Posts by Roverandom

    Als Wiener freut es mich natürlich, daß hier die Ringstraße so gut ankommt :-) Weil ich den Historismus sowieso besonders mag, sehe ich mir so gute Ansichten wie die von Exilwiener immer wieder an, obwohl ich die Gebäude kenne....


    Allerdings ist auch die Ringstraße trotz Welterbestatus gefährdet. Es betrifft das historische Mobiliar: Laternen, Masten und Litfaßsäulen - die werden nämlich von unserer modernisierungswütigen Stadtregierung sukzessive durch gesichtslose neue Modelle ersetzt. Auf dem Bild vom Schwarzenbergplatz sind diese neuen Masten zu sehen!

    Erstmal ein herzliches Servus an alle hier. Ich bin vor kurzem auf dieses Forum gestoßen und war gleich begeistert, hier dieselben Meinungen und Anschauungen vertreten zu sehen, wie ich sie auch habe.


    Freut mich natürlich besonders, daß hier auch meine Heimatstadt Wien vertreten ist. Die Situation hierzulande ist was Denkmalschutz und Stadtbildpflege betrifft, nicht gerade rosig; der konservative Ruf Wiens, eine altmodische Stadt zu sein, geht daneben. Wie vermutlich überall dominieren Investoren über Politik, und gerade die rote, absolut regierende Stadtregierung bemüht sich eifrigst, alle Investorenwünsche zu erfüllen. Daß dabei der Denkmalschutz auf der Strecke bleibt, ist klar. Das oben erwähnte Buch von Reinhard Seiss beschreibt die Situation vorzüglich, da liegt viel im Argen!


    Da gibt es zwar eine Magistratsabteilung für Stadtplanung, aber außer theoretischen KOnzepten (Zielgebiete) scheint sie nicht viel zu bewirken. Ergebnis sind Fehlplanungen wie der Hochhaus"cluster" am Wienerberg, oder megalomanische Projekte wie der Stadtteil Aspern. Was am Stadtrand passiert, etwa im 22. Bezirk, scheint mir ein Wildwuchs aus Gewerbeparks, neuen Wohnsiedlungen und immer mehr und breiteren Straßen. Grünflächenplanung scheint es nur am Papier zu geben, die alten Ortskerne genießen nur unzureichenden Schutz, erhaltenswerte Bausubstanz wird nach und nach abgerissen, u.a. auch wertvolle Fabriksensembles aus dem 19. Jahrhundert. Niemand scheint Ihnen nachzutrauern.


    Hochhäuser boomen weiterhin, gerade auch in unmittelbarer Nähe des Weltkulturerbes 1. Bezirk, z.B. am Donaukanal oder wie geplant am neuen Zentralbahnhof in der Nähe des Schlosses Belvedere. Architektonisch sind sie bestenfalls Durchschnitt, obwohl sie natürlich als visionäre Meisterwerke verkauft werden.


    Schlapfen: Innerstädtische Verdichtung scheint mir kaum noch möglich, innerhalb des Gürtels ist die Bebauung bereits so dicht, daß verbleibende Brachen eher als Grünflächen genutzt werden sollten.


    Unter den gegebenen Umständen - wachsende Bevölkerung, hoher Bebauungs- und Verwertungsdruck - und einer Stadtregierung, der eine anspruchsvolle, geregelte Stadtplanung im Dienste der Bevölkerung offenbar kein wirkliches Anliegen ist, steht zu befürchten, daß sich die Dinge in Wien eher weiter verschlechtern.