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    Rockwinckeler Landstraße - Investor rockt Oberneuland


    Rockwinckeler Landstraße 85: Fachwerk-Bauernhaus, lt. Katasterplan erbaut vor 1795, kein Scherz, am 1. April 2021 abgerissen.


    Am 31. März war noch ein Gespräch zwischen dem Bauunternehmer (Investor) und dem Landesdenkmalamt zwecks Erhaltung am Nachmittag geplant. Vormittags Anruf: Das Gespräch sei nicht möglich. Gegenüber den Nachbarn wurde von Seiten der Mitarbeiter der Baufirma dann kundgetan: "Wir reißen das Bauernhaus erstmal ab, damit die Denkmalpflege da nicht zwischengeht". Mit abgerissen wurde auch eine auf dem Grundstück liegende alte Schmiede, etwa gleiches Baujahr.





    In Bremen wissen die Investoren schon lange, wie weit sie gehen können und provozieren Grenzüberschreitungen. Es passiert Ihnen ja nichts. Die Stadt ist pleite und angewiesen auf Investoren. Wir brauchen Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen und verlieren unsere Geschichte und Identität.

    Immerhin haben sie die Villa nicht abgerissen. Heutzutage ist Investoren alles zuzutrauen. Siehe Medienhaus.

    Aber dass ein Denkmalschutz (in diesem Fall für den rechten Flügel) von der gleichen Denkmalbehörde wieder aufgehoben wird, um einem Investor sein Geschäft zu ermöglichen, ist doch wohl einmalig in Deutschland, oder sind ähnliche Beispiele bekannt?

    Nun ist es also passiert: Der Vegesacker Beirat stimmte mit nur einer Gegenstimme der Verschandelung einer der schösten Straßen Bremens zu. Der Kompromiß: Das Gebäude ist jetzt etwas schmaler geworden, zwei statt drei Achsen. Aber auch nur, weil der Investor eine juristische Auseinandersetzung mit dem Eigentümer der daneben stehenden Villa befürchtete. Geld wäre dabei nicht so wichtig gewesen, vor allem kostet es Zeit. Nur der Vertreter der Linken stimmte dagegen, der Rest, die Grünen sowieso, war dafür. Ich kann nur sagen: In Bremen beherrschen inzwischen die Investoren das Stadtbild. Sogar die Denkmalpflege attestierte dem Neubau einen die Straße aufwertenden Charakter. Da bleibt einem wriklich die Spucke weg.

    Artikel aus: Das BLV vom 22.9.2021

    Neues Leben in einer alten Villa

    Vegesacker Beirat stimmte dem Bauantrag von M-Projekt zu


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    So sollen die Villa Schröder mit drei Wohneinheiten und der Neubau mit vier Wohneinheiten in der Weserstraße künftig aussehen. Die Projektentwickler erfüllen damit alle Auflagen des Denkmalschutzes.FOTO/Visualisierung: Büro bloomimages


    Artikel vom: 22.09.2021

    Vegesack – (RDR) Bei einer Gegenstimme von Karl Brönnle (Die Linke) hat der Vegesacker Beirat am Montagabend in seiner Sitzung dem Bauantrag „Villa Schröder“ zugestimmt.

    Die Firma M-Projekt hatte die unter Denkmalschutz stehende, 1887 errichtete Neo-Renaissance-Villa in der Weserstraße gekauft und will darin drei Wohneinheiten errichten. Das prägnante Gebäude steht seit über zehn Jahren leer. Zusätzlich soll der Anbau weichen und gegen einen dreigeschossigen Neubau mit vier Wohneinheiten getauscht werden. Das stieß in der Sitzung auf Widerstand einiger Anwohner, doch Vertreter der Landesdenkmalpflege, des Bauamts Bremen-Nord sowie Philipp Romeiser, Geschäftsführer und Architekt bei M-Projekt, bemühten sich, diese Vorbehalte auszuräumen. Unter anderem machten sie deutlich, dass sich das Projekt „Villa Schröder“ nur dann wirtschaftlich gestalten ließe, wenn es besagten Neubau gebe. Das stellte Karl Brönnle infrage. „Nicht realisierbar“, sei das Ganze ansonsten, sagte Philipp Romeiser erklärend. Heike Sprehe (SPD) befand das Vorhaben, das alt und neu kombiniere, als „sehr gut“.

    Christoph Schulte im Rodde (Grüne) lobte die Transparenz der Bauherren und sprach von „Wohnen auf hohem Niveau“. Das Denkmal in der Weserstraße sei gut herausgearbeitet, der Neubau allerdings könnte aus seiner Sicht gerne etwas innovativer sein, so Christoph Schulte im Rodde. Als „sehr modern, aber etwas klotzig“, bezeichnete Gordon Wirth (FDP) den Anbau. „Toll, dass das alte Gebäude aufgepeppt wird. Wir finden das Bauprojekt gut und unterstützen das“, kommentierte Andreas Kruse (CDU) das Vorhaben.

    Olaf Brandtstaedter, der mit einer Petition versucht hatte, die Pläne zu verhindern, erklärte, der Neubau zerstöre das Ortsbild. Der Nordbremer kritisierte ferner eine mangelnde Beteiligung der Öffentlichkeit und forderte ein mehrstufiges Verfahren, das einen Planungswettbewerb beinhalte. So könne man die bestmögliche Lösung finden.

    Man kann mit der Linie 3 von der Endhaltestelle in Hastedt bis zum Karstadt in der Obernstraße fahren, und wird sich fast durchgehend in Vorkriegsarchitektur befinden, das sind locker 5 km, abgesehen von einem Bereich in der Hamburger Straße, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt bebaut wurde und den nur im Steintorviertel mal flächigeren Kriegszerstörungen.

    Vielleicht kannst du mir mal auf die Sprünge helfen, ich kenne nämlich keinen flächigen Kriegszerstörungen im Steintorviertel. Zwar kenne ich flächige Zerstörungen, aber die kommen nicht vom Krieg, sondern sind das Ergebnis einer geplanten und in Teilen durchgeführten Schneise vom Steintor zur Mozarttrasse. Habe ich was übersehen?

    Eine vielfach vertretene Position in der Bremer Politik ist, dass die Hochstraße erst abgerissen werden kann, wenn der Autobahnring geschlossen ist. Das haben andere Städte schon in den 80er Jahren geschafft, weswegen vielerorts auch schon in den 90er Jahren begonnen werden konnte, die innerstädtischen Verkehrsfehlplanungen der 60er Jahre zu revidieren. In Bremen dauert das alles etwas länger, dabei hatte der Planer der Hochstraße schon kurz nach ihrer Errichtung sinngemäß gesagt, dass der erhoffte städtebauliche Effekt vollkommen verpufft sei.

    In der Tat, Heinzer! Die Baubehörde, die den Bau der sogenannten Nordtangente ausgeheckt hatte, distanzierte sich nach Fertigstellung von dem Ungetüm. Genauer gesagt: es war der Antreiber dieses Projekts, Senatsbaudirektor Franz Rosenberg. Ich habe dazu schon im Strang "Bremen - Bahnhofsvorstadt" , #44, was geschrieben. Rosenberg äußerte nach seiner Fahrt über die Hochstraße folgendes:


    "Für die Hochstraße als Bauwerk war eine formal elegante Form gefunden worden, auch die entlastende Funktion für den Bahnhofsvorplatz war evident. Trotzdem war ich entsetzt, als ich die Hochstraße zum ersten Male befuhr, denn von einem Raumerlebnis konnte keine Rede sein, weder für den Autofahrer oben auf der Hochstraße, noch für die Verkehrsteilnehmer auf dem Straßenniveau des Breitenweges. Es war ein schmerzhafter Mißerfolg, und es gab keine Entschuldigung, ich hatte mich vollkommen getäuscht, und daß ich mich in guter und zahlreicher Gesellschaft befunden hatte, war kein Trost."


    Zwei Bausenatoren, Eckhoff, CDU und Lohse, Die Grünen, haben sich in den letzten Jahren für einen Abriss der Hochstraße ausgesprochen. Darauf hagelte es nur so von Leserbriefen, die Schreiber wollten die Hochstraße behalten und sprachen von einem Aprilscherz. Wie sollten sie mit ihren schweren SUV´s von Schwachhausen zur Autobahn gelangen, ohne im Stau zu stehn? Das war so in etwa der Tenor.


    Ich erinnere mich noch an einen NDR-Bericht aus den 60er-Jahren über den geplanten Bau der Hochstraße, der wurde vor ca. 15 Jahren bei Buten un Binnen gezeigt. Darin sprach sich ein Vertreter der Baubehörde für einen Tunnel aus. Hamburg hat das ja vor seinem Hauptbahnhof gemacht und es zeigt sich heute, dass dies im Vergleich mit Bremen eine nachhaltigere Lösung ist.

    Ein Abriss wäre aus städtebaulichen Gründen das Beste, aber wer soll das bezahlen. Bremen hat durch die Entscheidung pro Hochstraße - contra Tunnel einen Fehler gemacht, der heute nicht mehr zu revidieren ist. Dabei wäre die Umwandlung des Breitenweg in einen Boulevard für die Hansestadt eine große Chance.

    Wie sah die Überseestadt früher aus?


    Wir schreiben die 60er Jahre. Bremen ist das reichste Bundesland und zahlt eifrig in den Länderfinanzausgleich ein, davon profitiert auch der agrarisch ausgerichtete Freistaat Bayern. Mit beigetragen zu Bremens eher entspannter Finanzsituation jener Jahre hatte auch die Tatsache, dass es in den Hafen so richtig brummte.


    Wir sehen auf dem Bild (Quelle: Bremer Bilderbuch) das Areal, welches heute als Überseestadt bezeichnet wird. Im Vordergrund fließt die Weser, das Schulschiff Deutschland befand sich noch auf der Woltmershausener Seite, bis es dann 1994 nach Vegesack verlegt wurde (jetzt ist es in Bremerhaven). Ungewohntes Bild: Im Europahafen, wo heute gähnende Leere herrscht, liegen viele Schiffe,. Oberhalb ist der Überseehafen zu sehen, in den 60ern Europas umschlagstärkster Hafen. Dessen Hafenbecken war an manchen Tagen so voll, dass sich auf der Weser die Schiffe bis nach Bremen-Vegesack - immerhin ca. 15 - 20 Kilometer entfernt - stauten und vor Anker gehen mussten. Es gab Vollbeschäftigung, Arbeitskräfte wurden händeringend gesucht. Gegenüber vom Schulschiff Deutschland befand sich der Weserbahnhof.


    Man könnte sehr viel aus Bremen machen - wenn nur Wille und ein Sinn für Schönheit vorhanden wären! Ich denke mir oft: Bremen benötigt einen Masterplan für die nächsten 50 Jahre, um die Innenstadt zu revitalisieren. Das geht nur mit Rückbau der Martinistraße und Bürgermeister-Smidt-Str. sowie dem Abriss der Hochstraße Breitenweg. Zudem der rigorose Abriss von Bausünden (zB Parkhaus am Brill). Dann könnte man nach und nach ehemalige Plätze und Straßenfluchten wiederherstellen, bedeutende Gebäude rekonstruieren (zB Essighaus) und Lücken mit historisierenden Häusern auffüllen, wie zB in Lübeck. Kleinteilige Bebauung wäre Pflicht.


    Das bleibt wohl leider ein Traum.

    Zur von Dir erwähnten Hochstraße Breitenweg: Der Weser-Kurier berichtete im letzten Jahr über den Besuch des stellvertretenden Bürgermeisters der belgischen Stadt Gent, der sagte: "Ich konnte meinen Augen kaum glauben, als ich die Hochstraße am Bahnhof gesehen habe". Es sei die Verkehrsplanung aus den 60er/70er-Jahren. So eine Straße gehöre nicht in die Innenstadt.


    Ich glaube, da können wir alle zustimmen.

    Am Domshof stehen noch zwei historische Gebäude, die später für den Neubau der Bremischen Landesbank abgerissen wurden (den man wiederum jüngst abgerissen hat). So wenig Respekt vor dem architektonischen Erbe, so viele Fehlentscheidungen!

    Sonicted, ich kann Deine Emotionen gut nachempfinden, denn es geht mir genauso. Zum Rutenhof und dem daneben liegenden Gebäude der Danat-Bank habe ich in der "Kreiszeitung" folgenden Artikel gefunden, den ich hier weiter unten wiedergebe:


    Wenn man die Entwicklung der Innenstadt betrachtet, fallen zwei , drei Dinge auf:


    1. Die Tendenz zu größeren architektonischen Einheiten, ein Verlust der ästhetisch nicht unwichtigen Kleinteiligkeit zugunsten der Gleichförmigkeit. Die zwei von Dir angesprochenen Gebäude sind ja inzwischen zu einem Neubau verschmolzen. Ähnlich läuft es auch bei "Harms am Wall". Vorher drei Gebäude, jetzt nur noch eins mit einer total gleichförmigen, einheitlichen Fassade. Man hätte wenigstens darauf dringen sollen, dass hier wieder drei Gebäude entstehen.

    2. Wir sehen am Beispiel der Marinistraße, wie jetzt alles wieder rückwärts gehen soll. Die Martinistraße, einst für den Verkehr verbreitert, ab der Langenstraße kam es zu einem Durchbruch zur dort vormals verlaufenden Molkenstraße. Die autogerechte Stadt. Jetzt soll - grüne Politik - der Verkehr zurückgedrängt werden und damit ja auch die damaligen Ideen der modernen Stadtplaner. Soweit - so gut. Was mich aber schmerzt ist, dass die im Zuge des Martinistraßenneubaus zerstörten Gebäude nicht wieder zurückkommen. Hier wünsche ich mir auch ein zurück in die Zukunft.

    3. Viele der Gebäude, die abgerissen worden sind, sind völlig umsonst abgerissen worden. Das Lloydgebäude für den Hortenbau, der dann Kaufhof wurde, der inzwischen in Bremen nicht mehr existiert. Das alte Zollhaus, für die Erweiterung der Sparkasse abgerissen, jetzt residiert die Sparkasse dort nicht mehr und den Erweiterungsbau braucht sie nicht. Der Abriss des Vorgängerbaus der "Bremischen" für einen hässlichen Neubau. Die Bremische gibt es nicht mehr, sondern sie gehört jetzt zu Vonovia. Im Ostertor wurde das beeindruckende Wohnhaus von Bremens größtem Mäzen, Franz Schütte (spendierte das Neue Rathaus, die Domtürme, den Bürgerpark) für den Bau der Landeszentralbank/Bundesbank dem Erdboden gleichgemacht. Nun wird dieser Nachfolgebau auch schon wieder für eine Großwohnanlage beseitigt. Wozu der Abriss der Schüttevilla?


    Da fragt man sich doch langsam, was hat das jetzt alles gebracht für unser Stadtbild? Doch nur Verschlechterung. Wir werden aber von der Politik nicht erwarten können, dass sie in sich geht, eine Fehleranalyse betreibt und diese in ihre zukünftigen Entscheidungen einfließen lässt. Die Karawane zeiht immer, immer weiter - es werden noch viele Abbrüche von Gebäuden folgen, an denen unser Herz hängt.


    Den abgerissenen Postamt 5 Flügel habe ich unter# 30 hier eingestellt. Das Postamt 5 gehört ja inzwischen auch nicht mehr der Post, sondern der katholischen Oberschule.


    So, jetzt, wie angekündigt, der Artikel über den Rutenhof und die Danat-Bank:

    „Verschwunden“ in Bremen: Der Rutenhof am Domshof

    Aktualisiert: 07.07.202111:46 Ein Bild aus den letzten Tagen des Gebäudes – der Rutenhof kurze Zeit vor dem Abriss Ende der 60er Jahre. - Foto: Archiv + © Archiv Ein Bild aus den letzten Tagen des Gebäudes – der Rutenhof kurze Zeit vor dem Abriss Ende der 60er Jahre.

    Bremen - Von Thomas Kuzaj.

    Er zählte – wie die Kunsthalle, die Villa Am Dobben 91 (Ortsamt Mitte) und das Häuserensemble Mathildenstraße – zu den Bauwerken des Baumeisters und Brauereiunternehmers Lüder Rutenberg (1816 bis 1890).

    Und er war sogar nach ihm benannt – der Rutenhof, ein elegantes Geschäfts- und Kontorhaus auf der Westseite des Domshofs. Heute ist der Rutenhof Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

    Den Rutenhof hatte Rutenberg in den Jahren 1873 bis 1875 errichtet. Es war ein prominentes Gebäude im Herzen der Stadt – nicht zuletzt wegen des großzügigen Restaurants und des Weinlokals in seinem Inneren. Hier ging Bremens feine Gesellschaft Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts ein und aus.

    Äußerlich hatte Rutenberg sich für den Rutenhof – einer Mode der Zeit folgend – am viktorianischen Stil orientiert. An vertikalen Mauerblenden – Lisenen – zierten Steinfiguren die Fassade. Sie waren zugleich Ausdruck eines aufgeklärten bildungsbürgerlichen Repräsentationsbedürfnisses: Johannes Gutenberg und Martin Luther, Gottfried Wilhelm Leibniz und Gotthold Ephraim Lessing – Wegbereiter des modernen Geisteslebens blickten da auf den Domshof. Und auf die Gäste, die Restaurant und Weinlokal besuchten.

    Zuvor hatten drei Pastorenhäuser der Liebfrauengemeinde auf dem Areal gestanden, auf dem Rutenberg, der auch an einer Förderung des Kulturlebens interessiert war, sein viktorianisches Altstadt-Schloss errichtete. Adresse: Domshof 26–28. Ein Standort, der sich im Lauf der Zeit wieder und wieder verändert hatte. Vor gut 100 Jahren zum Beispiel wandelte der Domshof sich langsam, aber sicher zum Bankenplatz.

    Und das wirkte sich auch auf den Rutenhof aus. Als das Bankhaus Loose sich vergrößern wollte, kaufte es das Nachbarhaus – eben den Domshof 26–28. Der Rutenhof wurde umgebaut. Loose ging später in der Danat-Bank auf, die wiederum meldete Anfang der 30er Jahre – es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise – Konkurs an. 1937 zogen Behörden im Rutenhof ein.

    Jahrzehnte später kam dann wieder eine Bank zum Zuge – die Bremer Landesbank. 1967/68 wurde der Rutenhof größtenteils abgerissen. Anfang der 70er Jahre eröffnete die Landesbank hier einen Neubau. Auch dieses Gebäude ist inzwischen Geschichte, sprich: abgerissen worden. Es sei „sowohl technisch unwirtschaftlich als auch von den Abläufen her nicht mehr zeitgemäß“ gewesen, hieß es bei der Landesbank. Im Sommer vorigen Jahres eröffnete die Bank erneut einen Neubau – inzwischen mitten in einer durch Schiffskredite hervorgerufenen Krise.

    An Lüder Rutenberg, den Schöpfer des Rutenhofs, erinnert unterdessen (neben seinen erhaltenen Bauwerken, versteht sich) noch so manches in Bremen. Die Rutenstraße im Ostertorviertel etwa ist nach ihm benannt worden. Und in Bremerhaven gibt es eine Rutenbergstraße. Den Rutenberg-Pavillon im Bürgerpark hat der Unternehmer und Architekt anno 1870 selbst gebaut und gestiftet. Und dann ist da natürlich noch die ob ihrer Schönheit vielfach bewunderte Mathildenstraße im Viertel. Sie hat ihren Namen von Rutenbergs Ehefrau Mathilde, geborene Merker.

    Dieses farbenprächtige Luftbild der Bremer Innenstadt (Quelle: Bremer Bilderbuch) fiel mir nun in die Hände. Ich vermute, es stammt so etwa aus der Mitte der 60er-Jahre und zeigt einige interessante Aspekte.


    Einmal fallen die vielen Baulücken, teils kriegsbedingt, teils der modernen Stadtplanung geschuldet, entlang der Martinistraße (links) auf. Der Martinidurchbruch scheint fast abgeschlossen zu sein.

    An der Balgebrückstraße (unten, große Kreuzung) entsteht gerade das gigantische Parkhochhaus. Wir befinden uns im Zeitalter der autogerechten Stadt. Weiter unten, am Tiefer, steht in der Kurve vor dem Schnoorviertel noch ein historisches Gebäude. Es wird später einem Neubau der stadtbremischen Wohnungsbaugesellschaft "Bremische" zum Opfer fallen, die inzwischen an Vonovia verkauft worden ist.

    Halbrechts darüber (Ca. 5 cm) befindet sich das Postamt 5, ein Neorenaissancebau, der heute unter Denkmalschutz steht. Der Historismus wurde ja so ab den 80er-Jahren denkmalwürdig. Das riesige Gebäude verfügte damals noch über einen Anbau im gleichen Stil (über dem Grünstreifen), den ich hier schon Mal eingestellt habe. Er wurde in den 70ern für einen modernen Neubau abgerissen - einer der vielen Bremer Bausünden.


    Rechts von den domtürmen befindet sich der Platz "Domshof". Zwischen den Domtürmen und dem in rotem Sandstein gehaltenen Gebäude der Deutschen Bank steht noch der Rutenhof und daneben ein Bankgebäude: Heute Standort des Neubaus der Bremer Landesbank (die ja inzwischen auch schon wieder Geschichte ist).

    Wir bewegen uns jetzt vom mittig gelegenen Marktplatz direkt n ach oben, dort steht das gewaltige Karstadthaus. Darüber - mit den roten Dächern, das ist das Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd zu sehen, der größte Bau in der Bremer Innenstadt. Und schräg davon nach links, wo einst die Ansgariikirche stand, - etwas für Wirtschaftsnostalgiker - das große Hertiehaus. Machen wir nun noch einen Sprung nach rechts über die Wallanlagen an der Mühle vorbei. Zu sehen ist dort (halbrechts), auf dem Grundstück des ehemaligen Hillmanhotels, ein Pavillon, der Jahre später durch einen großen Hotelbau ersetzt werden wird.


    Ganz rechts unten in den Wallanlagen steht die Kunsthalle, noch ohne die hässlichen Anbauten, die wir dort heute bewundern können.


    Ansonsten zeigt das Foto sehr schön die Wesermetropole in ihrer seit Jahrhunderten bestehenden Form zwischen Wallanlagen und Fluss und dokumentiert eine Reihe von inzwischen verlorenen Gebäuden sowie den Umschwung zur autogerechten Innenstadt, die zu Straßenverbreiterungen, Straßendurch- und Gebäudeabbrüchen geführt hat.


    "findorffer", ich habe ja nur kleine optische Verbesserungen vorgeschlagen. Bei diesen, z.B. der Auswahl der Balkongitter und der Anbringung von zwei Gesimsen, gehe ich nicht davon aus, dass diese baurechtlich nur kompliziert bzw. mit hohem Aufwand durchzusetzen wären.

    OK, Heimdall (puhhhhhhhhhhhh, endlich richtig geschrieben), warum werden dann diese architektonischen Gestaltungsmittel nicht mehr zur Verschönerung der vielen Gebäude, die zurzeit entstehen, eingesetzt? Ich würde es gut finden und bestimmt viele andere auch.

    Mit wenigen Handgriffen und kaum zu Buche schlagenden Kosten würde man ein halbwegs ansehnliches Gebäude hinbekommen, das nicht nur wie ein ungeschlachter Klotz aussieht. Da liegt die Schuld klar beim Architekturbüro.

    Also, das verstehe ich nicht mehr. Hansolol hatte uns doch als "Insider" folgendes zu diesem Thema mitgeteilt:


    Architekten sind in der Bauwirtschaft ein kleines Rädchen. Bevor ein Gebäude steht, haben schon unzählige andere Gruppen Vorgaben beschlossen, die der Architekt dann nur noch mit dem Baurecht in Einklang bringt. Das Entwerfen selbst nimmt im Arbeitsalltag nur einen kleinen Teil ein, da man sich mit unzähligen anderen Dingen herumschlagen muss. Wie viel Zeit haben die Architekten früher damit verbracht die Bauordnung zu lesen? Wie viele textliche Festsetzungen gab es 1900 in Bebauungsplänen? Früher hat man einfach voneinander abgeguckt, genau wie heute auch. Das so gebaut wird, wie eben gebaut wird, ist kein architektonisches Thema, sondern ein gesellschaftliches.


    Liegt nun "die Schuld klar beim Architekturbüro", wie Du schreibst, oder lassen sich Deine Vorschläge, hinter denen ich voll stehe, gar nicht mit dem Baurecht in Einklang bringen.

    Ich muss aber hier Dinge richtig stellen. Es handelt sich oben nicht um den OP-Trakt des Augenklinikums. Ich bin mir recht sicher, dass es das frühere Pockenhaus ist (um 1900). Die Visualisierung mit den Neubauten kann zudem nicht dieses Gebiet zeigen, denn der Altbau in der Mitte ist meines Erachtens (das erkennt man am Giebel und den Rundbögenfenstern) das Ehemalige Mädchenheim, in dem heute der Betriebsrat ist. Dieses Gebiet ist zwei Straßen weiter nördlich, ergo haben auch die Neubauten nichts mit dem Pockenhaus zu tun.


    Du warst doch auf der Webseite und hast dort die Visualisierung gefunden. Auf der gleichen Seite findet man einigermaßen brauchbares Material, u.a. auch diese Übersicht: https://neues-hulsberg.de/wp-c…sgebaeude-Steckbriefe.pdf

    Vielen Dank für die Richtigstellung MAK. Ich war mir unsicher, ob es sich hier um den OP-Trakt handelt. Ich las davon in der Zeitung und hatte das Gebäude dann entsprechend zugeordnet. Vor Ort war die Situation, wie die Bilder zeigen, ziemlich unübersichtlich. Ob sich noch ein Gebäude hinter der Augenklinik befindet, war nicht erkennbar.

    Aber nichts destotrotz: Es ist schade, dass dieses wirklich schöne Haus gegen diesen Neubaumist ausgetauscht wird. Ich hänge sehr an dieser Architektur und der Abriss wirkt auf mich sehr emotional. Ich bin dann einige Zeit nicht in der Lage, mich dem Areal zu nähern.

    Ein weiterer Punkt: Ich war nicht auf der Webseite, sondern hatte schon vor längerer Zeit das Bild mit den Neubauten aus dem MIX gescannt und jetzt erst mitsamt der von mir gemachten Fotos eingestellt.


    Und Heinzer: Ich würde mich freuen, wenn Du an einem schlechten Tag als Glas-halbleer-Typ noch Mal einen Beitrag über das Krankenhausgelände bringen könntest.

    Das neue Hulsbergviertel


    Das ca. 170 Jahre alte ehemalige St. Jürgen Krankenhaus - heute Krankenhaus Bremen Mitte - war lange Zeit eines der größten Krankenhäuser Deutschlands. Auf einer Fläche von fast 20 Hektar am Rande des Steintorviertels stehen noch eine Reihe historischer Gebäude. Ein großes Teil dieses in sich geschlossenen Areals - etwa 14 Hektar - soll nun für das neue Hulsbergviertel, ein reines Wohngebiet, geopfert werden. Bis zu 300 Bäume müssen nach Ansicht der grünen Bausenatorin gefällt werden, damit hier Wohnraum entstehen kann.


    Ich habe letzte Woche einige Fotos von einem Gebäude geschossen, das abgerissen werden soll. Ich glaube, es handelt sich hier um den ehemaligen OP-Trakt für die Augenklinik und die Urologie. Gebäudestil: wohl Gründerzeit, schätze ich.


    Leider war bereits - Bauvorbereitung - alles abgesperrt, sodass die Perspektiven der Fotos nicht besonders gut gelungen sind. Hier erst Mal das historische Gebäude, danach folgt ein Bild der Neubebauung.







    Die Neubebauung zeigt, ein kleiner historischer Teil wird erhalten bleiben. Das gibt uns die Möglichkeit, Baustile zu vergleichen und unter dem Kriterium "Schönheit" Bewertungen vorzunehmen. Im unten stehenden Foto wirkt der historische Rest wie ein Anker mit Scharnierfunktion, der auffällig als Blickfang ins Zentrum des Bildes gestellt wurde.



    Ästhetik der Scheußlichkeiten. Architekten im Kreativitätsrausch: Grau ist nicht nur alle Theorie, sondern auch - nach Weiß und Schwarz, inzwischen unglaublich trendy. Da will man den Zug nicht verpassen.


    Beworben wird das Ganze mit "ein Platz für alle" und "urbaner Lebendigkeit". Der Projektentwickler schwärmt von einem "der spannendsten Bremer Baugebiete in bester Lage". Verloren gehen historische Gebäude und deren Schönheit, viele Bäume, die den Stadtteil mit guter Luft versorgten und die parkähnliche Gestaltung zwischen den historischen Pavillons, die auch ein Teil des Heilungskonzepts darstellte.

    Lieber Hansolol!


    Vielen Dank für Deine "Innenschau" aus der beruflichen Sozialisation von Architekturstudenten. Rührend die Passage über die Epochendarstellung, das Ankommen im Heute und die Reaktion darauf: "Boaaah was, ne, auf keinen Fall." Tja, wenn studentische Ideale auf Wirklichkeit treffen. Ich sehe Deinen Beitrag als Bestätigung der ersten These: Die Architekten folgen dem dominierenden Baustil! Wobei ich Bauchschmerzen bekomme, wenn ich die heutige Investorenarchitektur als Stil bezeichne. Wer den Stilbegriff benutzt, unterstellt auch einen künstlerischen Anspruch: Jugendstil, Renaissance..... Dass die heutige Architektur noch irgendetwas mit Baukunst zu tun hat, wird ja wohl ernsthaft keiner behaupten, oder..........er heißt Dudler und verkauft sein Gebäude am Bremer Hauptbahnhof werbewirksam als ZEITLOS. Der Begriff ist nicht justitiabel, hat aber eine große psychologische Wirkung nach außen - er dient sozusagen als Begründung, warum dieses Gebäude so aussieht wie es aussieht. Und er hat auch eine Wirkung nach Innen - der Architekt erhebt seinen Bau - mit einer Lebensdauer bis zum Ende der Welt - dessen selbst erzeugten Ruhm er dann einstreichen will.

    Ob Zeitlos oder das von Dir benutzte schöne deutsche Wort Zeitgeist, das schon international reüssieren konnte, ich habe mit diesen Begriffen so meine Schwierigkeiten. Die heutigen Architekten folgen nicht dem Zeitgeist, sondern dem Gelde, das die Investoren verteilen. Als Investoren wollen Sie ein Maximum an Profit herausschlagen und da kann man nicht mit die Ästhetik beeinflussenden Walmdächern kommen - das wäre ja ein Raumverlust - sondern es muss rausgeholt werden, was nur rausgeholt werden kann: Traufhöhe gleich Firsthöhe.

    So entsteht der heutige "Baustil".


    Zur zweiten These, ob die Architektur nicht vielleicht auch den Architekten folgt, hast Du Dich leider nicht geäußert. Wenn ja, korrigiere mich bitte. Ausgangspunkt waren ja die von MAK eingestellten Bilder aus Schwachhausen und meine Behauptung, dass die heutigen Architekten nicht in der Lage wären, eine ganze Straße so zu planen, dass 1. jedes Haus individuell äußerlich gestaltet ist, 2. alles im gleichen Stil gebaut wird und 3. dass im Endergebnis so etwas wie Schönheit entsteht. Wir sprechen hier von etwa 30 Gebäuden. Allen Bauordnungen zum Trotz, aber es ging hierbei um das Können. Und wenn man es nicht kann, ist jeder Schuhschachtel-Entwurf eine selbstreferentielle Aussage an die Architektenkollegen, die Investoren und die Öffentlichkeit: So baut man heute. Der "Stil" folgt den Architekten.


    Oder bist Du der Meinung, dass die heutigen Architekten über so viel Phantasie und Können verfügen, dass sie so etwas, wie beispielsweise in den Schwachhauser Seitenstraßen zu sehen ist, wirklich hinbekommen würden? Das große Problem der Moderne ist das Thema SCHÖNHEIT!

    Lieber Hansolol!


    Vielen Dank für Deine "Innenschau" aus der beruflichen Sozialisation von Architekturstudenten. Rührend die Passage über die Epochendarstellung, das Ankommen im Heute und die Reaktion darauf: "Boaaah was, ne, auf keinen Fall." Tja, wenn studentische Ideale auf Wirklichkeit treffen. Ich sehe Deinen Beitrag als Bestätigung der ersten These: Die Architekten folgen dem dominierenden Baustil! Wobei ich Bauchschmerzen bekomme, wenn ich die heutige Investorenarchitektur als Stil bezeichne. Wer den Stilbegriff benutzt, unterstellt auch einen künstlerischen Anspruch: Jugendstil, Renaissance..... Dass die heutige Architektur noch irgendetwas mit Baukunst zu tun hat, wird ja wohl ernsthaft keiner behaupten, oder..........er heißt Dudler und verkauft sein Gebäude am Bremer Hauptbahnhof werbewirksam als ZEITLOS. Der Begriff ist nicht justitiabel, hat aber eine große psychologische Wirkung nach außen - er dient sozusagen als Begründung, warum dieses Gebäude so aussieht wie es aussieht. Und er hat auch eine Wirkung nach Innen - der Architekt erhebt seinen Bau - mit einer Lebensdauer bis zum Ende der Welt - dessen selbst erzeugten Ruhm er dann einstreichen will.

    Ob Zeitlos oder das von Dir benutzte schöne deutsche Wort Zeitgeist, das schon international reüssieren konnte, ich habe mit diesen Begriffen so meine Schwierigkeiten. Die heutigen Architekten folgen nicht dem Zeitgeist, sondern dem Gelde, das die Investoren verteilen. Als Investoren wollen Sie ein Maximum an Profit herausschlagen und da kann man nicht mit die Ästhetik beeinflussenden Walmdächern kommen - das wäre ja ein Raumverlust - sondern es muss rausgeholt werden, was nur rausgeholt werden kann: Traufhöhe gleich Firsthöhe.

    So entsteht der heutige "Baustil".


    Zur zweiten These, ob die Architektur nicht vielleicht auch den Architekten folgt, hast Du Dich leider nicht geäußert. Wenn ja, korrigiere mich bitte. Ausgangspunkt waren ja die von MAK eingestellten Bilder aus Schwachhausen und meine Behauptung, dass die heutigen Architekten nicht in der Lage wären, eine ganze Straße so zu planen, dass 1. jedes Haus individuell äußerlich gestaltet ist, 2. alles im gleichen Stil gebaut wird und 3. dass im Endergebnis so etwas wie Schönheit entsteht. Wir sprechen hier von etwa 30 Gebäuden. Allen Bauordnungen zum Trotz, aber es ging hierbei um das Können. Und wenn man es nicht kann, ist jeder Schuhschachtel-Entwurf eine selbstreferentielle Aussage an die Architektenkollegen, die Investoren und die Öffentlichkeit: So baut man heute. Der "Stil" folgt den Architekten.


    Oder bist Du der Meinung, dass die heutigen Architekten über so viel Phantasie und Können verfügen, dass sie so etwas, wie beispielsweise in den Schwachhauser Seitenstraßen zu sehen ist, wirklich hinbekommen würden? Das große Problem der Moderne ist das Thema SCHÖNHEIT!

    Ergänzung zu #70:


    Aus der beschriebenen Situation zur Architektur in den Schwachhauser Seitenstraßen ergeben sich für mich zwei Fragestellungen bezüglich der "Schaffenskraft" von Architekten, die ich hier gerne diskutieren möchte:



    1. Folgen die Architekten eigentlich dem gegenwärtigen Baustil (die Zweite Moderne, Investorenarchitektur...), der als eine Art Kompass dient und "entwerfen" sie dann, sich daran anlehnend, neue Gebäude (wie ja der Jugendstil, der Historismus, der Reformstil oder das Bauhaus, um nur einige zu nenen, für die Architekten damals eine Orientierungsmöglichkeit für ihre Neuentwürfe darstellten),


    oder


    folgt der Baustil den Architekten, will fragen, sind die offensichtlich begrenzten Fähigkeiten der heutigen Architekten dafür verantwortlich, dass diese gleichförmigen Gebäude überall in den Städten herumstehen. Bestimmt die Talentfreiheit der Architekten das Aussehen der Gebäude: Kubus oder Quader, Flachdach, schmucklos? War vor dem Aufkommen der Moderne nicht eine Grundvoraussetzung für die Ergreifung des Berufes des Architekten eine künstlerische Begabung mit entsprechendem zeichnerischen Können, das sogenannte "Denken mit der Hand"? Heute dagegen könnte jeder Architekt werden, der versteht, ein entsprechendes Computerprogramm zu bedienen. Aber das lernt man ja im Studium. Und so sehen dann - meine zweiten These - die Gebäude aus.

    Ergänzung zu #70:


    Aus der beschriebenen Situation zur Architektur in den Schwachhauser Seitenstraßen ergeben sich für mich zwei Fragestellungen bezüglich der "Schaffenskraft" von Architekten, die ich hier gerne diskutieren möchte:



    1. Folgen die Architekten eigentlich dem gegenwärtigen Baustil (die Zweite Moderne, Investorenarchitektur...), der als eine Art Kompass dient und "entwerfen" sie dann, sich daran anlehnend, neue Gebäude (wie ja der Jugendstil, der Historismus, der Reformstil oder das Bauhaus, um nur einige zu nenen, für die Architekten damals eine Orientierungsmöglichkeit für ihre Neuentwürfe darstellten),


    oder


    folgt der Baustil den Architekten, will fragen, sind die offensichtlich begrenzten Fähigkeiten der heutigen Architekten dafür verantwortlich, dass diese gleichförmigen Gebäude überall in den Städten herumstehen. Bestimmt die Talentfreiheit der Architekten das Aussehen der Gebäude: Kubus oder Quader, Flachdach, schmucklos? War vor dem Aufkommen der Moderne nicht eine Grundvoraussetzung für die Ergreifung des Berufes des Architekten eine künstlerische Begabung mit entsprechendem zeichnerischen Können, das sogenannte "Denken mit der Hand"? Heute dagegen könnte jeder Architekt werden, der versteht, ein entsprechendes Computerprogramm zu bedienen. Aber das lernt man ja im Studium. Und so sehen dann - meine zweiten These - die Gebäude aus.

    Hier noch ein Artikel aus dem Bremer Weser-Report vom Sontag den 5.9.21 zum Abriss des rechten Flügels der Schröder-Villa in Bremen-Vegesack. Auch dieser Teil wurde von der Bremer Denkmalpflege 1996 unter Denkmalschutz gestellt. Nun hebt die Denkmalpflege den Denkmalschutz für diesen Gebäudeteil wieder auf, mit dem Argument, dass sie mit dem Abriss das Restgebäude erhalten will. Die beiden Investoren klatschen sich ab.



    Frage an das Forum: Kennt Ihr aus anderen Städten auch so einen Fall, oder ist dies eine Bremer Spezialität?

    Mod: Diskussion (siehe hier) in einem neuen Strang ausgegliedert.


    Was mich immer wieder an dieser Architektur in den Schwachhauser Seitenstraßen so fasziniert, ist die Fähigkeit der Architekten damals, eine ganze Straße beidseitig im gleichen Stil zu entwerfen, aber jedes Haus ist anders gestaltet. Dieses Talent haben die heutigen Architekten nicht mehr. Wären sie vor die gleiche Aufgabe gestellt, sie würden grandios scheitern. Hinzu kommt, dass bei der gegenwärtig dominierenden "Architektursprache" sowieso kaum Möglichkeiten bestehen, eine so abwechslungsreiche, vielfältige und auf Schönheit ausgerichtete Straße zu entwerfen.

    Was mich immer wieder an dieser Architektur in den Schwachhauser Seitenstraßen so fasziniert, ist die Fähigkeit der Architekten damals, eine ganze Straße beidseitig im gleichen Stil zu entwerfen, aber jedes Haus ist anders gestaltet. Dieses Talent haben die heutigen Architekten nicht mehr. Wären sie vor die gleiche Aufgabe gestellt, sie würden grandios scheitern. Hinzu kommt, dass bei der gegenwärtig dominierenden "Architektursprache" sowieso kaum Möglichkeiten bestehen, eine so abwechslungsreiche, vielfältige und auf Schönheit ausgerichtete Straße zu entwerfen.