Posts by Regiomontanus

    Die Regenschirme hingen schon bei meinem letzten Besuch da. Hübscher Einfall. Lenkt die Blicke der Passanten auf manch schönen Giebel.

    Am Ende landet man immer wieder auf dem zentralen Platz de Brink mit dem Wiegehaus, dem bedeutendsten Profanbau der Stadt. Woanders wäre da das Rathaus untergebracht, nicht so bei den kaufmännisch begabten Nachbarn.

    In dem kleinen Museum drinnen erfährt man viel zur Stadtgeschichte. Außerdem sind dort Bilder niederländischer Maler ausgestellt, darunter auch Han van Meegeren, der aus Deventer stammt.

    Van Meegeren gilt als einer der begabtesten Kunstfälscher. Er kopierte die Alten Meister oder gab eigene Schöpfungen als deren Werke aus. Wie dieses, das er im Stile Vermeers malte.

    Deventer ist wirklich eine Perle, gerade mal 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Mit vielen Merkmalen einer norddeutschen Hansestadt, und doch unverwechselbar niederländisch. Schon vor dem Goldenen Zeitalter hatte Deventer seine glanzvollsten Zeiten hinter sich.


    Nur das Essen fand ich ehrlich gesagt nicht sehr interessant (hat teilweise britisch Züge...).

    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass alle Völker, die ein Weltreich eroberten (Briten, Holländer, Spanier, Portugiesen), keine gehobene Esskultur entwickelt haben. Waren zu sehr mit dem Ausplündern beschäftigt.

    Eine schöne Stadt, von Johan noch schöner in Szene gesetzt.

    Wobei Edinburgh, wie ich finde, nicht so sehr durch seine Einzelbauten besticht, sondern durch die Einheitlichkeit des verwendeten Materials. Das verleiht der Stadt etwas Skulpturhaftes. Als wäre sie aus einem großen Sandstein gehauen.

    Aus aktuellem Anlass ein paar Bilder aus Giesing. Den Stadtteil dominieren einfache Gründerzeitler und Nachkriegsbauten, es gibt aber auch Ausreißer (nach oben und unten). Insgesamt macht das frühere Arbeiterviertel einen sehr behaglichen Eindruck.

    Geburtshaus des wohl berühmtesten Giesingers

    Sportplatz vis à vis

    Schulgebäude

    Biedermeier (?) in der Zugspitzstraße

    Kapelle des Ostfriedhofs mit Kolonnaden

    San Michele Maggiore war im Mittelalter Schauplatz wichtiger Ereignisse. Unter anderem wurden hier Heinrich II. und Friedrich Barbarossa zu italienischen Königen gekrönt. Das sieht man dem Bau nicht unbedingt an.

    Dabei hat die Basilika Baumeister in ganz Norditalien inspiriert. Der sog. lombardische Baustil vereinigt italienische, französische und deutsche Elemente.

    Aus dem Norden übernommen wurde etwa die Zwerggalerie, aus Frankreich die dreigeteilte Westfassade mit drei Portalen.

    Mit Sicherheit war die Fassade im Mittelalter reich verziert. Der Sandstein hat doch stark gelitten.

    Auf keinen Fall darf man einen Blick ins Innere versäumen.

    Das Reiterstandbild zeigt einen spätantiken Sonnenkönig ("Regisole"), Vorbild unbekannt. Es handelt sich um eine Nachbildung. Das Original wurde 1796 von französischen Revolutionstruppen zerstört.

    Damals hatten die Herrscher noch Eier. Und ihre Gäule auch.

    Der Eindruck von Ausgewogenheit und Harmonie, den der Dom von vorne vermittelt, verflüchtigt sich schnell, wenn man um ihn herumläuft.

    Ein Durcheinander verschiedenster Bauformen und Stile, das sich wie ein Geschwulst in die mittelalterliche Stadt hineinfrisst.

    Leider konnte man nicht hinein. Drinnen soll es eher barock zugehen.

    Zeit für ein kühles Bier. Immer wieder erstaunlich, auf welche (vermeintlich) deutschen Sorten man im Ausland trifft.

    Und was ein Glück, dass dieses romanische Kleinod öffentlich zugänglich war.

    Pavia, 70.000 Einwohner, 30 km südlich von Mailand. Bekannt für seine romanischen Kirchen, die alte Universität und ein nördlich der Stadt gelegenes Kartäuserkloster (Certosa di Pavia).

    Der erste Eindruck: eine Stadt wie viele in Italien.

    Der Domplatz

    Die Überreste des Torre Civica aus dem 11. Jh., der 1989 einstürzte und vier Menschen unter sich begrub.

    Gleich daneben der Dom

    So sehen Kirchen in Italien aus, wenn man ihnen den Marmor wegnimmt.

    Das Beste zum Schluss: Biegt man vor dem Chor rechts ab, gelangt man in die Cappella di San Brizio, ein über und über mit bunten Fresken ausgestatteter Raum, der an die Sixtinische Kapelle erinnert.

    Und in der Tat sollen die Malereien Luca Signorellis und Fra Angelicos dem großen Michelangelo als Vorbild gedient haben.

    Der Freskenzyklus thematisiert die Apokalypse, beginnend mit der Geschichte des Antichristen:

    Das jüngste Gericht:

    Die Verdammten in der Hölle:

    Die Auserwählten im Himmel:

    Auch die Decke ist prächtig verziert.

    Wenden wir uns nun dem Inneren dieses misslungenen und dann doch auch wieder perfekten Gotteshauses zu.

    Am innern des Domes ist es wirklich WUNDERBAR!! Genau so schön wie der Dom in Siena.

    Da hat der Klassiker nicht übertrieben. Auch wenn die Verfechter der reinen gotischen Lehre völlig zu Recht den Mangel an Spitzbögen tadeln werden.

    Und statt Kreuzrippengewölbe eine profane Holzdecke.

    Dafür dieses Hammer-Taufbecken. Einfach nur mega.

    Rundbögen, wohin man blickt. Der Dom wirkt dadurch leicht und beschwingt, fast schon heiter.

    Noch ein Blick in die überschwenglich bemalte Apsis. Entzückend die kleine Galerie über dem Spitzbogenfenster (!)

    Links davon die Orgel. Baujahr, man glaubt es kaum, 1974.

    Orvieto, 20.000 Einwohner, etruskische Gründung 120 km nördlich von Rom. Bekannt vor allem für seinen gotischen Dom und die Lage auf einem Felsplateau aus Vulkangestein.

    Die Architektur ist größtenteils schlicht.

    Doch dann taucht plötzlich das hier auf:

    Böse Zungen behaupten, die Italiener hätten keinen Schimmer von der Gotik. Deren Mystik liege dem metaphysisch unbegabten Volk nicht. Außerdem vertrüge sich Marmor, ihr Lieblingsstein, nicht mit dem gotischen Streben in luftige Höhen.

    Doch was soll's, solange so was dabei herauskommt. Der Dom von Orvieto haut einen um - ob seiner strengen Symmetrie und der Farbigkeit, Ornamentik und Plastizität der Fassade.

    Die Fassadenreliefs stammen aus dem 14. Jahrhundert. Ihr ausgezeichneter Zustand wird auch auf die gute umbrische Luft zurückgeführt.

    Wer die Kirche umschreitet, bemerkt gewisse Ähnlichkeiten zum Dom von Siena. Aber auch nordeuropäische Einflüsse sind erkennbar. Angeblich wurden die Baumeister vom Straßburger Münster inspiriert.

    Was Neues aus Düsseldorf. Nicht weltbewegend, aber vorher war hier eine Tankstelle.

    Die Architekten haben acht Geschosse untergebracht. Altbaufeeling kommt da kaum auf, auch wenn der Anschein erweckt wird.