Posts by Seinsheim

    Bentele Herzlichen Dank für die klaren Worte über die Symbolik des Kreuzes. Es ist immer interessant zu sehen, was historisches Faktum (das Kreuz als Zeichen des Friedens, der Selbsthingabe und der Demut) und was ideologische Auslegung (das Kreuz als Unterwerfungssymbol) ist. Man kann die Situation auf Gerichtssäle übertragen. In vielen Gerichtssälen hing früher ein Kreuz: nicht als Herrschaftszeichen, sondern um die Richter an eines der ungerechtesten (nach christlicher Lehre sogar das ungerechteste) Fehlurteil der Menschheitsgeschichte zu erinnern - verbunden mit der Mahnung, sich an das Recht und die Wahrheit zu halten sowie sich bewusst zu sein, dass man sich auch als Richter einmal vor einem noch höheren Richter zu verantworten hat. Aber was schert Ideologen, die skrupellos und gewissenlos ihre politische Agenda betreiben, die historische Wahrheit?

    Bentele und East_Clintwood

    Ich kann ich dem nur anschließen. Hinzu kommt aber auch eine extreme Weltfremdheit, die in völligem Widerspruch zu der Weltoffenheit steht, die man eigentlich propagiert. Zu dieser Weltfremdheit, der mittlerweile fast unser gesamtes Juste Milieu verfallen ist, gehört, dass man meint, die Welt müsse so sein, wie man sich als Kind die Villa Kunterbunt vorgestellt hat. Alles ist einfach und klar, es gibt keine Brüche, keine Widersprüche. Was nicht hundertprozentig in das kindliche Weltbild passt, ist schlecht. Ich stelle mir vor, diese Herrschaften müssten mit ihrer pharisäerhaften Gesinnungsethik Realpolitik betreiben. Würden Sie mit einem Diktator oder mit Terroristen verhandeln, um Menschenleben zu retten? Oder würden sie es aus Sorge vor einer möglichen Kontaktschuld vermeiden? Über so viel infantile und kleingeistige Weltfremdheit, ja Weltflucht kann man nur den Kopf schütteln.

    Hinzu kommt, dass die Statuen regierenden Personen gewidmet waren, es ging um eine Herrschergenealogie. Und da es in Brandenburg keine regierenden Kurfürstinnen gab, gab es auch keine entsprechenden Statuen. Insofern beruht der ganze Ansatz auf einer falschen Prämisse.

    Centralbahnhof Kann es sein, dass die bei den Eckfialen der Türme bis auf eine Ausnahme die Spitzen fehlen. Wenn ja, würde es mich wundern, warum man die Gelegenheit dort, wo das Gerüst aufgehängt war, nicht für eine Vervollständigung genutzt hat.

    Was mir bei meinem letzten Dresdenbesuch aufgefallen ist, waren die französischen Fenster der Neubauten, die wohl vor allem dem Bedürfnis der Investoren Rechnung tragen. Prinzipiell finde ich hochrechteckige Fenster das einzig Sinnvolle in einer Stadt, doch sollten sie nicht bis zum Boden gehen. Als ich an einem Hotel vorbeiging, saß da ein Tourist hinter dem Fenster und streckte die tennisbesockten Füße gegen die Scheibe. Das ist eine Verschränkung von Privatsphäre und öffentlichem Raum, die unangemessen und unästhetisch ist.

    Französische Fester ergeben Sinn, wenn es sich um Öffnungen für einen kleinen Balkon oder Austritt handelt oder um Türen, die durch ein kleines Außengitter gesichert sind. Letztere sollten dann aber im unteren Fünftel aber unverglast sein.

    Ich finde das Konzept total verkorkst. Man hat keine Ahnung von Stadtarchitektur und Urbanistik. Intelligent wäre es, man würde die Nordseite mit den nach Süden zeigenden Fassaden so verbreitern, dass dort Raum für Straßencafes entstünde. Dann meinetwegen ein schmaler Streifen für Räder und der Mittelstreifen, wie er jetzt ist (aber zum Flanieren, also ohne Radweg). Auf der Nordseite kann man dann mit jeweils einer Fahrbahn pro Richtung Bus- und Taxiverkehr unterbringen. Zur Not kann man dort auch den Gehweg verschmälern.

    Andreas Vielleicht rührt ja der Unmut etlicher Foristen daher, dass das von Dir beschriebene Recht das eine, die Anwendung und die Umsetzung desselben das andere ist und immer mehr Menschen in diesem Land das beklemmende Gefühl haben, dass wir auf dem Papier zwar eine hervorragende Verfassung und eine hervorragende Gesetzgebung haben, politische Eliten und Entscheidungsträger sich aber immer weniger darum scheren bzw. das Recht je nachdem sehr unterschiedlich anwenden. Insofern bleibt abzuwarten, die die Urteile in diesem Fall tatsächlich ausfallen.

    Der Innenhof ist zweifelsfrei besser als die allermeisten in Dresden. Aber ich finde, man hätte noch mehr herausholen können. Es ist schon ein wenig ein Stilmix. Gerade die langen Balkone, die der Erschließung dienen, sehen recht trostlos aus und sprengen den Maßstab. Warum hat man hier nicht auch Bogengalerien errichtet wie an den Schmalseiten? Das Fehlen eines Masterplans macht sich schmerzlich bemerkbar.

    Was für eine Chance hätte sich aufgetan, Höfe als Teile der Stadtarchitektur zu begreifen und einige dieser Höfe öffentlich zu machen? Der Hof als ein hinter die Fassade verlagerter Platz - die Einfahrt als eine überbaute Gasse....



    Das kommt davon, wenn man immer nur das Ergebnis und nicht die Ursache beleuchtet. Die Ursache hier ist eine offensichtliche Geringschätzung für kulturelle Erzeugnisse, deren Meisterschaft man gar nicht mehr versteht, weil die Urteilskraft aufgrund eines tief verinnerlichten „egalitären Prinzips“ gar nicht mehr unterscheiden und gewichten kann. Es fehlt jegliches ästhetische Sensorium, sie sich geistig anzueignen. Man weiß damit nichts mehr anzufangen, außer sie -gleich Kleinkindern- bunt anzumalen. Man findet keinen Bezug mehr zu seiner eigenen Vergangenheit und gibt sie deswegen der Lächerlichkeit preis- ohne natürlich selbst zu erkennen (wie auch?), wie barbarisch man dadurch eigentlich handelt. Die bewusste Zerstörung in vergangenen Zeiten ging hingegen immerhin noch davon aus, dass es jemanden gibt, der sie bedauern und um die Tragweite des Verlustes wissen würde. Insofern finde ich die heutigen Bilderstürmer, wenn man sich auf ihre unbewussten „Motive“ (Motive, die m.E. langfristig gesehen um einiges zerstörerischer sind als Bomben) und nicht auf den Zerstörungsgrad fokussiert, um einiges schlimmer, weil sie -ohne es zu merken- einen historischen und ‚kulturellen‘ Endpunkt markieren. Den sie mitunter tatsächlich mit „Fortschritt“ verwechseln.

    Besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können - glänzend formuliert. Danke!

    Weil Wien genannt wurde - im Oberen Belvedere beherrscht man diese Art mehr oder minder infantiler Zeitgeistinstallationen auch recht gut. Es ist wie mit dem Regietheater: Eine Gesellschaft, die zu eigenen Kulturleistungen nicht mehr imstande ist, verlegt sich darauf, vorhandene Kultur durch Schabernack zu verfremden - und nennt das dann künstlerische Intervention.








    Nichtsdestoweniger überkommen einem immer wehmütige Anflüge, wenn man nach Polen oder Ungarn schaut - zum Beispiel auf den Strang "Budapest - Perle an der Donau" auf dieser Seite.

    Seebastian : Hast Du Hintergrundinformationen, warum in Sachsen ein Schloss mit Hohenzollern-Ikonographie ( Porträts der preußischen Regenten in der Kuppel und am Geländer die Emblematik des Schwarzen-Adler-Ordens) erbaut wurde. Lassen die beiden Wappen an den Türflügeln auf eine Art Allianz schließen?

    Code
    Das Humboldt Forum ist enttäuschend, die Außenarchitektur ist schön, aber der Landschaftsgarten ist noch NICHT fertig. Sieht aus wie ein Parkplatz. Im Inneren sind nur die unterirdischen Ruinen des alten Palastes sehenswert. Der Rest ist eine moderne langweilige Ausstellung.

    Ich denke, sehenswert wird die Ausstellung vor allem wegen der - noch nicht zugänglichen - Ostasien-Sammlung sein.

    Architektur findet im öffentlichen Raum statt und ist deshalb eo ipso politisch. Da hat die Linke schon Recht. Der beste Beweis ist dieses Forum, in dem ständig über Politik gestritten wird.


    Dass sich Reko-Anhänger davor hüten, politische Argumente ins Feld zu führen, liegt natürlich am ungünstigen Meinungsklima. Jeder, der sich für den Wiederaufbau des Berliner/Potsdamer Schlosses einsetzt und sich gleichzeitig als glühender Preussen-Fan outet, würde der Sache einen Bärendienst erweisen. Daher auch immer wieder die Versuche von Reko-Gegnern, die andere Seite mit provokanten Thesen aus der Reserve zu locken ("Hah, jetzt hat er sich zu erkennen gegeben!").


    Man kann Bauten nicht losgelöst aus ihrem historischen Kontext betrachten. Wer sich für Gründerzeitbauten begeistert, wird auch dem Kaiserreich zumindest mit Sympathie begegnen. Sonst lügt er sich was in die Tasche.

    Ich würde das etwas anderes sehen. Ich bin wahrhaft kein Freund des Kommunismus - und schon gar nicht des Stalinismus, der in seiner Bestialität dem NS-System in nichts nachstand. Dennoch finde ich die stalinistischen Hochhausbauten in ihrer Turmästhetik um Welten besser als die Glaskästen der westlichen Moderne.
    Ich bin auch kein Monarchist und kein wirklicher Anhänger des barock-feudalen Reichskirchensystems (trotz meines Avatars biggrin:)). Dennoch schwärme ich für die Residenzbauten des 18. Jh.

    Ich bin kein Freund der Sklavenhaltergesellschaft, erfreue mich aber am Anblick römisch-antiker Ruinen....

    Oder um auf andere Kunstgattungen auszuweichen, die ja ebenso politisch sind bzw. sein können:
    Ich bin kein Lutheraner, schätze Bachs Kirchenmusik aber über die Maßen. Erst recht bin ich kein Calvinist, bewundere aber sehr die niederländische Bürgerkultur und das preußische Pflichtethos. Ich bin kein Orthodoxer, berausche mich aber gerne an der Liturgie des Johannes Chrysostomos...


    Vielleicht kann man es so sagen: Gute Kunst ist mit den Systemen, für die sie geschaffen wurde, niemals deckungsgleich. Sie schöpft größtenteils aus einem Fundus, der unabhängig von diesen Systemen existiert und wächst über diese Systeme weit hinaus. Und dort, wo sie doch eine Rückbindung an die diese Systeme hat, bringt sie deren bessere Seiten zum Ausdruck.