Posts by Dr. Haus

    Deine da aufgeführten "Regeln der modernen Architektur" hat in dieser Form niemand je aufgestellt.
    Die an unseren Hochschulen gelehrte Architekturtheorie richtet sich momentan noch mehrheitlich nach der Ideologie der ersten Hälfte des 20. Jhdts., ist aber auch im Wandel begriffen. Siehe Christoph Mäckler, Hans Kollhoff, Tobias Nöfer.


    Und die "jahrtausendealte Regel": "Was gefällt, darf gebaut werden" hat es so im Übrigen auch nie gegeben.


    Zumindest nicht in den höher entwickelten Kulturen der letzten Jahrhunderte, die mehr gebaut haben als Lehm- und Strohhütten in der Steppe oder im Dschungel.



    In Ägypten, Griechenland und im alten Rom konnte beileibe nicht jeder bauen, was er wollte, wenn es dem Pharao, Tyrannen oder Kaiser nicht gefiel. Und auch in unseren Breiten wurde weitestgehend von oben vorgegeben, was und wie gebaut werden musste. Der alte Fritz, August der Starke und viele andere lokale Herrscher zu allen Zeiten hatten oft sehr klare Vorstellungen, was in ihren Städten gebaut werden durfte und was nicht. Bauvorschriften sind keine Erfindung des 20. Jahrhunderts...

    Auch wenn so unscheinbare Gebäude wie in der Trogerstrasse sicherlich oft weder historisch noch architektonisch einen Denkmalwert haben, finde ich doch, dass sie städtebaulich im Zusammenspiel mit den anderen Bauten der Altstadt den historischen Wert eines Ensembles steigern und ihm Authentizität verleihen.
    Mich macht es immer traurig, wenn ich sehe, dass mit den Jahren still und leise immer mehr dieser einfachen Altstadthäuser verschwinden.


    Ich kann es bis heute der Versicherungskammer Bayern nicht verzeihen, dass sie den Gebäudeblock an der Maximiliansbrücke abgerissen hat, in der sich der Innenhof mit der Schreiner-Werkstatt von Meister Eder und seinem Pumuckl befunden hat!


    Zur Erinnerung vorher:
    http://www.pumucklhomepage.de/view/werkstatt.jpg


    und jetzt in ähnlicher Perspektive:
    http://www.hoerspielhelden.de/…erwerkstatt/Innenhof1.jpg



    Von aussen will ich den hässlichen Waschbetonbau der VKB gar nicht zeigen.


    Eine Schande, eine solche Bausünde an so prominente Stelle mitten zwischen die Altbauten zu klotzen!


    Weiß jemand, wie diese Ecke vor dem Abbruch von der Strassenseite her aussah? Ich finde in meinen Büchern nur ziemlich verschwommene Luftaufnahmen.

    Naja, mal Hand auf`s Herz: so ein architektonisches Kleinod ist so ein brachialer Hochbunker nun auch wieder nicht, dass man Tränen darüber vergiessen muss, wenn einer Fenster reinmacht, damit er Tageslicht in seinem Büro bekommt...
    Ein riesiger Stahlbetonklotz mit einer pseudohistorischen Verkleidung.
    Gibt es diese Verkleidungen der Bunker im Stadtgebiet eigentlich nur in München oder auch in anderen deutschen Städten?

    Gott sei Dank ist uns das Libeskind- Gebäude auf der Hauptstrasse der Dresdner Neustadt erspart geblieben!
    Auch wenn das jetzt dort stehende Gebäude wahrlich auch kein Augenschmaus ist.


    Bezüglich der Rekonstruktionsdebatte (die in diesem Strang etwas fehl am Platz ist):
    Rekonstruktionen in den Städten in der BRD sind tatsächlich nie irgendwo von "denen da oben" verboten worden, auch wenn das manches Mal so dargestellt wird, als würden die "Volksverräter" alle Entscheidungen gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung getroffen werden.
    Die Entscheidungen für oder gegen Rekonstruktionen sind in der BRD (anders als in der DDR) nicht von oben diktiert worden und wurden oft erst nach langen Diskussionen für und wider gefällt.


    Es ist aber doch einfach auch so, dass es gerade in den 50er bis 80er Jahren in den meisten Fällen in der Öffentlichkeit und bei den betreffenden öffentlichen und privaten Bauherren kein wirkliches Interesse - geschweige denn einen flächendeckenden Konsens der Bürgerschaft - für einen historisch angelehnten Wiederaufbau oder Rekos gab. Oft wurden ja auch unbeschädigt erhaltene Gebäude abgebrochen und durch moderne Bauten ersetzt. Quadratisch, praktisch, gut.
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie froh meine Oma darüber war, dass sie und mein Opa in den 60er jahren ihr 200 Jahre altes, massives Sandsteinhaus mit Volutengiebel abgerissen und durch einen banalen, gefliesten Bau ersetzt haben. Einfach zu putzen, dichte Fenster, keine Ratten oder Mäuse in den Fehlböden, Zentralheizung.
    Mir dagegen hat immer das Herz geblutet, wenn ich die alten, vergilbten Fotos dieses schönen Altbaus gesehen habe.
    Aber so unterschiedlich sind die Prioritäten...


    Dass es in den letzten Jahren mehr und mehr Rekonstruktionen wie in Dresden, Berlin, Frankfurt oder jetzt eben auch in Lüneburg gibt, liegt einfach daran, dass sich mehr und mehr Bürger auch dafür interessieren und einsetzen.
    Oder eben auch dagegen entscheiden, wie etwa bei der Ulrichskirche in Magdeburg.


    Das ist halt so in der Demokratie. Viele Meinungen und Positionen streiten um eine Lösung. Im Idealfall entspricht dann das Ergebnis dem Mehrheitswunsch.

    Zu den dekonstruktivistischen Gebäuden von Daniel Libeskind finde ich irgendwie keinen Zugang. Egal ob als Solitär oder im Ensemble mit anderen Gebäuden.
    Da bekomme ich immer Herzstolpern und hektische Flecken.
    Vor allem, da hier bezogen auf die Nutzung das Mantra "Form follows function" in vielen Fällen um 180° gedreht wird in ein "Function has to follow the form".

    Es stimmt natürlich, daß es auch Gebäudenutzungen gibt, für die man keine Fenster braucht.
    Auch wenn es schöner ist, auch in einer Disco oder in einem Archiv mal das Fenster im Scheißhaus aufmachen zu können und nicht das komplette Gebäude mit einer aufwändigen Be- und Entlüftungsanlage ausstatten zu müssen.
    Wenn man aber gerade in einer Stadt wie München die sanierte Baufläche auch gewinnbringend vermarkten will, dann müssen da eben Büros oder Wohnungen reinpassen.
    Ein Bekannter von mir hat vor ein paar Jahren in Nürnberg einen Luftschutzbunker zu einem Bürohaus für sich umgebaut und der teuerste Posten damals war das Schneiden der Fenster in die Bunkerwände. Hat mehrere zehntausend Mark gekostet. Trotzdem ist die Bude im Inneren noch ziemlich düster...

    Mei, oh mei!
    Es ist doch immer wieder das Gleiche mit diesen Dilettanten, die dort oben in Berlin auch über unser Geld bestimmen!
    Da werden jahrelang mühsam Spenden von Privatleuten gesammelt und dann schlägt man ein Angebot über 5 Mio. ( :schockiert: ) einfach brüsk aus, anstelle sich erstmal für die Spendenbereitschaft zu bedanken und dann in Ruhe die Konditionen auszuhandeln.
    Wo haben diese Penner denn Politik und Diplomatie gelernt?
    In der Baumschule?

    ich finde es gut, dass solche Bauwerke auch in der heutigen Zeit eine Nutzung finden.
    Gerade die Umnutzung und der Umbau solcher Bunkerbauwerke ist sehr aufwendig.
    Ein Fenster in eine teils meterdicke Stahlbetonwand mit einer Diamantsäge zu schneiden, ist extrem teuer.
    Und ohne Fenster kann man einen Bunker halt nicht nutzen. Außer als Bunker...

    Was ich beim Um- und Ausbau des Schlossflügels nicht nachvollziehen kann:
    Wir leben im Mitteleuropa.
    Und der Wittenberger Schlossrest steht auch in Mitteleuropa.
    Hier regnet es im Durchschnitt jeden dritten Tag.
    Warum kann man dann auf so einen Bau kein ordentliches Dach setzen, das auch das Wetter hierzulande respektiert?
    Wir sind doch nicht im Nahen Osten oder in Nordafrika!

    Wobei im Baumassen-Modell diese drei kleinen Hochhäuser den extremen Gegensatz zwischen Jentower und Altstadt ausgleichen und abmildern. Der Knackpunkt ist für mich die individuelle Gestaltung der einzelnen Gebäude, wobei ich - ehlich gesagt - da keine großen Hoffnungen habe.

    Ich glaube, der Klotz den du meinst, ist das Kaufhaus Alsberg, das um die Jahrhundertwende gebaut und in den 20er Jahren zweimal mit Neubauten erweitert wurde. Wahrscheinlich ist es auf dem Foto deshalb auch noch so hell.


    Die Grundsätze der Planungen, die nach dem Krieg im "Wiederaufbau" umgesetzt wurden, stammen ja großenteils aus den 20er bis 40er Jahren. Dass sie flächenmäßig in so gigantischem Ausmass dann umgesetzt werden konnten, ist dem Flächenbrand der Stadt im Krieg zu verdanken, den viele Planer der 40er und 50er ja eher dankbar als Baufeldfreimachung empfanden...

    Wurde da vielleicht ein überlebendes Originalteil integriert?


    Mehrschichtig verleimtes Holz verzieht sich im Übrigen deutlich weniger als Bretter aus einem Stück.


    Ah, du meinst das zweite Bild.
    Ich dachte an ein integriertes Originalteil bei Bild 4/7.

    Das Problem beim Pellerhaus ist ähnlich gelagert wie beim Salzhaus im Frankfurt.
    Beide Gebäude waren identitätsstiftend für die alte Stadt.
    Und von beiden Gebäuden sind wesentliche originale Bauteile erhalten, die eine Rekonstruktion mit Originalsubstanz möglich machen.
    Was die Entscheidung so schwer macht ist, dass die 50er-Jahre-Bebauung aufgrund des historisch und städtebaulich bedeutenden Vorgängers hochwertig bebaut und dadurch eben auch denkmalwürdig für die Wiederaufbauzeit ist.
    Trotzdem glaube ich beim Pellerhaus, dass eine komplette Rekonstruktion des Vorderhauses langfristig die einzig richtige Lösung ist. Wenn man gewillt ist, ein stimmiges, fertiges Bild zu schaffen und nicht immer dem historischen Bruch und dem Bauchschmerz der Zerstörung zu frönen.
    Ich als einfach strukturierter Geist finde, die Komplettierung des historischen Hauses mit der Rekonstruktion des Renaissance-Vorderhauses vom 1.OG bis zur Giebelspitze ist der richtige Weg. Auch für die Nürnberger.

    Im Netz findet man kaum Fotos von der Deutschhauskommende Ulm.
    Hat jemand auch Bilder vom Inneren dieses Gebäudekomplexes? Scheint ja recht groß gewesen zu sein.
    Schade, dass nach dem Krieg alles plattgewalzt wurde. Und vor allem: dass danach überall so greisliches Zeug gebaut worden ist.