Posts by Bostonian

    Ansonsten gibts da noch das empfehlenswerte Buch "Alt-Hildesheim in Aquarellen" in denen man manch schönes Haus verewigt hat,

    Ja, tatsächlich ein grossartiges Buch, vielleicht das Schönste in meiner Hildesheimbibliothek, weil auch die feinen Details von Fachwerkschnitzereien liebevoll dargestellt sind!

    Das liegt daran, dass die bessere Hälfte von riesig immer noch riesig ist. Und dass die bessere Hälfte schon allein topographisch interessanter ist.

    Allerdings finde ich das grosse Barockensemble in der östlichen Breite Strasse ganz besonders schön und beeindruckend, mit Blick auf das Breite Tor! Und nicht zu vergessen, dass die herrliche Weltkulturerbenstadt Quedlinburg und der erhaltene Teil von Halberstadt ja auch hauptsächlich barock sind!

    So herausragend war Hildesheim dann - bis auf einige wenige Bauwerke -dann doch nicht. Goslar z.B. hat in der Fläche mehr Fachwerk zu bieten als es Hildesheim hatte.

    Ja, es stimmt, dass Goslar von einmaliger Schönheit und historischer Bedeutung ist. Allerdings sind etwa die Hälfte der FW Häuser, in dem östlichen Teil Goslars, barock und damit nicht aus der besten Zeit (d.h. vor 1620). Es gab wohl mehrere Städte die als gesamt Stadtbilder harmonischer, historischer und einheitlicher wirkten als Alt-Hildesheim, mit seinem Überfluss an Backstein Neugotik. Goslar und Halberstadt, Stolberg und Quedlinburg zaehlen sicherlich dazu. Was die Anzahl der Häuser betrifft, hatte Hildesheim allerdings schätzungsweise 1300 vor dem Krieg, verglichen mit 2000 in Braunschweig oder 1500 in Goslar (oder vielleicht 3000 in Rouen und Troyes).

    Aber, diese "einige wenige Bauwerke" die in Hildesheim so herausstachen, waren fast nur in Hildesheim anzutreffen. Häuser im einmaligen Hildesheimer Stil-- mit figürlich geschnitzten Renaissance Füll-brettern-- waren äußerst selten ausserhalb Hildesheim anzutreffen. Die alte Lateinschule und das Planetenhaus in Alsfeld/Leine, das Rohrsche Haus in Helmstedt, das Eicksche Haus in Einbeck und natürlich das Wernersche Haus in Hildesheim sind die bekanntesten--und fast die einzigen-- erhaltenen Beispiele von diesem reichsten Fachwerkstil. Das wiederaufgebaute Wedekind (oder Storre) Haus am Markt ist das prächtigste Beispiel überhaupt von diesem Stil.

    Vor dem Krieg gab es dutzende von solchen Häusern allein in Hildesheim, und nur dort. Beispiele sind das Deutsche Haus in der Osterstrasse, das Pfeilerhaus, das Rolandspital, der Wiener Hof, die Ratsapotheke, Godehardiplatz 1, der Erker vom Borcherschen Haus, die Neustaedter Schenke und die Häuser an der Ecke vor der Andreaskirche. Hinzu kamen solche einzelne Meisterstücke wie z.B. der Goldene Engel, der Braunschweiger Hof, das Landsknechthaus, das Trinitatisspital und das Knochenhaueramtshaus. Ich kenne keine andere Fachwerkstadt Europas--auch nicht Lisieux--die so eine hohe Anzahl von einmalig schönen Einzelhäusern, besessen hatte.

    Gerade, weil der grosse Wert Hildesheims aus unvergleichbar schoenen Einzelbauten bestand, wäre es m.E. wünschenswert dass, auch einzelne Häuser wiederaufgebaut werden! Auch das Borchersche Haus: die Vorstufe vom Knochenhaueramtshaus! Auch das Pfeilerhaus und der Goldene Engel, die den Weg zwischen Andreasplatz und dem noch sehr schönen Domplatz aufwerten würden!

    Wie waere es mit einem Wiederaufbau von der Bock von Northolzschen Kurie? Und wo genau stand der Torbau vom Ratsbauhof? Natuerlich soll die Jakobispitze wieder kommen, aber in so einer unvergleichlich schoenen und einmaligen Stadt wie Hildesheim, darf man etwas ambitionierter denken, oder? Gerade der Qualitaetsunterschied von einem Goldenen Engel und der miserablen Umgebung duerfte lehrsam sein!

    Fuer mich, als Fachwerkliebhaber, war Hildesheim der wohl schlimmste Kriegsverlust ueberhaupt!

    Nein, der nächste Reko-Kandidat, dessen Sinnhaftigkeit auch der Einwohnerschaft leicht zu vermitteln wäre, kann nur der Wiederaufbau des Kirchturmhelmes von St. Jakobi in der Almsstrasse

    Besonders auffällig ist, dass Nürnberg sehr stark von der deutschen "Fensterkrankheit" heimgesucht wird. Das gilt sowohl für die Altstadt als für den Gründerzeitbauten. Es liesse sich so viel relativ einfach erreichen.

    Richtig. Sprossenfenster und hinzugefuegte Erker wuerden die Nuernberger Altstadt sehr aufwerten. Vor allem, aber, sollen solche unpassende Bausuenden wie der neue "Augustinerhof" im historischen Stadtzentrum vermieden werden!

    Lieber Patbal, Alles Gute im Neuen Jahr! Und vielen Dank für die regelmaßige Berichte von diesem sehr aufregenden Projekt. Wir haben übrigens in November eine wunderbare Woche in dieser unvergleichbar prächtigen Stadt verbracht, übernachteten direkt im Pester Zentrum in der herrlichen Andrássy Utca, und fühlten uns bestens vorbereitet durch deine Bilder!

    Mir liegen am meisten die 4 Häuser in der Großen Meißener Gasse am Herzen, vor allem, das Sonnewaldische Haus, das ich besonders schön und ausgewogen finde. Das Kurländer Palais war ein Meisterstück der allerersten Klasse, und sollte auch wiederaufgebaut werden.

    Man sollte eigentlich die Schießgasse mit guten Häusern bebauen, um das Neumarktgebiet etwas auszubreiten. Der Festsaal im Palais im Großen Garten wartet immer noch auf seine Wiederherstellung. Gleichfalls, könnte die Hauskapelle im Taschenberg Palais wieder geschmückt werden: der Raum ist ja vorhanden.

    Ursus und Treverer haben beide recht, finde ich. Das herrliche Neumarkt-zentrum wirkt tatsächlich inselartig, umgeben von einer Plattenbauwüste ohne jegliche urbane Qualität. Die Pragerstrasse hat ihre ehemalige einfache Nachkriegs-Großzügigkeit längst eingebüßt. Besonders nachteilhaft finde ich die fehlende Verbindung zwischen Neumarkt und barocker Annenkirche. Lediglich die Wilsdruffervorstadt mit angrenzender Friedrichstadt wirken m. E. urban, mit einer interessanten Mischung von Alt- und Neubauten.

    Andererseits, ist diese Barockinsel großflächig und wechselhaft genug um jeden kunstinteressierten Tourist für einige Tage festzuhalten und zu faszinieren. Das weiß ich aus mehrmaliger persönlichen Erfahrung. Dresden teilt mit Salzburg (und Würzburg) den unermesslichen Vorteil von einem Flußblick! Es gibt auch wunderbare Vorstädte, imponierende Elbeschlößer und Villenviertel, und praktisch die ganze Neustadt, abgesehen von dem katastrophalen Neustädter Markt. Gefühlsmäßig hat Dresden die kulturelle Ausstrahlung von einer echten europäischen Großstadt: besitzt u.a., Orchester und Oper von Weltklasse.

    Wenn wir allgemein über großstädtische und kleinstädtische Architektur sprechen, sollten wir nicht vergessen daß sie historisch bedingt ist. Erfurt war beispielsweise im Mittelalter eine der größten Städte überhaupt im deutschen Sprachgebiet. Dagegen war Dresden eher eine kleine Residenz Stadt. Wismar und Stralsund, wohl auch Lüneburg, mit jeweils drei grossen Pfarrkirchen, waren wahrscheinlich auch mittelalterliche "Großstädte." Zum Glück, denn sehr viele von den besten Bauschätzen Deutschlands befinden sich-- wie auch schon vor dem Krieg-- in Ortschaften die heute als kleine oder mittlere Städte bezeichnet werden. z.B. Bamberg, Passau, Landshut, Görlitz, Trier, Soest... Eine schier unendliche Liste!

    Wahnsinn, dieses Fachwerk-Niveau. Ich kann Osterwieck nicht einschätzen? Eine Liga mit Goslar, oder doch etwas darunter? Hohe Abrissverluste oder rechtzeitig gerettet?

    Osterwieck ist viel kleiner als Goslar-- 353 FW Häuser in Vergleich mit über 1200 in Goslar. Goslar war ja im frühen Mittelalter eine der bedeutendsten Kaiserstädte. Osterwieck besitzt aber einen einmaligen Schatz von reich geschnitzten Fachwerkhäusern vom besten Zeitalter, d.h., vor 1620. Die Anzahl der Häuser die noch vor 1620 erstanden sind, liegt in Osterwieck bei 34% des Gesamtbestandes, also 124 Häuser. Vergleichswerte sind: 12%(43) in Stolberg; 6%(81) in Quedlinburg; 4%(23) in Wernigerode.

    Die Abrissverluste in Osterwieck waren verhältnismäßig gering, aber dafür der Erhaltungszustand in 1989 verhörend. Dafür ist die Tanne ein gutes, aber zum Glück heutzutage selten gewordenes, Beispiel.

    Gleich in der Nähe von Osterwieck liegt die Kleinstadt Hornburg, die ebenfalls reich ist an Renaissance Fachwerkhäusern. Da Hornburg im Westen lag-- obwohl nur etwa 15 km von Osterwieck entfernt-- ist der Zustand der Häuser immer noch viel besser. Aber die beiden Städten zusammen zählen zu den absolut Spitzenleistungen des historischen deutschen Häuserbaus. Jeder Liebhaber vom Niedersäschischen Fachwerk sollte unbedingt dorthin pilgern.

    Genauso eine erbärmliche Schneise hatten wir seit den 70er Jahren durch die Mitte der Stadt Boston. Bis der neue Tunnel kam: "The big Dig." Die alten Häuser des Nordendes sind zwar für immer verschwunden. Aber dafür genießen wir immerhin den neuerstandenen Park. Eine ähnliche Stadtreperatur fand auch in San Francisco statt, nachdem eine Hafenzerschneidende Autobahn von einem Erdbeben glücklicherweise beschädigt wurde.