Posts by Markkleeberger

    ..Ich habe vor einigen Jahren einen Freund gebeten, der beim Bundestag für einen Abgeordneten gearbeitet hat, eine Eingabe mit einbringen zu lassen, die im Wortlaut etwa so ging:


    In den letzten Kriegstagen im April und Mai 1945 wurde die Reichshauptstadt Berlin zur Frontstadt. Die russischen Armeen kreisten die Stadt ein und drangen vor allem von Osten her in das Stadtzentrum. Obwohl alle größeren Ministerien und staatliche Einrichtungen Berlin verlassen haben, blieb Adolf Hitler und damit die Führungsspitze in der Stadt. Etliche deutsche Truppenverbände waren in der Stadt geblieben, um sich der russischen Armee entgegen zu stellen. Es sollte ein tagelanger Kampf werden, bei dem die Russen Haus um Haus erkämpfen mussten. Ihr Ziel war die Wilhelmstraße (Reichskanzlei) und dass umliegende Regierungsviertel.
    Die Spree stellte ein natürliches Hindernis für die russischen Verbände da. Sie mussten die wenigen, verbliebenen Brücken überqueren um weiter westwärts zu gelangen. Die Deutschen nutzen dies und verstärkten den Widerstand an den Brücken. Durch die städtebauliche Situation bei der Museumsinsel gab es hier mehrere Möglichkeiten die Spree zu passieren, somit verstärkten die Deutschen auch in dieser Gegend ihre Anstrengungen, dass überqueren der Brücken durch die Russen zu verhindern. Im Schatten der Nationalgalerie, des Alten und Neuen Museums müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Unterhalb des Schriftzuges „Der deutschen Kunst“ haben sich bis heute an dem Säulengang vor der Alten Nationalgalerie Spuren hinterlassen, die davon künden, welche kriegerischen Auseinandersetzungen hier stattfanden, wie die Wucht der von Deutschland ausgehenden Aggression sich vollends umkehrte. Die Säulen und Stelen sind teilweise übersäht mit Einschusslöchern. An manchen Stellen zwar notdürftig durch Sandsteineinsätze gesichert, aber im Gesamten zeigt sich dieses geschichtliche Zeugnis so, wie es 1945 entstanden ist. Gleiches zeigt sich noch gegenüber des Pergamonmuseum, an dem Eck-Gebäude Dorotheenstraße /Am Kupfergraben. Auch hier sind deutliche Einschusslöcher zu sehen.
    Würde aber der oben genannte Säulengang nun so saniert werden, dass sich keinerlei Spuren mehr fänden ließen von dem, was sich in letzen Kriegstagen dort ereignet hat, verlören wir dadurch nicht ein besonders authentisches Stück sichtbare Geschichte? Welches eindrucksvoller und ermahnender an die Dinge erinnert, als jedes abstraktes Denkmal.


    Auch wenn ich einer großer Fan des Wiederaufbaus, Sanierung und Rekonstruktion der Museumsinsel und ihrer Bauten bin und das Thema seit Anfang neunziger Jahre verfolge, aber bei den Säulen habe ich die oben genannte Meinung! Und finde es sehr beruhigend, dass es so kommt, wie es nun kommt.

    Wobei es noch nicht mal eine richtige aluminium-vorhangfassade ist, denn die wurde einfach auf ein Holzgerüst genagelt, weil man sich noch nicht anders zu helfen wusste.. was die Hauptpost für mich jedoch nochmal reizvoller macht.. Man darf nicht vergessen, der Entwurf für die Hauptpost wurde vier Jahre nach Fertigstellung der Oper Leipzig vorgelegt, 1964. Es ist ein Zeugnis des radikalen Kurswechsels, welcher Anfang der 1960er Jahre stattfand. Die DDR wird eigenständig in der baulichen Gestaltung und suchte eine eigene, am internationalen Trend orientierte Formensprache.
    Bei der Grundsteinlegung 1961 wurde eine kupferne Hülse eingemauert, die unter anderem eine 1590 einsetzende Chronik der Leipziger Post und Satz der einst gültigen Postwertzeichen enthält - die müsste auch noch da sein.

    ..was war denn die genaue Begründung der Stadt dieses Projekt abzulehnen?
    Die Sturheit der Dresdner Politiker (Stichwort WSB) wird bald schon legendär. Aber wie kann man denn nur dagegen sein?
    Man könnte bei dem Kollhoffprojekt schon fast denken: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf ...
    Wirklich schade!


    Und gerade jetzt in Anbetracht der Mehrkosten.. Es ist wirklich ein Skandal, einer von von vielen mittlerweile..
    Aber sowas wie die Centrumsgalerie wird genehmigt?? Traurig.
    :kopfwand:

    ..Und das die Landschaft direkt um Leipzig herum einen, sagen wir mal, etwas spröden Charme hat, ist auch schon früheren Bewohnern aufgefallen,
    so heißt es bei Robert Schumann, 1828:


    Die Natur, wo finde ich sie hier?
    Alles durch Kunst verschnörkelt:
    kein Thal, kein Berg, kein Wald, wo
    ich so recht meinen Gedanken nachhängen könnte.


    oder bei F.C. von Savigny, 1799:


    Doch hat Leipzig nicht sowohl eine schlechte Gegend als gar keine;
    das Auge wird durch die umgebenden Baum- und Wiesenpartien nicht
    befriedigt, müde sucht es nach einem Berge umher
    und findet keinen.


    etwas anders von Tobias Kurzbauch, 1803:


    Endlich sahen wir nach vier übel zugebrachten Nächten das schöne Leipzig in nebelgrauer Ferne vor uns liegen. Mein Jettchen weckte mich mit ein paar kräftigen Rippenstößen aus dem Schlummer. Eine reizende Allee dehnte sich vor unserem Blicke aus, als der Wagen durch die äußeren Thore von Leipzig flog. Alle Arten von Mode schimmerten durch die Linden hervor, und nie sah mein Auge wohl mehr Abwechslungen, als hier. Leipzigs schöne Welt lustwandelte unter den Blühten der Kastanien, und jede Menschenklasse fand in diesem Distrikte wenigstens etwas für ihren Geschmack. ... Leipzig ist der Maastab des guten gereinigten Geschmacks.

    ..Natürlich ist es interessant über den Sanierungsgrad der Leipziger Bebauung zu disputieren, auch solche lustigen Vergleiche: Leipzig mit (wirklich netten) Provinzstädtchen wie Freiburg im Gegensatz zu besprechen hat sicher auch seinen Reiz, aber es wäre schön, wenn es hier mal wieder um das "eigentliche" Thema gehen würde, also um die Sanierungs und Bauprojekte einer Stadt, die an Masse und Qualität einen Bau- und eben Sanierungsgrad erreicht hat, wie er neben Berlin und Prag sicher weltweit nicht so häufig vorkommen dürfte, untertrieben ausgedrückt.
    Gerade diese weltweite Einmaligkeit einer Innenstadt, die sich dem Gedanken einer Mustermesse derart verschrieben hatte und baulichen Ausdruck fand und in seiner Originalität bis auf unsere Zeit gekommen ist, sollte im übrigen einen Weltkulturerbetitel verdienen und das meine ich ernst. :)


    :gutenacht:

    Laut Informationen der Neumarktgesellschaft sollen aber doch in der Rampischen Straße "zumindest" die Nr. 9 und Nr. 19 als Leitfassaden wieder hergestellt werden.
    Da heißt es:


    "Im Fall des Fibona Hotels, das auf der Rampischen Straße 19 – 21 entstehen soll, habe es deshalb unzählige Gespräche zwischen dem Investor, Stadtplanungsamt, Denkmalpflege, Gestaltungskommission und dem Ausschuss für Denkmalpflege gegeben. „Wir haben erreicht, dass die Höhe der Gebäude reduziert wird, die Dachgauben zurückgesetzt werden, die Nr. 19 als Leitbau nach historischem Vorbild entsteht, die Nr. 9 nicht nur eine Leitfassade bekommt, sondern auch von der inneren Struktur her entsprechend den Erkenntnissen über den historischen Zustand gestaltet wird.“


    23. Mai 2008

    :?:


    Eines verstehe ich nicht..
    da will ein Investor mal kein Hotel bauen, will dafür mehrere Leitbauten "mit insgesamt 15 Ladeneinheiten, zwei Restaurants und 40 Wohnungen" schaffen, an einem Grundstück, wo er bereits 1,3 Mio an Vorplanungen ausgegeben hat und darf jetzt nicht mehr zum Zuge kommen, weil der Stadt plötzlich einfällt, Gestaltungssatzungen auszustellen, während nebenan der größte HotelRuhrpottschrott des Wiesbadeners und am Postplatz ein ECE-bunker entsteht, den man seit Magdeburg in seiner Einfallslosigkeit und Belanglosigkeit nicht mehr für möglich gehalten hat..
    Kann man denn nicht mal Jean Nouvel, oder wenigesten Kollhoff für so eine Stelle einsetzen.. Oder soll der Kulturpalast ein gestalterisches Pedant erhalten?
    Die sächs. Landeshauptstadt sollte wirklich ihre Zeugnisse historischer hochkarätiger Bauten schützen.. (und sei es in der Wiederherstellung der gelungenen Entwürfe) - denn neues "Außergewöhnliches" wird in dieser Stadt scheinbar nicht mehr entstehen.. Solch einen ästhetischen Anspruch haben heute andere Städte übernommen.


    Armes Dresden! Kann man sich nur ins Auto schwingen und über die Betonschlösschenbrücke fliehen.. 8)

    Grottensaal im Dresdner Zwinger könnte teilsaniert werden
    Dresden. Dem Grottensaal des Dresdner Zwingers steht möglicherweise eine Teilsanierung bevor. „Es hängt davon ab, ob die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden das wollen“, sagte Ludwig Coulin, Baudirektor des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, am Mittwoch in Dresden. Sollte dagegen ein modernes Museum gewünscht werden, würde es nicht zur Teilsanierung kommen. Zur Zeit gebe es aber noch keine Pläne, den Saal zu rekonstruieren, fügte er an. Der Grottensaal ist Teil des Mathematisch-Physikalischen Salons im Zwinger, wo Uhren und wissenschaftliche Instrumente vom 16. bis zum 19. Jahrhundert gezeigt werden. Der Salon soll bis 2010 für 12,5 Millionen Euro saniert werden.


    Der Grottensaal war 1714 im Erdgeschoss des Mathematisch- Physikalischen Salons im Zwinger angelegt worden und unter anderem mit Skulpturen von Balthasar Permoser ausgestattet. Archäologen entdeckten bei Vorarbeiten zur Sanierung des Salons im Mai die unterirdische Wasserversorgung für die Brunnen im Grottensaal.


    Für den Fall der Teilsanierung könnten die Original-Skulpturen Permosers wieder in den Saal zurückkehren, sagte Coulin. Dann wolle er auch nicht ausschließen, dass zumindest Teile der originalen Brunnen und Wasserspiele im Grottensaal wieder ihren Platz finden könnten. Das hänge davon ab, ob und wie die Feuchtigkeit auf die ausgestellten wissenschaftlichen Objekte einwirke.


    Die archäologischen Funde im Grottensaal bezeichnete Coulin als „sensationell“. Bei den Arbeiten zur Restaurierung des Historischen Grünen Gewölbes seien weit weniger Objekte gefunden worden. Zahlreiche Schnecken-, Muschel- und Korallenformen aus Stuck würden die Ausstattung des Saales andeuten. „Die Funde sind ein Glücksfall, um die originale Farbgestaltung des Saals nachzuvollziehen“, sagte Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie. Der Raum sei ocker ausgemalt gewesen, mit einem golden schimmernden Glasglitterbelag.


    dpa
    © DNN-Online vom: Donnerstag, 5. Juni 2008

    LVZ 27.05.2008, in Zusammenarbeit mit Leipzig Fernsehen


    Rathaus vermarktet Gründerzeit


    Leipzig. Leipzig startet einen neuen Versuch, seine Gründerzeit zu vermarkten: Im Rathaus wird jetzt dafür ein Pilotprojekt angeschoben, das die Europäische Union initiiert hat, um das europäische Kulturerbe besser zu erschließen. Leipzig wurde neben Amsterdam und Genua als Modellstadt ausgewählt.


    Hinter dem EU-Projekt verbirgt sich im Wesentlichen eine Präsentation im Internet – allerdings in einer hierzulande neuen Qualität. Sie soll Touristen in die Lage versetzen, vor ihrem Trip an die Pleiße die Gründerzeit virtuell zu analysieren – und das nach Kategorien wie Wohnen, Gastronomie oder Kultur. Dabei wird jeder die ihn interessierenden Objekte anklicken und sich anschließend einen Routenplan für einen individuellen Stadtrundgang ausdrucken können. Natürlich wird dieses Internet-Angebot auch gleich mit den Buchungsangeboten der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH verlinkt, wodurch Interessenten am heimischen Computer gleich noch ihre Unterkunft und andere Aktivitäten buchen können.


    Neben ausführlichen Textinformationen sollen im Netz auch Fotos, Dia-Shows und Videos zu einzelnen Gründerzeit-Objekten abrufbar sein. Darüber hinaus wird ein Audio-Angebot unterbreitet, das sich Interessenten via Internet auf ihre MP3-Player laden können. Dieses „Hörbuch“ liefert später dann beim individuellen Rundgang durch Leipzigs Gründerzeitquartiere objektbezogene Erklärungen.


    Im Rathaus laufen die Fäden für dieses Projekt bei Susanne Heydenreich vom Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) zusammen. Die promovierte Geographin hat den Auftrag, das Angebot bis August 2009 so zu erstellen, dass es zumindest für einige Stadtteile ins Netz gestellt werden kann. „Unsere Anstrengungen konzentrieren sich zunächst auf die Gründerzeitquartiere im Leipziger Westen“, sagt sie. „Durch die vielen Galerien und guten gastronomischen Angebote gibt es dort die besten Voraussetzungen, Touristen interessante Offerten zu unterbreiten.“ In Gründerzeitquartieren wie dem Waldstraßenviertel gebe es zwar auch attraktive Objekte – doch für individuelle Touren sei das Viertel noch nicht optimal erschlossen. „Viele Sehenswürdigkeiten befinden sich dort in den Häusern, zum Beispiel in Form von wunderschönen Treppenaufgängen“, sagt die Projektleiterin. „Die sind für individuelle Besucher in der Regel verschlossen.“


    Für den Leipziger Westen werden derzeit die Objekte zusammengestellt, die bald im Internet auf der interaktiven Karte als anklickbare Fähnchen zu finden sein sollen. „Die Auswahl hängt davon ab, ob es genug Infos, Fotos oder Videos über die Objekte gibt“, sagt Heydenreich. Weil die Zahl der touristisch interessanten Gründerzeit-Objekte groß ist, wollen Heydenreich und ihr Mitstreiter Tilo Köppig die Angebote „in verschiedenen Ebenen“ präsentieren.


    So ist zum Beispiel vorgesehen, in der Internet-Präsentation eine Rubrik “Übernachten in der Gründerzeit“ einzurichten. „Wir wollen, dass die Besucher wählen können, ob sie in Gründerzeitvierteln übernachten, in einem Gründerzeithaus oder in einer stilecht ausgestatteten Gründerzeitwohnung“, sagt Heydenreich.


    Weil die Arbeit am Internet-Auftritt im August 2009 abgeschlossen werden soll, hängt jetzt viel davon ab, wie aktiv die Eigentümer von Gründerzeit-Immobilien werden. „Wir würden neben dem Leipziger Westen auch gern noch das Waldstraßenviertel aufnehmen“, sagt die Projektleiterin. „Auch das Bach- oder das Musikerviertel. Aber das ist nur zu schaffen, wenn uns die Bürgervereine und die Eigentümer unterstützen.“


    Andreas Tappert

    8)


    romantisierend.. als junger Mensch darf man das vielleicht.. :gg:



    Aber diese Uni hat auch nicht die Ehrendoktorwürde für den jüd. Verleger Henri Hinrichsen zurück genommen, obwohl die Nazis das verhement gefordert haben.. Man gab die lapidare Begründung, dass die Rassenzugehörigkeit ja nichts über seine Verdienste aussagt, die eine Rücknahme des Titels begründen würde.
    Es gibt immer Licht und Schatten.. Man neigt nur heute dazu, sich immer am Schatten zu orientieren.