Posts by Hildesheimer

    So ein Quatsch. Jeder Bauherr hat bei einem Neubau die notwendigen Einstellplätze nachzuweisen oder ggf. abzulösen. Das hat nichts mit Blockadepolitik, sondern was mit Baurecht zu tun. Dass die Forderung nach einem Einstellplatznachweis insgesamt nicht mehr unbedingt zeitgemäß ist (in Berlin hat man sich, auch weil es praktisch unmöglich ist, davon schon verabschiedet), steht auf einem anderen Blatt.


    Bei großen Neubauprojekten werden fast immer Tiefgaragen geplant, und das bestimmt nicht, weil die Bauherren den Tiefbau so toll finden, sondern weil sie Einstellplätze nachweisen müssen. Hier wirkt die autogerechte Stadt noch nach, die kein zeitgemäßer Städtebau mehr ist.

    Das wird bloss nicht realistisch sein. Ich zitiere von der oben verlinkten Website:


    "Im Auftrag der CG-Gruppe realisieren wir in Dresden einen Neubau mit ca. 200 WE und einer Bruttogeschossfläche von ca. 33.000 qm sowie einer zweigeschossiger Tiefgarage. Die Sanierung des Altbaus am Palaisplatz mit ca. 5.110 qm und ca. 55 WE realisieren wir ebenfalls mit."


    Der Altbau am Platz ist ein mächtiger Fünfgeschosser (+ Dach), der offenbar "nur" 5000 m² Wohnfläche hat. (und im Vergleich zur Umgebung schon den Maßstab sprengt.) Die Neubauten sollen 6 bis 7 mal soviel Fläche generieren. Da wird die niedliche Dreigeschossigkeit keine Chance haben. Ich gehe für den Anschluss an den Altbau, der gemäß Modell die gleiche Höhe hat, von 6-7 Geschossen aus, und für die beiden Kopfbauten an der Theresienstraße auch von mindestens 4+Dach aus.Sonst kommen die 33.000 m² nicht zusammen. Das wird ein hochverdichtetes Bauen werden. Und den Nachbarn kann man dann auf den Esstisch schauen...


    Bei der zweigeschossigen Tiefgarage wünsche ich viel Spaß mit dem Grundwasserspiegel... Und die Archäologen werden hier sicher auch erstmal graben wollen.

    Ich habe mir das aktuelle Denkmalschutzgesetz für BW nicht angesehen, aber die meisten Bundesländer haben das sog. "ipso-iure" Prinzip in den Gesetzen verankert, d.h., dass ein Denkmal aus sich heraus Denkmal ist. Durch die Behörden wird die Denkmaleigenschaft lediglich festgestellt, ohne dass es dafür einen Verwaltungsakt braucht. Insofern muss der Eigentümer hierbei auch nicht beteiligt werden, da er bei der Feststellung der Denkmaleigenschaft ohnehin kein Mitspracherecht hat. (Wie beim Auto: wenn die Polizei feststellt, dass der TÜV abgelaufen ist, ist das zunächst eine Feststellung.) Gegen die Folgen dieser Feststellung gibt es ggf. den Rechtsweg, aber nicht gegen die Feststellung selber.

    Da Gutachten offenbar gezielt eine mangelnde Wirtschaftlichkeit ungeliebter Kulturdenkmale aufzeigen sollen, sind Denkmalschutzgesetze obsolet.

    Ja, so gesehen schon, vor allem, wenn die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde das Ergebnis der Prüfung des Gutachtens vorgegeben bekommt... Letztlich ist nicht das Gesetz obsolet, hier liegt ein Mißbrauch der gesetzlichen Vorgaben und Möglichkeiten vor. Wenn man will, kann man jedes Denkmal "kaputtrechnen". Es ist wie überall und immer: wenn der Eigentümer partout nicht will, ist es fast unmöglich, ein Denkmal zu erhalten.


    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Unwirtschaftlichkeit dann nicht greift, wenn es ein öffentlicher Eigentümer ist, sondern dass die Denkmale der öffentlichen Hand "nach Maßgabe des Haushaltsplanes" zu erhalten sind. Aber das mag in BW anders sein.

    Wie kann das sein?

    Das versuchen die Experten gerade rauszufinden. Es hat sich laut Medienberichten ein Belag auf den nicht konservierten Exponaten aus Silber gebildet. Die Ursache ist noch unklar. Als Vorsichtsmaßnahme hat man alle Exponate eingesammelt, und das Münzkabinett bis auf weiteres geschlossen.

    muss der Sinn und Nutzen des Denkmalschutzgesetzes infrage gestellt werden.

    Wie ist es denn in BW? Ist die Stellungnahme des Landesamts bindend, oder ist das Landesamt ein Papiertiger, den man nach Belieben ignorieren kann? Je nachdem, wie das im Gesetz geregelt ist, ist der Fall entweder ein Beleg für ein ausgehöltes Gesetz oder einen dreisten Lokalherrscher, der "seine" UD dahinschubst, wo es ihm passt.


    Hier scheint es ja wieder mal so zu sein, dass die Denkmalbehörden, vor allem die untere, von der Stadtspitze übergangen werden. Die untere hat offensichtlich eine Anweisung bekommen, der Erweiterung zuzustimmen. Zwischen den Zeilen gelesen, nehme ich an, dass die untere hier vom OB einen auf den Deckel bekommen hat, weil sie die Stellungnahme bereits weitergegeben hat. Schön, wenn man öffentlich die fachliche Meinung des Landesamts als falsch darstellt, den Experten also mithin öffentlich ohrfeigt und sagt, dass sie keine Ahnung haben. Wenn das keine Willkür ist, weiß ich es auch nicht. Gegen Willkür helfen die besten Gesetze nur wenig...

    BautzenFan, danke vor allem auch für die Fotopräsentation. Das Kornmarktcenter habe ich von einem Besuch in Bautzen als eine unsägliche Scheußlichkeit in Erinnerung. Und direkt daneben noch so ein Monstrum, für das man dann noch mehr historische Substanz opfern muss? Gut, dass das vom Tisch ist. Hoffentlich wird das jetzt was gescheites, was dorthin passt. Das Wendische Haus war ja wirklich ein herausragendes Gebäude.


    Ich war zwar ewig nicht mehr in Hameln, aber das ECE-Center dort sollte doch eigentlich abschreckendes Beispiel genug für eine willkürliche Stadtzerstörung sein.

    Soso, das Projekt Abriss und Neugestaltung soll 245.000 Euro kosten, aber ein Erhalt dieses schönen Fachwerkhauses ist nicht möglich? Frühes bis mittleres 19.Jh. nach der Konstruktion zu urteilen. Die Fenster sind auch für heutige Ansprüche ausreichend groß, und die Einfassung der Haustür habe ich so überhaupt noch nicht gesehen. Aus dem Haus ließe sich ein Schmuckstück machen. Die Sauerländer haben wohl noch nie Bilder aus Ostdeutschland gesehen, welche Ruinen hier noch wieder aufgebaut wurden. Pure Ignoranz.

    Ich weiß nicht, ob Du damit viel gewinnst. Du verlierst in jeder Wohnung einen ganzen Raum, wahrscheinlich die Kammer, und hast dann Küche auf einer und Bad auf einer anderen Ebene.
    Wenn große Wohnungen wirklich so nachgefragt sind, wäre das eine Option. Aber der Aufwand ist nicht ohne: Die Decken in den Kammern durchgehend rauswerfen und neue einbauen, auf den Bestandsdecken wird das kein Statiker bestätigen. Dann noch die Treppen selber bauen lassen. Eine Wendeltreppe (eigentlich Spindeltreppe) ist unter ca. 2,20 m Durchmesser nicht sonderlich praktikabel. Dann bleibt noch ein bisschen Abstellfläche jeweils übrig. Ich würde vermuten, dass der Aufwand sich nicht rechnet.

    Ach, das habe ich jetzt erst gesehen: Die Balkone sind teils zugebaut und zum WC umgebaut, so dass das Fenster von der hinteren Kammer quasi zum WC geht? Oder war das WC schon früher in der Kammer auf dem Balkon? Eigentlich keine ganz doofe Idee, aber im Winter etwas unerfreulich...


    Ja, insgesamt sind das nach heutigen Nutzungsansprüchen Single-Wohnungen. Ich habe gerade überlegt, ob man die Wohnungen zusammenlegen kann (für eine WG oder so), aber das braucht zu viel Raum für die Erschließung - da müssten man in den beiden Stuben zu viel Fläche für einen Verbindungsflur aufgeben. Es sei denn, man nimmt die Trennwand ganz raus und macht daraus eine Wohnküche oder einen großen Wohnraum, wenn es keine WG wird.

    Naja, Grillen auf dem Balkon ist rechtlich ja sowieso schwierig, und so groß sind die Balkons ja auch nicht. Das dürfte wohl nicht so schlimm sein. Dann würde ich den länglichen Raum jeweils straßenseitig zur Küche machen, um wenigstens ein paar Meter für die Küchenzeile zu haben, und den quadratischen als Wohnraum lassen. Sind die großen Verbindungstüren noch drin? Die würde ich belassen, so dass man zwischen Küche und Wohnzimmer auch mal zumachen kann. Dann würde ich die Kammer hinten zum Bad machen, und die jetzige Küche zum Schlafzimmer, dann gäbe es immerhin den Balkon am Schlafzimmer. Am Bad ist er ziemlich unbrauchbar. Oder halt die Balkonzugänge verlegen, was natürlich ein höherer Aufwand ist.

    Oh, so klein? Dann ist "opulent" sehr relativ. Dass sie nicht sehr groß sind, war klar, aber ich hatte jetzt doch eher mit 70-75 gerechnet. Aber dann ist wahrscheinlich 2 Zimmer und großes Bad die bessere Idee. Ich würde die Bäder in die jetzigen Küchen legen, wegen der Abwasserleitungen. Das ist natürlich für die Balkone doof. Vielleicht ist die ehem. Speisekammer als WC ja gar nicht mal so dumm, dann bleibt der Rest vom Bad benutzbar, auch wenn "besetzt" ist.

    Verstehe ich das richtig, dass es nur das WC bzw die Dusche in den ehem. Speisekammern gibt? So sehen zumindest die Fotos aus.
    Es wäre natürlich möglich, die jeweils rückwärtigen Kammern zur Küche zu machen und die Küchen zum Bad, aber das ist für eine 2-Zi-Whg. sehr opulent.
    Für eine 3-Zi-Whg ginge nur ein minimales Bad mit Dusche und WC.Bei der linken Wohnung (der mit dem eingezogenen Balkon) könnte man die ehem. Speisekammer zu Lasten der Küche vergrößern und das eine Fenster in der Küche mit reinziehen. Es bliebe ein gefangenes Bad. Oder die Schornsteine in der Wand zum Flur (zur Küche) rausbrechen, Tür einbauen und ein kleines innenliegendes Bad einbauen. Da müsste man schauen, ob die Flächen reichen.Alternativ die Balkontür zum Fenster umbauen, den Balkon von der hinteren Kammer erschließen, und das Bad als langen Schlauch ausbilden, dafür mit Fenster. Das könnten aber beides tragende Wände sein, wobei die mit den Schornsteinzügen eigentlich nicht tragend sein sollte.
    Bei der rechten Wohnung könnte man das Balkonabteil der Speisekammer zuschlagen, und das dann ggf. zu Lasten der hinteren Kammer erweitern, wobei das eine tragende Außenwand zu sein scheint. Bliebe aber auch ein gefangenes Bad.
    Da könnte man höchsten auch wieder die Wand zwischen Flur und Küche rausnehmen, und ein kleines innenliegendes Bad einbauen, und dafür Balkonabteil und Speisekammer der Küche zuschlagen. Ein direkt vom Flur erschlossenes Bad mit Fenster sehe ich hier nicht, ohne den Grundriß völlig umzukrempeln.

    Die Rückseite würde ich unbedingt hell streichen, alleine schon wegen des "Lichthofes", sonst wird es dort zu dunkel. Dann wäre eine durchgehende, helle Farbgebung aller Elemente, die zu streichen sind, nicht verkehrt. Von Weiß würde ich abraten, das sieht schnell schmutzig aus. Das Östliche Ringgebiet bietet jede Menge Beispiele für diese Epoche, einfach mal durch die Straßen laufen und sich inspirieren lassen. Aus meiner Erinnerung ist dort leider oft so ein häßlicher, sehr dunkler Braunton verwendet worden, der nach 1970er aussieht - der ist eher scheußlich. Wenn man freundlich ist, kann man das als Schokobraun bezeichnen...
    Rosa ist gewagt, irgendwo am Altewiekring (Ecke Kastanienallee?) gibt es dafür Beispiele. Blau ist zwar zu der Zeit um 1900 technisch möglich gewesen, aber im Außenbereich kenn ich spontan kein Beispiel.
    Auf keinen Fall die Klinker überstreichen! Das sieht nur scheußlich aus.


    Hier habe ich noch ein paar Stichworte gefunden: http://www.bauhandwerk.de/download/244454/Farbenkunde_historisch.pdf
    Zitat:


    Historismus (Gründerzeit)
    ca. 1820 - 1900
    Schwere schwachbunte dunkle Farben – Auch dem Klassizismus
    verwandte Farben – Hemmungsloser Baustilmix - Viele Materialimitationen mit Farbe
    (Marmor, Stein)
    Jugendstil
    ca. 1890 - 1914
    Natürliche Farben in fließenden Formen aus Flora, Tierwelt
    und Fabelwesen. Nicht mehr gliedernde Formen - Altrosa, Türkis,
    Gelb und Hellblau dekorativ auch in Verbindung mit farbiger Keramik


    Das Gebäude ist eindeutig Historismus, auch wenn Makler gerne alles vor 1914 als Jugendstil verkaufen wollen.


    Noch ein Link:
    http://wissen.malerblatt.de/ge…istorismus.html?showall=1


    Für das Dach würde ich auch zu naturrotem Ton raten, kann ja auch ein Falzziegel in Hohlpfannenoptik sein. Linkskremper sind in BS auch nicht völlig falsch, aber ich weiß aktuell nicht, wie das in BS bei Gründerzeitlern ist. Dürfte auch etwas teuer sein.


    Ergänzung: Vor der endgültigen Entscheidung für einen Farbton würde ich einen Probeanstrich empfehlen, so ca. 1 m² Fläche sollte es schon sein. Die kleinen Farbkarten reichen nicht aus, um das abschließend zu beurteilen.

    Die schiere Menge an Wohneinheiten ist in der Tat beeindruckend.
    Ich finde es allerdings auch schade, dass die kleine Grünfläche verschwindet - die Altstadt (innerhalb der historischen Stadtmauerverläufe) ist ohnehin schon so steinern und im Sommer enorm überhitzt. Da würde jedes bisschen Grün helfen, das abzumildern. Andererseits wird Wohnraum in Dresden dringend gebraucht. Da gibt es wohl keine "richtige" Antwort.