckern

    Um in Köln genug zum Meckern zu finden, muss man beileibe kein "Altstadtpurist" sein. Damit ein "Altstadtpurist" überhaupt meckern kann, muss es eigentlich zuerst überhaupt so etwas wie eine Altstadt geben.


    Dennoch: ja, Köln ist durchaus noch eine eindrucksvolle Stadt, gerade durch den Rhein, den Dom und die großen romanischen Kirchen.

    Besonders enttäuscht war ich von Erfurt.

    Ja, kann ich absolut nachvollziehen, wenn auch aus anderen Gründen. Natürlich, Erfurt ist grandios an den zentralen Orten: Domplatz, Marktstraße, Fischmarkt, Anger. Da hat man wirklich geschlossene historische Bausubstanz, die sich zu großartigem Ensemble vereint. Aber genau das ist es, was ich ansonsten in Erfurt vermisst habe: Das Ensemble. Wenn man einmal die angesprochenen Magistralen verlässt, verflüchtigt sich der Altstadtcharakter recht schnell - man tritt nicht in ein heimeliges Gassengewirr ein, nicht in einen wirklich kohärenten Stadtraum, sondern stattdessen in etwas, was eher den Charakter der Vorstadt trägt, was zugig und wenig zusammenhängend wirkt. An den Hauptplätzen erscheint Erfurt wie eine Metropole aus Mittelalter und Früher Neuzeit, deren Fassaden die alte Bedeutung widerspiegeln - verlässt man jedoch das unmittelbare Zentrum, fühlt man sich schlagartig in eine x-beliebige Kleinstadt versetzt.

    Das ist wirklich eine Ungeheuerlichkeit! Nun muss also auch noch Rottenburg verhunzt werden.. Die Modernisten verstehen eben nicht, dass ein einziger (!) steriler Neubau reicht, um einem historischen Ensemble jegliche Heimeligkeit auszutreiben (bzw. vielleicht verstehen sie es und es ist ihnen schlichtweg egal). Ich komme aus der Nähe von Rottenburg und verehre die dortige Altstadt - deshalb ist es für mich eine besondere Tragödie. Gerade der Rottenburger Marktplatz zeichnete sich doch bisher durch eine relative Geschlossenheit aus, durch ein noch wirklich altertümliches Gepräge. Aber nein, dieses letzte Stückchen der alten Welt können sie uns nicht einmal lassen... Ich kann meine Wut und meine Trauer überhaupt nicht in Worte fassen.


    Aber ja, gerade Rottenburg tut sich schon seit längerer Zeit durch Kulturvernichtung hervor. Man schaue sich auch einmal den dortigen Dom an (Rottenburg ist ja seit dem 19. Jahrhundert Bischofsstadt). Bis zur Renovierung 2001/2003 war der eigentlich gotische Dom im Inneren vom Neobarock dominiert – sicherlich künstlerisch nicht besonders hochwertig, aber doch ganz nett. Dann hat man das altehrwürdige Kirchengebäude modern umgestaltet, die neobarocke Bemalung verschwand zusammen mit den Prunkgegenständen, darunter auch die spätgotischen (!) Altäre. Seit dieser unsäglichen Renovierung muss einem der Dom doch leidtun: Sein Äußeres ist noch immer sehr beeindruckend, das Innere jedoch modernistisch verstümmelt. Hier finden sich Bilder von der früheren und der heutigen Gestaltung: http://www.held.eu/de/Dom_Kirche_1.php

    Bleibt in der Diskussion bei der Architektur. Ich habe die Beiträge deaktiviert, die sich rein um Politik drehten.


    Wir debatieren hier über den Populismus-Vorwurf in der Architektur. Natürlich darf man dann auch einmal den politischen Begriff des Populismus an sich analysieren, aber hier bahnte sich eine rein themenfremde (und sinnlose) Diskussion an.

    Ich denke, die Katzen- und Hunde-Gedanken von Suebicus bringen schon eine ironische Brechung rein. Jedem ist wohl klar, dass sich Tierliebhaber nicht in eine rechte oder linke Ecke drängen lassen würden. Tierliebe ist überparteilich, genauso wie die Freude an schönen Gebäuden.

    So war es gedacht.


    Moscovicus (besser: Moscovitus)

    Diese "cus"-Endung muss aber schon drin sein, deshalb: Moscovicus :D


    Ich glaube, das hat auch was mit dem heißen Wetter dieser Tage zu tun.

    Das glaube ich auch. Besonders am heutigen Tage (40 Grad 8| ) werde ich wohl tatsächlich nur Hunde und Katzen vor meinem inneren Auge herumwandeln sehen.


    Das ist doch jetzt der versöhnliche Abschluss einer sehr tierlastigen Diskussion. Stalins Katzen können sich also wieder beruhigt in ihr Kissen zurückkuscheln.

    Ein wütender Moscovicus, der Klartext redet, würde schnell im Gulag landen und seinem Verein einen Bärendienst erweisen.

    Unter Stalin wäre viel eher der gesamte Verein ohne jegliche Differenzierung beim Hauch einer Denunziation im Gulag gelandet. Wahrscheinlich der Hundeliebhaber grundlos gleich hinterher.


    Es war ein Spiel ohne jeglichen Anspruch auf historische Realität. Ich wollte eigentlich zuerst dafür ein anderes geschichtliches Regime verwenden, dachte mir dann jedoch, dass ich in diesem Fall erst einmal einen ellenlangen Text schreiben müsste, nur damit niemand den Vergleich falsch versteht. Ich nahm dann ohne viel Nachzudenken eben die Sovjetunion, aber vielleicht trifft mein Beispiel im Endeffekt mehr auf das andere historische Regime zu. Na, dann kann ich immerhin wieder von "tegula" statt vom anscheindend falschen "плитка" schreiben... Hätte ich aber das andere Regime verwendet, fiele mir auf Anhieb ein bestimmter Forengenosse ein, der dann trotzdem ebenso laut Einspruch erhoben und mir ohne faktische Grundlage was weiß ich auch immer vorgeworfen hätte...


    Wenn der Genosse Hundeliebhaber versucht, mit den Mitteln des Systems eine eigentlich unpolitische Sache zu diskreditieren, wäre er dann kein Gegner? Es ging mir darum, die Brisanz der Situation und die Boshaftigkeit einer bestimmten Persönlichkeit zugespitzt darzustellen, um meine Fassungslosigkeit angesichts der Gelassenheit mancher hier begreifbar zu machen. Ich kann es einfach nicht verstehen, wie hier die Angriffe eines Möbys ( :D ) teilweise relativiert werden. Natürlich wäre es sinnvoll, ihn mit den Mitteln des Systems zu schlagen, aber ist das überhaupt immer möglich? Versuchen wir das nicht auch schon?


    Mein "Gedankenexperiment" zielte auch gar nicht darauf ab, eine richtige Handlungsweisung zu liefern, sondern sollte lediglich, wie schon geschrieben, in äußerst zugespitzter Form die Boshaftigkeit derer darlegen, die versuchen, aus Eigeninteresse heraus den architektonischen Diskurs zu politisieren, um sich nicht mit legitimen Ansprüchen auseinandersetzen zu müssen. Und dadurch mein Unverständnis denen gegenüber begreifbar zu machen, die uns tatsächlich ein aufgebauschtes Feindbild vorwerfen. Du machst also aus meinem Experiment etwas, das es nicht sein sollte, und widerlegst dann diesen Strohmann. Ich hatte mir sogar noch überlegt, ein Ende im Gulag zu verfassen, das die Grundaussage der Geschichte verdeutlicht hätte. Das habe ich dann aber sein gelassen, denn es wäre wohl sehr dunkel, geschmacklos und zu dick aufgetragen geworden und hätte mir eventuell eine Rüge von den Mitmoderatoren eingebracht. Moscovicus stapft durch den sibirischen Schnee: "Na, und? Ist er nicht unser Gegner?"..


    Als so böse wollte ich den Hundeliebhaber dann doch nicht darstellen.


    Warum плитка / plitka? Das lateinische Wort "tegula" heißt doch "Ziegel", gegebenenfalls "Dachziegel". Das russische Wort dazu ist im ersten Fall "кирпич / kirpitsch", und im zweiten Fall "черепица / tscherepiza". Für mich ist dieses Übersetzungsproblem das interessanteste an deinem Gedankenexperiment.

    Ich kann leider kein Russisch und musste mich auf Google-Übersetzer verlassen.

    Gut, das wird jetzt mein letzter Beitrag hierzu. Ich kann einfach diese Gelassenheit nicht verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der es keine größere Sünde zu geben scheint als rechts zu sein. In einer Zeit, in der jegliche auch nur vage Assoziation mit "rechts" eine totale gesellschaftliche Isolation nach sich zieht. Herr Trüby weiß genau, was er macht, wenn er versucht, der Rekonstruktionsbewegung ein rechtes Mäntelchen umzuhängen. Dass er dies wirklich rein aus einer wissenschaftlichen Überzeugung tut, glaube ich einfach nicht. Das ist das letzte verzweifelte Mittel der Modernisten.


    Stellen wir uns einmal folgendes vor (und nein, ich möchte unsere Lage nicht mit der in der Sovjetunion vergleichen, es ist lediglich ein weiteres, (sehr) zugespitztes Gedankenexperiment): Es gibt einen Verein der Katzenliebhaber in der Sovjetunion, der aber von einem Hundeliebhaber kritisch beäugt wird. Der Hundeliebhaber kann Katzen nicht ausstehen und möchte, dass die Menschen sich wieder vermehrt Hunde zulegen. Aus irgendeinem Grund haben Katzen gerade Hochkonjunktur (vielleicht weil Hunde zu sehr an den Krieg erinnern). Nun überlegt sich der schlaue Hundeliebhaber, wie er die Katzen wieder ins Abseits drängen kann, und da er nun einmal schlau ist, erkennt er den Zeitgeist und seine Möglichkeiten (ich weiß, eine Unterstellung, aber ich halte sie für schlüssig). Er ist zufällig auch Professor für ..hmm... Kulturtheorie mit dem Schwerpunkt auf der Beziehung zwischen Mensch und Tier und kann sich demnach als Autorität präsentieren. Also veröffentlicht er mehrere Schriften, in denen er krampfhaft versucht, Katzen irgendwie in die Nähe der Bourgeoisie zu rücken. Schließlich stünden sie ja für eine effeminierte Affektiertheit, die sehr an das dekadente Bürgertum der Jahrhundertwende erinnere. Hunde hingegen seien loyale, schlichte, geradlinige Tiere, die vielmehr den Idealen des "Neuen Menschen" entsprächen als die so dekadenten, bürgerlichen Katzen. Die Liebe zu Katzen sei also oftmals Ausdruck einer tiefsitzenden bourgeoisen Einstellung. "Es ist ja nicht jeder Katzenliebhaber ein Klassenfeind", sagt der Hundeliebhaber mit einem Zwickern. "Aber dennoch versucht der Klassenfeind, mittels der Katzen das Proletariat zu verderben!". Und nun gibt es eine hitzige Diskussion bei der Versammlung der Katzenliebhaber in einer Moskauer Datscha. Wutentbrannt erhebt Moscovicus das Wort: "Der Herr ... ist klar als unser Gegner zu betrachten. In dieser Situation versucht er, unsere unschuldige, harmlose Katzenliebhaberei auf niedere Beweggründe zurückzuführen und rückt uns bewusst in eine Richtung, in der für uns staatliche und gesellschaftliche Repressionen zu erwarten sind". "Pah", entgegnet плитка. "Wir müssen differenzieren. Er meint es ja alles nicht so. Wir dürfen uns keinen Gegner machen, wo keiner ist und nicht zuviel in seine Aussagen hineininterpretieren...".


    Auch das ist eine freie Unterstellung. Er möchte Hass gegen sich provozieren? Lassen wir doch bitte mal die Kirche im Dorf.

    Entschuldigung, darf man nun keine Vermutungen mehr anstellen? Es ist eine strategisch logische Erwägung, die so nun wirklich nicht aus der Welt ist. Natürlich sieht ein Herr Trüby es gerne, wenn seine Kontrahenten von Hass getrieben sich in niveaulosen Beleidigungen diskreditieren, anstatt vorzeigbare Argumente zu liefern. Und nein, natürlich finde ich kein Zitat, das dies belegen wird, aber das ist wohl auch der Sinn der Sache.

    Ich kann überhaupt nicht damit anfangen, sich persönlich beleidigt zu fühlen, weil jemand etwas schlecht macht, wovon ich überzeugt bin. Es sei denn, die Person meint explizit mich und meine Aktivitäten und hat sich mich als Zielscheibe ausgesucht. Das kann ich so aber nicht aus seinen Texten herauslesen.

    Ich bewundere Deine stoische Haltung, aber ich kann sie auch nicht wirklich nachvollziehen. Vielleicht liegt es an meiner Jugend... Noch ein kurzes Gedankenexperiment (weil diese hier derzeitig solche Hochkonjuktur habe): Sagen wir einmal, eine Person a mag eine Sache b. Nun kommt ein Herr c (der vielleicht aus Stuttgart stammt, man weiß es nicht...) und meint, jeder der Gefallen findet an Sache b sei ein (Schimpfwort einfügen). Würdest du dich in der Haut von a nicht beleidigt fühlen? Ich weiß, es ist zugespitzt, aber im Endeffekt ist die Lage, wie hier schon herausgearbeitet wurde, eine ähnliche. Das Damoklesschwert des trübyschen Zorns droht über jedem Reko-Befürworter. (Und ja, ich weiß, dass wir uns hier den Modernisten gegenüber manchmal recht ähnlich verhalten, das beruht aber auf Gegenseitigkeit und tut in der Diskussion nix zur Sache)


    Trotzdem: Es sollte nun keinen irrationalen, sinnlosen Hass gegen Herrn Trüby geben (genau das möchte er haben). Stattdessen muss man sachlich bleiben und seinen Vorwürfen mit Argumenten begegnen. Das trübe Wasser verlangt nach Klarheit.

    Wir tun uns wirklich keinen Gefallen damit, unsere unterschiedlichen Überzeugungen auf eine persönliche Ebene zu ziehen.

    Ich rede auch überhaupt nicht davon, dass man nun irgendeinen persönlichen Hass gegen Trüby hegen sollte. Es geht mir lediglich darum, dass er nun einmal unser Gegenspieler im Architektur-Diskurs ist. Wir müssen dies anerkennen und auf eine anständige, zivilisierte Art und Weise unseren Standpunkt verteidigen - eine devote Anbiederung würde meiner Meinung nach sowieso nichts bringen.

    Wenn es dafür aber nicht einen Beleg gibt, sollten wir solche Unterstellungen auch unterlassen. Ist es denn so schwer, zwischen der Sache und den Menschen zu unterscheiden? Es erscheint mir, als würden hier einige nach dem Motto vorgehen: "Wer nicht meine Überzeugungen teilt, ist mein persönlicher Feind. Und Feinde beschimpfen sich üblicherweise auf übelste Weise. Also tut er das auch."

    Stellen wir uns einmal vor, es gäbe einen Verein der Hundeliebhaber. Nun käme irgendein "Intellektueller" daher und würde mit irren Thesen um sich schmeißen: Die Liebe zu Hunden sei rechtsradikal, denn sie sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass diese Tiere mit Werten wie blinder Treue, Gehorsamkeit und Loyalität verbunden werden. Der Hund sei dementsprechend Symbol für eine patriarchal-autoritäre Gesellschaft von Befehl und Gehorsam und die Liebe der Deutschen zu ihren Vierbeinern nichts weniger als Ausdruck einer tiefliegenden Demokratiefeindlichkeit.
    Darüber hinaus sei der Hund spezifisch für die abendländische Kultur und würde deshalb als exkludierendes Zeichen den Zielen einer multikulturellen Gesellschaft entgegenwirken. Dementsprechend müsste man jedes Gassigehen als rechtspolitisches Statement begreifen und eine "Hundeliebhaberwatch" einrichten, um diesen Umtrieben Herr zu werden.


    Wenn nun die Mitglieder des Hundeliebhabervereins diese Thesen als Beleidigung auffassen würden, könntest du es ihnen verdenken? Wäre es wirklich so unverständlich?

    Die Unterstellung, er würde "uns andauernd auf übelste Weise beschimpfen", ist aber auf Nachfrage offensichtlich nicht zu belegen.

    Wir haben hier einen ganzen Strang mit 25 Seiten, der sich mit den Beleidigungen beschäftigt, die uns von Trüby und Konsorten entgegengebracht werden. Gehe einfach noch einmal zurück und lese Dir die verlinkten Artikel durch, falls Du sie vergessen haben solltest. Ein Trüby, der die Rekonstruktionsbewegung in die rechte Ecke drängt? Der die wiederaufgebaute Dresdner Altstadt als geschichtsrevisionistisch geißelt, weil sie die Schuld der Deutschen vergessen machen würde? Der impliziert, dass unsere Städte möglichst hässlich sein sollten, denn Schönheit führe zu Identität und Identität zu Ausgrenzung (https://taz.de/Stephan-Trueby-…hitekturpolitik/!5524507/)? Der Mann versucht, das urmenschliche Streben nach Schönheit zu verteufeln. Selbst die Faszination für Ritterburgen führt er auf ein antimodernes, aufklärungsfeindliches Denken zurück - klar, jeder kleine Junge hat seinen Evola gelesen und betrachtet die Welt mit der politisch-ideologischen Brille... Jemand, der solches Gedankengut in den Diskurs einbringt, KANN von uns doch nicht anders denn als Gegenspieler betrachtet werden.

    Man Clint, die aNDEREN lesen hier naturgemäß auch mit. Und zitieren genau solche Aussagen, wie die Deinigen.

    Ist denn lediglich die Existenz von rechten Kommentaren schon disqualifizierend? Nun denn, sollen sie gerne mitlesen, dann sehen sie, dass das Rekonstruktionslager politisch keineswegs derartig uniform ist, wie sie es gerne darstellen. Denn es findet hier eine Diskussion statt, und wem das bloße Vorhandenseins rechter Diskutanten an sich ausreicht, um uns damit zu denunzieren, der ist derartig unlauter, dass auch ein weiteres Entgegenkommen nichts brächte.

    Lieber Suebicus, ich staune, welchen Aufwand du betreibst, um den schlechten Text von Heilig-Geist-Viertel zu rechtfertigen. Ich wende mich nun wieder Guben und Gubin zu.

    Ich habe den Text nicht unbedingt gerechtfertigt, sondern Heilig-Geist-Viertel lediglich hinsichtlich des Antislavismus verteidigt. Ich finde eben, dass man mit solchen Vorwürfen heutzutage oft zu schnell bei der Hand ist.


    Dennoch: Vielen Dank für die tollen Bilder!

    @Suebicus und @Heimdall
    Merkt ihr es denn nicht? Heilig-Geist-Viertel (HGV) schreibt, es sei "verachtenswert", "ekelhaft" und "dumm", polnische Ortsnamen in den Mund zu nehmen. Das ist eindeutig abwertend gegenüber den Deutschen, die sich nicht so verhalten, wie HGV das will, und es ist ganz klar ein antipolnisches Ressentiment. Er richtet sich eben nicht nur gegen das eigene Volk, sondern auch gegen die polnische Sprache und damit natürlich auch gegen das polnische Volk.

    Die Wortwahl von Heilig-Geist-Viertel mag tatsächlich etwas ungeschickt gewesen sein, da gebe ich Dir Recht. Dennoch sehe ich es so, dass er sich hierbei auf die Angewohnheit der Deutschen bezog, aufgrund von politischer Korrektheit ehemals deutsche Orte mit fremden Namen zu bezeichnen. Zwischen "ekelhaft" und "dumm" steht in seinem Beitrag nämlich noch das Wort "beflissen", das meine Interpretation stützt. Er meint damit die duckmäuserische Art der Deutschen, es ja allen irgendwie recht machen zu wollen und sich ständig selbst zurückzunehmen. Das "ekelhaft" wird nicht von dem "beflissen" getrennt, sprich, es bezieht sich hierauf - die Beflissenheit ist also ekelhaft. Heilig-Geist-Viertel schreibt dann von "Fremdphonetik" - es ist Deine eigene Interpretation, dass er hier lediglich das Polnische meint. Es war also ganz klar eine unfreundliche Abwertung von Deutschen, die sich wie beschrieben verhalten, aber meiner Meinung nach kein "antipolnisches Ressentiment".


    Offenbar braucht es eine slawische Perspektive, um das zu erkennen. Polnische Namen sind schön! Es kann grundsätzlich nicht "verachtenswert ... ekelhaft ... und dumm" sein, einen polnischen Namen zu sprechen oder zu schreiben - ganz gleich, um welchen Ort es geht oder welchem Volk der Sprecher bzw. Schreiber angehört.

    Natürlich sind polnische Namen schön. Heilig-Geist-Viertel hat aber auch nicht unbedingt behauptet, dass sie dies nicht seien. Seine Argumentation war nicht ästhetisch, sondern politisch. Es ging ihm um den deutschen Schuldkult, der sich eben in solchen Angewohnheiten wie der Verwendung fremder Ortsnamen äußert. Die Ortsnamen an sich sind hierbei irrelevant.


    Auch Äußerungen wie "Fremdphonetik", "mit polnischer Phonetik belegen", "sich beflissen die Zunge brechen" sind pejorativ. Auf die Idee, dass es Deutsche gibt, die die polnische Sprache schön finden und lernen, kommt ihr erst gar nicht.

    Was ist denn an dem Begriff "Fremdphonetik" schlimm? Polnisch ist nicht deutsch, also kann man es durchaus als fremd bezeichnen. Für die meisten Deutschen ist Polnisch eben eine fremde Sprache. Genauso "mit polnischer Phonetik belegen" - das ist lediglich eine Tatsachenbeschreibung, die meiner Einschätzung nach keine Bewertung enthält. Auch die Wortfolge "sich beflissen die Zunge brechen" beschreibt lediglich die deutsche Eigenart, politisch korrekt die polnischen Namen zu verwenden, diese jedoch dann nicht richtig aussprechen zu können. Ich habe das auch schon von Polen gehört: Lieber sollen Deutsche die alten deutschen Namen verwenden als dann an den polnischen Namen zu scheitern. Vielleicht könnte man die (angebliche?) Unaussprechbarkeit polnischer Namen als ein negatives Vorurteil bezeichnen, doch ich glaube, dass viele Deutsche damit tatsächlich Probleme haben.


    Wie geschrieben, es ging Heilig-Geist-Viertel nicht um die Ästhetik der polnischen Sprache, sondern um das gesellschaftlich-politische Signal, das durch die Verwendung der Ortsnamen ausgesendet wird. Und jetzt seien wir einmal ehrlich: Ich glaube, dass die wenigsten Deutschen, wenn sie "Wrotzuaff" anstatt "Breslau" sagen, dabei hauptsächlich von ästhetischen Beweggründen geleitet werden (wobei ich nicht sagen will, dass der polnische Name weniger schön sei!). Der Name "Milano" ist sicherlich auch klangvoller als "Mailand", trotzdem wird sich kaum ein Deutscher deswegen auf den italienischen Namen versteifen.


    Dass es viele Menschen mit slawischem Migrationshintergrund in Deutschland gibt, scheint euch nicht bekannt zu sein. Es gibt sehr wohl Deutsche, die mit polnischen Namen zurechtkommen. Verraten die dann etwa ihr Deutschtum? Für HGV offenbar schon. Sie biedern sich an ("mit Fremdphonetik gefallen zu wollen"), und das darf der Deutsche nicht tun, will uns HGV vorschreiben.

    Natürlich gibt es in Deutschland viele Menschen mit slawischem Migrationshintergrund, aber was soll uns das überhaupt sagen? Wir (Bio-)Deutschen selbst sind doch neben germanischer, keltischer, römischer etc. auch slawischer Abstammung. Ist das als Argument gegen die Fremdheit der polnischen Phonetik gedacht? Nun ja, es gibt in Deutschland auch relativ viele Türken - ist das Türkische mir deshalb keine fremde Sprache? Das ist keine Wertung, lediglich eine Tatsache! Sollen wir nun von "Roma" und "Napoli" reden, weil viele Italiener bei uns leben?


    Ja, für HGV verraten sie ihr Deutschtum (zugespitzt ausgedrückt), wenn sie die polnischen Namen verwenden. Ich habe auch nie geleugnet, dass er das behauptet hat. Aber es ist kein "antipolnisches Ressentiment", darum dreht sich doch die Diskussion. Seiner Meinung nach ziemt es sich eben für Deutsche, deutsche Namen zu verwenden - das hat primär nix mit Polen zu tun.


    Würde sich jemand über den Gebrauch französischer Ortsnamen für elsässische Ortschaften auch in dieser Art äußern? Doch wohl kaum.

    Hier hast du eventuell Recht, aber dies liegt nicht an der Polenfeindlichkeit der Deutschen. Es ist nun einmal so, dass das Elsass im Endeffekt schon seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr zu Deutschland gehört. Klar, es gab das kurze Intermezzo im Kaiserreich, aber im Großen und Ganzen spielt das Elsass für das nationaldeutsche Bewusstsein nicht ansatzweise dieselbe Bedeutung wie die deutschen Ostgebiete. Auch gab es im Elsass keine Vertreibung der deutschen Bevölkerung, sondern diese wurde bzw. wird in einem langsamen Prozess ihrer eigenen Kultur entfremdet - das Beispiel des Elsass entbehrt also der Dramatik des deutschen Ostens, der praktisch vom einen Tag auf den anderen seiner autochthonen Bevölkerung entledigt wurde. Viele Deutsche haben eine persönliche Beziehung zu den verlorenen Ostgebieten, während wohl nur Wenige (in überschaubarer Zeit) über elsässische Vorfahren verfügen. Das emotionale Gewicht des alten deutschen Ostens ist also von ganz anderer Qualität. Übrigens sagt auch kaum jemand zum Beispiel "Strasbuur" zu Straßburg - auch im Elsass haben sich in Bezug auf die größeren Orte die deutschen Namen gehalten. Dass die fremden Ortsnamen ehemals ostdeutscher Städte eventuell noch mehr Unmut hervorrufen, liegt daran, dass viele Deutsche eben zu diesen Städten mehr persönliche Beziehungen haben und nicht an dem Prestige der französischen Sprache im Vergleich zu den slawischen, wie Du daraufhin behauptest.


    Die französische Sprache hat in der deutschen Gesellschaft ein höheres Prestige als die polnische oder andere slawische Sprachen.

    Jap, das stimmt. Die französische Sprache war eben die Sprache des Adels und des Bildungsbürgertums, das hat sich eingeprägt. Friedrich der Große, einer der bedeutendsten deutschen Nationalhelden, sprach vornehmlich Französisch. Da frage ich mich, welche Fremdsprache in Deutschland denn überhaupt über ein solches Prestige verfügt wie das Französische? Auch das...was weiß ich....Niederländische kann nicht denselben Stellenwert wie das Französische vorweisen, sind wir deshalb "rassistisch" gegenüber den Niederländern?


    Bedenkt bitte mal, was wir hier schon für eine Riesendebatte über die Frage Guben - Gubin bzw. Görlitz - Zgorzelec führen! Wenn das nichts mit einer emotionalen Abwehrhaltung gegenüber dem Polnischen zu tun haben soll, womit dann? Niemand hier im Forum hat sich doch gegen den überwiegenden Gebrauch deutscher Namen ausgesprochen

    Es hat damit zu tun, dass die deutschen Ostgebiete für unser Volk emotional eben noch eine Rolle spielen. Glaubst du ernsthaft, dass wir leichter über diesen Verlust hinweggekommen wären, hätte man dort nach dem Krieg Franzosen und keine Slawen angesiedelt? Wenn Breslau heute "Breasleau" anstatt Wrocław hieße?


    Und nein, ich möchte natürlich nicht die deutschen Verbrechen des Weltkriegs relativieren. Mir kann man auch keinen Antislawismus vorwerfen, ich hege wirklich Sympathien für die slawische Völker.


    Auch ich schätze Deine infomativen Beiträge sonst sehr, aber hier kann ich Dir wirklich nicht zustimmen.