Posts by Seinsheim

    Ich finde das Konzept total verkorkst. Man hat keine Ahnung von Stadtarchitektur und Urbanistik. Intelligent wäre es, man würde die Nordseite mit den nach Süden zeigenden Fassaden so verbreitern, dass dort Raum für Straßencafes entstünde. Dann meinetwegen ein schmaler Streifen für Räder und der Mittelstreifen, wie er jetzt ist (aber zum Flanieren, also ohne Radweg). Auf der Nordseite kann man dann mit jeweils einer Fahrbahn pro Richtung Bus- und Taxiverkehr unterbringen. Zur Not kann man dort auch den Gehweg verschmälern.

    Andreas Vielleicht rührt ja der Unmut etlicher Foristen daher, dass das von Dir beschriebene Recht das eine, die Anwendung und die Umsetzung desselben das andere ist und immer mehr Menschen in diesem Land das beklemmende Gefühl haben, dass wir auf dem Papier zwar eine hervorragende Verfassung und eine hervorragende Gesetzgebung haben, politische Eliten und Entscheidungsträger sich aber immer weniger darum scheren bzw. das Recht je nachdem sehr unterschiedlich anwenden. Insofern bleibt abzuwarten, die die Urteile in diesem Fall tatsächlich ausfallen.

    Der Innenhof ist zweifelsfrei besser als die allermeisten in Dresden. Aber ich finde, man hätte noch mehr herausholen können. Es ist schon ein wenig ein Stilmix. Gerade die langen Balkone, die der Erschließung dienen, sehen recht trostlos aus und sprengen den Maßstab. Warum hat man hier nicht auch Bogengalerien errichtet wie an den Schmalseiten? Das Fehlen eines Masterplans macht sich schmerzlich bemerkbar.

    Was für eine Chance hätte sich aufgetan, Höfe als Teile der Stadtarchitektur zu begreifen und einige dieser Höfe öffentlich zu machen? Der Hof als ein hinter die Fassade verlagerter Platz - die Einfahrt als eine überbaute Gasse....



    Das kommt davon, wenn man immer nur das Ergebnis und nicht die Ursache beleuchtet. Die Ursache hier ist eine offensichtliche Geringschätzung für kulturelle Erzeugnisse, deren Meisterschaft man gar nicht mehr versteht, weil die Urteilskraft aufgrund eines tief verinnerlichten „egalitären Prinzips“ gar nicht mehr unterscheiden und gewichten kann. Es fehlt jegliches ästhetische Sensorium, sie sich geistig anzueignen. Man weiß damit nichts mehr anzufangen, außer sie -gleich Kleinkindern- bunt anzumalen. Man findet keinen Bezug mehr zu seiner eigenen Vergangenheit und gibt sie deswegen der Lächerlichkeit preis- ohne natürlich selbst zu erkennen (wie auch?), wie barbarisch man dadurch eigentlich handelt. Die bewusste Zerstörung in vergangenen Zeiten ging hingegen immerhin noch davon aus, dass es jemanden gibt, der sie bedauern und um die Tragweite des Verlustes wissen würde. Insofern finde ich die heutigen Bilderstürmer, wenn man sich auf ihre unbewussten „Motive“ (Motive, die m.E. langfristig gesehen um einiges zerstörerischer sind als Bomben) und nicht auf den Zerstörungsgrad fokussiert, um einiges schlimmer, weil sie -ohne es zu merken- einen historischen und ‚kulturellen‘ Endpunkt markieren. Den sie mitunter tatsächlich mit „Fortschritt“ verwechseln.

    Besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können - glänzend formuliert. Danke!

    Weil Wien genannt wurde - im Oberen Belvedere beherrscht man diese Art mehr oder minder infantiler Zeitgeistinstallationen auch recht gut. Es ist wie mit dem Regietheater: Eine Gesellschaft, die zu eigenen Kulturleistungen nicht mehr imstande ist, verlegt sich darauf, vorhandene Kultur durch Schabernack zu verfremden - und nennt das dann künstlerische Intervention.








    Nichtsdestoweniger überkommen einem immer wehmütige Anflüge, wenn man nach Polen oder Ungarn schaut - zum Beispiel auf den Strang "Budapest - Perle an der Donau" auf dieser Seite.

    Seebastian : Hast Du Hintergrundinformationen, warum in Sachsen ein Schloss mit Hohenzollern-Ikonographie ( Porträts der preußischen Regenten in der Kuppel und am Geländer die Emblematik des Schwarzen-Adler-Ordens) erbaut wurde. Lassen die beiden Wappen an den Türflügeln auf eine Art Allianz schließen?

    Code
    Das Humboldt Forum ist enttäuschend, die Außenarchitektur ist schön, aber der Landschaftsgarten ist noch NICHT fertig. Sieht aus wie ein Parkplatz. Im Inneren sind nur die unterirdischen Ruinen des alten Palastes sehenswert. Der Rest ist eine moderne langweilige Ausstellung.

    Ich denke, sehenswert wird die Ausstellung vor allem wegen der - noch nicht zugänglichen - Ostasien-Sammlung sein.

    Architektur findet im öffentlichen Raum statt und ist deshalb eo ipso politisch. Da hat die Linke schon Recht. Der beste Beweis ist dieses Forum, in dem ständig über Politik gestritten wird.


    Dass sich Reko-Anhänger davor hüten, politische Argumente ins Feld zu führen, liegt natürlich am ungünstigen Meinungsklima. Jeder, der sich für den Wiederaufbau des Berliner/Potsdamer Schlosses einsetzt und sich gleichzeitig als glühender Preussen-Fan outet, würde der Sache einen Bärendienst erweisen. Daher auch immer wieder die Versuche von Reko-Gegnern, die andere Seite mit provokanten Thesen aus der Reserve zu locken ("Hah, jetzt hat er sich zu erkennen gegeben!").


    Man kann Bauten nicht losgelöst aus ihrem historischen Kontext betrachten. Wer sich für Gründerzeitbauten begeistert, wird auch dem Kaiserreich zumindest mit Sympathie begegnen. Sonst lügt er sich was in die Tasche.

    Ich würde das etwas anderes sehen. Ich bin wahrhaft kein Freund des Kommunismus - und schon gar nicht des Stalinismus, der in seiner Bestialität dem NS-System in nichts nachstand. Dennoch finde ich die stalinistischen Hochhausbauten in ihrer Turmästhetik um Welten besser als die Glaskästen der westlichen Moderne.
    Ich bin auch kein Monarchist und kein wirklicher Anhänger des barock-feudalen Reichskirchensystems (trotz meines Avatars biggrin:)). Dennoch schwärme ich für die Residenzbauten des 18. Jh.

    Ich bin kein Freund der Sklavenhaltergesellschaft, erfreue mich aber am Anblick römisch-antiker Ruinen....

    Oder um auf andere Kunstgattungen auszuweichen, die ja ebenso politisch sind bzw. sein können:
    Ich bin kein Lutheraner, schätze Bachs Kirchenmusik aber über die Maßen. Erst recht bin ich kein Calvinist, bewundere aber sehr die niederländische Bürgerkultur und das preußische Pflichtethos. Ich bin kein Orthodoxer, berausche mich aber gerne an der Liturgie des Johannes Chrysostomos...


    Vielleicht kann man es so sagen: Gute Kunst ist mit den Systemen, für die sie geschaffen wurde, niemals deckungsgleich. Sie schöpft größtenteils aus einem Fundus, der unabhängig von diesen Systemen existiert und wächst über diese Systeme weit hinaus. Und dort, wo sie doch eine Rückbindung an die diese Systeme hat, bringt sie deren bessere Seiten zum Ausdruck.

    Die Politisierung der Architektur nehme ich eigentlich immer nur auf Seiten der Reko-Gegner wahr. Umgekehrt kenne ich keine namhafte Stimme, die sich für Rekonstruktionen ausspricht und dies mit einem politischen oder weltanschaulichen Bekenntnis verbindet - weder beim Berliner Schloss, noch beim Dresdner Neumarkt oder der Frankfurter Altstadt.

    Es gab im 18. Jh. tatsächlich Farbgebungen, die für uns sehr gewöhnungsbedürftig sind, weil unsere Wahrnehmung eben doch noch stark durch das ausgehende 19. Jh. geprägt ist. Dürnstein ist ja nicht das einzige Beispiel, es lassen sich auch Melk, die Trierer Residenz, das Rastatter Schloss und das Berliner Zeughaus anführen. Manche Farbfassungen wurden v.a. in den 1970er Jahren zu knallig restauriert und gerade das obere Beispiel finde ich auch etwas krass. Dürnstein dagegen hat mich begeistert, weil die Barockbaumeister ja wirklich Keramik oder Porzellan imitiert haben und die Formensprache so viel nachvollziehbarer wirkt. In diesem Sinne hätte ich auch nichts gegen eine entsprechende Farbfassung des Dresdner Zwingers :).

    Ein weiterer Aspekt ist freilich der Ensemblegedanke. Irgendwie müssen barocke Fassaden sich auch in den Kontext einfügen, in Dresden z.B. in die Nachbarschaft der Alten Wache, der Semperoper und des Schlosses.

    Es ist wohl eine offensichtliche Strategie. Man stört sich an den historischen Fassaden. Was liegt näher, als das Ganze nach altbewährter Manier linker Kulturbetriebe zu "verfremden" oder abzuwerten: durch alberne Installationen, durch infantile Aktionen, durch eine entsprechende "Umnutzung". Man wird sich sicherlich was einfallen lassen.

    Der optische Effekt wäre leicht korrigierbar, wenn für das Innere der Kartuschen dieselbe Farbe wie für die Kartuschen genommen werden würde.

    Zumindest wäre der Effekt verbessert. Denn eigentlich bedarf es noch einer plastischen Modellierung der Füllung, durch welche die Rocaille mit dem Wandspiegel erst richtig verbunden wird.

    Ich habe mich immer gefragt, warum die Rocaillen an der Landhausstraße 4 so aufgeklebt wirken, also gar nicht als Teile der Fassadenarchitektur erscheinen. Ein Grund ist sicher der starke Farbkontrast. Viel schwerer wiegt aber, dass sie falsch rekonstruiert wurden. Die Kartuschen waren nämlich mehr gefüllt, bestanden also nicht einfach nur aus geschwungenes Lineament. Natürlich gibt es auch Rocaillen, die nur aus Linien bestehen, aber die finden sich meist in anderem Kontext, etwa an Möbeln oder an Deckenspiegeln. Darüber hinaus sind in der Landhausstraße 4 die einzelne Formen nicht detailgetreu übernommen, sondern nur paraphrasiert worden. Die Formensprache des Rokoko wurde nicht wirklich nachvollzogen.


     

    Wie ganz anders eine in der Steinwahl homogene Fassade wirkt, kann man an sehr vielen Beispielen (Dresdner Zwinger, Würzburger Residenz) sehen. Spontan fällt mir auch der Petit Trianon in Versailles ein, der zudem den Vorteil hat, dass man durch die Dachbalustrade den Himmel sehen kann - ein Effekt, der in Berlin leider auch nur noch bedingt gegeben ist.