Posts by Atticus

    Sollte auch die Ecke so saniert werden, wie wir uns das wünschen, würde Haus Nr. 14 (mit den Balkonen und dem Puff im EG) tatsächlich sehr aus dem Rahmen fallen. Es wäre das einzige stuckfreie an der ganzen Saarbrücker Str.

    Beim Eckhaus wird am Eckrisalit tatsächlich recht aufwendig gearbeitet. Komischerweise bislang nur dort. Das Haus hätte eine Überarbeitung allerdings dringend nötig – gerade wegen seiner Präsenz im Stadtbild.

    Auf mich wirkt der Bau in Brescia auch monumental, zudem wegen der hohen Zugänge mit farblich abwechselnden Säulen auch raffiniert.


    Da Du so gern zum genauen Lesen Deiner Beiträge aufforderst, tue ich es Dir mal gleich. Wenn Du nochmal schaust, habe ich mich explizit auf die Fenster bzw. das Treppen-/Staffelmotiv bezogen und nicht auf den Bau als ganzen. So wie ich mich grundsätzlich auf stilprägende Gestaltungselemente und nicht auf die gesamten Gebäude oder gar das Ensemble bezogen habe.


    Du mußt mir nicht zustimmen. Aber Du mußt mich auch nicht mutwillig mißverstehen, nur um wortreich widersprechen zu können.

    In Sachen Strahlkraft wirst Du gewiss nicht behaupten wollen, dass diese zwei Gebäude eine auch nur ansatzweise nachvollziehbare Konkurrenz zum Stadtschloss waren. Das wäre politisch auch nicht möglich gewesen, das Stadtschloss durch Konkurrenzbauten zu relativieren.


    Ich sprach ja auch vorrangig von der Konkurrenz zur Kommandantur und Bauakademie. Gewiß überstrahlte die Bank objektiv nicht das Schloß. Allein schon durch ihre Größe wäre das nicht möglich gewesen. Dennoch bediente sie sich einer Formensprache, die mir für den Ort unangemessen erscheint. Die Nachbarn habe ich bereits angesprochen. Dazu kommt die Platzgestalt selber, die in ihrer dezenten Formgebung stärker dem Klassizismus verpflichtet ist, als die meisten anderen Anlagen der Innenstadt (Gendarmenmarkt oder Pariser Platz z.B. haben den Proportionswechsel der Gründerzeit viel besser verkraftet).


    Was den Vergleich des Brescia- mit dem Schinkelplatz angeht: Da sehe ich einen himmelweiten Unterschied. Warum, habe ich in meinem vorigen Kommentar beschrieben.


    Das "Warum" habe ich bei Dir nicht entdecken können. Nur das "Daß".


    Ich will gern die Ähnlichkeiten darlegen, die ich da sehe:


    Die Fassaden sind relativ flach reliefiert. Die Gliederungselemente sind auf ihre Grundform reduziert. Die Fensteröffnungen folgen einem schlichten, gleichmäßigen Raster, das gut der Proportion des jeweiligen Baus entspricht.


    Die abgetreppten Fensterlaibungen von Steidle habe für mein Empfinden Ähnlichkeit mit der Fassade des Postamtes in Brescia.* Die Vertiefungen unterhalb der Fester bei Staab erinnern an die Tendenz im Neoklassizismus, Gestaltungselemente hinzu zu erfinden, die es im klassischen Kanon nicht gibt, die sich aber von der Anmutung einfügen.


    Beiderorts findet sich eine horizontale Gliederung, die die Häuser allerdings nicht wie in der klassischen Moderne optisch in die Breite zieht, sondern eher dem klassischen Prinzip der Geschoßtrennnung entspricht (d.h. in die Zeit vor der Erfindung der Kolossalordnung zurückgreift). Überwiegend sind es Schattenkanten. Selbst die oberen Fassadenabschlüsse sind z.T. auf eine kantige Leiste reduziert.


    Verbindend ist auch die Farbgebung: Helle Beige- und Grautöne, Bronze und dunkles Metall. Leider wird am Schinkelplatz kaum Naturstein eingesetzt. Dennoch machen die Häuser am Schinkelplatz einen massiven Eindruck. Sie wirken steinern und nicht aus Formteilen zusammengeschraubt.


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    * Natürlich hat das Postamt eine ganz andere Dimension. Aber das Motiv ist eben ähnlich.

    Also ich finde konkurrierende Pracht unterschiedlicher Zeitepochen durchaus spannend, solange sie im klassischen Stilkanon daherkommt.
    Das macht doch Städte wie Venedig, Rom, Wien oder auch die "Altstadtinsel" von Dresden erst so einmalig und sehenswert!

    Und was ist Deine Schlußfolgerung für den Schinkelplatz? Hättest Du eine Rekonstruktion der Danat-Bank befürwortet?


    An der Stelle kritisiere ich ja nicht die Konkurrenz der Stle/Epochen, sondern von Gebäuden sehr unterschiedlicher Bedeutsamkeit – noch dazu in einem baulichen Zusammenhang der für sich genommen schon nach Zurückhaltung verlangt.

    Hallo Stauffer,


    jetzt redest Du aber ein bißchen um den heißen Brei herum. Du willst sagen, daß Du die von mir wahrgenommene Ähnlichkeit der Bauten von Staabe und Steidle mit Beispielen in Brescia nicht nachvollziehen kannst?


    In puncto "Zurückhaltung" haben wir wohl eine etwas unterschiedliche Wahrnehmung, wenn Du die Vorkriegsbebauung (i.e. vor allem die Danat-Bank [s.Bild]) als zurückhaltend betrachtest. Es ist ein guter Bau. Für einen Gründerzeitler ist er für sich genommen in gewisser Weise sogar zurückhaltend. Will sagen: Er bildet keine der zeittypischen Extravaganzen aus und verfügt über eine recht klassische barocke Gliederung. An der Stelle jedoch ist er nicht zurückhaltend. Er (und der linke Nachbar) übertrumpft Kommandantur und Baukademie deutlich in Höhe und Plastizität. Selbst dem Schloß will die Danat-Bank ein bißchen Konkurrenz machen. Man bediente sich ganz klar der Architektursprache von Schlössern und Palästen: Kolossalordnung, Prachtportal, überhöhtes Sockelgeschoss, aufwendiges Kranzgesims, Akroterien etc. Abgesehen vom Eosanderportal übertraf die Danat-Bank mit diesen Stilvokabeln deutlich die Gestaltung des Schlosses.



    CC BY-SA 3.0 Bundesarchiv Bild 183-H28575

    Anders als die meisten hier finde ich die Häuser von Steidle und sogar auch das von Staab eigentlich ganz gut. Mich erinnern sie an die italienische Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Als Beispiel zeige ich die Piazza della Vittoria in Brescia.


    Sicherlich gibt es dort mehr traditionelle Gestaltungselemente – gerade solche, an denen es dem Schinkelplatz mangelt: Kranzgesimse, Säulen, Bögen etc. Aber die klassisch-strenge Proportionierung und gestalterische Zurückhaltung sehe ich als verbindendes Element. Diese finde ich am Schinkelplatz gar nicht so falsch. So ordnen sich die Neubauten der klassischen Architektur unter. Viel problematischer finde ich den Schultes-Entwurf mit seinen großen Glasflächen und der seltsam illusionistischen Fassadengestaltung. Diese abgeschrägten Fensterlaibungen gibt es auch am Hotel John F. um die Ecke. Und auch da sehen sie aus wie Murks.



    cc by sa 3.0 Canizza95 / wikipedia

    Bemüht der sich dann auch darum, daß die Damen und Herren Sprayer sich von allen nicht freigegebenen Wänden und sonstigen Oberflächen fernhalten? Wenn das so wäre, hielte ich's sogar für eine unterstützenswerte Idee. Aber da der Vorschlag von den Piraten kommt, bin ich nicht sonderlich guter Dinge.

    Na ja, der endgültige Verlust dieses wertvollen Stadtraums incl der Achteckenkreuzung ist auch nicht so ohne. Und den Alten Markt haben wir, solange die FHS steht, überhaupt noch nicht. Selbst im günstigsten Fall wird er, "dank" der Plattenbauten nördl. des Rathauses zu einer bloß halben Sache.


    Es sind Abwägungen. Sicher. Die Acht Ecken haben wir auch noch nicht. Welcher der beiden Stadträume als wertvoller zu betrachten ist, käme auf die Kriterien an.

    Dann muß man eben deutlich machen, wie man einen Begriff genau meint bzw. was man daran kritisiert. Ich stimme durchaus zu, daß die von Dir zitierten Begriffe allesamt ein wenig feuilletonistisch sind und eigentlich mal einer genaueren Definition bedürften. Sie sind aber dennoch etabliert und die Motivation hinter ihrer Schaffung dürfte klar sein: Man wollte dem Primat der anspruchsvollen nordatlantischen Kultur widersprechen und herausstellen, daß es überall auf der Welt beachtenswerte Kultur gibt. Leider ist die Begriffsbildung insofern tatsächlich gescheitert, da sie nur eine stärke Abgrenzung geschaffen hat.


    Und ein Eisenbahnkreuz auf dem Alten Markt wäre ja nun auch nicht gerade wünschenswert. Klar ist es um die alte Proportion schade, aber die Neuplanung muß ja nun auch ein wenig die Anforderungen der Gegenwart berücksichtigen. Immerhin werden die Bauten ja –wenn auch versetzt- wiedererrichtet. Zu anderen Zeiten wären (bzw. sind!) sie einfach abgerissen worden. Und damit meine ich nicht nur die Umplanung der "DDR", die sich ja trotz aller ideologischen Beweggründe immer wieder in verkehrsinfrastrukturelle Argumente flüchtete. Auch im Kaiserreich oder in Weimar hätte man sicher nicht lange gezögert, wäre eine Verbreiterung der Straße dringend notwendig geworden.

    Wenn es aufgefallen ist, habe ich den Begriff "Weltkulturen" in Anführungszeichen gesetzt, weil der Begriff (aus meiner ganz subjektiven Sichtweise ) in Frage zu stellen ist. Schon interessant, was so alles interprtiert wird, wenn es interpretiert werden will... Aber egal!


    Da es ja nun aber um die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst geht, ist doch die Interpretation äußerst naheliegend, daß Du genau diese als >>"Weltkulturen"<< bezeichnest. Bliebe die Frage, was diese Deine subjektive Sichtweise genau beinhaltet.


    Daß es eine ist, ist ja klar. Genau wie ich in meinen Äußerungen doch entweder explizit oder durch Verwendung des Konjunktivs als subjektiv gekennzeichnet habe.


    Wer sich nur für objektive Informationen interessiert, braucht kein Diskussionsforum.