Posts by Berkowitz

    Da es im deutschsprachigen Bereich unüblich ist, wie in den meisten Ländern mit demokratischer Grundordnung, Straßen und Plätze nach noch lebenden Personen zu benennen, hat die Stadt wie ich sehe zu dieser Frage noch ausreichend Bedenkzeit für die dann passende Antwort.

    Wie mir der OB über sein Büro mal hat mitteilen lassen, war sehr ersichtlich, dass er der "Nüchternheitsfraktion" angehört, die Sichtbeton und alles wenig urbane bevorzugen.

    Nur sollte diesen gewählten Damen und Herren unabhängig ihrer eigenen Vorlieben inzwischen klar sein, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung urbane Stadtstrukturen den gesichtslosen modernistischen Ausprägungen vorziehen.

    Städtebau gehört in die Entscheidungshoheit der Bürgerschaft und der Bürger, und nicht nur in die Hände abgehobener Eliten.

    Fatalismus wäre zuviel gesagt. Jedoch sieht man anhand jüngerer Ereignisse in Dessau und anderen Orten, dass hier die speziell deutsche Vergangenheit und nicht nur die zwischen 1933 bis 1945 noch einige Projekte beeinträchtigt wenn nicht gar verhindert. In Frankreich wurde wenig zerstört, und diese Nation heißt nicht nur so, sondern fühlt auch so. In Frankreich gibt es wie in Deutschland einen sehr starken Lokalpatriotismus. Nur wie die Franzosen als Nation, trotz der momentanen innenpolitischen Zerrissenheit der Franzosen, fühlen wir uns in Deutschland bisher nur beim Fußball. Städtebaulich gibt es auch in Frankreich Fehler der Neuzeit wie die Banlieus. So ganz einig sind sie sich ja auch nicht beim Wiederaufbau von Notre Dame de Paris.
    Zurück zu Deutschland: Wir sind auf einem besseren Weg, aber es bleibt noch sehr viel zu tun. Bis auf die Rekonstruktion von Karstadt am Hermannplatz halte ich momentan Rekonstruktionen von Tietz und Co. in Berlin erst einmal auch aus wirtschaftlichen Betrachtungen heraus für sehr unwahrscheinlich. Sollte dann Karstadt am Hermannplatz nicht nur die Besucher, die Bezirkspolitiker sondern auch die Investoren glücklich machen, dann wären weitere Projekte dieser Art denkbar. Dann aber nicht als reines Warenhaus, sondern in Mischnutzung.

    Sicher ist der Abriss nach so relativ kurzer Zeit freundlich zu hinterfragen. Nur mein selbst gemachter persönlicher Eindruck vom Kurhaus vor mehreren Jahren ist eher der einer aufgepeppten Seniorenresidenz mit einer wenig ansprechenden Innengestaltung. Von der Aussenseite betrachtet ein guter Versuch, aber der jetzt geplante Bau scheint von der Visualisierung und der Baumasse mehr als nur ein besserer Kompromiss zu sein und die Torsituation wirkt harmonischer als heute.

    Das ist Frankreich! cool:)
    Dort gibt es bereits Rente ab 50, gelegentlich Generalstreik, funktionierende Streitkräfte, usw... und neben ein paar Absurditäten auch die Belle Epoque.
    Wir sind hier eben in Deutschland!
    Nicht zu vergessen, mit Blick ins Ausland, Harrods in London wurde auch umgebaut und war bereits fast pleite. Macy's in NYC geht es auch nicht besonders.

    Prächtig und wirtschaftlich sind leider zwei paar Schuhe. Das sehen wir ja z.B. in Görlitz.
    Ich kann mich noch erinnern wie Ende der 1960er der beeindruckende Lichthof des Hertie in Bamberg, in dem die Orientteppiche präsentiert wurden, durch Zwischendecken erheblich reduziert wurde um weitere Verkaufsflächen zu generieren. Dieses Schicksal wäre auch den Berliner Warenhäusern nicht erspart geblieben. Im KaDeWe lief es ja nicht nur dem Wiederaufbau geschuldet ähnlich.
    Daher wird auch der Wiederaufbau des Karstadt am Hermannplatz, der kommen wird trotz Befindlichkeiten einiger Kiezpolitiker, Wirtschaftlichkeit und Repräsentation geschickt verbinden müssen.

    Leider hinter der Bezahlschranke:
    Ein Lob der exakten Replik
    Zitat aus oben genannten Artikel der "Welt" als Absatz zum Schluss:
    "Warum soll, was sich in jenen Fällen als richtig erwiesen hat, im aktuellen Fall der Bauakademie falsch sein? Warum sollte man nicht auch Schinkel jene Reverenz erweisen, die man in Barcelona und Dessau den Architekten Mies und Gropius erwiesen hat? Wie kann man glauben, eine Stahl-Glas-Fassade, ein Beton-Würfel, Digital Screens oder was sonst gerade angesagt sein mag, könnten faszinierender sein als die Wiederauferstehung von Schinkels Bauakademie, diesem singulären Werk der Architekturgeschichte? Damit würde zugleich das einzigartige Ensemble aus Schloss und Zeughaus, Altem Museum und Bauakademie im Herzen Berlins rekonstruiert. Und die imaginäre Trias aus Bauhaus, Barcelona-Pavillon und Bauakademie wäre wiederhergestellt."

    Die Taktik der Einkreisung habe ich selten so gut gesehen wie bei den russischen/sowjetischen Streitkräften. Jeder weiß wie er sich positionieren muss. Allein der minutiöse Ablauf hat ein sehr stark gewichtetes Einschüchterungspotential. Das beherrschen nur wenige Sicherheitsorgane anderer Nationen.
    Nein, die Cowboymethode ist da nicht wegweisend. Rumballern kann schließlich fast jeder.
    Ich hoffe, dass unsere Polizei das auch mit anderer Taktik noch hinbekommt. Manchmal sind sie weiter als sie uns mitteilen dürfen, und hier geht es eindeutig um mehr als 100kg Gold. Hier geht es um Vertrauen und dessen Wiedergewinnung.

    Spekulativ gesprochen wäre die korrekte russische Methode Mannstärke zeigen, Einkreisen und von der Schußwaffe nur im Notfall Gebrauch machen. Nur von gestellten und lebenden Personen gibt es Informationen über Auftraggeber und weitere Hintermänner.
    Ich hoffe hier, dass geplant war über Erpressung Geld zu generieren. So bleibt die Chance alles wieder unversehrt über Bitcointransfer und Co. zurückzubekommen.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Bleibt zu hoffen, dass das ein Privatsammlerauftrag war, und die Preziosen nicht als Hochzeitsschmuck enden.
    Vielleicht gelingt ja noch ein Überraschungs-Coup, aber diesmal von der richtigen Seite.
    Kommissar Zufall, oder?


    PS: Gold ist nach dem Einschmelzen nicht mehr nachzuverfolgen. Die Steine sind im Schliff und im Ursprung bekannt. Aber auch das wäre die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

    Da hilft nur Nachverdichtung und das meines Erachtens unter Nutzung des bestens funktionierenden Leitbautenkonzeptes.
    Braucht neben den entsprechenden Geldmitteln auch den deutlich formulierten politischen Willen. Kürzlich in Dessau hat es nicht geklappt. Magdeburg zeigt auch deutliches Widerstandspotential in Sachen Stadtreparatur, und zu Zerbst fehlen mir leider die Informationen. Das zitierte Kaliningrad wird uns vielleicht noch überraschen. Denke, dass Kaliningrad in Respekt zu den Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges noch in die Bremse tritt und daher jeglichen Anschein einer zu vermutenden Regermanisierung vermeidet. In Deutschland gibt es ja bekanntlich andere weitgehend ideologisch basierte Gründe der Vermeidung der Rückgewinnung verlorener Stadtbilder, die mitnichten deutlich schwächer und substanzloser begründet sind. Aber die Front bröckelt immer mehr und gibt Hoffnung, auch für finanzschwache Orte wie Zerbst.

    Gut recherchiert, aber auch dieser Artikel krankt, trotz seines akzeptablen Inhaltes, vergleichbar mit den sehr kritisch betrachteten Thesen des beklagten Chefideologen, an einer teilweise sehr übertriebenen Anhäufung von Fremdwortkonstrukten. "Exkludierend, segredierend". Das mag dem Ganzen einen hochakademischen Anstrich verpassen, schränkt aber leider die Verständlichkeit des Textes auch für einigermaßen gebildete Kreise in unangemessener Weise spürbar ein. So geht es auch mir als überwiegend naturwissenschaftlich begabten Akademiker. Gott sei Dank benötige ich aufgrund des früheren Erwerbs des "Kleinen Latinums" noch nicht den Universalübersetzer, plädiere aber grundsätzlich für eine auch dem Durchschnittsbürger verständlichere Darlegung akademischer Streitthemen.
    Meine 2 cent für heute Abend.

    Mir ist im ehemaligen Reichsgebiet nur eine Synagogenrekonstruktion der neueren Zeit bekannt, die sich deulich an den Vorgängerbau anlehnt, und das ist die 2018 wiederhergestellte Neue Synagoge in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg. In Deutschland selbst wird es wohl nicht zu annähernden 1:1 Rekonstruktionen kommen, sondern eher zu Architektenwettbewerben, die voraussichtlich mit teils extremen Brüchen zur baugeschichtlichen Vergangenheit enden. Was dabei rauskommt müssen die betreffenden Gemeinden (er)tragen. Hoffe, dass das Beispiel Kaliningrad in Deutschland Nachahmer findet. Natürlich dient eine Synagoge der Zusammenkunft, und muss heutzutage, nicht nur aus aktuellem Anlass, auch auf dem neuesten Stand der Absicherungstechnik sein. Insgesamt betrachtet dürfte sich dabei eine Rekonstruktion nicht zwingend ausschließen. Letztendlich haben jedoch die Gemeinden als Nutzer das letzte Wort, auch zur äußeren Gestaltung.

    Dass es in Hessen auch anders geht zeigt unter anderem der Steinweg in Marburg, der Anfang des Straßenzugs zwischen Elisabethkirche und Oberstadt. Da kommt auch keine Feuerwehr mehr durch, aber trotzdem dürfen Tische, Stühle und Schirme ganztags draussen bleiben.
    Wirklich, ein Schelm der dabei Böses denkt. :kopfschuetteln:

    Der Sieger schreibt die Geschichte. Aufgrund des durch nur eine sehr aggressiv handelnde Nation zu verantwortenden mörderischen Krieg, auch wenn manche Nationen sich anfangs an den Raubzügen beteiligten, wie die Sowjetunion die sich an Ostpolen bereicherte, gab es zum "Endsieg" eben nur wenig Mitleid mit dem deutschen Volk und seiner weiteren Geschichte. Dass letztendlich binnen zwei Generationen eine extrem aufgeklärte aber auch lange geteilte Nation entstand konnte man 1945 noch nicht erahnen. So wurde den Fragmenten des Deutschen Reiches anfangs und für längere Zeit weder die Einigkeit noch die Emanzipation zu den Siegern zugestanden. Da hatte es das postnapoleonische Frankreich deutlich besser. Aber Napoleon hat "nur" einen harten Krieg geführt. Ethnische und rassische Säuberungen fanden in der Regel nicht statt. So hatte Frankreich deutliche Restsympathien, die es auch sehr geschickt auf dem Wiener Kongress nutzte. Für die Fragmente Nazi-Deutschlands gab es das bis auf das Territorium Österreichs nicht. So müssen die Nachgeborenen mit diesen Gegebenheiten lernen zu leben.
    PS: Die alten deutschen Ortsbezeichnungen dürfen in Polen kraft Gesetz in deutschsprachigen Publikationen und im öffentlichen Leben und nicht nur im historischen Kontext benutzt werden. Im russischen Kaliningrad und Rayon wird es zumindest geduldet.
    In Tilsit/Sowjetsk gibt es sogar eine sehr ernst zu nehmende Stimmung zur Rückbesinnung und Rückbenennung auf den historischen Namen.
    Die europäischen Sanktionen gegenüber Russland sind zurzeit aber nicht beflügelnd für derartige Vorhaben.

    Ich halte mich heute im Wesentlichen aus politischen Diskussionen raus, da ich beruflich und aus anderer Erfahrung oft erfahren musste, dass manche Persönlichkeiten aus Parteitaktik und Profilierungssucht öffentlich Meinungen vertreten haben, von denen sie sich jedoch unter den Bedingungen der Schweigepflicht oder unter erheblichem Alkoholeinfluss deutlich distanzierten.
    Leider verbietet es sich mir Ross und Reiter zu nennen.
    Nur gibt das auch zu diesem Thema zu denken, inwieweit die in der Öffentlichkeit stehenden Charaktere und Meinungsbildner, wohlgemeint aus allen Lagern, Gegner wie Befürworter, uneigennützig ihre Meinung vertreten.
    Das ganze krankt eindeutig an der manifestierten ideologischen Überfrachtung dieses Bauwerks.
    Mein Appell: Kann man nicht die Kirche, einfach Kirche sein lassen!