Posts by Friedenau

    Es wäre nicht das erste Mal in Berlin, dass aus einem Bahnhof etwas neues entsteht. Aktuell zu besichtigen beim Hamburger Bahnhof oder früher und heute leider verloren die "Plaza" im ehemaligen Ost - bzw. Küstriner Bahnhof. Der Anhalter hatte und hat für Berlin eine besondere Bedeutung. Er stand für das weltoffene und pulsierende Berlin.

    Vielleicht sollte man auch den Portikus abreißen - dann ist der AB bald Vergessen und der Anblick diese gemordeten Kunstwerks tut nicht mehr so weh. Dann steht da eben ein Museum - nett aber nicht aufregend. Wer trauert heute noch dem Lessing Theater, Wertheim, dem Fürstenhof oder vielem Verlorenem nach - die meisten wissen nicht, wie schön, elegant und aufregend Berlin einmal war. Ja einige sind sogar dagegen, dass etwas davon zurück kommt - siehe Karstadt oder das Schloss. Es ist immer wieder schwer, dies zu begreifen.

    Der geplante Neubau hinter dem Portikus des Anhalters macht mich traurig. Er bedeutet das Ende der Hoffnung, dass der AB wiedererstehen könnte und diese großartige Architektur Berlin um ein Highlight bereichert hätte. Und wenn es auch nur die Hoffnung darauf gewesen ist. Und was ist das für ein hochgelobter Entwurf? Ein Schulgebäude in der Provinz? Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke in irgendeiner Kleinstadt? Dieses Gebäude zementiert wie auch schon der neue Museumsbau im Kulturforum das abrutschen Berlins in die Langeweile, das Austauschbare ohne den Willen zur Wiedererkennung. Ähnlich ist es dem Grundstück des Haus Vaterland ergangen. Gibt es heute noch diverse Postkarten davon, so findet sich vom jetzigen Anblick eher wenig bis gar nichts. Warum? Warum zerstören diese Architekten, Bauherren und Baudamen unsere Stadt? Warum muss es hier so aussehen wie in jeder anderen Stadt, wo ist das Identitätsstiftende. Diese Entwicklungen machen mich sehr traurig und enttäuschen mich immer mehr. Was hatten wir gedacht, was aus dieser Stadt werden könnte als die Mauer viel - der Geist der 20er beschworen wurde. Die Chancen sind weitestgehend zu nichte gemacht. Wer am Hauptbahnhof aussteigt weiß nicht ob er in München, Frankfurt oder Hamburg ist - sieht alles gleich aus, wenn es in den letzten 20 Jahren errichtet wurde. Aber vielleicht muss man es auch positiv sehen - so fühlen sich die Besucher Berlins aus Bergisch-Gladbach beim Anblick des neuen Exil-Museums ganz zu Hause - "sieh mal Claudia, sieht aus wie unser Oberstufenzentrum".

    Man muss auf die richtigen Investoren setzen. Ich hab seiner Zeit die Neue Schönhauser Str. 19 an die Nippon Development verkauft und siehe da, die Fassade wurde wieder in historisch, korrekter Form rekonstruiert - heute sieht die Nr. 19 wie zur Erbauungszeit aus. Es war auch die gleiche Firma, die das große Eckhaus am Hackeschen Markt wieder aufgebaut und auch hier wieder den historischen Stuck anbrachte. Es gibt sie - man müsste sich drum kümmern und Investoren für Projekte begeistern.

    Hier ein Link zum Film von Dieter Wieland aus den 80ern in puncto Dach.

    Viele kennen den Beitrag sicherlich - aber vielleicht ist er für den Einen oder Anderen auch noch unbekannt.

    Die Laterne ist wieder einmal ein Beleg dafür, wie Details einem großen Baukörper Leichtigkeit verleihen. Wie wunderbar wird es erst, wenn der Figurenschmuck an der Kuppel und über den Portalen hinzukommen. Wie plump und schwerfällig wird die Ostseite dann erst wirken. Aber das ist eben die hochgelobte moderne Architektur, die über einen Schuhkarton nicht hinaus kommt.

    Hoffen wir das der Domgemeinde beim Anblick der Schlosskuppel noch ein Licht (oder eine Laterne) aufgeht, um wie viel der Dom bei Rekonstruktion der ursprünglichen Gestaltung aller fünf Kuppeln gewinnen würde.

    Ein Gebäude hört nicht am Gesims auf, sondern die Dachlandschaft ist immens wichtig für die Gesamtwirkung. Ein Negativbeispiel hierfür sind leider auch die Türme des Reichstages, die ihn heute schwer und wuchtig erscheinen lassen. Aber wem sage ich das in diesem Forum eigentlich - da sind wir uns alle wohl einig.

    Wünsche einen schönen Pfingstspaziergang zum Schloss.

    Kleine Anmerkung zum Blick von Osten auf die Fassade. Wenn die Bäume etwas größer und im Sommer belaubt sind, gibt es diesen Blick in der dargestellten Form nicht mehr. Aber wer auf die andere Seite des Lustgartens geht und von der Schlossbrücke die Lustgarten-Fassade betrachtet hat diesen Blick - mit oder ohne Apothekerflügel ob im Sommer oder Winter. Mit Apothekerflügel bekäme der Anblick allerdings einen schöneren Abschluss und liefe nicht ins Leere.

    Auf den Bildern wird sehr deutlich, dass das Humboldt-Forum nach Osten ins Leere läuft - der moderne Abschluss zur Spree funktioniert nicht. Hier sollte wirklich bald über einen Wiederaufbau des Apothekenflügels nachgedacht werden, um dem Lustgarten einen vernünftigen östlichen Abschluss zu geben. - Naja, auf Vernunft zu hoffen ist hierbei allerdings gewagt. -

    1912 ist die Adresse Konstanzer Straße 15 als Neubau aufgelistet, ab 1913 wird für das Eckhaus H. Mendelsohn (Baumeister) als Eigentümer im Berliner Adressbuch (Vororte von Berlin) geführt. 1920 erscheint H. Mendelsohn noch als Eigentümer, jetzt mit der Berufsbezeichnung Makler. Er verkauft das Haus 1920/21 an die Lumina Gesellschaft später Handelsges. (1923).