Posts by Dr. Haus

    Vor einem Jahr sind wir in München umgezogen und wohnen jetzt im Westend.
    Klingt nobler als es ist.
    Anders als in anderen mitteleuropäischen Städten war das Westend in München seit seiner Bebauung eher ein Arbeiterviertel. Bei uns in Europa bläst der Wind meistens aus Westen, weshalb die Luft im Westen der Stadt oft besser ist. Während in London oder Frankfurt die Westerweiterungen der Stadt mit noblen Villen und Häusern für die gehobenen Bevölkerungsschichten bebaut wurden, hat man in München in 19. Jhdt. relativ früh mehrere Grundstücke auf der Sendlinger Heid hinter der Schwanthalerhöhe an Industriebetriebe (u.a. eine stinkende Reifen- und Gummifabrik!) verkauft. Spätere Bestrebungen der Stadtväter, im Westend noblere Viertel zu bauen, wurden dadurch wortwörtlich schon im Keim erstickt...
    Im Westend gab es im Vergleich zu anderen Stadtteilen relativ wenige Bombenschäden, daher hat sich ein guter Teil der alten Blockrandbebauung vom ausgehenden 19. Jhdt. bis zum 1. Weltkrieg erhalten. Was mir bei meinen Spaziergängen durch "den Kiez" immer wieder auffällt, sind Häuser oder Doppelfassaden bzw. Doppelhäuser mit ursprünglich gleicher oder gespiegelter Fassade. Auch hier wurden viele Gebäude in der Nachkriegszeit entstuckt, so dass man diese Häuser oft wie ungleiche Zwillinge am Strassenrand stehen sieht. Auf der einen Seite die alte Stuckfassade, auf der anderen die abgeklopfe, purifizierte oder veränderte.
    Mache demnächst mal Bilder und stelle sie euch ein.

    Was für ein beknackter Entwurf für dieses Denkmal!
    Die Inschrift am Boden ist nur aus der Luft zu lesen, die beiden Skulpturen stehen so niedrig, dass sie wahrscheinlich innerhalb kurzer Zeit verschmiert oder vandalisiert sind und bei diesem wannenartigen Aufbau kann ich mir lebhaft vorstellen, wie das "Kunstwerk" nach einem Jahr Großstadt aussieht. Verdreckt und voll mit Laub und Müll.

    Leute, Leute, was euch so alles stört...
    Schaut euch doch nur mal an, wie schnell das Kupferdach auf dem Potsdamer Stadtschloss patiniert war.
    Gut - das dort verwendete Kupferblech war schon beim Einbau ziemlich oxidiert, trotzdem glaube ich nicht, dass es bei der Parochialkirche länger als 12 Monate dauern wird, bis auch der letzte Glanz verschwunden ist.
    Ein Kupferdach zu lackieren wäre übrigens total schwachsinnig und Geldverschwendung.
    Die natürliche Patina des Kupfers ist nämlich ein weitaus besserer Korrosionsschutz als jeder Lack.
    An der Luft oxidiert Kupfer in kurzer Zeit mit einer rötlich braunen Farbe. Erst durch die Einwirkung von Säuren entsteht Grünspan (Kupfer-Acetat und Kupfer-Sulfat haben eine blau-grüne Farbe).
    Je saurer der Regen, desto schneller der Grünspan. Je länger das Kupfer braun ist, desto besser die Luft...
    Freut euch doch einfach, dass das Dach endlich wieder kommt!
    Prost!

    Naja, ich habe den Eindruck, viele zeitgenössische Architekten konzentrieren sich viel zu sehr auf bautechnische Details und vernachlässigen die Gestaltung. Oder hängen gestalterisch gedanklich mehrere Jahrzehnte hinterher.
    Aber das ist eine andere Diskussion...

    @ bilderbuch:
    könntest du mir bitte erklären, was du mit "dieser dem Neumarkt in keinster Weise gerecht werdende Bau" meinst?
    Ich kann so unspezifische, schwammige Kritik nicht nachvollziehen.
    Was fehlt dem Nöfer-Bau denn deiner Meinung nach, damit er den "Neumarkt gerecht werden" kann?

    Gab es in Ingolstadt eigentlich nie Bestrebungen, die am 9. April 1945 zerstörte und dann 1950 abgetragene Augustinerkirche (eines der Hauptwerke Johann Michael Fischers) zu rekonstruieren?

    Ich finde auch, diese Fassade mit den zurückgesetzten Fenstern bzw. "Loggien" in der Fassade ist der schwächste Entwurf in der Strasse. Trotzdem gefällt mir die Landhausstrasse gerade in der Schrägansicht aus der Fussgängerperspektive ausserordentlich gut.
    Die Mischung aus historischen Bauten und Gebäuden, die sich auch endlich mal an die Gestaltungssatzung halten, wirkt in der Zusammenschau sehr harmonisch.
    Ich freue mich schon auf die andere Strassenseite.

    Diese alten Kastenfenster sehen zwar immer recht hübsch aus, sind aber selten richtig gut winddicht und energieeffizient zu bekommen

    Dass das ehemalige Bräuhaus in der Westenstrasse 6 immer weiter verfällt, ist echt Schade.
    Seit der Kinosaal des darin eingebauten Burgtheaters vor vielen Jahren geschlossen hat, steht das riesige Gebäude so gut wie leer. Dort war ich in jungen Jahren zum ersten Mal im Leben im Kino... :-)
    Ich wüsste auch nicht, dass es irgendein sinnvolles Nutzungskonzept für diesen Bau gibt.
    Weiß einer von euch mehr?

    Es ist Schade, dass solche Bauten irgendwie immer gleich aussehen und überhaupt nicht auf die Eigenart der Stadt eingehen, in der sie stehen.
    Warum gelingt es so wenigen Architekten, sich gerade beim Bauen in der Altstadt von ortstypischen Elementen inspirieren zu lassen???

    Wahnsinn, wie schnell es beim Kimmerle-Quartier nun vorwärts geht und wie die Fassaden schon jetzt in den Neumarkt hinein wirken!
    Da schmale, kantige Eckhaus wir ja Gott sei Dank vom Platz aus optisch hinter dem Regimentshaus verschwinden.


    Schade, dass nicht alle Quartiere in solcher Qualität bebaut worden sind... :-(

    Wobei die rekonstruierte Warschauer Altstadt ja auch nicht dem entspricht, was vor der Zerstörung durch die SS dort stand. Zum Teil sind die Häuser dort Canaletto-Gemälden nachempfunden und teilweise wurden Bauteile aus anderen (auch schlesischen und ostpreussischen) Städten nach Warschau gebracht und dort eingebaut.


    Das Ziel des Wiederaufbaues dort war es aber auch gar nicht, jeden Stein genau wieder an die alte Stelle zu bringen.