Posts by Touranoglou

    Die Altstadt von Frankfurt ist (wie die Innenstadt) auch nach der Rekonstruktion größtenteils futsch. Als Stadtteil ist es der kleinste Frankfurts, und die rekonstruierte "Neue Altstadt" mit 35 Häusern wiederum auch nur ein winziger Bruchteil dessen. Dennoch ist das Projekt großer Erfolg!
    Dass Frankfurt aber fast nirgendwo historische Bausubstanz hat, stimmt auch nicht. In entlegeneren (und zum Teil eingemeindeten) Stadtteilen wie Sachsenhausen und Bockenheim ist der Anteil schon größer, das berüchtigte Bahnhofsviertel hat sogar zum größten Teil den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegs-"Sanierungen" überstanden.

    Also ist das der endgültige Bebauungsplan? In einigen Berichten hieß es ja noch Wiederaufbau des historischen Molkenviertels...


    Schade, dass dieses Viertel jetzt architektonisch mit einfachen Sozialwohnungen und entstuckten Problemvierteln konkurrieren will...

    Es ist auch lustig zu sehen, dass bei einschlägigen Zeitungsartikeln und Werbeanzeigen für das Viertel, aber auch ausländischen Berichten (die zumeist positiv sind) fast immer der Hühnermarkt oder der Eingang zum Krönungsweg mit dem Haus zur Goldenen Waage abgebildet wird.
    Die "Ensembles" von Nordseite des Krönungswegs mit der Schirn-Kunsthalle, vom Alten Burggraf mit dem Kunstverein, der Braubachstraße oder auch nur das Haus zu den Drei Römern am Ende des Krönungswegs scheinen kaum Resonanz zu finden.
    Mann, die Menschen wissen wohl moderne Architektur einfach nicht zu schätzen. ;)

    Jetzt, wo sich die fehlenden Spenden langsam, langsam kommen, sollten wir uns dem weiteren Wiederaufbau dieses doch mittelfristig nicht vollendeten Schlosses widmen.


    Z. B. der Einsatz für die Wiederherstellung der charakteristischen Gigantentreppe, einzelner Prachträume oder der fehlenden zwei Kuppeln auf der Westfassade. Letzteres wäre ja das kostengünstigste und laut Aussage Wilhelm von Boddiens einfachste Nebenprojekt.

    Für alle, die nachgefragt haben: Die fehlenden beiden Kuppeln an der Westseite stellen statisch kein Problem für eine nachträgliche Anbringung dar, wahrscheinlich eine Holzkonstruktion mit Kupferblech verkleidet, ähnlich wie beim wiederaufgebauten Turm der Parochialkirche Berlin.


    Trotz des modernistischen Dachcafés ist ausreichend Platz für die beiden flankierenden Nebenkuppeln vorhanden. Es fehlt anscheinend nur der Wille und das Geld, die Kuppelchen anzubringen.

    Moderation: Aus "Wiederaufbau der Garnisonkirche" hier her verschoben.


    Parallel zum Wiederaufbau der Garnisonkirche könnte man doch auch einen Thread für den Wiederaufbau des Staudenhofes in Potsdam eröffnen.

    Aus dem Archiv: Neubauten erinnern an früher


    Aus dem Text ergibt sich, dass das historische rechte Nachbarhaus zum Glauburger Hof (ein originales, Altstadthaus) an diesen angleichend einen neuen Anstrich erhalten sollte. Da das Stadtfest und die Eröffnung nun vorbei sind, und seit diesen zwei Jahren keinerlei Tätigkeit beziehungsweise Nachricht diesbezüglich kam, wird das Haus wohl seine grell gelbe Farbe mit dem Rotbraun-Kontrast beibehalten.

    Der Neubau hat irgendwie etwas amerikanisches an sich, der könnte glatt in Chicago oder New York stehen. Für diese altstädtische Lage in der Tat nicht die beste Wahl. Und dennoch muss man sagen, hier hätte auch eine völlig missratene Strichcode-Kiste oder ein dekonstruktivistischer Betonhaufen entstehen können. Insofern in Zeiten von Lüscher und Lompscher schon eher ein erfreulicher Entwurf.
    Zumal eben nebenan sowas wie eine innerstädtische Autobahn liegt. Noch.

    Naja, an einem (sehr einfachen) Strichcode scheint sich das schon eher orientiert zu haben, auch wenn man ansatzweise kalte neoklassizistische Züge erkennen mag. ;)



    Laut Beschluss aus dem 2000er Jahren ist eine höhere Traufhöhe als bei der ursprünglichen Bebauung von vor 1945 vorgesehen. Das würde ja Rekonstruktionen - selbst in einem Leitbaukonzept - doch pauschal ausschließen...
    Heißt das aber umgekehrt nicht, dass echte Dachtraufen anstelle von Flachdächern kommen sollten? Dieses Beispiel würde dem ja widersprechen. :wie:
    Gibt es weitere Pläne für die Visualisierung von dem, was kommen wird? In vielen Kommentaren von einschlägigen Webzeitungen wird schon die "Disneyland"-Keule geschwungen.

    Heimdall: Ich denke, das schweift zu sehr ab, aber ich hatte es im Historischen Lexikon Bayerns gestöbert; von Papen war Mitglied im "Bund zur Erneuerung des Reiches", dessen Ziele die Auflösung der preußischen Institutionen und deren Übernahme durch das Reich waren. Ich weiß, dass von Papen weniger belastet war, und dass er eigentlich andere Positionen und Ziele als die Nationalsozialisten vertrat. Ändere mein "Funktionär" zu "Mitglied", war ungenau ausgedrückt.

    Münchener, es stimmt nicht ganz. Es wurden deutlich mehr Länder als Preußen aufgelöst (Anhalt, Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe etc.) und an deren Stelle neue Länder wie "Nordrhein-Westfalen" oder "Rheinland-Pfalz" gegründet, die keinerlei staatliche Tradition hatten; Baden, Württemberg und die Hohenzollern (von wo die damaligen Bewohner des Stadtschlosses ja stammen) wurden erst in drei Zonen-Länder zerstückelt und 1952 mehr oder weniger zwangsvereinigt. Die Idee zur Auflösung Preußens geht sogar unter anderem auf den späteren Nazi-Funktionär Franz von Papen zurück, bereits vor dem Preußenschlag 1932 gab es 1930 die Idee zur Neuordnung Norddeutschlands, zu der auch die vollständige Auflösung Preußens gehörte.


    Zum Thema: Die vielbeschworene Angst vor den "preußischen Gespenst" ist völlig überzogen und zumeist unüberlegter Agitprop. Preußen wird pauschal mit rechtem Militarismus gleichgesetzt, dabei war das Land Preußen in der Weimarer Republik fast durchgehend von der SPD regiert, während z. B. Bayern für die Nazis als nationalistische "Ordnungszelle" galt; die Altstadt des damals preußischen Frankfurt war sogar eine Hochburg der Kommunistischen Partei Deutschlands.
    Hinzu kommt, dass das eigentliche Preußen (West- und Ostpreußen) zwischen Litauen, Polen und Russland aufgeteilt ist. Und diese Region, genauer gesagt das baltische Volk der Prußen, ist der Namensgeber für das auf den Deutschen Ordenstaat zurückgehende Land. So etwas macht die "Wiedererrichtung Preußens" eigentlich unmöglich.
    Dass die preußischen Hohenzollern irgendwann die Macht übernehmen werden und eine Monarchie kommen wird, sodass das Stadtschloss wieder Amtssitz wird, ist ebenso illusorisch.


    Wichtiger als eine "Neubewertung" ist eine allgemein differenzierte Sichtweise zum Thema, und die hat leider so manch ein Kritiker am Stadtschloss nicht. Es geht beim Stadtschloss-Wiederaufbau um schönes Bauen und Erhalt wichtiger Architektur, nicht um das Wiederholen von historischen Altlasten.