Posts by Seinsheim

    Das unverglaste Treppenhaus war natürlich unpraktisch, selbst in Italien sind einige - etwa im Palazzo della Consultà in Rom, nachträglich verglast worden. Dasselbe gilt für die Loggien im Damasushof des Vatikans und für sehr viele andere Fassaden. Auch die Benediktionsloggia des Petersdoms war ursprünglich offen (was auch besser aussah).

    Die unverglaste Treppe ist von der Idee her eine überdachte Freitreppe, besonders gut konnte man dies am Oberen Belvedere in Wien sehen. Noch in der Würzburger Residenz gehörten Vestibül und unterer Treppenbereich zum Außenbereich des Schlosses - entsprechend sind die Schachtwände der unteren Treppenläufe in der Farbe gestrichen, die auch die Fassade hat.

    Daneben gibt es den unverglasten Wendelstein: in Blois, in Torgau und - vor dem Umbau durch Schlüter - gleich zweimal im Hof des Berliner Schlosses.

    St. Florian hat bis heute ein offenes Treppenhaus. Und das Berliner Treppenhaus war bis zur Mitte des 19. Jhs. zumindest noch im unteren Bereich unverglast.
    Letztlich hat die Verglasung der Treppe die Wohnsituation im Schloss kaum verbessert. Die Kälte drang im Winter durch die dünnen Fenster der Wohnräume ebenso ein wie durch die Türen zwischen Treppenhaus und Wohnbereich. Ich denke, ein Grund war eher, dass man Regen, Schnee und Schmutz nicht mehr auf den Treppenstiegen haben wollte.

    Wir haben über die Gründerzeitarchitektur und die Architektur des Wilhelminismus (ist ja nicht dasselbe) schon vielfach diskutiert. Die qualitative Bandbreite ist recht groß, v.a. für die Architektur zwischen 1890 und 1914. Ein Mangel war, dass es Bauherren gab, die viel Geld, aber keinen Geschmack besaßen. Die Folge waren protzige, überladene Fassaden, die zwar eine Oberflächenstruktur aufwiesen, diese aber keinen Sinn ergab und die auch ziemlich geistlos war: dreidimensionale Tapetenarchitektur aus dem Katalog ohne Sinn und Verstand. Dass wir diese Architektur heute besser finden als die zeitgenössische Moderne, ist kein Gütesiegel für die damalige, sondern ein Armutszeugnis für die heutige Architektur.

    Daneben gab es um 1900 freilich auch eine sehr reichhaltige Architektur, die nicht protzig war, sondern prachtvoll. Protz - Prunk - Pracht, das ist keineswegs dasselbe. Prachtvolle und prächtige (auch das ist nicht dasselbe) Architektur kann sehr stimmig und tiefinnig sein. Besonders hervorzuheben wären die Staatsbibliothek unter den Linden und das Bode-Museum.

    Dann entwickelte sich ab 1900 eine zum Teil sehr elegante, eher zurückhaltende Reformarchitektur, die sich beispielsweise in einigen Warenhäusern, vor allem aber auch in Geschäftsbauten und Wohnhäusern zeigte.

    Nicht zu vergessen auch die zum Teil exzellente Industriearchitektur (Anhalter Bahnhof).

    Man sollte also differenzieren. Die Bauten am Schinkelplatz, ich wiederhole mich, waren für sich genommen sehr gelungen. Aber solch guter Architektur fiel eben zum Teil eine ältere, nicht selten schönere - oder zumindest historisch bedeutsamere - Bausubstanz zum Opfer. Wie herrlich wäre es beispielsweise, wir hätten an der alten Stechbahn noch die wunderbare Häuserzeile Jean de Bodts, die auf die Fassaden der Place Vendôme in Paris Bezug nahm!

    Ich finde es indes interessant, dass man einerseits der wilhelminischen Kuppel des Doms nachtrauert, obwohl sie gestalterisch nicht sonderlich geglückt war und auf das Schloss und die Bauten der Museumsinsel recht erdrückend wirkte, und man andererseits den Verlust der wilhelminischen Bauten am Schinkelplatz, die für sich genommen wirklich gut waren, hinzunehmen scheint.
    Ich hätte es begrüßt, diese Bauten wären nach dem Krieg nicht abgerissen worden und man hätte das Gebäude ganz links um das obere Stockwerk zurückgebaut und auf das Walmdach verzichtet. Ich denke, die Bauakademie war gestalterisch so stark, dass sie diese Nachbarschaft im Zusammenspiel mit der Friedrichswerderschen Kirche durchaus ausgehalten hätte. Wirklich übel finde ich hingegen das Quartier westlich der Kirche.

    Es gibt wohl keine deutsche Stadt, in der die Kleinteiligkeit und Parzellierung der Textur so radikal durch großflächige Einzelbauten ersetzt wurde wie in Köln. Zum Teil wurde aus einem Block eine einzige Parzelle.

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    Je näher ich das von mir selbst gepostete Bild betrachte, desto klarer wird mir, dass es keinen historischen Zustand zeigt. Alle Kirchen, etwa Groß-Sankt-Martin am Rheinufer, Mariä Himelfahrt nördlich des Doms, das Bahnhofsgebäude, die Hohenzollernbrücke, Der Rathausturm - nichts stimmt. Da war also ziemlich viel KI im Spiel. Sorry!

    Seinsheim: "Das magst Du sehen, wie Du willst. Gottlob bestimmst Du mit Deiner woken Ideologie nicht, wer hier auf dem Forum was posten darf."

    Ums mal weniger diplomatisch auszudrücken: Ich verbitte mir hier, von Ihnen als woker Ideologe beleidigt zu werden! Ich halte es für schlichten Anstand, eine früher - nicht zuletzt auch unter ideologisch-kirchlichem Einfluss - heftig verfolgte Gruppe vor Verächtlichmachung zu verteidigen. Den lieben Gott wollen Sie hier gefälligst aus dem Spiel lassen!

    Die Regenbogenfahne ist längst Sinnbild einer woken, in weiten Teilen kirchenfeindlichen Ideologie geworden. Darüber hinaus hat sie grundsätzlich in Kirchenräumen ebenso wenig verloren wie andere politische Fahnen oder Zeichen. Es sei denn, man sieht in einer Kirche kein Heiligtum, das in allererster Linie der Verehrung Gottes dient, sondern einen politischen Aktionsraum. Doch genau durch diese Art von diesseitigem Aktionismus wird Kirche langfristig entbehrlich. Dass Gott - da es vor allem um Ihn geht, bringe ich Ihn selbstverständlich ins Spiel - jeden Menschen als sein Geschöpf liebt, steht außer Frage und sollte für jeden Christen eine Selbstverständlichkeit sein. Wer dazu nicht imstande ist, sollte sich schämen, ganz klar.
    Aber um diesen Grundsatz zu befolgen, brauche ich in einem Gotteshaus keine politischen Bekundungen einzelner Gruppen, ganz gleich welcher Art.

    Seinsheim: "Ebenso duldet man in großem Stil die Regenbogenfahnen und vielen anderen Unfug."

    Ob in Erinnerung an eine - extrem nett formuliert - SEHR bunte Kirchengeschichte nicht von jedem Kirchturm mal die Regenbogenfahne wehen sollte - darüber mag man geteilter Meinung sein. Dass man in einem Beitrag in einem Architekturforum diese Flagge in einem grammatikalisch bewusst (?) schillernden Satz so ganz nebenbei als "Unfug" bezeichnet - mit Verlaub: sowas hat hier nichts verloren. Ich verweise auf konservative bis reaktionäre Foren hier im Netz. Dort steht freilich auch viel "Unfug"...

    Das magst Du sehen, wie Du willst. Gottlob bestimmst Du mit Deiner woken Ideologie nicht, wer hier auf dem Forum was posten darf.

    Ich würde sagen, dass angesichts der planerischen Voraussicht Stellas und der Begeisterung Herrn Weimers fürs Schloss die Chancen gut stehen, dass wenigstens dieser eine wichtige Raum stellvertretend für alles andere wiederkommen kann.

    Im Grunde genommen derselbe Fall wie das Treppenhaus in Bruchsal und der Rittersaal in Mannheim. Man hat Grund dankbar zu sein.

    Wie man hört, ist Herr Weimer gar nicht so sehr ein Freund des Treppenhauses. Wie es scheint, zeichnet er sich auch hier wenig durch konservative Haltung aus.

    Eben, hier haben wir den Beweis für das, was wir schon vor längerem diskutiert haben. Bei Fachwerkhäusern dieser Art müssen sich die Fenster der Farbe der Balken anpassen. Anders bei jüngeren Fachwerkhäusern, die von Anfang an verputzt waren.

    Wenn man natürlich glaubt, Menschen durch Dance Pools, in Windeln gewickelte Hühnchen oder Krippen mit in Schleim gewickeltem Fleisch in die Kirchen locken zu können und dort letztlich nur Stuhlkreisdamen sitzen, die ebensogut bei den Omas gegen rechts mitmarschieren könnten, darf man sich nicht wundern, dass das Interesse bei jungen Leuten nachlässt.

    Ich stimme Dir darin zu, dass derartige Aktivitäten in Kirchen nichts verloren haben und ganz sicher dazu beitragen, Gäubige abzustoßen.

    Aber liegt hierin das eigentliche Problem der Kirchen?

    Ich glaube nicht. Die (aller)meisten Kirchen beteiligen sich nicht daran. Es wird weit verbreitet wirklich gute seelsorgerische Arbeit geleistet - und die Menschen bleiben dennoch immer häufiger fern.

    Die Entkirchlichung der Gesellschaft ist fundamental und von Generation zu Generation weiter voranschreitend. Und sie hängt nicht an einzelnen fragwürdigen Handlungen oder Verfehlungen.

    Ich denke, diese Skandale sind eben letztlich doch symptomatisch, wenngleich es sicherlich in vielen Gemeinden anders läuft, ich weiß das wohl. Aber der Fisch stinkt vom Kopf her. Wir haben mittlerweile leider einen Episkopat, der, von wenigen Ausnahmen abgesehen, längst vor dem säkularen Zeitgeist kapituliert hat. Kein Priester wird für derartige Skandale zur Verantwortung gezogen, man lässt sie gewähren. Ebenso duldet man in großem Stil die Regenbogenfahnen und vielen anderen Unfug. Und dann schaue man sich die verheerende Theologenausbildung an Universitäten und Priesterseminaren an. Der Niedergang ist weitgehend selbst verantwortet. Dem Zeitgeist kann man, wenn man will, widerstehen, auch wenn es unbequem ist und man nicht mehr von der Politik gehätschelt wird.

    Wenn man natürlich glaubt, Menschen durch Dance Pools, in Windeln gewickelte Hühnchen oder Krippen mit in Schleim gewickeltem Fleisch in die Kirchen locken zu können und dort letztlich nur Stuhlkreisdamen sitzen, die ebensogut bei den Omas gegen rechts mitmarschieren könnten, darf man sich nicht wundern, dass das Interesse bei jungen Leuten nachlässt. Dabei wäre es so einfach: Klares Profil, klares Bekenntnis, Mut, auf die Menschen zuzugehen, statt Leute wegen parteipolitischer Präferenzen auszugrenzen. Die Menschen sehnen sich nach tiefgründiger Spiritualität. Was sie nicht brauchen, ist abstoßender blasphemischer Klaumauk, der ihnen nur zeigt, dass viele Kirchenfunktionäre selber nicht mehr glauben und lieber den Herren dieser Welt dienen als dem Herrn des Universums.

    Die Berliner Zeitung (BZ) hat sich am 30.12.2025 in einem Artikel mit dem geplanten Einbau der Gigantentreppe im Berliner Schloss (HuF) befasst.

    https://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/s…entreppe-plaene

    Schön, dass sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass der Treppenhausrisalit ursprünglich unverglast war, was bedeutet, dass Innenraum, Fassade und Hofraum ursprünglich eine gestalterische und ikonographische Einheit bildeten.

    An sich ist das heute so etwas wie ein Normalfall. Tore sind abgerissen, schöne Türme verblieben. Dafür gibt es x Beispiele. Türme als Solitäre sind darüber hinaus grundsätzlich unproblematisch.

    Übrigens gilt das auch für die meisten erhaltenen Stadttore, die ja in Groß- und Mittelstädten auch nicht mehr im Mauerverband erhalten sind. Kurzum: am gegenwärtigen Zustand gibt es für mich eigentlich nichts auszusetzen.

    Na ja, jedes Bauwerk sieht in seinem ursprünglichen Kontext besser aus. Sonst könnte man sich ja auch in Potsdam mit dem Turm der Garnisonkirche zufriedengeben und auf den Rest verzichten.

    Und dann ist es auch eine Frage der Proportionen. Schlanke Türme brauchen - sofern es sich nicht um Fernsehtürme handelt - eher eine Einbettung als eher breitgelagerte Stadttore. In Freiburg beispielsweise wurden die Stadttore nach Abbruch der Stadtmauer in ein eigens für sie geschaffenes Ensemble intergriert.