Posts by findorffer

    Achterdiekpark

    Die Hansestadt Bremen peilt bis zum Jahre 2030 eine Einwohnerzahl von 600 000 an (was wohl kaum erreicht werden wird). Typische Großstadtmerkmale fehlen hier aber: es gibt keine U-Bahn, kein Opernhaus, eine S-Bahn gibt es auch erst seit 12, 13 Jahren und diese Stadt verfügt nicht über einen Zoo. Das war mal anders:

    Von 1966 - 1974 gab es, was viele Bremer nicht wissen, einen Tierpark im Stadtteil Oberneuland. Dieser wurde ab 1961 von dem indischen Großtierhändler George Munro eingerichtet, am 7. April 1966 wurde Bremens Zoo eröffnet. Munro erwartete von der Stadt, dass sie auf eigene Kosten eine Fußgängerbrücke über die nahe Autobahn bauen würde, um mehr Besucher anzulocken. Bremen lehnte das jedoch ab und forderte umgekehrt von Munro die Finanzierung der Brücke. Das Brückenprojekt wurde zu den Akten gelegt. Da nun keine Fußgängerbrücke gebaut wurde, blieben die Besucherzahlen und die damit zusammenhängenden Einnahmen hinter den Erwartungen zurück - Munro ging zwangsläufig in den Konkurs. Die Tiere wurden verkauft, das Gelände geräumt. Es verwahrloste, wurde als Müllkippe genutzt, bis eine Bürgerinitiative sich des Geländes annahm und wieder instand setzte.

    Aber Bremen wäre nicht Bremen, wenn dann nicht folgendes passiert wäre: die Stadt baute kurz nach diesen Geschehnissen dann doch noch die fehlende Fußgängerbrücke - für den Zoo kam diese Entscheidung dann aber zu spät.

    Durch die nicht gebaute Fußgängerbrücke und den damit zusammenhängenden Konkurs des Zoos hatte sich die Stadt keinen Gefallen getan und sich selbst eines wichtigen Wirtschaftsfaktors, des Tourismus, beraubt. Wir sehen in Hamburg und Hannover, aber nicht nur da, wie wichtig der Zootourismus für diese Städte ist: Die Leute kommen ja nicht nur in die Stadt, um sich den Zoo anzusehen, sondern halten sich auch in anderen städtischen Bereichen auf und beleben das Stadtbild.

    Schauen wir uns an, was von der Zoostruktur noch übrig geblieben ist und wie die Bürgerinitiative den Zoo zu einem Park umgestaltet hat. 6 oder 7 Seen des Zoos sind noch erhalten

    Über diese Alle kommt man zum Achterdiekpark

    Neben dem Park noch eine reizvolle, bäuerlich geprägte Landschaft, einst üblich für Oberneuland

    Weiter im Park

    Schwammen hier einst Krokodile - und wenn ja - wie viele?

    Einen kleinen Hügel gibt es auch, vielleicht mal ein "Affenfelsen" gewesen...

    Nette Geste, den Initiatoren zum Gedenken

    Fazit: Respekt für die Privatinitiative, mit viel Aufwand sorgen sie dafür, dass dieser Park erhalten bleibt. Als Kritikpunkt hätte ich anzuführen, dass mir so etwas wie eine fachlich fundierte gartenkünstlerische Gestaltung fehlt. Der Park wirkt überwuchert, der Baumbestand: fast zu viel. Etwas weniger wäre mehr gewesen. Auch fehlt mir eine Informationstafel, die über die Geschichte des Parks aufklärt. Schließlich war dies Bremens einziger Tierpark, ohne den es den Achterdiekpark nicht geben würde.

    Strandlustfrust

    So werden die Bürger beruhigt ... und ggf. auch (begeistertzustimm-)geködert.

    Wenn man dann noch bedenkt, dass die neue SPD-Bausenatorin vor einigen Monaten nach Amtsantritt noch hervorgehoben hat, wie wichtig es ihr ist, dass die Bürger mitentscheiden......Alles nur heiße Luft und eine ganz dicke Beruhigungstablette - könnte man sagen, wäre mir aber zu sanft, fast verständnisvoll. Die Bausenatorin hat den Bürgern was vorgelogen, denn diese konnten in keiner Weise mitentscheiden. Die große Mehrheit der Bürger, besonders im Stadtteil Vegesack, will diese Bauten nicht - allein deshalb schon, weil sie zu hässlich sind.

    Klimawandel, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit sind zurzeit die Zauberwörter der Architektenschaft. Schade nur, dass sich das auch auf die (nicht-) ästhetische Gestaltung der Gebäude auswirkt. ich behaupte sogar, diese Mainstreamthemen werden gerne herangezogen, weil sie in der Gesellschaft die großen Aufreger sind. Die Architekten hängen sich an diesen "Zug" dran. Nicht, dass ich das unwichtig finde. Aber auch ich hänge - an der schönen Gestaltung von Gebäuden.

    Hier also der nächste Streich in der Bremer Überseestadt. Nur Glas bei diesem Neubauprojekt (Glasfenster, die doch inzwischen angesichts der zunehmenden Hitze in unseren Städten ungeeignet sind) und natürlich das unvermeidliche Grünzeug als Ausrede für Nachhaltigkeit.

    Gleichförmigkeit und Einfallslosigkeit mit einigen grünen Eisprengseln als Programm:

    Hasses Park

    Kommen wir nun zur vorerst letzten Parkanlage in Oberneuland. Hasses Park beherbergt wohl eine der schönsten historischen Villen Oberneulands. Der Direktor der "Bremer Chokolade-Fabrik Hachez & Co" - Schokoladenliebhaber können mit dem Namen Hachez sicherlich viel anfangen - ließ die Villa 1894 - 1896 von den Architekten Eduard Gildemeister und Wilhelm Sunkel bauen. Zur Villa gehört eine Orangerie, beide stehen seit 1982 unter Denkmalschutz. Heute wird die Villa von der heilpädagogischen Tobias-Schule genutzt.

    Der Park ist aber wesentlich älter, er entstand schon vor 1788.

    Hofmeierhaus und Orangerie

    Blick in die romantische Parkanlage

    Blick auf die nördlich gelegene Oberneulander Mühle

    Westlich schließt sich der Achterdieksee an Hasses Park an

    Für mich stellt sich die Frage: wenn Königsberg nicht zerstört worden wäre, würde es dann heute noch so aussehen wie auf den Fotos von Eiserner Pirat? Ich glaube nicht!

    Wir sehen, dass die Baustile aus vielen Architekturepochen miteinander harmonieren. Es gibt dort keinen ästhetischen Bruch, was schon erstaunlich ist: oftmals liegen die Gebäude doch 500 Jahre auseinander, aber man hat das Gefühl, das sich das nicht "beißt".

    Spekulieren wir also über das heutige, unzerstörte Königsberg. Vielleicht unzerstört also, aber bestimmt nicht mehr unversehrt, denn die Moderne hätte in den letzten 75 Jahren ihre Spuren hinterlassen. Hier einige 10stöckige weiße Baublöcke, die die gewohnte Harmonie der Stadt empfindlich stören. Dort der Abriss eines ganzen Straßenzuges mit Gründerzeitbauten: ein Investor koalierte mit den Politikern der Stadt: "wir brauchen mehr Wohnraum".

    Ich glaube, die Moderne hätte auch Königsberg schon so weit verändert, dass wir hier bei Stadtbild Deutschland die Zweite Zerstörung der Stadt beklagen würden - und Eiserner Pirat würde seine Fotos hier als Erinnerungsspur genau so einstellen. Während die Gebäude aus den verschiedenen Architekturepochen miteinander harmonieren, erzeugt die Moderne visuelle Lücken und vernichtet die einstige ästhetische Gesamtheit der Stadt.

    Man könnte so ins Bild springen und Passant werden. Am Schlossteich spazieren gehen, der attraktiven Dame beim Dom Geleit geben, mal kurz auf der Bank neben der Kirche ruhen.....So realistischen sehen die Fotos aus. Als wären sie erst vor Kurzem gemacht worden.

    Der Bremer Fallturm

    Bremen hat neben dem Flughafenbereich (siehe unter Bremen-Neustadt) ein zweites Raumfahrtzentrum im Umfeld der Bremer Universität. Zum einen befindet sich hier der Standort des Raumfahrtkonzerns OHB, zum anderen verfügt die Universität über einen Raumfahrttechnikstudiengang; das Zarm – Zentrum für angewandte Raumfahrttechnik und Mikrogravitation. Das Zarm betreibt auch den weltweit einzigartigen Bremer Fallturm, entstanden von 1988 bis 1990 nach den Plänen des Architekten Horst Rosengart. Die Bremer nennen ihn: Bleistift. Der Fallturm ragt 146 Meter in die Höhe. Dort werden Experimente in Schwerelosigkeit durchgeführt, der Schwerelosigkeit erzeugende freie Fall dauert 10 Sekunden. Der Bremer Fallturm ist damit eine weltweit einmalige Forschungseinrichtung und ein wichtiger Teil der Luft- und Raumfahrtforschung.

    Flughafen II

    Etwas verwildert das Parkende. Ein Neubau der Esa. Natürlich spektakuläre Architektur - obwohl es nur ein grauer Kasten ist. Wenn einem nichts mehr einfällt, baut man ein Gestänge drumherum.

    Alles für die Raumfahrt - Bremen ist Deutschlands größer Raumfahrtstandort. Das kann man hier sehen.

    Ansonsten. architektonische Langeweile

    Kalte, belanglose Architektur

    Am Flughafen Bremen

    Ich fahre ab und zu gerne mal zum Flughafen und schaue mir das Gelände drumherum an. Ein ganz kleiner, aber doch irgendwie interessanter Park ist immer für einen Besuch gut, außerdem entwickelt sich baulich viel im Umfeld. Hier einige anschauliche Fotos:

    Buchsbaumkissen des kleinen Parks - man möchte sich raufsetzen

    Kunstwerk: ein erschöpfter Adler liegt am Parkgelände

    Direkt am Park: DMK hat hier seinen neuen Konzernsitz

    Säulengang- waren hier die Alten Griechen Vorbild?

    Es ist für mich immer wieder erschreckend, zu sehen, wie bereits in den 70er-Jahren unsensibel Stadtgestaltung vollzogen wurde. Das historische Erbe: egal. Hier in drei Bildern ein kleiner Bereich aus dem Schnoor:

    Altes Schnoorhäuschen, vielleicht 17. Jahrhundert? Daneben wurde dann so ein Ungetüm hingesetzt.

    Hier in seiner ganzen Schönheit.....

    Neben dem linken Gebäude vermutlich die Reste des ursprünglich mal daneben stehenden Schoorhauses. Das ist alles nur noch gruselig.

    Entstellende Dachgeschosse vielleicht nicht, aber die Giebel sind einen Beitrag in diesem Thema wert:

    Ich frage mich beim Anblick dieser Giebel in der Lübecker Königsstraße: Was soll das? Wollten die Architekten eine eigene Handschrift hinterlassen, eine Art Empfehlung für nachfolgende Aufträge? Gibt es irgendeinen Druck, zeitgenössisch zu bauen? Erfordern andere Zeiten eine andere Architektursprache? Oder wollten die Architekten einfach nur mal wieder einen Beitrag beisteuern, der die Leute dazu bringen soll, zu sagen: das sieht "schick" aus. Es sieht schrecklich aus, diese Giebel haben die Fähigkeit, das historische Gebäude zu verschandeln. Und die Architekten, die das gemacht haben, sind unfähig, sich anzupassen.

    Kurfürstenallee 31 - 39

    Eine der alten Villen an der Kurfürstenallee, die aber immer weniger werden. Hier stimmt noch das Verhältnis von Gebäude und Garten.

    Gleich daneben scheint die neue Zeit angebrochen. Man denkt: naja, warum nicht, halbrunder Giebel..aber es geht ja weiter...

    daneben...im Doppelpack: zu viel weiß. Alles wirkt steril, zu sauber und geordnet, bis auf den letzten Grashalm. Bestandsgrün. Ein pflegeleichter Rasen mit einem nicht minder pflegeleichtem, weil verdorrten Bäumchen.

    Daneben ein Gebäude, geschätzt 20er-Jahre? oder etwas später?

    Mir gefällt´s

    Ein ähnliches Gebäude daneben wurde jetzt abgerissen.

    Aussage einer Nachbarin: da kommt wieder so ein weißes Gebäude hin, etwa so:

    Als Trost zum Schluss ein wunderbarer Magnolienbaum:

    Meiner Ansicht nach spielt Paris ganz alleine in einer eigenen Liga, an der Spitze aller Städte. Grund hierfür ist nicht alleine die schiere Masse an geschlossener Altstadtbebauung, die es vielleicht annähernd auch anderswo gibt, sondern die durchgehend außerordentlich hohe Qualität der Gestaltung. Die meisten Belle-Époque-Fassaden, auch in den unspektakulären Nebenstraßen des Haussmann-Paris, bestehen aus bildhauerisch bearbeitetem Sandstein, was deutlich höherwertig ist als die üblichen Putz-Stuck-Fassaden im übrigen Europa. Hinzu kommen die meist kunstvoll geschmiedeten Fenster- und Brüstungsgitter.

    Madrid weist abseits der Prachtstraßen nur eine recht unscheinbare, schlichte Altstadtbebauung auf, die zwar ähnlich geschlossen erhalten ist wie in Paris, aber bei weitem nicht auf dem Pariser Gestaltungsniveau. Auch die spektakulären Bauten auf der Gran Via erschienen mir großteils nicht sehr stilsicher, wie minderwertige Kopien der Pariser Architektur.

    Bestimmt spielt Paris in einer eigenen Liga, die Stadt hat wirklich ein unvergleichliches Flair, das mich immer wieder in eine Art von Rausch versetzt hatte. Nur heißt das nicht, dass Paris besser ist als Budapest, Wien oder eben Madrid. Sondern anders, wie auch die aufgezählten Städte sich voneinander unterscheiden. Jede hat ein Alleinstellungsmerkmal.

    "Hinzu kommen die meist kunstvoll geschmiedeten Fenster- und Brüstungsgitter". Das gibt es auch in Madrid, hervorragend umgesetzt von Kunstschmieden.

    "Madrid weist abseits der Prachtstraßen nur eine recht unscheinbare, schlichte Altstadtbebauung auf". Das stimmt so nicht. Abseits der Prachtstraßen befindet sich das historische Zentrum mit seinen engen Straßenzügen, ein Unterscheidungsmerkmal zu Paris (das aber ja einst vor der großen Flächensanierung im 19. Jahrhundert über eine enge mittelalterlich geprägte Bebauung verfügte).

    Ich bin jeden Tag stundenlang durch Madrid gewandert, war insbesondere viel in der Altstadt unterwegs. Ohne Metronutzung. Auch dort, "abseits der Prachtstraßen", gibt es eine atemberaubende Architektur. Dazu dieses bereits gezeigte Foto, dass ich auf dem Weg von meinem Hotel in der Nähe der Gran via zum Königspalst gemacht habe. Die Straße war eng, im Zentrum gelegen, keine Prachtstraße und dennoch gibt es dort eine prachtvolle Architektur mit "meist kunstvoll geschmiedeten Fenster- und Brüstungsgittern" auf sechs (!) Etagen. Das gilt auch für die anderen Straßen im Zentrum.

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