Posts by Mexdus

    Hm, bei so großen Projekten, wenn gleich ganze Stadtviertel gebaut werden, muß man mE vor allem aufpassen, Monotonie und zuviel Serialismus zu vermeiden. Und ich finde auch reine Wohnviertel schrecklich, wo die Cafés, Kneipen, Läden fehlen, also die EG-Zone nur Wohnungen hat. Die Leute, die dort wohnen, müssen sich auch mal sehen können.

    Dem stimme ich zu. Gerade Monotonie kann selbst qualitative Architektur entwerten. Monofunktion dazu noch mehr. Die Altbauviertel, die in Deutschland so beliebt sind, leben von ihrer Funktionsdurchmischung und sozialer Durchmischung. Wenn nur für eine Gehaltsgruppe gebaut wird, finden nur wenige das vor, was sie gerne haben.


    Auch wenn die Gebäude bereits vor dem 1. WK entstanden, könnten die auf grüner Wiese in Berlin-Weißensee entstandenen Siedlungen von James Bühring auch heute noch ein sehr guter Maßstab für heutige Architekten (Bauträger) mit einer gewisser Ambition sein; seine späteren Leipziger Wohnbauten natürlich nicht minder.


    Durch das vertraue Baumaterial erzeugen diese Gebäude erstmal ein Gefühl von Vertrautheit, allerdings würde ich anhand der Bilder diesen Baustil fest zwischen 1900 und 1920 datieren. Demnach bekommt ein Stadtteil damit auch sein alter offen nach Außen angetragen.


    @Centralbahnhof


    Generell stimme ich fast allem zu, sehr gut und präzise ausformuliert. Nur auf eine Stelle will ich noch eingehen.

    Ich möchte eine Gegenfrage stellen: Wieso muss es der moderne Baustil sein? Der moderne Baustil verzichtet nahezu gänzlich auf meinen zweiten Punkt: Abwechselung, Verzierungen, Details. Der Punkt ist aber essentiell wichtig (die "biologische" Erklärung habe ich ja mitgeliefert), damit Menschen sich wohl fühlen. Der moderne Baustil hat sich in den vergangenen 70 Jahren als das entlarvt, was er ist: unfähig, ein lebenswertes Stadtbild zu erschaffen.


    Ich weiß, dass das Wort "Modern" hier im Forum immer mit einer negativen Form der Architektur nach dem 1. und 2. Weltkrieg assoziiert wird. Dabei will ich nicht traditionelle Baustile infrage stellen, sondern eher diskutieren, warum wir (zum Beispiel gerade hier in dieser Community) nur den Gegensatz modern vs. traditionell diskutieren. Ziel meiner Thesis ist ja eben zu ermitteln, ob mit zeitgenössischer Planung eine vergleichbare Ästhetik wie um 1900 möglich ist.


    Wenn ich mir Projekte wie die Hufeisensiedlung in Berlin ansehe, die Parksiedlung Golzheim in Düsseldorf oder die Naumannsiedlung in Köln, dann sehe ich durchaus gelungene Formen des großmaßstäblichen Städtebaus. All diese Siedlungen verfügen auch über die von dir angesprochenen Details und Abwechslung, ohne kitschig zu wirken. Solche Architekturen aus "einem Guss" wären - so glaube ich - im klassisch kapitalistischen Städtebau um 1900 nicht entstanden.

    1. + 2. Weltkrieg.
    Schuld wird durch die Farbe Weiß abgetragen (Kapitulation, Neubeginn, Sauberkeit)

    Ich finde das reine Reduzieren einer Farbgebung auf eine Interpretationsebene nicht sachlich. Es gibt genug Bauwerke in der klassischen Architektur, die auch weiß/cremefarben waren. Weiß hat dazu einen hohen Lichtreflexionswert, der einen Stadtteil generell heller wirken lässt. Gerade bei Berliner Blöcken sind mehr weiß gehaltene Höfe lieber, als dunkle "Löcher".


    [1] Die Geschichte des Ortes -
    greift das Gebäude diese auf, oder wird hier ein Gebilde in die Landschaft gestellt, welches mit dem Ort nichts, aber auch gar nichts zu tun hat und deshalb absolut austauschbar wäre.

    Dem kann ich zustimmen, hier kommt aber der Fall dazu, dass der Ort keine Geschichte hat. Ergo wird mit ausnahme an den Baugrenzen auf einem weißen Blatt Papier gebaut. Daher muss der Ort sich durch eine eigene Sprache entwickeln.


    Der Schwarzwaldblock sieht genauso aus wie die restlichen Modernisten-Kisten: Niedrige Decken, maximale Verwertung einer Fläche, langweiliges Weiß als Fassadenfarbe.

    Auch hier sehe ich das etwas anders, Forster sieht sich ja es Fortführer der Tradition des Wohnungsbaus der 20er. Dieser hatte auch nicht zwingend den Anspruch, eine repräsentative Funktion zu haben. Dass man in Städten wie Düsseldorf die Fläche ebenfalls gut nutzen muss, ergibt sich aus dem Platzmangel. Alles andere würde genau dem Widersprechen, dessen Intention ich verfolge.


    Beispiel zu 2 und 3:
    Die Altstädte von Dresden und Frankfurt am Main sind dazu zu nennen. Sie repräsentieren den zeitgenössisch-ästhetischen Stil des Rekonstruktivismus.

    Ich finde auch die Altstädte aus rein ästhetischer Sicht schön, sehe aber kein Argument, warum ich vor der Stadt im Stil einer (anderen) Altstadt bauen soll. Hier ist primär der "Massenbau" und nicht das individuelle Bauen gefragt. Und genau hier liegt die Frage, wie man ästhetisch aber zeitgenössisch baut. Immer sich nur auf vergangene Baustile zu berufen baut bei Neubau auf nie überbauter Fläche m.E. keinen Sinn.


    @Heinzer


    Danke für die Meinung, ungefähr in diese Richtung geht meine Frage. Ich weiß selbst, dass viele hier im Forum (aus ihre guten Gründen) am liebsten die schönsten Gebäude nur bauen wollen, nur liegt der Schwerpunkt hier auf einer Gesellschafsfrage, und nicht um die der individuellen Selbstverwirklichung.

    Hallo liebe Architekturfreunde,


    ich studiere im höheren Mastersemester Architektur in Düsseldorf und beschäftige mich in meiner zu schreibenden Thesis mit der Frage, wie Stadtentwicklung in Einklang mit regionaler Baukultur und zugleich aktuellen Anforderungen an den Wohnungsbau von­stat­ten­ge­hen kann. In dieser Thesis soll es mehrere Schwerpunkte geben. Unter anderem will ich untersuchen, wie drei Stadtteile unterschiedlichen Charakters miteinander verbunden werden können, ohne dass man ihren Charakter überformt.


    Wie in vielen Städten Deutschlands gibt es auch in Düsseldorf eine meines Erachtens nach zu stark investorengelenkte bzw. projektbezogene Stadtentwicklung, die sich weniger am Bestand als an sich selbst orientiert. Die neuen Quartiere stehen am Ende nur für sich und bildet dafür keine hochwertigen Stadträume mehr, in der sich Menschen aufhalten wollen. Hier möchte ich mit meiner Thesis der Stadt eine Idee skizzieren, wie sie mit einer klaren Idee von ihrem Stadtbild Düsseldorf entwickeln kann, ohne am Ende konkrete Entwicklungen zu blockieren.


    Aktuell suche ich dafür auch exemplarische Projekte und Ideen, wie man traditionelle Stadtbauästhetik aber auch zeitgenössische Anforderungen an großflächigen Wohnungsbau in Einklang bringen kann. Es geht also nicht um einzelne Gebäude, sondern um ganze neue Quartiere.


    Aus rein architektonischer Sicht kenne ich viele Einzelprojekte, welche ich zwar schön finde, jedoch oft ein Bild vermitteln, welchem ich dann aus soziologischen Gründen nicht immer folgen kann. Das ist vor allem darin begründet, dass ich Städtebau als allen Menschen dienlich sehe und es vermeiden will, durch eine explizite Architektursprache nur bestimmte Millieus (sprich die Oberschicht) anzusprechen.


    Um es konkreter auszudrücken möchte ich den Fokus besonders auf das Zusammenwirken von Straßenraum und Wohnraum legen. Besonders interessant finde ich dabei "zeitgenössisch-ästhetische" Ansätze von Siedlungsbau. Beispiele, die ich aufführen würde, kommen unter anderem von Stefan Forsters Schwarzwaldblock oder Klaus Theo Brenners Parkstadt Karlshorst.


    Meine Frage an euch wäre, was ihr bei großflächigem Wohnungsbau wichtig findet, und welche Ansätze ihr gut findet!


    Beste Grüße
    Mexdus