Posts by Collins

    Der Versuch, das Berliner Schloss bzw. seine Rekonstruktion mit dem Kolonialismus und Sklavenhandeln in Verbindung zu bringen und dadurch zu diskreditieren, wurde bereits durch Frau Anna Yeboah, Architektin sowie Autorin beim Trüby-Magazin arch+, mehrfach unternommen. Nikolaus Bernau greift nun dieses Thema auf, um seine jahrelange Diffamierungskampagne gegen das Berliner Schloss fortzusetzen. Auffällig ist dabei, dass weder Yeboah noch Bernau Quellen zitieren, die ihre Thesen stützen. Daher stellt sich mir die Frage, ob es denn aussagekräftiges Quellenmaterial hierzu gibt.

    Hier muss ich widersprechen: Der Dom in seiner historischen Form sah meiner Meinung nach einfach besser aus. Sein heutiges äußeres Erscheinungsbild wirkt geradezu hässlich. Die Kuppeln samt Laternen wirken wie gewollt und nicht gekonnt. Die Formsprache der historischen Kuppeln war zwar übertrieben und überladen, aber ohne sie wirkt der Dom als Ganzes nicht stimmig und verstümmelt. Außerdem fehlt natürlich sehr schmerzlich die Denkmalskirche. Die äußere Domgestalt ist nur noch ein schwacher Abglanz ihrer einstigen Pracht. Als Denkmal seiner Entstehungszeit sollte er auch wieder so aussehen dürfen, wie er einst erbaut wurde. Sein jetziger Zustand verfälscht den Denkmalscharakter. Eine vollständige Rekonstruktion wäre daher wünschens- und empfehlenswert. Rastrelli: Warum sollte man sich über einen missglückten Teilwiederaufbau freuen, wenn er sich stets als Ärgernis erweist?

    Wie kann das wieder angehen? Ein alter Klotz wird endlich abgerissen und durch einen neuen, etwas verbesserten ersetzt, ohne dass die Chance ergriffen wurde, den alten kleinteiligen Charakter der Dorotheenstadt wieder herzustellen. Hier hat die Stadtplanung wieder versagt!

    East_Clintwood: Bei allem Verständnis für die Enttäuschung über das derzeitige Ergebnis der Molkenmarktplanung finde ich Ihr undifferenziertes Berlin- und Berliner-Bashing sehr unverschämt und unsachlich. Allein schon die Museumsinsel als Betonwüste zu bezeichnen, ist absurd. Und das im Zentrum Berlins Deutschlands größte Rekonstruktion in Form des Berliner Schlosses stattfindet, scheint für Sie auch nicht weiter von Belang zu sein.

    Mich verwundert schon sehr, dass es hier so viele Anhänger des Blobel-Gebäudes gibt. Wir fordern in diesem Forum stets hohe Qualtität bei den Rekonstruktionen und neuen Gebäuden am Neumarkt ein. Und bei diesem Gebäude werden nun Abstriche gemacht? Nur weil es eine Art historisierende Fassade erhalten hat, statt einer modernen? Die Fassade stimmt hinten und vorne nicht, dass wurde von einigen Forenmitglieder fachmännisch erläutert. Letzten Endes ist das Gebäude nichs weiter als beliebiger Kitsch. Als Vorlage für alternatives Bauen dient es daher auf keinen Fall, jedenfalls nicht, wenn man ein hohes Niveau erhalten möchte. Das trifft auch auf die Nachbarfassade zu. Beide Bauherren haben völlig versagt, am Neumarkt ein qualitativ gelungenes und würdig abschließendes Exemble zu errichten. Die Symetrie hätte es im Übrigen gegeben, wenn die beiden Kopfbauten jeweils mit Mansarddache sowie der Mittelbau+Blobel-Fensterachse einheitlich ausgeführt worden wären. Entsprechende Visualisierungen gab es zu genüge. Dazu hätten sich die Bauherren aber abstimmen müssen. Die Baumbepflanzung wird in der Tat ihr gutes haben und diese misslungene Fassadenabwicklung teilweise verdecken.

    Grundsätzlich eine Verbesserung des derzeitigen Zustandes, obwohl mir die Fassaden vom Büro Sarnitz persönlich am besten gefallen. Einige Fassadenverläufe erinnern mich an Wohnsiedlungsbauten in Berlin, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind und auch eine historisierende Formsprache bzw. historisierende Schmuckelemente verwenden. Dieses Umbauprojekt ist exemplarisch und zeigt, was aus Häusern der "Moderne" gemacht werden kann. Vielleicht ja doch auch irgendwann einmal in Deutschland. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

    Ich habe zu diesem Thema einen neuen Artikel gefunden:


    http://www.ostpreussen.de/port…nsestil-neu-entdeckt.html


    Die Umbaumaßnahmen dienen als Stadtverschönerung im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die Fußball-WM 2018.


    Hier der Text von Jurij Tschernyschew:
    "Die Fassaden im Königsberger Zentrum erhalten alte Ansichten. Die Pläne hierfür entwarfen die Architekten Arthur Sarnitz und Ilja Kiseljow unter Heranziehung von Archivunterlagen.
    Drei Gebäude auf dem Steindamm [Lenin-Prospekt] im Zentrum Königsbergs waren für einige
    Monate hinter Bauzäunen vor den Blicken von Passanten versteckt, weil Dächer und Fassaden grundsaniert wurden. Doch diesmal waren es keine standardmäßigen Reparaturen, wie sie schon bei vielen Gebäuden der Umgebung vorgenommen wurden, sondern es war etwas Besonderes: Die Häuser erhielten nämlich ein völlig neues Äußeres. Fast schien es, als ob sie alten Postkarten von Königsberg entsprungen seien. Dass die Häuser ein neues Aussehen erhielten, war kein Zufall, sondern war zuvor gründlich geplant worden.
    Zunächst war geplant, 93 Wohn­häuser der Innenstadt zu renovieren, die entlang der sogenannten Protokollroute liegen, die für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 auserkoren wurde. Diese Straßen werden die Teilnehmer der Spiele und Mitglieder der offiziellen Delegationen passieren, weshalb die Stadt es für angebracht hielt, diesen ein akzeptables Aussehen zu verpassen, um vor den Ehrengästen zu glänzen. Die Häuser, die einer Restaurierung unterzogen werden sollten, liegen unter anderem an der Wrangelstraße, Mitteltragheim ebenso wie der Altstädtischen Langgasse, Steindamm, Kneiphöfer Langgasse, Vorstädtischen Langgasse. Dann verzichteten die Behörden allerdings aus Geldmangel auf die groß angelegte Wiederherrichtung der Gebäude. Sie entschieden sich, zunächst die Häuser Nr. 2–4, 6–8 und 8a–8b am Steindamm zu sanieren. Im Herbst 2016 begannen die Bauarbeiten. Die Stadtverwaltung sicherte zu, dass die Mieter der Häuser nicht an den Kosten für die Renovierung der Fassaden beteiligt würden, da die Arbeiten staatlich subventioniert würden. Auch Wohnungseigentümer würden nicht herangezogen. Die Sanierungen werden komplett aus Mitteln des städtischen und des regionalen Haushalts getragen. Die Summe beträgt umgerechnet etwa acht Millionen Euro. Mit der Planung des Bauprojekts wurden die Architekten Arthur Sarnitz und Ilja Kiseljow beauftragt. Für die Verkleidung der Außenwände wurden Ziegel und Keramikfliesen in Form von Ziegeln verwendet, die Dächer mit Ziegeln gedeckt und die Giebel mit Verzierungen gekrönt. Die Räume zwischen den Fenstern erhielten dekorative Einsätze, und die Balkone wurden mit verzierten Gittern ausgestattet. Es springt sofort ins Auge, dass für die Planung die Vorkriegsarchitektur zugrundegelegt wurde. Die Dächer der Häuser wurden etwas erhöht, sodass zusätzlich Mansardenwohnungen entstanden. In nächster Zeit will die Stadt zwölf weitere Häuser am Steindamm einer Generalüberholung unterziehen. Zu den Arbeiten wurden auch Spezialisten des Mos­kauer Architektur-Instituts herangezogen. Für die künstlerische Gestaltung hat man den hanseatischen Baustil gewählt, weil er für Königsberg wie auch für viele andere Städte an der Ostseeküste typisch ist. Im Zentrum Königsbergs wird es bald mehr neue Fassaden im historischen Stil geben. Die Bürger haben die Reparaturarbeiten mit Begeisterung verfolgt und waren neugierig, wie das typische Hochhaus aussehen würde, wenn erst der Bauzaun abgebaut wäre. Die Städter haben die Neugestaltung der Häuser sehr positiv aufgenommen, auch wenn diese nun in deutlichem Gegensatz zu ihrer Umgebung stehen. Das einzige, was die Phantasie der Menschen noch beflügelt, ist die Frage, wie und von wem die neu entstandenen Mansardenwohnungen genutzt werden. Bislang hat die Stadt nur einen weiteren Ort im pseudohistorischen Stil: das Fischdorf. Im Gegensatz zum Fischdorf entstanden die neuen Fassadenarbeiten jedoch nach architektonischen Vorlagen des Endes des 19. und des Anfangs des 20. Jahrhunderts."

    Ich bin soeben auf der Seite www.tag24.de auf zwei Artikel zum Blobel-Bauvorhaben gestoßen, nebst einer weiteren Visualisierung des Blobel-Hauses:


    Zitat:
    "... Der aktuelle Entwurf für den Neubau des 1945 zerstörten Gebäudes vom Neumarkt lässt laut GHND wesentliche Kernelemente weg. „Der aktuelle Entwurf nimmt darauf zwar Bezug, vom Ergebnis sind wir indes enttäuscht“, so GHND-Vorstand Torsten Kulke (51). Besonderer Kritikpunkt ist ein geplantes Flachdach, das laut städtebaulich-gestalterischem Konzept für den Neumarkt unzulässig ist.„Die GHND lehnt dies als besonders störend für die Sicht von der Kuppel der Frauenkirche ab“, so Kulke. Er erwartet, dass der Bauherr und Nobelpreisträger Günter Blobel (80) jetzt Veränderungen am Entwurf vornimmt.
    Blobel ließ gestern durch seinen Vertreter und Architekten Michael Kaiser mitteilen: „Die Intention von Pofessor Blobel ist, die originale Fassade wieder herzustellen, nur dort Anpassungen vorzunehmen, wo es die heutigen Funktionen ergeben. Wenn man sich den Originalentwurf von Hermann Borthen anschaut, gab es keine Dachgauben.“
    Sie habe ein späterer Architekt hinzufügen müssen. Auch der reiche Fassadenschmuck sei zu großen Teilen beseitigt worden. Blobel aber möchte den Fassadenschmuck wieder gemäß der Originalzeichnungen von 1850 zurückholen"
    https://www.tag24.de/nachricht…ar-original-aufbau-222419


    2. Artikel:
    "...Blobel: „Die Schaufensterreihe im Erdgeschoss einschließlich des Zierbalkens zum 1. OG wird genau nach historischem Vorbild wiedererrichtet. Da das ehemalige 1. OG als Raumerhöhung des EG um ca. 2 Meter ausgebildet wird, erscheint die obere Schaufensterreihe reduziert.“ Mehr noch: Hätte der frühere Bauherr Hermann Bothen 1851 ein höheres Ladengeschoss angeordnet und etwas höhere Wohngeschosse, hätte er sein Fassadenkonzept „ganz genauso entwickelt“.
    Das Original hatte nach Blobels Auffassung nämlich „deutliche Schwäche in den Proportionen“. So habe das über zwei Etagen reichende Schaufenster das Gestaltprinzip der Barockzeit drastisch durchbrochen. „(Die) Schaufenster, allein schon im Erdgeschoss, waren bereits ein Fremdkörper“, findet Blobel. Nun aber würden die Mängel von 1850/51 behoben.
    Die Kritik der GHND sei für ihn daher nicht nachvollziehbar, Änderungswünsche auch „nicht nur annähernd umsetzbar"
    https://www.tag24.de/nachricht…torisches-neumarkt-222874


    Die beiden Herren sind scheinbar beratungsresistent.

    Ich verstehe die Anmerkungen zu den Fensterprofilen auch nicht. Ich habe die aktuellen Aufnahmen von den Fenstern mit den historischen Aufnahmen in diversen Büchern über das Schloss verglichen, konnte aber ebenfalls keinen auffälligen Unterschied feststellen. Könnt Ihr Baufachmänner bitte die eventuellen Unterschiede einmal erläutern?

    Auf der russischsprachigen Facebook-Seite https://www.facebook.com/KoenigSkyline/ gibt es interesannte Fotografien und Videos rund um Königsberg/Kaliningrad. U. a. bin ich auf ein Bild von einem aktuellen Umbau eines typischen Nachkriegswohnhauses gestoßen:
    Ich finde das sieht auf dem ersten Blick super aus und lässt auf weitere ähnliche Projekte hoffen. Dies ist meiner Meinung nach ein gelungenes Beispiel dafür, wie man aus einem schlichten, rein funktionellen und hässlich wirkenden Nachkriegsbau ein ansprechendes Gebäude zaubern kann.