Posts by Brandmauer

    Vielleicht kann man die Verzögerung des Vorhabens benutzen, um in der Zwischenzeit nochmals für eine historische Rekonstruktion des Petritores zu plädieren, da sonst dieses Gebilde aus Bürogebäude plus Etwas kommt?

    Im Zuge der Sanierung soll das Hanauer Rathaus wieder Sprossenfenster bekommen:
    https://www.faz.net/aktuell/na…ird-saniert-15948732.html
    Ein Zitat aus dem Artikel '' Die Veränderungen sind von außen wahrnehmbar, die Fenster aus den sechziger Jahren werden durch Sprossenfenster mit Rahmen aus Holz ersetzt.''
    Das ist eine sehr wichtige Verbesserung. Fast jeder hat wohl das Bild des an sich wunderschönen Gebäudes vor Augen, das aber durch die modernen Fenster dann doch ziemlich verhunzt wird.

    Es muß mit der heutigen Bautechnik doch möglich sein, den Turm von St. Jakobi so zu verstärken, daß er wieder seine angestammte Haube tragen kann. Das wäre natürlich wohl viel teurer als so ein Hanauer Stahlskelett, würde aber das Stadtbild sehr bereichern statt beeinträchtigen. Ganz Hildesheim ist schon eine Erinnerung an die Zerstörung, da braucht es nicht extra ein Stahlgerippe darüber.. Man sollte also m.E. warten, bis die nötigen Mittel für eine Verstärkung des Turms und einen wirklichen Turmhelm da sind.
    Die Rekonstruktion am Marktplatz durch Simon Hoberg ist eine großartige und unerwartete positive Nachricht für Hildesheim!

    Somit haben die Rekonstruktionsfreunde dann noch sehr viel Zeit, auf den Investor und die Öffentlichkeit einzuwirken, auf daß die Pläne sich ändern und die Essighaus-Fassade handwerklich rekonstruiert wird, nicht als experimentelles 3-D-Print Konstrukt!

    Viel schlimmer ist nach wie vor, dass die prächtige Renaissance-Fassade Nr. 22 nicht rekonstruiert wird, um das Ensemble zu vervollständigen. Ausgerechnet hier kommt auch kein historisierender, sondern der wohl modernste Entwurf dieser Straßenseite.

    Sowieso werden bisher nur wenige verputzte (Barock-) Giebel rekonstruiert, nicht die vorher prächtigsten gotischen und Renaissance-Giebel, wie man sich wünschen würde. Vielleicht aus Kostengründen, weil diese aufwändiger und damit teurer sind? Oder ist es der Scheu vor der ehemaligen Pracht, da diese nach der Zerstörung immer noch nicht als ''ehrlich'' gilt?

    Habe gerade diese interessante Internetseite über die Geschichte Wesels gefunden: http://www.zeitreise-wesel.de/index.php?seite=1


    Man sieht, so ganz unbedeutend war Wesel nun auch wieder nicht!

    Wie man in dieser Präsentation auf Anhieb sieht, gab es noch eine zweite große Stadtkirche in Wesel neben dem Dom, eine mittelalterliche Pseudobasilika Kleverländischen Stils, die Mathenakirche. Sie ist durch das Bombardement und den Wiederaufbau heute ebenso spurlos verschwunden wie das historische Viertel drum herum. Heute steht dort ein Kaufhof. Die Situation erinnert also an die der Bremer Ansgariikirche. Langfristig wäre eine Rekonstruktion also möglich, hier aber wahrscheinlich noch utopischer als in Bremen.. Auf jeden Fall war die Mathenakirche, an den Bildern zu beurteilen, ein sehr wichtiges, erstklassiges Baudenkmal.

    Das letzte Bild in der Bildstrecke zeigt das für Stadtbild-Deutschland wichtige. Hier würde eine wichtige Straße in der Pforzheimer ehemaligen Altstadt wieder traditionell bebaut werden. Es handelt sich, soweit ich sehe, um ein Areal vor dem Neuen Rathaus. Dieses wird von den aktuellen Planungen, wovon in späteren Beiträgen die Rede ist (die mit dem Modell und dem Investor) noch nicht berührt. Es besteht also vielleicht noch etwas Hoffnung, daß diese für Pforzheim so wichtige Idee noch nicht aufgegeben worden ist, sondern langfristiger angestrebt wird..

    dieses Vorhaben aber von der Denkmalpflege abgelehnt wurde, da der jetzige, plumpe Turmabschluss (den irgendwie fast keiner mag, und der zudem vom Naherholungsgebiet "Maschsee" aus gut sichtbar ist...) zum "Gesamtkunstwerk des Wiederaufbaus" (auch das Kirchenschiff war stark zerstört und wurde vereinfacht wieder aufgebaut) gehört und der "gewachsene Bestand" sichtbar bleiben sollte...

    Ein merkwürdiges ''Wachsen'' war das allemal.. Im Bestand hat es dann wohl extreme Wachstumsschmerzen gegeben...

    Was soll man zu diesem Entwurf sagen? Von guter und dezenter Unterordnung ist natürlich keine Rede. Der Selbstanspruch ist zwar vorhanden, aber das ist, wenn man so will, das einzig Positive. Die Form ist nicht ganz unoriginell, der Kontrast sehr hart.
    Die Baulücke gefällt mir sicherlich noch weniger.
    Ich kann mit diesem Entwurf leben.

    Ich ganz sicher nicht. So etwas neben dem einzigen original erhaltenen gotischen Giebelhaus im Münsteraner Stil (auch wenn es in Bielefeld steht) wäre schlicht eine Katastrophe. Weiß jemand eigentlich, wie es seitdem mit dieser Baulücke weitergegangen ist?

    Hier muß ich dem Niederländer leider voll beipflichten. Eine Fassade aus Beton oder Kunststein aus dem 3D-Drucker ist als ''Rekonstruktion'' eines kunstgeschichtlich so wichtigen Denkmals einfach ein Hohn.
    Hier sieht man, wie sehr Nürnberg Glück gehabt hat, einen Steinmetzen wie Harald Pollmann zu besitzen, der die Pellerhof-Rekonstruktion sowohl initiiert als auch handwerklich ausgeführt hat.

    Es gibt eine nichtstaatliche Initiative, den Bergfried des Tokioter kaiserlichen Schlosses zu rekonstruieren. Es handelt sich dabei nicht um Kriegsschäden, da dieser Bergfried schon im 17. Jh. durch Brand zerstört worden war.
    Die Webseite der Initiative: http://npo-edojo.org/

    @Brandmauer


    Noch etwas nebenbei: der Giebel des Essighauses erinnert mich immer wieder an Teile der leidener Rauthausfassade! Ansonsten sind mir kaum vergleichbare Fassaden bekannt. Ist aber auch logisch: die Fassade des leidener Rathauses wurde von Lüder von Bentheim aus Bremen erbaut, und am Essighaus, dass kurz nach seinem Tod erbaut wurde, hat dann höchstwahrscheinlich einer seiner Schüler gearbeitet.

    Ja, vor allem am oberen Teil des Giebels (''Giebeldreieck'') stimmen viele Elemente genau überein, das Schweifwerk, die Obelisken, die ''elongierten Rundfenster'' (noch keine Ellipsen), sinngemäß auch die übrigen Fenster. (unterschiedlich nur wegen der Funktion: das Leidener Rathaus hatte keine Packböden!) Nicht nur die Elemente sind gleich, sondern auch die Anzahl und die Platzierung derer. Und auch die übrige Fassade ist an beiden Bauten zumindest von der Idee her sehr ähnlich. Wahrscheinlich war das Baumaterial an beiden Fassaden Bentheimer Sandstein.
    Wegen aller Übereinkünften kann die Fassade des Bremer Essighauses wohl als manieristische Variante der Leidener Rathausfassade (genauer: deren Mittelrisalit) gelten!

    In der Böttcherstraße wurde auch ein historischer, hier gotischer, Giebel in einem backsteinexpressionistischen Ensemble eingefügt. Hier stimmen die Proportionen und Materialien des Hauses hinter dem Giebel überein, und die der umliegenden Häusern auch. Beim Balgequartier sollte auch erreicht werden, daß der Giebel des Essighauses nicht bloß ''aufgeklebt'' wirkt. Das heißt, daß der Gebäudeteil direkt hinter dem Giebel dieselben Geschoßhöhen wie der Giebel hat, und ein traditionelles Satteldach hat, damit der Giebel nicht im Leeren steht. Zudem sollte hier die ungünstige Konkurrenz der expressionistischen Dachaufbauten vermieden werden. Für Backsteinexpressionismus ist an den geplanten Häusern/Gebäudeteilen rechts des Essighauses genügend Platz, denn hier gibt es in der Erdgeschoß- und 1. Obergeschoßzone an den Giebeln nichts als zu großen Schaufenstern und kahle Wandteile.
    Der Rückkehr des Giebels des Essighauses an sich ist natürlich eines der größten Rekonstruktionsdesiderate in den kriegsverstümmelten deutschen Städten, und deshalb in fast jedem Kontekst zu begrüßen. Wie Niederländer zu recht bemerkte, ist eine solche Rekonstruktion in kunstgeschichtlich wichtigeren Städten wie Hildesheim (Pfeilerhaus) und Nürnberg (Pellerhaus-Vorderfassade) wohl aus ideologischen Gründen immer noch nicht möglich. Deshalb ist das Projekt in Bremen auf jeden Fall sehr erfreulich, aber der Entwurf müßte im übrigen noch ein Mal überarbeitet werden.

    Wenn man einen Bogen machen würde und die Nathusiussche Häuser, die Ulrichskirche, und längerfristig auch die Jakobikirche rekonstruieren würde - der Platz dafür ist jeweils frei - so könnte man die Größe und Vielfalt der ehemaligen Magdeburger Altstadt für Einwohner und Gäste wieder erlebbar machen. Auch die Stadtsilhouette mit den Doppelturmkirchen wäre bis auf die Katharinenkirche wieder komplett.

    Zum Post nr. 553 von Frank: Bei diesen Entwürfen stellt sich die rhetorische Frage: wenn man sich schon so viel Mühe macht, sich den Originalfassaden anzunähern, warum denn keine richtigen Rekonstruktionen?
    Zu Johan: In Augsburg wäre es vielleicht möglich. Dort gibt es schon den einen oder anderen Neubau in der örtlichen traditionellen Formensprache. Im zentralen Teil Nürnbergs fehlen die fast generell (Hauptmarkt, Uferbebauung an der Pegnitz)

    Wenn in Kassel alle verunstaltete Gebäudestümpfe und Reste von Baudenkmälern so rekonstruierend ergänzt würden, so wäre damit schon viel gewonnen. Hoffentlich ändert diese Rekonstruktion etwas an die Kasseler Gewohnheit, die Reste der alten Stadt lieblos, zerstückelt oder ausgehöhlt, als Mahnmale an die ungeliebte eigene Kultur herumstehen zu lassen. Um wieder etwas von der historischen Altstadt sichtbar und erlebbar zu machen, wäre darüber hinaus dann noch so viel mehr nötig..

    Ich weiß zwar nicht ob es jemanden interessiert, jedoch findet am Montag den 19. September ein Vortrag zum münsteraner Architekten Hans Ostermann statt. Er beteiligte sich beispielsweise am Wiederaufbau der Giebelhäuser. Nach dem Vortrag soll es ebenfalls ein anschließendes Gespräch geben. Dieser Vortrag ist der erste der Reihe „A – Z  Architekten in Münster“, der Eintritt ist frei!

    Ihn oder seinen Kollegen hätte gefragt werden können, weshalb das Knipperdollinckhaus seinen Giebelaufsatz nicht zurückbekam, und weshalb dieses Provisorium uns bis heute so erhalben bleiben mußte.