Posts by Sean Apollo

    Abrisse von solchen Gebäuden sind nicht immer positiv, immerhin werden sie abgerissen, damit etwas Neues entstehen kann, etwas noch Schrecklicheres vielleicht. Es ist somit nicht der Abriss selbst, der etwas Negatives darstellt, sondern die eventuell verlorene Möglichkeit, an der Stelle etwas Qualitatives zu errichten und das Grundstück für die nächsten Jahrzehnte zu "blockieren". Man sollte auch solchen Abrissen skeptisch gegenüber sein – auch wenn der Abriss der Gebäude selbst einen freut – und ein paar Schritte weiter denken, und sich die Frage stellen, was wird hier als nächstes entstehen. Nur so eine kleine Reflexion meinerseits. :)


    PS: In Wien haben wir gerade ein solches Problem. Ein 60er-Jahre Klotz soll abgerissen werden … damit derselbe Betonklotz, doppelt so hoch, neu errichtet werden kann. Der Fall hat viel Widerstand zu spüren bekommen, aber eben nicht wegen dem alten Klotz, sondern dem Bauplatz selbst. Wen das Thema interessiert, der oder die google einfach "Heumarkt Turm". ;)

    Ich bin schon öfters in den USA gewesen und dort viel rumgereist. Man hat ja immer Vorurteile gegenüber den Amis und hält diese in sachen Architektur für wenig geschmackvoll bzw. mit Hang zum Kitsch. Genau das Gegenteil ist der Fall. Es gibt dort z.t. ausgezeichnete neo klassische Architektur. Sowohl im Einfamilienhausbereich als auch in großstädtischen Quartieren. Siehe oben.
    Ich kann auch gerne noch weitere Beispiele posten.


    Der Moderator kann diesen Strang gerne in neo klassische Architektur in den USA umbenenen.

    Dieser Kitsch, von dem du sprichst, ich glaube den gab es schon damals. Gerade diese typischen Einfamilienhäuser scheinen von Innen total kitschig zu sein, aber die scheinen auch damals genauso ausgeschaut zu haben – viele von denen sind nämlich gar nicht neu, sondern tatsächlich um die 100 Jahre alt. Das wäre also ca., als ob man bei uns Häuser nachbauen würde, wie sie damals waren.


    Hier ein Gebäude, welches rekonstruiert wurde. In dem Artikel sieht man, wie das Haus 1997 aussah, dann brannte es aus und die oberen Stockwerke wurde abgetragen. Schließlich hat man es wieder aufgebaut:



    Ein paar Details sind anders, ich weiß selber nicht wieso, es schaut sogar aus, als hätte man ein paar Sachen hinzugefügt.

    Ich habe mich jetzt viel mit dem Thema Bauen in der Stadt New York beschäftigt, und ich muss sagen, solche Gebäude sind anscheinend gar keine Rarität … nicht gerade wenige Neubauten nehmen viele Elemente klassischer Architektur und verwenden auch dieselben Material (zumindest von Außen) wie die Gebäude in der Umgebung. Ich habe auch über Denkmalschutz und ähnliches dort gelesen, und war eigentlich recht erstaunt. Da werden manche Gebäude rekonstruiert oder teil-rekonstruiert, und da regen sich die Leute auf, dass ein paar Details nicht stimmen. Also ganz ehrlich, wenn ich diese Sorgen hätte …
    Dann habe ich auch von einem Altbau an einem Eck gelesen, wo links und rechts (sowie dahinter) das Grundstück frei war und bebaut wurde. Hier haben sich ebenfalls viele Leute aufgeregt, dass der Neubau dann um den Altbau herum gebaut wird. Als ich mir dann die Bilder angeschaut habe, konnte ich die Kritik überhaupt nicht verstehen. Ein Neubau den man als solchen kaum erkennen konnte und durchgehend von klassischen Akzenten geprägt war, und nach einem typischen New Yorker Gebäude aussah, das immer hier gestanden ist. Von so etwas träumt man ja quasi hier zu lande …


    (Leider finde ich die Bilder nicht mehr)


    Da gebe ich recht, dass es mehr Druck von Außen braucht. In Österreich ist man es gewohnt, generell nie etwas gegen oder für etwas zu unternehmen – es ist ein relativ langsames Volk im Gegensatz zu anderen Ländern. Aber die Wiener wären trotzdem dankbar, wenn das eigene Stadtbild geschützt werden würde.


    Maria Vassilakou hat ihre Parteimitglieder zu dem Projekt gefragt. Von Anfang an war klar, dass wenn es eine Wahlbeteiligung von über 50% gibt und über 50% dagegen stimmen, die Partei das Projekt nicht mehr befürworten darf. Genau das ist dann geschehen. Maria Vassilakou wollte sich aber anscheinend nicht mehr an das Resultat binden, und verkündete, den Gemeinderat zum Projekt abstimmen zu lassen. Wir wissen genau, dass der Gemeinderat das Projekt befürworten wird, wenn man sich das geistige Niveau dort anschaut, was doch sehr stark "provinziell" ist (ohne ländliche Gebiete negativ runtermachen zu wollen). Man stelle sich vor, der Gemeinderat stimmt dagegen, wen lässt sie dann abstimmen? Quasi bis die Antwort "Ja" kommt … das nenne ich Demokratie! Ihr stimmt mit Nein? Kein Problem, wir machen das Ergebnis einfach passend, und wiederholen das ganze, bis wir mit der Antwort zufrieden sind.

    Ich gebe Dir recht: Jedes Gesetz ist ein potentieller Eingriff in die Grundrechte. Es gilt daher bei Gesetzesvorhaben, abzuwägen, was ein noch zulässiger Grundrechtseingriff ist und was nicht mehr.


    Wenn Du per Gesetz etwas forderst, nämlich alte Gebäude zu erhalten, musst Du auch Sanktionen für die Nichteinhaltung definieren - sonst ist das Gesetz unsinnig, da nicht durchsetzbar. Ich halte es immer noch für gefährlich, die Menschen mit Gesetzen lenken zu wollen. Das Gegenteil von gut ist da allzuoft gut gemeint. Wenn es aber das sowieso nicht leistet, nämlich auf den Dörfern die historische Substanz zu erhalten, ist es schlicht überflüssig.


    Zudem gehst Du anscheinend von der - Entschuldigung - naiven Vorstellung aus, dass wir es mit den klassischen Häuslebauern zu tun haben. Die großen Bauprojekte werden in der Regel von Investoren betrieben, die sehr wohl genug Druck ausüben können, um "eigentlich" unbebaubare Flächen doch bebauen zu können und des öfteren auch jetzt schon geschützte Substanz abreißen. (und in der Politik sind auch immer wieder mal Stimmen zu hören, dass eigentlich schon zuviel Bausubstanz denkmalgeschützt ist, und der Denkmalschutz eingeschränkt gehört.) Ein weiteres Gesetz würde an diesen Entwicklungen nichts ändern. Der Versuch, diese Investoren und Anleger dazu zu bringen, sich von ihrem Geld zu trennen, wird auf erbitterten Widerstand stoßen. Nein, so ein Gesetzesvorhaben würde von den entsprechenden Lobbyisten torpediert, noch bevor es ausformuliert ist.

    Genau das ist doch was falsch läuft, wenn ein paar wenige die Politik entscheiden. In der Bevölkerung gibt es eine breite Zustimmung für die Erhaltung von gewachsener Substanz soweit ich das fast täglich mitbekomme, und das geht von den einfachen Arbeitern bis zu den gebildeten Akademikern, die potenzielle Masse die dem zustimmen würde ist hier meiner Meinung nach also ziemlich breit. Im Grunde müssten das Thema vermehrt in der Öffentlichkeit auftreten, z.B. wenn es darüber bestimmt werden sollte, ob neue Gesetze in entworfen und in Kraft treten sollten – keine allgemeine Diskussion also, sondern wirklich etwas gezieltes, wo viel herumgesprochen wird. Da würde sich dann zeigen, wie groß dann die Zustimmung seitens der Bevölkerung ist. Kann man sich dann noch immer leisten ein paar wenigen den Vorrang zu geben und dafür die Wähler zu ignorieren? Klar, das passiert gerade eh schon, aber das bringt zumindest die PolitikerInnen in eine schwierige Lage und dieses "Einklemmen" von allen Seiten ist meiner Meinung nach ein strategisch kluger Schachzug, um den Druck einmal wieder zu erhöhen. Denn sobald irgendwo der Widerstand nachlässt, muss man bedenken, dass der "Gegner" selten schläft und den fehlenden Widerstand in diesem Zeitraum wieder ausnützen wird.


    Dass es Sanktionen geben würde ist klar. Ich bin nicht der Meinung, dass Sanktionierungen immer helfen: Gerade viele Studien beweisen ja, dass z.B. mit Gefangenen oft Resozialisierungsprogramme hier eher von Vorteil sind und effektivere Resultate zu beobachten sind. Dasselbe gilt für eigentlich alles, bei dem Menschen nur indirekt für ihr "Versagen", oder sagen wir ihre Abweichung etwas können, weil sie durch die Gesellschaft zu diesem abweichendem Verhalten verleitet wurden, über längere Zeitperioden. Hier stimme ich zu, dass Sanktionen total kontraproduktiv sind, da der Staat hier dann wieder als Gegner agiert und es eigentlich nichts anderes ist als Öl ins Feuer zu gießen. Aber wir reden hier von ganz anderen Sachen, bei denen man eigentlich bewusst falsches Verhalten (z.B. Abriss obwohl verboten) in Erwägung zieht. Und in diesen Fällen gehört nunmal eine Strafe, denn es ist keine Frage die Person hier zu resozialisieren, sondern ihr eher eine Lektion zu erteilen. Es hängt eben immer davon ab, was für ein Vergehen begangen wurde.


    Wie können heute, in Zeiten, wo überall Landflucht besteht, Innenstädte überhaupt verkommen? Gibt es noch überhaupt so etwas wie Innenstädte die leer stehen? So weit ich weiß gehören die nämlich zu den beliebtesten Lagen, und laut einer Studie hier in Österreich (durchgeführt von der amerikanischen Immobilien-Agentur Remix) sind Altbauten der meist-gewollte Immobilientyp, ganz oben auf der Liste, von dem, was die Menschen wollen.


    Zersiedelte Landschaften sind wieder ein anderes Thema. Es braucht einfach einen guten Flächenwidmungsplan und an dem muss man sich dann halten. Siehe das alte Paris. Ganz klare Regeln in der Bauordnung was die Geschosse, die höhe, die Fassade (Stein war plötzlich Pflicht) betrifft. Das war alles sehr streng gesetzlich geregelt. Hat es jemals jemanden geschadet? Ok, es fand quasi ein ganzer Bevölkerungsaustausch statt, weil das ganze auch mit einer gewissen Brutalität durchgeführt wurde. Aber letztendlich war es eine der gelungensten Stadtentwicklungen überhaupt, die Städte bis Buenos Aires beeinflusst hat. Alles geht, wenn man nur will. So könnte man auch Neubauquartiere einheitlich gestalten lassen, ohne dass irgendwas zersiedelt wirkt. Je mehr man sich aber Investoren beugt, desto mehr verliert die Macht des Staates, der Gemeinde oder der Stadt an Legitimität. Wollen wir das wirklich? Totale Willkür also?

    Es geht ja nicht ums Bestrafen, es geht um das Setzen eines Rahmens in dem man sich bewegt. Bestrafungen gäbe es in den Fällen nur bei illegalen Handlungen, wie Abrissen, etc. Ab dem Moment, wo man aber Gesetze festlegt, entscheidet man auch in welche Richtung man eine Bevölkerung lenkt. Am Anfang wird es Widerstand geben, das wird aber meiner Meinung nach nicht lange anhalten, so, dass es dann schnell akzeptiert sein wird. Das Resultat wird dann sein, dass Menschen sich Grundstücke mit Altbestand einfach nicht mehr kaufen werden, wenn sie Absicht haben, den Bestand anzureißen oder stark in das Erscheinungsbild einzugreifen. Das ist wie mit den Flächenwidmungen. Niemand kommt auf die Idee irgendwo zu bauen, wo es eine Bausperre gibt. Menschen bauen dort, wo man es ihnen erlaubt. Die Bevölkerung wird also "gelenkt", dort zu bauen, wo Flächen als solche gewidmet sind. Das wäre also genau dasselbe, nichts anderes als ein Lenken in eine gewisse Richtung – manche werden sich dem anschließen, manche werden "vertrieben" und werden dann eher in Neubaugebieten bauen, wo sie nichts davon abhält, so zu bauen, wie sie möchten.


    So wie du das beschreibst müsste man eigentlich alle Gesetze auflösen, weil jedes Gesetz auch ein Eingreifen in das persönliche Leben jedes Menschen ist, da jeder automatisch davon betroffen ist, und sich daran halten muss, ab dem moment, wo er sich in einem gewissen Land befindet.


    Natürlich müssten auch manche Gegenden durch andere Pläne aufgewertet werden, wie du sagst, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, usw. Aber wenn diese Dörfer verfallen, weil die Menschen von dort wegziehen, ändert das sowieso nichts daran, ob Bauten geschützt sind oder nicht. Die Menschen ziehen dann so oder so weg, also hat das eigentlich gar keinen Einfluss.


    Mein Fokus war eigentlich auch eher auf Städte gerichtet muss ich sagen. Wer das finanzieren soll? Ganz einfach, die Eigentümer der Immobilien. In Wien sind die meisten Besitzer von Zinshäusern Banken, Versicherungen und verschiedene Unternehmen. Diese haben genügend Geld, und durch den Zwang, Immobilien stilgerecht zu restaurieren würde man auch die Wirtschaft ankurbeln. Nicht selten kostet eine Restaurierung mehr als ein Neubau. Sollen eben die, die das Kapital haben, dazu gezwungen werden, dieses Kapital für Arbeit an diesen Bauten auszugeben – was meiner Meinung nach auch viele verschwindende Berufe wiederbeleben würde, wie zum Beispiel Tischler, Stuckateur, etc. – und somit dieses Kapital unter der Bevölkerung umverteilen, welche es dann wiederum in Dienstleistungen oder Produkte ausgeben wird. Am Ende wird diese Umverteilung des Kapitals dazu führend, dass ein Wirtschaftswachstum bemerkbar sein wird. Momentan wird aber eher auf "Sparschiene" gefahren, egal welches Unternehmen, die meisten werden logischerweise immer die "billigste" Lösung für alles suchen. Durch Sparen schadet man allerdings nur sich selbst, das hat man schon an verschiedenen Ländern gesehen wie Griechenland, wo Sparmaßnahmen nichts brachten. Damit es lebt muss eben auch ausgegeben werden, und diesen ersten Schritt müssen aber eben jene machen, die das Kapital haben. Nur dadurch kann wieder alles florieren. Die "Randerscheinung" dieser Maßnahmen und dieses Wirtschaftswachstums wird sein, dass wir plötzlich schönere Städte haben. :D

    Gesetze, Gesetze.
    Wenn so ein altes Bauernhaus irgendwo in der Pampa, wo alle schon weggezogen sind, verfällt, weil es dort keine Arbeit mehr gibt, dann helfen da keine Gesetze. Alte Häuser brauchen Nutzer, die sie liebhaben, und die kann man nicht herbeibefehlen.


    Ich finde das sehr kurzsichtig. Es geht darum, attraktive Ortskerne zu schaffen. Ich bin der Meinung, dass selbst ganz kleine Dörfer eine gewisse Attraktivität aufweisen können, wenn sie richtig saniert wurden. Ein Ort muss auch 'Lust' geben, damit man dort hinzieht. Es gibt nicht gerade wenige Menschen, die beschließen, an einen Ort zu ziehen, weil sie sich in ihn verliebt haben, auch wenn die Arbeit dann vielleicht 60 km entfernt ist, oder gar mehr.


    Außerdem richtete sich meine Idee eher daran, dass solche Häuser nicht abgerissen werden können. Wenn sie dann verfallen, weil niemand drinnen lebt, ist das ein anderes Thema. Gesetze, die die Erhaltung von Bauten regulieren, haben meiner Meinung nach große Einwirkungen auf die Sorte von Menschen, die an solch einen Ort dann hinziehen will. Man schaue sich mal bestimmte Dörfer in Frankreich an: Es muss ein bestimmter Stein für die Fassade verwendet werden, es muss bestimmte Formen aufweisen, das Dach muss eine bestimmte Farbe haben, etc. etc. Zuerst denkt man sich, dass das schon fast ein Eingreifen in die persönliche Freiheit wäre. Ist es aber nicht, denn gerade durch solche Gesetze wird dann bestimmt, wer wo hinziehen wird (unter anderem, es zählen natürlich auch noch anderen Faktoren). So wird zum Beispiel niemand, der auf ein modernes Haus aus Glas und Beton steht, in so eine Gegend hinziehen, weil die Gesetze es schon von Anfang an so machen, dass diese Person ihr Projekt dort nicht umsetzen können wird. Für diese Person gäbe es dann andere Gegenden, die von Häuser aus Glas und Beton charakterisiert sind.


    In meinen Augen ist das ein sehr unterschätztes Problem. Zu viele Menschen ziehen nicht tatsächlich da hin, wohin sie sich eigentlich angezogen fühlen. Heute spielt die Umgebung kaum eine Rolle mehr, weshalb sie letztendlich auch immer seltener respektiert wird. Nicht selten haben ich mit Menschen auf der Straße geredet, die meinten, die Gegend, in der wir gerade stehen würde, und die ganzen alten Häuser wären ihnen komplett gleichgültig. Das einzige was zählt, ist die Arbeit, und dann das sich zu Hause Einschließen in der eigenen Blase. Ich denke genug Menschen wären glücklicher, wenn sie an einem Ort leben würden, der ihnen tatsächlich entspricht, selbst, wenn sie dabei deutlich weniger verdienen würden. Aber die Menschen heute sind wie riesige Babies, man muss quasi für sie denken. Und sie entsprechend durch Gesetze relokalisieren. Von solchen "sozialen Durchmischungen" halte ich nichts: Am Ende ist niemand glücklich, und die Gegend wird noch dazu verhässlicht.

    Wenn es denn unbedingt ein Problem sein soll: Heile Welt gaukelt etwas vor, was nicht da ist. Was soll damit erreicht werden? Das Idealbild einer Stadt heraufbeschwören? Und dann? Sollen unsere Städte dann gigantische Freilichtmuseen werden? Davon halte ich nichts. Das Wesen einer Stadt ist es, dass sie sich permanent wandelt. Wenn wir jetzt verlangen, die Stadt auf einem Zeitpunkt x quasi einzufrieren, mumifizieren wir sie. Stadt funktioniert so nicht.


    Also ich verstehe das Argument des Freilichtmuseums nicht, Städte sollen schön und lebenswert sein. Als Haussmann Paris veränderte, versuchte er nicht, ein Freiluftmuseum draus zu machen, er versuchte, die Stadt aufzuwerten, was ihm auch gelang. Die Wandlung findet meiner Meinung nach eben nicht statt, wenn Nachkriegsbauten erhalten werden, weil sie Teil der Geschichte sind (Interessanter Artikel dazu). Die Städte sollen sich wandeln, und zwar in Form von klassischen Neubauten oder Rekonstruktionen.
    Natürlich lässt sich die Stadt dann ebenfalls als "Museum" verwenden, das schadet aber denke ich niemandem, ganz im Gegenteil, gerade in unstabilen Zeiten wäre es doch gut, mehr Touristen über unseren Kontinent zu verteilen, und somit Kapital aus dem Ausland zu importieren. Das könnte unsere größte Stärke sein, der Tourismus, aber wir nützen ihn nicht genug aus.


    Aber mein Grundgedanke war eigentlich, dass sich in Europa viel mehr Menschen für dieselbe Sache finden würden, als in den vereinzelten Mitgliedstaaten, und dass man bessere Chancen hätte, den (besseren?) Schutz historischer Bauten zu erreichen, als auf nationaler Ebene.

    Wenn ich von den 3% Denkmalen ausgehe, sind da beileibe nicht nur die Prachtbauten geschützt. Von diesem Ansatz hat sich die Denkmalpflege schon lange entfernt. Das hielte ich auch für unsinnig, und das meinte ich auch nicht.


    Ich finde es trotzdem problematisch, alles vor Stichtag X pauschal schützen zu wollen. Es wird keine Akzeptanz finden, die Mehrkosten sowohl für die Sanierungen wie auch für die Überwachung wird niemand tragen wollen. Letztlich kann das den gegenteiligen Effekt haben, dass die derzeit praktizierte Denkmalpflege in Frage gestellt wird, wenn man das inflationär betreibt.
    Wenn es in Wien gerade so eine Abrisswelle gibt, muss man natürlich fragen, woher das kommt und warum die Mehrheit offenbar mit den Schultern zuckt. Daraus jetzt einen Impetus abzuleiten und alles, was alt genug ist, schützen zu wollen, erscheint mir aber dennoch zu viel. Unweigerlich wird die Frage kommen, was mit jüngeren Bauten ist, die aus den 50er/60er/70er Jahren stammen, und die heute auch schon zum Stadtbild gehören und die Stadt mit prägen. Und dann?


    Aber wenn es eigentlich um die Identität geht und das Gefühl in der Stadt, ist es dann der richtige Weg, auf "Heile Welt" zu machen und jeden alten Kasten mit hohem Aufwand wieder herzurichten?


    Für mich gehören Bauten aus der Nachkriegszeit nicht zum Stadtbild weil sie nicht im Kontext dieses Stadtbildes gebaut wurden und somit nie ein Teil davon wurden. Oder sieht das hier für dich nach "Teil eines Stadtbildes" aus? Die Lücken gehören meiner Meinung nach wieder geschlossen, entweder mit Rekonstruktionen, oder Neubauten, die im selben Stil gebaut sind. Daran finde ich nichts falsches, denn ist auch eine Form der Weiterentwicklung, wenn ein Neubau in so einem Gebiet entsteht, der zwar denselben Stil wie die umliegenden Gebäude teilt, aber heute errichtet wurde. Im Grunde ist das dann nichts anderes als eben ein neues Haus, welches sich optisch an die Gegend anpasst. Hat man das nicht schon vor 150 Jahren auch zum Teil so gemacht? Demnach wäre ja die ganze Gründerzeit ein riesen-Fake. Heute sind wir froh diesen "Fake" zu haben. Am Ende werden sich die Leute sowieso freuen über was schön ist, und spätestens dann nach ein paar Jahrzehnten betrachten die Menschen eine Rekonstruktion oder einen neuen Altbau nicht mehr als "Fake".


    Mir leuchtet nicht ein, warum man hierfür eine EU Richtlinie oder Verordnung braucht. Bessere Denkmalschutzbestimmungen (bitte weniger pauschal als "vor 1949" o.ä.) kann man genausogut in den Gesetzen der jeweiligen Länder (also bei uns in die Landesbauordnungen usw.) verankern.
    Es gibt heute schon ein breites Unbehagen in vielen Ländern, dass die EU zuviel Zuständigkeiten hat.

    Wie würdest du das dann formulieren? Was müssen Bauten haben, damit sie bleiben dürfen? Ab dem Moment, wo es wieder eine Person ist (Sachverständige/r), die über so etwas entscheidet, und nicht ein Gesetz, welches hier radikal eine Trennung macht, kann man davon ausgehen, dass der Mensch wieder versagen wird, und zwar in der Form dass wieder Kuverts unter dem Tisch geschoben werden damit dieses oder jenes Haus nicht unter Schutz gestellt wird, damit dort was weiß ich welches Projekt wieder entstehen kann, etc. etc. Manches kann und sollte man auf jeden Fall Menschen überlassen, aber manches eben auch nicht, und ich bin der Meinung, dass man bei gewissen Dingen bessere Resultate erzielen kann und effizienter sein kann, wenn der Mensch hier nicht die entscheidende Rolle spielt, sondern der Staat als steriles und absolutes Wesen, welches nicht Denken kann und auch keine Emotionen empfinden kann, und zwar eben in Form von Gesetzen, die die Dinge klar voneinander trennen wie Schwarz und Weiß.
    Man muss sich ja nur einmal überlegen welche Faktoren bei einem Menschen alle eine Rolle spielen, die diesen als Sachverständiger durch die Erfahrungen in seinem Leben dabei deutlich beeinflussen könnten, welche Bauten er unter Schutz stellen würde. Vielleicht ist ein Haus gelb und unterbewusst erinnert ihn das an das Haus der alten Dame aus seiner Kindheit die immer aus dem Fenster geschaut hat und mit ihm geschimpft hat, diese Dame die ebenfalls in einem gelben Haus gelebt hat. Womöglich "punktet" dann ein gelbes, ähnlich ausschauendes Haus, bei diesem Sachverständigen weniger, nur ist sich dieser nicht bewusst weshalb das so ist. Das ganze dann andererseits in Gesetze "weniger pauschal" wie du sagst zu unterteilen wäre unendlich komplex, womit wir zu meiner zweiten Frage zurückkommen, nämlich was genau müssen Bauten haben, damit sie unter Schutz gestellt werden können? Eine gewisse historische Bedeutung? Eine soziale Bedeutung? Muss eine Persönlichkeit drinnen gelebt haben? Müssen sie Teil eines Ensembles sein? Müssen sie gewisse Fassadenelemente aufweisen? Müssen sie sich bereits in einem guten Zustand befinden? Das ist dann wieder so dieser menschliche Teil wo man versagen wird, und wo letztendlich wieder Bauten abgerissen werden, weil die einen gemeint haben, dass dieses oder jenes Haus nicht schützenswert war, während es andere womöglich ganz anders sehen. Und das wird so sein, weil es momentan bereits genauso geschieht, siehe Bundesdenkmalamt, etc. – es funktioniert genauso, wie du es beschrieben hast. Funktioniert es? Nein.
    Das einzige, bei was ich zustimme, ist dass so ein ziemlich "absolutes" Gesetz wahrscheinlich auf relativ hohe Kritik stoßen wird. Die Kunst ist jetzt nur, wie bringt man das rüber ohne sich allzu Feinde zu machen. Am Besten indem man sich vielleicht noch mehr Freunde macht, was dieses Thema betrifft?

    Also ich finde schon, dass praktisch alles vor diesem Datum geschützt werden sollte. Ich habe schon zahlreiche sehr "einfache" Bauten gesehen, die, wenn sie richtig restauriert wurden, also eben mit Kastenfenstern, etc., toll aussahen und eine Ortschaft aufwerteten. Das heißt: Ja, die Gebäude sollen stilgerecht wieder instandgesetzt werden. Nur "Prachtbauten" zu schützen ist meiner Meinung nach viel primitiver, es ist quasi ein Auslöschen aller Erinnerungen von großen Teilen der Gesellschaft, die es einst gegeben hatte. Das erinnert mich an Großmütter, die immer nur die gelungenen und schönen Fotos behalten, damit ja alles so in Erinnerung bleibt wie es in Realität genau nicht war.


    Des weiteren muss man in einem Dorf oder einem Stadtviertel die Gebäude wie Spieler betrachten, die sich gegenseitig ergänzen und aufeinander beziehen: So kann es neben einigen gehobeneren Stadthäusern oder Palais einfachere Bauten geben, wenn diese jedoch abgerissen werden, stört es möglicherweise das Stadtbild, und es geht ein Teil des "Flairs" kaputt, weil eben zu 3% (ich nenne gerade irgendeine Zahl) diese "nebensächlichen Bauten" dafür verantwortlich waren.


    Ich erwähne das, weil es ein bisschen ist, was in Wien passiert. Die nicht so teuren Gebäude die zwischen hochwertigeren Gebäuden stehen werden abgerissen, aber gerade diese nicht so teuren Gebäude sind genauso Teil des ganzen, wie die großen Prachtbauten.


    Außerdem geht es hier nicht wirklich um den architektonischen Wert dieser Gebäude, viel eher um ihre Rolle im stadtsoziologischen Aspekt. So gab es ja neulich eine Studie, wo Menschen meinten, sie würden sich in alten Städten wohler fühlen. Ich denke auch, dass alte Häuser dazu beitragen, dass es einen "Ortskern" gibt. Bei moderner Architektur ist das viel seltener der Fall. Ich denke so ein "Zentrum" zu haben ist aber sehr wichtig für das Wohlempfinden der Menschen.
    Nehmen wir jetzt als Beispiel ein kleines, verlorenes Dörfchen irgendwo in Europa. Angenommen es stehen dort alte Häuser, alle haben irgendwie ein bisschen einen Charme, aber architektonisch ist davon nichts wirklich wertvoll. Deiner Meinung nach wären die nun nicht schützenswert. Meiner Meinung nach sollte man, wenn es eine neue Bebauung in diesem kleinen Dorf gäbe, UM das Dorf herum bauen, und den Kern selbst sanieren und alles stilgerecht in Stand setzen. Ganz ehrlich, jeder und jede freut sich, wenn man einen schönen, zeigbaren, ja fast "glitzernden" Dorfkern hat (ohne es im kitschigen Sinn zu meinen). Und dass hier und da eine alte Scheune oder alte Fabrik steht, gehört nunmal dazu. Alles was neu ist, kann sich dann eben darauf beziehen, und rundherum, in diesem Kontext im Grunde, gebaut werden.

    Wie wäre es, wenn alle Europäer und EuropäerInnen sich zusammentun würden, um um für eine EU Richtlinie oder Verordnung zu kämpfen, die so lauten würde: Jedes Gebäude, das vor 1945 oder 1949 gebaut wurde, ist automatisch geschützt.


    Ob man da Erfolg hätte? Mit einer guten Kampagne und vielen Leuten dahinter könnte man womöglich etwas in die Richtung lenken? Alleine ist man bekanntlich immer schwach. Aber wenn man ein bisschen recherchiert, merkt man schnell, dass es auch in Schweden, Italien, Ungarn oder Irland jede Menge Vereine gibt, die sich für genau dasselbe einsetzen, wie Stadtbild Deutschland.


    Stadtbild Deutschland möchte Deutschland im europäischen Vergleich, was historische Städte betrifft, "pushen", wie wäre es aber, wenn wir versuchen, ganz Europa im weltweiten Vergleich zu "pushen"?


    Was ist daraus geworden?

    So eine Bausünde an so einem Ort (und das Gebäude hat mich in Wien wirklich am meisten erschreckt) ist so eine Unart wie sie deutscher nicht sein könnte, daß schon alleine das eine Annexion rechtfertigen dürfte :P


    Nennt sich so etwas auch eine Bausünde, wenn das ursprüngliche Gebäude alt ist, die Fassade aber im Nachkriegsstil rekonstruiert wurde bzw. der Stuck abgeschlagen wurden, oder ist das dann irgendwie eine "Umbausünde"? :P



    Ansonsten: Wenn ich etwas mehr Zeit habe setzen wir die Runde durch den Ersten Bezirk fort, schauen uns an, was noch weiteres im Ringstraßenbereich bzw. am Donaukanal verschwunden ist, danach begeben wir uns etwas außerhalb des Ringes, wo etliche markante Gebäude verschwunden sind, von denen es leider wenig Informationen und auch nur wenig Bildmaterial gibt.

    Am Parkring 12 befand sich früher das Gartenbaugebäude, angeblich eines der ersten Gebäude welches an der Wiener Ringstraße gebaut wurde, als diese erschaffen wurde. Es befand sich gegenüber dem Stadtpark.




    1960, wenn ich mich nicht irre, wurde es abgerissen, danach wurde hier das Hotel Marriott errichtet:


    Am Universitätring / Schottenring befindet sich das Palais Ephrussi:



    Dieses Palais war Teil eines ganzen Ensembles. Was man oben am Bild sieht, das Gebäude mit den Ecktürmen, ist unten im Bild links zu sehen. Der Teil rechts, welcher ebenfalls solche Türme hatte, wurde abgerissen. Dazwischen befindet sich ein anderes Gebäude, welches "extra" ist, aber auch zum Ensemble gehört:



    Nähern wir uns ein paar Schritte zu diesem abgerissenen Teil:



    Wie gesagt, diesen rechten Teil mit den Ecktürmen gibt es nicht mehr.



    Heute, aus derselben Perspektive wie das letzte Bild oben: