Posts by Konstantindegeer

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

    Na, dann viel Spaß mit einer 35-Meter-breiten Durchgangsstraße und 6-geschossigen Gewerbebauten. Es wird sicher noch schön werden, ganz sicher.


    Vor allem Gestaltungsvorgaben hat Berlin ja an sensiblen Punkten immer sehr im Sinne dieses Forums erlassen. Man muß schon sagen: der Grad der Wirklichkeitsverweigerung ist hier schon wirklich ausgeprägt. Bei soviel Rosa Brille bin ich in diesem Strang vorerst raus.

    "Sollen", Snork, sind aber nicht. Wie geschrieben: die Gewerbebauten schirmen baurechtlich die Wohnbebauung ab und müssen errichtet sein, bevor Baugenehemigungen für den Wohnungsbau in "zweiter Reihe" zulässig sind. Bei den als 4-Geschosser ausgelegten Gewerbebauten sollen - nach Errichtung des Gewerbes, ein 5. und 6. Geschoss für Wohnungen zulässig sein. Noch ist dem nicht so, also muss erst das reine Gewerbe errichtet werden.


    Was soll das denn für ein Gewerbe - 6 und 4-geschossig, an der Stadtautobahn sein? Sicher kleinteilige, historische Gebäude... Nei, das Werden Bürosbauten wie im "Europaviertel" am Hauptbahnhof oder in der nahe gelegenen Liebknechtstraße.


    Die geringen Beteiligungszahlen gingen schon mehrfach durch die Presse. Von den wenigen, die sich überhaupt interessieren, waren 90 % für Rekonstruktionen - das interessiert aber den Senat nicht. So bleibt das Thema Berliner Mitte für alle ein Orchideenthema, das niemand ernst nimmt und es wird weitergehen wie bisher. Das liegt auch daran, daß die "Opposition" im Abgeodnetenhaus, CDU und FDP, sich des Themas ebenfalls nicht annehmen.


    Also wird erst die Straße umgebaut und dann wird parzelliert. Ich garantiere, daß weder vom Grauen Kloster noch vom Jüdenhof ein Haus zurückkehrt. Leider.

    Wir können froh sein, wenn die vorhandenen Schäden wieder beseitigt werden (seit zwei jahren fehlen einem Triton die Arme) und als nächstes die Pferde wiederkommen. Durch die abgeschiedene Lage südlich des Hotel Mercure ist die Anlage wenig prominent und es sind keine neuen Spenden in Sicht. Der Hoteldirektor, der sich früher mal gekümmert hat, ist lange nicht mehr im Amt und der französische Konzern Accor, dem das Hotel heute gehört (nein, es wird nicht abgerissen), hat momentan andere Sorgen.


    Es sind ja eigentlich in den vergangenen 20 jahren nur zwei neue Figuren (Vordergrund) geschaffen und drei alte, die bei der Neuanlage des Lustgartens aus dem Schlick gezogen wurden, wieder aufgestellt worden. Jetzt fehlen noch:


    - zwei überlebensgroße Pferde

    - der Muschelwagen des Neptun

    - Neptun selbst

    - seine Begleiterin Thetis sowie

    - drei weitere Tritonen und Nymphen.


    Ein teures Programm, wenn man berechnet, daß jede Figur so um 60.-80.000 Euro kostet.


    Zudem ist die Wasserinstallaition eines Potsdamer Künstlers leider seit zwei Jahren kaputt, sodaß das Neptunbassin wenig attraktiv ist.



    Ich bin für drei Türme ohne Nutzung, damit man den Betonturm (nicht Steinturm) des Altersheims mit der Seniorenabschußrampe besser sieht. Die beiden neuen Türme kommen in den Hof der Rosa-Luxemburg-Grundschule, mit Welscher Haube (das ist ja nur der glockenförmige Teil). Die Kosten von je 40 Millionen Euro (das kostet der etwa gleich hohe Garnisonkirchturm) trägt das Stadtbildforum, da ja eine Nutzung nicht zu erwarten ist und sich auch im APH-Forum um solche Trivialitäten keiner Gedanken machen will.

    Das würden sicher alle gut finden, ignoriert das historische Potsdamer Stadtbild zwar voll kommen, aber was interessieren schon die Menschen.


    Das hat doch nichts mit Verzagtheit zu tun: zu einer vernünftigen und umsetzbaren Wiedergewinnung historischer Bauten gehören immer eine gute Nutzungsidee und ein Vorhabenträger. Beides ist doch hier nicht zu erkennen.


    Natürlich kann man die Welsche Haube als Holz/Kupferblechkonstruktion statt der Burellispitze setzen. Aber warum sollte das jemand tun und warum das Architekturbüro, das 1995 einen europaweiten Wettbewerb gewonnen hatte, dies urheberrechtlich erlauben? Und wie sähe der moderne Turm mit der historischen Haube aus? Der Betreiber des Seniorenheims wird es nicht finanzieren.

    Da muß man - glaube ich - bessere Ideen haben als nur Visionen.


    Geht es den Blockierern auch darum, listig zu verhindern, das man dann die Leistungen der Architekten in der Epoche Schinkels mit ihrer eigenen gegenwärtigen Leistung vergleichen könnte?"

    Dr. Monika Reiher

    Ich glaube, treffender kann man das Hauptproblem des heutigen Architektur-Mainstreams nicht beschreiben...

    Exakt darum geht es. Nur können wir nichts dafür, daß die meisten zeitgenössischen Architekten keine adäquaten Lösungen finden.


    Wer könnte das Problem besser beschreiben als der Meister selbst:


    "Sehr bald gerieth ich in den Fehler der radikalen Abstraction, wo ich die ganze Conception für ein bestimmtes Werk der Baukunst aus seinem nächsten trivialen Zweck allein und aus der Construction entwickelte. In diesem Fall entstand etwas Trockenes, Starres, das der Freiheit ermangelte und zwei wesentliche Elemente ganz ausschloß: das Historische und die Poesie."


    KF Schinkel, Einleitung zum Architektonischen Lehrbuch