Posts by etinarcadiameo

    Schön, zu wissen, dass Fallarmmarkisen deutlich früher en vigue waren, als ich gedacht hatte.

    Ein anderes, zeitlich frühes Beispiel wäre das Château de Malmaison, ab 1799 Besitz von Napoleon und Joséphine, wo über den Fenstertüren auf der Gartenseite Fallarmmarkisen angebracht waren:

    (Gemälde von Pierre-Joseph Petit, um 1805)

    https://www.kunst-fuer-alle.de/php/flexscript.php?script=watermarkimage&inameshort=41_00325848

    Die kaiserzeitliche Fassung ist mit den Markisen sehr zeittypisch, das Stadtschloß hatte dieser Lichtschutze auch bekommen. 1855 sah es noch ganz anders aus:

    Pardon, auf der Lithographie sind die Markisen eindeutig zu sehen, nur eingeklappt.

    Sie sind auch nicht kaiserzeitlich und auch keine "wilhelminische Geschmacksverirrung", wie es in einem anderen Beitrag heißt, sondern allenfalls eine friedrich-wilhelminische Geschmacksverirrung, denn sie wurden bereits unter Friedrich Wilhelm II angebracht.

    Beweis:

    Schloss Sanssouci von Südwesten :: Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte :: museum-digital:brandenburg

    Spätestens 1918 und noch vor Ende der Monarchie waren sie entfernt, denn in einem Ausstellungskatalog über die Potsdamer Schlösser und Gärten von 1993 finde ich ein 1918 datiertes Foto eines auf der Terrasse von Sanssouci spielenden Kaiserenkel, und dort sind die Markisen nicht mehr zu sehen.

    Auch die Markisen am Berliner Schloß (oder ist doch das Potsdamer Stadtschloß gemeint?) sind deutlich vor-kaiserzeitlich, wie dieses 1830 geschaffene Gemälde von Maximilian Roch (1793-1862) bestätigt, das in der Alten Nationalgalerie hängt.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fc/Maximilian_Roch_-_Lange_Br%C3%BCcke_und_Schloss_1830.jpg?uselang=de

    Die Markisen am Stadtschloss in Potsdam sind anscheinend auch nicht kaiserzeitlich, sondern tauchen bereits auf dieser Lithographie von ca. 1855 auf:

    Teilansicht, Stadtschloß, "Das königliche Schloß in Potsdam". von Potsdam:: Kunst / Grafik / Poster | Antiquariat Clemens Paulusch GmbH

    https://pictures.abebooks.com/inventory/22680024409.jpg

    allerdings erfuhren sie wohl später (wann?) deutlich Zuwachs:

    https://www.maz-online.de/resizer/anL0LdQXuhiCZyE_VY1S4Uj0CM4=/976x709/filters:quality(70):format(webp)/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/AQOYYPBXTYANY2XXB3NT3A6G6I.jpg

    Interessanter Ansatz, das Aufmalen. Heute sicher kostspieliger als echte Backsteine. Aber vor allem: war Backsteinbauweise denn so "noblig" bzw "standesgemäß"? Wäre Sandsteinwirkung nicht angebrachter gewesen?

    Die Architektur des Neuen Palais kommt ja nicht einfach aus dem „Nichts“.

    Wie bei vielen seiner Bauprojekte orientierte sich Friedrich auch hier an berühmten Bauwerken anderer Länder, die ihm durch die Architekturtraktate in seinen Bibliotheken bekannt waren. Nur orientierte er sich diesmal nicht wie so oft an Palladio und Italien, sondern am Palladianismus Englands, wie er ihn aus dem ‚Vitruvius Britannicus' kannte.

    Die Gesamtanlage des Neuen Palais beruht auf den Entwürfen John Vanbrughs für Castle Howard in Yorkshire, Details der Fassade auf dem von Christopher Wren erbauten Barockflügel der königlichen Residenz Hampton Court Palace (die Ochsenaugenfenster und das sichtbare Ziegelmauerwerk).

    1755 weilte Friedrich incognito in Holland. Es folgt ein Zitat nach Hans Kania, Potsdamer Baukunst, Erstauflage 1926:

    „Die abenteuerliche Reise nach Holland mutet an wie ein letzter Jugendstreich, sie zieht aber gleichzeitig einen Schlußstrich unter das Vergangene. Als ‚Kapellmeister des Königs von Polen‘ reiste Friedrich mit dem Oberstleutnant Balbi 1755 nach Amsterdam und dem Haag, dem großen Kunstmarkt Europas. Hier schloß er die Ankäufe neuer Bilder ab, die großen niederländischen Meister, Rembrandt, Rubens, van Dyck gelangten in seinen Besitz. Auch die vielfach hier zum Verkauf stehenden Italiener wurden neu hinzuerworben, soweit ihre Farbwirkung den Niederländern verwandt war. Fortan bestimmten die niederländischen und italienischen Klassiker der Malerei den Geschmack des Herrschers. In Amsterdam berührte ihn ferner der Geist der niederländisch-englischen Baukunst (…). Auch auf diesem Gebiet hat er damit den Abschluß einer Entwicklung erreicht. Die Reise nach den Niederlanden bedeutete für seinen Kunstgeschmack dasselbe wie für Goethe die italienische Reise.“

    Castle Howard:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f3/Castle_Howard_Vit_Brit2_edited.jpg

    Hampton Court:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/Hampton_Court_03.jpg

    Edit: Zum Baumaterial bzw. der Fassadenmalerei findet sich in der Literatur immer wieder der Hinweis, daß es bereits beim Errichten des Seitenflügels mit der königlichen Wohnung - hier wurde mit dem Bau begonnen - Schwierigkeiten bereitete, genügend Ziegelmaterial in hochwertiger Qualität für die Fassaden zu beschaffen, so daß man sich schließlich entschied, die restlichen Fassaden zu verputzen und mit einer Trompe-l'oeil-Malerei zu versehen. Der gesamte Rohbau besteht natürlich aus Ziegeln, für den figürlichen Schmuck und die architektonischen Gliederungselemente wurde Sandstein aus Pirna beschafft. Dieser wurde von der Havel aus transportiert über den heute noch existierenden Schafgraben, der nun im Maschinenteich bei den Römischen Bädern endet, und den 1881 zugeschütteten sog. Palaisgraben, der die Baustelle quasi umrundete.

    Gute Nachrichten aus der Gemäldegalerie!

    Peter Schade, Urheber des Tweets, den Eszuyel hier veröffentlichte, ist übrigens "Head of the Framing department" der Londoner Nationalgalerie.

    Hier sieht man ihn in einem kleinen Filmbeitrag bei der Arbeit mit seinem Team:

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    Aber bis auf das Schiller-Zitat, denn dort ist "Moor" mit Doppel "oo" und nicht "oh", denn es handelte sich nicht um zwei ***** [offizielle SKD-Schreibweise], sondern um die Gebrüder Franz und Karl Moor.

    Ist das jetzt ernst gemeint - oder Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung? Das bekannte, wiewohl verfälschte Zitat stammt mitnichten aus den Räubern, also wird der **** tatsächlich mit oh und nicht mit oo geschrieben.

    Die Verschwörung des Fiesco zu Genua ist damit aber dreifach rassistisch, denn nicht nur taucht 1. ein **** darin auf, dem 2. Schiller in seiner Personencharakterisierung eine "spitzbübische Physiognomie" bescheinigt, sondern man muß sich 3. vergegenwärtigen, daß zweihundert Jahre lang auf den deutschen Bühnen von den Darstellern dieser Rolle Blackfacing betrieben wurde!

    Beethoven kann übrigens nicht rassistisch sein, wie ein obiger Beitrag insinuiert, denn rassistisch sind ja bekanntlich nur Weiße und Beethoven war doch, wie neuere Forschungen "belegen", schwarzafrikanischer Abkunft. Das erkannt man ja schon am Teint und an der Nase. Ähnliches gilt ja auch für Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, Gattin von King George III, der ersten schwarzafrikanischen Königin auf dem englischen Thron.

    Bei LOT-TISSIMO findet man die Angebote zahlreicher deutscher wie internationaler Auktionshäuser (Schweiz, Österreich, Tschechien, Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Spanien, Portugal, Italien, Großbritannien, USA).

    Bei liveauctioneers.com sind Auktionshäuser aus der ganzen Welt zu finden, bei the-salesroom.com gleichfalls, allerdings liegt hier der Schwerpunkt bei britischen Auktionshäusern.

    Französische Auktionen sind großenteils bei Interencheres.com oder Drouot.com gelistet. Eine (vorrangig) französische Händlerseite ist proantic.com.

    Italienische Händlerangebote finden sich bei anticoantico.com.

    Eine internationale Händlerseite (allerdings eher sehr hochpreisig) ist 1stdibs.com.

    In den Niederlanden gibt es ein Äquivalent zu ebay, nennt sich marktplaats.nl.

    In Polen ist dies allegro.pl, in Österreich willhaben.at.

    Lauritz.com und Auctionet.com sind Plattformen für die Onlineangebote vorwiegend skandinavischer Auktionshäuser.

    Koller in Zürich und das Dorotheum haben neben ihren hochkarätigen Auktionen mit hochpreisiger Ware auch etwas günstigere Onlineauktionen.

    Falscher Strang, ich weiß, aber ich habe auf die Schnelle keinen passenderen gefunden und möchte gerne eine aktuelle Nachricht aus Frankreich verlinken.

    Die FAZ berichtet, daß es allem Anschein nach jetzt definitiv zu einer Rekonstruktion des 1844/45 abgetragenen Nordturms der Kathedrale St. Denis kommen wird. Ursprünglich für den Wiederaufbau von Notre Dame in Paris geplante Gelder können umgewidmet werden, da sie dort (wohl aufgrund der hohen Spendenzusagen) nicht mehr benötigt werden. Die Rekonstruktion ist schon länger angedacht gewesen, aber bislang konnte man sich auf keine Finanzierung einigen. Am 23.12.2020 haben die sieben Departements der Île-de-France nun 20 Millionen Euro für das Rekonstruktionsvorhaben freigegeben.

    Der allen bekannte aktuelle Zustand:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedral…Fa%C3%A7ade.jpg

    Die Kathedrale mit Turm:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedral…t_1844_1845.jpg

    Hier der Artikel:

    https://www.faz.net/aktuell/gesell…k-17120070.html

    dass das Bernsteinzimmer durch die Bomben der Roten Armee zerstört und verbrannt wurde.

    Eine kleine historische Korrektur sei erlaubt: Königsberg wurde im August 1944 von der Royal Air Force bombardiert, wobei fast die gesamte Altstadt zerstört wurde und auch das Königsberger Schloß ausbrannte, in dessen Keller die Kisten mit dem Bernsteinzimmer gelagert waren. Die Umzingelung der Stadt durch die Rote Armee erfolgte erst Ende Januar 1945.

    Ludolf

    Eigentlich lassen sich Bahnhöfe gut für Museumszwecke umnutzen, und zwar gar nicht mal primär als Verkehrs- oder Eisenbahnmuseen, sondern auch als Kunstmuseen, wofür etwa das Musée d’Orsay in Paris oder der Hamburger Bahnhof in Berlin Beispiele sind, wie auch zahlreiche kleinere, etwa der Künstlerbahnhof Ebernburg oder das Arp Museum im Bahnhof Rolandseck.

    Ein Exilmuseum hätte in einem rekonstruierten Anhalter Bahnhof natürlich genügend Fläche für Ausstellung und Depot, Restaurierungswerkstätten und Verwaltung gehabt. Bahnhöfe verfügen ja nicht nur über großzügige Nutzflächen, die man prinzipiell beliebig „bespielen“ kann, sondern sind auch darauf angelegt, große Menschenmassen zu bewältigen. Wie jedes funktionstüchtige Museum verfügen sie über ein großzügiges Entrée, in welchem man die Besucherströme kanalisieren und Ticketschalter und Museumsshops integrieren kann, hinzu kommen in der Regel gastronomische Flächen, die sich für ein Museumscafé umnutzen lassen, vom Unterbringen der nötigen Sanitäranlagen ganz zu schweigen.

    Im Falle einer Rekonstruktion des Anhalter Bahnhofs hätte man bei gestalterischer Übernahme der Außenhülle sogar völlige Freiheit bei der inneren Disposition gehabt und hätte nicht die Gegebenheiten eines Bestandsgebäudes berücksichtigen müssen.

    Daß man nun für die Errichtung eines Exilmuseums auf eine Rekonstruktion des Anhalter Bahnhofs verzichtet, mag sehr viele Gründe haben, einer davon war sicher (und da bin ich ganz bei Dir, was den wirtschaftlichen Aspekt betrifft), daß der Anhalter Bahnhof im Vergleich zum jetzt geplanten Museum erheblich größer war. Zum Vergleich: die Nutzfläche des Exilmuseums soll 3.500 qm umfassen zuzüglich weiterer 700 qm für „Freizeit- und Kulturangebote“, allein die große Halle des Anhalter Bahnhofs umfaßte hingegen 10.200 qm!

    - dann aber war die Schildkröte gut erkennbar

    Im homerischen Hymnos an Hermes wird geschildert, wie dieser noch am Tag seiner Geburt die kyllenische Grotte seiner Mutter Maia verließ und dabei auf eine Schildkröte trat, die er prompt tötete, um aus ihrem Panzer den Resonanzkörper einer Leier zu fertigen. Hermes galt damit den alten Griechen als Erfinder der Lyra.

    Vielleicht wird mit der Schildkröte unter dem Fuß des einen Putto auf diesen Mythos angespielt. Ist denn bekannt, welches Instrument dieser Putto ursprünglich in Händen hielt? Vielleicht war es ja eine Lyra?

    Vermutlich handelt es sich um ein Werk des italienischen Bildhauers Giovanni Dupré (1817 Siena - 1882 Florenz). Dupré hat nachweislich ein Werk im Auftrag von Großfürstin Maria von Rußland gefertigt ("Kain" von 1844, Gegenstück zu seinem von ihr aufgekauften "Abel" von 1839, siehe Thieme-Becker Künstlerlexikon). Großfürstin Maria war Schwester von Alexander II und Großfürst Konstantin und damit Schwägerin von Alexandra Iosefowna.

    Dupré stellte auch mehrfach auf Weltausstellungen aus, genoß also internationales Renommée. Nicht auszuschließen, daß die Altenburger Skulptur erst für Petersburg angekauft wurde und dann später als Geschenk nach Altenburg gelangte.

    Die handschriftliche Signatur Duprés weist Ähnlichkeiten zu der in Stein gemeißelten auf:

    https://www.alamy.de/fotos-bilder/g…ml?blackwhite=1

    Hier der im Vergleich zur deutschsprachigen etwas ausführlichere Artikel der englischen Wikipedia:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Dupr%C3%A9

    Ich habe einfach ein gutes Gedächtnis.

    Nein, Spaß beiseite: habe ganz simpel bei Google nach 'Dresden Hofkirche Fresken' gesucht und schon auf der ersten Seite der angezeigten Fundstellen wurde auf das Forum Stadtbild Deutschland verwiesen, genauer auf die beiden von mir zitierten Beiträge aus dem genannten Strang. Daß dann ausgerechnet der eine Beitrag von Dir stammte, war natürlich der Clou.

    Die Frage hattest Du schon 2011 gestellt ;)

    Zitat aus dem Strang 'Dresdens Wiederaufbau vor 1990':

    Eine Frage hätte ich aber: Ist der heutige Innenraum der Hofkirche eigentlich eine genaue Rekonstruktion, oder ist er vereinfacht ausgeführt worden? ich würde fast auf vereinfacht tippen, denn sie wirkt für eine barocke Kirche doch recht schlicht. Ich habe bisher auch noch nie ein Vorkriegsbild des Innenraums gesehen...“

    Antwort von Mitglied Jojojetzt:

    „Hier kann ich dich größtenteils beruhigen, die Hofkirche war auch schon vor dem Krieg sehr schlicht, weil die barocke Planung nie vollendet wurde. So wurde das Hauptschiff nie ausgemalt und das große Deckenfresko nie in Angriff genommen. Als Gründe dafür kommen nach Fritz Löffler in Frage: Der Siebenjährige Krieg, der gewandelte Geschmack des Klassizismus, fehlende Geldmittel.

    Im Hauptschiff verzichtete man beim Wiederaufbau - soweit ich weiß - nur auf ein paar Ergänzungen des 19. Jahrhunderts und die Königslogen. In den Eckkapellen ist die Lage schlimmer, hier gingen einige Fresken verloren. Trotzdem halten sich auch hier die Verluste in Grenzen. Die Hofkirche war innen schon immer eher schlicht und weiß.“

    Hier noch ein Link auf Farbdiaaufnahmen von Fresken der Kapellen:

    https://www.zi.fotothek.org/VZ/ort_index/Dresden/Hofkirche