Posts by Siedel?

    Die nördliche Nebentür von Portal IV ist erhalten und ebenso kleinere Fragmente des großen Gitters ebendort.

    Die Bilder vom Postplatz und vom Brunnen rufen Jugenderinnerungen herauf. Die Brunnenskulpturen! Besser geht es nicht. Grandios!


    Leider fahren heute werbeverunzierte Straßenbahnen anstelle der, wenn ich mich recht erinnere, cremeweißen schlichten, mit denen wir bei unserem ersten Görlitzbesuch 1991 zur Landeskrone fuhren. Damals war der Aufenthalt in Görlitz für uns Studenten aus Münster das Eintauchen in eine surreale Welt, eine Stadt wie ein gerade erwachtes Dornröschen. Eine vollständig erhaltene Stadt in ihrer ganzen Schönheit, von vierzigjährigem Stillstand angestaubt, aber ihrer Würde (noch) nicht beraubt (das wäre bei anhaltendem Verfall eingetreten); noch nicht gegenwärtig wirkend wie bei späterem Besuch 1999, sondern wie aus einer Zeitkapsel befreit. Bürger mögen das anders empfunden haben, aber uns hat das Erlebnis Görlitz zutiefst beeindruckt. Ich bin dankbar, diese guten Jahre, die Deutschland damals hatte, erlebt zu haben

    In Goerd Peschken, Das königliche Schloss zu Berlin, Erster Band, München 1992, S. 209, ist ein Schnitt durch den Lustgartenflügel abgebildet, und zwar zwischen P IV und V. Auch dort gab es derartige Dienerkammern (auch von außen erkennbar), die eine Deckenhöhe von etwas über 2,10m besaßen, vielleicht 2,15m; durchaus ausreichend, um sich dort während der Dienstzeit aufzuhalten.

    Die Arbeiten sind nicht zum Erliegen gekommen:


    Große Tonmodelle der Götter- und Tugendenstatuen werden zur Zeit hergestellt,
    die Steinausführung mehrerer Figuren ist im Gange,
    der Erdgeschoßverputz schreitet voran,
    Portal VI im Schlüterhof wird ebenfalls verputzt (solange das Wetter hält),
    der Innenbereich von Portal II wird zur Zeit mit tuskischen Säulen, Pfeilern etc. ausgebaut,
    Portal III innen ist quasi fertig,
    das Geländer von Portal IV wurde angepaßt und wird nun mit den Applikationen versehen
    die komplizierten Arbeiten am Kuppelgesims (Wasserablauf, Blitzschutz) laufen
    die Laterne auf der Kuppel wird ebenfalls gefertigt.


    Nur: Von all dem sieht man derzeit vor Ort eben nichts.
    Und eine Großspende gab`s auch.

    Und man muss sagen, dass die wilhelminischen Gitter wirklich sehr qualitätvoll waren.

    Das stimmt natürlich. Sie waren hervorragende Zeugnisse der Schmiedekunst, allerdings spricht noch etwas gegen ihre Rekonstruktion:


    Das Erdgeschoß des Schlosses (außen wie in den Höfen) zeigt sich durchweg schlicht und blockhaft; es gibt hier mit Ausnahme der zwei Lünetten im Portal V ansonsten gar keine Skulpturen und auch keine Ornamente. Dies ist bei allen Portalen ebenso und entspricht dort der tektonisch-blockhaften dorischen Ordnung. Erst im ersten Obergeschoß setzt eine schwungvolle Bewegung ein (Schweifgiebel) und Skulpturen bereichern den architektonischen Formenschatz (bukranion). Dies entspricht der ionischen Ordnung in den Portalen, wo sich an der Gartenseite auch die Jahreszeiten-Hermen befinden. Am reichsten entfaltet sich der skulpurale und ornamentale Schmuck dann im 2. OG, wo die korinthische Ordnung, stets für das Herrscherliche und Göttliche stehend, das Paradegeschoß markiert (Götterfiguren und Borussia im Hof!). Und im Mezzanin gehen Architektur und Skulptur dann eine unauflösliche Verbindung ein.


    Dieses strenge Konzept eines konsequenten crescendos wurde von den überreich dekorierten Gittertoren grundlos ausgehebelt. Der Gewinn, der durch ihre Reko erzielt werden könnte, würde um den Preis einer deutlichen Entwertung der Barockfassaden erkauft (gerade in den Portalen kulminiert ja ihre Wirkung).


    Ein weitereres Argument: Die Eisentore waren erst ab etwa 2 m Höhe vergittert, darunter waren sie massiv. Die Blickbeziehung Schlossplatz - Museum (und damit, Peter Stephan folgend, Schinkels städtebauliche Intention in diesem Punkt) wurde durch sie zerstört. Wer (selbst jetzt im Baustellenzustand) diesen Blick schon erlebt hat, wird sich die Eisentore vielleicht doch nicht zurückwünschen.


    Die Sichtachse Schlüterhof - Portal V - Alte Nationalgalerie, Grund für die Standortwahl in den 1860ern, wäre somit ebenfalls vernichtet.


    Fazit:


    Gittertore nicht rekonstruieren, aber die Originalfragmente (z. Zt. in der Schlossbauhütte in Spandau) in Portal IV zeigen.

    Fenstergitter sind ebenfalls eher kein Element heutiger Sicherheitskonzepte.
    Und ob Schlüters Fassadenkonzept farblich monoton ist und Verbesserung durch Fenstervergitterungen nötig hat, sei dahingestellt.


    Vor allem aber: Sie waren eben vor dem späten 19. Jh. nicht da. Im Barock und bis in den Vormärz rechnete man nicht mit Aufständen o.ä. Ich würde sagen, die Vergitterungen entsprechen viel mehr den subjektiven und objektiven Befürchtungen und Gefahren einer Epoche der Attentate, Revolten und Revolutionen. Letztlich haben sie die Geschichte allerdings bekanntlich nicht aufhalten können.


    Es gibt übrigens noch einige Originalfragmente der Gittertore, die ganz hervorragend am Originalort gezeigt werden könnten. Es handelt sich um die kleine Nebentür am Portal IV und zwei kleine Fragmente des großen Haupttores.

    Der Vergleichn ist aber nun mal vollkommen konstruiert, wie lassen sich ein Stadttor und ein Gebäude miteinander vergleichen?

    Stadttor und Gebäude lassen sich sehr wohl vergleichen:


    Wer die Konzeption des Wiederaufbaus kennt, weiß: Die Portale haben eben gerade die Funktion nicht lediglich von Eingängen in ein Gebäude, sondern quasi von Stadttoren. Der Schlüterhof ist nicht nur Hof, sondern Stadtplatz. Daher ist ein Vergleich mit dem Brandenburger Tor (das ja auch seit der Verkehrsberuhigung zuerst auf den Pariser Platz führt) gar nicht so weit hergeholt. Dies ist nicht meine persönliche Sichtweise, sondern Kerngehalt von Franco Stellas Konzept. Und dieses ist dem Bau nicht übergestülpt:


    Zum einen geht es zurück auf formale Ähnlichkeiten mit einem Werk Palladios, der villa thiene (Grundriß siehe Wikipedia), auf die sich Stella bezieht. Über diese Villa habe Palladio geschrieben, daß das Konzept das einer Stadt im Kleinen sei; die Portale Stadttoren glichen, der Hof einem Stadtplatz mit Laubengängen etc. Weil das Schloß eine ähnliche Grundrißstruktur besitzt, bot sich so die Chance, aus ihm das Herzstück des Stadtraumes zu machen. So wird es erst ein (Humboldt-)Forum mit Passagen und öffentlichen Plätzen (und eben kein "Trumm", um den man herumwandern muß, wie um den Reichstag). So lockt man auch nicht nur Museumsbesucher, sondern die Stadtöffentlichkeit hinein (die im Schlüterhof ein Restaurant, ein Bistro-Café, die Skulpturenhalle mit den barocken Originalfragmenten, das Museum des Ortes, den Museums-/Buchladen und noch jede Menge freie Platzfläche vorfindet), was die Besucherzahlen der Innenbereiche erheblich erhöhen dürfte...


    Zum anderen: Das Schloß hat eine bemerkenswerte urbane Qualität bereits über eine lange Zeit besessen. Friedrich der Große machte die Tore, die vorher bewacht gewesen waren, für die Bürger frei passierbar. Und so blieb es bis 1848. Dann kamen zunächst einfache Gittertore und ab 1892 die kunstvollen schmiedeeisernen Gitter, die auf den historischen Fotos zu sehen sind. Eduard Gärtners Gemälde beider Höfe und der Portaldurchgänge I, IV (dort im Hintergrund auch II) und V zeigen stets Hofangehörige (z.B. Schloßwache) und Bürger; vielleicht auch ein Plädoyer für eine Beibehaltung des offenen Zustandes.


    Zum Thema Wachen/ Ordner: Die wird es hoffentlich geben (auch die eine oder andere Kamera). Bei den geplanten klassischen Konzerten rechnet man mit eher zivilisierten Besuchern (erste Erfahrungen machte man am 25. August dieses Jahres). Funktional braucht man da eher keine Eisentore mit Schießscharten.

    Genau die meinte ich. Und darüber sind ja noch zwei weitere Platten. Vielleicht weiß Bautzenfan da ja mehr. Gleiches gilt ja für die Fenstergitter im EG. Von den Metallarbeiten hört man leider nie etwas.


    ...


    Weißt du eigentlich ob es möglich sein wird die Portale I und II sowie IV und V nachts zu verschließen? Weil man ja eigentlich auf die historischen Portalgittertore verzichten wollte. Aber muss es nicht die Möglichkeit geben das Schloß im Notfall komplett schließen zu können. Besonders den Schlüterhof ?

    Die Fenstergitter im EG kommen natürlich nicht (warum auch), ebenso der Windfang vor dem Eingang Portal VI im Schlüterhof oder die Lauben an Portal I und V Hofseite. Nicht, weil sie wilhelminisch waren, sondern, weil sie aus rein praktischen Erwägungen damals zugefügt wurden, aber keine künstlerische Aufwertung bedeuteten. Anderes, wie das große Wappen am Portal III und die Lessing-Reliefs, sind zwar auch nicht jedermanns Geschmack; sie stellten aber künstlerische Gestaltungen dar, die das Schloss zeitgemäß weiterentwickelten.


    Da die Höfe immer offen sein sollen: Warum soll es dann möglich sein, sie zu verschließen? Das gleiche könnte man auch beim Brandenburger Tor fragen. Im Notfall (z.B. Sturmangriff militanter Schloßgegner): Absperrung durch Polizeiaufgebot! (Sollnsedochkommen)

    An der Kuppel werden die Befestigungen für das umlaufende Kupfergesims angebracht (teils in den webcam-Aufnahmen zu sehen). Das dauert, weil sich, wie ich aus sicherer Quelle weiß, das Kuppeloval als nicht so regelmäßig erwiesen hat wie erwartet. Also mußte man viele dieser "Edelstahl-Kragarmträger" (Begriff von Seinsheim übernommen) einzeln anpassen. Man sieht also so gut wie nichts, aber es passiert doch entscheidendes...

    Zur Frage der Blindfenster am Eckrondell: Diese müßten im Erdgeschoß gewesen sein, denn es befand sich hinter den "Fenstern" dort definitiv überhaupt kein Innenraum, sondern nur ein Hohlraum um die alte Gebäudeecke des Renaissanceschlosses. Erst dahinter war wieder ein Innenraum (369). Das lag daran, daß der Eckturm der Renaissance nicht bis zum Boden reichte bzw. sich nicht vom Boden aus erhob, sondern erst über dem Erdgeschoß auskragte. Schlüter aber baute das Rondell vom Erdboden an aufgehend vor die Ecke des Altbaus.


    Ich hoffe, ich habe keinen entsprechenden Beitrag hierzu überlesen.

    Ich muß korrigieren: Die Götterfiguren vor der Sporthalle in der Stalinallee waren nicht die Originale, sondern Betonabgüsse. Ich habe den Poseidon (4. Abb. oben in 10.241 von Bautzenfan; bis vor kurzem wurde er meist als Jupiter angesehen) bei einer Begehung eines Depots mit dem Architekten York Stuhlemmer vor etwa 15 Jahren als Betonabguß selbst gesehen. Dass es Abgüsse sind, erklärt den von Treverer zurecht festgestellten sauberen Zustand der Figuren.


    Die Nichtergänzung des Fragments Portal II innen ist übrigens nicht willkürlich entschieden worden, sondern nach eingehender Debatte des Bildhauers Frank Kösler mit der Expertenkommission. Die Diskussion ist auf einer Videoaufnahme auch dokumentiert; mir ist im Moment aber leider nicht erinnerlich, in welchem.

    Ich finde, Gardone hat recht. Ich habe in Berlin, in der Potsdamer Straße, gesehen, wie im Rahmen einer allgemeinen Demonstration, vorne SPD und Gewerkschaften, dann Linke und Grüne, Kirchen und Sonstige, im gleichen Demonstrationszug dann die Linksextremen marschierten, mit Lenin u. Stalin auf Plakaten. Regt sich niemand drüber auf. Und das ist eigentlich nicht aushaltbar. Und - daß die Deutschen mehrheitlich in diesen Dingen nicht ganz dicht sind, ist meiner Meinung nach leider schlicht zutreffend.


    Das wollte ich einwerfen, auch wenn die Diskussion leicht off topic ist.

    Im heutigen Strafvollzug soll der Häftling schon während der Haftzeit für seine Resozialisierung vorbereitet werden. Eine solche Bauweise wäre dafür kein guter Rahmen. Auch Häftlinge haben ein Recht auf Menschenwürde.


    Ich denke, ein solches Gebäude sollte nirgends stehen, wo mit menschlichen Wesen zu rechen ist. Für untergeordnete Zwecke in geschlossenen Industriekomplexen (nicht von außen einsehbar) wäre so etwas vielleicht zeitweise hinnehmbar.

    Das war natürlich ein Geschmacksurteil und übertrieben. Ich hatte einfach keinen guten Eindruck von der Westfassade, als ich davor stand und fand sie den gotischen Teilen nicht ebenbürtig. Sehr schön für eine aufstrebende Vorstadt, aber nicht würdig einer erzbischöflichen Kathedrale mit einem solchen Chor. "Solide Neugotik" trifft es genau.

    Mit Verlaub, das ist Unfug.
    Der Südturm war in der mittelalterlichen Bauphase bis in etwa 60 m Höhe mit allem Zierrat fertiggestellt. Mit seinem oben aufsitzenden Kran stellte er jahrhundertelang ein Hauptwahrzeichen Kölns dar. Somit ist ein gut Teil der Westfassade incl. des zugehörigen Petrusportals mittelalterlich (darüber hinaus die Ansätze von Mittel- und Nordportal). Das ist wohl ein wenig mehr als "rein gar nichts".


    Die fünf gotischen Figuren des Petrusportals (1370-80; heute Kopien) stehen der Parlerschule nahe (Heinlich Parler war Kölner und am Dom Parlier); die anderen sind von Peter Fuchs 1869-84.


    Tympanon und die Archivolten in diesem Portal sind, soweit ich weiß, ebenfalls noch gotisch.


    Außerdem fußte der Bau des 19. Jahrhunderts trotz einiger Abweichungen und der im Detail zu trockenen, oft als "leblos" bezeichneten Genauigkeit auf dem wieder aufgefundenen Fassadenriß F des Meisters Gerhard und stellt somit einen Weiterbau, weniger einen Neubau dar (wie z.B. die scheußliche Westfassade des Veitsdoms in Prag).
    (Ich hatte einmal das seltene Glück, einen Blick auf das Original des Plans zu werfen).


    Die modernen Figuren verraten tatsächlich expressionistischen Einfluß, sie wurden aber nicht in den 20er oder 30er Jahren geschaffen, sondern in den 50ern, und zwar von Elisabeth Baumeister-Bühler (1912-2000).


    Zudem widersprichst Du Dir, wenn Du in einem Satz sagst, es sei ein "Weiterbauen im Sinne der Gotik", Figuren in zeitgenössischer Auffassung einzufügen (an Stellen, die ja nicht unbesetzt gewesen waren), andererseits, es sei "alte baumeisterliche Gepflogenheit, dies in Form und Material (...) als exakte Kopie dessen zu machen, was vor der Restaurierung dort war". Also entweder hat man in den 50ern bei Einfügen der "expressionistischen" Figuren gegen alte Gepflogenheit verstossen und stellt es heute richtig, indem man die Fuchs-Figuren rekonstruiert (vielleicht gibt es noch alte Bozetti, Abgüsse oder Fragmente) oder aber man hat eben krativ weitergebaut, dann darf man das auch heute, selbst wenn dies den Rückgriff auf Vorangegangenes bedeutet.


    Ich finde die Baumeister-Bühler-Figuren übrigens auch sehr eindrucksvoll und tue mich damit schwer zu entscheiden, ob es richtig war sie zu ersetzen. Ich glaube, ich hätte mich für den Verbleib der Nachkriegswerke entschieden.