Posts by Hildesheimer

    Ergänzung: Die Carbonatisierung tritt vor allem an den Außenwänden ein (Feuchtigkeit spielt dabei eine Rolle), so dass in aller Regel auch nur dort die Korrosionsgefahr des Stahls gegeben ist. Der Prozeß verlangsamt sich zudem ab eine Tiefe von ca. 5 cm enorm, so dass normalerweise nur die äußeren Bewehrungen gefährdet sind. Wie gesagt, für den Beton selber ist der Prozeß kein Problem.

    Ich denke schon, dass zumindest langfristig (50-70 Jahre) dieses Gebäude wieder aus dem Stadtbild verschwinden wird - schon allein aus bautechnischen Gründen, weil irgendann einmal die Grundsubstanz nicht mehr zu erhalten ist (hat mir zumindest einmal ein Bauingenieur in meiner Studienzeit in Sachsen erzählt. Irgendetwas von Karbonatisierung des Stahlbetons oder so?).

    Die Karbonatisierung des Stahlbetons ist ein Alterungsprozeß. Dieser ist an sich noch kein Problem. Der Beton ist aber an sich alkalisch und verhindert so das Rosten der Bewehrung. Wenn jetzt das alkalische Milleu abnimmt (ein Prozeß, der langsam voranschreitet und auch nur bis zu einer gewissen Tiefe des Betons) kann die Bewehrung rosten und den Beton absprengen. Das ist vor allem dann ein großes Problem, wenn die Bewehrung nicht ausreichend tief im Beton liegt. Heutzutage gibt es Methoden, das zu sanieren (im Grunde den Beton bis auf eine gewisse Tiefe abtragen, die Bewehrung entrosten oder im schlimmsten Fall ersetzen, beschichten, neuen Beton aufbringen). Problematisch wird es nur, wie bei jedem Bauwerk, wenn man damit zu lange wartet, was ja meistens Kostengründe hat. Dumm nur, dass es umso teurer wird, je länger man wartet.... Wenn man zu lange wartet, ist es irgendwann wirtschaftlicher, das Bauwerk abzureißen und neu zu bauen. Das sehe ich beim KuPa nicht. Nach der jetzt erfolgten Generalsanierung sollte erst mal einige Zeit Ruhe sein, aber überwachen muss man den Zustand natürlich schon.


    Also: Ein Stahlbetonbauwerk kann sehr langlebig sein, aber die früher mal angenommene Wartungsfreiheit ist auch hier nicht gegeben.

    Ich gebe Dir recht: Jedes Gesetz ist ein potentieller Eingriff in die Grundrechte. Es gilt daher bei Gesetzesvorhaben, abzuwägen, was ein noch zulässiger Grundrechtseingriff ist und was nicht mehr.


    Wenn Du per Gesetz etwas forderst, nämlich alte Gebäude zu erhalten, musst Du auch Sanktionen für die Nichteinhaltung definieren - sonst ist das Gesetz unsinnig, da nicht durchsetzbar. Ich halte es immer noch für gefährlich, die Menschen mit Gesetzen lenken zu wollen. Das Gegenteil von gut ist da allzuoft gut gemeint. Wenn es aber das sowieso nicht leistet, nämlich auf den Dörfern die historische Substanz zu erhalten, ist es schlicht überflüssig.


    Zudem gehst Du anscheinend von der - Entschuldigung - naiven Vorstellung aus, dass wir es mit den klassischen Häuslebauern zu tun haben. Die großen Bauprojekte werden in der Regel von Investoren betrieben, die sehr wohl genug Druck ausüben können, um "eigentlich" unbebaubare Flächen doch bebauen zu können und des öfteren auch jetzt schon geschützte Substanz abreißen. (und in der Politik sind auch immer wieder mal Stimmen zu hören, dass eigentlich schon zuviel Bausubstanz denkmalgeschützt ist, und der Denkmalschutz eingeschränkt gehört.) Ein weiteres Gesetz würde an diesen Entwicklungen nichts ändern. Der Versuch, diese Investoren und Anleger dazu zu bringen, sich von ihrem Geld zu trennen, wird auf erbitterten Widerstand stoßen. Nein, so ein Gesetzesvorhaben würde von den entsprechenden Lobbyisten torpediert, noch bevor es ausformuliert ist.

    Meint Herr Wirtz das Verunstaltungsverbot? Das ist in der Praxis bedeutungslos. Das Einfügungsgebot nach § 34 BauGB? Das ist ein ziemlich zahnloser Tiger. Welche Instrumente bietet das Baugesetzbuch denn sonst noch?


    Schön, dass er sich in seiner Pressemitteilung als Mitglied der Gestaltungskommission darstellt, diese aber im gleichen Atemzug als wirkungslos abtut - warum ist er dann überhaupt dabei?


    Die Kritik, Genehmigungen würdem "im Stillen" erteilt, geht an der geltenden Rechtslage vorbei. Baugenehmigungsverfahren sind laufendes Geschäft der Verwaltung und daher nicht dem Rat oder irgendeinem Ausschuss per Gesetz vorzulegen. Genehmigungen sind zu erteilen - der Antragsteller hat ein Recht darauf - wenn es keine objektiven Versagensgründe gibt. Das tangiert das Grundrecht auf Eigentum. Und ja, wenn eine Genehmigung einmal erteilt ist, hat der Bauherr ein Recht darauf, auch so zu bauen - das nennt sich Vertrauensschutz. Es muss dann auch nichts mehr ändern, nur weil irgendwer das gerne so hätte. Schönheit oder gefällige Gestaltung läßt sich bei Neubauten bei einem § 34-Fall nicht verordnen, bei B-Plänen ist etwas mehr möglich, aber ein B-Plan-Verfahren dauert mehrere Jahre - wenn man allen Bauherren das zumuten will, kann sich die Stadt schon mal auf eine größere Anzahl von Verfahren a la Töberich einstellen. Und ein B-Plan ist noch keine Garantie für Architekturqualität. Und ob die Ratsmitglieder in der Lage sind, hier für bessere Gestaltungen zu sorgen, wage ich dann doch mal zu bezweifeln.

    Die Kostenfrage ist das eine, ein "geplanter Verfall" kann nicht wirklich das Ziel sein.


    Ich glaube, Du überschätzt auch die Wirksamkeit von solchen vermeintlichen Steuerungsinstrumenten, wie Gestaltungsvorgaben. Nur weil es hübsch aussieht, wird sich kaum jemand dazu hinreißen lassen, in irgendeine Einöde zu ziehen. Die Infrastruktur muss auch vorhanden sein, nicht nur grundlegende Dinge wie Strom, Wasser, Abwasser, Straßen, Telefon und Internet, sondern auch Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Ärzte etc. Wohnen alleine reicht nicht.


    Die Eingriffe in die Gestaltung des Eigentums sind sehr wohl grundrechtsrelevant. So weit ich weiß, ist die Rechtsprechung da eher auf Seiten der Eigentümer, so dass Gestaltungsvorgaben bei Neubauten regelmäßig hinten runter fallen, weil die Gerichte die Eigentumsrechte als höherrangig ansehen als den Gestaltungswillen der Kommunen.


    Die Denkrichtung, die Menschen durch Gesetze quasi erziehen zu wollen, halte ich für verfehlt und gefährlich. Verfehlt, weil das Verhalten sich durch Gesetze, die bestrafen, schon nur bedingt beeinflussen lässt (sonst wären die Richter arbeitslos). Aber viel mehr noch für gefährlich. Damit sagt man effektiv, dass der davon Betroffene selber nicht in der Lage ist, "richtig" zu denken. Das wirft auch die Frage auf, wer definiert, was "richtig" ist. Aber viel mehr noch raubt es dem Menschen die Mündigkeit, selber zu entscheiden, was für ihn richtig und falsch ist. Wenn jemand sagt, es ist mir egal, wie es da und dort aussieht, muss man das akzeptieren. Umerziehungsmaßnahmen sind ein brandgefährliches Thema für eine freiheitliche Gesellschaft, von solchen Ideen würde ich die Finger lassen. Das heißt, dass wir auch Dinge akzeptieren müssen, die wir nicht mögen oder unschön finden, so lange sie im Rahmen der Gesetze existieren.

    Gesetze, Gesetze.
    Wenn so ein altes Bauernhaus irgendwo in der Pampa, wo alle schon weggezogen sind, verfällt, weil es dort keine Arbeit mehr gibt, dann helfen da keine Gesetze. Alte Häuser brauchen Nutzer, die sie liebhaben, und die kann man nicht herbeibefehlen.

    Tja, genau so kommt es ja schon. Vor ein paar Jahren gab es mal die Feststellung, dass aktuell mehr Menschen in Städten leben als auf dem Land - global gesehen. Das war wohl das erste Mal in der Menschheitsgeschichte. Die ländlichen Räume leiden nicht erst seit gestern unter dem Wegzug der Bevölkerung, die Menschen ziehen der Arbeit hinterher. Gerade im ländlichen Raum gibt es aber eine große Zahl historischer Bauten, von den Dorfkirchen angefangen über Schlösser und Herrenhäuser zu den Bauernhöfen mit ihren verschiedenen Bauten bis hin zu Backhäusern, Feldkreuzen und was sonst noch alles (neulich im "Holznagel" was zu Tanzlinden und deren Umbauung mit Tanzböden gelesen). All das ist durch die Anziehungskraft der Städte im höchsten Maße gefährdet und wird verloren gehen. Ich gehe davon aus, dass wir in nicht allzuferner Zukunft neue Wüstungen haben werden, gerade in den ohnehin dünn besiedelten Regionen, wie Meck-Pomm, Wendland, Weserbergland, aber auch andernorts - die Infrastruktur für ein 200-Seelen-Dorf aufrechtzuerhalten wird nicht mehr bezahlbar sein, wenn von den 200 immer mehr abwandern und noch 50 alte Menschen über bleiben.


    Da kann ich Loggia nur beipflichten: da hilf kein Gesetz.

    Klingt nach St.-Florians-Prinzip oder NIMBY. Mehr ÖPNV ja, aber bitte nicht vor meiner Haustür. Ein Klassiker. An einem weiteren Ausbau den ÖPNV geht nach meiner Meinung kein Weg vorbei, die Stadt erstickt zunehmend im Autoverkehr. Aber nein, da sorgen sich einige Herrschaften um ihr "historisches Wohngebiet" (wohl eher um den Wert ihrer schicken Gründerzeitimmobilie), und müssen erstmal alles ausbremsen. Die Kosten dafür tragen wir dann am Ende alle. Hab ich kein Verständnis für.

    Irgendwie habe ich die Diskussion um die Fächerrosetten am KHA verpasst...
    Ich habe im Buch "Der Marktplatz zu Hildesheim" von 1989 eine Wiedergabe einer Bauaufnahme von C.W.Hase gefunden, aus den 1850er/60er Jahren, ohne Rosetten.
    In einem Heft von 1924 berichtet der Autor, Stadtbaurat Johannes Köhler, dass das KHA unter seiner Leitung kürzlich neu gestrichen worden sei, und das Foto zeigt die Fassade auch ohne Rosetten.
    Bei Hase habe ich weniger die Sorge, dass die Bauaufnahme geschönt ist. Ich denke, die Rosetten könnten sehr gut eine Zutat nach dem Brand sein, die man dann später wieder entfernt hat.

    Aus: SWR Fernsehen "Eisenbahn-Romantik". Der Film zeigt am Beispiel der Straßenbahn in Dresden, wie sich der öffentliche Personenverkehr auf der Schiene entwickelt hat. (Folge 646)


    Quelle: http://www.ardmediathek.de/tv/…00776&documentId=34940478

    Ich war erst irritiert, als ich am Postplatz die alten Gebäude sah, aber es wurde im Laufe des Beitrags klar, dass der nicht ganz neu ist. Am Ende wurde es dann klar: 2007. Auch schon wieder Geschichte. Sehr sehenswert, danke für den Link.

    Doch doch, das ist der Umgebung angepasst - wenn man den Menarini-Bau auf der Leipziger Straße als Umgebung bezeichnen möchte. Der sieht fast genauso aus. Ist in etwa auch so eine Augenweide. Jedenfalls sieht man den auch von der Marienbrücke aus. Und die frischen Grautöne hat man von der Fassade auch gleich übernommen... Viel langweiliger kann man ein Haus (ich tue mich schwer damit, das als Architektur zu bezeichnen) kaum gestalten.


    Auf http://www.altesdresden.de/ gibt es ein Foto von dem Eckhaus, ich nehme an, bald nach der Errichtung. Das wäre mal eine lohnende Rekonstruktion.

    Hat man das nicht schon vor 150 Jahren auch zum Teil so gemacht? Demnach wäre ja die ganze Gründerzeit ein riesen-Fake. Heute sind wir froh diesen "Fake" zu haben. Am Ende werden sich die Leute sowieso freuen über was schön ist, und spätestens dann nach ein paar Jahrzehnten betrachten die Menschen eine Rekonstruktion oder einen neuen Altbau nicht mehr als "Fake".

    Diesen Vorwurf hat man den Gründerzeitarchitektur lange Zeit tatsächlich gemacht - unecht, kitschig etc. Aber die Gründerzeitbauten haben sich oftmals überhaupt nicht an den vormaligen Bestand angepasst. Das Foto von der Keßlerstraße hier zeigt, was ich meine:
    http://www.uni-hildesheim.de/k…ticles/169-kesslerstrasse
    Der Gründerzeitler nimmt von der Geschossigkeit und den Geschoßhöhen keinerlei Rücksicht auf den älteren Bestand. Ende des 19. Jh. war man nicht zimperlich damit, historische Bauten abzureißen oder eben auch in einer Idealvorstellung des historischen Bauen darzustellen. Als Gegenreaktion bildeten sich Heimatvereine und der moderne Denkmalschutzgedanke. Heute sehen wir diese Bauten in der Tat anders.

    Was ist dein Problem mit einer heilen Welt in der Architektur?
    Schaue Dir die zahlreichen "alten Kästen" in der Galerie von Halle an der Saale an, die hier in Vergleichsbildern gezeigt werden. Der hohe Aufwand lohnt sich.

    Wenn es denn unbedingt ein Problem sein soll: Heile Welt gaukelt etwas vor, was nicht da ist. Was soll damit erreicht werden? Das Idealbild einer Stadt heraufbeschwören? Und dann? Sollen unsere Städte dann gigantische Freilichtmuseen werden? Davon halte ich nichts. Das Wesen einer Stadt ist es, dass sie sich permanent wandelt. Wenn wir jetzt verlangen, die Stadt auf einem Zeitpunkt x quasi einzufrieren, mumifizieren wir sie. Stadt funktioniert so nicht.

    Ab dem Moment, wo es wieder eine Person ist (Sachverständige/r), die über so etwas entscheidet, und nicht ein Gesetz, welches hier radikal eine Trennung macht, kann man davon ausgehen, dass der Mensch wieder versagen wird, und zwar in der Form dass wieder Kuverts unter dem Tisch geschoben werden

    Heutzutage läuft das eher so, dass diese Herrschaften gleich zum Bürgermeister/Landrat/Ministerpräsidenten laufen und denen so lange die Ohren vollheulen, wie wichtig doch ihr Projekt ist, bis die Entscheidungsträger das durchwinken. Die Masche mit dem Kuvert ist zu plump, da wird eher der politische Einfluss genutzt. Ist kein bisschen weniger korrupt, aber eine andere Methode.

    Wenn ich von den 3% Denkmalen ausgehe, sind da beileibe nicht nur die Prachtbauten geschützt. Von diesem Ansatz hat sich die Denkmalpflege schon lange entfernt. Das hielte ich auch für unsinnig, und das meinte ich auch nicht.


    Ich finde es trotzdem problematisch, alles vor Stichtag X pauschal schützen zu wollen. Es wird keine Akzeptanz finden, die Mehrkosten sowohl für die Sanierungen wie auch für die Überwachung wird niemand tragen wollen. Letztlich kann das den gegenteiligen Effekt haben, dass die derzeit praktizierte Denkmalpflege in Frage gestellt wird, wenn man das inflationär betreibt.
    Wenn es in Wien gerade so eine Abrisswelle gibt, muss man natürlich fragen, woher das kommt und warum die Mehrheit offenbar mit den Schultern zuckt. Daraus jetzt einen Impetus abzuleiten und alles, was alt genug ist, schützen zu wollen, erscheint mir aber dennoch zu viel. Unweigerlich wird die Frage kommen, was mit jüngeren Bauten ist, die aus den 50er/60er/70er Jahren stammen, und die heute auch schon zum Stadtbild gehören und die Stadt mit prägen. Und dann?


    Aber wenn es eigentlich um die Identität geht und das Gefühl in der Stadt, ist es dann der richtige Weg, auf "Heile Welt" zu machen und jeden alten Kasten mit hohem Aufwand wieder herzurichten?

    Ich denke, der Ansatz ist zu pauschal. Nicht alles von vor 1945/49 ist so bedeutend, dass es erhalten bleiben müsste.


    Meines Wissens ist ungefähr 3% der Bausubstanz in Deutschland denkmalgeschützt. Nach einer Statistik sind von den rund 19 Mio. Wohngebäuden in D etwa 5 Mio. bis 1949 entstanden, so dass dann plötzlich um die 26% geschützt wären. Das würde zur Akzeptanz des Schutzstatus nicht beitragen, das wäre eine Inflation.


    Was soll "geschützt" heißen? Darf nicht abgerissen werden, ok, ein Aspekt. Sind da dann die klassischen Denkmalschutzkriterien anzuwenden, wenn es saniert wird? Also Holzfenster, Ziegeldeckung (jedenfalls in den meisten Fällen) etc. Wer überwacht das? Wenn das überwacht werden soll, müssten die Behörden um ein vielfaches größer werden.


    Ich halte die Idee für wenig praktikabel und vermutlich auch nicht zielführend.

    Um den Thread über das Narrenhäusel nicht weiter mit Verkehrsthemen zu füllen, verlinke ich diesen Artikel aus der Zeit mal hier:


    http://www.zeit.de/mobilitaet/…-oeffentlicher-nahverkehr


    Tenor des Artikels ist, dass die individuelle Mobilität mit eigenem Auto in den Städten kein Zukunftsmodell ist. Zitat: "Inzwischen steht ein Pkw 94 Prozent seiner theoretisch nutzbaren Zeit einfach nur herum, und das noch meistens auf kostbarem öffentlichen Grund."


    Wo die Zahl herkommt, weiß ich natürlich nicht. Aber ich finde, die grundsätzliche Überlegung ist durchaus bedenkenswert. Wenn ich mal das Pech habe, zu Stoßzeiten die Königsbrücker entlang zu müssen, finde ich die Blechlawine schon sehr quälend.