Posts by Eduard

    Und wenn es so wäre, wären diese 30% immer noch mehr, als z.B. Köln, Dresden oder Frankfurt haben.
    Ich halte nicht 70% für "abgrundtief häßlich". Einiges ist banal, anderes auch wieder durchschnittlich.
    Warst du mal in Heilbronn, Stuttgart oder Pforzheim? Da erlebst weiträumig einen antiurbanistischen Albtraum, der dich in die Sebalder Steppe wünschen läßt...

    Klar, diese Ecken gibt es und sie sind banal bis grausig. Gerade die Klötze unter an der Pegnitz stören mich, da sie so zentral gelegen sind. Ich bleibe dabei: Franka fotographiert schon so, daß das Häßliche betont wird.
    Und: Es gibt in Nürnberg zum Glück viele schöne Ecken, so daß man dieses Gruselkabinett umgehen kann. Ich z.B. gehe kaum in den östlichen Teil der Innenstadt. Dieser ist für mich tot. Man muß sich mit dem Rest vergnügen.

    @Petersburg


    Gerade die "un-urbanität" des heutigen Dresdens hat aber die Wiedererstehung des Neumarktes ermöglicht! Da bin ich also eigentlich nur froh, dass die ganze Stadt in den 60'ern und 70'ern eben nicht vollständig "zugemüllt" worden ist, anders als Köln, Frankfurt, Stuttgart und eben auch Nürnberg! Heute wird aus Dresden langsam wieder Dresden, aber Nürnberg ist scheinbar für immer kaputt...

    Mir gefiel Dresden bei meinen Besuchen. Allerdings ist dieses rekonstruierte - und sehr schöne - Viertel wirklich nur eine nicht sehr große Insel, umgeben von Mittelmaß bishin zum schlimmsten Brutalismus.
    Wer welche Stadt schöner findet, mag jeder selbst entscheiden. Mir gefällt Nürnberg besser, da es noch eine sehr großflächige Altstadt gibt, die bei allen Wunden immer noch authentisch wirkt. Zum alltäglichen Leben ist diese Urbanität doch auch viel angenehmer.
    Ich finde es gut, was in Dresden seit der Wiedervereinigung erschaffen worden ist. Nur sobald der freie Platz in der Innenstadt bebaut ist, werden auch nicht großflächig bestehende Häuser abgerissen und rekonstruiert.
    Nürnberg hat das Potential bei anderer politischer Führung, vieles mit geringem Aufwand zu bewirken. Die Altstadtfreunde gehen bis dahin die kleinen Schritte.
    Und: Bzgl. "zumüllen" und "kaputtsein" differenziere ich zwischen den Städten Frankfurt, Köln, Stuttgart und Nürnberg schon noch...

    Philon: Ich teile deine Kritik, daß man in Nürnberg (mehr) Bürgerhäuser hätte rekonstruieren sollen. Besser hat dies z.B. Mainz gemacht, wo eine zentrale Schneise historisch ist/aussieht. Wie ich erfahren habe, hat man dort die mittelmäßige Nachkriegsarchitektur um 1980 abgerissen und Altes rekonstruiert.


    Die Stärke Nürnbergs, wie auch Würzburgs, das in manchem ähnlich ist, liegt mMn darin, daß man es geschafft hat, ein relativ großes Areal erträglich bis ordentlich in der Innenstadt zu gestalten.
    Mich stört dort freilich auch manches: Wenn man schon kleinteilig aufgebautet hat, warum dann nicht mehr Liebe zum Detail und zur Historie? Die sehr mäßigen Bauten am Hauptmarkt sind Beispiele dafür.


    Die Übernachtungszahlen sagen freilich wenig über die Stadtbesucher aus. Auch hier muß noch mal unterschieden werden: Kommen diese für einen Museums- oder Volksfestbesuch oder wollen diese die Stadt als Ganzes sehen?


    Insgesamt scheint mir Nürnberg schon sehr beliebt. Ich bin vielleicht zwei- bis dreimal im Jahr dort in der Altstadt und es scheinen immer mehr nationale wie internationale Touristen dort zu sein. Ich habe unterhalb der Burg schon Chinesen ihre Hochzeit in der Pferdekutsche feiern sehen.
    Eine große us-amerikanische Touristenzeitung hat über 10.000 Amis nach ihren Lieblingsstädten in Europa gefragt. Nürnberg lag dort als beste bundesdeutsche Stadt auf Platz 14 (meine ich). Auch auf tripadvisor liest man Kommentare voll des Lobes über die Stadt als Ganzes. Natürlich sind das mehrheitlich keine ausewiesenen Architekturspezialisten, aber es muß auch nicht ein jeder ein Purist um seiner selbst willen sein.


    Ich ärgere mich in Nürnberg auch jedesmal über so viel Banalität, Mittelmaß, Lieblosigkeit im Detail, ausgelassene einfache Verbesserungsmöglichkeiten - dennoch ist diese Stadt mit das Beste, was wir an kriegszerstörten bundesdeutschen Großstädten zu bieten haben.

    Petersburg: Ich schätze deine Kommentare, weil sie ausgewogen sind. Ich erachte Frankfurt a.M. für besser als seinen Ruf. Dennoch: Ausgehend von der Tatsache, daß es einst eine sehr historische Stadt mit viel Fachwerk gewesen ist, ist davon im Bereich der ehemaligen Altstadt nur noch wenig zu sehen. Die "Neue Altstadt" ist schön und ein löbliches Signal, aber sie ersetzt keine echte Altstadt.
    Freilich gibt es darum herum vielen schönen Historismus.
    Deine Bilder zu Nürnberg um das Nassauer Haus halten ich für ein gelungenes Beispiel. Das Areal war stark kriegszerstört, die umgebenden Häuser sind keine Rekonstruktionen, dennoch "in Ordnung und besser".
    P.S. Nicht auf "Ursus carpaticus" reagieren. Er ist nur ein Netztroll, der gelegentlich stänkern will; u.a. indem er mit lateinischen Begriffen und Satzbruchstücken aufwartet (die er allerdings allzu oft falsch flektiert).


    Niederländer: Deine Fotos zeigen eine erhaltene und restaurierte Altstadt. Vor 1945 war diese häufig versifft, schmutzig und das Fachwerk nicht freigelegt - das heißt, sie war nur potentiell so schön.
    Relativ zum Vorkriegszustand ist Nürnberg natürlich viel schwächer - welche Stadt ist das nicht? Relativ zu anderen Städten, die ähnlich geschichtsschwer sind, z.B. Frankfurt a.M. oder Köln, besitzt Nürnberg dennoch eine wesentlich attraktivere und größere Innenstadt, die viel eher noch zumindest partiell ein Altstadtgefühl aufkommen läßt.

    Ich muß zu Frankas Fotos wieder das wiederholen, was ich schon vor einigen Monaten schrieb: Während zu anderen Städten wie Frankfurt (Strang "Neue Altstadt") oder Stuttgart ("Königsbau") und auch anderen Nürnberg-Themen meist die Sonnenseiten mit besten Licht und Winkel sowie Ausschnitt gezeigt werden, postet Franka hier eher unvorteilhaft; nicht wie vor Monaten aus dem Fenster eines Autos bei roter Ampel an einer Kreuzung, aber trotzdem unvorteilhaft.


    Dennoch: Natürlich gibt es diese öde Bebauung der Sebalder Steppe. Doch es gehört auch zur Wahrheit, daß in Frankfurt z.B., weil diese Stadt hier genannt wurde, große Teile der ehemaligen Altstadt noch viel schlimmer ausschauen. Das neue Areal ist schön, aber winzig klein. Es ist ein unpassender Vergleich zum Sebalder Osten.


    Ich kenne mich in Nürnberg im Detail zu wenig aus, aber soweit ich weiß, war um das Tiergärtnertor herum auch einiges zerstört. Dort hat man z.B. wieder einen sehr harmonischen und urbanen Raum hinbekommen.


    Frankfurt war ein Glücksfall, da Stadtoffizielle hinter dem Neuaufbau her waren und der Leidensdruck als ehemalige Fachwerkhauptstadt gigantisch gewesen sein muß.
    Dresden, eine schöne Stadt, hatte ein riesiges "Loch" im Zentrum, das nach der Wiedervereinigung auch symbolhaft wieder historisiert wurde. Um dieses herum liegen x-Sebalder Steppen.


    Unverständlich finde ich, Nürnberg das Bürgerengagement absprechen zu wollen. Wo gibt es so etwas wie die Altstadtfreunde in dieser Zahl, dazu wachsend? Diese haben nicht ein großes Projekt verwirklicht, sondern sind unendlich viele kleine Schritte gegangen. Deshalb fällt es vielleicht nicht so ins Auge.


    Mich stört an Nürnberg: Die brutale Lorenzer Mitte, die öde Sebalder Steppe, der zu weite Autoverkehr samt Asphaltbelag (aber im Vergleich zu anderen Städten immer noch relativ wenig, s. Frankfurt oder Stuttgart). Und: Die einfachen Möglichkeiten der Verschönerung, die großflächig vieles bewirkten.
    Der Vorteil an Nürnberg ist für mich: Es besitzt immer noch eine breite Flur insgesamt relativ gut erhaltener Altstadtteile, die sehr bürgerlich-authentisch sind. Die oben genannten Nachteile lassen sich häufig umgehen.


    Abschließend also zu Frankas "realistischen Bilder": Ja es gibt diese Ödnis. Allerdings ist diese eher wenig wohlwollend dargestellt. Solche Fotos ließen sich in allen anderen größeren bundesdeutschen Städten schießen; dazu auch z.B. in Wien, das Flair und schöne Ecken, allerdings auch zunehmend mehr Schmuddliges besitzt (kein Vergleich zu Prag).
    Welche Bundes-Großstadt besitzt heute noch eine so große, urbane Innenstadt wie Nürnberg, die nicht nur von den üblichen Shoppern funktional verwendet wird? Welche andere bundesdeutsche Großstadt bietet noch so viel historisches Gefühl und teilweise Realität? Es sind wenige, alle mit schwerem Verlust.

    Wichtig wäre es zudem auch, Autos und asphaltierte Straßen zurückzudrängen. Ich fürchte auch, daß aus der "Sebalder Steppe" nicht mehr wirklich etwas wird. Die Hoffnung bleibt auf einen OB, der vielleicht wirklich einen Generalplan zur generellen Verschönerung (Sproßenfenster, Farben, weniger Asphalt) durchsetzt.


    Zu Frankfurt: Ich war letzte Woche wieder dort und freue mich über das neue Areal. Dennoch ist es schon sehr klein. Die langweiligsten Nürnberger Innenstadtteile (Teile der Lorenzer sind noch häßlicher) mit dieser zu vergleichen, ist wohl kaum "fair". Es bräuchte einen "Ruck" in Nürnberg, das Potential ist da, wie in kaum einer anderen Stadt.

    Der Egidienplatz ist nicht super-toll, aber mit der rekonstruierten Fassade des Pellerhauses, der Verbannung oberirdischen Parkens und ein paar weiterer kleinerer Maßnahmen wäre dieser ein sehr urbaner. mehr als ordentlicher Platz. In Nürnberg dauert halt alles so furchtbar lang, bis mal etwas geschieht...

    Klingt gut. Ich war im Herbst im Neuen Schloß essen und es sah innen abseits des Treppenhauses wirklich wie in einem beliebigen Nachkriegsbau aus.

    Der Willy-Brandt-Platz ist heute ein trauriger und seelenloser Ort. Wurde dieser nicht im Weltkrieg, sondern erst später von den "Stadtplanern" zerstört? Die Karte von 1957 sieht ja ganz manierlich aus.

    Der liebe Baureferent Daniel Ulrich hat auf meine E-Mail geantwortet. Sehr knapp und auch etwas gereizt. Klingt für mich wie jemand, der aus ideologischen Gründen von seinen Positionen nicht abweicht. Selbst wenn in Nürnberg 500.000 Unterschriften für die Rekonstruktion zu sammeln wären, er bliebe in seinem Amt dagegen.

    Grundsätzlich natürlichn icht ganz falsch, lieber Stuegert, aber vielleicht denkst du dabei zu sehr an den Marienplatz in Stuttgart-Süd oder den Palast der Republik, wo tatsächlich in dem politisch sehr grünen Stuttgart die Hipster dominieren.


    Durch die berufsbedingte Mobilität, früher weniger positiv "Flugsand" genannt, und den Zuzug kulturfremder Personen schwindet natürlich die Identifikation mit der Stadt und deren historischer Architektur. Im Rahmen dieser allgemeinen Entwicklung schätze ich Nürnberg diesbezüglich sehr konservativ ein: Fränkisch-patriotisch, die Innenstadt/Altstadt als das absolute urbane Zentrum, genügend historische Substanz, um zumindest im Ansatz den einstigen Glanz erahnen zu können...

    Ich war vor drei, vier Jahren in der Augustinerkirche, als gerade ein Gottesdienst vorbereitet wurde. Zunächst war ich mir gar nicht sicher, ob das eine katholische oder evangelische Kirche sei. Mir wurde darauf versichert, dies sei modern und "funktioniere" gut. Naja, für mich ist das nichts. "Calvinistischer Bildersturm" trifft es - leider - gut.

    Um das Haus wäre es natürlich schon sehr schade, "Stadttunnel" klingt aber toll. Soll der Verkehr verschwinden oder was wird hier geplant? Wäre um kurze Infos dankbar.

    Das klingt ja mal nach einem gelungenen Ausflug.:)
    Dennoch gibt es in Nürnberg schon noch ein paar Dinge zu kritisieren: Mich stört z.B. die "Brache" mit dem Museumsneubau und dem Parkhaus samt der von Autos befahrenen Straße in der südlichen Sebald zwischen Henkersteg und dem beginnenden Burgviertel. Entlang der Pegnitz bei der Fleischbrücke gibt es neben sehr schönen auch manch grausames Gebäude, das den Gesamteindruck leider wieder herunterzieht.
    Und vor allem: In Nürnberg hat man nach dem Krieg deutlich weniger falsch gemacht als in anderen westdeutschen Großstädten. Diese Grundlage müßte man nutzen, um angepasste 50er und 60er Jahre Bauwerke durch kleinere Veränderungen zu verschönern (Sproßenfenster, Umrahmungen etc.).
    Der Vorsitzende der Altstadtfreunde meinte in einem Interview, am südlichen Teil des Hauptmarktes müßte man über Rekonstruktionen nachdenken. Ich weiß nicht, wie realistisch das ist (Besitzverhältnisse?). Die von dir zitierten Aussagen sind natürlich positiv zu vermerken, zumal ich den Eindruck habe, daß die Nürnberger sich schon sehr mit ihrer Stadt, und das meint vor allem die Innen-/Altstadt, identifizieren. Wo gibt es sonst so etwas wie die Altstadtfreunde, deren Zahl merklich wächst? Glücklicherweise ist die Tertiarisierung der Innenstadt (nur Läden und Dienstleistung, keine Bewohner) noch nicht gänzlich durchgedrungen.
    Das Projekt mit dem Pellerhaus könnte für die Bürgerschaft und den Tourismus ein Initialstoß werden.
    Nürnberg sieht heute besser aus als die meisten anderen deutschen Großstädte - und es gibt viel Potential. Hoffen wir das Beste.

    @Exilwiener, das ist selbst mir bedeutend zu viel Kitsch. Schlösser dürfen so phantastisch ausgestaltet sein, wie sie mögen. Burgen müssen ihren wehrhaften Charakter bewahren. Dein obiges Beispiel ist knapp über Disneyland - und ich bin ein überzeugter Konservativer.