Posts by Dase

    ^ Was hat denn der Architekt damit zu tun? Der kriegt vom Investor auch nur ein enges finanzielles und inhaltliches Korsett angelegt und muss dann bauen, was irgendwie in ebenjenes passt. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass dieses Gebäude von irgendwelchen Architekten als besonders toll, modern und/oder wegweisend beurteilt wurde. Insofern solltest du dich mit deinen Schuldzuweisungen zuvorderst an Investor und Stadtplanungsamt wenden.

    Quote from "Philoikódomos"

    Und die Bauwirtschaft reibt sich die Hände ob solcher Tumbheit und Willfährigkeit der Architekten!


    Welches Interesse sollte die Bauwirtschaft denn haben, einfache und kostengünstige Baulösungen zu bevorzugen, wenn mit aufwändigen Formen und bautechnisch unnötigen Verzierungen viel mehr Umsatz zu generieren wäre?


    @ Georg Friedrich: wo erkennst du in dem verlinkten Scan eine dominante Mehrheitsmeinung, die sich der Redakteur zu Eigen macht? Da wird die BDA-Jury zitiert und über deren internen Wettbewerb berichtet, ohne, dass eine Wertung erfolgt. Was du erwartest, ist ein zugehöriger Kommentar. Das es sich dabei um unterschiedliche journalistische Erzeugnisse handelt, sollte auch bis zu denjenigen vorgedrungen sein, die sich gerne mit alten Namen schmücken.


    Insgesamt wäre es ratsam, bei solchen Dingen erst einmal einen Gang runter zu schalten und zu versuchen, das Ganze nüchtern zu betrachten, bevor man reflexartig "mordio!" schreit und sich dann gegenseitig in der bereits vorher allseits bekannten Position bestätigt.

    Da du selber offenbar nicht da warst, ist es doch deinerseits müßig, darüber zu spekulieren, wie sich das Publikum zusammengesetzt hat. Offensichtlich war die Mehrheit nun einmal älter, also was hat das mit irgendeiner Form der Diskriminierung zu tun?

    Da ein paar einzelne Gebäude ans Ufer zu setzen, die im "Hinterland" von Großplatten gesäumt werden, verspricht kaum, der große Reibach zu werden. Da hätte man die Planung schon zum Anlass nehmen müssen, dort wenigstens einen der geplanten Blocks mit einem städtischen Gebäude zu bebauen, als Initialzündung quasi.
    Moderationshinweis (Aedificium):
    Beitrag gekürzt.

    ^ Die Frage wurde leider nicht beantwortet. Wenn "jeder Laie" in der Lage ist, das "Mehr an Fassadengestaltung" nachzuvollziehen, sollte es doch auch in Worte zu kleiden sein, oder? Bei den (ich wiederhole mich) hier desöfteren geforderten Gestaltungssatzungen wäre dies jedenfalls erforderlich. Und höchstwahrscheinlich würde als eine der wichtigsten Forderungen ein Satteldach stehen, zumindest wird das Fehlen eines ebensolchen vielen Neubauten angekreidet. Da ist es schon erstaunlich, dass dieses Gebäude hier perfekt ist. Also, wie bringt ihr das ohne subjektive Worthülsen (die, welch Ironie, meist Architekten vorgeworfen werden, wenn auch oft nicht zu Unrecht) zusammen?

    Ich weiß nicht, was an der Frage nicht legitim sein sollte. Wie würdest du diese Ausnahme vom Satteldach, möglich geworden durch "einiges mehr" in Sachen Fassadengestaltung in eine der hier oft geforderten Gestaltungssatzungen für Neubauten einbringen? Per Punktesystem?


    Wenn das Urteil "perfekt" für dieses Gebäude Eines zeigt, dann, dass Ebendieses doch recht geschmäcklerischer Natur ist.

    Langfristiges Ziel der Stadt Leipzig ist ja die Wiederherstellung der meisten alten Blockränder, insofern kann man wohl davon ausgehen, dass irgendwann auch hier eine Neubebauung kommt, die die alten Kanten wieder aufnimmt. Aktuelles Indiz hierfür ist die Wiederherstellung des Salzgässchens. Gleichzeitig sollte man allerdings nicht vergessen, dass es in der Leipziger Innenstadt weitaus dringlichere Handlungspunkte gibt, beispielsweise die Vervollständigung der Museumsumbauung, der Fassadenreko von Deutrichs Hof sowie die Wiederherstellung der restlichen Reichsstraße oder die Wiederbebauung des Matthäiviertels. Hinzu kommt, dass das Gebäude, das in der Tat keine Platte ist, abgesehen von der schlechten Positionierung so schlecht gar nicht ist. Der Innenhof erinnert mich sogar ein wenig an die die Spanien üblichen geschlossen Plazas mit einheitlicher Umbauung. Würde man den Innenhof nicht mehr als Parkplatz nutzen, sondern mit Außennutzung bestücken oder einfach als kleinen Stadtplatz gestalten, wäre schon viel gewonnen.


    #Bildermuseum: Wenn man im Hinterkopf hat, dass es sich beim Geviert zwischen Böttchergässchen und Brühl sowie Katharinen- und Reichsstraße um einen geschlossenen Block mit mit einigen Durchhöfe handelte, ist es doch unter heutigen Maßstäben eine hervorragende Entscheidung gewesen, diesen eben nicht so massiv und geschlossen wiederzubebauen. Selbst bei der Verteilung der Grundstücke auf unterschiedliche Investoren wäre da wohl kaum etwas interessantes herausgekommen. Da die jetzige Lösung, hier das Bildermuseum zu errichten und mit den Museumswinkeln ungewöhnliche Hofsituationen zu schaffen, doch beinahe ideal. Eine weitergedachte Variante der Altstadtbebauung eben, die nebenbei noch einen Solitär relativ dezent im Altstadtbild unterbringt (Letzteres gilt natürlich erst, wenn alle Winkel stehen). Entgegen der in diesem Forum desöfteren kolporierten Meinung, man müsse das Bildermuseum verstecken oder es irgendwie mühsam integrieren, sind die Winkel integraler Bestandteil des Museumskomplexes.


    Was die Standortwahl des Bildermuseums betrifft: der Neubaubedarf entstand ja erst durch den Auszug des Museums aus dem ehemaligen Reichsgericht, insofern wäre dieses Gebäude kaum eine alternative gewesen. Die Messehöfe dagegen mögen theoretisch ganz gut für Ausstellungen nutzbar sein, entsprechen mit ihren gleichförmigen Etagenlandschaften aber nicht der Innenstruktur, die moderne Museumsbauten heutzutage auszeichnet. Vollständige Entkernungen wären hier nötig gewesen. Hinzu kommt, dass zum Zeitpunkt des Wettbewerbs noch von einem extremen Immobilienboom ausgegangen wurde und man schlussfolgerte, dass früher oder später sämtliche Messehöfe anderen Nutzungen zugänglich gemacht werden würden - was im Endeffekt ja auch geschehen ist. Einzige ernstzunhemende Alternative zum Sachsenplatz wäre wohl das Gelände der ehemaligen katholischen Kirche hinter dem Martin-Luther Ring, direkt gegenüber des Neuen Rathaus', gewesen.

    ^ Das waren viele Gründerzeitbauten auch. Insofern muss das ja nichts Schlechtes heißen. Insgesamt muss ich aber ebenfalls sagen, dass der Entwurf doch recht stark an die Postmoderne der direkten Nachwendezeit erinnert. Die niedrigen Geschosshöhen lassen die Gebäude ein wenig gedrungen wirken, aber daran kommt man hutzutage halt nur noch selten vorbei.

    ^ Das Gebäude dürfte hauptsächlich aufgrund der noch vorhandenen Innenausstattung und aufgrund des Status' als wichtigstes Gästehaus der DDR-Regierung unter Schutz stehen. Zumindest lassen die Tatsachen, dass die Bar erhalten bleiben soll, am Äußeren des Gebäudes aber Veränderungen vorgesehen sind, darauf schließen.


    Aus guten Gründen ist ein Denkmalschutzstatus keineswegs kausal mit ästhetischer Qualität bzw. deren zeitgenössischer Empfindung verbunden. Eine politische Entscheidung wäre es hingegen gewesen, dieses Stück DDR-Geschichte zu vernichten. Hätte sicherlich der Eine oder Andere, der sich bei anderer Gelegenheit über frühere "Verbrechen an Baudenkmälern" echauffiert, recht gern gesehen.

    ^ Vermutlich, weil du dann über die ganze Flussbreite Gerüste und temporäre Gerüste aufbauen müsstest - und zwar für die gesamte Bauzeit des Bogens. Kostengünstiger wäre das sicherlich nicht und die Binnenschifffahrt wäre sicherlich auch nicht begeistert.

    Die gegenwärtig laufende Sanierung des Hôtel de Pologne wurde hier bereits vorgestellt. Der große Saal, der im übrigen vom Berliner Hotel-Architekt Ludwig Heim (Palast-Hotel, Hotel Bellevue) und höchst wahrscheinlich auch von seinem Dekorationsmaler Max Friedrich Koch gestaltet wurde, ist bereits zum großen Teil wiederhergestellt, wie die LVZ in Wort und Bild berichtet und kann erstmals am Tag des offenen Denkmals bestaunt werden. Danach steht er bereits wieder für Mietzwecke zur Verfügung, das Hotel samt Passage wird aber erst im Jahre 2012 fertiggestellt sein. Zur Erinnerung der Zustand im Herbst 2008 mit im Deckenbereich größenteils erhaltenem Stuck, aber ohne farbliche Akzente:


    Vielleicht trotzdem noch eine Ergänzung an Frank-W: die Südvorstadt und Connewitz sind vielleicht Leipzigs urbanste und lebhafteste, aber keineswegs schönste Gründerzeitviertel. Entsprechend hättest du vielleicht ein wenig Zeit darauf verschwenden sollen, dich dort umzuschauen, wo man eben gutbürgerlich lebt: Gohlis, Waldstraßenviertel, Musikviertel. Dort ist dann auch das bauliche Niveau entsprechend höher. Was deine Vergleiche betrifft, könnte man jetzt noch mit Pirnaischem, Postplatz und Co um die Ecke kommen, die es als solches Desaster in Leipzig keinesfalls gibt und Plagwitz mit seinen Wasserläufen und den renovierten Industriegebäuden, was in Dresden wiederum nicht in der Form und Masse existiert. Damit dreht man sich aber im Kreis. Du vergleicht hier Äpfel mit Birnen, deine persönliche Präferenz für Dresden sei dir gegönnt, ist aber offensichtlich eher geschmäcklerischer Art, wie man an deiner Argumentation schön sehen konnte.

    ^ Wobei der Grund hierfür das gefühlte Blockieren von Investitionen und Entwicklung ist, was bei den Leipziger Musikstätten wenig Bedeutung haben dürfte. Insofern wird man der Bewerbung zumindest wohl keine Steine in den Weg legen, und an der musikhistorischen Bedeutung Leipzigs wird die Unesco m.E. hier nicht vorbeikommen.