Posts by Freibuerger

    Kurioserweise findet die Fertigstellung des "Ketelhodtschen Palais" in Rudolstadt keinerlei großartige Erwähnung in der lokalen Presse. Auch die RUWO selbst hat den großartigen eigenen Erfolg (oder den der Abrißgegner ?) bei der Schaffung einer neuen Geschäftsstelle kaum gewürdigt. Oder ich habe schlecht gesucht.

    Hier mal Bilder von der ehemalige angeblich unrettbaren Ruine.

    https://www.youtube.com/watch?v=VwP5L5ZV4fc

    https://fotografie-kranert.de/ruwo-geschaeftstelle-neu-2019

    Als ich damals ebenfalls meinen Unmut über den geplanten Abriß bei dem Geschäftsführer der RUWO äußerte, bekam ich einen eher dümmlichen Antwortbrief.




    Bezüglich der Sicherheit des "Grünes Gewölbes" war ich blauäugig, wie auch bei den Kronjuwelen im Budapester Parlament, im Veitsdom zu Prag, im Krakauer Wawel usw. usw. Und wie Prof. Syndram selbst.

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    Bei "normalen" Stadt- und Regionalmuseen habe ich auch Bedenken.

    Ob die Diebe von dem bevorstehenden Kameratausch wußten? Die Zufälle häufen sich. Der Sicherheitsdirektor war im Ausland. Kenntnis über den Sicherungskasten für die Straßenbeleuchtung vor dem Schloß erlangt man auch nicht so einfach. Zudem vermutet man niemals, mit einem Hammer die Vitrinen eines "Staatsschatzes" knacken zu können und sie haben es trotzdem probiert und geschafft. Blauäugig oder Detailwissen zu wenig haltbaren Gläsern?


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    Zum einen ging ich von den heutigen technischen Möglichkeiten aus, die Brände und Einbrüche verhindern sollten. Zum anderen hat sich die Sichtweise auf vergangene Epochen grundlegend verändert. Die Mehrheit schätzt sie mehr als vor 150 Jahren (siehe Tourismusziele). Dennoch gibt es handelnde Personen, die lieber abreißen oder verkaufen oder Geld für moderne Technik sparen. Und dies sind nur die "Reste" nach Kriegen und den Intentionen unserer Vorfahren.

    Ich bin immer sehr dafür, alle Argumente sachlich zu betrachten und abzuwägen. Aber mit Rastrelli's Satz "Was weg ist, ist eben nicht mehr da" bin ich nicht so recht einverstanden. Demnach wäre eines der Hauptanliegen dieses Forums (trotz der "Charta von Venedig") hinfällig.
    In der Vergangenheit hat es immer Rekonstruktionen, Kopien, teilweise Wiederherstellungen von bedeutenden Kunstobjekten oder Bauten gegeben. Beispiele, schon ab der Römerzeit, fallen mir genügend ein.
    Nicht wenige halten das "Grüne Gewölbe" für ein Weltkulturerbe, was es definitiv ist. So sollten unseren Nachfahren in 300 Jahren nicht nur anhand von Bildbänden der Gesamteindruck dieser Garnituren und den Leistungen unserer Vorfahren vor 300 Jahren gezeigt werden. Wie schon einmal geschrieben, "vermasselt" unsere Generation immer mehr (Anna Amalia, Kölner Stadtarchiv, Bibliothek Donaueschingen usw. usw.). Und wenn es hundert Jahre dauert, bei ausbleibendem Fahndungserfolg sollte dieser Verlust rekonstruiert werden (ein im 2. Weltkrieg zerschossenes hochwertiges Gemälde wurde auch nicht so belassen).


    Ich habe jetzt schon ein ungutes Gefühl, eines Tages das "Grüne Gewölbe" zu besuchen und an den Stellen der gestohlenen Stücke leere Plätze oder 1:1 Photographien vorzufinden.

    Hallo Rastrelli,
    ich persönlich glaube, wenn dieser Einbruch in das Grüne Gewölbe jemanden wirklich sehr getroffen hat, so ist es Prof. Syndram. Ich habe ihn schon wiederholt erleben können, u.a. bei einer Führung durch die Rüstkammer. Ich habe auch Verständnis für die Zwänge einer Ermittlung nach Diebstahl und wegen einer künftigen neuen Sicherung des Grünen Gewölbes. Aber da ich in DD geboren wurde und mein Vater am 13. Februar in Klotzsche in einem Nachtjäger durch Zufall nicht abheben konnte (zum Glück), hadere ich extrem mit dem Schicksal dieser Stadt, besonders jetzt. Ich habe mich auch viel mit Beutekunst und Verlusten deutscher Museen beschäftigt und mich gefreut, wenn etwas wieder aufgetaucht ist, z.B. neuerdings ein Silberbecher aus dem Dresdner Ratsschatz. Als Jugendlicher habe ich die bewaffnete Wache im Grünen Gewölbe (Albertinum) gesehen.
    Deswegen hätte es in dieser Zeit gut getan, irgend ein Wort der vielen Verantwortlichen zu hören und nicht nur von der Presse. Es würde reichen, zu sagen, was die Ziele der neuen Sicherung sind ohne gleich Geheimnisse zu verraten oder Visionen im Fall eines dauerhaften Verlustes, z.B. Rekonstruktion. Auch wenn es illusorisch ist, die Ergänzung dieser Garnituren ist für mich vergleichbar wie die Rekonstruktion der Schloßräume oder der Ergänzung eines teilweise zerstörten Kunstwerkes. Den Wiederaufbau von historischen Gebäuden in deutschen Städten sehe ich ähnlich.
    VG
    Freibuerger

    Ein weiteres Beispiel zu meiner These im Beitrag 295.
    Wie aus den Medien zu erfahren war, hatte das Landesamt für Archäologie 2 Tage lang keine Zeit !!!, die Fundstelle zu begutachten. Aus Angst vor Plünderung, hat die Finderin den Fundort persönlich 2 Tage lang aus dem Auto heraus, auch nachts, bewacht. Falls korrekt, meine höchste Hochachtung.
    Was ist heute schon ein mittelalterlicher Münzschatz wert???


    https://www.mdr.de/thueringen/…llradisroda-fund-100.html

    Der Umgang mit Kulturgut in Deutschland ist unerträglich: Grünes Gewölbe, Anna- Amalia- Bibliothek, Stadtarchiv Köln, Gymnasialbibliothek Stralsund, Waldseemüller- Karte, Bibliothek Donaueschingen, Auktionen Haus Hohenzollern, Wettin, Baden, Thurn und Taxis usw. usw.
    Wie wäre es wenn Gotha, die 5 Gemäde klauen läßt und 30 Jahre wartet? keine Kosten und sie sind für unsere nachfolgenden Gnerationen in öffentlichem Besitz gerettet.
    Der Verjährungsparagraph gehört abgeschafft!

    Hallo Rastrelli,
    die Verglasung bzw. der Brandschutzgedanke im Freiberger Museum ist nicht das Problem sondern die Umsetzung. Ich kenne den ehemaligen Direktor sehr gut.
    Für den Fahrstuhl wurde auch massiv in die Fassade eingegriffen obwohl nach meiner Meinung im Treppenhaus vom Anfang des 20 Jhds. Platz gewesen wäre. Der Standort hinter dem Museum wurde angeblich von den Nachbarn abgelehnt, da er eine Verschattung der Superintendentur ausgelöst hätte obwohl dort eine große Kastanie stand. Der neue Rettungsweg in diesem Bereich ist nun plötzlich kein Problem. Der Kompagnon des damaligen planenden Büros für den Fahrstuhl und den heutigen Ergänzungsbau äußerte in der Presse, er hätte alles anders gelöst. Profis eben.
    VG
    Freibuerger

    Hallo Seinsheim,
    im spätgotischen Stadt- und Bergbaumuseum von Freiberg hat man es aus brandschutztechnischen Gründen fertig gebracht, die Befestigung für die Verglasung in die Sandsteinbögen hineinzuschrauben und hineinzuflexen.


    bitte unteres Bild anklicken: https://www.phase-10.de/untern…erg-wieder-eroeffnet.html


    Es passierte unter der selben Führung desjenigen Planungsbüros, welches jetzt den Ergänzungsbau errichtet. Ansonsten bauen die eher Fußballstadien.
    VG
    Freibuerger

    Die spätgotischen Domherrenhäuser wurden mit dieser Lücke geplant (Dachstuhl Am Dom 2 Ende 15. Jhd. dendrodatiert).
    Erst in der frühern Neuzeit gab es einen einfachen Zwischenbau, der bis auf dieses eine Bild (siehe ganz unten) nicht besonders dokumentiert ist.


    http://www.freiberg.de/freiber…81560040DB25?OpenDocument


    Auch neueste Ausgrabungen ergaben nix spektakuläres.
    Bis 1903, Eröffnung des Museums an dieser Stelle, rekonstruierte Arwed Rossbach (vergl. Leipziger Paulinerkirche) die Giebel der Domherrenhäuser. Sie selbst sind jetzt schon ein Denkmal.
    Ich muß es immer wieder erwähnen, es gab vor ein paar Jahren Planungen für einen flachen Zwischenbau, von der Denkmalpflege in Dresden schon abgesegnet, der die beiden benachbarten, als Museumsdepot genutzten Domherrenhäuser einbeziehen sollte (bekam die Öffentlichkeit nie zu sehen, Heimlichtuerei ermöglich diskussiuonsfreies Durchregieren). Der völlige unsinnige Verkaufsplan der beiden Häuser, inzwischen wieder zurückgenommen (neuer Plan: Übernachtungspension in spätgotsiche Häuser), verhinderte einen Verbinder und eine flache Hofbebauung. Da hätte der Platz gereicht. Ein Solitär ohne Hofbebauung mußte zwangsläufig zweigeschossig werden. Um dem Kubus angeblich die "Wucht" zu nehmen, schlug die ehem. Landeskonservatorin Prof. Pohlack selbst das Silbergespinst mit dem Wort "Silber" in vielen Sprachen vor. Wenn an dieser Stelle der Umgebungsschutz nach Sächs. Denkmalschutzgesetz nicht greift, wo dann in Sachsen? Dresden rettete damit vor Jahren seinen Canaletto- Blick, den es gar nicht mehr gibt.
    Die Fachleute von Freiberg bauten zuerst den gläsernen Fahrstuhl, dann den Keller mit eigenem Baubeschluß und ohne zu wissen, wie der oberirdische Baukörper wird. Der Baubeschluß für diesen kam zuletzt. Wie schon berichtet, Stadträte können nicht auf allen gebieten Fachleute sein, vor Ort informiert haben sie sich nie und wer vor Baubeschlüssen externe Hilfe sucht, wird bestraft.
    Diesem Projekt hätte ein Architekturwettbewerb gut getan aber nein, es wurde wieder einmal mit guten Bekannten des Baubürgermeisters geplant. Da braucht man natürlich keinen.


    PS. Wenn ein Oberbürgermeister bei einer Interviewanfrage des MDR äußert, "kein Kommentar, es sei alles gesagt" , ist das schon sehr bedenklich. Und dies, obwohl er sonst bei jeder Gelegenheit vor der Kamera steht.

    Nun hat der Stadtrat von Freiberg die Online- Petition zum geplanten Neubau am Stadt- und Bergbaumuseum behandelt.
    Wie zu erwarten, wurde ihr nicht entsprochen. Warum auch, sollten diejenigen Parteien, die den Baubeschluß getroffen haben, sich nun korrigieren. Neulinge im Stadtrat trauen sich sicherlich nicht, dem Fraktionszwang zu wiederstehen.
    Es ist jedoch ein Skandal, daß man immer wieder lesen mußte, der Protest kam zu spät. Die Visualisierung des Neubaus gelangte erst nach dem Baubeschluß an die Öffentlichkeit. Gegen was sollte man sich also vorher wenden? Und typisch für Freiberg, Indiskretionen von Stadträten vor einem Beschluß werden laut Geschäftsordnung bestraft. Und wenn schon viel Geld verbraucht wurde, kann man natürlich nicht umplanen und wenn ein Projekt teurer wird, evtl. wissentlich vorher "kleingerechnet" , kann man später nicht abbrechen.
    In einem Bundesland, in dem es kein Freiheitsinformationsgesetz gibt, braucht man sich über nix mehr wundern!




    https://www.openpetition.de/pe…gbaumuseum-in-dieser-form



    https://www.freiepresse.de/mit…etitionen-artikel10606132

    Hallo Atala,
    freut mich sehr, was in Ungarn alles gelingt. Ich kenne Dein Land vor und nach der Grenzöffnung und habe erst dieses Jahr Budapest und Sopron wieder einmal besucht. Im Schloß von Getterle war ich jedoch zum ersten Mal. Was die Restauratoren dort geleistet haben, ist sehr sehr lobenswert.
    Viele Grüße
    Freibuerger

    Hallo Rastrelli,
    ich weiß, wo Antiquitätenhändler oder Sammler eingekauft haben und das genügt mir. Ansonsten war der Beitrag über Gera ein Beispiel, daß Städte und Gemeinden eben doch in schwere finanzielle Bedrängnis kommen können auch durch Tochterunternehmen. Das Gera etwas verkauft hat, habe ich nicht geschrieben aber die vorübergehende Schließung von Kultureinrichtungen ist schon ein Alarmzeichen. Und was heute alles möglich ist, habe ich am Beispiel der Gymnasialbibliothek Stralsund gesehen. Sie war jedoch bloß Kommunalbesitz!


    https://www.degruyter.com/down…013-0012/bd-2013-0012.pdf


    VG
    Freibuerger



    PS. Schon die Ideen halte ich für fatal.



    https://www.zeit.de/2015/06/ku…-depot-verkaufen-verboten


    https://www.welt.de/kultur/kun…auch-Kunst-verkaufen.html


    siehe im Artikel unten:


    https://www.zeit.de/2018/10/mu…en-kunst-verkauf-gemaelde



    Wenn es das Thema "Verkauf aus öffentlichem Besitz" nicht gibt, warum dann solche aufwändigen Richtlinien?


    http://www.staedtetag.de/fachi…/kultur/072826/index.html

    Auch wenn Frau Prof. Pohlack viele Verdienste aufzuweisen hat, so gibt es hinsichtlich einer Entscheidung für Freiberg einen gravierenden Kritikpunkt.
    Wir mir erst jetzt bekannt geworden ist, hat sie zwar dem ersten Entwurf für den geplanten Erweiterungsbau am Freiberger Stadt- und Bergbaumseum neben dem berühmten Dom St. Marien und den spätgotischen Domherrenhäusern nicht zugestimmt, siehe


    http://www.freiberg.de/freiber…81560040DB25?OpenDocument


    aber persönlich um diese Gestaltungvariante bei der Stadt gebeten, siehe


    https://www.mdr.de/nachrichten…msneubau-freiberg100.html


    Sie will dem Baukörper durch eine "filigrane Vorhangfassade in Form eines "Silberwurzelgeflechts die Schwere nehmen".


    Wenn in so einem sensiblen Altstadtbereich solch ein Baukörper genehmigungsfähig ist, dann kann getrost der Umgebungsschutz §2 Abs. 3 Nr. 1 aus dem Sächsischen Denkmalschutzgesetz ersatzlos gestrichen werden. Für was soll er dann überhaupt noch gelten?