Posts by Atticus

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    In Potsdam hat man es sich schon gefragt. Nun umso mehr: Ist dieser Mann überhaupt Architekt oder einfach nur ein hochstaplerischer Bauingenieur?


    Zuweilen kann ich ja modernistischer Architektur, die kein bestehendes klassisches Gebäude oder Ensemble beeinträchtigt, durchaus etwas abgewinnen. Ich gehe sogar so weit und sage: Es gibt sehr gute modernistische Architektur und nicht wenige Häuser, in denen ich sogar gern leben würde.


    Aber die grobschlächtigen grauen Klötze, die Kulka da in die Landschaft geworfen hat, sind eine absolute Frechheit. Jeder "DDR"-Riegel hat mehr Charm als das. Sie sind ein Affront nicht nur (fast) allen zeitgenössischen Architekten gegenüber, sondern vor allem auch ihren künftigen Bewohnern. Es dürfte kaum möglich sein, dort zu leben und nicht depressiv zu werden.

    Es könnten sich viele heutige Architekten ein Beispiel daran nehmen, wie da in Bocholt in den 50er Jahren gebaut wurde: gut gegliedert, einfache aber typische Materialien, simple, gut platzierte Schmuckelemente.
    Wird heute versucht, traditionell zu bauen, kommen (bei allem guten Willen!) noch immer häufig einfach nur plumpe Klöpse heraus – bei mutmaßlich vergleichbaren Kosten wie in den 50ern.

    Unklarheiten beseitigt?


    Ja, danke. Ich mag anhand dieses aquarellierten Stichs zwar nicht beurteilen, ob das dieselben Säulen sind oder nur dieselbe Ordnung. Andererseits möchte ich aber auch nicht so streitlustig wirken, wie manche Mitmenschen es beim aktuellen Wetter sind.


    War ganz ehrlich nur leicht verwirrt. No offence, Vulgow!

    Entschuldige. Vielleicht kann ich Dir gerade nicht ganz folgen. Könntest Du mal die zwei Bilder zusammen posten, auf denen Du dieselben Kapitelle siehst.

    Die Kapitelle des wilhelminischen Doms erscheinen mir übrigens irritierend ähnlich zu den des alten Doms - ob da nicht doch eine gewisse "Resteverwertung" stattgefunden hat.


    Was? Die am alten Dom waren ionisch, am aktuellen sehe ich nur Kompositkapitelle.

    Was ist eigentlich aus den beiden Bronzeengeln geworden, die beim alten Dom in den Nischen standen?
    Am neuen Dom haben sie ja keine Verwendung gefunden.


    Das kann ich leider nicht beantworten. Ins Blaue geraten: Vielleicht wurden Sie auf einem Friedhof aufgestellt?


    Die beiden Ionischen Säulen harmonierten sehr gut mit den Ionischen Säulen des alten Museums.


    Das hat der Schinkel bestimmt extra so gemacht, der alte Fuchs …

    [...] dass in 20, 30 Jahren eine neue Generation von Stadtplanern und Architekten das Areal im Stil der Kronprinzengärten oder Klostergärten bebaut.


    Ich bezweifle auch, daß das überhaupt wünschenswert wäre. Als Ergänzung bestehender Altbauensembles finde ich diese Beispiele gut. Aber ein komplettes Viertel in diesem Stil würde auf mich sehr künstlich wirken. Für ein neues Wohnviertel ist das schon okay. Aber für einen so zentralen Bereich der Innenstadt müßte der traditionalistische Stil schon noch etwas reifen und verfeinert werden. Vor allem aber fehlt es ihm noch an Routine. Selbst wenn man sich um Abwechslung bemüht wie im Falle der Kronprinzengärten, wirkt das Resultat leider immer noch etwas gestelzt.

    Weil das Schloß mehrere Stilrichtungen aufweist, wäre es am Dom ja auch nicht
    so verkehrt, wenn es dort durch den Krieg nun auch so ist...


    Das ist ein sehr guter Punkt. Viele historische Gebäude in Berlin zeigen diverse Umbau- oder Erweiterungsphasen (Dt. und Frz. Dom, Humboldt-Uni, Kronprinzenpaiais, Staatsoper, Schauspielhaus, Schloß [bald] etc.). Sofern die Veränderungen vor dem Krieg erfolgten, nehmen wir es sie kritiklos hin. Erfolgten sie nach dem Krieg, sind sie nur akzeptabel, wenn sie von Richard Paulick stammen?

    Was die Laterne angeht, gebe ich Dir durchaus recht. Über Authentizität braucht man auch gar nicht zu diskutieren …


    Ich denke, ich kann mich allgemein mit dem Raschdorff'schen Dom an dieser Stelle nicht so wirklich anfreunden. Er ist für mein Empfinden einfach zu groß und massiv für die Museumsinsel als letztem Rest von Spree-Athen. Der Vorgängerbau in Schinkels Umgestaltung paßte m.E. deutlich besser und hätte auch weiterhin als Hofkirche funktionieren können (s.Bild). Den großen Neubau hätte man damals einfach woanders errichten sollen. Frage mich, wo ein guter Standort gewesen wäre.



    gemeinfrei

    Bis auf das missratene Sockelgeschoss eigentlich ein ganz anständiger Bau.


    Und der Sockelbreich ließe sich ziemlich leicht aufwerten: Weg mit dem grauen Blech. Dafür große gegliederte Fensterflächen. Die Trennung von EG und 1.OG zumindest optisch aufheben. Das könnten tolle Flächen für Gastronomie, Einzelhandel oder Galerien sein.

    Ich habe mich lange mit den alten und neuen Domkuppeln beschäftigt. Nachdem ich früher sehr für die historischen Kuppeln und deren Rekonstruktion war, bin ich inzwischen eher von den neuen Überzeugt. Zwar finde ich die goldene Spitze auf der Laterne ziemlich plump und zu modernistisch. Aber insgesamt kommen für mein Empfinden die weniger in die Höhe strebenden Kuppeln der Proportion des Doms zugute. Außerdem lassen sie das Gebäude durch ihre dezentere Ornamentik klassischer und damit preußischer wirken.

    Nochmals meinen herzlichsten Dank für Deine vielen freundlichen Korrekturen, Konstantin.


    Sollte ich Treverer aber richtig verstanden haben, sprach er ja vom gesamten Bereich bis zum Fernsehturm. Auf diesen habe ich mir erlaubt, mich auch zu beziehen. Sollte mir dabei allerdings schon wieder ein schrecklicher Fehler unterlaufen sein, wäre ich Dir für Richtigstellung sehr verbunden. Dank schon mal im Voraus!

    Danke für den Hinweis. Momentan ist das alles reine Theorie. Darum der Konjunktiv.


    Momentan wäre auch eine Wiedererrichtung oder Nachempfindung einer Altstadt zwischen den Hochhausscheiben nicht möglich, weil durch die Verwendung von Fördermitteln bei der Umgestaltung der Freiflächen diese auf lange Zeit praktisch unveränderbar gemacht wurden (waren es 20 Jahre?). Damit könnten wir diesen Thread eigentlich bis bis 2035 stillegen. Gölte auch für fast alle anderen Diskussionen hier, deren Gegenstände sich völlig dem EInfluß dieses Forums und seiner Teilnehmer entziehen.

    Ich stimme Treverer zu. Eine Großstadt kann ruhig mehrere innerstädtisch Parks haben. London hat neben dem Hyde Park (sogar z.T. in unmittelbarer Nähe) den St. James's Park, Kensington Gardens und Regent's Park. Paris hat nicht nur die Tuilerien, sondern auch den Jardin du Luxembourg, das Marsfeld und ein Dutzend weiterer kleiner Parks. Dagegen wäre eine Parkanlage am Roten Rathaus sogar recht überschaubar.


    Absolut unverzichtbar wäre allerdings eine in absehbarer Zukunft erfolgende grundsätzliche Veränderung der Randbebauung. Das ist dringend zu unterstreichen. Über deren Aussehen wird man sicher hitzige Debatten führen müssen. Ich würde mir moderne Bauten in schlichter klassischer Architektursprache wünschen (Kollhoff, Nöfer, Kahlfeldt etc.), die Richtung Alexanderplatz in Höhe und gestalterischem Impetus zunehmen.


    Einzig in Bezug auf die Spandauer Straße kann ich nicht recht zustimmen. Für den Straßenverkehr im Viertel wäre das eine enorme Belastung und m.E. würde es die Gebiete südöstlich des neuen Parks noch weiter von der Innenstadt abkoppeln.


    So schlecht ist doch der Vorschlag gar nicht. Ich meine noch immer, die "DDR"-Brache oder zumindest ein Teil von ihr könnte durchaus auch Park werden – dann aber ein echter Park und keine Verbundsteinwüste mit ein paar Kübelplanzen und Koniferen am Rand. Sollte man sich da für die Idee Weltgarten entscheiden, werden sicher Fachleute hinzugezogen, die auch wissen, welche Pflanzen man hier wie kultivieren kann. Das klingt allemal besser, als die Kraut- und Rübenbepflanzungen andernorts oder die "moderne Landschaftsarchitektur" des Tilla-Durieux-Parks oder des Neustädter Kirchplatzes.


    Im Übrigen hat mir der RBB-Beitrag mit seinen Tacheles-Randbemerkungen sehr gut gefallen: "Marx und Engels wurden in den Schatten gestellt", "'DDR' hat die Altstadt abgerissen" … und am Ende noch eine hübsche kleine Spitze gegen die Regula.

    Leider fallen Spießertum und Beamtentum weitgehend zusammen. Ob diese Herrschaften nun aus Bräsigkeit oder einem Überlegenheitskomplex handeln – das Resultat ist leider allzu oft das von Bauherr beschriebene. Manchmal bekommt man den ein Eindruck, die Behörden wollen Bau- und Sanierungsmaßnahme möglichst verhindern. So richtig absurd wird es, wenn zwei Behörden sich widersprechende Auflagen machen: "Der Baum muß weg." – "Der Baum muß unbedingt erhalten bleiben."