Posts by Eduard

    Das Thema haben wir doch jetzt schon wirklich mehrfach durch, oder? Ich kann ja schon verstehen, daß manch einer ins Emotionale übergleitet und letztendlich ist "unsere" (etwas in diesem Forum verbindet uns doch alle) Betrachtungsweise auch ein Stück weit Ideologie, wenn wir mal ehrlich sind.


    Ich kann im Fall von Nürnberg nachvollziehen, daß sich manch einer daran stört, daß keine wirklich kompletten Traditionsinseln bestehen. Das hat z.B. Mainz besser gemacht, die, ich meine in den 80ern, Nachkriegsbebauung gegen Rekonstruktionen ausgetauscht und somit eine geschlossene Hauptstraße erreicht haben.
    Vielleicht lag es in Nürnberg auch daran, daß das Areal der ehemaligen Altstadt einfach so gigantisch groß war. Ich habe es ja vor wenigen Wochen bereits geschrieben: Welche Großstadt in D verfügt noch über zumindest teilweise historische Teile (gemischt mit einigermaßen angepaßter Neubebauung), die an die Größe der ehemaligen Altstadt heranreichen?
    Dies ist z.B. auch im vielgelobten Dresden oder dem in diesem Forum gehypten Frankfurt nicht ansatzweise der Fall.


    Die Gesamtbewertung zu Nürnberg kann jeder selbst treffen. Mich stört auch, daß da, wo noch historische Bebauung übrig ist und man den Weg der Tugend immerhin insoweit eingeschlagen hat, daß man diese Viertel nach dem Krieg nicht komplett umgebaut hat, nicht folglich rekonstruiert hat. Zudem gibt es neben schönen Arealen (Henkersteg) angrenzend schlimme Gegenden (nördlich über die Pegnitz das Parkhaus). Auch die Betonkästen neben dem Heilig-Geist-Spital sind schlimm.


    Der Unschlittplatz hätte damals abgerissen werden sollen, wurde aber durch das Engagement der Bürger gerettet. Ich meine, das war der erste große öffentliche Auftritt der Altstadtfreunde.
    Auch wenn dieses Gebiet ebenfalls nicht perfekt historisch erhalten ist, wären die meisten kriegszerstörten Großstädte in (West-)Deutschland froh, ein solches zu besitzen.


    Wir können hier noch tausend googlemaps-Ausschnitte zeigen, am Ende muß jeder selbst vor Ort seine Einschätzung treffen. Ich finde, Nürnberg hat in der Fläche zumindest Teile seiner historischen Identität gerettet, was damit mehr ist, als die meisten deutschen Großstädte haben. Und nein, der Vergleichsmaßstab ist dabei nicht Bochum oder Duisburg.


    Anbei: Wir können auch mal gerne eine "Wien in realistischen Bildern"-Gallerie starten, um zu zeigen, wie diese schöne Stadt Jahr für Jahr mehr verschandelt wird. Dieses Phänomen ist nämlich nicht nur bundesdeutsch.

    Dieser neue Stadtteil ist ein Sinnbild der zeitgenössischen Einfallslosigkeit und Monotonie. Schrecklich! Dazu noch die lächerlich-hohen Mieten für solche seelenlosen Kisten. Die Landesgartenschau dort oben war ja auch ein riesiger Flop. Zum Glück liegt das alles weit abseits und wer nicht dort wohnt, wird sich kaum dorthin verirren.

    Durch Zufall bin ich im Netz auf ein Video eines US-amerikanischen Footballspielers gestoßen, der in Süddeutschland spielt, der seiner Mutter Schwäbisch Hall zeigt:



    Es ist einfach schön zu sehen, daß nicht alle Fremden immer nur über Deutschland schimpfen, sondern viele sich an der Schönheit unserer Städte erfreuen.
    Ba-Wü besitzt freilich viele tolle Städte. Mir gefallen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben):


    - Heidelberg: Neben der Altstadt einfach auch ein super Flair, gerade ab Frühling.
    - Ladenburg bei Heidelberg
    - Bad Wimpfen
    - Besigheim, sehr schöne Altstadt, der Weg nach Hessigheim erinnert an die Toskana.
    - Tübingen. Ein bißchen habe ich mich im Beitrag über den Vergleich Tübingen - Esslingen gewundert. Für mich liegt hier Tübingen klar vorne: Besser erhalten, studentisch-authentisch, viel lebendiger, geschlossener. Esslingen ist schön, aber leider ist doch sehr viel ohne Notwendigkeit herausgerissen worden und auch nicht frei von Bausünden im Bestehenden.
    - Klar, Freiburg, kenne ich aber nicht so gut.

    Tauberbischofsheim als Städtchen (ohne die eingemeindeten Dörfer, die kilometerweit draußen liegen, sind es ja nur gut 8.000 Einwohner) ist nett und ich mag es wirklich. Auch der Menschenschlag ist ein angenehmer.
    Besonders schön in der Altstadt sind der Marktplatz und v.a. der Schloßplatz.
    Freilich muß man leider schon feststellen, daß in die Altstadt einige unschöne Löcher geschoßen wurden und die Bilder hier ein tendentiell zu freundliches Licht auf TBB werfen. Verglichen mit alten Karten und Bildern scheinen teilweise Straßenzüge ausgedünnt worden zu sein, so daß die Kleiniteiligkeit mancherorts verloren gegangen ist. Ebenso gibt es doch manch (mehr oder weniger) angepaßten Neubau und die ein oder andere brutale Bausünde (Sparkasse). Nicht weniges steht leer und gammelt vor sich hin.


    Ein Problem im Main-Tauber-Kreis ist die schrumpfende Bevölkerungszahl. Junge Leute ziehen zudem häufig auf die grüne Wiese, viel wird über das Internet oder im Supermarkt im Gewerbegebiet konsumiert, so daß die Innenstadt leidet.
    Dazu kennt man Fachwerk aus jedem Ort, sodaß man dieses nicht im Besonderen schätzt, Flachdachkisten teilweise sogar immer noch als "modern" ansieht. Die Region besitzt leider auch kaum akademisch-intellektuelles Potential; man freut sich hier mehr über ein neues Gewerbegebiet auf der grünen Wiese, das Arbeitsplätze schafft, als über schön hergerichtete Altbauten.
    Bad Mergentheim hat es geschafft, mit der (sehr kleinen) Hochschule und als Rentnerparadies mehr Leben im Ort zu halten. Wertheim hat immerhin deutlich mehr Tourismus.


    Trotz alledem: TBB ist sehr nett und die Main-Tauber-Region ist für ein Wochenende auf jeden Fall tauglich.

    Es ist auch in Ordnung, lieber Stuegert, das kann jeder so sehen, wie er mag. Frankfurt und Stuttgart sind hier seit einiger Zeit die Vergleichsstädte zu Nürnberg. Ich kenne beide (Frankfurt weniger, Stuttgart besser).
    Komisch nur, daß Frankfurter oder Nürnberger Bewohner argumentativ und sachlich auf Vergleiche reagieren - wenn auch freilich subjektiv, das ist menschlich - , du und manch anderer Stuttgarter aber immer gleich so persönlich verletzt.


    Als Nicht-Bewohner Frankfurts und Nürnbergs (oder auch Münchens) ist es für mich kein Problem, wenn jemand diese Städte sehr negativ bewertet, was hier ja regelmäßig geschieht. Ich teile diese Ansicht dann nicht, bin aber auch nicht beleidigt.


    Einzig auf die Beiträge eines Nutzers gehe ich nicht mehr ein, da ich den Eindruck habe, daß er mit seiner Herkunft und der Verachtung beinahe von allem, was die BRD betrifft, provozieren will. Brauche ich nicht, mir zu geben.

    Dexter belegt dies mit Zahlen, ich kann das als Externer eher mit Eindrücken bestätigen.


    Nürnberg ist keine akademische Stadt. Auch wenn/sobald die neue Uni steht, werden dort nicht so viele (neue) Studenten und Dozenten zuziehen, als daß sich die Stadt wesentlich verändert.
    Auch Stuegert hat recht. Der Historismus in Frankfurt wirkt/ist besser, urbaner und mondäner als in Nürnberg. Ich habe zuvor ja schon geschrieben: Historismus Frankfurt >> Nürnberg > Stuttgart, um vergleichbar große Städte südlich der Mittelgebirge herzunehmen.


    Für mich bleibt es irgendwie immer schwer nachvollziehbar, warum Nürnberg trotz massivem Strukturwandel, Nicht-Landeshauptstadt-Sein (man denke nur an Ministerien, Verwaltung und allem, was damit zusammenhängt), Landeszentrismus gen München, fehlender eigener Uni etc. noch und wieder so gut dasteht.


    München ist schon jung und studentisch, aber auch teuer und versnobt. Welcher Normalverdiener wohnt dort wirklich noch in der Stadt/innenstadtnah?
    Frankfurt hat sicherlich eine namhafte Uni, nicht nur bezüglich Wirtschaft, sondern auch Literatur und Soziologie/Philosophie ("Frankfurter Schule"). Dennoch gibt es gesellschaftlich auch dort sehr dunkle Seiten. Ein Kumpel, der ehemals in Frankfurt unterrichtete, nennt diese "failed city" in Bezug auf das Klientel, das dort mehrheitlich innerstädtisch verkehrt (aber vielleicht nicht am Römer Kaffee trinkt).
    Eine Bahn-Mitarbeiter, den ich im VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) gesprochen habe, meinte, er sei sehr froh, von dort weg zu sein. Gründe sind bekannt.
    Die kriminellste bayerische Stadt soll nun Würzburg sein. Das zum Thema Statistiken...
    In Stutgart gibt es auch nicht wirklich eine Studentenszene. Es gibt zahlenmäßig recht viele Studenten in Vaihingen, die studieren, um später viel Geld zu verdienen. "Akademisch" ist das Milieu nicht, Lehramtsfächer z.B. überlegen in S dichtzumachen, weil ambitionierte Studenten lieber nach Tübingen gehen. Über die Hipster, die auch 2019 noch am Hans-im-Glück-Brunnen und dem Palast herumhängen, brauchen wir nicht zu reden.


    In Stuttgart habe ich wenige Jahre gearbeitet. Wirtschaftlich top, städtisch-urban ein Graus. Freilich, es gibt schöne historistische Viertel, die hier im Forum auch häufig abgelichtet sind. Ansonsten: Winzige Innenstadt, außerhalb der Traditionsinsel schlimmster Brutalismus, übler Autoverkehr und ein Großteil der gut 600.000 Einwohner lebt irgendwo auf der grünen Wiese der eingemeindeten Orte. Urbanität geht anders.


    Nürnberg muß sich überhaupt nicht verstecken, fällt aber manchmal etwas unter den Tisch, da keine Landeshauptstadt und wirtschaftlich eine "B-Stadt". In irgendwelchen Vergleichsstudien, die nur Quantifizierbares messen, schneidet N häufig gut ab - eigentlich überraschend, da Nürnbergs Stärken sicherlich woanders liegen.


    Beispielhaft sind die Vergleiche: In Nürnberg wird immer nur die Innenstadt mit ihren Licht- und Schattenseiten hergenommen, in Frankfurt neben dem kleinen Römer und der neuen winzigen "Altstadt" die (sicherlich schönen und urbanen) historistischen Viertel wie Alt-Sachsenhausen.
    In Stuttgart geht es beinahe nur um historistische Viertel, da es innerstädtisch außer einzelnen Gebäuden beinahe nichts gibt. Dazu versucht man historistische Viertel als "Innenstadt" umzumarkieren, um ein bißchen Geschichte zu konstruieren.
    In Nürnberg braucht man keine Reihe von wenigen historistischen Häusern, um Postkartenmotive abzulichten.


    Ergo: Vieles wirkt nicht großstädtisch und ist es vielleicht auch nicht, dennoch ist Nürnberg als bundesdeutsche Stadt mit all ihren Fehlern 100% ehrlich. Ich weiß von vielen Münchnern, daß sie aus diesen Gründen gerne dorthin kommen, um dies zu erleben, was sie zuhause verloren haben.

    Franka, solche Investorenkästen werden in jeder größeren Stadt gebaut, deren Einwohnerzahl Arbeitsplatz bedingt wächst. Natürlich sind diese architektonischer Mist, aber keinesfalls spezifisch für Nürnberg.

    Ich halte Frankfurt auch für unterschätzt. Das Bahnhofsareal wird besser, die rund dreißig rekonstruierten bzw. angepassten Häuser sind ein Gewinn, der Main ist urban eingebunden und es gibt schöne und lebendige historistische Viertel, allen voran Alt-Sachsenhausen.


    Zu Stuttgart fällt mein Urteil wesentlich negativer aus, da die Innenstadt winzig und außerhalb weniger Inseln fast durchgehend brutal ausfällt. Der Neckar ist zubetoniert, die historistischen Viertel sind teilweise nette Refugien des Geldadels, teilweise extrem vom Autoverkehr belastet (v. a. West). Viele Fotos in diesem Forum von Stuttgarter geschoßen fallen viel positiver als der reale Eindruck aus.


    Bzgl. historistischer Viertel werte ich so: Frankfurt >> (= deutlich besser) Nürnberg > Stuttgart.


    Man kann vieles an Nürnberg kritisieren. Ich finde auch, daß man mehr aus der Stadt machen könnte/müsste. Dennoch ist es einfach grober Unfug zu behaupten, Frankfurt sei in der Fläche der ehemaligen Altstadt besser erhalten als Nürnberg. Stuttgart fällt hier sowieso aus.


    Die internationalen Zitate zeigen, daß Nürnberg als ganze Stadt attraktiv ist. Dies zeigt sich auch im Stadtbild, wo sehr viele Touristen aus aller Welt anzutreffen sind.
    Wirtschaftlich steht Nürnberg deutlich schlechter als München und für bayerische Verhältnisse unterdurchschnittlich dar. Dennoch, das zeigen dexters Zahlen, ist man von einer Verslumung a la Ruhrgebiet weit entfernt. Frankfurt und Stuttgart weisen bessere wirtschaftliche Zahlen auf, das Stadtbild und die Personen wirken ungepflegter. Man laufe mal durch Stuttgarts Haupteinkaufsstraße, die Königstraße...


    Manches verspricht in Nürnberg auch Verbesserung: Der Söder will Landeseinrichtungen verstärkt dort ansiedeln, an der Pegnitz wurde innenstadtnah eine schöne Badebucht eingerichtet, das Neue Museum wird inhaltlich toll, eine eigene Uni wird gebaut, die U-Bahn stetig erweitert, eine Stadt-Umland-Bahn bis Herzogenaurach errichtet, eine Tarifreform soll den ÖPNV günstiger machen. Und für uns: Die Altstadtfreunde wachsen weiter und besitzen politisch zumindest ein bißchen Gewicht. Ich halte diese für ein stadtbürgerliches Erbe, wie es dieses so in Stuttgart nicht (Residenz- und Industriestadt) und auch nicht mehr in Frankfurt (moderne Umgestaltung führte zu einem weitgehenden Identitätsverlust) gibt.

    Heinzer: Ich bin bzgl. des Abendsausgehens in Nürnberg auch kein Experte, da ich in dieser Stadt erst sehr selten übernachtet habe. Mir scheint es aber im Burgviertel, nahe der Königstraße und in der südwestlichen Lorenz einige Kneipenviertel zu geben.
    Damit ist wohl verbunden, daß es nicht das eine Szeneviertel, sondern mehrere Kneipenecken gibt. Das ist, finde ich, nicht nur unvorteilhaft.

    Ich frage mich die ganze Zeit wann denn die hochgelobte Altstadt von Nürnberg nun gezeigt wird. Nachdem man nun schon ein paar mal schrieb, das diese Karikatur die bis jetzt gezeigt wurde ja nicht repräsentativ ist, wäre es gut zu sehen was denn dann repräsentativ ist.


    Ich plane den nächsten großen Urlaub in Bayern zu verbringen, da wäre Nürnberg natürlich mit auf meiner Liste. Bis jetzt habe ich aber nicht viel gesehen was das rechtfertigen würde. Allein für diesen "Hauptmarkt" sollte man sich schämen.

    Dieser Artikel mit dem Epitheton "realistisch" ist von den Nutzern ins Leben gerufen, die Nürnberg sehr kritisch gegenüber stehen. Tatsächlich wäre "negativ" im Titel passender.
    In dem "normalen" Nürnberg-Strang findest du auf den vielen Seiten auch die schönen Ecken.


    Es ist die Frage, was du auf deiner Tournee erwartest: Willst du perfekte, manchmal musealisch erhaltene Altstädte, dann bist du in Franken und Bayern in den kleineren und mittleren Städten besser aufgehoben. Ausnahmen für größere Städte im Positiven sind Regensburg oder Bamberg, die im Krieg zum Glück nicht viel abgekommen haben.
    Nach diesem Kriterium wäre sicherlich auch Ingolstadt (nicht kriegszerstörte, einigermaßen erhaltene Altstadt, aber langweilig und sonst industriell geprägt) reizvoller als Nürnberg, Würzburg oder auch München - der eine (oder andere) Nutzer, den ich namentlich nicht nennen will, wird hier wahrscheinlich zustimmen.


    Willst du bewußt größere, urbane und auch lebendigere Städte, die neben dem leider üblichen Investorenmist und Wiederaufbaumittelmaß dennoch viele schöne und historische Seiten haben, dann bist du mit Nürnberg und sicher auch München richtig dran.


    Bei den Städten über 500.000 Einwohnern in der BRD gehört Nürnberg trotz aller Unzulängkichkeiten, die in diesem Strang sehr breit getreten werden, bzgl. der Innenstadt in der Gesamtfläche zu dem besten, was wir haben.

    Wer Nürnbergs Innenstadt in seiner Gesamtheit unter Frankfurt a.M. oder gar Stuttgart stellt, der disqualifiziert sich für weitere Ausführungen.

    In der Gesamtheit sieht Nürnberg bei allen Fehlern schon deutlich besser und heimeliger aus als die meisten anderen vergleichbar großen und zerstörten Städte. Ärgerlich ist, daß einfache Verbesserungsmöglichkeiten nicht ergriffen werden.
    Freilich darf auch ein jeder Nürnberg als die häßlichste deutsche Stadt empfinden. Ihm muß dabei nur klar sein, daß er eine absolute Minderheitenmeinung vertritt.

    Bzgl. gutbürgerlicher Viertel kenne ich mich zu wenig in Nürnberg aus, aber in der Tat scheinen die historistischen Viertel nicht gentrifiziert und vor allem im Süden sozial ziemlich schwach zu sein.Einen Geldadel wie in Frankfurt oder Stuttgart gibt es dort nicht, was nicht nur Nachteile hat.


    Warum Nürnberg erst in Bälde eine eigene (kleine) Uni bekommt, weiß ich auch nicht. Ich habe den Eindruck, Nürnberger sehen nur sich als Stadt, selbst Fürth ist schon Ausland. München z.B. will das absolute Zentrum des Freistaates sein und denkt bzgl der Infrastruktur in größeren Dimensionen.
    Zudem gibt es ja immerhin die Uni Erlangen-Nürnberg und eine eigene FH. Aber klar, studentisch ist Nürnberg nicht. Letztendlich ist die Region Franken mit Unis ja einigermaßen versorgt (Würzburg, Bamberg, Bayreuth).


    Wie ich hier schon mehrfach geschrieben habe, deswegen es hier nur kurz tun will: Natürlich besitzt N, nimmt man die gesamte Fläche der ehemaligen Altstadt als Grundlage, viel Banales und auch Häßliches. Dies sind v.a. die Sebalder Steppe und das Lorenzer Zentrum. Letzteres hast du abgelaufen, Rothenstein.
    Dennoch gibt es noch genügend schöne Viertel und Ecken, die "Klassiker", die jeder kennt. Diese sind nicht durchgehend fehlerfrei, aber auf - relativ - hohem Niveau.
    Dieses Verhältnis: Kaputte zu annehmbaren/guten Teile(n) auf der Fläche der ehemaligen Altstadt ist in N viel besser und günstiger als in Frankfurt oder gar Stuttgart. Auch durch Dresden könnte man laufen und Horrorouten dokumentieren, wo früher die Altstadt war.


    Letztendlich darf jeder schön finden, was er will. Nur wer vom Standpunkt der Bausubstanz, der Urbanität etc. die Innenstädte Frankfurts oder Stuttgarts (wo ist dort eigentlich genau die Innenstadt - Königstraße?) der Nürnbergs vorzieht, vertritt eine ziemliche Minderheitenmeinung.

    Rothenstein: Deine Ausführungen zur Nürnberger Sozialstruktur scheinen mir etwas zu negativ zu sein. Freilich ist die Arbeitslosigkeit oder die Kriminalitätsrate höher als z.B. in München, dennoch hat man bzgl. des Strukturwandels die Kurve weitgehend bekommen. Es soll in ein paar Jahren dazu eine neue eigene Uni gebaut werden.
    Ich finde, Frankfurt, auch wenn es im Bahnhofsbereich besser wird, und v.a. Stuttgarter sind trotz größerer Wirtschaftskraft im öffentlichen Raum weitaus verwahrloster. Lauf mal durch die Königstraße, der zentralen Einkaufsstraße, in Stuttgart und beobachte das Klientel, das dort konzentriert verkehrt...
    Deine Route durch die Stadt durchläuft große Teile der Innenstadt, die ich wenn überhaupt nur aus funktionalen Gründen aufsuche. Sprich: Es sind die Schattenseiten.


    Suebicus: Ich war letzte Woche in Frankfurt. Das rekonstruierte Areal vom Römer bis zum Dom, wo auch angepasste Füllbauten stehen, kann man in ein bis wei Minuten durchlaufen. So viel "Altstadt" hat man in Nürnberg südlich des Henkersteges (ich weiß nicht genau, wie die Gassen dort heißen) und Ecke Weißgerber mehrmal.

    Suebicus: Die "Neue Altstadt" Frankfurts durchläuft man in ein bis zwei Minuten und ist vielleicht im Umfang mit der Weißerberstraße zu vergleichen.
    Für mich ist die Stärke Nürnbergs, und da wiederhole ich mich, daß man es geschafft hat, die den Krieg überstandene Architektur weiträumig einigermaßen würdig mit angepassten Füllbauten zu ergänzen. Es wurde relativ wenig Erhaltenes abgerissen, keine vielspurigen Straßen durchgezogen, wenige Glas- und Betonmonster in die Stadt geknallt.


    Münster und München sind freilich in meinen Augen auch zwei - relativ - gelungene Aufbaubeispiele, wenn letztere hier im Forum auch immer kaputt geredet wird.

    Ich finde, es gibt schon merkliche Unterschiede: Die östliche Sebald ist stärker aufgelockert, weniger Originalsubstanz ist vorhanden, mehr Asphalt, mehr Autos, also insgesamt nicht wirklich Innenstadt.
    Da entsteht westlich schon ein anderes Flair. Und manche der 50er Jahre Bauten dort machen sich gar nicht so schlecht als Füllmaterial zwischen den Fachwerkhäusern. Sie sehen beinahe wie kaputt sanierte Altbauten aus. Nicht toll, aber auch nicht übermäßig störend.

    Das ist richtig, nur es erklärt die Verhältnismäßigkeit. Theoretisch kann man natürlich sagen: "Alles außer 100%-Reko ist Mist". Nur es wurde nirgendwo so gehandhabt. Im Vergleich zu anderen bundesdeutschen Städten ist man in Nürnberg - bei allen Fehlern, die ich hier schon mehrfach genannt habe - relativ gut vorgegangen.
    Die östliche Sebald ist größtenteils Mist, deswegen halte ich mich dort nicht mehr auf. Ich gehe dorthin, wo es schön ist - und da hat Nürnberg zum Glück noch einiges zu bieten.