Posts by Friedenau

    Das ist ja alles erschreckend und kommt nach Krieg, Abrisswelle der 50er- 70er nun der dritten Stadtzerstörung gleich. Schade, schade, schade, damit muss man die Berliner Altstadt endgültig abschreiben. Was geht nur in den Köpfen der Planer vor - hassen sie Berlin?

    Meines Wissens wurden sie im Rahmen der Germania-Planung entfernt, um den Reichstag "moderner" wirken zu lassen und den geplanten Nazibauten etwas anzugleichen. Im damaligen Modell der großen Halle fehlen die Putten wie auch die Germania über dem Portal und die Reiterstandbilder auf der Rückseite. Das Modell ist sonst sehr detailreich - sie müssen bewusst weggelassen worden sein. Gleichfalls sollten wohl auch die Figuren an den Türmen entfernt werden.


    Habe gerade nochmal die Bilder der Türme von 1893 und heute verglichen - es fehlen nicht nur die Putten seit den 40ern, die gesamte Balustrade auf den Türmen wurde bei der Restaurierung in den 50ern entfernt. Das hatte ich bisher nicht bemerkt.

    Kleine Korrektur zu Alois: Die Kuppeln wurden nicht in den 50er/60er Jahren sondern sogar erst Anfang der 80er Jahre wieder aufgebaut. Ich kann mich noch ganz dunkel an die Laternen erinnern, die bis Ende der 70er auf den zwei Türmen auf der Spreesteite waren - zwar ausgebrannt aber noch da. Das der jetzige Zustand unter Denkmalschutz gestellt wurde erklärt sich mir nicht.

    Ja, ja, und deshalb wird auch das Hutmacherhaus am Zoo nicht abgerissen - ups doch. So ist das mit den eingebürgerten Eindrücken - ach, und das Theater am Kurfürstendamm ist auch weg?
    Wir werden es noch erleben, dass der Dom seine Laternen wiederbekommt. Dran glauben und nicht locker lassen.

    Bleibt zu hoffen, dass trotz der Wohnungen im neuen Karstadt die Dachterrasse für die Öffentlichkeit nutzbar sein wird. Nicht, dass sich die Turmbewohner über das Klappern von Tellern und Kaffeetassen oder die wöchentlichen Swing-Veranstaltungen beschweren. Denn eine wiederbelebte KARSTADT-Dachterrasse wäre der Hammer und ein riesiger Besuchermagnet.

    Wow - das Haus der Elektrotechnik wird abgerissen - dass ist ja mal eine gute Nachricht. Wenn man nun nur noch darauf vertrauen könnte, dass die Planer wissen, dass sich eine Weltmetropole nicht über Hochhäuser sondern über urbanes Leben definiert, könnte man sich so richtig darüber freuen.

    Ich freue mich sehr, dass ich das noch erleben darf! Große Teile vom Schloss, Karstadt am Hermannplatz - alles wieder da - wow, nur schade, dass man am Potsdamer Platz so schnell war und die Chance für das "Haus Vaterland" verspielt wurde.

    Nun, das wirkt, als ob die Roßbändiger vom Schöneberger Bezirk nicht hergegeben werden. Dann muss vielleicht eine andere Lösung gefunden werden. Wo hatte von Jürgensburg denn eigentlich seine Werkstatt? Bzw., worauf ich hinaus möchte, gibt es noch die Formen für die Roßbändiger, denn es wurden ja mehrere Nachgüsse (Neapel und St. Petersburg) angefertigt - oder besteht die Möglichkeit, wenn diese nicht mehr existieren, Abformung und Nachgüsse zum Beispiel bei Noack herzustellen. Vielleicht wurden während des Krieges sogar Abformungen angefertigt. Die Abgüsse könnten dann nach Schöneberg und die Originale wieder an ihren angestammten Platz.

    Persönlich würde ich immer eine Rekonstruktion am Originalstandort bevorzugen. Dann lieber ein doppeltes Ermeler-Haus als ein "Gasthaus zum Nussbaum" vor der Nikolaikirche. Es gibt genügend Gebäude am Molkenmarkt, Kloster-, Jüden oder in der Rathausstraße (Königsstraße), die es verdienen rekonstruiert zu werden. Ein wichtiges Gebäude wäre zum Beispiel auch das Mühlengebäude (Sparkasse) auf der Mühlendamm-Brücke und die davor gelagerte barocke Laden-Kolonnade auf der Brücke aus dem 17. Jahrhundert (wenn ich mich da nicht täusche). Der gesamte Hafenbereich war damals ein Hingucker, der es durchaus verdiente wieder aufgebaut zu werden.

    Signifikante Bauten gab es. Zum Beispiel die Französische Kirche oder das Palais von Kreutz mit seinem Schlütersaal, beide in der Klosterstraße (siehe auch Rubrik "Berlin in alten Bildern"-Seite 29). Oder das "Haus zum Löwen" in der Jüdenstraße.


    Palais von Kreutz wäre allerdings nur zu verwirklichen, wenn dieses entsetzliche Parkhaus neben dem Rathaus teilweise wieder verschwinden und die neue Grunerstaße nicht gerade hinter dem Rathaus durchgezogen würde. Insofern wird die Rückgewinnung wohl sehr schwierig.

    Vielen Dank für die interessanten Hintergrundinformationen, Kontantinegeer. Gibt es die Aussage von Prof. Pniower noch in schriftlicher Form? Man sollte versuchen die Politik und die Denkmalsbehörde doch noch davon zu überzeugen, dass diese doch geschichtlich und auch künstlerisch bedeutenden Skulpturen der Roßbändiger von Peter Clodt von Jürgensburg wieder zur gebührenden Geltung kommen - da wo sie hingehören, vor Portal IV.
    Zum Adler der Adlersäule. Auch dessen Bildhauer Christophe Fratin ist ein bedeutender Künstler des 19. Jahrhunderts. Eine Adler-Skulptur von ihm findet sich auf der Terrasse von Schloss Babelsberg und eine andere zum Beispiel im Centralpark von New York. Ich bin sicher, der Adler hat die Wirren der Zeit überstanden hat. Es gibt eine Aussage, dass er nach Sanssouci gebracht wurde - vielleicht ein Hoffnungsschimmer, ihn in irgendeinem Depot zu finden.

    Mal zwei, drei Fragen an die hiesige Gemeinde:
    Kann jemand Auskunft darüber geben, warum die Roßbändiger 1950 in den Westsektor nach Schöneberg gebracht wurden? Wie kam es dazu?
    Die andere Frage stellt sich mir in Bezug auf den Verbleib des Adlers der Adlersäule. Es ist unwahrscheinlich, dass er beim Abriss der Säule zerstört wurde, denn das darunter befindliche Kapitell tauchte ohne Schäden, die es zweifelsohne beim Sturz aus der Höhe erhalten hätte im Pergamonmuseum auf. Somit wurde es wahrscheinlich mit einem Kran abgebaut. Das würde dann auch für den Adler gelten. Bloß wer schmeißt den Adler weg und behält ein korinthisches Kapitell, was für sich genommen nichts besonderes ist? Wenn der Adler zur Metallgewinnung eingeschmolzen wurde, warum nicht auch das Kapitell? Oder gibt es schriftliche Belege für die Vernichtung? Nach meinem Gefühl existiert die Skulptur noch irgendwo - vielleicht auch im ehem. West-Berlin? Kam sie zusammen mit den Roßbändigern über die Grenze? Ich möchte keine Verschwörungstheorien aufstellen, aber irgendetwas passt in der Sache nicht zusammen. Wer kann für etwas Aufklärung sorgen?

    Ist schon interessant, wie abfällig sich Herr Milla über Mehrheiten und deren angeblichen Geschmack äußert.
    Zitat aus dem Berliner Zeitungs-Artikel vom 30.07. : "Davon aber abgesehen: Über Gestaltung, Design, Kunst und Kreation dürfen niemals Mehrheiten entscheiden. Dann würden in deutschen Museen womöglich nur Sonnenuntergänge mit röhrenden Hirschen hängen, und in den Opernhäusern würde ausschließlich Helene Fischer laufen. Deshalb werden solche weitreichenden Gestaltungsentscheidungen aus gutem Grunde an Fachjurys übertragen."
    Geht es nicht bei seinem Entwurf um Mehrheiten, die dann die Wippe bewegen sollen - sorry, aber der läuft nicht rund.
    Beruht Demokratie nicht auch auf Mehrheitsentscheidungen - aber in seinen Augen ist eine politische Entscheidung offensichtlich nicht so wichtig wie eine künstlerische. Mann sollte aufpassen, wem man da einen Auftrag erteilt.