Posts by Roverandom

    @ Karasek:


    Danke für die Hintergrundinfos. Ein Besuch auf "Immobilienscout" war aufschlussreich! Wie anders dagegen die Wiener Situation: große Nachfrage, hoher Zuzug; beschränktes Angebot (gerade bei größeren Altbauwohnungen), steigende Mieten und Preise...


    @ Exilwiener:


    In der Tat, abgesehen von Kurzaufenthalten in Dresden und Leipzig (die auch schon über 5 Jahre zurückliegen) kenn ich die Gegend nicht; aber sie erscheint mir immer "verheissungsvoller"; besonders seit ich hier die Dresdner Thematiken mitverfolge oder mir die Bilder etwa von Pirna ansehe. Mein Eindruck ist, daß trotz der großen Probleme, mit denen Ostdeutschland kämpft, viel Positives in Sachen Stadtbildpflege vor sich geht. Jetzt ist schon klar, daß das Themen sind, die z.B. in Dresden akuter sind als anderswo; aber etwas von dem Engagement, daß dabei zum Vorschein kommt, würd ich mir in Wien wünschen. Wir haben hier zwar keine Rekonstruktionsvorhaben (obwohl mir schon einige Gebäude einfallen, die ich gern wiederhätte :D:D:!::!: ), aber allein die Bedrohung, die Wiens Bausubstanz durch die massive Neu- und Umbautätigkeit erfährt, böte Anlass genug.


    Rekonstruiert wurden einige Fassaden unter Bürgermeister Zilk - damals wurden ja auch wieder die historischen Litfaßsäulen aufgestellt, die jetzt wieder durch absolut unansehnliche Glaszylinder ersetzt werden. Mein Eindruck ist, daß zwar nach wie vor saniert wird (meist in Kombination mit modernem Dachaufbau!), aber leider auch abgerissen - vorallem in den Außenbezirken. Wenn das so weitergeht werden Favoriten oder Ottakring bald ihren Gründerzeitcharakter verlieren.


    Und danke für Dein Angebot bezüglich Reisetipps! Ich werde sicher darauf zurückkommen, obwohl ich fürchte, dieses Jahr geht sich´s nimmer aus :-(

    Um nochmal zurück zu den - herrlichen - Fotos zu kommen: Wirken auf mich fast wienerisch (von der Höhe, der Art des Dekors); und es ist schön zu sehen, wie aufmerksam saniert und gepflegt diese Häuserzeilen werden. Ich schätze mal, das darin Wohnungen für die Besserverdienenden liegen - in Wien sind viele Gründerzeitviertel ja hauptsächlich Arme-Leute bzw. Ausländerviertel...

    War ja im Frühjahr in Dortmund, und war von der Stadt eher enttäuscht- und der Bahnhof war dazu passend ein leider entsprechend ernüchterndes Entree...


    Die schönsten Plätze in Dortmund waren die rund um die rekonstruierten großen Kirchen - bezeichnend, daß der Nachkriegsmoderne keine gelungenen Plätze gelangen. Die Bauten aus jüngster Zeit sind vielleicht noch weniger überzeugend- nicht einmal die Bibliothek von Mario Botta.


    Eine Rekonstruktion des alten Bahnhofs täte Dortmund sicher gut...


    Was soll eigentlich aus dem Brauereiturm werden, dem Dortmunder U ? Als ich dort war, war die Brache rundherum abgeriegelt wie ein Militärgelände...

    Ja, man kommt bei dem Thema selrten auf einen gemeinsamen Nenner- und wenn man danach fragt, was "besser" ist - "basisdemokratische" oder übergeordnete Entscheidungsfindung - da bin ich für mich auch noch zu keinem Schluß gekommen, wie du sagst, es hat beides Vor- und Nachteile; ich tendiere aber dazu, die Entscheidungen lokal treffen zu lassen und die Ansässigen möglichst weit einzubinden, weil diese mit der eigenen Geschichte vertrauter sind etc.


    Ich kann mich erinnern, wie es ein Riesengeschrei gab, als die Stadt Wien einen französischen Fachmann damit beauftragte, ein Neukonzept für den Prater, diesen urwienerischen Vergnügungspark, zu erstellen. Ja, da läßt man sich eben ungern von draußen dreinreden! (Dieser Herr hat Unsummen abkassiert für ein Konzept, dessen Umsetzung noch großteils in den Sternen steht!)


    Zum Pellerhaus: Vielleicht ein unpassender Vergleich, aber der Abriß des Palastes der Repunlik in Berlin hat bei mir mehr Bauchweh ausgelöst als es ein Abriß des neuen Pellerhauses verursachen würde. Da stand die historische Bedeutung des Gebäudes ja außer Frage! Aber man kann nicht alles haben und das zukünftige Schloß ist für Stadtbild und Stadtseele ein fragloser Gewinn!


    Zum Städtetourismus: Ob ein Ort oder Bauwerk angenommen und besucht wird, hängt entscheidend von der ästhetischen Qualität ab. In Berlin gibt es, so wie ich das überblicke, mehr gute moderne Architektur als in Wien, wo zwar viel und schnell, aber bestenfalls mittelmäßig gebaut wird. Touristen mögen nach Berlin kommen wegen dem Brandenburger Tor UND der Reichstagskuppel, nach Wien kommt sicher niemand wegen der "Donau-City"

    Naja, die Masse macht´s nicht unbedingt aus. Und angesichts der begrenzten Mittel, die das BDA zur Verfügung hat, ist das Programm nicht so übel. Etwas bedauerlich find ich nur, daß es bislang kaum Berichterstattung gibt und kaum Werbung, Plakate, Folder etc. im Umlauf sind...

    Wirklich erfreulich, diese Meinungen; jetzt wär nur interessant zu erfahren, wie repräsentativ sie sind. Bis nach Wien scheinen sich gerade die zitierte Einstellung zum Thema "Dach" nicht herumgesprochen zu haben. Hier gilt: Je extravaganter und kontrastreicher die zahlreich stattfindenden Dachausbauten ausfallen, umso mehr wird offiziell applaudiert...

    Nachdem was hier berichtet, wird eine Stadt dem Tourismus geopfert. Klingt ja unverhohlen durch, daß man damit Geld verdienen will - und sonst nichts! Von seriösen Rekonstruktionsbestrebungen meilenweit entfernt; hat auch mit Disneyland nichts zu tun; denn dieser Vergügungspark entstand quasi aus dem Nichts - hier wird ein traditionsreicher Ort bizarr überformt und auf Klischees reduziert. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Bevölkerung da wirklich dahintersteht.

    rakete


    Ich bin mir sicher, daß es nachvollziehbare Gründe dafür gab, das neue Pellerhaus unter Denkmalschutz zu stellen. Und meine Kritik an der Architektur ließe sich auf zahllose andere 50er Jahre Bauten übertragen - damals wurde meist anspruchslos und in bescheidenen Formen gebaut. Vielleicht ist das Problem in dem Zusammenhang generell die Denkmalwürdigkeit der 50er Jahre, vielleicht war es zu früh, hier Denkmalschutz auszusprechen, bevor noch Stadtreparatur als verspätete Folge des Wiederaufbaus stattfinden kann. Ein Indiz dafür wäre, daß Fälle wie das Pellerhaus so umstritten sind. Meiner Meinung nach liegt hier einer der Ausnahmefälle vor, in denen man Denkmalschutz zugunsten einer Rekonstruktion aufheben dürfte. Aber wie auch immer: Es ist das die Angelegenheit der Nürnberger selbst.

    Eine solche Verglasung ist modern, urban, jung, hip, trendig... und eine Sünde gegen den guten Geschmack
    :schockiert:


    Ansonsten hab ich jetzt Bamberg auf der Liste der Städte, die ich unbedingt einmal besuchen muß, wieder weiter nach oben gereiht! Sehr schöne Ansichten!


    Und für das Haus Nürnberger Straße 2 hoffe ich auf baldige Restaurierung - bitte mit passenden Fenstern!

    Als "Normalfall" ist die Devise des modernen Denkmalschutz "Konservieren, nicht rekonstruieren" richtig und gut, aber in Ausnahmefällen darf mMn auch davon abgesehen werden. Ich finde es schön, daß in Deutschland mancherorts dieser Mut zur Rekonstruktion gefunden wurde und sehe das als eine Art Ausgleich zu den vielen Fällen, in denen nicht einmal das erste Prinzip, das Konservieren, gelingt, weil alte Bausubstanz umgebaut, modernisiert, entkernt und zerstört wird.


    Nochmal zum Pellerhaus bzw. der Alten Waage: Diese Bauten lösen - ich denke mal, nicht nur bei mir - Befremden aus. Wenn hier, wie du sagst, ein Fortschreiben der Baugeschichte vor Ort stattfindet, dann wohl nur über den gewaltigen Bruch mit der Tradition, den die Moderne in der Architekturgeschichte vollzogen hat. Ich verstehe zwar, daß das interessant, zeittypisch und bis zu einem gewissen Grad auch schützenswert ist, aber vom Empfinden her bleiben diese Fassaden Fremdkörper.
    Und von meinem laienhaften Standpunkt aus: die Pellerfassade scheint mir absolut nicht gelungen, auch an Zeitmaßstäben gemessen: dieser komische Fassadenabschluß mit den Bögen ist unausgereift, als ob sich der Architekt nicht durchringen konnte zu einem wirklich repräsentativen Element.

    Hab mich vorhin ein wenig patschert ausgedrückt... Natürlich bin ich dafür, Denkmalschutz mit seinen Konsequenzen streng auszulegen. Und eine Aufhebung kommt überhaupt nur in FRage, wenn
    a) genügend gleichwertige Beispiele vorhanden sind UND
    b) der an dieser STelle entstehende Nachfolger in künstlerischer/städtebaulicher Hinsicht einen Mehrgewinn darstellt - wie dies eine Rekonstruktion darstellt.
    Da wird es wohl immer einen Zwiespalt geben, eine solche Entscheidung bleibt subjektiv und man muß wohl in Kauf nehmen, daß spätere Generationen das dereinst vielleicht missbilligen - so wie ja auch die Rekonstruktionen und "Vollendungen" des Historismus missbilligt wurden - bis in den letzten Jahren ihr Mehrwert erkannt wurde.


    Quote

    wieviele gründerzeitler wären für leipzig genügend?)


    Dazu ein Blick nach Wien: Hier, wo Rekonstruktionen ja kein Thema sind, liegt das Hauptproblem im leichtfertigen Umgang mit der gründerzeitlichen Bausubstanz. Es scheint genügend da, aber was anstelle der abgebrochenen Häuser entsteht ist meilenweit entfernt davon, gleich- oder mehrwertig zu sein. Hier kann als Motto nur gelten: Wehret den Anfängen, soviel erhalten wie möglich (Ensembleschutz!), Abbrüche nur in Ausnahmefällen!


    []

    Seh´ ich auch so. Abgesehen davon, daß derzeit wichtige Bauzeugen für das - bei uns gerade zu Ende gehende - Industriezeitalter der Reihe nach verschwinden (und damit das allgemeine Wissen über die Produktionsweise von Gütern - unsere Kinder werden die Dinge nur mehr fix und fertig aus dem Supermarkt kennen; und ein Fabriksschlot wird etwas vollkommen Exotisches sein); abgesehen davon also sind viele Industriebauten vor allem aus dem 19. Jh. schlicht auch "schöne" Architektur. Ich persönlich liebe die Sichtziegelfassaden, die großen Hallen usw.


    Das Kraftwerk Rheinfelden mag nicht mit so hohen architektonischen Ansprüchen errichtet worden sein wie manch anderer Industriebau, aber im Zusammenhang mit seinem Alter, Seltenheitswert und der erhaltenen technischen Ausstattung denke ich, ist es wohl sicher erhaltenswert.


    Booni:
    Das Beispiel des Cuno-Kraftwerks ist total bedauerlich. Und dabei dachte ich, daß gerade im Ruhrgebiet Wert auf Industriekultur und ihre Erhaltung gelegt wird; mehr als anderswo. Bei meinem Besuch dort war ich richtig begeistert, wie entlang der "Route Industriekultur" die alten Gemäuer erlebbar und aufbereitet sind. Zugegeben, hab nur die "Highlights" besucht: Zeche Zollern 2/4; Kokerei Hansa, Landschaftspark Duisburg Nord

    Das scheint wirklich skandalös! Leider, kann man nur sagen, sind Industriebauten immer noch Stiefkinder des DEnkmalschutzes. Teilweise noch nicht einmal richtig inventarisiert, werden sie vom Fortschritt überrollt und zum Abriß freigegeben. Und wie aus dem Posting von Oliver ersichtlich, ist das Bewußtsein für ihre Denkmalwürdigkeit noch viel zu gering.


    Im konkreten Fall: Ist dort keine Initiative in Sicht? Gibt es niemanden von den dort lebenden, der Gemeinde, dem die Erhaltung ein Anliegen ist?

    Der Entschluß, ein Bauwerk unter Denkmalschutz zu stellen, ist ein Werturteil, jedoch nur das jeweilige Gebäude betreffend. Die Maßstäbe, die der Entscheidung zugrundeliegen, sind allemal relativ, abhängig von zeitgenössischen Trends, vom Land (in Deutschland ist Denkmalschutz ja Ländersache) usw. Allerdings glaube ich schon, daß je weiter man in der Zeit zurückgeht, umso "eindeutiger" scheint die Denkmalwürdigkeit - schon aufgrund der geringen Zahl der überlieferten Denkmäler - das Mittelalter ist also quasi näher bei Gott als die 50er Jahre.


    Genau hier denke ich auch, liegt der Punkt, wo man bei Argumentationen zugunsten von Rekonstruktionen ansetzen kann: Am oben erwähnten Beispiel des Peller-Hauses in Nürnberg: Der Neubau mag ein gutes Beispiel für Wiederaufbauarchitektur sein (nb. halte ich die Fassade für absolut nicht gelungen: einfacher Fensterraster und ungelenker Bogenabschluss) - doch haben wir dafür genügend andere gleichwertige Beispiele - das alte Pellerhaus hatte eine einmalige Renaissance-Fassade, die wiederzugewinnen den Verlust des neuen Denkmals aufwiegt.

    Haben solche Protest- und Boykottaktionen gegenüber bestimmten Konzernen Sinn? In Wien gibt es den Fall der Süßwarenfabrik Manner, die sich weigert, ihr prachtvolles Fabriksgebäude von Ende des 19. Jh.s unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Drohen mit Produktionsverlagerung und Arbeitsplätzeabbau. Da hab ich mir auch schon Protest und Boykott überlegt - vor allem, weil diese Firma mit dem Traditions- und Nostalgieargument Werbung macht!

    @ Exilwiener


    Ja, an die Passage im Palais Ferstel hab ich nicht gedacht. Die ist ein natürlich ein Prunkstück!


    In der Wiener Altstadt ist wenig aus der vorbarocken Zeit erhalten; eigentlich nur gotische Kirchen (allesamt barockisiert bzw. regotisiert) und einige Renaissance-Bürgerhäuser. Das "alte" Rathaus ist ein Barockbau - im Gegensatz zum großen neogotischen "neuen" Rathaus. Dabei muß man sagen, daß ein Großteil der vorbarocken Bausubstanz in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Gründerzeitbauten ersetzt wurde. Allerdings wie ich meine durch ästhetisch anspruchsvolle Gebäude - im Gegensatz zu den Nachkriegsbauten...


    Alte Gäßchen gibt es einige, diese liegen aber vereinzelt zwischen den größeren "Durchzugsstraßen" - Griechengasse, Schönlaterngasse, Ballgasse - wenn ich es schaffe Fotos hochzuladen, kann ich da auch Bildmaterial beisteuern

    Ja, genau dieses "erhebende" Gefühl mag ich auch so. KLingt zwar pathetisch, ist aber so. Dieses Gefühl lösen bei mir neben historistischen Platzanlagen besonders barocke Schlösser aus...


    Leipziger
    Den Leipziger Justizpalast fand ich bei meinem Besuch schon auch beeindruckend - genauso wie das neue Rathaus und den Leipziger Bahnhof - unsere Wiener Bahnhöfe sind ja leider alle zerstört worden. In Wien haben wir auch kaum Passagen wie die Mädlerpassage; dieser Typus war in Wien offenbar kaum verbreitet. Alles in allem sind die lokalen Unterschiede auch im Historismus doch beträchtlich.


    Exilwiener
    Ist das Abbruchgebäude das vorgesehene neue OPEC-Hauptquartier? Davon hab ich gelesen, weil es einen - viel zu leisen - Aufschrei darum gab!