Posts by findorffer

    Überseestadt


    Zwei gleich aussehende Gebäude. Diese Miniausgabe des seriellen Bauens spart Zeit, kreatives Bauen schaut anders aus. Eine Tresorfirma hat ihren Firmensitz in der Überseestadt und residiert in tresorähnlichen Gebäuden mit glänzender Alu-Fassadenverkleidung. Soll das etwa Firmenwerbung sein?

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    Weißes Haus


    Man muss hier keine Angst haben, dass Donald Trump gleich zur Tür rauskommt.


    Vergleicht man die visuelle und die Beschreibungsebene (Weißes Haus), handelt es sich hier um einen redundanten Pleonasmus, eine Doppelaussage gleichen Inhalts. Was haben sich die Architekten dabei gedacht? Soll mit der schriftlichen Bezeichnung der Markenkern gestärkt werden, durch das, was man eh sieht?


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    Zwar hatte ich diese beiden Bilder schon mal unter einem anderen Strang eingestellt, aber noch nicht aus diesem etwas ferneren sonnigen Blickwinkel.



    Diese gründerzeitliche Architektur "thörnt" mich an, weil man sie mir nicht erklären muss. Ich gehe durch die Straßen und verstehe über den Bauch. Die Wirkung dieser Gebäude auf mich ist erheblich und erzeugt Glücksgefühle. Im Gegensatz zu vielen modernen Bauten. die bei mir nur schlechte Laune erzeugen, weil sie nichts zu bieten haben. Manchmal gibt es da Führungen, bei denen der Architekt erklären muss, was er sich bei der Gestaltung so gedacht hat. Das interessiert mich überhaupt nicht. Eine Architektur, die man erst erklären muss, ist für mich keine gute Architektur. Die Gebäude müssen mich durch ihr Aussehen überzeugen. Da brauche ich keine Erklärungen, die ja meist sowieso nur Ausreden sind für das, was nicht gekonnt wurde.


    In diesen noch unbeschädigten Straßenzügen des Historismus (auch des Jugendstils) sieht jedes Haus anders aus, aber alle sind einem gemeinsamen Baustil zuzuordnen. Der Historismus bietet, ebenso wie der Jugendstil, eine Formenvielfalt, die die Architekten zu Kreativität und ästhetischen Höchstleistungen angetrieben hatten. Diesen Architekten ging Schönheit über alles.


    Wenn nun in diese Straßen ein moderner Neubau eingefügt wird, ist meist das Gesamtgefüge beschädigt, das Ensemble ist kaputt, der moderne Bau ist zum visuellen Störfaktor der ganzen Straße geworden. Das kann man in Bremen, Bremerhaven und anderen Städten in vielen Altbauvierteln beobachten. Oft wurden dann auch noch zu allem Übel ein, zwei der dort stehenden Altbauten abgerissen, "um mehr Wohnraum zu schaffen", so meist die offizielle Begründung.


    Die hier von Heinzer bildlich dargestellte Architektur ist einfach nur atemberaubend, da könnten sich die heutigen Architekten mal ne´ Schnitte von abschneiden, zumal sie privat gerne in solchen Gebäuden wohnen, während sie beruflich die Städte verschandeln.

    Wirklich wieder mal sehr schöne und ausdrucksstarke Bilder, Heinzer. Bei meinem nächsten Besuch in Bremerhaven werde ich mit Sicherheit auch die Rickmersstraße anschauen. Wenn Du so weitermachst, werden Heimdall und Du sicher noch mal Nachbarn - in einem der wunderschönen Alstbauviertel Bremerhavens.


    Beim Anblick dieser Gebäude ist schwer zu verstehen, dass die Modernisten den Historismus bis in die 1970er Jahre zum Teufel gewünscht und versucht haben, ihr Erneuerungsparadigma durch massenhafte Abrisse durchzusetzen. Hinterlassen haben sie uns eine sichtbare ästhetische Leere, die die Leere in ihren Köpfen widerspiegelt. Viele Gebäude würden in Bremen ohne die modernen Stadtplaner noch stehen.


    Bezogen auf Bremerhaven möchte ich Naumburg´s Hinweis auf den Osten nicht negieren sondern erweitern. Bremerhaven war zu uninteressant und hatte zu wenig Geld, sich an der Rettung dieser Gebäude zu beteiligen. Viele Gebäude im DDR-Osten haben deshalb überlebt, weil der Staat keine Kohle zum renovieren hatte. Beispielsweise war Freiberg, südwestlich von Dresden gelegen, so eine Stadt. Alles war so heruntergekomemn, dass überlegt wurde, große Teile der Stadt abzureißen. Aber nicht mal dafür war Geld da. Und wer heute Freiberg besucht, kann mit dieser Hintergrundinformation nur von einem Wunder sprechen. Alles ist erhalten. Ich habe in Freiberg keinen einzigen Nachkriegsbau gesehen, ähnlich wie in Görlitz.

    Ich habe den Beitrag auch gesehen, Heinzer, aber mir wurde doch ganz anders. Ich sah die schöne Fassade des Hauses, vor dem zwecks Renovierung ein Gerüst aufgebaut war. Aber dann die Innenräume. Alle Türen - vermutlich historischen Zuschnitts - waren verschwunden. Man sah alte Wand- und Bodenfliesen, einige, so schien es mir, waren schon abgeschlagen worden. So sehr ich die Projekte der jungen Leute gut finde, entstand doch bei mir der Eindruck, dass sie für das historische Gebäude nicht nicht dienlich ist.

    Getreideverkehrsanlage - weitere Eindrücke und Erfahrungen


    Es ist jetzt bestimmt mehr als 15 Jahre her, dass ich an einer Führung durch die Getreideverkehrsanlage teilnehmen konnte. Auslöser war für mich, dass diese zwei Gebäude wie Perlen vor die Säue geworfen werden sollte. Bevor das passierte, wollte ich noch mal einen Blick in den einigermaßen ursprünglichen Zustand wagen.

    Als der Spacepark in der heutigen Waterfront eröffnete, hingen daran viele Hoffnungen von Seiten der Politik. Touristenströme wurden erwartet. 2004 dann: Die Pleite.

    Die Stadt hatte den Betreibern des Komplexes vorher die Getreideverkehrsanlage angeboten - zur Vermarktung. Hintergrund dessen war die damals noch herrschende Meinung: Die Privaten können es besser. Aus diesem Grund verlor Bremen auch seine Stadtwerke u. a. Nun stand also die noch nicht unter Denkmalschutz stehende Anlage im Focus von Investoren -Bremen versuchte wie schon zu oft, ein unliebsames Gebäude los zu werden. Die Investoren hätten zu dem Zeitpunkt damit machen können, was sie wollten. Große Veränderungen bis hin zum Abriss waren nicht auszuschließen. Es gab Diskussionen und Vorträge. Bei dem eines Architekten war ich anwesend. Er lobte die architektonische Qualität des Gebäudes und hatte zur Aufwertung einen eigenen Entwurf mitgebracht, den wir nach längerer Vorsprache dann zusehen bekamen. Ich fiel aus allen Wolken: mit Verweis auf die Hamburger Elbphilharmonie schlug er einen drei- oder vierstöckigen Aufbau dieses jetzt schon hohen Hauses vor - ganz in Glas, oben natürlich flach. Mein spontaner Gedanke: Note 6 - setzen. Enttäuschend. Keinem der Anwesenden gefiel das.


    Zum Glück kam dann aber der Denkmalschutz, den wir dem amtierenden Landeskonservator, der ein Faible für Industriearchitektur hat, verdanken. Sonst..............


    Zurück zur Führung, bei der ich erfuhr, dass es sich bei der Getreideverkehrsanlage um ein technisches Meisterwerk handelt. Man muss sich das so vorstellen:

    Ein mit Getreide beladenes Schiff landet am direkt neben der Anlage liegenden Hafenbecken an. Das Getreide wird dann von einem Saugkran nach oben und von dort in die verschiedenen Räume transportiert. Viele dieser Räume haben Löcher in der Mitte, von denen aus das Getreide durch Mitarbeiter dann ein Stockwerk tiefer befördert werden kann. Die technische Meisterleistung besteht nun darin, dass durch ein Wirrwarr von Röhren, die sich oberhalb des 1. Baus von 1916 befinden, das Getreide in die vorgesehenen Räume gelangt. Wie das genau geschieht - keine Ahnung. Diese Röhren nahm ich vorher als statisch bedingt notwendiges Gestänge wahr. Im westlichen Teil des 1929 fertiggestellten Baus gab es bis vor einigen Jahren auch noch einen Bahnzugang, d. h., die Waggons fuhren im Erdgeschoss bis ins Innere der Anlage, wurden dort beladen und brachten die Ware dann per Bahn direkt zu den Empfängern. Bis 1981 stand auch noch direkt neben dem Hafenbecken ein sogenannter Elevatorturm, in den das Getreide direkt vom Schifft eingebracht, von dort dann nach oben zur Verteilung in das Röhrensystem transportiert wurde.


    Elevatorturm (Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Bremen)



    Eine Frage beschäftigt mich immer wieder, wenn ich vor der großen Backsteinwand stehe: Warum finde ich das schön. Alle Theorien über Ästhetik sprechen doch dagegen. Ich vermute, es hängt mit dem warmen, durch Patina changierenden Backsteinton zusammen. Und natürlich mit der unglaublichen Größe dieser Backsteinwand, die auf den Bildern kleiner aussieht als wenn man davorsteht. Beides zusammen führt zu einem ästhetischen Erlebnis.


    Zum besseren Verständnis habe ich noch einige Bilder gemacht. Ich will damit aber, Heinzer, keineswegs mit Deinen tollen Bildern konkurrieren. Sie sollen diese lediglich ergänzen und meinen Textinhalt unterstützen.



    Dieses Gestänge oberhalb der Anlage ist in Wirklichkeit ein kompliziertes Röhrensystem und eine technische Meisterleistung



    Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti nur noch blasen kann. Bevor nun ein Moderator auf eine sexuelle Anspielung im Subtext verweist........es handelt sich hier nur um ein Loriotzitat. Ob die Arbeiter ihrem Saugkran den Namen Heinzelmann gegeben haben, glaube ich nicht. Es könnte ja jemand Namensrechte einklagen.

    Besagter Saugkran - dessen Name nicht genannt werden kann - dreht sich zur Futteraufnahme nach rechts Richtung Hafenbecken zum getreidebeladenen Schiffskörper und zieht das Getreide aus dem Inneren zum Transport Richtung Röhrensystem Getreideanlage.



    Hafenszene - links steht die hier nicht sichtbare Anlage



    Nochmal der Gesamteindruck.



    An der westlichen Querwand befand sich die Bahneinfahrt. Die Gleise wurden vor einigen Jahren entfernt.



    Un so schaut´s über der Bahneinfahrt aus.



    Glücklicherweise finden die Führungen weiterhin statt. Da lag ich mit meiner Befürchtung vor 15 Jahren glatt daneben.


    Zum Schluss ist noch zu erwähnen, dass Bremen das denkmalgeschützte Doppelgebäude verkauft hat - an einen Braker Getreidehändler, der das Gebäude als Lager nutzt. Sauer war darüber ein Bremer Getreidehändler, der das Gebäude bis dahin genutzt hatte und nicht verstehen konnte, dass er mit seinem Bremer Stammsitz doch Steuern an die Stadtgemeinde zahlend hier keinen Zuschlag bekam. Der Braker Händler bezahlt an Bremen keine Steuern. So ist Bremen, ein Problem beseitigt und schleichend ein neues erschaffen.

    Ja, sehr geehrter findorffer, es wäre in der Tat interessant zu wissen, wer die Entwicklungsstudie in Auftrag gegeben hat !

    Letztendlich war es die Bausenatorin bzw. ihr Vorgänger, die oder der den Auftrag erteilt hat. Es handelt sich hier ja um einen längeren Prozess, der über Jahre geht, auch in der Umsetzung.

    Diese Entwicklungsstudie unter der Leitung der Senatsbaudirektorin Iris Reuther zeigt uns, wie sich das Bahnhofsviertel verändern wird, die Grundsätze hat die Baubehörde vermutlich zusammen mit der politischen Ebene entwickelt. Wütend macht mich beispielsweise der lange, moderne Riegel mitten im Rembertiring, rechs im zweiten Bild, rot markiert. In den 60er Jahren haben sie das ganze Viertel hier abgerissen, um die Mozarttrasse zu bauen, dann als Fehler erkannt und jetzt folgt eine Art Stadtreparatur. Danach sieht es aber nicht mehr aus wie früher - dieses gewachsene Viertel ist dahin - sondern es sieht danach aus wie heute. Überseestadtästhetik. Für mich gibt es kaum etwas, was die Stadtplanung noch richtig macht. Man ärgert sich ohne Unterlass.

    Das Haus Contrescarpe 9 steht unter Denkmalschutz:

    Contrescarpe 9

    Es wäre interessant, genaueres über die Baumaßnahmen zu erfahren. Leider habe ich im Netz bisher nichts dazu gefunden.

    Schön zu wissen, Kaline. Aber warum wird dann der gesamte Innenbereich abgerissen? Das geht doch nur mit Genehmigung des Landesdenkmalamtes. Versuchen wir es mal positiv zu sehen: Die alten Eichenbohlen waren vom Wurm zerfressen und marode, im Dachbereich hatte der Holzbock die Führung übernommen. Bleileitungen waren noch im Haus, dazu alte zweiadrige Elektroleitungen. Da musste so viel gemacht werden, deshalb innen Totoalabriss.


    Sehen wir es mal negativ. Die beschriebenen Einschränkungen gab es nicht, das Haus war eigentlich schon auf Vordermann gebracht worden, bei denkmalschutzwürdigen Gebäuden hilft auch das Landesdenkmalamt finanziell. Der Abriss war eigentlich unnötig.


    Dann verstehe ich aber nicht, warum das Landesdenkmalamt so was zulässt. Erinnern wir uns: Das Medienhaus konnte nicht unter Schutz gestellt werden, weil im Innenbereich schon so viel verändert worden war. Innen und außen bildeten also ein Einheit. Das müsste doch hier dann auch so sein.

    Schauen wir in die Zukunft: In zwanzig Jahren möchte der Eigentümer das Gebäude abreißen, geht vor Gericht und das Denkmalschutzamt kann, wie beim Medienhaus, nichts machen, denn der Innenbereich wurde ja schon so sehr verändert, dass Denkmalschutz bei der Contrescarpe 9 nicht mehr bestehen kann. Gleiches Kriterium wie beim Medienhaus..

    Contrescarpe Nr. 9


    Eine eher unauffällige Zerstörung alter Bausubstanz spielt sich gerade in der Contrescarpe Nr. 9 ab. Die Fassade des Gebäudes von 1860 glänzt zurzeit mit einer Doppelverkleidung aus Kunststoff und Holzverschalung. Vielleicht kann einer der Foristen über Google ein Fassadenbild einstellen, meine bescheidenen Kenntnisse reichen dafür leider nicht aus.



    Was passiert hier? Der Eigentümer hat dieses Einfamilienhaus mit geschätzten 400 Quadratmeter Wohnfläche, zweifellos ein Wohnhaus der bremischen Oberschicht des 19. Jahrhunderts, innen bis auf die Außenwände links und rechts (und natürlich die, wie bereits erwähnt, Fassade), abbrechen lassen. Nach Fertigstellung entsteht hier wieder ein EINFAMILIENHAUS.



    Innen nun vollkommen ausgehöhlt, wird neu gebaut. Der Eigentümer hat den Verlust der üppig verzierten Decken in Kauf genommen, die holzgeschnitzten und ebenfalls verzierten Treppenaufgänge sind auf dem Müll gelandet, oftmals befanden sich auch alte Kachelöfen und schwere, verzierte Heizkörper in diesen Gebäuden. Hier ein Blick in den "Innenraum":




    Ein alter Bekannter ist auch mit im Spiel:


    Damit kann ich leider nicht aufwarten, Pagentorn, aber ich habe noch einige Bilder zum Hauptbahnhof bei mir finden können.



    Hier ein Querschnitt vom Empfangsgebäude



    Wartesaal erste Klasse



    Eine schmiedeeiserne Prunktreppe verband die fürstlichen Empfangsräume im Obergeschoss des rechten Seitenflügels direkt mit dem Vorplatz



    Fürstenzimmer im Empfangsgebäude


    Und jetzt noch zwei neuere Fotos:


    Diese scheußlichen, an bestimmte Etablissements erinnernde Baldachine "schmückten" einst den Eingangsbereich des Hauptbahnhofs. 70/80er-Jahre-Stil. Yes Sir, I can Boogie.......


    Der Hauptbahnhof 1980, er wurde erst 1973 vom neuen Landesdenkmalpfleger Hans-Christoph Hoffmann unter Denkmalschutz gestellt.



    Ein Blick ins Innere. Der Schokostand war durch sein markantes Äußeres einmalig, hier eine Aufnahme von 1976.


    Wir müssen aber dieses Gebäude, wie übrigens auch jene, die an der Deichstraße, auf dem Gelände des Krankenhauses Mitte und an der Kohlhökerstraße ("Kein Hochhaus im Viertel") entstehen sollen, im Kontext mit der grünen Baupolitik sehen. Bausenatorin Maike Schaefer hat ja bereits in einem Interview die Richtung vorgegeben: "Wir müssen auf den hohen Wohnungsdruck im Viertel reagieren". Das was wir jetzt hier erleben, ist die praktische Umsetzung Rot-Rot-Grüner Baupolitik. Der Gedanke dahinter ist ja folgender: Wenn wir im viertel mehr Wohnraum schaffen, kriegen wir den Druck aus dem Kessel. Meine Theorie ist eine andere: Je mehr Wohraum man im Viertel schafft, desto mehr Leute wollen da hin und der Druck wird immer stärker. Hier nachzugeben, setzt eine schlimme Entwicklung in Gang, bei der am Ende das Viertel nicht mehr das Viertel ist.


    Aber woher kommt der hohe Wohnungsdruck im Viertel? Folgen denn alle nur dem Schwarm? Das Viertel gilt als hochattraktiv , aber WARUM? Doch wohl hauptsächlich wegen seines hohen Bestandes an historischer Architektur, der diesem Stadtteil einen besonderen Charme verleiht. Der alte Baubestand, diese sogenannten Altbremer Häuser, sind es doch, die als Attraktor wirken und viele mit dem Viertel als Wohnort liebäugeln lassen. Manche sind auch der Meinung, dass es was mit der Innenstadt- oder Wesernähe zu tun haben könnte. Aber die haben wir in der Überseestadt ja auch. Trotzdem hat diese nicht eine mit dem Viertel vergleichbare Anziehungskraft. Die historische Architektur also......


    Und jetzt wird dieses Viertel immer mehr mit Bauten der Moderne überschrieben und sorgt dafür, dass auch das letzte unschuldige Stück Land verwertet werden wird. In der Gertrudenstraße fiel ein Altbremer Haus und wir werden erleben, dass durch die Genehmigung dieses hässlichen Gebäudes weitere Altbremer Häuser fallen werden. Für die Investoren ist dies nicht ein Einzelprojekt, sondern eine Einladung. Und damit wird schlussendlich genau das vernichtet, was das Viertel so attraktiv macht.

    In der Tat, Kaline, es verschlägt einem wirklich die Sprache!


    Der Autor des Artikels, Jürgen Hinrichs, ist bekennender Anhänger der Moderne, wie er anlässlich eines Vortrages schon mal erklärt hatte. Das führt dazu, dass er mittels Weser-Kurier bei jedem Neubauprojekt Schönfärberei betreibt. Einer der beliebtesten Strategien, vom ästhetischen Ergebnis abzulenken, ist die Beschreibung von technisch-architektonischen Details. Der Redakteur versucht so, seinen Lesern eigene Fachkenntnis zu signalisieren, aber meist sind diese Texte mit dem Anspruch auf öffentliche Wirkung von den Architekturbüros bereits vorgefertigt und zielen subtil auf eine gewisse Einschüchterung der fachfremden Bevölkerung mit dem Effekt, die Fachkompetenz der eigene Berufsgruppe unantastbar zu machen. So entsteht Ruhe im Karton (man könnte auch sagen: Im Bauhauscontainer). Man beachte in diesem Zusammenhang folgende Beschreibung des Autors im Kurier am Sonntag:


    "Dann die Fassade, die vor allem. Sie ist aus dunklem Metall und wird gefaltet sein, nicht regelmäßig, sondern in unterschiedlichen Abständen, damit durch Licht und Schatten Lebendigkeit entsteht. Kleine und große Fenster durchbrechen die Fassade. Eines, das Eckfenster im oberen Stockwerk, ist bodentief, ein überdimensionaler Ausguck zur Straße hinunter und über die Dächer der angrenzenden Gebäude hinweg".


    Hinrichs Begeisterung für die Moderne Architektursprache zeigt sich auch beim folgenden Absatz:


    Entworfen hat das Haus die Gruppe GME Architekten mit Sitz in Achim und Bremen. Ein Büro, das sich zuletzt zusammen mit den Planern Delugan Meissl Associated Architects aus Wien beim Neubau der Bremer Sparkassenzentrale am Technologiepark der Universität hervorgetan hat und in Oldenburg den Entwurf für das neue Stadtmuseum verantwortet, der sich bei einem Architekturwettbewerb durchsetzen konnte.


    GME antizipiert die zu erwartende Kritik an diesem Gebäude und "kontert" mit den üblichen argumentativen Allgemeinplätzen von sich selbst superschlau und hipp haltenden Architeken.

    „Klar, dass ein solches Gebäude polarisiert“, erklärt GME in einem Thesenpapier zum Projekt im Ostertor. Doch das eben sei Veränderung – keine Anbiederung, kein klägliches Klonen historischer Gebäude. Stadtbilder seien seit jeher geprägt von unterschiedlichen Fassadensprachen, Höhen und vielfältiger Materialität.


    Ein Verweis auf "Metropolen wie Paris, Mailand und London" kommt da immer gut und meint im Subtext: Ihr Bremer seid doch nur provinzielle Knilche, die uns, polyglott ausgerichtet und die internationale Entwicklung im Auge habend, nicht das Wasser reichen. können. Schließlich würden diese Städte "Zeugnis davon ablegen. „Wir brauchen eine neue erlebbare Kultur der Architektur, und wir müssen uns trauen, sie durchzusetzen“, fordert GME".


    Dieser konklusiv gemeinte Schlusssatz, wohl als Krönung des Ganzen beabsichtigt, haut einem nun wirklich den Zacken aus der Krone: Da ist er wieder, der berühmte, von vielen Architekten vermisste und immer wieder geforderte: MUT (" wir müssen uns trauen"), der einem hier von hinten durchs Auge gedrückt wird..


    Warum brauchen wir „eine neue erlebbare Kultur der Architektur". Interessant ist der Begriff erlebbar: Was heißt das? Erlebbar ist für mich beispielsweise die Fassade des Bremer Rathauses, moderne Architektur mit ihrem Anspruch auf Reduktion (glatte Fassaden) ist geradezu das Paradebeispiel für Nichterlebbarkeit. Und bei aller Toleranz, liebe GMEler, Eure Scheiß-Schwarze-Fassade möchte ich nicht erleben - im Gegenteil, ich werde in Zukunft wohl eher selten durch diese Straße fahren.

    Ich möchte den Satz umformen und weiß dabei jetzt schon, dass alle Foristen mir zustimmen werden. Der Satz müsste heißen:


    Wir brauchen eine an historischen Vorbildern orientierte Architektur, denn nur diese hat das Zeug, den Rezipienten Erlebbarkeit zu garantieren.


    10 Probleme


    Bevor es überhaupt zu einer Rekonstruktion des Ansgariiturms, der Ansgariikirche oder beiden kommen kann, müssen erst mal eine ganze Reihe von realen Problemen bewältigt werden.



    Problem Nr. 1: Die Eigentumsverhältnisse

    Nach meinem Wissensstand gehört das Bremer Carree zurzeit zwei Personen. Eigentümer des östlichen Teils zum Marktplatz hin ist Kurt Zech, der westliche Teil gehört dem Hamburger Erck Rickmers. Diese Eigentumsverhältnisse werfen als Erstes die Frage auf: Wollen die beiden erwähnten Personen (oder einer) ihre Anteile überhaupt verkaufen oder wollen sie die Anteile weiterhin behalten.



    Problem Nr. 2: Der Kaufpreis

    Ich hatte in der letzten Woche zu einem Immobilienmakler Kontakt aufgenommen und ihn um eine Einschätzung des gegenwärtigen Kaufpreises des Bremer Carrees gebeten. Aufgrund des durch die Coronakrise erzeugten Wertverlustes von Immobilien in der Bremer Innenstadt in Höhe von bis zu 25 % ist es nicht einfach, hier einen exakten Kaufpreis zu benennen, aber er meinte, man könnte heute ungefähr 30 - 40 Millionen Euro für das Carree ansetzen.



    Problem Nr. 3: Wer wird der neue Eigentümer

    Wir sprechen hier also von ca. 30 Millionen Euro, pro Hälfte wären das dann 15 Millionen Euro. Unterstellen wir mal, die Westhälfte würde vom Eigentümer verkauft werden wollen, dann stellt sich erst mal die Frage: An wen. Verkauft wird an den, der am meisten bietet. Von einer Herzensangelegenheit "Rekonstruktion" seitens des Eigentümers können wir nicht ausgehen. Unterstellen wir weiter, dass ein dem Ansgariiprojekt positiv gegenüberstehender Investor die Gebäudehälfte von Rickmers kauft, heißt das noch lange nicht, dass dieser sein Eigentum zur Verfügung stellt. Denn das würde ja bedeuten, dass er auf 15 Millionen Euro mal ebenso, aus reiner Begeisterung, verzichten würde. Also bleibt noch als neuer Eigentümer der idealistische Verein "Anschari". Da kommen wir schon zum nächsten Problem.



    Problem Nr. 4: Wo kommt das Geld her

    Ich halte es für unmöglich, dass ein Verein in Bremen 15 Millionen Euro (dies ist die fiktive Summe, von der ich hier erst mal ausgehe, damit man irgendwie vorankommt) aufbringen kann. Plus Nebenkosten. Wohlgemerkt: Wir haben hier nicht das international beachtete Berliner Schlossprojekt oder die Frauenkirche in Dresden. Sondern: Bremer Verhältnisse. Die Spendenbereitschaft für ein Gebäude, was dem Erdboden gleichgemacht werden soll, halte ich, anders als beim Aufbau des Turms, für äußerst gering.


    Problem Nr. 5: Was geschieht mit den Mietern

    Wer auch immer neuer Eigentümer wird, er muss den Mietern kündigen, um den Abriss einleiten zu können. Es könnten aber langjährige Verträge bestehen, die langjährige Gerichtsverfahren nach sich ziehen - und Ablösesummen. Das kann also dauern und wird wohl zusätzlich sehr viel Geld und Zeit kosten: für Anwälte, Entschädigungen...



    Problem Nr. 6: Der Abriss

    Außer den Erwerbsnebenkosten entstehen bei einem Abriss Abrisskosten. Ich habe keine Ahnung, wie hoch die sind, nehme mal die Summe von 5 Millionen Euro als Orientierungspunkt und reduziere diese um die Hälfte. Arbeitshypothese: 2,5 Millionen Euro entstehen für den Abriss der westlichen Haushälfte. Hier sind Absprachen mit den 2. Eigentümer von Nöten, der Abriss muss beantragt und danach müssen die Anschlüsse zum Nachbargrundstück verkleidet werden. Fragestellungen nach den Versorgungsleitungen müssen befriedigend gelöst werden. Alles zusätzliche Kostenfaktoren.



    Problem Nr. 7: Nach dem Abriss

    Nach dem Abriss muss ein Bauantrag für den Ansgariiturm gestellt werden. Die Sache muss durch die Deputation, durch die Stadtbürgerschaft und durch den Senat. Nehmen wir mal an, die politischen Parteien in der Bürgerschaft sind in der Mehrheit gegen eine Rekonstruktion des Ansgariiturms. Dann war´s das und der neue Eigentümer verfügt über ein leere, aber wieterhin kostenpflichtiges Grundstück.
    Bestimmt wird es Abgeordnete geben, die Rekonstruktionen ablehnen, andere wiederum wollen eine zeitgenössische Interpretation des Turms (Vorbild: moderner Industrieschornstein), wiederum andere wollen nicht mal das, sondern einen zeitgenössisch orientierten Neubau. Die Wirtschaftsfraktion in der Bürgerschaft will dann vielleicht einen Neubau mit Verkaufsfläche im Erdgeschoss (da würde man sich dann dem früheren Zustand annähern), da Bremen als Großstadt zu wenig Fläche anbieten kann und deshalb in Konkurrenz zu anderen Großstädten zurückfällt.



    Problem Nr. 8: Erneutes Geld auftreiben - in Millionenhöhe

    Aber gehen wir jetzt mal davon aus, alles läuft glatt mit der Politik. Der Wiederaufbau des Turms wird Kosten in Millionenhöhe verursachen. Von Zieten hat hier ja schon mal Zahlen reingeschmissen: 28 Millionen Euro, irgendwann tauchte die Zahl 54 oder 58 Millionen auf, glaube ich, also irgendwas dazwischen. Woher nehmen? Spenden? Es sind ja schon viele Spendenmillionen - unterstellt - für den Kauf des halben Gebäudes, für die Hauserwerbnebenkosten, für den Abriss und so manches mehr geflossen.
    Als ein weiterer Kostenfaktor ist die Gründung des Turms zu nennen, damit nicht wieder, wenn bei einem erneuten Krieg dem Turm eine Bombe vor die Füße fällt, dieser instabil wird. Zum Vergleich: Architekt Poppe hatte dem in der Nähe liegenden Lloydturm bezüglich der Statik große Aufmerksamkeit gewidmet und zusätzlich zu einer ordentlichen Gründung noch keilförmige Betonverstärkungen in den Geestboden getrieben. Hinzu kam: die unteren drei Etagen verfügten über ein Eisenskelett. Der Lloydturm bekam zwar Bomben ab, blieb aber stabil. Aber so eine stabilisierende Gründung wird ins Geld gehen, das nicht vorhanden ist.



    Problem Nr. 9: Das Hauhaltsnotlageland Bremen

    Es ist durchaus möglich, dass es Zeitgenossen gibt, die mit dem Gedanken spielen, das Bundesland Bremen oder die Stadt Bremen könnte finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe leisten. Wer sich auch nur bei diesem Gedanken ertappt, sollte sich gleich selbst bestrafen. Wenn es etwas gibt, das mit Sicherheit nicht eintreten wird, dann die Tatsache, dass Bremen Geld zuschießt. Wer Bremer Gelder in einen Finanzierungsplan mit einschließt, hat gleich verloren.


    Problem Nr. 10: Die positiv Gestimmten

    Für die positiv Gestimmten sind Problembeschreibungen reine Horrorveranstaltungen. Aber mit Eskapismus kommt man nicht weiter. Wir können das Fell des Bären nicht verteilen, wenn nicht vorher die geschilderten Probleme behoben werden.
    Vergleiche mit Frankfurt, Dresden und Berlin halte ich nicht für passend, da dort andere Bedingungen herrschten und diese nur vom Ergebnis her Vorbildcharakter haben. Die Grundstücke dort gehörten der Stadt/dem Bund bzw. Berlin. In Bremen dagegen gehört das Grundstück Privatpersonen. Es darf nicht sein, dass Personen, die Problempunkte ansprechen, Miesepeterigkeit unterstellt wird oder noch besser, dass ihnen vorgeworfen wird, sie würden das Projekt kaputt machen wollen.


    Ich habe hier jetzt einige Problempunkte aufgeführt. Werden diese nicht gelöst - und zwar von vorne beginnend - brauchen wir uns keine weiteren Gedanken über die Rekonstruktion machen. Ich halte die angesprochenen Probleme allerdings für so gravierend und nicht lösbar, dass wir uns vom Ansgariiprojekt verabschieden müssen und der realistischen Umsetzung eines anderen Projekts, z. B. das angesprochene Kornhaus, zuwenden sollten. Ansgarii ist aufgrund der Eigentumsverhältnisse, die ich hier eingangs versucht habe, darzustellen, einfach nicht bezahlbar und insgesamt zu riesig und komplex in der Umsetzung.

    Vielleicht hilft ein Blick über die nahe Grenze in die Niederlande. Dort werden recht häufig Kirchengebäude einer neuen Nutzung zugeführt. Hier nur ein Beispiel unter vielen aus Maastricht: https://autobahn-immomag.de/20…tzung-fuer-gotteshaeuser/

    tegula, ich habe schon sehr gut verstanden, dass es Dir darum ging, Beispiele für eine neue Nutzung alter Kirchengebäude hier im Forum vorzustellen. In Deinem zitierten Beitrag hast Du einen Link beigefügt, der anschaulich zeigt, wie in Holland Kirchen umgenutzt werden (Hotel, Restaurant).


    Bis dahin OK!


    Aber es geht ja nicht um Deine anregende Information, sondern es geht um den Kontext, in den Du diese Information stellst. Der Kontext besteht in der Fragestellung einer zukünftigen Nutzung der noch nicht bestehenden Ansgariikirche. Wenn Du nun solche Beispiele einer Umnutzung von, sagen wir mal, ca. 150 Jahre alten Kirchen, die ihren Platz im Stadtbild haben, bringst, entsteht doch der Eindruck, dass Du darin Beispiele einer Nutzungsmöglichkeit für die Ansgariikirche siehst (Na ja, Ur-Potsdamer hatte ja auch schon darauf hingewiesen).


    Und dafür hilft kein Blick über die Grenze, da die Umnutzung in Holland eine Möglichkeit war, die Kirchen als Bestandteil der Stadtarchitektur zu erhalten. Das ist aber nicht mit der Situation in Bremen vergleichbar. So sehr ich Deinen Beitrag als informatives Beispiel für die neue Nutzung alter, leerer Kirchen schätze, als Blaupause für die Nutzung einer neuen Ansgariikirche ist er als konkreter Vorschlag nicht durchführbar, das kann man, immer an diesem, Deinem konkreten Beispiel orientiert, keinem Bremer schmackhaft machen. Das wäre der Anfang vom Ende. Man könnte auch sagen, der Nutzungs-Vergleich: alte Kirchen in Holland - rekonstruierte Ansgariikirche, der hinkt.

    Kylo Ren und tegula


    Wenn ich Eure Vorschläge (inkl. "gefällt mir") mal zusammenfassen darf (ich bitte um Berichtigung, falls ich hier falsch liege):

    - Ihr seid für den Wiederaufbau der Ansgariikirche (Wir sprechen jetzt über das Kirchenschiff)

    - Als Nutzungsidee schwebt Euch eine "holländische Lösung" vor: Nach Fertigstellung der Kirche wäre es denkbar, dort ein Hotel einzurichten (oder ein Restaurant, Bücherei o. ä.) Ich bleibe mal beim Hotelgedanken. Warum sollte man für viel Geld das Bremer Carree erwerben, dann abreißen lassen, um dann dort - vielleicht über Spenden - ein Kirchenschiff errichten, das als Hotel genutzt werden soll. Wie wollt Ihr den Bremern das schmackhaft machen (Etwa: "Bremer spendet, für ein Hotel in historischem Ambiente"). Das wäre doch:

    Realsatire.

    Kylo Ren schrieb:

    Zudem müssen Sie der Öffentlichkeit erklären – in Rekonstruktion-Feindesland -, dass Sie das Bremer Carree abreißen wollen. Gut, das mag das kleinste Übel sein.


    Kylo Ren, meinst Du, dass es das kleinste Übel ist, den Abriss des Bremer Carrees zu erklären oder bist Du der Meinung, dass es das kleinste Übel ist, das Bremer Carree abzureißen? Je nach Antwort würde ich Dir dann gerne was schreiben.