Posts by etinarcadiameo

    Ich habe einfach ein gutes Gedächtnis.


    Nein, Spaß beiseite: habe ganz simpel bei Google nach 'Dresden Hofkirche Fresken' gesucht und schon auf der ersten Seite der angezeigten Fundstellen wurde auf das Forum Stadtbild Deutschland verwiesen, genauer auf die beiden von mir zitierten Beiträge aus dem genannten Strang. Daß dann ausgerechnet der eine Beitrag von Dir stammte, war natürlich der Clou.

    Die Frage hattest Du schon 2011 gestellt ;-)


    Zitat aus dem Strang 'Dresdens Wiederaufbau vor 1990':


    Eine Frage hätte ich aber: Ist der heutige Innenraum der Hofkirche eigentlich eine genaue Rekonstruktion, oder ist er vereinfacht ausgeführt worden? ich würde fast auf vereinfacht tippen, denn sie wirkt für eine barocke Kirche doch recht schlicht. Ich habe bisher auch noch nie ein Vorkriegsbild des Innenraums gesehen...“


    Antwort von Mitglied Jojojetzt:


    „Hier kann ich dich größtenteils beruhigen, die Hofkirche war auch schon vor dem Krieg sehr schlicht, weil die barocke Planung nie vollendet wurde. So wurde das Hauptschiff nie ausgemalt und das große Deckenfresko nie in Angriff genommen. Als Gründe dafür kommen nach Fritz Löffler in Frage: Der Siebenjährige Krieg, der gewandelte Geschmack des Klassizismus, fehlende Geldmittel.

    Im Hauptschiff verzichtete man beim Wiederaufbau - soweit ich weiß - nur auf ein paar Ergänzungen des 19. Jahrhunderts und die Königslogen. In den Eckkapellen ist die Lage schlimmer, hier gingen einige Fresken verloren. Trotzdem halten sich auch hier die Verluste in Grenzen. Die Hofkirche war innen schon immer eher schlicht und weiß.“


    Hier noch ein Link auf Farbdiaaufnahmen von Fresken der Kapellen:


    https://www.zi.fotothek.org/VZ/ort_index/Dresden/Hofkirche

    1967 sah das Schloß so aus:


    https://media.gettyimages.com/…-1967-picture-id542374755


    Der gleiche Blick heute:


    https://deacademic.com/picture…01cc4854472a68365cba3.JPG


    Das von Baldur Schönfelder geschaffene Relief mit den Taten des Herkules entstand 1976-78 und wurde - laut Online-Archiv des Neuen Deutschland - anscheinend 1980 angebracht.


    https://www.kunst-archive.net/…chsfelde_entwurf/type/all


    Die Nordseite sah um 1900 wohl so aus:


    http://www.schloss-friedrichsf…iedrichsfelde-um-1919.jpg

    Das Staatsratsgebäude gehört auch für mich zu den interessanteren und künstlerisch überzeugenderen Bauwerken der sog. Ostmoderne.


    Seine Proportionen nehmen, wie Rastrelli schon dargelegt hat, natürlich Bezug auf die Schloßfassade, aber ich sehe auch noch eine andere Traditionslinie (darf man das in Bezug auf solch 'modern' genannte Architektur sagen?), die direkt zu Schinkel führt. Das Modulsystem der Fassade findet sich schon bei dessen Schauspielhaus, und überaus große Ähnlichkeit in der Fassadengestaltung sehe ich zu dem nie verwirklichten Projekt eines "Kaufhauses Unter den Linden":


    https://christhard-laepple.de/…f39da502eee53e491c660.jpg

    Das Ganze für eine 270-Grad-Filmprojektion, die ein Reiterballett von 1719 nachstellt. Wie genau kann man sowas eigentlich rekonstruieren? Seinerzeit war ja kein Kamerateam vor Ort.

    Es waren die Kamerateams der damaligen Zeit vor Ort, nämlich Zeichner und Kupferstecher. In den Graphischen Sammlungen Dresden sind diese Blätter, die die Festivitäten und auch die Ballettaufführungen szenisch festhalten, aufbewahrt. Diese bieten zumindest Anhaltspunkte für die Rekonstruktion solcher Aufführungen. Ein Teil der Blätter ist an verschiedenem Ort publiziert, am umfassendsten hier in diesem Band:


    https://verlag.sandstein.de/li…search_jahr=&search_isbn=

    Die Townhouses in Berlin sind kein Ensemble, sondern ein Konglomerat.



    Edit: dergestalt isoliert macht mein Kommentar nicht mehr allzu viel Sinn. Er bezog sich unmittelbar auf einen inzwischen gelöschten Beitrag, in dem als "Bestes Ensemble in Deutschland" (so ja der Strangtitel) die Townhouses in Berlin genannt wurden und folgendes Bild verlinkt war:


    https://upload.wikimedia.org/w…1/Berlin_Townhouses_1.jpg

    Der "Wunderbau" in Wuppertal. Hat jemand im Forum ein Bild zum Urzustand des Bauwerks mit Mansarddach?

    Ein Bild habe ich nicht, aber zwei Links: in dieser PDF-Datei wird auf Seite 5 auf den Wunderbau eingegangen und es findet sich eine Abbildung im Vorkriegszustand.


    http://stadtgeschichte-wuppert…ken_elberfelder_osten.pdf


    Von Hermann J. Mahlberg gibt es eine 1992 veröffentlichte Publikation zum Wunderbau, auf deren Titelseite das Bauwerk mit seinem originalen Mansarddach abgebildet ist:


    https://images-na.ssl-images-a…/images/I/41pdisOyr0L.jpg

    Bauholz und Holz, das für Instrumenten- oder Möbelbau verwendet wird, sind aber zwei Paar Stiefel.


    Bauholz wurde selbstverständlich früher frisch verarbeitet. Meist wurde im Winter gefällt, wenn wenig Saft im Holz war, und dann in der wärmeren Jahreszeit verbaut. Durch den Trocknungsprozeß des verbauten Holzes verkeilten sich die Verbindungen besonders fest, was wichtig war, da ja anders als im Möbel- oder Instrumentenbau die Verbindungen ohne Leim auskommen müssen. Daß z.B. im Fachwerkbau frisches Holz verarbeitet wurde, erkennt man daran, daß diese Bauten alle irgendwie windschief sind und die Balken Trockenrisse zeigen, weil das Holz nach Errichtung arbeitete. Fachwerkbauten oder Dachstühle können deshalb auch mit der Dendrochronologie sehr zuverlässig datiert werden, weil eben das Fälldatum eine Verarbeitung innerhalb der nächsten sechs bis 12 Monate nahelegt.


    Im Möbel- oder Instrumentenbau muß Holz natürlich erst gelagert und getrocknet sein, damit es sich nicht verzieht und reißt und man plane Flächen fertigen kann.


    Vermutlich darf man nach modernen deutschen Bauvorschriften kein frisches Holz mehr verarbeiten, weswegen man beim 'Engel' von nicht genügend getrocknetem Holz gesprochen hat.


    In England z.B. sieht das noch anders aus, da darf für Fachwerk oder Dachstühle immer noch die sog. Green Oak verwendet werden, also frisch geschlagene im Vergleich zur getrockneten Dry Oak.

    Ergänzt sei noch – denn der Wikipedia-Artikel, auf den Fuldataler im zweiten Beitrag verweist, schweigt sich hierüber aus – daß Architekt des "Fürstenhofs", dessen spektakuläre Silhouette wenigstens mich stark an die von Schloß Johannisburg oberhalb Aschaffenburgs erinnert, der aus Donaueschingen gebürtige Wilhelm Vittali (1859 - 1920) war.


    Dieser begann seine Karriere bei den Badischen Staatseisenbahnen und entwarf zahlreiche Bahnhöfe der Höllentalbahnstrecke. Dann war er ab 1890 in Baden-Baden tätig, wo eine seiner ersten Arbeiten das großzügig dimensionierte und aufwendig gestaltete, den noch spätklassizistisch geprägten Straßenzug fast sprengende Wohn- und Geschäftshaus "Goldenes Kreuz" war (späterhin das erste Sanierungsprojekt von 'Baulöwe' Jürgen Schneider). Mit diesem aufsehenerregenden Einstand empfahl sich Vittali nicht nur für den Bau prächtiger Villen in der Kurstadt, sondern gerade auch für einige der in den 1890er Jahren in Baden-Baden neu entstehenden Luxushotels, etwa das weltbekannte "Brenners Parkhotel", aber auch das "Holland-Hotel" (beide leider nur mit reduziertem Fassadendekor und geglätteter Dachlandschaft erhalten) und den Erweiterungsbau des 1957 abgerissenen "Hotel Messmer" (das elterliche Hotel des Dichters Reinhold Schneider, in welchem vier Jahrzehnte lang Kaiser Wilhelm I und seine Gemahlin Augusta während ihrer Sommerfrische in Baden-Baden Quartier nahmen in einer Suite mit Balkon in Blickrichtung Theater und Kurhaus, von welchem aus Majestät täglich die unten wartende Menge zu grüßen pflegte, worauf sogar im Baedeker verwiesen wurde, weswegen Wilhelm sich verpflichtet sah, dieses Ritual stets ordentlich und pünktlich nach der im Reiseführer genannten Uhrzeit zu absolvieren. Schneiders autobiographisches Werk "Der Balkon" hat seinen Titel nach diesem Balkon des elterlichen Hotels. Aber das nur nebenbei.). Bald galt Vittali als Hotelspezialist, und so entwarf er etwa auch den Fürstenhof in Bad Wildungen, ebenso das Hotel Royal in Metz, das Hotel Waldlust in Freudenstadt, das Schlosshotel in Karlsruhe und das Hotel Bad Schachen / Lindau.


    Ab 1905 arbeitete Vittali mehrere Jahre lang in einer Sozietät mit Hermann Billing, dem wohl bedeutendsten Architekten des südwestdeutschen Jugendstils (Kunsthalle Mannheim und Baden-Baden, Kollegiengebäude I der Universität Freiburg).


    Er starb 1920 in Karlsruhe.


    Goldenes Kreuz:


    https://de.wikipedia.org/wiki/…_39,_Kick_Jahrgang_II.jpg


    Hotel Holland (rechts im Bild mit Kuppel):


    https://www.picclickimg.com/d/…phienstra%C3%9Fe-1913.jpg


    Hotel Messmer:


    http://www.bad-bad.de/gesch/maison-messmer2.jpg


    Hotel Waldlust, Freudenstadt (seit einigen Jahren infolge Leerstands ein sog. Lost Place):


    https://www.tagblatt.de/Bilder…ichtslage-des-349636h.jpg


    Schlosshotel, Karlsruhe:


    http://presse.karlsruhe.de/db/…sshotel/14219/sz22_16.jpg


    Hotel Royal, Metz:


    http://art.nouveau.world/wilhelm-vittali


    Hotel Bad Schachen:


    https://foto.hrsstatic.com/fot…Aussenansicht-5-30204.jpg


    Für Gußeisen bietet sich immer noch der klassische Sandformguß an. Man kann aber nicht einfach ein vorhandenes Gußeisenelement abformen, da es beim Erkalten zu einem Schrumpfen von bis zu 2,5 Prozent kommt. Abgeformte und nachgegossene Elemente wären also zu klein. Man muß also zuerst Gußmodelle fertigen, die den Schrumpfgungsprozeß mit einkalkulieren, und kann diese dann abformen.
    Selbstverständlich gibt es aber auch heute noch Firmen, die das können und z.B. für die Baudenkmalpflege Ergänzungen und Komplettrekonstruktionen von Gußeisen oder Zinkguß bewältigen.
    Eine kurze Google-Recherche "Rekonstruktion Gußeisen" liefert entsprechende Hinweise, ich möchte nur eine Firma beliebig herausgreifen. Diese hier hat z.B. die ungefähr zeitgleich zum Zaun in der Herzogin Garten entstandene Anlage der Orangerie des Schweriner Schlosses anhand vorhandener Elemente rekonstruiert und ergänzt:


    https://www.haber-brandner.de/…30c20fe8a80ead6021ad15f53


    Es gäbe also durchaus Firmen, die den Zaun in der Herzogin Garten passend hätten ergänzen können, vielleicht war es tatsächlich eine Kostenfrage.

    Hier ein weiteres Photo aus der Bauzeit des Dachreiters:


    https://vivreparis.fr/wp-conte…ion-fleche-Notre-Dame.jpg


    Das schöne Modell der Zimmermannskonstruktion wird im Musée Carnavalet aufbewahrt:


    http://parismuseescollections.…e-paris#infos-principales


    Diese Seite widmet sich speziell dem Dachreiter und zeigt Nahaufnahmen:


    https://www.notredamedeparis.f…e/architecture/la-fleche/


    Anscheinend bezog sich Viollet-le-Duc bei der Gestaltung des Dachreiters auch auf die Reliquie der Dornenkrone Christi, die seit Napoleon in Notre Dame aufbewahrt wird, oder wie anders soll man den Kranz schmiedeeiserner Ornamente interpretieren, der auf der fünften Abbildung der letztgenannten Seite gut zu erkennen ist? Viollet-le-Duc hat ja auch das aktuelle, aus Bergkristall mit Juwelenbesatz gefertigten Behältnis dieser Reliquie entworfen, und ein Partikel der Dornenkrone war wohl zusammen mit Reliquien des Heiligen Dionysius von Paris und der Heiligen Genoveva von Paris in den Dachreiter eingelassen.

    Das ist für Baden-Württemberg schon etwas besonderes. In den meisten Gemeinden ist man davon weit entfernt, da ja die Denkmallisten faktisch geheimgehalten werden.

    Laut eines Beitrages im 'Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege' (Ausgabe 1/2019, ab Seite acht) gibt es in Baden-Württemberg 110 geschützte Stadt- und Ortskerne, für über 50 davon wurden inzwischen die im Beitrag Tübingers erwähnten 'Denkmalpflegerischen Wertepläne' erstellt.


    https://journals.ub.uni-heidel…dpfbw/issue/view/4363/826

    Ein bemerkenswertes Interview, danke Nothor, daß Du uns darauf aufmerksam machst.


    Den Satz:


    "Eine gute Rekonstruktion kann betroffen machen, weil sie das zwiespältige Gefühl von Kunstgenuß und gleichzeitiger Trauer über den Verlust des Originals auslöst."


    erachte ich für festhaltenswert. Rekonstruieren ist eben nicht, wie so gerne von Seiten der Rekonstruktionsgegner behauptet wird, ein Revidieren von Geschichte, oder schlimmer noch: ein Leugnen eigener, deutscher Verantwortung, was wir immer im Zusammenhang mit im 2. Weltkrieg zerstörter deutscher Kunst und Architektur zu hören bekommen. Für jeden sensiblen Menschen schwingt eben beim Anblick einer Rekonstruktion genau das mit: die Trauer über den Verlust des Originals, von dem die Rekonstruktion stets nur ein Abglanz sein kann. Insofern ist die Rekonstruktion lehrreicher als das Füllen der Lücke mit etwas gänzlich anderem, das auf seine Art Geschichte tatsächlich negiert.