Posts by Atticus

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    Ich würde dazu ergänzen, daß es nicht nur ein Problem des Entwurfs, sondern mindestens genauso eines der Ausführung ist. Angesichts der Leistungen von Filmarchitekten und Production Designern gibt es auch heute mit Sicherheit noch viele Kreative, die großartige Bauwerke gestalten könnten. Zum einen aber gibt es wohl keine Schnittstelle zur angewandten Architektur – bzw. würde ich vermuten, daß Menschen mit derartiger Ambition in die Filmindustrie o.ä. gedrängt werden, weil sie über lange Zeit als richtige Architekten nicht ernstgenommen worden wären. Entsprechend fehlt denen mit dem gestalterischen Geschick die technische Fertigkeit und der Zugang zum freien Markt.


    Zum anderen erfordern feinsinnige Entwürfe deutlich mehr Zeit in der Ausarbeitung der gestalterischen Details. Und sie erfordern mehr Zeit und handwerkliches Können bei der praktischen Umsetzung. Der geringe Wettbewerb trägt sein übriges dazu bei. All dies sind letztlich immense Kostenfaktoren, die dann nur noch sehr wohlhabende Bauherren für die Gestaltung ihrer Privatresidenz auf sich nehmen.

    Ja, original sah es fast noch schlimmer aus.


    Da möchte ich widersprechen. Gestalterisch ist die Originalfassung m.E. deutlich besser. Sie war nur in sehr schlechtem Zustand. So aufwendig saniert wie das Haus des Lehrers oder das Bikinihaus fände ich das Verlagshaus sogar recht reizvoll. Allerdings kann ich es mir nur in einem dicht und eklektisch bebauten urbanen Quartier vorstellen. Als Teil der sozialistischen Repräsentationswüstenei ist es schrecklich.

    Wie ganz klar im Eröffnungspost steht, geht es außer dem großstädtischen Flair auch um ein geschlossenes Ensemble.


    Na ja, "großstädtisches Flair" haben wir ja nun leider auch schon halb über Bord geworfen – bzw. stark aufgeweicht …


    Wann ist ein Ensemble denn geschlossen? Wenn es nur historische Bauten gibt? Oder wenn diese dominieren? Letzteres ist m.E. in der Hamburger Mönckebergstraße und deren Umgebung der Fall: Da stehen auch einige Nachkriegsbauten, aber ganz klar dominieren gründerzeitliche und Weimarer Gebäude.

    Na, erbse, jetzt widersprichst Du Dir aber auch selbst. So schön Schwerin ist – da ist nichts metropolitan. Es stehen die typischen Repräsentationsbauten einer Residenzstadt im Kreis und drumrum sind zweistöckige freistehende Häuschen. Das ist Reykjavik mit Märchenschloß.

    Auch bei den großen Fledermausgauben bin ich mir nicht so sicher, ob die typisch für Potsdam sind...?


    Dachgeschosse scheinen heute nur noch finanzierbar zu sein, wenn sie zusätzliche Nutzfläche liefern. Und diese muß eben Fenster haben. Wenn auch Fledermausgauben vielleicht nicht in der ganzen Potsdamer Innenstadt üblich sind (im Holländerviertel oder am alten Ständehaus z.B. schon), sind sie dennoch typisch für die Region. Damit sind sie mir dann allemal lieber als die riesigen, kantigen Gauben, die aktuell in Mode sind. Und sie passen auch besser in die Yorckstraße als z.B. die Giebelgauben und Zwerchhäuser der 2. Barocken Stadterweiterung.

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    Ich denke auch, solche Beispiele (so wunderschön sie sind!) entsprechen nicht dem Thema dieses Strangs.


    Ich hatte im erste Moment auch Plätze in Potsdam, Schwerin und Lübeck nennen wollen, aber das sind ebenfalls einfach keine Großstädte. Sie haben nicht mal wirklich großstädtisch wirkende Ecken.

    [...] zu winzig, bescheiden und nicht eben einer Weltstadt angemessen - es sei denn man hätte ggf. einen Domneubau an anderer Stelle vorgenommen, vielleicht am Alexanderplatz [...]


    Meine Rede. Man hätte den alten Dom als Hofkirche behalten und den monumentalen Neubau an anderer, geeigneterer Stelle errichten sollen. Das wäre auch der Polyzentrik der alten Innenstadt zugute gekommen.


    Wiewohl gerade das seinen Reiz hat, habe ich aber auch immer bedauert, daß in Berlin fast alle wichtigen Gebäude an einer Straße stehen. Etwas verteilt, hätten es der Stadt seinerzeit sicher interessante Entwicklungsimpulse gegeben.


    Der neue Dom hätte z.B. auch gut am östlichen Ende der Leipziger Straße stehen können. Oder irgendwo nördlich der Linden, jenseits der Spree. Oder in der südlichen Friedrichstadt.


    Auch wenn die umgebende Architektur aktuell teils nicht sehr ansehnlich ist, mag ich es, wie St. Paul's mitten im Häusermeer steht:



    cc by sa 3.0 - Elisa Rolle / Wikipedia

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    Wann sich Windanlagen amortisiert haben? .. hängt von der Nennleistung ab (Je größer desto schneller) und ob sie offshore oder onshore gebaut wurde. Fakt ist jedoch, dass sie nach ca. 25-30 Jahren spätestens ersetzt werden müssen.


    Danke. Ist aber keine Antwort. "Kommt drauf an … hängt von ganz vielen Faktoren ab …" habe ich schon oft gehört. Habe sogar mal vergeblich beim Umweltministerium gefragt.


    Wohl gemerkt: Die Frage bezieht sich auf die energiemäßige Amortisierung von Wind- und Sonnenkraftanlagen. Wann haben diese durchschnittlich so viel Energie geliefert, wie für ihre Herstellung (begonnen bei den Rohstoffen), ihre Installation und ihre Wartung verbraucht wurde? Die vermeintliche Umweltfreundlichkeit wird ja ein mächtiges Verkaufsargument bei Bauten wie dem hier diskutierten Frankfurter Haus sein. Wenn diese sich irgendwann als Augenwischerei entpuppt, hängen hoffentlich nicht schon überall Solarpaneele vor den WDVS-Fassaden.

    die Hauptkuppel erinnert mich sehr an den Petersdom in Rom


    Und das ist auch gar nicht mal so falsch – hat man den Berliner Dom doch als „Hauptkirche des Protestantismus“ gesehen und damit als protestantisches Gegenstück zu Sankt Peter.

    ^ Naja, das Verlinkte sieht schon stark nach Fertighaus und Baumarktlösungen aus.


    Das Haus in der Brümmerstraße ist kein Fertighaus. Konnte damals mit wachsendem Entsetzen den Baufortschritt beobachten.


    So sollten "Fertighäuser" aussehen: http://fachwerkhaus.com/


    Oh ja! Zumindest, wenn man im ländlichen Norden wohnt.
    Die steinlastige rheinische oder märkische Architektur läßt sich sicher nicht so leicht in ansprechender Fertigbauweise umsetzen.

    Dankeschön. Das Gebäude folgt offenbar der Brüsseler oder Pariser Stilauffassung.


    Leider muß ich aber sagen, daß ich das Leipziger Beispiel bei längerem Hinsehen immer weniger gut finde. Es erinnert mich an ein Phantombild: Aus einer breiten Auswahl an Nasen, Mündern und Augen wird etwas zusammengesetzt, was auf den ersten Blick wie ein menschliches Gesicht wirkt. Aber die einzelnen Elemente passen nicht zusammen; beziehen sich nicht aufeinander; bilden kein Gesamtbild.

    Gibt oder gab es eigentlich Bestrebungen das Jugendstileckgebäude, das dem Platz erst wieder seine Fassung zurückgeben würde zu rekonstruieren? Wenn nicht in Leipzig, wo sonst?! Ich kann mir keine bessere Stadt vorstellen, wo so eine Reko leicht durchsetzbar, ja sogar vermutlich gewünscht wäre!


    (stadtbild-deutschland.org)


    Über die Qualität dieser Architektur könnte man zwar streiten. Aber aufwendig wäre gerade diese Rekonstruktion nicht. Die Fassade ist kurz. Bildplastischer Schmuck ist sparsam eingesetzt. Hauptsächlich sind es große Fensterflächen. Und angesichts der Lage könnte man auf eine Rekonstruktion der rückwärtigen Fassaden sicher verzichten – oder waren das besondere Highlights? Hat jemand dazu Bildmaterial?

    Auch wenn es immer etwas unglücklich aussieht wenn Fassade + Dach mit Solarmodulen bestückt sind, sollte man doch glücklich sein, dass in dieser Richtung etwas getan wird.


    Sollte man? Ist das eine Maxime? So wie man über Wärmedämmung glücklich sein sollte?


    Der Wirkungsgrad von Photovoltaik ist in unseren Breiten fast zu vernachlässigen, der von Solarthermie ist zwar höher, aber letztere ist am Eigenheim eigentlich nur zum Heizen geeignet.


    Um Europa in sinnvollem Maße mit Sonnenenergie zu versorgen, müßte man die gesamte Sahara (d.h. staatenübergreifend!) mit Solarparks zubauen. Das weiß ich von einem Ingenieur, der an entsprechenden Versuchsprojekten teilgenommen hat. Er stellte immer wieder auf das Problem der politischen Instabilität der Region ab. Auf meine Nachfrage, ob nicht evtl. die Negevwüste oder die Steppen in Andalusien bessere Alternativen wären, erklärte er mir, diese seien viel zu klein. Das gibt dem ganzen vielleicht mal eine Dimension. Die Solarpanele an der Fassade des Eigenheims sind damit dann wirklich nur geeignet, "unglücklich" auszusehen – oder wie ich sagen würde: spuckhäßlich!


    Wo wir bei spuckhäßlich sind: Was ich mich wie auch bei der Windenergie immer wieder frage und nie beantwortet bekommen habe ist, wann sich solche Anlagen energetisch amortisieren. Wann hat die Anlage mehr Energie erzeugt als für ihre Herstellung, Installation und Wartung aufgewendet werden muß. Und wie verhält sich diese Dauer zur mittleren Lebenszeit solcher Anlagen.

    Das sehe ich wie erbse. Natürlich wäre es schön, wenn das Projekt zu Ende gebracht und das Gebäude genutzt würde. Aber wenigstens ist es so noch da und halbwegs im Bestand gesichert. Der Vandalismus ist zwar zu bedauern, aber besser als ein weiterer Verfall.


    Falls die Information über die Änderung der Baugenehmigung stimmt, wäre das eine absolut glaubhafte Erklärung für den Leerlauf. Gerade in Brandenburg sind solchen Genehmigungsverfahren extrem langwierig. Die Behörden verschleppen sie geradezu: Ein- und Nachreichungswünsche werden häppchenweise geäußert ("A ist jetzt da. Danke. Nun bräuchten wir bitte noch B." Und erst wenn B vorliegt, wird C verlangt werden), Sprechtage der Ämter finden nicht statt (d.h. am einzigen Tag, an dem überhaupt ans Telefon gegangen wird, wird dann doch nicht ans Telefon gegangen), einzelne Bearbeiter sind sich wegen irgendwas "nicht sicher" und halten allgemeine Tatenlosigkeit für die beste Lösungsstrategie …