Posts by Primergy

    Wirklich? Zählen dazu auch in Ihren Augen die von Herr Tomczak in Erwägung gezogenen bzw. geplanten Besetzungs-Aktionen der FH? Die Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte ist sehrwohl demokratisch beschlossen worden, wohingegen der "Widerstand" des Herrn Tomczak ideologisch und spätpubertär ist, nur seine Sicht ist die maßgebliche. Was dürfen wir von Herrn Tomczak denn noch an "Rettungsaktionen" für die sozialistische Bruchbude erwarten? Hungerstreik und sich an eine Heizung ketten? Ein Theater und eine Hysterie wie früher beim Castor-Transport veranstaltet dieser Typ. Noch mag der "Widerstand" des Herrn Tomczak demokratisch sein, aber die Grenzüberschreitung ist ja offenbar längst geplant, weil er sich außerstande sieht, demokratische Beschlüsse zu akzeptieren.Übrigens: Ihr Vergleich mit dem Einheitsdenkmal hinkt, da dieses im Gegensatz zur Wiederherstellung des Potsdamer Stadtquartiers an der Nikolaikirche mehrheitlich von der Bevölkerung abgelehnt wird, auch wenn der Stellvertreter des Souveräns, der Bundestag der Wippe zugestimmt hat (und dies damit - leider - gesetzlich beschlossen ist).

    Der Fairness halber sollte man auch erwähnen, dass durch spätpubertäre Aktion wie Hausbesetzungen zu Zeiten der DDR auch in Potsdam der ein oder andere Altbaubestand gerettet werden konnte. Früher hui, jetzt pfui?:


    Dabei verdankte es Potsdam zum Teil den Hausbesetzern, dass so manches Wohnhaus aus der Zeit des Barock erhalten blieb: „Da wurde natürlich geheizt und viel instand gesetzt“, sagt Warnecke. „Dadurch wurden im Holländerviertel einige Häuser vor dem Verfall geschützt.“

    Wenn ich solche Nachrichten wie aus Donauwörth lese, dass ein Haus 700 Jahre überlebt hat, nur um jetzt wegen moderner Wirtschaftsinteressen weggerissen zu werden, dann würde ich mir wünschen, dass auch wir mal über die demokratisch legitimierten Stränge schlagen und uns an dieses Haus ketten, bis uns die Polizei wegträgt. Das dürfte effektiver sein, als hier im Forum über den stetigen Kulturverfall zu lamentieren.

    Vorausgegangen war wieder einmal eine erbitterte Grundsatzdebatte. Angestoßen wurde sie diesmal von André Tomczak von der Wählergruppe Die Andere und der Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“. Die Andere und vor allem Herr Tomczak können scheinbar demokratische Entscheidungen, die schon vor langer Zeit getroffen wurden sind, wo auch der Bürger in diesem Prozess eingebunden wurde scheinbar nicht akzeptieren.

    Es gibt in diesem Forum ein paar Glaubensgrundsätze, die hier immer wieder wiederholt werden und die einem immer viel Jubel einbringen wenn man sie postet - und die trotzdem dumm sind.


    Die Ansicht, dass der Widerstand von Herrn Tomczak (oder von sonstwelchen linken Gruppierungen sonstwo) 'undemokratisch' sei, ist einer von diesen dummen Glaubensgrundsätzen. Ja, Tomczak nervt, aber es ist sein gutes demokratisches Recht mit demokratischen Mitteln Widerstand gegen einen Beschluss vorzugehen, den er für falsch erachtet.


    Denn angenommen, eine linke Regierung hätte vor 20 Jahren beschlossen die Nikolaikirche zugunsten eines Wohnquartiers abzureisen und es gäbe eine kleine Gruppe von 'Nikolai-Kirchen-Freunden', die sich dem mithilfe von Petitionen/Protesten/ect. widersetzen würde - dann würde diese kleine Gruppe in diesem Forum mit ziemlicher Sicherheit als Helden gefeiert.
    Als reales Beispiel kann ich auch auf das Einheitsdenkmal verweisen - der Beschluss ist genauso demokratisch gefasst worden, wie der Abriss der FH und dennoch schicken Mitglieder dieses Forums Schreiben über Schreiben an Schreiben an MdBs und Denkmalschutz und versuchen noch Einfluss zu nehmen - wo ist hier bitte der Unterschied zu den Aktionen von Hr. Tomczak? Außer das wir den einen Beschluss gut finden und den anderen nicht?


    Ich begrüße den Abriss der FH, freue mich auf ein belebteren Alten Markt, bin aber genervt von Bigotterie.

    Das sie die FH aufkaufen und retten ist Quatsch - aber ich fände es durchaus begrüßenswert, wenn Tomczak & Friends ein Grundstück auf dem freigewordenen Areal aufkaufen, um dort was auch immer ihnen vorschwebt aufzubauen.


    Wir leiden doch alle unter dem Gefühl der Ohmmacht, dass irgendwelche Investoren Flächen aufkaufen, irgendwelche Gebäude hinstellen ohne Bezug zur Stadt und der Bürger das dann fressen darf. Initiativen aus der Bevölkerung könnte dies ändern.


    Leider vermute ich aber wie Konstatindegger, dass es hier mehr um heiße Luft geht.

    @ Primergy, Deinen Willen und Dein Engagemant uns mit Fotos über das Baugeschehen am Rande Potsdams zu informieren in Ehren und anerkennend, möchte ich Dich aber inständigst bitten Deine Wortwahl zu überprüfen. Kritik ist ja gut und auch gewollt. In deinem post bekomme ich allerdings den Eindruck, daß es Dir mehr um's Abmotzen geht, als um sachliche Berichterstattung!




    Also bitte, wir brauchen hier in diesem Forum kompetente Beiträge, die die Menschenwürde respektieren!!!

    Ich habe den Beitrag angepasst. Ich pflege im Generellen einen eher derben Sprachstil, aber face-to-face wird deutlich, dass dabei auch immer eine gehörige Portion Ironie mitschwingt. Da vergisst man leicht, dass im Internet die non-verbalen Zeichen fehlen, die dies deutlich machen, daher: Mea Culpa! :peinlich:

    Ich habe heute einen Spaziergang durch mein Wohnviertel rund um die Neue Fachhochschule im Bornstedter Feld gemacht und möchte euch die dortige "Architektur" nicht vorenthalten.


    Hier in Bornstedt schießen nicht mehr die Häuser wie die Pilze, sondern die Pilze wie die Häuser aus dem Boden:


    Neubaugebiet Bornstedter Feld


    Leider entstehen nur Belanglosigkeiten:


    Neubaugebiet Bornstedter Feld


    Wie kommt man auf die Idee, dass dieses 'Gelb' eine schöne Fassadenfarbe ist?


    Neubaugebiet Bornstedter Feld


    Direkt gegenüber der Fachhochschule hat man sich zumindest ein bisschen Mühe gegeben. Die Farbe in Kombination mit den Holzelementen und den Ranken passt zusammen:


    Neubaugebiet Bornstedter Feld


    Geht man die Georg-Hermann-Allee weiter, findet sich hinter der FH ein Büro-Neubau:


    Neubaugebiet Bornstedter Feld


    Als man das Gebiet mitsamt Bugapark ausgewiesen hat, scheint man noch größere Ideen gehabt zu haben. Zumindest sind die Gebäude, die bereits länger stehen, ansprechender gestaltet, aber mittlerweile werden die verbliebenen Flächen möglichst schnell und billig zugekleistert und die Bauherren können sich im Recht fühlen, da die Wohnungen wie geschnittene Semmeln weggehen. Als Mieter hat man ja meist auch keine Wahl und ist froh, wenn die Infrastruktur der Gegend passt; aber einen freien Markt gibt es aktuell leider nicht. Vielleicht würden uns dann solche Belanglosigkeiten erspart bleiben?




    Moderationshinweis (Riegel):
    Könntest du in deinen nächsten Beiträgen nicht die Bilder bitte ein bisschen grösser einstellen? Bei deiner Bildupload-methode solltest du irgendwo small medium und large einstellen können. Ich habe jetzt die Bildlinks von "small" in "medium" abgeändert.

    Quote

    Das, was historische Altstädte ausmacht, lässt sich nämlich nicht verordnen und auch nicht einfach bauen. Weder das in die Jahre Gekommene noch die Atmosphäre einer Sinnlichkeit verströmenden Patina. Solche Orte müssen wachsen.

    An dieser Stelle hat der Autor durchaus recht. Ob Investoren nun ein Wohngebiet auf der Grünen Wiese hochziehen, oder ein Wohngebiet, dass sich als Altstadt tarnt, sind zwei Seiten derselben Medaille. In beiden Fällen fehlen die Wurzeln und es fühlt sich unecht an. Ob der Look alleine ausreicht, um das 'Altstadt-Lebensgefühl' zu schaffen, wird sich wohl erst in ein paar Jahrzehnten zeigen.


    Gleichzeitig sehe ich aber auch keine Alternative dazu. Betonbrutalismus und autogerechte Stadt sind Verirrungen, die rückgängig gemacht werden müssen.

    Naja, der subjektive Eindruck kann manchmal ziemlich täuschen. Und auch eine Authorität kann sich irren.


    Daher sollte man, solange man keine harten Zahlen vorweisen kann, sich mit Vorwürfen von Straftaten, auch wenn sie noch so verklausuliert sind, zurückhalten.


    Hier wird allerdings auch die ideologische Zielrichtung deutlicher: während man sich bei den Neudenkern noch hinter Gebäudeökologie und Nachhaltigkeit verschanzt hatte wird nun offen gesagt, was das Kernproblem ist: die "Schaffung neues Privateigentums". Warum das Teufelszeug ist wird uns sicher bei der großen Gründungsaktion erklärt.

    Klarer wird die 'ideologische Zielrichtung' für mich aber nicht.


    Wie Heimdall über mir deutlich macht, richtet sich das Stänkern gegen Privateigentum zunächst gegen Gentrifizierung - während ich das Problem für den Staudenhof noch irgendwie verstehen kann, frage ich mich bei dem Gelände der FH und der Garnisionskirche wer oder was dort gentrifiziert werden soll? Da lebt doch keiner?


    Scheint für mich also eine ganz billige Trittbrettfahrer-Taktik zu sein.


    Deshalb ist der Wiederaufbau des Turmes für die kirchliche Stiftung in erster Linie ein städtebauliches Thema und erst in zweiter Linie eine Glaubensfrage. Wer den Wiederaufbau unterstützen will sollte sich hier anschliessen statt über Sittenverfall und Massenimmagration zu räsonnieren.

    Danke für die klaren Worte.


    Ich verstehe generell nicht, warum in diesem Forum Rekonstruktionen immer mit vulgär-nationalistischen Ansichten aufgeladen werden müssen. Das bringt keinerlei argumentative Vorteile, ganz im Gegenteil.


    Stadtbildverschönerung sollte unser Hauptanliegen und bestes Argument sein.

    Rekonstruktionen sind bei deutschen Intellektuellen deshalb so verpönt, weil sich in ihnen auch ein nostalgisches Verhältnis zur eigenen Geschichte ausdrückt. Für eine ganz auf Schuld und Sühne fixierte "geistige Elite" muss das unerträglich sein.

    Das ist zwar ein ständig wiederholter Glaubensgrundsatz in diesem Forum, aber deswegen wird er auch nicht richtiger.


    Rekonstruktionen sind bei Intellektuellen verpönt, weil Rekonstruktionen Kopien sind. Plagiate sind in der wissenschaftlichen und künstlerischen Welt ein Schwerverbrechen; ein von Guttenberg kann sich ja auch nicht darauf berufen, die Arbeiten von anderen 'nur kritisch rekonstruiert zu haben'. Also warum sollte hier ausgerechnet die Architektur einen Sonderstatus haben?


    Ich für meinen Teil befürworte Rekonstruktionen, weil ich bezweifle, dass ein aktueller, 'moderner' Architekt etwas gleichwertiges/besseres entwerfen würde - Meine Haltung ist also mehr aus der Not geboren.

    Ich fahre täglich an der "Neuen Bank" vorbei und täglich wechselt meine Meinung.


    An guten (sonnigen) Tagen gefällt mir der Bau. Die Ausführung ist wertig, die Fassade interessant gestaltet. Dem 'Grobklassizismus' kann man auch attestieren eine Art 'sprechende Architektur' zu sein. Die langgestrecken Formen ziehen das Gebäude in die Länge und zusammen mit dem wuchtigen Gesims wirkt es auf mich wie ein stabiler Wehrturm. Und Stabilität ist doch etwas, was wir uns von einer Bank wünschen.


    An schlechten Tagen jedoch geht es mir wie Konstantindegger. Durch die vollverkleidete, einfarbige Fassade und die Wuchtigkeit der Formen passt das Gebäude überhaupt nicht nach Potsdam. Es wirkt einfach sehr berlinerisch und sticht krass hervor. Die Alte Post war deutlich verspielter und hätte die Umgebungsarchitektur 'sanft um die Ecke' geführt.

    15 bis 20 Jahre Wartezeit ist eine gute Investition. Bis dahin hat sich hoffentlich auch der Individualverkehr rückläufig entwickelt und man kann gleichzeitig mit dem Hotel auch auch die Breite Straße rückbauen. Denn die ist doch das eigentliche Problem, nicht das Hotel.


    So lange die 'Wiese des Volkes' zwischen Eisenbahn und vierspuriger Hauptstraße eingeklemmt wäre, hätte ich persönlich kein Interesse mich dort aufzuhalten.

    Ich finde nicht, dass man den historischen Zustand idealisieren/verabsolutieren darf. 'Historistisch' Bauen ist doch keine Religion, die mir diktiert was ich zu tun und zu lassen habe! Und die Fassadenfarbe ist nicht für die Ewigkeit, sodass man hier durchaus Freiraum einräumen darf. Viel wichtiger ist eine hochwertige Ausführung, die über die Jahre schön patiniert. Aber da mache ich mir bei dem Bauherrn keine Sorgen (allein schon das handwerklich ausgeführte Gesims! <3)


    Am Ende muss sich der aktuelle Bewohner darin wohlfühlen, und nicht derjenige, der vor hundert Jahren darin gelebt hat und schon lange gestorben ist.

    Quote from Herr Herrmann

    Das müssten ja dann auch billige Disney Musikstücke sein,die man ablehnen muss und Künstlerisch weit,weit weniger Wert haben als die Orginale der damaligen Zeit.

    Mein lokaler Heimatpfleger hat dieses Argument in dem Sinne beiseite gewischt, da, anders als Architektur, Musik an keine bestimmte Substanz, Ort und Person gebunden ist.
    Dem kann man aber entgegen halten, dass der entwerfende Architekt das Gebäude ja auch von anderen (Handwerkern) bauen lässt, die ihre eigene Handschrift mit einbringen. Der Architekt "komponiert" und tritt dann von der Bühne ab, während die Handwerker, das Orchester, den Plan "bespielen". Architektur ist daher meiner Meinung nach ebenfalls nicht zeitlich gebunden. Wie der Kölner Dom und das Ulmer Münster zeigen, können Gebäude auch erst Jahrhunderte später fertig werden und keiner stört sich an diesem Anachronismus.


    Das sich Architekten gegen ein "Disneyland" sträuben, liegt wohl an einer "Eitelkeit des Standes". Wenn Gebäude als leicht reproduzierbar angesehen würden, würde das ja die künstlerische Originalität des Architekten einschränken. Nach dem Motto "es zählt nur dann als Kunst, wenn ich es in meinem Portfolio abbilden und mich damit vermarkten kann".
    Würden sich Architekten "nur" als Baumeister sehen, würde sich das "Problem" von Rekonstruktionen vermutlich gar nicht stellen.


    Quote from Konstantindegger

    Die Uferpromenade ist sicher ein Gewinn, wird von den Einheimischen gut angenommen und funktioniert schon heute, obwohl die Fortsetzung noch unklar ist. "Öde" ist da nix, wenn Du in Potsdam wohnst würde ich da mal ab und an vorbeischauen. Die wasserseitige Architektur ist sicher stark heterogen und gefällt nicht jedem. Die Höfe sind sicher unterer Standard, das lag auch daran, dass man die Kosten der Leitfassaden reinholen wollte. Wir müssen allerdings auch ehrlich sein: in der historische Architektur waren das auch keine Meisterwerke sondern Zweckarchitektur.

    Ich bin einmal dort entlang geschlendert und befürchte, dass wenn sich nicht noch weitere gastronomische Betriebe dort ansiedeln, sich der "Neuigkeitseffekt" schnell abnutzt. Am Wasser laufen konnte man auch auf der Freundschaftsinsel. Aber zugegeben, hier geht wohl mein Pessimismus mit mir durch. Das muss sich auch erst mal alles entwickeln.

    Ja, leider.

    Mittlerweile stehe ich diesem Leitbaukonzept eher skeptisch gegenüber. Statt einem hässlichen DDR-Bau, werden auf der Fläche dutzende Hütten in Plastik-Ausführung entstehen. Man darf sich von schönen Fassaden nicht blenden lassen, aber nicht mal die wird die neue Mitte bekommen.
    Die Ideen der Stadt, dass jede Parzelle einzeln verkauft werden soll und sich Bürger beteiligen können, werden doch im Sand verlaufen. Sie hat es ja noch nicht mal bei der kleinen Fläche der Brauerstraße geschafft, sich durchzusetzen.
    Die Humboldtstraße wirkt auf der Wasserseite öde und der Uferweg ist ein Witz. Was sollen den die Menschen da unten? An der Treppe gibt es ein Cafè was als Ausflugsziel dient und ansonsten kann man sich den sterilen Innenhof der Wohnhäuser anschauen. Aber das wird vielleicht mit dem Museum Barberini noch besser.


    Aber egal, erstmal noch Hallo in die Runde. Ich verfolge das Thema seit meinem Umzug nach Potsdam und möchte nun auch hin und wieder meinen Senf dazugeben. :blumen: