Posts by findorffer

    Ich schäme mich Wiener zu sein! Schande über diese, meine Stadt und seine kulturfernen Beamten! Ich kenne dieses Haus und das alte Cafe Urania. Es tut weh!

    Ach, was glaubst Du denn, Exilwiener, wie oft ich mich schon für meine Stadt Bremen geschämt habe? Insofern sind die Wiener Verhältnisse beispielhaft, kommen in vielen Städten vor und sind fast schon aus der Sicht der Bewohner anderer Städte, ganz ohne Zynismus, trostvoll. Denn man sieht, nicht nur in der eigenen Stadt passieren diese unglaublichen Vernichtungen von Stadtidentität durch modernistisch gestimmte Architekten und geldgeile Investoren, sondern woanders ist es genauso.

    Das Render ist ein schönes Beispiel für eine unterschwellige Manipulation.


    Wenn man sich die Schattenwürfe der Passanten mal genauer ansieht: Die Sonne scheint etwa aus einem 40-Grad-Höhenwinkel aus Nordost, fast Nord-Nordost. Das ist eine Position, die die Sonne in Hamburg niemals einnimmt (- Nordost würde nur im Juni und nur zum Sonnenaufgang halbwegs passen, also niemals in einer 40-Grad-Höhe). Den weißen Bogen über dem Steintordamm wird man in der Realität bei sonnigen Wetter aus einer Position wie auf dem Render - weit weniger vorteilhaft - im Gegenlicht zu sehen bekommen.


    Wenn man dann noch berücksichtigt, dass es in Hamburg manchmal auch Tage ohne Sonne gibt, dass Weißes in unserem Klima meist nicht lange weiß bleibt, und zusätzlich das Umfeld so etwas wie "die gute Stube" der Hamburger Sprayer-Szene ist, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass der reale Eindruck stark abweichen wird.

    Ich kenne das auch aus der Bremer Überseestadt: Da wurde an den Stellwänden die Abbildung eines Neubaus gezeigt, der mit der Rückfront zur Weser - also nach Süden - ausgerichtet war. Die Vorderfassade war herrlich sonnenbeschienen. Da kam gleich gute Laune auf beim Betrachter. Da ein West-Süd- und Oststand der Sonne in diesem Fall ausgeschlossen war, kam nur eine Beleuchtung mittels Sonne von Norden infrage. In Bremen geht ja vieles drunter und drüber, aber dass die Sonne im Norden steht, dass kommt vielleicht nur alle 300 Jahre mal vor.

    Nein, der Supermarkt, noch dazu in so zentraler Lage war überfällig und seine Gestaltung ist auch hinreichend attraktiv. Oder wäre Dir einer dieser offenen Parkplätze vor dem Laden lieber gewesen? Für mich ist der Supermarkt der erste Schritt in einer hoffentlich langen Reihe von Korrekturen bzgl. des Großmarkts, denn er wird auf dem Grundstück des bislang sakrosankten Großmarkts errichtet, es wird zwar nur eine kleine Ecke abgezwackt, aber immerhin. Im Vergleich zu nahezu jedem Supermarktneubau der letzten 50 Jahre ist dieser ein Ausbund an Gestaltung und Urbanität.


    Diese abgezäunte attraktive Ecke mit Brache und LKW-Parkplatz muss für den Supermarkt dran glauben:


    Der Großmarkt bleibt das Raucherbein des gesamten Areals und muss weg, wenn es noch etwas werden soll.

    Dein letzter Satz bringt es doch sehr schön auf den Punkt:


    "Der Großmarkt bleibt das Raucherbein des gesamten Areals und muss weg, wenn es noch etwas werden soll."


    Was mir in der Überseestadt fehlt, ist ein zentraler Platz vielleicht kombiniert mit einem Park und einem Kinderspielplatz. Und das Gelände des Großmarktes bietet sich hier an. Weil? - weil man es planungstechnisch versäumt hat, in so einem großen Gebiet von ca. 300 Hektar was entsprechendes zu schaffen. Ich gehe davon aus, dass der Großmarkt eines Tages verschwindet. Weiter oben hatte ich ja berichtet, dass die Händler lieber zur A 1 wollten als in die Überseestadt. Die Händler kommunizierten seinerzeit auch, dass die Zukunft sowieso im Internet liegt, man also gar keine Großmarkt mehr braucht. Die Tage des Großmarktes scheinen also gezählt.


    Wenn es also so kommt, wie ich annehme, sollte man heute schon in vorausschauender Planung das Gelände gestalten und eine Bebauung verhindern. Dazu muss man sich allerdings ehrlich machen. Ich sehe in dem Großmarktquadrat einen idealen Platz für die Bewohner der Überseestadt.


    Was den Supermarkt angeht, so habe ich nichts dagegen, auch mit angeschlossenem Parkhaus in der Höhe. Natürlich ist das wichtig. Aber ich befürchte, dass die Eckenbebauung nur der Auftakt ist, weitere Gebäude in verdichteter Form auf das Gelände zu setzen, sodass später - nach dem von uns herbeigesehnten Wegzug des Großmarktes - keine Gestaltungsmöglichkeit für die Allgemeinheit mehr besteht und das Gelände immer mehr zugeschustert wird. Darüber hinaus: Wir haben in Bremen bezüglich der Supermärkte wirklich sehr negative Beispiele, z. B. Netto in Findorff: eine Ebene, darüber die Luft, drumherum Parkplätze zum Abwinken. Die gleiche Situation in Walle, ebenfalls bei Netto. Da sagte ich mir schon vor 20 Jahren: Was für eine Verschwendung von Fläche, die Stadt könnte doch zur Auflage machen, dass darüber noch 3 - 4 Stockwerke aufzusetzen sind, um dort Wohnraum zu schaffen, von mir aus mit einer Anschubfinanzierung. Verstanden habe ich das nie, wahrscheinlich gibt es wieder mal irgendein Gesetz, das genau das verbietet. Wenn nicht, warum macht die Stadt das dann nicht? Also, Du siehst Heinzer, bezüglich Deiner Supermarkteinlassung volle Übereinstimmung meinerseits.


    Ich frage mich immerzu, warum hat man die Infrastruktur zu Beginn nur so vernachlässigt? Das ist doch etwas, was am Anfang einer Planungsphase mit bedacht werden muss. Welche Geschäfte brauchen wir hier, wo kommt der Supermarkt hin, welche Streckenführung ist für die Straßenbahn vorteilhaft, Platzgestaltung, Schulen, Ärzte, Apotheke, Lokale, Restaurants etc. Dinge, die auch das Leben ausmachen, oder..............

    Das Problem ist zudem, dass die Abtrennung zwischen Rad- und Fußweg manchem Fußgänger nicht sofort klar ist. Es muss nur dunkel sein, man schlendert etwas in Gedanken, und schon kann es zur Kollision kommen. So bin ich mal mit einem Kumpel in Hamburg Altona herumgelaufen, ins Gespräch vertieft, und dann warnte er mich, aufzupassen, nicht auf den Radweg zu treten, da dort einige Radler oft sehr schnell angeheizt kämen. Will sagen, die Abtrennung ist für einen Fußgänger, zumal für einen Auswärtigen, nicht immer leicht verständlich. Es gibt ja auch sonst auf Gehwegen bisweien unterschiedliche Pflasterungen. Zudem kommen Radler heute teils mit enormen Geschwindigkeiten an, wo früher ein Radfahrer viel langsamer angekommen wäre, gebremst und geklingelt hätte, und beide Seiten genug Zeit zum Ausweichen gehabt hätten. Es wäre zum Beispiel hinsichtlich der optischen Trennung schon etwas geholfen, wenn man aus dem Kopfsteinpflaster-Trennstreifen einen schmalen Grünstreifen machen würde.

    Aber die Grünen stellen jetzt im 14. Jahr den dritten Bausenator. Ständig berichtet der Weser-Kurier davon, wie in Bremen dem Fahrrad der Vorrang gegenüber dem Auto gegeben werden soll, das ist zurzeit die grüne Klima-Verkehrspolitik. Es wird diskutiert, auf manchen Straßen den Autos eine Fahrspur wegzunehmen und diese für die Fahrradfahrer zu nutzen. Um nun zum Thema Überseestadt zurückzukommen, hätte doch der der grüne Bausenator vor beispielsweise 10 Jahren darauf hinwirken können, dass der Bebauungsplan so geändert wird, dass die Fahrräder, das fordern doch die Grünen heute, eine eigene breite Spur bekommen. Direkt neben der Straße. Das hätte dann einmal dazu geführt, dass es keine Berührungspunkte mehr zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern gegeben hätte, was das Sicherheitsgefühl letzterer erhöht hätte und dass zudem die Gebäude entsprechend der neu eingefügten Fahrradspur weiter nach hinten gerückt wären. Die Grünen sind in Bremen auf einem Verdichtungstrip, die baupolitische Sprecherin der Linken, Claudia Bernhard, inzwischen Gesundheitssenatorin, warf den Grünen seinerzeit Verdichtungsfetischismus vor. Und der führt nun zu dieser zum Teil beängstigenden und auch gefährlichen Enge in der Überseestadt


    Aber mit dem Quartierssupermarkt mit Parkdeck wird weiterer Autolärm in die Wohngebiete dringen. Durch Einkäufer sowie durch die teils nächtlichen Lieferverkehr. Der Lärmschutz, den das Gebäude liefern soll, wird dadurch egalisiert. Hinzu kommt: Noch mehr Verdichtung, weil man den Teufel - die Fehler der Vergangenheit - mit dem Belzebub austreiben will. Wer sich in Bremen mit der Baupolitik beschäftigt, braucht entweder ein dickes Fell oder eine guten Psychotherapeuten, denn es ist wirklich zum "Verrücktwerden" hier. Fehlerbeseitigungen- oder mInderungen erzeugen wieder nur neue Fehler, weil das Gesamtkonzept unzulänglich war. Und dann kommt ja auch noch die Straßenbahn, die "vergessen" wurde, hinzu. Oh, oh, oh, oh, oh...................................

    So, nun schauen wir uns mal im Schuppen Eins innen um. Die Oldtimerschau umfasst ungefähr 40 bis 50 Autos, auch hinter den seitlichen Schaufenstern sind noch welche zu besichtigen. Ich habe mich jetzt auf die Bremer Marke Borgward konzentriert, aber dort stehen auch Wagen der Marke Mercedes Benz, Porsche, Ford...und ich meine, auch mehrere Horchs aus den 30er-Jahren gesehen zu haben.



    Drei mal Hansa Goliath









    Trotz der wirklich schlechten Lichtverhältnisse kann man, glaube ich, anhand der Fotos schon einen realistischen Eindruck vom Oldtimer-Bestand im Schuppen Eins bekommen. Für die auswärtigen Foristen: Der Schuppen Eins befindet sich genau neben dem Europahafen.

    So, war mal wieder zum "Ärgern" am Wochenende in die Überseestadt gefahren. Eine Sache, die mich an der Stadtplanung regemäßig aufregt, und das seit Jahren, sind die zu schmalen Bürgersteige dort. Bleiben zwei Personen auf dem Bürgersteig stehen, müssen Entgegenkommende auf den Fahrradweg ausweichen und wenn dann, wie mir an diesem Tag passiert, ein Fahrradfahrer - nämlich ich - vorbeikommt, entsteht eine gefährliche Konfliktlage. Ich hatte fast einen Zusammenstoß. Den Beteiligten will ich das nicht anlasten, aber der Planungsbehörde. Die haben doch in der Vergangenheit schon so viel Mist gebaut, besonders in den 60er-Jahren. Aber anscheinend gibt es dort keine Fehlerkultur. Die Gebäude hätte man gut ein, zwei Meter nach rechts rücken können, um mehr Platz zu schaffen für die Bürgersteige.




    Was sagt der Berliner Kudamm-Flaneur zu solchen Bürgersteigen



    Zechbau ist nun fast mit einem großen Gebäude fertig. Ich finde es zu gleichförmig. Vor allen dingen die kleinen Fenster zur Straße hin, vermutlich aus Lärmschutzgründen, sind misslungen und stören das Gesamtbild.




    Positiv ist sicher die leicht schmuckhafte und das Minifenstereinerlei durchbrechende Ziegelsteinmauerung. Ich frage mich aber: Wer wohnt dahinter?



    Bei meiner Weiterfahrt kam ich zum Schuppen 1 und konnte dort eine Oldi-Wagen-Ausstellung - eintrittsfrei - besichtigen.



    Schon außen wurde man mit einem Borgward und einem Hansa aus Bremer Produktion eingestimmt:



    So, bis hierher. Bei der nächsten Lieferung berichte ich vom Inneren.

    Auf jeden Fall. Dort könnten auch gut Lofts zum Wohnen, Büros und Ateliers entsteh

    Heimdall, ich finde es wirklich erstaunlich - und dies ist keine Kritik, im Gegenteil - dass Du nach eindreiviertel Jahren - siehe Deinen Beitrag unter # 20, noch ein gleiches Meinungsbild, eine gleiche Einschätzung zur Nutzung des Gebietes, abgeben kannst. Damals schriebst Du:


    Ist nichts geplant mit diesen tollen Gebäuden? Wohnungslofts? Geschäfte?...


    Ich hätte hier allerdings eine andere Lösung vorgezogen. Es mag jetzt auch schon wieder mindestens 15 Jahre her sein, dass die Hochschule für Technik ihr beengtes Haus in der Neustadt verlassen wollte und in den Speicher 11 in der Überseestadt umziehen wollte. Da entschied man sich dann leider von Seiten der Politik für die Hochschule für Künste, die dort seitdem residiert. Es ging auch darum,. die Stadtteile Walle/Utbremen und Gröpelingen zu beleben. Die Hochschule für Technik fühlte sich dann irgendwie veräppelt, hatte sie doch erst den Prozess losgetreten und den Speicher 11 in die Diskussion gebracht, den ihr dann die andere Hochschule, so das Gefühl, wegschnappte.


    Nun zurück zum Blumenthaler BWK-Gelände. Ich hätte mir gut vorstellen können, dass die Hochschule für Technik eine zweite Chance bekommt und in den hohen Norden Bremens zieht. Hier ist ausreichend Platz , auch für Erweiterungsbauten. Eigentlich ist das sogar zu groß, sodass sich auch Räumlichkeiten zur Belebung der Kulturszene anbieten würden, besonders dann, wenn es durch den Zugewinn einer Hochschule eine große studentische Bevölkerungsgruppe im Stadtteil gibt.


    Und da sind wir dann schon beim zweiten Aufwertungseffekt, ähnlich wie bei den Stadtteilen neben dem Speicher 11, denn die Studenten wollen ja möglichst nahe an der Hochschule wohnen. Der Stadtteil Blumenthal droht schon seit Jahren, durch seine hohe Arbeitslosigkeit und die Veränderung der Bevölkerungsstruktur durch migrantische Zuzüge - Blumenthal ist zusammen mit dem Ortsteil Lüssum einer der kriminellen Hotspots in Bremen - umzukippen. Die Ladenzeile in der Mühlenstraße, das war mal die Einkaufsstraße in Blumenthal, ist leer, Blumenthal droht zum Gelsenkirchen Bremens zu werden.


    Studentische Zuzüge wären so was wie frisches Blut für Dracula, auch die Kulturszene würde sich verändern.


    Was die Stadt da jetzt vorhat, nämlich ein Berufsschulzentrum zu schaffen, das meines Wissens auch Berufsschüler aus Gröpelingen aufnehmen soll - immerhin eine dreiviertel Stunde Busfahrt - finde ich dagegen nicht richtig.

    Ich kenne mich zwar nicht damit aus aber könnte man das Kornhaus nicht eigentlich durch Spenden wie auch in anderen Bundesländern Rekonstruieren?

    Diese Frage ist erst mal rein theoretisch und kann deshalb 100%ig mit ja beantwortet werden. Wenn 30 Million zusammenkommen, werden sich sicherlich der Senat und die Bürgerschaft dem nicht verschließen.

    Aber die Hauptfrage ist ja nicht ob, sondern wie? Und da fangen die Probleme schon an. Forderungen stellen, ist immer einfach, aber diese umzusetzen, ist schwer, so schwer, dass es fast unmöglich erscheint, so ein Gebäude wiedererstehen zu lassen.


    Wenn Du mal unter Allgemeines schaust und dann den Strang

    Bürgerschaftswahl 2019 - Wahlprüfsteine von ANSCHARI

    auswählst, dann siehst Du, dass dieses Thema ab # 7 schon mal behandelt worden ist. Wir hatten zur letzten Bürgerschaftswahl bezüglich des Kornhauses alle Parteien befragt, ob sie sich eine Rekonstruktion des Kornhauses vorstellen könnten. Bis auf die FDP und die Grünen waren eigentlich alle Parteien irgendwie dafür - wenn Bremen als Stadt da nicht zahlen muss. Das läuft also auf Spenden hinaus. Nur - wie will man das umsetzen? Bevor Du oder andere hier mit tollen theoretischen Vorschlägen kommen - es wäre am Besten, wenn Du sagst, was Du selbst machen kannst und machen willst und wie Du andere davon überzeugen willst, dabei mitzumachen, um Spenden zu generieren. Und da hört der Spaß meistens auf, weil es meist, wenn Vorschläge im Raum stehen, andere machen müssen - das aber sind die großen Unbekannten. Auch wenn du sagst, ich mache mit - woher die anderen nehmen und dann: welche Organisationsform schwebt Dir denn vor. Denn wer Spenden einsammelt, muss vertrauensvoll sein, muss ein gebührenpflichtiges Konto bei der Bank haben, muss sich überprüfen lassen....das alles kann sehr langwierig sein.

    Erstaunlich, wie gut und schlüssig der Verfasser für den Erhalt von St.Ansgari argumentiert.


    Seine Aussagen und Thesen zur Erhaltung historischer Bausubstanz haben nichts an Aktualität eingebüßt. Und das nach annähernd siebzig Jahren.

    Dem kann ich nur zustimmen. Sicherlich hast Du auch Rudolf Steins Beitrag zur Ansgariikirche auf # 735 wahrgenommen. Darunter äußern sich noch weitere Unterstützer für den Erhalt der Ansgariruine wie der Architekt Müller-Menckens, Hermann Prüser, Leiter des Bremer Staatsarchivs und Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Bremen sowie der Vorsitzende der Aufbaugemeinschaft Bremen, G. Iversen,, der keinen Konflikt scheute, wenn es um das Bremer Stadtbild ging. So legte er sich später immer wieder mit der Politik an, um den Bau des Hortenwarenhauses zu verhindern, dem das Lloydgebäude zum Opfer fiel.


    Die Verfasser dieser Texte waren Schwergewichte, allesamt Personen mit einem hohen gesellschaftlichen Status. Denkmalpfleger Rudolf Stein war ein über die Grenzen Bremens hinaus anerkannter Fachmann.


    DIESEN ZUSTAND HABEN WIR ABER HEUTE NICHT MEHR.


    Die gegenwärtigen Unterstützer für die Wiederkehr der Ansgariikirche bzw. des Turms, wie meine Wenigkeit, sind alles kleine Lichter. Weder der Landeskonservator, der Leiter des Staatsarchivs noch die Nachfolger der Aufbaugemeinschaft Bremen sind für eine Rekonstruktion, ja, sie denken noch nicht einmal darüber nach. Es ist heute einfach kein Thema mehr. Und ohne große Namen ist an einen Wiederaufbau der Ansgariikirche nicht zu denken. Und dann ist da ja noch die inzwischen dritte Bebauung des Grundstücks, das ist eine ganz andere Ausgangslage als beispielsweise in Dresden, dort stand ein freies Grundstück zur Verfügung, mit den Ruinenresten der Frauenkirche - vielleicht bezogen auf das Ansgarigrundstück etwas vergleichbar mit der Situation im Bremen der 1950er-Jahre.


    Und dann noch der Hauptpunkt: WER SOLL DAS BEZAHLEN. Für den Wiederaufbau Ansgariikirche plus Turm würde man bestimmt noch genug Spender finden. Aber für das hässliche Kaufhaus, das da heute steht und ja erst mal erworben werden muss. Wer spendet schon für den Kauf eines Gebäudes, um es danach abzureißen? Bestimmt niemand!!!

    Wie gesagt, das waveline ist für mich kein Endpunkt einer Entwicklung, sondern eher der erste, zaghafte Schritt in die richtige Richtung. Ich bereue es aber fast schon, es hier gebracht so haben, so sehr, wie Du Dich in ihm verbissen hast ;). So doll, dass ich hier noch weitere glühende Verteidigungen schreiben würde, ist es dann doch nicht.

    Was heißt hier "verbissen"? Die Verwendung dieses Wortes halte ich für eine Übertreibung. Ich habe lediglich auf Deine etwas übertrieben euphorische Beschreibung des "Waveline" als "sehr gelungenes Einzelprojekt" reagiert und hier eine gegensätzliche Meinung. Was soll daran "verbissen" sein?

    Das bisher Gebaute in der Überseestadt ist zu 90% Schrott, darin sind wir uns einig. Es gibt zwar einige wie ich finde sehr gelungene Einzelprojekte (wie z.B. die Deichhäuser von Springer-Architekten):

    oder das Waveline:


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    Die beiden 20er-Jahre-Beispiele kenne und schätze ich. Besonders das vom Schwachhauser Ring. Es hat ein Satteldach, die Fassade ist gegliedert, es gibt Erker mit Ziegelsteinornamentik - wunderbar. Das fehlt beim zweiten Beispiel, aber diese Bauten in der Bismarkstraße erinnern mich immer ein wenig an Fritz Langs "Metropolis", auch in der Malerei der 20er-Jahre sind solch ähnliche Bauten abgebildet, ich denke da beispielsweise an den Berliner Maler Wunderwald.


    Nun ist Dein Verweis auf eine gewisse Ähnlichkeit des Waveline mit den Bauten der 20er-Jahre natürlich subjektiv. Ich kann wegen einiger Balkonrundungen nichts desgleichen entdecken. Balkonrundungen gibt es auch bei anderen, wesentlich älteren Baustilen. Das soll jetzt kein Gegenargument sein, sondern zielt auf die Architekten. Meinst Du ernsthaft, dass diese beim Entwurf die 20er-Jahre im Hinterkopf hatten? Die sind von der Bauhausmoderne geprägt.


    Ich verstehe Deine Beitrag auch so, dass Du der Meinung bist, es kommt zu kleinen Veränderungen, die sich immer mehr zu einer Tendenz ausweiten, kurz gesagt: Wir sind Zeugen einer sich verändernden Baustilwelt und das Beispiel Waveline ist ein Hinweisgeber für diesen Prozess. Das sehe ich nicht so, jedenfalls nicht an diesen Gebäuden. Wir werden erleben, dass noch viele Bauten im herkömmlichen Stil auf die Menschheit losgelassen werden, schau Dir doch mal die "Entwicklung" am alten Wasserturm in der Neustadt an.

    Über Geschmack lässt sich eben doch streiten. Ich finde den Vergleich zwischen den beiden Gebäuden unpassend. Auch wenn ich seither sicherlich noch deutlich überzeugendere Beispiele für diese leicht an die Architektur der 1920er Jahre angelehnten Wohnungsneubauten gesehen habe, war doch das waveline zumindest mal einer der ersten gestalterisch nicht völlig unambitionierten Wohnbauten in der Üserseestadt


    Wenn man natürlich mit diesen frühmodernen Remineszenzen nichts oder wenig anfangen kann, wird auch das waveline nicht gefallen. Ich sage auch nochmal ganz eindeutig nicht, dass das jetzt mein Traum von neuem Städtebau wäre und sich alle am "waveline" ein Beispiel nehmen sollen, aber es gehört definitiv zu den besseren Neubauten der zweiten Hälfte der 2010er Jahre.

    Wenn ich Dich richtig verstehe, siehst Du im Waveline einen "leicht an die Architektur der 1920er Jahre angelehnten Wohnungsneubau". Das hört sich interessant an. Hättest du da vielleicht ein, zwei Fotos, die Deine Vorstellung dieser Bauten der 1920-Jahre ungefähr wiedergeben? Es scheint wohl so zu sein, dass, wenn wir ästhetische Urteile abgeben, immer einen Vergleich mit früheren Bauformen - teils wahrscheinlich unbewusst - vornehmen.


    Das geht mir auch so, wie mein Bildbeispiel aus Schwachhausen zeigt. Zudem denke ich bei einem Gebäude wie dem Waveline immer: Wie hätten wohl die Gründerzeit-, Jugend-und Reformstilarchitekten die Fassadengestaltung gelöst? Zwei Dinge kann man dazu schon vorhersagen: Die Fassade wäre gegliedert worden, es hätte nicht diese Balkonwiederholungen, aber trotzdem Balkone, gegeben und 2., zum Thema Schönheit, wir alle hier im Forum wären wohl der Meinung gewesen, dass ein Gebäude auf der Grundlage der erwähnten Baustile schöner aussieht.


    Nun zum zweiten Teil als Antwort auf Heinzers Text, den ich natürlich voll zustimmen kann. Dazu ein kleiner Text, wie es überhaupt zur Entwicklung der Überseestadt kam, alles aus meiner Erinnerung und deshalb bestimmt nicht 100% mit dem realen Geschehen damals übereinstimmend:


    In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre gab es im Kontorhaus am Markt vier Diskussionsrunden zur Gestaltung der zukünftigen Überseestadt. Diese Veranstaltungen waren offen für alle Bürger und so war klar, dass ich und ein Freund voller Interesse an diesen Treffen teilnahmen. Der Bremer Regierungschef Henning Scherf war zugegen, als sein Parteifreund Bürgermeister Ortwin Runde aus Hamburg dort einen Vortrag zur Gestaltung der Hamburger HafenCity hielt. Der hatte dann auch noch seinen obersten Stadtplaner mitgebracht, der den Masterplan im Einzelnen erläuterte. Die Hamburger waren ziemlich klar in ihren Vorstellungen: Das ganze Gelände wurde größtenteils abgeräumt, hafenabhängige Firmen, die dort ihren Standort hatten, sollten auf Kosten der Stadt umgesiedelt werden. So entstand Platz für die HafenCity, die Planer konnten sich hier größtenteils ausleben, vor allen Dingen wurde das attraktive Wohnen am Wasser vom Stadtplaner thematisiert. Hamburg hatte das Geld, diese Planungen so umzusetzen.


    Ganz anders Bremen. Natürlich war es klug, sich vor Beginn der Planung eines neuen Stadtteils zu informieren und auch die Bürger mit einzubeziehen (die dann aber, wie sich herausstellte, nichts zu sagen hatten. Die Informationsveranstaltungen im Kontorhaus - letztendlich scheindemokratische Veranstaltungen). Bremen holte sich Rat von anderen Hafen-Städten, die ihre Hafengebiete umgewandelt hatten, schaute, wie die das so gemacht hatten oder wie andere es noch machen wollten. Und so nahm das Unglück dann dennoch seinen Lauf.


    Es begann schon mit dem Überseehafen, als einst umschlagsreichster Hafen Europas von großem symbolischem Wert für die Bremer im Allgemeinen und für die Anwohner der unmittelbar am Hafen liegenden Stadtteile im Speziellem, denn die hatten dort noch gearbeitet und hatten dadurch eine starke Bindung. Der Überseehafen musste allerdings saniert werden, die stählernen Seitenwände des Hafenbeckens waren marode, eine Erneuerung kostete, so meine Erinnerung, 40 Millionen. Die wollte Bremen nicht ausgeben, schließlich wurde der Hafen nicht mehr gebraucht, alles was dort hätte anlanden können, wurde jetzt in Bremerhaven abgewickelt. Dass dieses Hafenbecken attraktiv für das Wohnen am Wasser gewesen wäre, hatte man damals noch nicht auf dem Schirm, denn wie sich das gesamte Gebiet genau entwickeln würde, wusste man damals anscheinend noch nicht.


    Inzwischen war Beck´s-Chef Rudolf Hattig für die CDU als Wirtschaftssenator tätig (1997 - 2003) und wollte den Großmarkt Bremen von seinem Standort am Flughafen in die Überseestadt als Impulsgeber für die Entwicklung des neuen Stadtteils verlagern. Das kostete 140 Millionen (so in meiner Erinnerung, es gibt auch andere, höhere Zahlen). Dazu musste aber der Überseehafen zugeschüttet werden (1998). Es gab dabei nur einige Probleme: die Händler wollten vom Gelände am Flughafen nicht weg und wenn überhaupt, dann zur A 1, da die Autobahnanbindung zukunftsträchtiger war als mitten ins Stadtgebiet zu ziehen. Dann gab es da noch die Bewohner in den Stadtteilen: morgens zwischen zwei und drei Uhr kamen die Lastwagen und lieferten die Ware an, da war an geruhsame Nächte nicht mehr zu denken. Aber Hattig (und der Senat) setzte sich durch, der Großmarkt wurde mitten in die Überseestadt verlagert. Der Wirtschaftssenator brüstete sich später damit, dass die rasante Entwicklung der Überseestadt auf diese, seine Entscheidung zurückzuführen war (Noch später wird der grüne Bausenator Lohse diese Verlagerung des Großmarktes als Fehler bezeichnen, der die Entwicklung der Überseestadt behindert und Bewohner werden sich über den nächtlichen Lärm beschweren).


    So kam es zur heutigen Situation in der Überseestadt, die etwa doppelt so groß ist wie die HafenCity, die von den Hamburgern als "größtes innerstädtisches Stadtentwicklungsprojekt Europas" verkauft wird. Ein Generalplan wurde natürlich auch entwickelt (2003), erst vom damaligen Senatsbaudirektor Uwe Bodemann (2002 bis 2007) und von seinem Nachfolger Franz Josef Höing (2008 - 2012) (heute in Hamburg) weiterentwickelt. Bodemann hielt damals einen Vortrag zur künftigen Entwicklung der Überseestadt im Architektenhaus im Stephaniviertel und stellte dort einen geplanten Grünstreifen von 400 Metern Länge und 30 Metern Breite als den Central Park Bremens und der Überseestadt vor. Übertriebenes Understatement als Humor auf Stadtplaner-Art - so lacht man in der Baubehörde.


    Und so steht da nun heute dieser sogenannte "Park" und trotz der Einbeziehung der Bürger, der großen Informationsdichte im Vorfeld mit der Bereitschaft, von anderen Städten - weltweit - und deren Plänen zur Umwandlung der alten Hafengebiete zu lernen kam es dennoch zur unbefriedigenden Nicht-Planung der - vergessenen? - Infrastruktur, mit den fehlenden kommunikativen Plätzen. Das lässt einen als Bürger wirklich ratlos zurück. Man hatte, wie das Regionalmagazin Buten un Binnen berichtete, dem Hauptinvestor, der nach eigenen Angaben bisher mehr als eine Milliarde Euro in die Überseestadt gesteckt hat, das Gelände und die Planung weitgehend überlassen. Und sogar dieser Investor sagte nun vor Monaten, dass er es bei seinem neuesten Projekt, dem Tabakquartier in Bremen-Woltmershausen, besser machen wollte als in der Überseestadt. Verhohlene Selbstkritik durch neue Projekte?


    Was hätte man darüber hinaus im Vorfeld anders machen können? Dazu zwei Überlegungen.

    1. Mein Wunsch wäre gewesen , man hätte alle drei Hafenbecken durch einen Kanal miteinander verbunden und dann am Ende einen Zugang zur Weser hergestellt. Ein angemessener Name dieses neuen Stadtteils: Wasserstadt Bremen. Ich sah schon Kreuzfahrtschiffe im Überseehafen.


    2. Und man hätte auch von Stadtteilen lernen können, die funktionieren. Hier fällt mir zuerst das Viertel ein. Alles, was das Viertel attraktiv macht, hätte man vorher analysieren und abstrahieren müssen.

    Welche Attraktivitätselemente gibt es da. Beispiel:

    -Das Viertel verfügt über zwei Hauptstraßen mit kleinteiligen Ladengeschäften.

    -Eine Straßenbahn verbindet das Viertel mit der Innenstadt.

    -In den Seitenstraßen unzählige Bremer Häuser, die für eine ästhetische Gestaltung stehen.

    - Die Nähe zur Weser.


    Diese Attraktoren hätte man m. E. gut für die Überseestadt - mit Abstrichen - übernehmen können. Die Überseestadt und das Viertel lassen sich gut vergleichen. Östlich der Innenstadt liegt das Ostertor-/Steintorviertel, westlich das Pendant die Überseestadt, der Weg in die City ist gleich lang, auch die Nähe zur Weser ist gegeben. Aber mehr Ähnlichkeiten gibt es nicht. Die Überseestadt hat heute nichts von dem Flair des Viertels, sie ist langweilig konzipiert, abends werden die Bürgersteige hochgeklappt, es ist eine Schlafstadt geworden. Dieses quirlige Leben in einer nicht mit dem Ostertorsteinweg vergleichbaren Hauptstraße - das ist hier nicht vorhanden.


    Nun ist die Chance vertan, für mich ist die Überseestadt eine Fehlplanung mit nachhaltigen Folgen!


    ZUM SCHLUSS: Wie bereits am Anfang darauf hingewiesen, mag sein, dass ich bestimmte Informationen im Text nicht ganz real wiedergegeben habe, wer es besser weiß, kann das gerne korrigieren. Nicht alles behält man in genauer Erinnerung.

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    Was soll man machen, wenn jemand hier im Forum ein schlechtes Beispiel bringt, aber ansonsten einen inhaltlich ansprechenden Text schreibt? Man versucht, das Ganze aufzuteilen und eine entsprechende Antwort zu geben. Hier also zuerst Teil 1:


    Das heilige Balkonien der "Waveline" ist doch mal wieder der Gleichförmigkeit der Moderne geschuldet. Man sieht den Wald vor lauter Balkonen nicht. Ökonomisch bedingte Wiederholungen, hochgejazzt durch die Verwendung eines Anglizismus, der - mal wieder - Internationalität konnotieren soll. Tja, wenn großer Mangel herrscht, werden englische Begriffe benutzt. Diese sogenannte "Waveline"-Gebäude hat doch eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Bau in der Georg-Gröning-Straße, von mir unter "Schwachhausen" (# 200) mal eingestellt.


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    Und das "Waveline" ist jetzt die "Weiterentwicklung"?

    Nachfolgend noch ein Aufsatz über die Ansgari-Ruine von Denkmalpfleger Rudolf Stein in den Bremer Nachrichten vom 31. August 1954. Quelle: Staatsarchiv Bremen. Leider kann ich es nicht größer liefern, deshalb ist augenschädigende Konzentration angesagt.


    Nein, die Gewinnerwartung ist in vielen Fällen eben nicht mehr sicher, da die Mieten nicht in gleichem Maße steigen.

    Die Gewinnerwartung potenzieller Investoren bezieht sich nicht auf Mieteinnahmen - das sind doch Peanuts -, sondern auf die Veräußerung des Objekts einige Jahre später mit mindestens einer Verdoppelung des Kaufpreises.

    400 000 Wohnungen jährlich! Da stellt sich mir die Frage: Wie kann es sein, dass so viele neue Wohnungen möglichst schnell - deshalb Modulbauweise - benötigt werden? Wenn ich mir Bremen anschaue, kann ich nur sagen: so viel wie zurzeit wurde in den letzten 30 Jahren nicht gebaut (das ist wohl in allen anderen Großstädten genauso). Wo liegen also die Ursachen der aktuellen Wohnungsnot? Ich greife hier auf Medienberichte zurück:


    1. es werden immer mehr Singlewohnungen benötigt.

    2. die Ansprüche an den Wohnraum haben sich erhöht, wer kann, will eine größere Wohnung als vorher.

    3. Viele Alte sind dafür verantwortlich, dass nicht mehr Wohnraum geschaffen werden kann. Sie leben in zu großen Wohnungen oder gar in Häusern, die besser für Familien geeignet wären, wenn sie freigemacht würden (um es klar zu sagen: das ist nicht meine Meinung, im Gegenteil bin ich dagegen, dass diesbezüglich gegenüber der älteren Generation auch nur der geringste Druck ausgeübt wird, ihre Wohnumgebung zu verlassen und Schuldgefühle erzeugt werden).4. die Zuwanderung aus inzwischen allen Teilen der Welt erhöht den Druck auf den Wohnungsmarkt. Im Vordergrund stehen hier, außereuropäisch, besonders seit 2015 - Wir schaffen das - die Migranten aus den patriarchisch-muslimischen Staaten, und innereuropäisch, aus osteuropäischen Zuwanderern.

    5. die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank führt dazu, dass es keine Zinsen mehr auf die Ersparnisse gibt und Anleger größerer Summen in Betongold investiere, hier ist die Gewinnerwartung noch sicher. Das gibt der Spekulation Auftrieb und Spekulanten halten oft Wohnungen frei, um sie dann nach Jahren zum doppelten oder dreifachen Preis besser verkaufen zu können. Eine ähnliche Tendenz lässt sich ja auch inzwischen bei leeren Grundstücken beobachten, einige Jahre warten und der Grundstückspreis hat sich verdoppelt/verdreifacht. Wohnungen werden also blockiert und stehen dem Markt nicht zur Verfügung.

    Das wäre eine kurze Zusammenfassung möglicher Gründe für die gegenwärtige "Wohnungsnot", ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie kann gerne erweitert werden. Die Punkte 1. und 2. sind nicht beeinflussbar. Aber Punkt 4. und 5. - zumindest theoretisch - schon. Wir müssen also nicht immer mehr bauen, sondern es könnte politische Entscheidungen geben, die die Wohnungsnot eindämmen und dabei nicht immer mehr Fläche versiegeln, dabei Grünflächen zerstören und unsere Städte mit Modulbauten verschandeln.

    Angesichts der derzeitigen Qualität der meisten Neubauten kann ich darin erst mal keine schlechte Nachricht erkennen. Wenn sich die Qualität der Neubauten eines Tages flächendeckend bessern sollte, kann auch gerne wieder gebaut werden. Vielleicht stabilisieren sich bis dahin auch in jenen Regionen die Bevölkerungszahlen. Vielleicht werden bis dahin ja weitere Plattenbauten abgerissen, was Bedarf an qualitätvollen Neubauten erzeugt. Zukunftsmusik.

    Hatte ich bisher immer noch etwas Hoffnung, dass sich ganz langsam eine Wandlung in Richtung neuer Baustil, weg von der Moderne, vollziehen würden, wird sich nach den neuesten Ankündigungen der Bauministerin Klara Geywitz die Qualität der Neubauten aber noch weiter verschlechtern. Sie will 400 000 Wohnungen pro Jahr schaffen und setzt dabei auf die einheitliche Bauweise der Moderne: Durch serielles Bauen würden Module eingesetzt, die anderswo gefertigt und zusammengebaut würden, vor Ort dann eine Bodenplatte gesetzt und die Module können aufgebaut werden. Na, wie der Scheiß aussieht, kann ich mir schon lebhaft vorstellen.

    Die DDR-Plattenbauten werden nach dem grünen Pfeil jetzt ebenfalls, sozial konnotiert, von der BRD übernommen: Wir haben eine Wohnungsnot und das serielle Bauen "entlastet den Bauprozess, macht ihn schneller und vermeidet auch sehr viel Baulärm und lange Bauzeiten in den Innenstädten." Dadurch würde in den Innenstädten weniger Baulärm entstehen, so Geywitz. Bei seriellem Bauen würden Module eingesetzt, die anderswo gefertigt und zusammengebaut würden. Dann müssten vor Ort nur noch die Bodenplatte gesetzt und die Module aufgebaut werden. Geywitz: »Das entlastet den Bauprozess, macht ihn schneller und vermeidet auch sehr viel Baulärm und lange Bauzeiten in den Innenstädten.«


    Unter "Zurück in die Zukunft" hatte ich hier im Forum bisher immer die Baustile des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verstanden. Dass jetzt die Plattenbauästhetik Aufwind bekommt, ist doch irgendwie unfassbar. Ein (Gey)WITZ, wenn´s nicht so traurig wäre.

    Empfehlenswerter F.A.Z. Beitrag: Kampf um die ganz alte Mitte

    https://www.faz.net/aktuell/fe…17407d3f81ed8633bb6a0a3e7

    Ich habe den Artikel auch gelesen. Was mich irritiert hatte war folgende Aussage über Frau Kahlfeld als zukünftige Senatsbaudirektorin:


    Bei der Personalie handele es sich um einen Affront und mit ihr drohten daher ein konservativer Rückfall in die „ideologischen Grabenkämpfe“ der neunziger Jahre und „die vordergründige Ästhetisierung baukultureller Fragen“.


    Was bedeutet das? Was ist unter der "vordergründige Ästhetisierung baukultureller Fragen“ zu verstehen. Für mich ist das die zentrale Aussage des Artikels. Gibt es ein Gegensatzpaar "Ästhetisierung vs. Baukultur"? Baukultur wäre demnach das, was die Modernisten gerade mal wieder ausgeheckt haben, der neueste Trend moderner Architektur. Ästhetisierung wäre dann eine gegenläufige Tendenz des Bauschaffens, die die ästhetische Gestaltung der "Bautradition des Ortes" in den Vordergrund stellt und baugeschichtliche Gestaltungen als Orientierung nimmt.

    In der Tat, Sheddächer des Zechgruppe bringen etwas Abwechslung in die gleichförmige Flachdachoptik der Überseestadt. Aber diese umgedrehten Satteldächer in V-Form gefallen mir gar nicht. Es sieht so bemüht avangardistisch aus, so, als wollten die Architekten unbedingt eine "eigene Handschrift" hinterlassen. Ich hätte mich über traditionelle, einfache Satteldächer gefreut, sozusagen zurück in die Zukunft. Man muss nicht immer das Rad neu erfinden auf der Jagd nach Anerkennung der Architektenkollegen. Ob die Zeit der Flachdächer in Bremen vorbei ist? Lässt sich aus den Baubeispielen schon eine Tendenz ableiten? Das glaube ich nicht. Im relativ neuen Baugebiet in Huckelriede gibt es ja auch mehr Flach- als Satteldächer.


    Was in der Überseestadt bisher gebaut wurde, macht mich nur noch traurig, denn ich sehe daran, dass weder die Politik, noch die Baubehörde mit ihren Architektur und Stadtplanung studierten Mitarbeitern das Thema Schönheit von Gebäuden einfach nicht beachten. Auch die Entwicklung eines attraktiven, neuen Stadtteil ist hier misslungen. Was hätten die Stadtplaner vor 120 bis 150 Jahren davon gemacht? Und über die Infrastruktur macht man sich erst jetzt, wo alles bebaut ist, Gedanken. Das müsste doch wohl umgekehrt laufen: Wo soll die Straßenbahn verlaufen, wo kommen Schulen hin, eine Einkaufsstraße wäre sinnvoll, Plätze der Begegnung für die Stadtteilbewohner. Die ganze Überseestadt wirkt zusammengewürfelt ohne irgendein Konzept, es sei denn, es ist ein schlechtes. Die Überseestadt ist ein absolutes Negativbeispiel für Stadtplanung. Jede Vereinigung interessierter Bürger hätte es besser gemacht. Ich sprach kürzlich mit einem Immobilienmakler, der auch Vermietungen vermitteln. Der sagte mir, in der Überseestadt wollen seine Kunden nicht so gerne wohnen. Zu gleichförmig sei es dort, an Schulen wurde nicht gedacht, keine Einkaufsmöglichkeiten. OK, jetzt soll da ein Supermarkt hin, aber der wird nachgereicht und war nicht Bestandteil der Anfangsplanung. So was muss man doch von Anfang an mit planen, oder etwa nicht?

    Es gab vor ca. 25 Jahren eine Präsidenten der Bremer Architektenkammer, Turk war sein Name, der sagte bei einem Vortrag, wir müssen jetzt mal langsam mehr in Richtung Qualität, weg von der reinen Quantität, kommen. Was ist danach entstanden: Die Überseestadt und das schreckliche Gebiet rund um Johann Georg Poppes alten Wasserturm.