Posts by Anna


    Vielen Dank für die schnellen Fotos. Wie gesagt, Teile des Portikus (siehe Foto des originalen Gebäudes, oben, sind heute innen noch zu sehen, hinterläßt einen sehr zwiespältigen Eindruck). Das untere Foto zeigt die Ostseite (zum Neuen Rathaus hin), nach vorne, zum Friedrichswall, zeigt sich Wabe pur, durchbrochen von einigen Fenstern, die zur Zeit farbig ausgeleuchtet sind.
    Wie man solche Notdurftarchitektur unter Denkmalschutz stellen kann, bleibt das Geheimnis des zuständigen Sachbearbeiters. Dabei gibt es auch in Hannover durchaus kühne Architektur der 50ger Jahre, so das ehemalige Conti-Hochhaus am Königswother Platz, das vor einigen Jahren von der Uni übernommen wurde, so etwas zu bewahren, kann ich noch als nachvollziehen. Von dort oben genießt man einen phantastischen Blick über die Stadt, insbesondere auf den nahen Georgengarten in Richtung Herrenhausen. Auch die nahegelegene Uni- Bibliothek, neben dem Welfen-Sommerschloß, heute TU, ist einen Besuch wert, ein schönes Beispiel für den Hannoverschen Eklektizismus.

    Quote from "Kindvon2dresdnern"

    Anna
    erstmal ein herzliches Willkommen bei den Freunden der klassischen Architektur!


    Bist Du denn aus Hannover? Das mit dem Aufzug ist ja eine Schande- wird denn der alte abgebaut und wann wird er denn geschlossen?


    zur Musikhochschule:
    Ich habe dort selbst 6 Jahre studiert. Es stimmt sie ist ganz schön hässlich (zumindest verglichen mit dem Lister Turm (bis dato MuHo) aber irgendwie gewöhnt man sich an alles und die Öffnung zur Eilenriede hin ist schon ganz in Ordnung.


    Herzlichen Dank für die Begrüßund, dann noch schnell ein "Guten Tag" in die Runde. Du bist ein Musikus, was spielst Du denn für Instrumente?
    Ich habe mal in der Bödekerstraße gewohnt, aber das ist auch schon wieder 11 Jahre her, lebe jetzt in Bückeburg.


    Zum Aufzug kann ich ncihts genaueres sagen, habe das vor einigen Wochen irgendwo gelesen, aber Details sind nicht haften geblieben.


    Kennst Du das 'MIlchhäuschen' in der Eilenriede, in der Verlängerung der Yorckstraße?

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    Und wenn Ihr schon da seit, vergesst nicht auf den Turm zu fahren mit dem Schrägen Aufzug, der neben dem im Pariser Eiffelturm der Einzige seiner Art ist![/quote]


    Ja, und beeilt Euch, denn es wird bald ein moderner Aufzug aufgeführt, der, wenn ich's richtig verstanden, 'gerade' hochfahren wird.


    Schloßgespenst


    Bilder habe ich keine, aber Du kommst sicher mal nach H. Die Stadt ist zwar sehr zerrissen und mit Braunschweig kaum zu vergleichen; aber sie hat dennoch für den Interessierten viel zu bieten:
    zum einen die Lavesbauten (außer den vorgenannten das Opernhaus, wenn auch innen modern und der Vorplatz verunstaltet), die Villa Rosa, der Bibliothekspavillion und viele andere. Desweiteren gibt es ein prachtvolles Gebäude von Fritz Höger, dem Architekten des Chile - Hauses, zu bestaunen, das "Anzeiger-Hochhaus", das an Wucht und Rhythmus dem Chile-Haus kaum nachsteht; das märchenhafte Ensemble der barocken Herrenhäuser Gärten mit dem nach englischer Art angelegten Georgengarten, der diese mit der Innenstadt verbindet (Glanzpunkt: das Wallmodenpalais, heute besuchenswertes Wilhelm-Busch-Museum); die Gartenstadt Kleefeld; das ehemalige Verwaltungsgebäude der Bahlsen-Keksfabrik am Anfang der Podbi, ein Glanzstück des Jugendstils; aber auch viele Absurditäten, so stand am Emmichplatz das "Neue Haus", ein beliebtes Vorkriegstanzlokal, dort befindet sich jetzt die abstoßend häßliche Musikhochschule aus gelbem Klinker, die wie eine Kriegsruine ausschaut, bis mich ein Student aufklärte, daß sie doch wie ein Ohr geformt sei. Ich fragte: "Wie bitte?" "Klar", kam die Antwort, "aus der Luft". Es stimmt tatsächlich, aber ich habe keine Ahnung, wie viele Studenten tatsächlich mit dem Hubschrauber anreisen, höchstens das DDR-Sandmännchen...

    Jedem Besucher Hannovers, der sich für Architektur interessiert, sei zuerst der Besuch des neuen Rathauses am Friedrichswall empfohlen. In der großen Zentralhalle stehen vier ausgezeichnete Innenstadtmodelle, das erste zeigt das mittelalterliche Hannover, das zweite die Stadt um 1939, das dritte die Mondlandschaft 1945, das vierte das aktuelle Stadtbild, mit fortlaufenden aktuellen Ergänzungen.
    Man vertiefe sich vor allem in den Vergleich von 1939 und heute, suche sich seinen Ausgangspunkt (das vorerwähnte Rathaus) und den Friedrichswall, betrachte auf dem 39'ger Modell diesen Straßenzug und mache dann einen Schritt vor die Tür. Man blickt auf den Betonkasten des Maritim-Hotels (ehemals Interconti) und rechts davon jede Menge gesichtsloser Nachkriegsbauten. Links vom Maritim steht das ehemalige Wohnhaus des Hofarchitekten Georg Ludwig Laves, das vor gut zehn Jahren von der Architektenkammer übernommen und liebevoll saniert worden ist. Das nächste Gebäude zur Linken ist ebenfalls von Laves, das ehemalige Wangenheim - Palais, von außen ebenfalls ordentlich saniert, drinnen 50'ger Jahre.
    Direkt links neben dem neuen Rathaus steht das Kestner - Museum, mit seiner Ägypten-Sammlung und seinen mittelalterlichen Kostbarkeiten das Juwel unter Hannovers Museen. Von außen sieht es aus, wie ein liebloser Ableger vom Kaufhof, Waben, Waben, Waben. Man sollte einmal hineingehen und das schöne, ruhige und preiswerte Cafe drinnen aufsuchen. Vor dort schaut man durch die ehemalige Außenfassade in den Anbau hinunter - nach dem Krieg hat man die Waben zwecks Erweiterung einfach davorgehängt. Das Gebäude selbst war ein hervorragendes Beispiel für die Neo-Renaissance und es wäre mein persönlicher Favorit für eine städtische, identitätsbildende Rekonstruktion.
    Wie das Haus einmal ausgesehen hat, kann man ebenfalls im Museum sehen.

    Quote from "Benni"

    Ab in Knast mit ihm! .


    Hoffentlich liest das der Herr Wendland nicht, da kommt einem das Gruseln. Habe vor kurzem einen Landschaftsgärtner kennengelernt, der wollte mit 18 Jahren aus der DDR flüchten; in Böhmen haben ihn die Tschechen gefaßt und erst einmal sechs Wochen lang verprügelt; danach wurde er in die DDR abgeschoben, wo er ein Jahr im Roten Ochsen in Halle/Saale einsaß. Der Trakt für die 'Republikflüchtlinge' ist heute eine für Besucher geöffnete Mahnstätte: winzige Zellen, Tag und Nacht beleuchtet, man verlor seinen Namen und wurde nur mit einer Nummer angeredet. Er saß nur deshalb ein Jahr, weil am 9.11.1989 die Mauer aufging.
    Das sind traumatische Ereignisse im Leben eines jungen Menschen, vor allem, wenn man so jung wie mein Bekannter oder Herr Wendland ist.
    Letzterer hat auch ein lesenswertes Buch geschrieben über den Architekten Georg Christian Unger, der mit seinen Bauten Potsdam und Berlin unter Friedrich dem Großem mitgeprägt hat, u.a. stammt das Belvedere auf dem Klausberg (das, oberhalb des Drachenhäuschens) von ihm. Das Buch ist mit vielen, vielen Fotos versehen und die Anschaffung wert.