Posts by Seinsheim

    Die Köpfe der Damen an der Frauenstraße sind besser, wie ich finde. Schade ist allerdings, dass bei allen Karyatiden der rechte Arm angewinkelt ist und der linke herabhängt. Gerade bei der Zweiergruppe führt das zu einer gewissen Monotonie. Spiegelbildliche Entsprechungen (natürlich mit Variationen) sind immer besser.


    Bildergebnis für karyatiden

    Hm, Seinsheim wird mit der Farbgebung überhaupt nicht einverstanden sein, weil sie die von Schlüter intentierte tektonische Gliederung nicht verstärkt, sondern eher noch verunklärt. Am auffälligsten sei es nur kurz am Risaliten von Portal V verdeutlicht, erstes Bild oben im Beitrag von Maecenas: Die gemauerten und verputzten Ecksäulen des EG verschmelzen optisch total mit der Wandfläche und die Kapitelle hängen auf Abstand betrachtet in der Luft! Überhaupt nicht gut! Solche Verunklärungen sind sicher noch weitere zu finden.

    Danke für die freundliche Erwähnung. Ich glaube, die Lichtverhältnisse auf dem Bild trügen etwas. Der Risalit müsste einheitlich grau sein und sich so als ein eigenständiger Baukörper, der mehr oder weniger als Gliederarchitektur gedacht ist, zusammen mit den noch deutlicher in Gliederbauweise ausgeführten Galerien von den gelben Hofwänden gut absetzen.

    Ich finde das Andlausche Haus, nachdem man es jetzt in ganz fertigem Zustand sehen kann, wenig gelungen. Das Obergeschoss ist völlig missproportioniert, die Idee, den riesigen Fensterflächen eine Art Kolonnade vorzublenden, wirkt nicht nur sehr erzwungen sondern in einer Straße von Bürgerhäusern auch deplatziert. Auch die Dachgauben sind völlig überdimensioniert. Aber insgesamt hat Freiburg in den letzten zwanzig Jahren eine eher schlechte Entwicklung genommen.

    @Rastrelli Danke für die Fotos. Das Rosa ist gar nicht so sehr mein Punkt, sondern die Frage, ob das tektonische Gefüge schlüssig wiedergegeben ist. Im Zustand von 1987 ist das klar der Fall. Die rustizierte Sockelzone trägt in Analogie zum Vorbild, der Ostfassade des Louvre, und deren Vorlage, dem römischen Podiumtempel, die (dorische) Ordnung. Zwar sind die Natursteinelemente farblich nicht gefasst, aber die geputzten Bandquader des EG und die Schäfte der Pilaster und Dreiviertelsäulen sowie der Fries sind ihnen farblich angeglichen. Und diesen Kompromiss finde ich durchaus akzeptabel. Es sieht einfach viel stimmiger aus.
    Ich hätte nur ein Detail geändert: Die hufeinsenförmigen Wandstreifen, welche die Pilaster und den Architrav rahmen, hätte ich auch dunkel gestrichen - und damit auch die Gebäudekante, damit das Gebälk an dieser Stelle nicht 'in der Luft hängt'.

    Ich trauere den alten Schlossterrassen durchaus nach, weil sie nämlich als Ausläufer der Fassadenarchitektur gestaltet waren und damit das Schloss im Stadtraum viel stimmiger verankerten es es die neue Brüstungen vermögen. An der Orangerie in Potsdam kann man besonders gut nachvollziehen, in welchem Maße Terrassenbrüstungen die Dachbalustraden zitieren und mit diesen korrespondieren und inwiefern der Bereich dazwischen Teil des Fassadenraums wird. Diese Bezüge verstärkten sich am Portal IV des Schlosses noch durch die Rossebändiger, welche die Zufahrt flankierten und letztlich (wenngleich deutlich später hinzugefügt) ebenso zur Fassade gehörten wie die Tierkampfgruppen am anderen Ende des Lustgartens zur Fassade des alten Museums. Die jetzigen Granitmauern sind hingegen ausschließlich Teile des Platzes, mit dem Schloss selbst haben sie nichts mehr zu tun.

    Wenn wir schon beim Thema "Farbgebung" sind: Es ist bedauerlich, dass das Zeughaus wieder völlig ahistorisch angestrichen wurde. Gemäß dem 'Materialfetischismus' mancher Denkmalpfleger wurden alle geputzte Flächen in Rosarot gestrichen und die behauenen Profilsteine steinsichtig belassen. Im Barock hingegen waren alle Elemente farbig gefasst - und zwar nach der tektonischen Logik, ungeachtet ihres materiellen Beschaffenheit. Alle tragenden und lastenden Elemente, also die Sockelzone, die Pilaster und Säulen mit Basen, Schäften, Kapitellen, das Gebälk mit Architrav, Fried, Kranzgesims, die Balustrade besaßen dieselbe Farbe. Die Füllflächen dazwischen - oder auch aus Werkstein gearbeitete Ornamente - besaßen eine andere Farbe.
    Am Zeughaus schwimmen Pilaster, Basen, Schlusssteine irgendwie in der Wandfläche, manche Schäfte sind rosa, andere Naturstein. Man fragt sich wirklich, welche architekturgeschichtliche Ausbildung die Entscheidungsträger genossen haben.

    Natürlich gibt es in der Kunstgeschichte höchst unterschiedliche Stile und Körperauffassungen. Dass das Verhältnis von Körper und Kopf bei einer romanischen Figur ganz anders ist als bei einer klassizistischen oder einer manieristischen, bestreitet niemand. Aber der Blobel-Bau präsentiert sich in einem klassischen Baustil, weil er bewusst Elemente des Spätklassizismus paraphrasiert. Gewisse Grundregeln (tektonische Logik, stimmige Proportionen etc.) wären daher - bei allen Neuschöpfungen im Detail - einzuhalten gewesen. Insofern kann man den unklassischen Umgang mit Figuren, Pilastern und Konsolen schwerlich dem Ringen nach einem neuen Stil oder einem neuen künstlerischen Ausdruck zuschreiben. Hier haben wir es schlichtweg mit Nachlässigkeit und Unkenntnis zu tun.

    Ich kann @Naumburg nur zustimmen. Wie man Pilaster richtig proportioniert, sie in ein stimmiges Verhältnis zur übrigen Architektur setzt und wie man Karyatiden gut modelliert und richtig platziert, kann man in jedem Handbuch nachschlagen. Ein Architekturbüro, das sich das ehrgeizige Ziel setzt, eine Fassade im Gewand der klassischen Architektur zu errichten, sollte solche Handbücher haben. Oder zumindest entsprechende Internetseiten kennen.

    Die Kulturfeindlichkeit, die Bildungsferne und der nationale Selbsthass der System"eliten" stößt auf die wachsende Zivilisationsmüdigkeit und Gleichgültigkeit einer abgestumpften und historisch desorientierten Bevölkerung. Die Selbstzerstörung Wiens ist in der Tat bedrückend. Ich war nach längerer Pause vor einem Jahr dort und habe die Stadt fast nicht wiedererkannt.

    Das Rondell ist in der Tat ein unverzichtbares Element der Südfassade: nicht nur, weil es ausgesprochen schön ist, sondern auch noch einen Hinweis darauf enthält, dass hier ursprünglich ein Eckerker des Joachimsbaus ummantelt worden war.
    Schön wäre es natürlich gewesen, Stella hatte noch eine weitere Achse geopfert. Aber er fasst das ganze Humboldt-Forum als einen blockhaften Körper auf und mehr wollte er von dieser Blockhaftigkeit nicht aufgeben.
    Die Rekonstruktion der Nebenkuppeln wäre in der Tat höchst wünschenswert...