Posts by Berkowitz

    Trotzdem bröckelt die Front, gerade auch durch Impulse Jüngerer. Ein "plüschiger" Lebensstil verhindert nicht progressives Denken. Dass das bei den "Alt 68ern" nicht mehr ankommt ist verständlich, aber nicht mehr im Wesentlichen bestimmend. Der demographische Wandel ist selbst in diesen Kreisen inzwischen deutlich spürbar und nicht mehr aufzuhalten.

    Architektonische Rundschau 1907.


    Mühlbach im Oberelsass, im hinteren Münstertal, 1871-1918 Reichsland Elsass-Lothringen, Kreis Colmar. Rat- und Schulhaus.


    Da die Dörfer des oberen Münstertals im I. Weltkrieg sehr stark zerstört wurden, existiert dieses Gebäude wohl leider nicht mehr.

    Das Rat-und Schulhaus ist das in Eppingen Ortsteil Mühlbach bei Heilbronn, und das ist noch gut erhalten. Sieht man auch am Stadtwappen von Mühlbach (mittlerer Teil links). Kann natürlich sein, da der Architekt aus Colmar stammte, dass es noch ein ähnliches Bauwerk im Elsass gibt.

    Rat-und Schulhaus Mühlbach

    Es gibt in derartigen Artikeln immer zwei entscheidende Aussagen, die mich stets extrem irritieren. Der Automatismus der politischen Verortung nach "rechts" gegenüber denjenigen die das "Alte und Schöne" wertschätzen, und die Meinung, dass eine traditionelle Fassade grundsätzlich eine "Moderne" dahinter verhindert.

    Beides ist ja bereits des öfteren beweiskräftig widerlegt worden. Ebenso, wie bereits mehrfach bewiesen wurde, dass manch klassenkämpferisch auftretende "Antitraditionalisten" im privaten Wohnfeld nicht dem Sichtbeton huldigen, sondern mitnichten besten Wohnraum in Objekten der "Traditionelle " besetzen.

    Rastrelli

    Der Unterschied Oblast zu Rajon ist bekannt. In der Hitze des Gefechts...

    Mein russisch war nie so gut, und vor allem mangels regelmäßigen Gebrauchs so beständig. Nicht jeder ist so sprachbegabt.

    Die orthodoxe Kirche Russlands hat Anspruch auf alle religiösen Besitztümer einschließlich ehemals religiös genutzter Liegenschaften. Dazu gehören unter anderem die Grundstücke der ehemaligen Königsberger Kirchen. Die meisten davon sind trotz Überbauung in ihren Fundamenten noch vorhanden. Eine Neubebauung oder veränderte Bebauung muss, sofern das Areal der Kirche als deren Besitz bekannt ist, mit dieser abgesprochen werden.

    Hohe Militärs der Baltischen Flotte haben massive Einwände gegen eine Regermanisierung des Gebietes. Wir wissen, dass das Unsinn ist. Bei der russischen Seite bin ich mir allerdings nicht so sicher. Wer Kontakte hatte zum russischen Militär, ich gehörte auch dazu, weiß, dass es neben sehr viel Gastfreundschaft und ehrlicher Verbrüderung, einen sehr großen Respekt gegenüber der Geschichte und des Großen Vaterländischen Krieges gibt. Das sollte man gerade als Deutscher respektieren.

    Das Thema der Paranoia, die Deutschen wollen das Gebiet zurück, ist keine deutsche Erfindung, wird aber gerne von gewissen Kreisen, insbesondere den Resten der Kommunisten in Russland gerne wieder aufgewärmt, und findet leider öffentlich mehr Beachtung als es das von der Grundlage her verdient.

    Leider verstehen viele Russen nicht, dass der Deutsche von heute in seiner Einstellung und seines Werteempfindens mit den Deutschen von 1941 bis 1945, gerade denen, die für Russland sehr unangenehm in Erinnerung blieben, in der Regel nur die Ahnentafel gemeinsam hat.

    Zur Bebauungssituation in Kaliningrad.

    Wer sich mit dem Architekten Arthur Sarnitz auseinander gesetzt hat, weiß, dass dieser trotz sehr deutsch klingendem Namen sonst nichts mit Deutschland zu tun hat. Er gehört allerdings zu den noch halbwegs jungen dynamischen Kräften in Kaliningrad, denen das momentane Erscheinungsbild der Kaliningrader Innenstadt ein Dorn im Auge ist, und der dies ohne Einfluss von deutscher Seite, einschließlich einer leider nur kleinen Gruppe, gerne ändern würde.

    Er, und natürlich auch Vertreter der Gebietsregierung haben zumindest noch vor ein paar Jahren öfters auch deutsche Experten, wie Hans Stimmann um Rat gefragt.

    Das läßt vermuten, dass zumindest unterschwellig, eine deutsche Beteiligung nicht unerwünscht ist.

    Vom finanziellen Gesichtspunkt her hätte der Wiederaufbau der Innenstadt Anfang der 2000er ca. 5 Millarden € gekostet. Heute gehe ich vorsichtig vom dreifachen Betrag aus.

    Da kann man für gewisse Objekte, insbesondere solche, die mit der deutschen Geschichte und Identität verbunden sind, auch eine finanzielle Beteiligung durch Spenden, etc. in Betracht ziehen.

    Schöner Vorschlag mit einem Brief.

    Nur, der gegenwärtige Gouverneur Anton Andrejewitsch Alichanow der Rajon Kaliningrad hat mehr als einmal deutlich gemacht, dass ihn das Königsberger Schloss nicht interessiert.

    Er scheint eher in einem städtebaulich kühlen Umfeld sozialisiert zu sein.

    Daher auch die Liebe zu dem städtebaulichen Monster des Hauses der Räte und seiner geplanten Abtragung und Rekonstruktion. Ein romantisches Stadtbild, ob mit russisch oder deutsch inspirierten Fassaden scheint nicht seins zu sein. Aber diese Einstellung kennen wir ja auch von Politikern in unserem Land.

    Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass noch nichts verloren ist. Hans Stimmann war ja vor Jahren auf Einladung der Gebietsregierung auch zu seinen Ideen befragt worden. Zumindest sind die Hochhauspläne für die ehemalige Innenstadt damals gekippt worden.

    Der Plan von Arthur Sarnitz überzeugt mich allerdings am ehesten, und würde auch das "Monster", allerdings auf ein Drittel verkürzt, entsprechend der städtebaulichen Bedeutung eines Dresdener Kulturpalastes, noch als städtischen Mittelpunkt zulassen.

    Insgeheim hoffe ich ja, dass diese Planung nur dazu dient das "Monster" ohne große Proteste erst einmal abzureißen, und dann plötzlich in den Planungen umzuschwenken, wenn die Tatsachen für einen echten Neubeginn bereits geschaffen sind.

    PS: Ich sehe das allerdings auch so, dass wir Deutschen uns am Wiederaufbau, und das nicht nur beim Schloss, sondern auch bei eventuellen Leitbauten, kräftig beteiligen sollten ohne hierbei der russischen Seite den Eindruck zu geben sie dabei vorzuführen oder irgendwelche territorialen Forderungen damit zu verknüpfen. Dabei darf man nicht vergessen sich patriotische Unterstützung zu holen beim russischen Militär und bei der russisch-orthodoxen Kirche.

    Noch etwas: Die letzte Rekonstruktion war die Synagoge auf der Lastadie.

    Leider nein.

    Der Klotz soll abgetragen werden bis auf die Fundamentplatte, um dann mit einer zweistöckigen Tiefgarage in den Untergeschossen in ähnlicher Kubatur , nur etwas "leichter" wiedererrichtet zu werden.

    Politisch ist eine Rekonstruktion von "Preussen" in Kaliningrad, auch aufgrund des stark abgekühlten deutsch-russischen Verhältnisses, zurzeit ohnehin nicht gewünscht. Es werden nebenbei auch noch von diversen Kräften "Regermanisierungsängste" geschürt, die natürlich jeder Grundlage entbehren, aber leider auch den zukünftigen Städtebau beeinflussen.

    Vergleiche zu Potsdam oder Berlin, Danzig oder Dresden, mit positivem Effekt auf Besucherströme greifen nicht, da der russische Durchschnittsbürger den Tourismus wie wir Mitteleuropäer ihn kennen sehr argwöhnisch betrachtet, und natürlich durch dessen negative Auswirkungen mit Preissteigerungen im täglichen Leben, Wohnungsmangel und Verkehrschaos, etc. in seiner Sicht bestärkt wird.

    Ohnehin gibt es nur wenig Verbundenheit mit dem alten Königsberg, und diese Basis schwindet immer mehr, je mehr Zuzügler, und das sind nicht wenige, aus den ärmeren Regionen Russlands und einiger GUS-Staaten, in Russlands aufstrebenden Westen ziehen.

    Leider muss man momentan auch konstatieren, dass wieder die alte Sowjetsicht Renaissance feiert mit deutsch gleich faschistisch, und damit unerwünscht.

    Sollten die Paneele des BZ im Wasser liegen, hätten die Restauratoren die Steine, die Scharniere, aber wohl kaum mehr intakte Tafeln.

    Die Restitution wäre dann eine Sache zwischen Polen und Russland. Deutschland sollte allerdings vermittelnd im Interesse der deutsch-russischen Beziehungen tätig werden,

    Allerdings sollten dann die nicht unerheblichen Bergungskosten der polnischen Seite mit berücksichtigt werden. Die Kosten einer Restaurierung sind natürlich auch noch zu leisten.

    Trotz Dumabeschlüssen zu "Beutegut" und der Verneinung jeglicher Restitution muss einschränkend bemerkt werden, das Deutschland, sofern es über Kunstschätze verfügte, die an Russland zurückgegeben wurden, stets im Gegenzug auch wieder etwas aus Russland zurückbekam. So lief es und so wird es weiter laufen. BZ gegen den Schatz von Priamos. Nur eine Idee.

    Ich hoffe, und hier geht es mir nicht um die Idee, denn die finde ich gut, sondern allein um die unsensible Ausführung, dass diesem Projekt die Sponsoren fehlen und die Zeit eine bessere Ausführungsplanung bringt.

    "Gebt mir 500Mio. und dann wird es!" scheint im Moment für ein Rekonstruktionsprojekt auch nicht der Schlüssel für den Erfolg zu sein.

    Leider müssen dazu viele empfindliche Politikerseelen überzeugt werden, deren von ihnen vertretene Randgruppen natürlich mit eingeschlossen.

    Das unsinnige Hick-Hack um die Situation am Hermannplatz zeigt es.

    Zitat aus dem oben genannten Artikel der MoPo:

    "Als Gegenleistung sichert der Senat Fortschritte bei den drei großen Bauvorhaben des Karstadt-Eigners Signa in Berlin zu. So wird das vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg abgelehnte Projekt am Herrmannplatz künftig im Senat betreut."

    Eine zielführende Entwicklung.

    Rastrelli:

    Zu den Kirchensprengungen in Magdeburg gibt es diese Seite:

    Kirchensprengungen

    Es waren nicht alle betroffen, aber die eindeutige Mehrheit.

    Unabhängig davon, dass man derartige Handlungen auch aus dem Blickwinkel der damaligen Zeit betrachten sollte, war sicher einiges kulturhistorisch betrachtet bereits damals nur schwer nachzuvollziehen.


    In Kaliningrad beginne ich die Liste mit den leicht beschädigten sakralen Bauwerken wie Tragheimer Kirche, Altstädtische Kirche, Steindammer Kirche, Löbenichtsche Kirche und Haberberger Trinitatiskirche und andere. Selbst das Schloss mit der Schlosskirche war wiederaufbaufähig, ähnlich wie viele Bauwerke des Historismus und der Gründerzeit. Nahezu Totalschaden hatte die Probstei Kirche und das Kneiphofareal mit dem Dom. Die letzte Kirche, die in den 1970ern gesprengt wurde, war die ausschließlich durch Vernachlässigung betroffene Lutherkirche. Hierzu muss man sich nur die Aufnahmen nach der Einnahme, die Filme der späten 1940er als Propaganda und WerbefIlme für die Neusiedler ansehen, um den Gebäudestatus vorsichtig zu bewerten.

    Zur Ehrenrettung der Kaliningrader muss ich beitragen, dass diese BilderstürmereI von Gegenprotesten russischer Bürger begleitet war, und heute nur wenige Kaliningrader darauf stolz sind. Kaliningrad war eben nicht Danzig, obwohl der Zerstörungsgrad im Altstadtbereich ähnlich war. Die Motivation der jeweiligen Nationen die gewonnen, in Polen wiedergewonnenen, Städte für sich zu nutzen und dementsprechend wieder aufzubauen konnte unterschiedlicher nicht sein.

    Lissabon hat abseits der touristischen Hauptströme noch einiges zu bieten bezüglich Urbanität und traditionellem Leben. Dem Zentrum hat das letzte Jahrzehnt jedoch nichts Gutes getan. Traditionelle Eckcafes mussten Läden mit Touristenkitsch weichen. Auch wenn inzwischen für Handwerk und Läden mit Tradition ein Mietendeckel gilt, muss man inzwischen sehr weit nach außen fahren.


    Zu den Städten mit sehr hohem Enttäuschungspotential zählen für mich Magdeburg und Kaliningrad. Trotz der massiven Kriegszerstörungen wurden diese Städte durch die ideologisch geprägte Abrisswut (sämtliche Kirchen, außer den beiden Domen) und die sozialistischen Magistralen der Rest gegeben. Trotz stark unterschiedlicher politischer Strukturen, hier deutsch dort russisch, kommen in beiden Städten Maßnahmen zur Stadtreparatur wie der Wiederaufbau von St. Ulrich in Magdeburg oder das Projekt Altstadt in Kaliningrad nur sehr schwer oder gar nicht in Gang.