Posts by Eduard

    Köln ist bundesweit gesehen eine beliebte Stadt, sowohl zum Wohnen als auch zum Besuchen. Ein Altstadtpurist findet natürlich genug zum Meckern, Flair hat Köln nichtsdestotrotz.

    Ja, ich. Die Lage überm Taubertal und die Stadtmauern sind großartig, aber die allermeisten Gassen empfand ich als eher flau. Mein subjektiver Maßstab waren die mir altvertrauten schwäbischen Altstädte wie Esslingen und Tübingen und da sind die Häuser im Durchschnitt um ein Stockwerk höher und die Gassen enger und verwinkelter. Rothenburg ist zwar der Fläche nach größer, aber die Bebauung wirkt kleinstädtischer. Und die äußeren, nach dem Krieg wieder aufgebauten Bereiche kamen wir ziemlich öde vor. Kurz gesagt: Rothenburg ist eine große Kleinstadt.

    Rothenburg ist eine Kleinstadt, ich kenne niemanden, der etwas anderes behauptet. Die aktuelle Größe entspricht nicht immer der historischen Bedeutung, das ist klar. Nur mal zum Vergleich die aktuellen Zahlen: Rothenburg 10.000, die von dir genannten Tübingen und Esslingen gut 90.000 Einwohner.


    Tübingen hält das Große, was es verspricht, Esslingen meiner Meinung nach nicht. Während Rothenburg ernsthaft kriegsversehrt wurde und man das Zerstörte maßvoll wiederaufgebaut hat, hat man aus Esslingen, das im Krieg nichts ernsthaft abbekam, 1/3 bis 1/2 der Altstadt ohne Not herausgerissen. Das Verbliebene bietet immer noch Hübsches, kein Zweifel, aber zu groß ist für mich der Verlust, zu brutal die Umgebung um die Altstadt herum.

    Ein wunderbares Thema, bei dem die Emotionen wieder emporschnellen können. "Enttäuschung" impliziert, daß der Eindruck nicht per se schlecht war, sondern schlechter als erwartet:


    - in der BRD an erster Stelle Berlin: Keine wirkliche Innenstadt, das wenige Hergerichtete erscheint musealisch und für Touristen, die gründerzeitlichen Vorstadtbezirke wie der Prenzlauer Berg oder Friedrichshain gentrifiziert und langweilig. Um 2000 hatte die Stadt wenigstens noch Punk (nicht im musikalischen, sondern im Sinne des Außergewöhnlichen gemeint).


    - Heilbronn: Es mag komisch klingen. Als junger Mensch, der nur oberflächliche Begriffe von Architektur besaß, kam ich beruflich dorthin und hätte nicht gedacht, daß so etwas in Bezug auf Städtebau und Urbaniät in einer Stadt von über 100.000 Einwohnern (in Süddeutschland) möglich wäre.


    - Salzburg: Es hat durchaus Stärken, seinem Ruf wird es meiner Meinung nach nicht gerecht. Natürlich die Burg und der Dom; weite Teile der Altstadt wirken langweilig und ausschließlich touristisch. Möge manch einer mich steinigen: Zum Leben zöge ich das topographisch ähnliche Würzburg Salzburg zehnmal vor.


    - Wien: Auch hier ist vieles noch sehr schön. Dennoch geht der Weg in vielerlei Hinsicht in die falsche Richtung. Die im besten Sinne dekadente Einwohnerschaft der `90er Jahre à la Falco verschwindet, dafür rücken Hipster, Bonzen und Touristen nach. Das letzte Mal dort wohnte ich in Nähe der Aspernbrücke. Von dort der Weg zum Stephansdom ist kein Ruhmesgang. Für mich steht Wien heute architektonisch näher an München (nach unten) als an Budapest oder gar Prag (nach oben).


    - Budweis: Natürlich gut erhalten, aber der Altstadt fehlt etwas Großes. Es erscheint eher wie eine große Mittelstadt.


    - Paris: Natürlich, die Ile de la Cite. Darum herum hat Haussmann ganze Arbeit geleistet. Das touristische Viertel samt Einzelapartments für Bonzen grenzt an historistische Viertel, in denen es kaum Menschen gibt, deren Vorfahren schon "länger" in Frankreich leben. Ein vollkommen ungesunder Bevölkerungsmix.

    Ich mag Köln sehr: Das Rheinsich-Katholische, das Fröhliche-Bierselige, die prinzipiell positive Lebenseinstellung. Städtisch-urban hat es auch manche Stärken, z. B. das bei entsprechendem Wetter sehr belebte Rheinufer, die Kneipen und natürlich den alles überragenden Dom.

    Leider ist abseits dieser Pfade wirklich vieles Schrott und große Teile der (ehemaligen) Altstadt überhaupt nicht mehr zu erkennen.


    Ich muss sagen, dass ich die genannten Städte (noch) nicht im Detail kenne. Was Nürnberg betrifft, habe ich aber nicht den Eindruck, dass es wirklich viel besser als Köln wiederaufgebaut wurde, da hat man an vielen Ecken einfach die typische Wiederaufbauarchitektur, die man in jeder deutschen Großstadt antrifft.


    Zu folgendem Zitat (s. o.), das mir als Süddeutschen auffiel:

    Ich bin seit fünf Jahren, meine ich, Mitglied hier im Forum. Dein Eindruck bzgl. Nürnberg, wenn man noch nicht dort war, wären auch München und Würzburg aufzuführen, liegt vielleicht auch daran, daß eine Person hier im Forum immer und immer wieder und seit vielen Jahren in jedem Beitrag gegen diese drei Städte, allen voran Nürnberg, schießt. Wissen der liebe Gott und sein Psychologe warum!

    Mittlerweile gibt es zu Nürnberg noch eine weitere Person, die an einer roten Ampel stehend Fotos von Außenstadtteilen macht und diese dann "Nürnberg realistisch" nennt. Naja ...


    Schau dir diese drei Städte (nach Corona) ruhig einmal an: Nürnberg, München, Würzburg. Die meisten sind sehr angetan, der positive Unterschied zu Köln und vielen anderen bundesrepublikanischen Städten ist offensichtlich.

    Mal eine ganz naive Frage: Die Rekonstruktion der Außenfassade ist Pflicht. Das "Projekt" genießt hohe mediale Aufmerksamkeit. Glaubt ihr, daß die Firma von den Vorgaben abweichen kann?

    Die Frage der Größe des Gebäudes ist wirklich interessant. Nimmt man die Fensterreihen als Gradmesser, ist das Gebäude der Visualisierung deutlich kleiner als das, was aktuell auf den Fotos des Baus zu sehen ist. Sehr nett wäre, wenn einer der Nürnberger aus diesem Forum in den nächsten Wochen Informationen über die weitere Entwicklung geben könnte. Danke sehr!


    Architektonisch schwanke ich noch in der Bewertung: Relativ klar war, daß am Hauptbahnhof leider nicht historisierend gebaut wird. Gemessen an dem, was sonst in den letzten Jahren für ein Müll in anderen Städten an ähnlicher Stelle gebaut worden ist (z. B. Münchener Hbf), und dem sonstigen Bild Nürnbergs (lieb, brav, klein, zurückhaltend etc.) stellt dieses Gebäude, sofern die Visualisierung nicht komplett täuschen sollte, zumindest den Versuch einer konsequent modernen großstädtischen Bebauung dar. Immerhin.

    Dresden wird so schön :thumbsup:

    Ich finde es auch sehr gut, was in Dresden alles möglich ist; vor allem im Vergleich zu anderen Städten, was dort bei "Verdichtungen" für modernistische Ungetüme in die Nähe der Innenstadt gesetzt werden.

    Interessant ist die Frage: Wie hoch sind die Kosten für historisierende Gebäude in der Art, wie sie aktuell in Dresden gebaut werden? Sind diese viel höher als bei der heute leider üblichen Klötzchenbauweise?

    Ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen, da heutzutage der Grund und Boden alleine ja schon einen wesentlichen Teil der Kosten ausmachen.

    Dennoch bleibe ich im Ergebnis dabei: Dresden ist für mich (architektonisch-urban) eher eine Stadt, die ich als Tourist 1-3 Tage lange besuche, als eine, in der ich dauerhaft leben wollte (wobei es da freilich auch schlimmere gibt): Zu inselhaft, zu touristisch, zu museal ist die Innenstadt, zu zerstreut, zersiedelt und unurban weite Teile der an die Innenstadt angrenzenden Areale.

    Danke für diese Bilder, die das ganze Malheur neuer "Quartiere" zeigen. Neben der einfallslosen Schuhschachtel-"Architektur" findet ich besonders trist, daß die Flächen zwischen den Bauten nicht für schöne grüne Gärten mit Bäumen und Sträuchern genutzt werden, wie es bei Reihenhaussiedlungen der 60er bis 90er noch der Fall war, sondern meistens nur aus geschotterten Flächen und Rasen bestehen. So viel Flächenfraß für so häßliche Gebäude! Warum?

    Das Rheinufer mit diesen modernen Gebäuden, die für mich ein bißchen wie überdimensionale Kräne aussehen, steht heutzutage z. B. bei Fernsehserien und Filmen ikonographisch für Köln, und das im positiven Sinne gemeint. Irgendwie schon traurig, wie könnte man das eigentlich reizvolle Rheinufer schön-urban herrichten, man vergleiche es mal mit der Heidelberger Neckarwiese!

    Ich denke, Werbesprüche sollte man nicht so furchtbat ernst nehmen. Die Texter sollten nur aufpassen, daß die Kluft zwischen Aussage und Realität nicht allzu weit auseinanderklafft und als Ironie verstanden werden kann.
    Genauso gibt es über jede Stadt irgendwelche historischen Zitate. Auf jeden Fall sah Stuttgart 1944 deutlich besser aus als heute; wie das bei fast allen bundesdeutschen Städten der Fall ist.


    Klotzenstein: In einer Sache muß ich dir widersprechen. Wer einige Stuttgarter zu seinem Freundeskreis zählt, wie ich das tue, weiß, daß diese keinesfalls sehr "selbstbewußt" im Hinblick auf ihre Stadt sind. Vielmehr versuchen manche nach außen auch hier sich mit München zu messen, die in der Tat sich für die Größten halten. Tatsächlich leiden viele Stuttgarter an ihrer Stadt und der bundesdeutschen Wahrnehmung dergleichen und ihrer Bewohner.
    Die S21-Proteste scheinem mir neben dem konkreten Bauvorhaben und dem pietistischen Echauffieren auch mit der Unzufriedenheit bezüglich "der Gesamtsituation" zu tun zu haben.

    Vielen Dank für diese tollen Bilder! Man sieht, daß solche Altstädte auch im Herbst warm und romantisch wirken können, während der Modernismus bei dieser Witterung besonders übel ausschaut. Heidelberg ist einfach eine Perle, die Altsadt ist so voller organischem, selbstverständlichem Leben!

    Ludwigshafen ist natürlich äußerst furchtbar. Letztendlich gibt es in mehr oder weniger jeder kriegsversehrten bundesdeutschen Stadt oben genannte Motive. Die Frage ist immer, ob es (innerstädtisch) noch genügend schönen Raum gibt, in den man sich flüchten kann. In den oben angeführten Städten ist dies leider zu verneinen.

    Als Außenstehender die Frage: Gibt es überhaupt noch die Möglichkeit, S21 nicht fertig zu bauen, oder geht es einfach nur noch darum, das Ganze einigermaßen ordentlich über die Bühne zu bekommen?

    Der Main-Tauber-Kreis leidet schon seit Jahren unter seiner demographischen Entwicklung. Die Menschen wohnen dann halt nicht in einem Altbau an einer stark befahrenen Durchfahrtsstraße, sondern ziehen auf die grüne Wiese. Dazu kommt, daß entlang der Tauber kein massenhafter Tourismus Einzug gehalten hat. Die Ortschaften am Main (Wertheim, Miltenberg, Karlstadt, Gemünden etc.) sehen wesentlich gepflegter aus.
    Nichtsdestotrotz besitzt der Main-Tauber-Kreis seine lieblichen Seiten, die Ortschaften scheinen zumindest im Verhältnis zu ihrer geringen Größe noch ein "organisches" Leben zu führen (Vereine etc.). Gerlachsheim scheint mir in diesen Bildern etwas zu schlecht wegzukommen, viele Bilder sind, wie ja angemerkt, entlang der Straße geschossen.


    @Fachwerkliebhaber
    Tauberbischofsheim kämpft einerseits mit der Beibehaltung seiner Funktion als kleines Zentrum (Wirtschaft vor baulicher Tradition), andererseits will es auch ein touristisch reizvoll sein ("Liebliches Taubertal"). Das Ergebnis ist nichts Halbes und nichts Ganzes und der Altort sieht weder sehr heruntergekommen noch sehr schön herausgeputzt aus.


    Deine Ausführungen im Allgemeinen zu Franken und Schwaben kann ich nicht teilen. Man müßte die Regionen zunächst einmal abgrenzen. Oberschwaben und das Allgäu sind in der Bewahrung ihrer baulichen Tradition in keinster Weise mit Württemberg (hier v. a. Großraum Stuttgart und Schwäbische Alb) gleichzusetzen. Und Franken scheint mir (mit Thüringen und Teilen des ländlichen Niedersachsens) gerade im Ländlichen insgesamt am meisten seine Ortsbilder zu pflegen. Das liegt wohl auch daran, daß die Ortschaften in Franken weder durch übermäßiges Wachstum (Gegenbeispiel: Großraum München) immer weiter suburbanisiert noch durch Bevölkerungsabwanderungen verlassen werden. Ausnahmen im Mittelgebirge gibt es freilich.