Posts by Villa1895

    Die nachfolgenden Beispiele sind zwar aus dem Elsass. Da dieses seit der Teilung des Frankenreiches im Jahre 843 zu Deutschland gehörte, bis Ludwig der XIV. es nach und nach Frankreich zuschlug (1648 bis 1681), können die Beispiele aus dem Elsass, da vor der Okupation errichtet, unter Deutschland bzw. dem süddeutschen Kulturraum aufgeführt werden.


    Ein Beispiel für Nachgotik aus dem Elsass, wenn ich mich recht entsinne, aufgenommen in Andlau. Man betrachte bitte die steinerne Brüstung der Altane, Aufnahme von 2008:



    Dasselbe Gebäude mit der Altane nebst Brüstung in ganzer Länge:




    Schlettstadt/Selestat im Elsass (einst eine der zehn "Freien Reichsstädte" des Elsass). Der Uhrturm, ist ein Stadttor. Die Wichhäuslein der Gotik wurden übertragen in die Renaissance. Turmhelm und Wichhäuser sind jeweils mit welschen Hauben versehen. Dazu der umlaufende Balkon mit steinerner Maßwerkbrüstung der Nachgotik. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 2008:

    Die Nachgotik war in profanen Gebäuden häufig im steinernen Maßwerk von Brüstungen sichtbar. Also zum Beispiel mit Maßwerk in Formen von Fischblasen etc. Ein sehr bekanntes bekanntes Beispiel sind die Brüstungen im Pellerhof zu Nürnberg, siehe folgenden Link mit Fotos der Nürnberger Altstadtfreunde:

    Pellerhof




    Als Beispiel für nachgotisches Maßwerk an einem profanen Gebäude siehe die Brüstung des Altans (eigentlich ist es eine Gewehrgalerie) der Burg zu Wertheim am Main:


    Es ist bekannt, dass die gotische Architektur im 15. und 18. Jahrhundert in Westeuropa weitergebaut wurde. Es war zwar nicht mehr dominant, aber es wurden immer noch viele Gebäude in diesem Stil errichtet, obwohl viele die Prinzipien der Renaissance übernahmen. Im 17. Jahrhundert wurden in England viele kleinere Pfarrkirchen gebaut, die der vorreformatorischen Ästhetik entsprachen, wie zum Beispiel die Holy Trinity Chapel in Leicestershire. Mehrere große Kathedralen wurden harmonisch weiter ausgebaut, darunter die Westminster Abbey (die 1745 erbaute Westfassade). Dasselbe gilt für Frankreich, wo unter vielen Beispielen die Kathedrale von Orleans (1610-1829) bemerkenswert ist. Viele andere große Kirchen sowie mehrere Bürgerhäuser wurden zu dieser Zeit in Anlehnung an die gotische Ästhetik in Frankreich und Belgien erbaut.


    Mir ist jedoch keine Fortsetzung der gotischen Tradition in Deutschland bekannt. Ich kenne das Nauener Tor in Potsdam, aber kennen Sie noch andere Beispiele der Gotik des 16. bis 18. Jahrhunderts in Deutschland?


    In Deutschland spricht man von der Nachgotik, die es hier auch gab. Siehe hierzu den folgenden Link aus Wikipedia:


    Nachgotik


    Julius-Echter-Kirchen


    Jesuitenkirche Molsheim


    Ein weiteres schönes gotisches Nordportal der Marienkirche zu Frankfurt / Oder:


    Der Ratskeller von Frankfurt / Oder mit dem alten gotischen Kellergewölbe vermittelt eine schöne, urige und gemütliche Stimmung:











    Das Haus Paul-Feldner-Str. 13 wird heute allgemein als "Sauerhaus" bezeichnet. Es ist eines der letzten erhaltenen Barockhäuser Frankfurts/Oder. Eine Madame Damnitz ließ sich in den 1770er Jahren in der Gubener Vorstadt ein spätbarockes, elegantes "Landhaus" errichten. Das Anwesen wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Sauer, dem Begründer der bekannten Orgelbaufirma erworben und zu seinem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Die seinerzeit gleichfalls angebauten rückwärtigen Werkstattgebäude der Orgelmanufaktur wurden in den letzten Jahren abgerissen. Das barocke Hauptgebäude wurde mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Jahre 1997 renoviert.








    Häuserfassaden in der Lindenstraße:





    Ein Haus aus dem Klassizismus:





    Eines der letzten noch unrenoviertes Gebäude der Lindenstraße, wohl aus den 1840er bis 1860er Jahren, stellt uns sinnfällig vor Augen, wie in vermutlich alle Häuser der Lindenstraße zum Ende der DDR-Zeit aussahen:





    Detailaufnahme dieses Hauses:



    Ein etwa zeitgleich mit dem vorigen Haus entstandenes Gebäude, das sich jedoch schön renoviert präsentiert:





    Ein gegen Ende der Lindenstraße gelegenes kleines Haus, das offenbar behutsam renoviert, zu gefallen vermag. Hier bin ich mir, was die Entstehungszeit anbelangt, allerdings nicht sicher. Das Haus könnte entweder vom Beginn oder vom Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts stammen:

    Der als Kaiserliche Oberpostdirektion im Stile der norddeutschen Backsteingotik 1899 bis 1902 errichtete Komplex:






    Das niedrigere Haus war, wenn ich mich nicht irre, das Paketpostamt:



    Ein reicher Schmuckgiebel:



    Um die Fenster wurden glasierte Klinker verwendet:



    Die Portale wurden mit Rosetten und schönen Formsteinen geschmückt. Die Türen sind immer noch dieselben wie 1902:



    Ein Briefkasten aus der Zeit der Kaiserlichen Post darf auch nicht fehlen. Man beachte bitte auch links die schönen schmiedeeisernen Türbeschläge:

    Ein großes Wohnhaus aus der Gründerzeit:





    Und zur Abwechslung mal ein frisch renoviertes Jugendstilhaus:



    Detail eines Hauses aus der Epoche des romantischen Historismus, geschätzt auf ca. 1840-1850er Jahre:



    Auf der anderen Seite des Angers ein Gebäude, das m. E, sowohl Merkmale des späten Klassizismus, als auch des romantischen Histtorismus aufweist:



    Hier Details:



    Blick vom Anger auf eine Baugruppe aus den 1920 er Jahren, im Hintergrund sind die St.-Gertrauden-Kirche sowie ein Hochhaus zu sehen:



    Im Park an der Gertraudenkirche das Denkmal für Heinrich von Kleist, einen Sohn der Stadt Frankfurt / Oder.



    Einige Grabdenkmäler sind noch erhalten, aus der Zeit als diese Anlage noch Friedhof war:







    Hier sehen wir einen Seitenflügel des Altbaues der Europa Universität Viadrina:




    Einige schöne Wohnhäuser aus dem beginnenden 19. Jahrhundert gegenüber dem Park der St. Gertrauden-kirche, der einst ein Kirchhof war:



    Ein vornehmes klassizistisches Haus in der Lindenstraße, die der Gubener Vorstadt in etwa südliche Richtung verläuft. Die Bäume, welche wir hier im Vordergrund sehen, gehören zu einer vierreihigen Lindenallee an die sich östlich der Anger, eine Art Grünfläche, anschließt. Das bewirkt eine schöne Wohnlage, erschwert aber mitunter das Fotografieren:



    Ein Gründerzeitler in der Lindenstraße:



    Das große Gebäude ist dem Klassizismus zuzurechnen:



    Dieses grüne Haus erfreute uns sehr. Das Haus stammt gleichfalls aus der Zeit des Klassizismus:



    Der loggiaartige Balkon im Zwerchgiebel mit reichlich Stuck und dem klassizistischen Dach ist geradezu bezaubernd:



    Ein weiteres klassizistisches Haus schließt sich an. Man beachte bitte auch das kleine Türmchen, das links zu sehen ist. Zu dem dazu gehörigen Haus kommen wir gleich:





    Das sog. "Türmchenhaus", Lindenstraße 28, ist das schönste der wenigen erhaltenen Barockhäuser Frankfurt /Oder. Das Haus ließ Universitätsprofessor Peter Imanuel Hartmann (1727–1791, Professor für Pathologie, Therapie, Chemie und Botanik) 1785 für 2.800 Taler errichten. Das Haus verdankt seinen Namen dem kleinen Belvedere-Turm auf dem Dach, den Hartmann für astronomische Beobachtungen nutzte. Das Haus stand zur Zeit seiner Erbauung 1785 noch frei da.



    Auf dem folgenden Bild ist zwar das kleine Belvederchen kaum zu sehen, dafür kommt die Architektur der Fassade dieses Barockhauses besser zur Geltung:

    Lieber Snork,


    herzlichen Dank, dass du uns an den Detailaufnahmen der spätmittelalterlichen Chorfenster der St. Marienkirche zu Frankfurt / Oder teilnehmen lässt. Für mich freue ich mich umsomehr darüber, da ich von unten gesehen, leider kaum Einzelheiten der Blei- bzw. Glasmalereien und Buntglasfenster erkennen konnte. Die Fensterscheiben sind wirklich großartig. Ist es nicht auch wie ein kleines Wunder, dass diese wunderschönen Fenster schließlich doch wieder an ihren angestammten Ort zurückkehren durften?


    Noch eine Anmerkung zum Thema Kulturkirche. Als wir am 07.09.2019 dort waren, las im Chor ein röm. kath. Priester die Hl. Messe in lateinischer Sprache, was mir noch aus meiner Kindheit vertraut ist. Verschiedne Gebete wurden vom Priester und den wenigen Gläubigen jedoch in akzentfreiem Deutsch gesprochen. Deshalb vermute ich an, dass der Pfarrer kein Pole war. Am folgenden Tag, dem 08.09. ist das Fest Mariä Namen, vielleicht hing die gottesdienstliche Feier in der Marienkirche am Vortag damit zusammen. Jedenfalls hat es uns gefreut. Deshalb nahmen wir auch an der Hl. Messe teil. Es schien uns jedenfalls so zu sein, dass die St. Marienkirche nicht ausschließlich als Kulturkirche verwendet wird.

    Hier noch zwei Beispiele von im krieg zerstörten Barockhäusern in Frankfurt / Oder.
    Große Oderstraße 26: Das Geburtshaus von Heinrich von Kleist:




    Große Oderstraße 15: Das einstige Weinhändlershaus wurde ab 1905 als Oderlandmuseum genutzt:

    Lieber Ursus,


    dass es in Frankfurt / Oder vor dem II. Weltkrieg Häuser aus der Renaissance und noch mehr aus dem Barock gegeben habe, ist nicht meiner Phantasie entsprungen, sondern ich habe das gelesen. Leider kann ich heute nicht mehr sagen, wo ich dies gelesen habe.


    Hier habe ich auf die Schnelle ein altes Foto gefunden, das immerhin beweist, dass es Bürgerhäuser aus der Renaissance in Frankfurt / Oder gab. Es handelt sich hierbei um ein hohes Giebelhaus, das als Eckgebäude auch noch dem Bolfrashaus gegenüber stand. Die Stelle, an der das Haus stand, ist heute frei. Hier wäre eine Rekonstruktion sehr wünschenswert, da zusammmen mit dem Bolfrashaus ein schönes uns malerisches Ensemble entstünde. In der Lindenstraße habe ich ein sehr schönes Barockhaus entdeckt und fotografiert, welches ich demnächst einstellen werde.Leider wurde Frankfurt / Oder im II. Weltkrieg sehr stark zerstört, so dass Vieles untergegangen ist.



    Die Brandenburgische Universität Alma Mater Viadrina (Viadrina ist der lateinische Name des Oderflusses) wurde 1506 gegründet und in der schweren wirtschaftlichen Zeit der Napoleonischen Kriege 1811 aufgehoben. 1991 wurde die Universität als Europa Universität Viadrina neu gegründet. Das heutige Hauptgebäude der Universitas Viadrina ist das einstige Kgl. Preußische Regierungspräsidium Frankfurt/Oder. Es wurde 1898 bis 1903 als Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Frankfurt/Oder aus gelbem Sandstein in Formen des Neo-barock errichtet:










    Das Haupttreppenhaus war zugänglich und wir durften hiervon Fotos aufnehmen. Dieses Treppemhaus ist durchaus repräsentativ und elegant gestaltet, besonders das Geländer, das neben dem Neorokoko auch schon etwas Jugendstileinfluss aufweist:















    Das als Logenhaus der Freimaurerloge zum aufrichtigen Herzen errichtete klasizistische Gebäude, wird heute von der Europa Universität Viadrina genutzt:

    Das Kleistmuseum ist, was den Altbau angeht, aus der Zeit des Rokoko. Der unlängst erfolgte Anbau sieht in meinen Augen aus, wie ein kantiger Klotz mit Schießscharten und passt zu dem eleganten Altbau wie die Faust aufs Auge. Auf dem Bild haben wir den modernen Anbau weggelassen, bis auf ein kleines Stückchen, rechts angeschnitten ist:



    Gegen die Oder hin haben einige Häuser den April 1945 überlebt:



    Das barocke Junkerhaus, heute beherbergt es das Viadrina Museum:






    Die Friedenskirche (einst Franziskaner Kirche):



    Ein Jugendstilhaus am Markt:

    Der Nordgiebel des Rathauses mit dem Turm:





    Im Chor der Marienkirche befinden sich drei herrliche Bleiglasfenster. die zwischen 1360 und 1370 entstanden. Die im Stil der Gotik gefertigten Fenster bestehen aus insgesamt 117 Bildern, die jeweils 83 mal 43 Zentimeter groß sind und von Bürgern der Stadt finanziert wurden. In einer Art Bilderbibel stellen die Fenster die Schöpfungsgeschichte der Welt, das Leben Adams und Evas, den Bau der Arche Noha, das Leben Christi und die Legende vom Antichrist dar. Die Fenster waren als Kriegsbeute in die Sowjetunion gelangt und waren 2002 und 2008 zurückgegeben und danach restauriert. Seit 2009 sind sie wieder in der St.-Marienkirche zu sehen:










    Am 07.09.2019 besuchten wir Frankfurt/Oder. Da es leider immer wieder geregnet hatte und der Himmel verhangen war, lassen die Bilder leider zu wünschen übig. Insoweit bitte ich um Nachsicht.



    Frankfurt/O. war einst Mitglied der Hanse, was man vor allem an den beiden Schauseiten des Rathauses und an der mächtigen Marienkirche noch heute, trotz sehr starker Kriegsverluste erkennen kann. Hier das Rathaus:








    Das kürzlich wieder errichtete Bolfrashaus. Es handelt sich um ein großes Eckhaus aus der Renaissance, dessen größte Zierde ein Runderker, welcher mit Köpfen, Reliefs sowie Roll- und Beschlagwerk reich geschmückt ist. Der Wiederaufbau erfolgte mit Mitteln der EU. Vor dem II. Weltkrieg gab es viele Häuser aus der Renaissance aber noch mehr aus dem Barock. Das ist fast alles zerstört. Es gäbe noch viel Platz für Rekonstruktionen.




    Hier der Runderker des Bolfrashauses aus geringerer Entfernung, so dass Details der Steinmetzarbeiten erkennbar werden:



    Blick vom Bolfrashaus (links angeschnitten) hinüber zur 5-schiffigen Marienkirche. Deren hölzerner Dachstuhl ist alleine schon 21 m hoch.







    Ein prachtvolles gotisches Nordportal der Marienkirche mit viel Bauplastik und als Reliefs gearbeitete Wappen:



    Die Marienkirche ist eine Hallenkirche mit 5 Schiffen. Blick ins Mittelschiff und zum Chor, dessen Gewölbe wieder eingezogen wurde. Leider hat man das nur beim Chor gemacht, alle anderen Gewölbe fehlen, man sieht hinauf zum Dachstuhl. Die grünen Bündelpfeiler erinnern uns daran, dass das Gotteshaus Jahrzehnte lang kein Dach hatte und Regen, Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt war. Im Innern wuchsen Bäume, daher auch die grünliche Verfärbung der Pfeiler.



    Ein Foto mit Innenaufnahme aus der Zeit vor dem II. Weltkrieg. Der große gotische St. Marienaltar/Flügelaltar von 1489, den man auf der alten Aufnahme sieht, steht heute in der St.-Gertraud-Kirche.

    Kleiner Nachtrag zum Badepark von Bad Muskau: Gestern hatte ich vergessen dieses Foto einzustellen. Man findet dort diese schöne halbrunde Bank, die zwei Stufen erhöht steht. Sie erinnert mich an eine Exedra und könnte vielleicht noch auf Fürst Pücklers Zeit zurückgehen.



    @ Exilwiener,


    die Frankfurter Paulskirche ist untrennbar mit dem ersten frei gewählten deutschen Parlament von 1848 verbunden, das in der Paulskirche zu Frankfurt a. M. tagte.


    Bei Gründung der Bundesrepublik Deutschland hatte sich der parlamentarische Rat für Bonn als Sitz des Parlaments und gegen Frankfurt als Sitz des Parlaments entschieden:


    Am 8. Mai 1949 legten die Mitglieder des parlamentarischen Rats das Grundgesetz vor. Am 10. Mai erörterte der Parlamentarische Rat die Frage des "vorläufigen Sitzes" (gemeint war der Sitz bis zur Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit) von Parlament und Regierung. Er entschied mit 33 zu 29 Stimmen zu Gunsten von Bonn gegen Frankfurt.



    Der Aufbau der im Krieg ausgebrannnten Paulskirche nach dem II. Weltkrieg in den damals modernen Formen passt überhaupt nicht zur Paulskirche als Stätte des ersten frei gewählten deutschen Parlaments. Mit der Bonner Republik und deren Parlament in Bonn hat die Paulskirche keine Berührung, wenn man von der Tatsache absieht, dass beide Parlamente frei gewählt worden sind. Die Modernisten und Schlafhauben des BAD verschanzen sich abermals hinter dem Denkmalschutz, weil dieser ihnen in den Kram passt. Damit soll dieser auch hier etwas Gutes, nämlich die Rekonstruktion des ursprünglichen Gebäudes, verhindern. Überdies würde die originale Innenausstattung eine sehr viel glaubwürdigere, authentischere und dichtere Atmosphäre vermitteln als der jetztige unterkühlte und karge Zustand.