Posts by Loggia

    Ein paar Bilder zu Gebäuden, auf die sich SchortschiBähr bezieht:


    Die Grabeskirche in Jerusalem, ein vielfach überformtes Gebäude:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Grabeskirche


    Von der Martinskirche in Tours stehen nur noch 2 Turmteile aus dem 11./13. Jhdt, die älteren Teile sind zerstört:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Martin_de_Tours


    Die spätere karolinigische Martinskirche in Angers steht hingegen noch, und erweiterte wohl mehrere Vorgängerbauten.


    Zu Nantes habe ich nur die Kathedrale im spätgotischen Flamboyant-Stil gefunden, aber die Westfront erinnert doch auch wieder etwas an Turmanin...

    Alt-St.Peter in Rom
    https://de.wikipedia.org/wiki/…ca_di_San_Pietro_1450.jpg
    (https://de.wikipedia.org/wiki/Petersdom)
    Die Zeichnung zeigt den sehr späten Zustand 1483 - 1506. An der Ecke des Vorhofs steht ein quadratischer Campanile mit durchgehend gleichvielen Fenstern, der mit Sicherheit jüngeren Datums ist als die Basilika, die 326 geweiht wurde.


    Die Zeit zwischen ca. 300 und 700 scheint nicht ergiebig zu sein für Türme, jedenfalls im iberischen Westen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Westgotische_Architektur scheint eher die römisch-byzantinischen-syrischen Formen abzuwandeln, als Türme zu erfinden. Danach gibt es die asturische Präromanik und die mozarabische Architektur, die wahrscheinlich die Gotik inspiriert hat.


    Ein Beispiel für die asturische Präromanik ist San Salvador de Valdedios. Dieses hat einen mittigen Glockenaufsatz "aus späterer Zeit". Dieser hat anscheinend auf Spanisch einen Namen: Espadaña.

    Noch ein bißchen Sammlung weiterer Gebäude und Bilder.



    Zuerst mal der in der Antike schlechthinnige Turm, der Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pharos_von_Alexandria
    Neuste Rekonstruktionsgrafik: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:PHAROS2006.jpg


    Er bestand aus 3 Stufen mit den Grundformen Quadrat, Oktogon, Kreis jeweils sich nach oben verjüngend, auf einer Plattform, und hatte viele Fenster, so daß er eher einem Hochhaus glich. Die Höhe wird mit 300 ägyptischen Ellen, was 115 bis 160 m entspricht, angegeben. Die Dachplattform des Oktogons war Besuchern zugänglich.


    Der Turm wurde 299 bis 279 v. Chr. gebaut und war jahrhundertelang in Betrieb als Leuchtturm.
    Erdbeben setzten ihm immer wieder zu:
    365 n.Chr., es soll ein Wiederaufbau versucht worden sein.
    769 ist von schweren Schäden die Rede.
    Zu dieser Zeit war die krönende Götterstatue mit Sicherheit nicht mehr vorhanden, wahrscheinlich wurde sie bereits im 4. Jhdt demontiert.
    868-884 soll das oberste Geschoß eine Moschee gewesen sein.
    Im 12. Jhdt wird er noch als Leuchtturm in Betrieb beschrieben.
    1303, 1323, 1375 werden für den endgültigen Einsturz durch Erdbeben genannt.


    1480 ließ Kait Bay aus den Trümmern eine Festung bauen, die noch steht.
    D.h., 1500 Jahre stand dieses Gebäude und erfüllte seinen Zweck. Es erlebte dabei 2 Religionswechsel (antike griechische Religion -> Christentum, Christentum -> Islam) und scheint im Islam einen ziemlichen Eindruck hinterlassen zu haben, wie das Schattenspiel mit dem Leuchtturm zeigt.
    Ob aber die Minarette über die Interpretation hinaus von diesem Turm abgeleitet sind, ist die Frage... denn wo diese zuerst auftauchen, und mit welcher Bauidee, ist (zumindest mir) nach wie vor unbekannt.


    Es soll bereits zur Bauzeit des Pharos Leuchtfeuer auf niedrigen, z.T. mehrstufig runden, Türmen gegeben haben, etwa in Piräus oder auf Thasos, die jedoch nie eine solche Höhe erreichten.


    Auch die Römer bauten Leuchttürme, jedenfalls sind auf Mosaiken welche abgebildet, und der Herkulesturm in La Coruna
    https://de.wikipedia.org/wiki/Herkulesturm
    http://www.udc.es/dep/com/gallego/hercules/torherxg.htm
    der um 110 gebaut wurde, ist immer noch in Betrieb. Sein römischer Teil dürfte etwa 30 m hoch sein, ansonsten ist er im 18. Jhdt sehr überformt worden.
    Er hat eine quadratische Grundfläche und wenige, asymmetrische Fenster (die Verkleidung aus dem 18.Jhdt fügte viele blinde Fenster hinzu), gleicht also eher einem Wehrturm als einem Hochhaus.

    Maastricht ist schon ein hübsches Städtchen, vor allem innendrin.
    Ich war vor Jahren mal dort, mit holländischen Bekannten. Es war an einem Markttag, denn wir sollten unbedingt den Backfisch vom Stand mal probieren.
    Wir parkten auf der anderen Seite des Flusses, in "Neu-Maastricht" (Stadterweiterung des 20. Jhdts), so daß man die Altstadt wie eine breite Front sah. Das große Einkaufszentrum/Kaufhalle/Lebensmittel-Hypermarche oder was das ist auf der rechten Seite fiel die Stadtstruktur störend auf. Ansonsten hat man die Altstadt aber wohl weitgehend in Ruhe gelassen.
    In der Haupteinkaufsstraße mit den vielen kleinen Geschäften (möglicherweise Platielstraat) war viel Leerstand im 1. und 2.OG, und wenn es vermietet war, dann sichtbar an Leute von südlich des Mittelmeers o.ä.. Anscheinend will da keiner mehr wohnen, zu laut und zu eng?


    Jedenfalls ist es ein recht gutes Beispiel dafür, wie die Holländer mit der immergleichen Kubatur und den immergleichen Backsteinen trotzdem Häuschen jeden europäischen Stils bauen. Das finde ich an der holländischen Bauweise so erstaunlich. Sie haben eine sehr straffe Bauverwaltung, anders als in Deutschland oder gar Belgien, die strikte Vorgaben macht. Mal eben ein Stockwerk draufsetzen ist da nicht (krasses Beispiel für Wildwuchs: Lüttich, wo wunderschöne Jugendstil-6-Geschosser für monotone "moderne" 12-Geschosser abgerissen werden).

    Zunächst einmal, ich begrüße es sehr, daß die Garnisonskirche wiederaufgebaut werden soll.
    Ich habe Potsdam zum ersten Mal im Sommer 1990 gesehen. Es war sehr heruntergekommen, aber ich schwärmte sofort: "so schöne Häuser! Wenn man die renoviert! Stuck noch dran, nur paar Ecken weg! Das ist der Nobelvorort von Berlin, da kann der Grunewald abstinken!".
    Und nun ist es bereits wieder so schön geworden. Ja, so in etwa habe ich mir das 1990 gedacht.


    Ich wohne in Berlin, ich sehe das von außen - nach Potsdam komme ich vielleicht alle 5-10 Jahre.
    Es ist für mich so eine Art gelegentlicher Traum.


    Was mir aber ziemlich rätselhaft ist, ist die Mentalität der Einheimischen, zumindest derjenigen, die ich bisher als welche mit einer "Anti-Haltung" kennengelernt habe. Da gibt es sowas Verbittert-kleinkleinliches-Oberlehrerhaftes, das meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, und die gebotenen Möglichkeiten gar nicht sehen will. Sehr merkwürdig.
    (Es sind natürlich keineswegs alle Einheimischen so, das ist nur eine Fraktion, aber es gibt eben auch diese Sorte).
    Wird schon seinen Grund haben, warum Brandenburg als "kleine DDR" bezeichnet wurde.


    Was jedoch die Garnisonskirche angeht, so mache ich mir um deren baldigen Baubeginn wenig Sorgen, wenn die Nörgler nun auf unter 100 gefallen sind und soviel Prominenz und Staat und Kirche sich für den Wiederaufbau ausgesprochen haben und die finanzierung fast schon gestemmt ist.

    Ich bin auch der Meinung, daß der Breitscheidtplatz so ziemlich der einzige Ort im früheren West-Berlin ist, an dem Hochhäuser "organisch" wirken können im Stadtgefüge.
    Allerdings bin ich mit dem Waldorf-Astoria nicht glücklich. Ich hätte mir was "Prächtigeres" gewünscht. Die vorgestellte Patschke-Skizze für das Doppelhochhaus geht ein wenig in die Richtung, trifft es aber auch noch nicht - das ist zu Manhattanite, es bräuchte etwas Berlinerischeres. Das zur Optik.
    Etwas anderes ist die Veränderung für die Fußgänger, die ich als extrem wichtig einstufe.
    Hochhäuser auf Google Satellit angucken ist nun wirklich keinerlei Kriterium, das in irgendeiner Weise relevant wäre, weder städtebaulich noch für Nutzer. Ist mir schleierhaft, wie man auf so eine abwegige Idee überhaupt kommen kann. "Entscheidend ist auf dem Platz", und da stellte ich den negativen Effekt der verstärkten Windwirbel fest. Das ist ein Hochhauseffekt; hat man den irgendwo in den Griff bekommen? (er ist mir vor Jahrzehnten mal auf Manhattan aufgefallen, als ich dort 3 Tage zum Urlaub war: weggeworfenes Papier flog in Wirbeln herum, man hätte ein Schmetterlingsnetz zum Einfangen gebraucht, Besen reichte nicht.). Bei den IBA-50er-Jahre-Hochhäusern im Tiergarten gibt es den, glaube ich, nicht, war dort aber auch nur mal 2 Stunden.
    Ja, es ist durch das Waldorf-Astoria nun etwas enger auf dem Breitscheidtplatz, aber vorher fand ich den nicht derart bemerkenswert oder ansprechend, daß ich nach der Umgestaltung nun nostalgische Gefühle hätte. Es ist ein bißchen joachimsthalerstraßenähnlicher geworden, vorher war es eher eine Korrespondenz zum Ernst-Reuter-Platz.
    Weiteres (wie ich die Sichtachsen und allgemein die neuen Fußwege finde) spare ich mir für ein andermal auf, wenn ich mal wieder dort war und auf diesen Gesichtspunkt geachtet habe.

    Festhalten will ich mal zwischendurch noch ein paar Bauwerke, auf die ich stieß:


    eine recht alte Kirche in Iseo (5.Jhdt., auf den Fundamenten eines Isis-Herkules-Tempels gebaut), heute nur noch Veranstaltungsraum, die Pieve di Sant' Andrea. Turm anscheinend nachträglich, vermutlich Romanik, leider undatiert. Eintürmig. (Hier ein größeres Bild)


    Maria Laach hat auch den höheren Mittelteil mit zwei Eckbetonungen wie Turmanin.


    Auf Santorin gibt es auch so eine Art Campanile: https://pixabay.com/de/griechenland-santorini-strand-997738/, https://pixabay.com/de/santorini-liebe-griechenland-249322/ und https://pixabay.com/de/santorini-griechenland-insel-430335/. Eine jüngere Erscheinung oder war der alte Glockenturm der Hagia Sophia vielleicht von dieser Art?


    Romanische Zweitürmigkeit in Deutschland:
    https://de.wikipedia.org/wiki/St._Stephani_(Osterwieck), https://de.wikipedia.org/wiki/…._Servatius_(Quedlinburg), https://de.wikipedia.org/wiki/Ilbenstadt.


    Später kommt die Vieltürmigkeit:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Naumburger_Dom (die sonderbaren Turmecken erscheinen mir wie Vorläufer von Reims), https://de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_(Hildesheim), https://de.wikipedia.org/wiki/Liebfrauenkirche_(Halberstadt), https://de.wikipedia.org/wiki/Speyerer_Dom.


    Es gibt aber auch eine eigentümliche Art Eintürmigkeit mit extrabreitem Turm ("Breittürmigkeit"):
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Petri-Kirche_(Magdeburg), https://de.wikipedia.org/wiki/Hildesheimer_Dom, https://de.wikipedia.org/wiki/Melkow , https://de.wikipedia.org/wiki/St._Thomas_(Pretzien), https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfkirche_Wiepke, und die einfachste Grundform https://de.wikipedia.org/wiki/…und_St._Nikolaus_(Sandau),
    weniger ausgeprägt bei Mittelzell https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Reichenau.


    (Zur mitteldeutschen Romanik empfehlenswert https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fe_der_Romanik)

    Das Bild mit der Kirche von Turmanin /Syrien (Syrien ist ja recht eigen) brachte mich auf den Gedanken, daß das das Mittelding zwischen einem römischen castrum (es gibt eine Rekonstruktion in Deutschland, mir fällt aber nicht ein, wo, wo die 4 Eingänge jeweils mit Doppeltürmen mit Satteldach flankiert sind) und der Kathedrale in Reims ist (wenn man sich nicht an deren "modernistischem Stil" stört).


    Nachtrag: das castrum, das ich meinte, ist die Rekonstruktion Saalburg am Limes, Bild des Eingangs mit den Doppeltürmen hier.

    Bin ja schwer begeistert, hier auf so viel Interessierte zu stoßen, die so viele Anregungen bringen!
    Habe jetzt lange gesucht und bin endlich mit dem 3-Glocken-Aufsatz (hat dieses Bauteil einen eigenen Namen? Turm würde ich es nicht nennen) fündig geworden - ja, Santorin (=orthodox und Kykladen) und kalifornische Missionen:


    Hier das was ich meinte, "Glockenaufsatz" mittig überm Eingang:
    https://pixabay.com/de/santorini-himmel-blau-169238/


    Hier durch Anbau nur noch einglockig https://pixabay.com/de/santorini-griechenland-280056/


    und hier das ikonische Santorin-Bild, der Blick über die blaukupplige Kirche mit dem 3-Glocken-Aufsatz an der Seite aufs Meer raus: https://pixabay.com/de/santori…l-dorf-meer-ozean-980427/


    Dieser Aufsatz scheint ein Standard zu sein, es gibt ihn einglockig https://pixabay.com/de/santorini-griechische-insel-86827/, zweiglockig https://pixabay.com/de/santorini-griechische-insel-80366/, dreiglockig (siehe oben), und sogar sechsglockig https://pixabay.com/de/kirche-…-sonnenuntergang-1163691/.


    Bei den kalifornischen Missionen (Übersicht hier https://en.wikipedia.org/wiki/Spanish_missions_in_California) gibt es eine "verteilte 3 Glocken"-Version https://en.wikipedia.org/wiki/Mission_San_Antonio_de_Padua, sowie mehrere Bauten, bei denen der 3-Glocken-Aufsatz erhöhenden Unterbau bekam, wie https://en.wikipedia.org/wiki/Mission_San_Juan_Bautista, https://en.wikipedia.org/wiki/Mission_Santa_In%C3%A9s, https://en.wikipedia.org/wiki/…San_Gabriel_Arc%C3%A1ngel, https://en.wikipedia.org/wiki/…_San_Diego_de_Alcal%C3%A1. Sie nennen das campanario oder bell wall, also englisch "Glockenwand".
    Letzteres war die erste Missionsstation, Mitte des 18. Jhdts gebaut, im 19. säkularisiert, und so ziemlich alle fielen danach bei Erdbeben zusammen. Anfang des 20.Jhdts wurden sie dann wieder rekonstruiert. Sie sind also keine Originale, sowenig wie der Markusturm in Venedig, der auch nach einem Erdbeben im 19.Jhdt. wieder "wie er war und wo er war" rekonstruiert wurde.


    Ob der 3-Glocken-Turm auf dem alten Petersdom in Rom auch so eine Art Aufsatz war?
    Jedenfalls könnte ich mir etwas in der Art gut in "vergoldet und versilbert" vorstellen.

    Tübinger: Du hast recht, ich habe mich vertan. Also: Bergfried, nicht Burgfried.
    SchortschiBähr: Bei Mittelzell https://de.wikipedia.org/wiki/…kus_(Reichenau-Mittelzell) (das ich als Kind mal von innen gesehen habe) noch mehr als bei Oberzell erscheint einem eine Ableitung des Turms von z.B. Limestürmen schon plausibel.
    Mittelzell wurde 816 als Marienkirche geweiht, wohl als "karolingische Kreuzbasilika" (mit oder ohne Turm, das ist die Frage...), 830 kamen die Markus-Reliquien aus Venedig dazu...
    und was heißt es zum Campanile di San Marco? Baubeginn zwischen 888 und 911, erste Fertigstellung (noch ohne Glockenarkaden, die kamen erst viel später) 979–991. Also wohl kein Kandidat für den ersten Turm.

    SchortschiBähr: aha, sehr interessant.


    "Nur-praktisch" auf weiten Schall hin würde ich z.B. die Glockenaufhängung nicht ansehen. Ich meine mich zu erinnern, in Griechenland vor Jahren keinen einzigen herausragenden Glockenturm gesehen zu haben.


    Es gibt außer den Kuppelkirchen und dem gesuchten Ensemble "Kirche mit Kirchturm" noch so einen Typus kleine Basilika, an deren Eingangsfront ein Stück Giebel erhöht ist, und dort hängen 1-3 Glocken. Die spanischen Missionskirchen in Kalifornien und Texas sind so.


    Dann habe ich immer so ein Bild von Santorini im Kopf, wo auch solche 3 Glocken hängen. Aber ich brings nicht mehr recht zusammen, wie die Glockenaufhängung bei den Orthodoxen ist, jedenfalls anders als bei Katholiken+Evangelischen. (Und die Klöster benutzen wohl nichtmal Glocken, sondern schlagen auf Balken, um die Gebetszeit anzuzeigen)


    Diese Peterskirche in Oberstenfeld würde ich jedenfalls als "Ensemble/Typus in Reinform" ansehen. Aber ist eben auch Romanik. Und eine Wehrkirche, mit so wenigen so hochgelegenen Fenstern... (die Apsiden geben dem Ganzen allerdings sowas südlich-byzantinisches)


    Vielleicht muß man mehr ums Mittelmeer rum suchen.
    An Ravenna habe ich auch schon gedacht, denn da wurde vor der Karolingerzeit in Stein gebaut.

    @Kaoru:
    Türme als Machtsymbol sind halt wohl gar nicht mal so häufig, es ist wohl mitunter so, daß man städtische Hochhäuser - man baut in die Höhe, um mehr Platz zu schaffen; das war schon im Rom der Kaiserzeit so und selbst irgendwelche brasilianischen Insulaner tun das; die Altstadt von Sanaa ist ein anderes nichteuropäisches Beispiel - auch zeitenweise als Machtdemonstration interpretiert (wenn man z.B. für das 20. Jhdt. an die Skyline von New York denkt). Etwas anders dürften die Wehrtürme / Burgfriede sein, die waren einerseits Ausguck, andernseits Speicher- und letzter Rückzugsraum im Verteidigungsfall. So ein Mittelding aus beidem scheinen die "Geschlechtertürme" in San Gimignano zu sein. Solche gab es in Norditalien wohl vielerorts, als die Zeiten ruhiger wurden, wurden die wohl meist abgetragen (wie ja auch die ganzen Festungsmauern deutscher Städte im 19. Jhdt. abgetragen wurden, siehe Stadtbahn Berlin oder Scarpie in Bremen).

    Daß die Minarette der Hagia Sophia frühestens aus dem 15. Jahrhundert stammen können, ist ja klar; Byzanz bewahrte den Kuppeltyp ohne Turm, der heute noch so in Griechenland gebaut wird.
    Abgesehen vom Pharos - wann stürzte der ein? - und den unscheinbaren quadratisch-praktischen Wehrtürmen in späterer Zeit (so ab 70 in der Provinz, ab 200 um Rom, etwa?) ist mir als "berühmte Türme" aus der Antike nichts bekannt.
    Der Pharos könnte das Vorbild für die Minarette gewesen sein, zumindest sprachlich, da "manar" wohl auch "Leuchtturm" bedeutet. Aber auch von der Bauidee her?
    Die römischen Wehrtürme verwandelten sich wohl in Burgfriede und hatten dann eine Burg um sich, aber ein hallenartiges Gebäude wie eine Kirche?
    Es gibt schon auch "Wehrkirchen" mit extradicken Mauern und extradickem Turm, in Siebenbürgen sicher, und manche Brandenburger Landbauten sehen auch so in die Richtung aus, aber die sind soweit ich weiß alle Jahrhunderte später, also nach 1000.
    Campanile und Kirche in Pistoia müßte man mal unter die Lupe nehmen - vermutlich handelt es sich um einen umgewandelten Burgfried, d.h. die Kirche kam später (interessant wäre, wann: Jahrzehnte oder Jahrhunderte), als die Zeiten ruhiger wurden. Das wäre dann aber eine Umnutzung, und nicht von vornherein Kirche+Turm oder Moschee+Minarett.
    Also vermutlich noch eine Evolutionsstufe vor dem feststehenden Ensemble.

    Es ist schon einige Jahre her, da kam im Usenet-Forum de.~ architektur die Frage auf, seit wann eigentlich Kirchtürme und Minarette gebaut werden.
    Da diese Frage zu keiner befriedigenden Antwort kam, möchte ich sie hier erneut stellen, vielleicht weiß ja wer was dazu.
    Die Jahrhunderte, in denen man suchen muß, scheinen allerdings "die dunklen" zu sein, es ist also ungewiß, ob man das je rausfindet.


    Für das Abendland ist die Formgeschichte verhältnismäßig klar, da gab es die griechischen und römischen Tempel, ab der römischen Kaiserzeit zunehmend Hallenbauten (Basiliken), das Pantheon, schließlich die byzantinische Kuppelkirche.
    Noch der karolinigische Aachener Dom dürfte vermutlich ohne Türme gebaut worden sein.
    Dann, peng, ab der Romanik gibt es praktisch 1000 Jahre keine Kirchen ohne Türme mehr, ob die nun in den Baukörper integriert werden wie in Deutschland und Frankreich, oder freistehen wie vielerorts in Italien (Campanile).
    Zeitlich müßte man also von der Romanik rückwärts gehen, um nach ältesten Kirchtürmen zu suchen, irgendwo zwischen 300 und 1000 müssen die auftauchen.


    Minarette an Moscheen scheinen ebenfalls keine ursprüngliche Sache zu sein, meines Wissens wurden die Minarette zur Großen Moschee in Mekka erst später hinzugefügt, wie auch die Minarette an der Hagia Sophia spätere Zutat sind.
    Die ältesten Minarette in Nordafrika sollen von so etwa um 1000 stammen, wenn ich mich richtig erinnere, auch soll es einen Kirchturm von etwa 870 geben - oder war das ein Minarett -, jedenfalls eine Struktur "Gotteshaus mit Turm", aber ich weiß nicht mehr wo und was.


    Jedenfalls ist eigentümlich die Gleichzeitigkeit des Auftauchens von Kirchturm und Minarett, deswegen meine ich, das könnte in irgendeiner Weise miteinander zu tun haben - ob voneinander abgeguckt oder "die Idee lag in der Luft".


    Falls jemand Kirchen mit Kirchturm oder Moscheen mit Minarett vor 900 kennt (natürlich muß der Turm so alt sein, nicht nur das Gotteshaus), würde ich mich freuen, wenn sie genannt bzw. Bilder verlinkt würden.

    Ich kenne das Buch von Herrn Maaß nicht, weiß deshalb nicht, ob der Rezensent Hr. Bachmann von sich aus so polarisierend polemisiert, oder ob er durch das Buch dazu angeregt wurde. Wie er sich dann aber doch an einem Pol positioniert, indem er für "puristische Baukörper" schwärmt, brachte mich jedenfalls sehr zum Lachen.

    Ich habe mir das Photo angeschaut. Zuerst dachte ich, vielleicht könnte da hinter dem Radio eine leicht gefältelte Wandbespannung sein. Die Ecke mit dem Rohr war hingegen klar: Ölfarbsockel mit der typischen Abschlußlinie mit dem Schlepperpinsel, wie es bis in die 50er, in erhaltenen Waschküchen z.B. noch länger üblich war. Aber bei näherer Betrachtung ergab sich kein Anhaltspunkt für eine Bespannung, denn der Abschluß an der Fußleiste ist "wie sauber gepinselt", und das An-und Abschwellen des "Malerstrichs" liegt daran, daß man den Abstand mit dem Pinsel auf einem derart welligen Untergrund nicht gleichmäßig halten kann. Auch gibt es im ganzen Ölfarbsockelbereich immer wieder unregelmäßig so kleine runde Flecken, das sind kleine Vertiefungen im Putz, die mit glänzender Farbe drauf besonders auffallen.
    Also, ja: es liegt am Verputzer.
    Ich tippe auf jemand, der das nicht gut konnte bzw. 2 Leute, wobei der, der oben das Brett ziehen sollte, gewackelt hat (oder wacklige Leiter, eventuell?). Oder der Gesell und der Lehrbub...
    Absicht ist das nicht, das ist mißlungene Glättung. Zu der Ansicht komme ich, weil auch oben in der Ecke an der Fensterwand - über dem dort geraden Ölfarbsockel - so ein Schatten ist, der ein ähnliches Gewackel in geringerem Umfang anzeigt.
    Wir sind heutzutage "verwöhnt", was Glätte des Putzes und Rechtwinkligkeit von Ecken angeht. Früher wurde da viel schmerzfreier drübergeschlarpt, der Lehrbub mußte ja auch mal probieren.