Posts by Brandmauer

    Daß an dieser Zeile nichts geändert werden bräuchte, damit bin ich nicht einverstanden. Erstens, das zweite Haus von links in der Zeile ist nur mit einem provisorischen Giebel abgeschloßen worden. Hier sollte man den Giebel des Knipperdollinckhauses rekonstruieren, der hier vor der Zerstörung aufsaß, einst einen der bekanntesten gotischen Giebel am Prinzipalmarkt. Die vollendeten unteren Geschoßen lassen vermuten, daß dies auch vorgesehen war, aber es aus unbekannten (finanziellen oder doch ideologischen?) Gründen nicht dazu kam.

    Zweitens, das dritte Haus von Rechts in der Zeile habe ich immer als ziemlich schwach empfunden, zu mager und mit dem merkwürdigen modernistischen offenen Zackenmotiv oben in der Giebel. Die übrigen Häuser in der Zeile sind in der Tat gelungene Neuinterpretationen.

    Die Nord- und Nordwestseite des Andreasplatzes wird heute von einem einheitlichen Riegel von Nachkriegshäusern eingenommen, die zwar in der Grundform an die alte Bebauung erinnert (Satteldach, Schleppgaupen, Rechteckfenster), aber im Vergleich mit den alten Häusern keinerlei künstlerischen Wert hat. Dort, wo vor der Zerstörung künstlerisch und geschichtlich so wichtige Bauten standen, kan man als Wissender darum solche Nachkriegsbauten eigentlich nur als Platzhalter sehen, bis die Zeit für die Rekonstruktion der alten Bauten da ist, d.h. die Nachkriegsbauten verschlissen sind und die wirtschaftlichen Mittel, anders als in der Nachkriegszeit, da sind. Leider denkt der Denkmalschutz genau anders herum, wie auch viele Akademiker, Architekten, Journalisten und Bürger vor allem linksaktivistischen Couleurs das tun. Das ist jammerschade und ohne jegliche echte Grundlage, sei sie ideeller oder materieller Art, aber es ist leider so. Es bleibt zu erhoffen, daß in dreißig Jahren, wenn die Nachkriegsbauten am Andreasplatz wieder sanierungsbedürftig sind, Wohlstand und Zeitgeist eine Rekonstruktion der einmalig schönen alten Bebauung dennoch möglich machen. Aber mit der wachsenden zeitlichen Abstand zur Zerstörung wird das natürlich nicht einfacher.

    Es wird zwar angestrebt,aber in näherer Zukunft wird das wohl nichts mehr

    Von wem wird es angestrebt? Auch mittelfristig wäre das doch fast wie ein Wunder, da beim heutigen ''Pfeilerhaus'' wohl von Denkmalschutz auszugehen ist.. Aber diese Rekonstruktion ist sehr zu erhoffen.


    Auch ist aus meiner Sicht die historische Turmspitze von St. Jakobi wieder ein muss. Ich denke es sollte schon ein richtiger Turmhelm sein, das hätte St. Jakobi verdient.

    Neben dem Pfeilerhaus wäre das im Moment die naheliegendste rekonstruktive Reparatur des Hildesheimer Stadtbildes. Gesehen in der Flucht der Almstraße oder von der Michaelisstraße aus würde er sehr gut wirken. Wer aber würde sich diese Rekonstruktion vornehmen können?

    Als riesiges Flächendenkmal, das über Altstadt, Neustadt, klassizistische Vorstädte bis zur nach wie vor einzigartigen Parklandschaft der Wilhelmshöhe reicht, die mittels der phantastischen axialen Anlage mit der eigentlichen Stadt verschmolzen ist, wäre Kassel schon eine Besonderheit von europäischem Rang, der lediglich die großen Sakralbauten fehlen würde. Das haben ja auch die Briten so gesehen, wie das recht frühe Zerstörungsdatum hinlänglich belegt.

    Auch die besonders große Zerstörungsfläche, die von der Unterneustadt über die Altstadt, Neustadt, klassizistischen und gründerzeitlichen Vorstädten bis hinauf zur Wilhelmshöhe (Villenviertel, Palais und Löwenburg) reicht, zeugt von einer fast neurotischen Beschäftigung mit Kassel und einer gründlichen Lektüre des Baedeker durch diese.

    Mal eine ganz naive Frage: Die Rekonstruktion der Außenfassade ist Pflicht. Das "Projekt" genießt hohe mediale Aufmerksamkeit. Glaubt ihr, daß die Firma von den Vorgaben abweichen kann?

    Es fragt sich dann, wie fest und unverrückbar dieser Pflicht ist, für wen sie Pflicht ist. Wer fordert die Rekonstruktion, wer hat sich darauf festgelegt?

    Vielleicht kann man die Verzögerung des Vorhabens benutzen, um in der Zwischenzeit nochmals für eine historische Rekonstruktion des Petritores zu plädieren, da sonst dieses Gebilde aus Bürogebäude plus Etwas kommt?

    Im Zuge der Sanierung soll das Hanauer Rathaus wieder Sprossenfenster bekommen:
    https://www.faz.net/aktuell/na…ird-saniert-15948732.html
    Ein Zitat aus dem Artikel '' Die Veränderungen sind von außen wahrnehmbar, die Fenster aus den sechziger Jahren werden durch Sprossenfenster mit Rahmen aus Holz ersetzt.''
    Das ist eine sehr wichtige Verbesserung. Fast jeder hat wohl das Bild des an sich wunderschönen Gebäudes vor Augen, das aber durch die modernen Fenster dann doch ziemlich verhunzt wird.

    Es muß mit der heutigen Bautechnik doch möglich sein, den Turm von St. Jakobi so zu verstärken, daß er wieder seine angestammte Haube tragen kann. Das wäre natürlich wohl viel teurer als so ein Hanauer Stahlskelett, würde aber das Stadtbild sehr bereichern statt beeinträchtigen. Ganz Hildesheim ist schon eine Erinnerung an die Zerstörung, da braucht es nicht extra ein Stahlgerippe darüber.. Man sollte also m.E. warten, bis die nötigen Mittel für eine Verstärkung des Turms und einen wirklichen Turmhelm da sind.
    Die Rekonstruktion am Marktplatz durch Simon Hoberg ist eine großartige und unerwartete positive Nachricht für Hildesheim!

    Somit haben die Rekonstruktionsfreunde dann noch sehr viel Zeit, auf den Investor und die Öffentlichkeit einzuwirken, auf daß die Pläne sich ändern und die Essighaus-Fassade handwerklich rekonstruiert wird, nicht als experimentelles 3-D-Print Konstrukt!

    Viel schlimmer ist nach wie vor, dass die prächtige Renaissance-Fassade Nr. 22 nicht rekonstruiert wird, um das Ensemble zu vervollständigen. Ausgerechnet hier kommt auch kein historisierender, sondern der wohl modernste Entwurf dieser Straßenseite.

    Sowieso werden bisher nur wenige verputzte (Barock-) Giebel rekonstruiert, nicht die vorher prächtigsten gotischen und Renaissance-Giebel, wie man sich wünschen würde. Vielleicht aus Kostengründen, weil diese aufwändiger und damit teurer sind? Oder ist es der Scheu vor der ehemaligen Pracht, da diese nach der Zerstörung immer noch nicht als ''ehrlich'' gilt?

    Habe gerade diese interessante Internetseite über die Geschichte Wesels gefunden: http://www.zeitreise-wesel.de/index.php?seite=1


    Man sieht, so ganz unbedeutend war Wesel nun auch wieder nicht!

    Wie man in dieser Präsentation auf Anhieb sieht, gab es noch eine zweite große Stadtkirche in Wesel neben dem Dom, eine mittelalterliche Pseudobasilika Kleverländischen Stils, die Mathenakirche. Sie ist durch das Bombardement und den Wiederaufbau heute ebenso spurlos verschwunden wie das historische Viertel drum herum. Heute steht dort ein Kaufhof. Die Situation erinnert also an die der Bremer Ansgariikirche. Langfristig wäre eine Rekonstruktion also möglich, hier aber wahrscheinlich noch utopischer als in Bremen.. Auf jeden Fall war die Mathenakirche, an den Bildern zu beurteilen, ein sehr wichtiges, erstklassiges Baudenkmal.

    Das letzte Bild in der Bildstrecke zeigt das für Stadtbild-Deutschland wichtige. Hier würde eine wichtige Straße in der Pforzheimer ehemaligen Altstadt wieder traditionell bebaut werden. Es handelt sich, soweit ich sehe, um ein Areal vor dem Neuen Rathaus. Dieses wird von den aktuellen Planungen, wovon in späteren Beiträgen die Rede ist (die mit dem Modell und dem Investor) noch nicht berührt. Es besteht also vielleicht noch etwas Hoffnung, daß diese für Pforzheim so wichtige Idee noch nicht aufgegeben worden ist, sondern langfristiger angestrebt wird..

    dieses Vorhaben aber von der Denkmalpflege abgelehnt wurde, da der jetzige, plumpe Turmabschluss (den irgendwie fast keiner mag, und der zudem vom Naherholungsgebiet "Maschsee" aus gut sichtbar ist...) zum "Gesamtkunstwerk des Wiederaufbaus" (auch das Kirchenschiff war stark zerstört und wurde vereinfacht wieder aufgebaut) gehört und der "gewachsene Bestand" sichtbar bleiben sollte...

    Ein merkwürdiges ''Wachsen'' war das allemal.. Im Bestand hat es dann wohl extreme Wachstumsschmerzen gegeben...

    Was soll man zu diesem Entwurf sagen? Von guter und dezenter Unterordnung ist natürlich keine Rede. Der Selbstanspruch ist zwar vorhanden, aber das ist, wenn man so will, das einzig Positive. Die Form ist nicht ganz unoriginell, der Kontrast sehr hart.
    Die Baulücke gefällt mir sicherlich noch weniger.
    Ich kann mit diesem Entwurf leben.

    Ich ganz sicher nicht. So etwas neben dem einzigen original erhaltenen gotischen Giebelhaus im Münsteraner Stil (auch wenn es in Bielefeld steht) wäre schlicht eine Katastrophe. Weiß jemand eigentlich, wie es seitdem mit dieser Baulücke weitergegangen ist?

    Hier muß ich dem Niederländer leider voll beipflichten. Eine Fassade aus Beton oder Kunststein aus dem 3D-Drucker ist als ''Rekonstruktion'' eines kunstgeschichtlich so wichtigen Denkmals einfach ein Hohn.
    Hier sieht man, wie sehr Nürnberg Glück gehabt hat, einen Steinmetzen wie Harald Pollmann zu besitzen, der die Pellerhof-Rekonstruktion sowohl initiiert als auch handwerklich ausgeführt hat.

    Es gibt eine nichtstaatliche Initiative, den Bergfried des Tokioter kaiserlichen Schlosses zu rekonstruieren. Es handelt sich dabei nicht um Kriegsschäden, da dieser Bergfried schon im 17. Jh. durch Brand zerstört worden war.
    Die Webseite der Initiative: http://npo-edojo.org/

    @Brandmauer


    Noch etwas nebenbei: der Giebel des Essighauses erinnert mich immer wieder an Teile der leidener Rauthausfassade! Ansonsten sind mir kaum vergleichbare Fassaden bekannt. Ist aber auch logisch: die Fassade des leidener Rathauses wurde von Lüder von Bentheim aus Bremen erbaut, und am Essighaus, dass kurz nach seinem Tod erbaut wurde, hat dann höchstwahrscheinlich einer seiner Schüler gearbeitet.

    Ja, vor allem am oberen Teil des Giebels (''Giebeldreieck'') stimmen viele Elemente genau überein, das Schweifwerk, die Obelisken, die ''elongierten Rundfenster'' (noch keine Ellipsen), sinngemäß auch die übrigen Fenster. (unterschiedlich nur wegen der Funktion: das Leidener Rathaus hatte keine Packböden!) Nicht nur die Elemente sind gleich, sondern auch die Anzahl und die Platzierung derer. Und auch die übrige Fassade ist an beiden Bauten zumindest von der Idee her sehr ähnlich. Wahrscheinlich war das Baumaterial an beiden Fassaden Bentheimer Sandstein.
    Wegen aller Übereinkünften kann die Fassade des Bremer Essighauses wohl als manieristische Variante der Leidener Rathausfassade (genauer: deren Mittelrisalit) gelten!