Posts by Regiomontanus

    "Riehmers Hofgarten" fällt in diesem Strang etwas aus dem Rahmen, weil die Anlage deutlich vor 1900, auf dem Höhepunkt der Gründerzeit, errichtet wurde. Da es sich um ein geschlossenes Wohn-Ensemble handelt, das der damaligen Reformarchitektur zugerechnet wird - statt trister Hinterhöfe findet man im Inneren einen parkähnlichen Garten -, passt er aber doch ganz gut hierhin.


    Nach der Schließung des Hotels "Riehmers Hofgarten" wird die gesamte Anlage gerade umgebaut und (luxus)saniert. Was ihr leider nicht nur zum Vorteil gereicht. So wird auf dem Dach des denkmalgeschütztes Baus ein modernes Penthouse errichtet. Offenbar wollen die Investoren das Maximale aus ihrer Investition herausholen. Wer noch eine Bleibe in Berlin sucht und bereit ist, 10.000 Euro für den Quadratmeter hinzublättern, ist in der Kreuzberger Yorckstraße jedenfalls an der richtigen Adresse.


    Davon abgesehen ist Riehmers Hofgarten für jeden Gründerzeit-Fan natürlich eine Offenbarung.











    Die mangelnde Frauenquote unter den Kaisern des weströmischen Reiches.


    Vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen, wenn Cäsar gegendert hätte:


    "Liebe Legionäre und Legionärinnen,

    Gallien ist in drei Teile aufgeteilt, deren einen die BelgerInnen bewohnen, einen anderen die AquitanerInnen und den dritten, diejenigen, die in ihrer eigenen Sprache Kelt*innen, in unserer GallierInnen genannt werden."


    Müsste man mal untersuchen.

    Geschichtswissenschaft ist so objektiv wie der Schalke-Fan im Bayern-Stadion.

    Noch so ein Beispiel: der Zerfall des römischen Imperiums.


    Hundert Jahre war sich die Forschung einig, dass es der Ansturm der Barbaren und die Dekadenz der Römer waren, die ihn herbeiführten und Europa damit zivilisatorisch und technologisch um 500 Jahre zurückwarfen.


    Passt natürlich nicht so recht zum Konzept einer multiethnischen und maximal toleranten Gesellschaft. Flugs wurde deshalb von einigen Historikern die steile These aufgestellt, die Römer hätten sich durch Umweltgifte quasi ihr eigenes Grab geschaufelt.


    Nachdem ziemlich schnell klar war, dass das Nonsens ist, sind es neuerdings der Klimawandel und Pandemien, die das alte Rom auf die Verliererstraße brachten.


    Bin schon gespannt, was als Nächstes kommt.

    Seitdem hat sich die historische Wissenschaft erheblich weiter entwickelt, wie ich aus meiner eigenen Tätigkeit berichten kann.

    Und worin soll dieser angebliche Fortschritt in der "Geschichtswissenschaft" bestehen, wenn man fragen darf? Wurden neue Verfahren entwickelt, mit denen sich historische Ereignisse und Zusammenhänge besser einordnen und analysieren lassen? Gar Gesetzmäßigkeiten entdeckt, díe sie in den Rang einer objektiven Wissenschaft erheben?


    Wenn man sich nur vor Augen führt, wie unterschiedlich eine Figur wie Wilhelm Zwo seit 100 Jahren in Deutschland gesehen wird - von namhaften Historikern, wohlgemerkt, keinen "Hobbyforschern" -, kommen einem starke Zweifel.

    War kürzlich in Berlin und nutzte die Gelegenheit, mich an der mannigfaltigen Architektur dieser Stadt zu erfreuen. Man kann über Berlin sagen, was man will, aber wer noch alle Augen im Kopf hat, kommt aus dem Staunen nicht heraus.


    Bei einem meiner Streifzüge durch Friedrichshain stieß ich auf den Helenenhof. Die spätgründerzeitliche Anlage wurde nach der Wende mit viel Liebe zum Detail saniert. Sie umschließt einen großzügigen, parkähnlichen Innenhof, wie man ihn auch bei ähnlichen Wohnanlagen aus dieser Zeit (z.B. Riehmers Hofgarten) findet. Auffällig sind die beiden Rustika-Geschosse, die breiten Loggien und die grünen, mit Jugendstil-Dekor verzierten Balkone. Laut Wikipedia besteht die Anlage aus über 500 Wohneinheiten.


    Außenansicht Sonntag-/Gryphiusstraße:





    Innenseite der Anlage:








    Immer wieder erstaunlich, wie bei der direkten Konfrontation von Alt und Neu das Neue verliert.


    Insgesamt ein mediokres Ergebnis, wenn man die jahrelangen Planungen und Diskussionen bedenkt. Jede holländische/flämische Kleinstadt mit mittelalterlichem Kern hat in puncto angepasste Neubauten mehr zu bieten.

    Sie stammt von Roman Albrecht, dem persönlichen Fotografen des Prager Erzbischofs Dominik Kardinal Duka.

    Na, wenn Erzbischöfe heute noch über persönliche Fotografen verfügen, muss man sich um den Fortbestand der katholischen Kirche ja keine Sorgen machen.

    Und du möchtest doch nicht den positiven Effekt von Visionen generell in Abrede stellen?

    "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen" (H. Schmidt).


    Der Duden definiert "Vision" übrigens als


    a) übernatürliche Erscheinung als religiöse Erfahrung

    b) optische Halluzination

    c) in Bezug auf Zukünftiges entworfenes Bild


    Die rekonstruierten Altstädte von Dresden und Frankfurt sind (insofern) gerade k e i n Beispiel für Visionen, weil sie etwas bereits Dagewesenes wiedererstehen ließen. Ihre Erbauer hatten ein klares Bild vor Augen. Das kann man von einer Stadt, in der führerlose Autos per App geordert werden und nicht mehr auf Straßen fahren, nicht wirklich behaupten.

    Wenn Du den Leuten morgen das Auto nimmst, können sie entweder verhungern oder müssen sich gänzlich alles nur noch per Bestellung ins Haus liefern lassen.

    Die Rache des grün und links wählenden Städters an der Landbevölkerung, die einfach nicht seine fortschrittlichen Ideen teilen will.


    Ich hätte da eine andere Vision:

    Solche "Visionen" bzw. sozialen Utopien führen immer geradewegs in die nächste städtebauliche Katastrophe, siehe die Trabantenstädte der Sechziger und Siebziger.

    Wie so häufig lohnt hierbei der Blick ins Ausland, in diesem Fall in die Niederlande

    Das immer wieder gebrachte Beispiel Niederlande taugt aus vier Gründen nicht:


    -- dort gibt es keine Autoindustrie, ergo spielt sie für den Wohlstand keine Rolle

    -- dort ist es überall flach, was das Radfahren einfach macht

    -- die dichte Besiedlung erzwingt alternative Verkehrskonzepte geradezu

    -- die oft kurzen Strecken zwischen zwei Orten lassen sich auch mit dem Rad zurücklegen


    Dem Auto die Schuld an der "autogerechten Stadt" zu geben ist in etwa so plausibel wie der Erfindung des Buchdrucks die Abholzung der Wälder in die Schuhe zu schieben. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Die Italiener fahren mindestens so gern Auto wie die Deutschen. Dennoch gibt es dort so gut wie keine autogerechten Städte.

    Tja, so wollen die Leute heute wohnen, machen wir uns nichts vor. Geschmack war schon immer das Privileg einer kleinen, gebildeten Schicht. Mein Mitgefühl mit denen, die einen dieser temperierten Nistkästen ihr Zuhause nennen.

    Unabhängig davon hat diese Diskussion hier seit zwei Seiten Stammtischniveau erreicht.

    Was soll das Gerede von Stammtisch? UC hat doch oben haarklein dargelegt, wie dieser Fall - auch juristisch - zu bewerten ist. Das ist eine Lektion in systematischem Denken. Ich wünschte, wir hätten mehr solcher "Stammtische".

    Bei Krisensituationen suchen intelligente Menschen nach Lösungen, die anderen nach Schuldigen.

    Wenn etwas Stammtischniveau hat, dann solche Sprüche aus der Mottenkiste des Marketing-Sprech.