Posts by Seinsheim

    Artikel aus dem SPIEGEL.

    Es geht wieder um Kunstwerke, die nicht rechtmäßig erworben wurden. - Wenn aber nun alles an die Ursprungsländer zurückgegeben wird, bleibt dann noch etwas übrig, um ein so großes Museum für die Weltkultur zu eröffnen? :tongue:


    Man denkt offenbar darüber nach, Repliken der Kunstwerke auszustellen, wenn die Originale wieder abwandern.

    Interessant ist ja auch, dass die Schreiberlinge vom Spiegel dieses Thema mit dem Gebäude "Berliner Stadtschloss" und nicht mit der Institution Humboldt-Forum in Verbindung bringen: die alte Technik der Kulturmarxisten, unliebsame Architektur durch manipulative Assoziationen ideologisch zu kontaminieren.

    Na ja, irgendwie muss der Platz ja möbliert werden. Man kann das mit Brunnen, Skulpturen, Balustraden und Blumenbeeten machen oder mit Leuchtstangen, Pollern, Fahrradeständern und Mülleimern - je nach Zeitgeschmack.

    Das wäre ja ein verfrühter Aprilscherz. smile:) Ein echter wäre, wenn die Zeitungen am 1.4. berichten würden, dass just heute das Humboldt-Forum inklusive Schlüterhof kostenlos die Pforten öffnet. Wer wolle, bekomme eine Großpackung FFP2-Masken dazu geschenkt, es beständen aber weder Masken- noch Abstandspflicht... Und dann stehen die Leute vor verschlossenen Türen... :schockiert:razz:):lachen:

    Diese Bemerkung gehört eigentlich in die Rubrik "Fiese Witze". :D

    Ich kann mich noch immer nicht damit anfreunden, dass Portal III verglast ist. Ein Triumphbogen mit einer Tür ist ein Widerspruch in sich. Schon die schmiedeeisernen Gitter waren ein Fremdkörper, aber sie wirkten weitaus dezenter und besaßen für sich genommen einen hohen gestalterischen Wert. Ich frage mich, ob die hintere Verglasung zum Foyer hin nicht gereicht hätte.

    Treverer Volle Zustimmung.


    So wäre es deutlich besser geworden:
    Julius Carl Raschdorff, Entwurf zum Neubau des Domes und zur Vollendung des Koeniglichen Schlosses in Berlin, Aufriss der Westseite des Domes, (Entwurf II), 1888, | Quelle_Archiv Berliner Dom, Blatt 18-6561


    Treverer Ich kann Dir nur zustimmen. Die Kuppeln wurden schon von den Zeitgenossen als überladen und schlecht proportioniert kritisiert, zumal sie auch von Raschdorffs ursprünglichen Plan abweichen. Das Problem des Domneubaus war von Anfang an, schon unter FW IV, dass er die Maßstäbe der Spreeinsel sprengte. Der ausgeführte Dom war zwar deutlich kleiner als manches der gigantomanischen Projekte, aber er trug dennoch dazu bei, Altes Museum und Schloss zu marginalisieren. Die heutige Kuppel hingegen lässt das Schloss mit der Stülerkuppel besser zur Geltung kommen. Und dann muss man auch ganz grundsätzlich sagen: Raschdorff hatte als Architekt auch nicht dieselben Qualitäten wie Ernst von Ihne oder Paul Wallot. Das merkt man dem Dom deutlich an.

    Was daran soll bitte "passend" sein?

    Modernistische Brüche sind schlecht und sollen als solche bitte auch benannt werden.

    Dieses Forum hat sich einst gebildet, um genau solche Entwicklungen zu kritisieren.


    Vielleicht sollten all diejenigen, denen diese berechtigte Kritik nicht genehm ist, sich an "nicht so schlecht" oder "es könnte schlimmer sein" langsam mal fragen, ob sie in anderen Architekturforen besser aufgehoben sind, statt solche unnötigen Architekturbrüche zu relativieren oder gar weichzuspülen.

    Habe ich hier etwas nicht mitbekommen? Gibt es auf diesem Forum eine Art geschmacklicher Gestaltungssatzung oder eine Form der architectonical correctness, die eine bestimmte Grundhaltung zur Architektur nahelegt ?

    Die stoische Philosophie hat Herakles darüber hinaus als Inbegriff des geduldigen Tragens von Mühsal und der heroischen (Selbst-)Aufopferung gedeutet, die Kirchenväter haben später Analogien zu Christus (Herkules Christianus; Bibliothekssaal Stift Melk) oder Petrus gesehen (claviger = Keulenschwinger, aber auch Schlüsselbesitzer; in diesem Sinne wurde beispielsweise ein karolingischer Thron, der antike Elfenbeintafeln mit den Herkulestaten enthält, als die originale Cathedra des Apostelfürsten verehrt).


    In der Staatskunst Karls VI. wurden die Herkulestugenden Fortitudo und Constantia (Tapferkeit und Ausdauer/Standhaftigkeit) durch zwei Säulen verbildlicht: auch in Anspielung auf die Säulen des Herkules bei Gibraltar (damit verbunden der Anspruch auf den spanischen Thron) sowie auf die Säulen des salomonischen Tempels Jachin und Boas, die so ziemlich dasselbe bedeuten (Er steht fest, in ihm ist Kraft). Herausragendes Beispiel: die Karlskirche in Wien.


    Die von Herkules erworbenen Hesperidenäpfel wiederum wurden einerseits mit den Pomeranzen gleichgesetzt, andererseits aber auch mit dem Reichsapfel, weshalb die Herkules-Hesperiden-Ikonographie v.a. bei den Kurfürsten eine besondere Rolle spielte: zu denken wäre hier besonders im als Orangerie errichteten Dresdner Zwinger, an "Pommers-"felden, aber auch an Heidelberg und Mannheim (Reichsapfel im Wappen der Kurpfalz).


    Herkules ist somit das exemplum virtutis schlechthin. Der Figurenschmuck an barocken Schlössern diente also nicht nur der Selbsterhöhung des Herrschers, er war auch ein Fürstenspiegel. Entsprechend sind die Treppenhäuser v.a. des süddeutschen Barock als herkulische Tugendwege gestaltet, die aus dunkler Enge in lichte Weite führen, per aspera ad astra. Herrschaft musste im Sinne adliger Standesethik zumindest formal durch Verdienst erworben werden - anders als in Frankreich genügte die Geburt nicht. Die Adelskultur des Heiligen Römischen Reiches war immer auch meritokratisch-kompetitiv, was sich auch im Wetteifern auf dem Feld der Schlossbaukunst zeigte.

    Prinzipiell, so scheint mir, sind große Pflasterflächen vor Monumentalbauten kein Unglück. Der Platz vor der Würzburger Residenz (Foto), der Freiburger Münsterplatz (Foto), die Piazza Navona und der Petersplatz in Rom - riesige Steinflächen, die sehr gut wirken (ganz im Unterschied natürlich zur Kölner Domplatte). Es kommt m. E. vor allem darauf an, wie gepflastert wird. Das historische Kopfsteinpflaster wirkt eben nochmal anders als das moderne. In Berlin gibt es Unmengen an wirklich schönen Pflastersteinen aus der Zeit vom ausgehenden 19. Jh. bis in die 1930er Jahre, sie liegen allesamt unter dem Asphalt. Natürlich ist es - auch bei Neuasphaltierung - einfach, den alten Belag abzukratzen und den neuen unmittelbar auf die freigelegten Steine zu legen, anstatt neue Kiesbetten aufzuschütten. Aber ich halte das doch für einen enorme Ressourcenverschwendung.


    Eine schöne historische Pflasterung mit Neptunbrunnen unter Verwendung größerer Granitplatten entlang der südlichen Fassadenkante (quasi als

    Saum wie etwa bei der Hofkirche in Dresden; Foto) und eine entsprechende Inszenierung der Durchfahrten (etwa durch halbkreisförmig-konzentrische Steinlagen wie an anderen historischen Bauten, etwa S. Ivo in Rom; Foto) hätte sehr gut gewirkt. Da hätte es nicht unbedingt irgendwelcher Rabatten bedurft.


    Etwas anders gestaltet sich die Situation an der Nordseite. Dort haben die Lenéschen Terrassen wirklich einen sehr guten Übergang zum Lustgarten geschaffen. Im Vergleich dazu wirken die jetzigen Bepflanzungen wie Beete.


    Im Übrigen würde ich die Straßen an beiden Seiten durchgehend pflastern und den Verlauf der Fahrbahnen mit metallenen Kappen markieren. Dann würden die Straßen nicht so auffallen.



    Würzburg



    Freiburg



    Dresden


    ) u

    S. Ivo

    Zunächst an dieser Stelle allen ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest.


    Was die Monarchie-Diskussion betrifft, so hast Du, lieber Rastrelli , Petersburg mit dem Hinweis zitiert, dass die Queen keinerlei politischen Einfluss habe. Der Einfluss des englischen Königshauses war freilich 1914 freilich nicht viel größer. Somit ging die englische Politik, die für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges maßgebliche Mitschuld trug, vom Unterhaus aus. Ähnlich würde ich es von Zar Nikolaus sagen: auch er war in erster Linie ein Getriebener. Wenig machtpolitischen Einfluss besaß auch der italienische König unter Mussolini. Nun kann man darüber spekulieren, wie weit die Handlungsspielräume Wilhelms II. und der deutschen Bundesfürsten reichten. Aber auch da waren Militär, Öffentlichkeit und Ministerialbürokratie nicht ohne Einfluss. Wilhelm II. jedenfalls wollte den Krieg nicht.

    Ich bin kein Monarchist, möchte aber betonen, dass die nationalstaatlichen Republiken und Demokratien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit ihren völkisch-nationalistischen Ressentiments keineswegs besser waren und einige von ihnen nicht imstande waren, die Machtübernahme totalitärer Parteien zu verhindern.

    Auf dem Video sieht die Umbauung des Schlosses einfach besser aus: an der Ostseite laufen die Rampen nicht einfach durch, sondern machen eine Kehrwende, was nicht nur interessanter aussieht, in der Mitte auch Platz für eine doppelläufige Treppe schafft. Über diese kann man von der Terrasse bis ans Wasser gelangen, wohin weitere kleine Treppen führen. Es gibt keine massiven Brüstungen, welche die Sicht versperren ; an der Nordseite befinden sich die breiten Schlossterrassen, welche die Architektur in den Stadtraum überführen: mit den Rossebändigern, welche den Zugang zur Passage über die PortaI IV inszenieren; ferner mit vorgelagerten Rasenflächen , die den Übergang zum Lustgarten vollziehen.


    Aber stattdessen durften sich Landschaftsplaner selbst verwirklichen, die mit dem Schlossbau nicht umgehen konnten oder wollten.

    Wichtig wäre, dass die Beete wie von Babber50 vorgeschlagen und wie es auch historisch wäre, längsgerichtet sind. Drei Kreise nebeneinander stünden in keinerlei Beziehung zueinander. Besser ist ein Brunnen, zu dem die Beete gleichsam die ausgestreckten Arme bilden und so auf die Breite des Platzraums reagieren.

    Ich denke, auch euch ist schon aufgefallen, wie gut besucht das Schlossumfeld ist, wie viele Menschen es von allen vier Seiten umgehen. Für Corona-Zeiten finde ich das bemerkenswert. Und Passage und Schlüterhof sind geschlossen, weil man eine Überfüllung befürchtet. Das zeigt doch schon jetzt eine ganz beachtliche Akzeptanz!

    Wenn wir Europäer unsere Maßstäbe nicht an andere Völker anlegen dürfen, weil das überheblich und womöglich rassistisch und kolonialistisch ist, dann bitte:

    keine Kritik an indischen Witwenverbrennungen (von den britischen Kolonialherren verboten)

    keine Kritik an fernöstlicher Kinderabeit

    keine Kritik an afrikanischer Genitalverstümmelung,

    keine Kritik am Elfenbeinhandel,

    keine Kritik an brasilianischer Regenwaldrodung,

    keine Kritik an Homosexuellenverfolgung im Iran,

    kein erhobener Zeigefinger gegen Länder mit tatsächlichen oder vermeintlichen Demokratiedefiziten!

    Und was geopolitisch-synchron gilt, gilt natürlich auch historisch-diachron:

    keine Kritik an Religionskriegen und Hexenverbrennungen des 17. Jhs.,

    keine Kritik am vermeintlichen oder tatsächlichen Aberglauben des Mittelalters,

    keine Kritik an der Sklavenhaltergesellschaft der Antike usf.


    Diejenigen, die sich am meisten in Kulturrelativismus üben, sind doch zu großen Teilen dieselben, die sich selbst zu moralischen Besserwissern aufschwingen und sehr wohl ihre westeuropäisch-"aufklärerischen" Werte zum absoluten Maßstab erheben. Ist denn die weltweite Durchsetzung dessen, was wir unter Menschenrechten, Klimaschutz, Aufklärung usf. verstehen, nicht hochgradig eurozentrisch? Ist die Art und Weise, mit der wir uns mit unserer postaufklärerisch-postmodernen Ethik über unsere Vorfahren und deren Mentalität erheben, nicht auch eine Form von moralischem Hegemonialismus? Und ist es nicht heuchlerisch, einerseits die besondere Wertschätzung von Beethoven und Goethe mit Hinweis auf die Popkultur als elitär - und folglich als nichtig - abzutun, andererseits aber gegen den jede Form von Populismus zu wettern?


    Ich habe den Eindruck, dass manche sich die Dinge immer genau so zurecht legen, wie es ihnen passt, um sich zu profilieren oder moralisch über andere zu stellen - womit sie letztlich genau das tun, was sie an anderen kritisieren.


    Ich für meinen Teil bin durchaus der Meinung, dass die klassische Musik zu den Höhepunkten menschlicher Kulturschaffens zählt. Ich bin auch der Meinung, dass die von Europäern entwickelten Ideen von Menschenwürde, Weltkulturerbe, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit, sexueller Selbstbestimmung, Antirassismus und sozialer Gleichberechtigung absolute Werte sind. Und ich sehe in diesen Werten tatsächlich einen enormen Vorzug gegenüber anderen Kulturen und Zivilisationen, die diese Werte nicht hervorgebracht haben und sie sogar ablehnen - so wie ich im Gegenzug auf anderen Gebieten gerne anderen Kulturen eine Überlegenheit einräume und es für richtig halten, wenn wir Europäer in diesen Punkten dazu lernen.


    Fazit: Ich betrachte es als Unfug, grundsätzlich alles zu relativieren, zumal, wenn es mit der Tendenz einhergeht, das Eigene abzuwerten. Und ich erachte es als eine Heuchelei, wenn die Relativierer so tun, als würden sie selbst nicht auch verabsolutieren.

    Das Problem ist unser defizitäres Justizsystem. Wen ein Staatsanwalt pro Tag 5 Fälle auf den Tisch geknallt bekommt, die Polizei zu schwach besetzt ist und Richter zu inkonsequent sind... Man braucht keine neuen Gesetze, man muss sie nur - verdammt nochmal - endlich richtig anwenden und umsetzen.