Posts by Dase

    @ Leipziger: hier geht es nicht um die Wertschätzung für das Gebäude an sich, und auch nicht um die sicherlich Handgearbeiteten Türen, Treppengeländer etc. im Inneren. Ausgangsforderung war, die industriell gefertigten Fassadenornamente vor Abriss abzumontieren und einzulagern. Erstens sehen wir an hunderten teilrekonstruierten Gebäuden in Leipzig, dass weitaus komplexere und individuellere Ornamente in gleicher Qualität wiedererstehen können (oh Wunder, die werden nicht am 3D-Plotter ausgedruckt, sondern tatsächlich auch heute noch von Handwerkern händisch gearbeitet), zweitens macht es aufwandsseitig keinen Unterschied, ob neue oder eingelagerte Ornamente an einen Neubau angebaut werden.


    Dass das Original stets über jedweder Reko steht, ist doch vollkommen unbestritten, nur sollte man bei einem Arbeiterwohnhaus doch mal die Kirche im Dorf lassen. Jeder Euro, den man hierfür ausgegeben hätte (unter der Prämisse, dass der Abriss beschlossene Sache war), wäre ein Euro weniger für noch existierende Baudenkmäler. M.E. kann man das durchaus als scheinheilig beurteilen.

    ^ Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Es gab auch während der Gründerzeit genügend Gebäude, die über Ornamente verfügten, die handgearbeitet und beispielsweise aus Stein gehauen waren. Beispiele wären hier die Märchenhäuser in der Friedrich-Ebert-Straße gewesen. Deren Ornamente hätten erhalten werden sollen, da sie eine eigenständige künstlerische Leistung darstellten. Dies ist hier nicht der Fall, es handelt sich hierbei um ein Arbeiterwohnhaus mit einfachen Ornamenten aus dem Katalog, würden diese später noch einmal hergestellt, gäbe es keinen qualitativen und ideellen Unterschied.

    ^ Und was spricht dagegen, so es denn unbeingt diese Ornamente sein sollen, die es so sicherlich noch an etlichen anderen gebäuden gibt, diese industriell wieder herzustellen? In welcher Hinsicht wären die Elemente aus der Jahrhundertwende wertvoller? Originaler waren sie mit Sicherheit nicht.

    Und was soll dann damit geschehen, wenn man heutzutage doch komplett auf Ornamente verzichtet? Etwas industriell Gefertigtes kann (da kaum ein Anspruch auf Originalität bestehen kann), sollte Bedarf entstehen, auch wieder industriell hergestellt werden. Aufbewahrt und / oder ausgestellt werden sollten ausschliesslich künstlerisch wertvolle Ornamente, d.h. händsch bearbeitete, die einer künstlerischen Eigenleistung bedurften. Alles andere wäre eine Verschwendung von Ressourcen, die lieber in die Sicherung von noch existierenden Baudenkmälern gesteckt werden sollte.

    ^ So schade es um das Gebäude ist, weiß ich nicht, warum man diese industriell gefertigten und damit künstlerisch nicht direkt wertvollen Ornamente hätte Abmontieren und Einlagern sollen. Ganz ehrlich: die strukturelle Auswirkung auf das umliegende Stadtgebiet und damit auf Nutzungen und Sanierungen ist viel devastierender als der Abriss dieses Gebäudes:


    ^ Womit wir wieder beim Thema "Zierrat" wären. Nichts mehr wollte ich sagen, als dass eben der Kubus, wie auch immer man ihn definiert, nicht das Problem ist, sondern das, was man draus macht. Wenn hier pauschal auf Kuben geschimpft wird, ist mir das zu plakativ und geht am Thema vorbei. Das hat mit überhöhter Kritikempfindlichkeit am Neubaugeschehen, wie von Dr. Heimdall diagnostiziert, überhaupt nichts zu tun.

    Die Verkleidung schreitet voran:



    Die Rückseite der Paulinerkirche/des Paulinums als Spiegelung im Seminargebäude:


    Inzwischen wurde auch die Gasse zwischen Paulinum/Paulinerkirche sowie Neubau Insititutsgebäude und Café Felsche freigegeben, auch wenn sie wohl erst nach Fertigstellung des Hauptgebäudes gepflastert wird:


    Die Verbindung zwischen Seminargebäude und Paulinum ist dagegen noch nicht ausgebaut:


    Durchblick zum Augustusplatz:


    Auch wenn das ganze optisch nicht soo viel hermacht, ist der Effekt einer ruhigen schmalen Gasse doch sehr schön. Der Trubel der Grimmaischen oder des Augustusplatzes ist sofort verschwunden.

    Kubus kommt vom lateinischen Wort cubus und bezeichnet ein gleichseitiges Hexaeder. Nach deiner Definition wäre jeder Backsteinbau ein zusammengesetzter Kubus. Nicht dieser ist dein Problem, sondern der fehlende Zierrat. Also nenn die Dinge doch beim Namen. Aber gut, wenn die Realität noch nicht schlimm genug ist, redet man sie sich eben runter.

    ^ Mag alles sein, die Häuser, deren Hauswand die Grenze bildete und die damit zur Flucht genutzt und aufgrund dessen später zunächst zugemauert und dann gesprengt wurden, standen jedoch an der Bernauer Straße.

    Quote from "Klassiker"

    Palantir: am zweiten Bild erkannte ich das berühmte Haus an der Mauer wo vielen versuchten in die Freiheit zu springen. Natürlich wurde das Haus (mit vielen anderen überlebenden Bauten in der Friedrichstadt) von der DDR gesprengt!!!


    Die "Mauerspringer"-Häuser befanden sich an der Bernauer Straße und wurden bereits in den 60ern gesprengt. Keines davon ist auf den Fotos zu sehen.

    ^ Das mit der Katharinenstraße haben wir uns glaube ich sogar hier zusammengesponnen ;) Okay, dann halten wir fest - der Wert der Gebäude mißt sich nur an der Straßenfassade... Genau darum geht es doch bei den meisten Rekonstruktionsbemühungen hier, oder - nicht nur die Fassade zu rekonstruieren, sondern Keller zu nutzen, ähnliche Bautechniken, Innenhöfe, etc. Dass man irgendwie die Barockfassade an die sehr schmale Museumsumbauung drangeklatscht bekommt, bezweifelt glaube ich keiner.


    Was die Stadtbibliothek betrifft - durch das Konjunkturpaket II konnten weitere Gelder in die Dachsanierung gelenkt werden. Falls ich mich nicht irre, hieß es irgendwo, dort könnten dann weitere Räume hergerichtet werden, was ja eine Rekonstruktion des Daches impliziert (die auch in einer früheren Untersuchung seitens der Stadt gewünscht wurde). Explizit gefunden habe ich diese Aussage allerdings auf die Schnelle nicht, insofern will ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster hängen.

    ^ Wie Wissen.de völlig richtig schreibt, liegt der gegenwärtige Fokus nun einmal völlig auf der Erhaltung der existierenden Bausubstanz, eine Priorisierung, die doch durchaus nachzuvollziehen sein sollte. Auch sollte man die Teilrekonstruktionen nicht so hinten runter fallen lassen - hier in Berlin ist mir im Prenzlauer Berg kein einziger Fall bekannt, in dem beispielsweise an Wohnhäusern Stuck geschweige denn Ecktürmchen wiederhergestellt wurden. In Leipzig wird inzwischen bei gefühlten 70% der Sanierungen die Fassade und Aufbauten wiederhergestellt und insbesondere in der Innenstadt wurden bereits in den 90ern sehr umfangreiche Rekonstruktionen durchgeführt, die Komplettreko eines Flügels der Bibliotheca Albertina, dasTrifugium und das Städtische Kaufhaus wären nur drei Beispiele. Natürlich gab es auch in den 90ern recht viele Entkernungen im Innenstadtbereich, das sollte nicht verschwiegen werden.


    Als nächste Teilrekonstruktionen in unmittelbarer Innenstadtnähe werden wohl die Dachpartien der Leipziger Stadtbibliothek (ehemaliges Grassi-Museum, Baubeginn nächstes Frühjahr) sowie die Fassade und Dachpartie des Ringmessehauses (Baubeginn unklar) wiederhergestellt.


    Außer der von der Stadt gewünschten Rekonstruktion der Fassade von Deutrichs Hof an der Reichsstraße sehe ich momentan keine weiteren Komplettrekos. Eventuell kommt das Thema noch einmal auf, wenn die Stasizentrale am Matthäikirchhof abgerissen wird, ich vermute aber eher nicht.


    Dass die Paulinerkirche und die Bürgerhäuser am Sachsenplatz nicht wiederhergestellt wurden hat ganz andere Gründe (die schon ausgiebig diskutiert wurden). Man sollte bei der ganzen Diskussion allerdings nicht vergessen, dass Leipzig die meisten mittelalterlichen Gebäude bereits im 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts verloren hat. Die Stadt war da früher nicht besonders zimperlich, nach dem Bau des neuen Rathaus' sollte sogar das alte Rathaus abgerissen werden, was durch die Umnutzung als städtisches Museum verhindert wurde. Ohne diese Abrisse gäbe es allerdings auch keinen einzigen Messepalast.

    ^ Ursus, am Gebäude wurde seit Fertigstellung nichts geändert. Unabhängig davon, ob man ihn als architektonisch gelungen empfindet oder nicht (bis auf - zugegebenermaßen diverse - Details empfinde ich ersteres), muss man doch festhalten, dass das Gebäude nicht größer ist oder massiver wirkt als die zahlreichen zur vorvergangenen Jahrhundertwende entstandenen Messehöfe.


    Zu Deiner Frage: City-Hochhaus ist der offizielle Name des Gebäudes, seit es nicht mehr von der Universität Leipzig genutzt wird. Uni-Riese, Weisheitszahn, etc. waren ja immer nur Spitznahmen, m.W. hieß es früher schlicht und ergreifend "Sektionshochhaus der Universität Leipzig" ;)

    ^^ Da muss ich dem Worther doch mal recht geben. Auch wenn im Detail einiges besser hätte gelöst werden können - wenn man nicht weiß, wie die Marktgalerie aussieht, findet man sie auf dem Foto doch gar nicht. Einen maßstabssprengenden Bau sieht man auf dem Foto jedenfalls nicht. Die Marktgalerie ist sogar kleiner und weniger massiv als der kürzliche sanierte Handelshof am rechten unteren Bildrand.


    @ DV: Wenn du Provokationen stillschweigend erträgst, ist das dein gutes Recht, erwarte das aber bitte nicht von allen.

    ^^ Das rechte Gebäude ist das Hauptgebäude der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig. Das linke Gebäude wird als Wohn- und Geschäftshaus genutzt und beherbergt u.A. die Musikalienhandlung M. Oelsner. Das Hôtel de Pologne befindet sich in der Hainstraße am anderen Ende der Innenstadt. Letzter Stand ist, dass das Gebäude notgesichert wurde. Wann allerdings Baubeginn ist, ist momentan nicht abzusehen, eventuell wird hier abgewartet, bis auch mit den Höfen am Brühl begonnen wird. Dieser Nordwestliche Teil der Innenstadt stagniert ja momentan extrem, da es dort bis zur Fertigstellung der Höfe keine Anziehungspunkte gibt. Auch der Brühl leidet in dieser Ecke massiv darunter.

    Das Gebäude wurde straßenseitig von Bertelsmann rekonstruiert und fungiert jetzt als deren Hauptstadtrepräsentanz. Da wird nichts bröckeln und nichts patinieren und wenn das Gebäude alle 2 Jahre eingerüstet werden muss.