Posts by Atticus

    Ich denke (fürchte!), Aedificium hat recht – wiewohl ich keinen Grund sehe, außereuropäische Kulturen in Anführungszeichen zu setzen!


    Von einigen Höhepunkten abgesehen entsprechen die historischen Innenräume mehr oder weniger dem, was man auch schon in anderen barocken Schlössern gesehen hat. Das soll keineswegs ihre Qualität leugnen. Will nur sagen: Anders als die Außenarchitektur und einige der Säle hätten lange Enfiladen von Kabinetten wechselnder Farbe für sich genommen relativ wenig Anziehungskraft. Definitiv weniger als eine bedeutende Kollektion von Kunst und Ethnologika.


    Persönlich fände ich es zwar ganz reizvoll, diese Exponate in barocken bzw. klassizistischen Räumen zu präsentieren. Der modernen Museumsdidaktik dürfte das aber eher nicht entsprechen. Und damit würde eine (theoretische) komplette Rekonstruktion aller Innenräume nur noch eine Ausstellung derer selbst erlauben, die Sammlungen wieder heimatlos machen und die Besucherzahlen langfristig verringern.

    Das ist aber so nicht richtig und eben der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Wie seit längerem bekannt sein könnte, handelt es sich nicht um eine Propagandainszenierung, sondern um einen Schnappschuss eines New Yorker Journalisten.


    Eben, Du sagst es ja:


    Quote

    Bilder vom respektzollenden Händeschütteln und Verbeugen gibt es auch von anderen damaligen "Politikern", das von Hitler wurde dann später propagandistisch interpretiert und bis heute auch so behandelt. Auch ist der gesamte "Tag von Potsdam" so nicht ideal für die NS oberen gelaufen und hinterher wurde die Rolle der NS Führung nachträglich aufgewertet oder überhöht.Das ist der eigentliche Skandal, das diese Propaganda noch heute funktioniert!!


    Ob diese Symbolik nun von Anfang an so geplant war oder später so zurechtgebogen wurde – definitiv wurde sie propagandistisch genutzt. Gerade darin waren jene Herrschaften ja sehr gut: Alles für ihre Zwecke zu nutzen, was gerade greifbar war.


    Und eben dieser Umdeutung wird bis heute gefolgt. Damit hat Andreas m.E. völlig recht.

    Frankfurts Skyline mag zwar die meisten Hochhäuser in ganz Europa haben. Sie hat aber auch die langweiligsten. Außer dem verrutschten Mittelteil, ist das geplante Hochhaus wieder völlig gestaltungfrei. Könnte auch von 1970 sein.


    Ich würde sogar behaupten, ohne diesen gestalterischen Gag sähe der Turm deutlich besser aus.


    Ich muß gestehen, daß ich viele Hochhäuser der 1950er und 60er durchaus gelungen finde. Sie kommen allerdings erst als Gegenstücke zu älteren Wolkenkratzern richtig zur Geltung – und diese fehlen natürlich in Frankfurt. Hier ist m.E. der Begriff "spannender Kontrast" durchaus angebracht – und zwar ohne Sarkasmus. Gerade aus einer solchen heterogenen Mischung und der hohen Verdichtung entsteht z.B. im New Yorker Midtown ein besonderer Reiz.



    cc by Sue / flickr

    Es gab da auch mal die absurde Idee, einen Tunnel zu bauen – sowas sieht ja immer phantastisch aus. Sei es am Bundesplatz, sei es an der Kaiser-Friedrich- oder an der Grunerstraße. Viele, viele zauberhafte Beispiele.
    Ich verstehe den Ansatz gar nicht. Man ist mitten in einer Großstadt. Klar ist da Verkehr. So viel ist's doch aber gar nicht - verglichen mit anderen Orten. Jeder hat als Kind gelernt, wie man sicher eine Straße überquert. Selbst im Überschwang der Freude über das wiedererstandene Schloß werden nicht dauernd Touristen vor fahrende Autos taumeln.
    Für mich klingt das wieder nach so einer komischen grünen Utopie und dem Versuch, dem Bereich unbedingt einen bestimmten Stempel aufzudrücken. Mal war es die Idee, an der "ja historisch immer bebauten" Schloßfreiheit Sozialwohnungen zu errichten. Dan kam die Idee, den Fluß in ein großes Freibad zu verwandeln. Und nun soll eine große Fußgängerzone her. Weil wir ja alle überall sehen können, wie toll Fußgängerzonen funktionieren. Als nächstes werden noch à la Potsdamer Lustgarten Sport- und Spielplätze vorgschlagen …

    Schön ist sie geworden. Nur die neuen Fenster enttäuschen. An der (wohl erstmals) verglasten Veranda fehlen mindestens die Kämpfer. Eine noch weitere Gliederung wäre besser gewesen. Die Turmfenster waren zuvor unterteilt. Auch dort hätten wieder Sprossenfenster eingesetzt werden sollen.

    Der Verlust der Stangen - ich denke, es sind Balkonbrüstungen - ist tatsächlich ein Gewinn. Genauso ist der Laden- oder Hauseingang direkt rechts des Knicks jetzt besser gelöst. Die nun schmaleren Fenster oberhalb sind ebenfalls stimmiger. In toto sehe ich dennoch eine Verschlechterung. Vorrangig, weil die von Dir gelobte Monumentalität hier schlicht fehl am Platze ist. Die Friedrichswerder'sche Kirche und die Bauakademie sind die platzbestimmenden Bauten. Was dazwischen steht, sollte sich unterordnen. Nun könnte man natürlich argumentieren, mit dem Annex des AA und dem Hotel John F. sei das Kind vor Ort eh in den Brunnen gefallen ...

    Man kann nur hoffen, dass der Originalzustand wieder rekonstruiert wird.


    Das hoffe ich auch.


    Außerdem hoffe ich aber, daß sich Architekten, die dennoch lieber "modern" bauen wollen (was immer das genau heißt), ein Vorbild am Rohzustand des Gigantentreppenhauses nehmen. Die Proportionen und das angedeutete Serliana-Motiv in der Säulen-(bzw. Rundpfeiler-)stellung sind nämlich auch so schon ziemlich gut. Ins Schloß gehören möglichst rekonstruierte Innenräume - ohne Wenn und Aber. In einem zeitgenössischen Bau jedoch wäre ein derart gestalteter Raum ein kleines Highlight.