Stimmt, die "Zwiebelschalen" gibt es vielerorts nicht mehr. Komplett neu bauen lassen sich Städte aber auch nicht mal eben so, oder willst du die Eigentümer all der Gebäude enteignen? Und wo soll dafür das Geld her kommen? In der Realität kann man immer nur nach und nach vereinzelt Gebäude ersetzen und die betreffenden Neubauten sind dann immer dem jeweiligen Zeitgeschmack unterworfen.
Du hast mich missverstanden. In Magdeburg musste ja die gesamte Stadt nach der 'Magdeburger Hochzeit' neu aufgebaut werden. Ebenso große Teile Lissabons nach dem Erdbeben. Oder eben Teile Dresdens nach dem Beschuss durch die Preußen im 18.Jahrhundert.
Was ich sagen will: damals hat es funktioniert, auch ohne Rekonstruktionen. Denn die Architektursprache hatte überzeugende Lösungen parat. Nach den Zerstörungen des 2.Weltkriegs hat es oftmals nicht funktioniert. Weil die Moderne eben vieles so radikal anders machen wollte. Im Nachhinein wäre es klüger gewesen, mehr zu rekonstruieren und sich stärker an den alten Grundrissen zu orientieren.
Nun ist es für viele Städte zu spät. Nach und nach kann - und sollte - man einzelne Stadtplätze aufwerten, da bin ich ganz bei dir. Aber eben auch mit Rekonstruktionen, es sei denn, die Moderne entwickelt sich endlich weiter. Und ich bin mir auch bewusst, dass "mehr" oft nicht geht.
Deswegen glaube ich auch, dass z.B. Dresden ein "Jahrhundertprojekt" ist. Ich bin mir sicher, dass das Neustädter Rathaus zurückkommt, weil die aktuelle städtebauliche Situation so unbefriedigend ist. Ich bin mir aber nicht sicher, dass ich den Wiederaufbau noch erleben darf.
Das Lübecker Gründerviertel finde ich gelungen, zwar nicht immer im Einzelnen, aber definitiv im Ganzen.