Posts by Hildesheimer

    Hui - da hast Du Dir viel vorgenommen.
    Die historischen Strukturen hat man aber oft schon aus praktischen Erwägungen heraus nicht völlig verlassen, weil die Kosten für die komplette Verlegung der Infrastruktur immens wären. Negativbeispiele für die autogerechte Stadt finden sich wohl fast überall.


    Aus Hannover fällt mir der Raschplatz hinterm Bahnhof ein. Eine monströse Verkehrsachse mit Hochstraße, die das Quartier hinter dem Bahnhof zwischen Straße und Bahn einkeilt und die Oststadt vom Bahnhof abschneidet. Daher muss man zu Fuß auch die im doppelten Sinne unterirdische Verbindung vom Raschplatz zur Lister Meile nutzen, eine ewige Schmuddelecke aus den 70er Jahren. Mit dem Auto dorthin zu fahren war immer eine Qual.

    Villa1895: Das Zauberwort hierbei ist die bauliche Trennung, soweit ich das verstanden habe - wäre der Radweg auf Straßenniveau, wäre das gegeben.
    Chris1988: Ich denke, da greift im Zweifel der Bestandsschutz. Bei der nächsten Sanierung wird alles anders...

    Das sieht für mich danach aus, als habe der Architekt den Altbau unbedingt erhalten müssen (nicht wollen), und er meint nun irgendwie, "das beste" draus gemacht zu haben. Bei solchen Konstrukten ertappe ich mich immer bei dem spontanen Gedanken "dann hätte man's doch auch gleich abreißen können, fertig".

    Ja, den Eindruck habe ich auch, vor allem das Erhalten müssen. Das ist kein angemessener Umgang mit historischer Bausubstanz. Da wäre abreißen besser gewesen. Noch besser wäre freilich eine Planung gewesen, die einen angemessenen Umgang mit der historischen Substanz findet. Das ist hier komplett mißlungen. Ich denke, da war der politische Druck wieder mal größer als der bauliche Sachverstand, und der Neubau musste unbedingt genau da hin - "Denken Sie doch an die Arbeitsplätze!" ist dann so ein typischen Scheinargument, damit noch die letzte bauliche Ohrfeige gerechtfertigt ist.

    Den Fußboden, den Treppenaufgang zum Altar, die Raumaufteilung, überhaupt das Ambiente des Raumes finde ich ganz gut. Von innen gefällt mir die Kirche besser als von außen, doch möglicherweise steht sie wirklich an einem falschen Ort, wie "Riegel" geschrieben hat.

    Das ist meines Erachtens bei Kirchen aus der Nachkriegszeit oft so: von außen wirken sie oft sehr spröde, ja abweisend, aber innen haben die Planer aus wenig viel gemacht. Licht spielt eine große Rolle, die Farbigkeit von Fenstern ist ein großes Thema, und die Raumdispositionen sind oft sehr durchdacht, auch wenn man das nicht sofort bemerkt. Vielleicht ist dieser Gegensatz von innen und außen auch ganz bewußt so gewollt: Religion als Besinnung auf innere Werte, ganz gleich, wie es außen aussieht.

    Ja, soweit ich weiß, ist das in der Tat so was wie die Heizzentrale gewesen. Die bauliche Struktur soll eine Nutzung wohl erschweren, habe ich mal irgendwo gehört - Geschosshöhen, Erschließung.

    Bzw. da ich glaube ich, ist ein Umgebungsschutz drüber in dem Gebiet - und das ist, denke ich, dort auch gut so!

    Hab gerade mal auf den Themenstadtplan geschaut, der sowohl Einzeldenkmale wie auch Sachgesamtheiten abbildet. Demnach ist die Augustusbrücke mit den seitlichen Treppen und den anschließenden Mauern Einzeldenkmal, das Elbufer ist Sachgesamtheit. Etwas bizarr finde ich die Bezeichnung des "Biergartens" an der Augustusbrücke als Sachgesamtheit, das soll sich sicher auf den kleinen Senkgarten dort beziehen, der schon auf der historischen Aufnahme des Narrenhäusels im Vordergrund zu sehen (s.Wikipedia). Bei dem Neubau des Narrenhäusels hat die Denkmalpflege insofern sicherlich ein Wörtchen mitzureden, wegen des Umgebungsschutzes. Das gehört ja alles in den größeren Zusammenhang des Königsufers bzw. der Umgestaltung aus den 30er Jahren.


    Aber so einen frei stehenden Aufzug wie an der Waldschlößchenbrücke kann ich mir an der Augustusbrücke kaum vorstellen. Das würde da schon stören.

    Was mich etwas irritiert: Wieso ist die barrierefreie Erschließung mit der Denkmalpflege abgestimmt? Das ist nur dann für die Denkmalpflege irgendwie interessant, wenn dieser Aufzug in ein Denkmal eingreift. Das Narrenhäusel wird keines sein, das steht außer Frage. Soll es direkt von der Brücke einen freistehenden Aufzug ans Elbufer geben? So lange der Aufzug am oder im Narrenhäusel ist, dürfte das kein Thema für die Denkmalpflege sein. Und die barrierefreie Erschließung ist Sache des Bauherren im Neubau. Wieso wird das im Artikel so betont?

    Soll das eine ernsthafte Frage sein? Tausende von Architekten, Historikern, Kommunalpolitikern, Gutmenschen und anderen Berufsgruppen torpedieren doch immer wieder allerorts Rekonstruktionspläne. In Frankfurt gab es nicht nur beim aktuellen Dom-Römer-Projekt heftige Gegenwehr, sondern auch schon über 60 Jahre vorher beim Wiederaufbau des Goethehauses.
    Dresden, Berlin - überall das gleiche. Entweder ist es der Vorwurf der Rückwärtsgewandtheit, der Disney-Vorwurf oder aber die moralische Unmöglichkeit wegen der deutschen Kriegsschuld. Das kann Dir doch alles als Nutzer dieses Forums wohl kaum entgangen sein.


    Erst kürzlich, in Friedenszeiten durch Unglück oder Verbrechen zerstörte Bauten haben es offenbar einfacher, rekonstruiert zu werden. Da gehen den ideologisch verbohrten Selbsthassern und Modernisten schneller die Argumente aus.

    Mir ist neu, dass Gutmensch jetzt offenbar eine Berufsbezeichnung ist, aber das nur am Rande.


    Wie soll ich sagen? Diejenigen, die an den entscheidenden Stellen sitzen, haben wieder und wieder gegen Rekonstruktionen entschieden, unbestreitbar. Direkt nach dem Krieg gab es wohl andere Sorgen als die um das Stadtbild, dazu kam noch der Versuch, mit der Vergangenheit abzuschließen, indem man auch die baulichen Zeugnisse, die zerstört waren, eben nicht wiederaufbauen wollte. Aus meiner Heimatstadt ist mir noch die Aussage des damaligen Stadtbaurates Haagen aus der Literatur geläufig, die Stadt sei "im traditionalistischen Sinne wiederaufzubauen", womit er aber keine Rekonstruktionen meinte, sondern eher Bauten, wie sie bis heute die Innenstadt prägen - drei- bis viergeschossig, Satteldach, schlichte Putzbauten. Damals waren Rekonstruktionen kein Thema, außer bei Kirchen. Die Generation, die nach dem Krieg zu entscheiden hatte, war für Rekonstruktionen überwiegend nicht zu haben, so weit ich das beurteilen kann. Daraus hat sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte eine ablehnende Grundhaltung entwickelt. Diese Meinung muss man nicht teilen, aber sie war prägend. Es steht ja jedem frei, eine andere Meinung zu haben, und diese durchzusetzen. Wenn es nicht funktioniert, sollte man das akzeptieren. Aber die andere Meinung dann als "ideologisch verbohrt" zu bezeichnen, ist jetzt auch kein konstruktiver Beitrag, um das mal freundlich zu formulieren. Vor allem aber wird das eigene Anliegen bei derartig drastischer Wortwahl und Herabsetzung des vermeintlichen Gegners zweifellos nicht positiv befördert, das taugt allenfalls zur Selbstdisqualifikation.

    Zumal der Keller bereits vor der schließlich durch die Flut verursachten Aufgabe nicht gut gelaufen sein soll. Man munkelt von noch immer vorhandenen Mietrückständen...
    Aber zum Glück gibt es in Dresden ja noch den urigen Altmarktkeller, den ich selbst zwar nicht frequentiere, der aber wohl eine sehr nette Atmosphäre haben soll.

    Würde mich nicht wundern, wenn es schon vorher nicht gut lief.
    Der Altmarktkeller hat was, das stimmt. Ich war zwar nur ein oder zwei mal dort unten, aber das hat mir schon gefallen.

    Ah, und wer hat Rekonstruktionen verboten? Oder wie soll man das "darf man nicht" verstehen? Zudem wurden und werden doch in den letzten Jahren einige Schlosskulissen (Braunschweig, Herrenhausen, Berlin) wiederaufgebaut, und wenn ich recht informiert bin, wird doch in Frankfurt gerade fröhlich rekonstruiert?

    die 2.200,00 qm großen Räumlichkeiten

    Das ist ja auch nicht ganz wenig, und ich nehme an, dass die potentiellen Betreiber sich auch die Konkurrenzsituation angeschaut haben werden. Wenn man nur mal 10 Euro/m² als Miete annimmt, und noch mal die Hälfte für Nebenkosten, ist man schnell bei 30-35T Euro im Monat, die wollen erstmal erwirtschaftet sein (wobei das wahrscheinlich noch niedrig angesetzt ist). Um das wirtschaftlich zu betreiben, dürfte ein Umsatz um die 100.000 Euro erforderlich sein, pro Monat. Und das bei -zig Konkurrenzangeboten in der unmittelbaren Nachbarschaft? Da kann ich verstehen, dass die Gastronomen abgewunken haben.

    Ui, das Teil sieht uebel und baumarktmaessig aus. Schade um das alte Kaufhaus. Dresden schaut bald genauso uebel aus wie Ruhrgebiet. Dass die nicht aus diesen Fehlern lernen.

    Der Neubau scheint in der Tat nichts besonderes zu werden und sieht banal aus.
    Aber Dresden wie das Ruhrgebiet? Da tust Du sowohl Dresden wie dem Ruhrgebiet unrecht. Außerdem muss man ja immer mitdenken, dass der Westen Deutschlands im letzten Krieg sehr stark zerstört wurde, so dass die Städte ja "nichts dafür können", dass sie wenig historische Substanz von vor 1945 haben.

    BautzenFan, danke für den Video-Link und das Modellfoto. Letzteres enthält ja auch die Antwort (denke ich), was mit der Fassade des Hausmannsturms geschehen soll. Wenigstens die Hofseite müsste schon gestaltet werden, da das sonst in einem sonderbaren Kontrast zur Hof stünde - das kann man im Video ab 0.33 erahnen. Fände ich für den Gesamteindruck wichtiger als die Giebelfiguren.


    Gesamtkosten geschätzte 400 Mio. - gerade mal ne halbe Elbphilharmonie, und über mehrere Jahrzehnte gestreckt. Das kann sich sehen lassen, finde ich. Kultur, egal in welcher Form, ist von so entscheidender Bedeutung für eine Gesellschaft, dass die Kosten nicht immer im Vordergrund stehen dürfen. Nebenbei ist das ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für zumeist lokales Handwerk, das wird dabei immer gerne ausgeblendet.