Posts by Bostonian

    Viele Villen in dieser Stilrichtung findet man am Fuße der Wartburg, in Eisenach. Es gibt einen eigenen Band in der Denkmaltopographie über diese reizvollen Bauwerke.

    Zum Palais: Es schreit förmlich nach einer Rekonstruktion der Innenräume. Wird es einmal fertig sein, kann man im Palais einen Sommerabendball als Pendat zum dem Semperopernball im Winter etablieren. Der Große Garten mit seinen Skulpturen eignet sich hervorragend zum Flanieren und Lustwandeln im Rahmen eines solchen Balls.


    Ich habe gar nichts dagegen wenn die Heizkörper zuerst erneuert werden: eine wohl praktische Reihenfolge. Aber der Festsaal muß dann unbedingt folgen. Wie Henry sagt, da könnte man mit begrenztem Aufwand so viel gewinnen!

    in Nordhessen eine Vielzahl von Fachwerkstädten im "Original" liegen, die an Qualität des Fachwerkes dem alten Kassel um nichts nachstehen.

    Ein sehr interessanter Punkt! Und ein Trost!Das war auch mein Eindruck vom Kasseler Fachwerk.


    Es gibt Städte die in ihrer Bauweise echt einmalig waren. Bestes Beispiel dafür ist Hildesheim, das allein auf Erde eine Fülle von renaissance Fachwerkhäusern mit reich geschnitzten Füllbrettern besass. Diese Art gibt es jetzt, abgesehen vom Wernerschen Haus und dem wiederaufgebautem Wedekindhaus, nur noch als äußerst seltene Einzelgänger etwa in Alfeld an der Leine oder Einbeck. Fachwerkhäuser von Braunschweiger Ausmaß und Braunschweiger Alter sind hauptsächlich in Braunschweig selbst zu bewundern. Die Frankfurter Fachwerkhäuser waren scheinbar auch von ungewöhnlicher Größe und Qualität. Dresdener Barock war einmalig. Deswegen sind die Rekonstruktionen ausgerechnet in diesen 4 Städten von weltweiter Geltung.


    Man freut sich sehr aber wenn eine "Ersatz" Altstadt zu finden ist!

    warum machen Städten keinen Anfang mit Rekonstruktionen die Danzig oder Frankfurt und Dresden mit einer herrliche ansehliche Altstadt?

    Ich bin ein begeisterter Befürworter von Rekonstruktionen, und zwar in fast jedem Fall. ABER, man muß auch realistisch sein. Ohne gewiße Voraussetzungen ist großflächige Stadtreparatur unpraktisch. Normalerweise ist Aufwertung durch einzelne Bauten bzw. kleinere Ensembles die einzige Möglichkeit. Man braucht immer zuerst einen Baugrund, und das Projekt muß sich lohnen.


    Dresden war besonders begünstigt weil die ganze nördliche Altstadt 50 Jahrelang unbebaut blieb. Abgesehen von dem Polizeianbau mußte gar nichts abgerissen werden. Der Wiederaufbau hat auch breite Unterstützung gehabt weil Dresden vor dem Krieg den Ruf als schönste deutsche Großstadt hatte. Die Frauenkirche als Mittelpunkt war eines der schönsten Gebäuden der Welt. Da waren ökonomisch wichtigeTouristenströme schon vorprogrammiert. Ich persönlich habe diesen Wiederaufbau 20 Jahre lang jeden Tag von der Ferne gefolgt. Ich betrachte das Resultat als ein Weltwunder, wohl nur mit Danzig vergleichbar. Übrigens bin ich als Tourist seit 1990 schon sechsmal in Dresden gewesen!


    Frankfurt hatte mal auch eine wunderbare Altstadt und Potsdam hat immer noch eine: in den barocken Stadterweiterungen. Beide Städte besitzen bedeutende Großbauten als Höhepunkte: Dom und Nikolaikirche. Deswegen besitzen beide Städte, wie Dresden, touristisches Potenzial. Es "lohnt sich" also, diese Städte aufzuwerten.


    Frankfurt und Potsdam haben Baugrund nur geschaffen indem sie einzelne großflächige Nachkriegsbausünden direkt in den Stadtzentren abgerissen haben. Das Potsdamer Ringen um das Rechenzentrum zeigt wie schwierig solche Abriße sein können. In Duisburg hat man eine große Schulanlage abgerissen um für das Merkatorviertel Platz zu machen (das allerdings nicht gerade als Rekonstruktion gelten kann). Alle diese Abriße betreffen einzelne öffentliche Bauwerke. Soweit ich weiß ist nur das Lübecker Gründerviertel da anders(?)


    Armes Kassel: wo könnte man anfangen abzureissen? Gibt es dort in einer zentralen Lage eine baufällige Riesenbausünde in öffentlicher Hand? Gibt es eine große Brache? (Und, wie die Gegner gleich schreien würden, gibt es nicht gerade in Hessen jede Menge erhaltene echte Fachwerkstädte?) Außerdem sind Fachwerkstädte fast unmöglich wiederaufzubauen, weil die Baukosten besonders hoch sind, und die Häuser nicht für eine moderne Großstadt geeignet sind. Da war Hildesheim allerdings eine Ausnahme: der Marktplatz war von bescheidener Größe, und besass einst "das schönste Holzhaus der Welt", also Tourismuspotenzial!


    Nein, leider müßen wir meistens bei kleineren Projekten bleiben. Diese können aber durchaus erfolgreich sein! Der Braunschweiger Andreasplatz konnte z. B. mit einem einzelnen Meisterwerk, die alte Waage, wunderbar aufgewertet werden. Man denkt auch an die Alte Apotheke in Aschaffenburg oder das Weseler Rathaus. Meine Wunschliste geht ins unendliche: Pellerhausfassade; Topplerhaus in Nürnberg; Pfeilerhaus in Hildesheim; Alte Schule in Wismar; Rathaus in Halle; das Salzhaus; die Nordzeile in Rostock; und als Einzelgänger in einer sonst häßlichen Stadt, das Dortmunder alte Rathaus.


    Meine Frage: gibt es in Kassel ein vergleichlich realisierbares kunsthistorisch wichtiges Projekt?

    Kassel ist ja eine einzige Wiederaufbau Katastrophe.

    Ich kenne Kassel zwar nicht, aber mein Eindruck von der Stadt ist sehr betrübend. Ich frage mich ob Kassel nicht die größte Enttäuschung unter den wiederaufgebauten deutschen Städten ist. Nicht einmal die Martinskirche konnte richtig restauriert werden. Ansonsten fehlt es an bedeutenden Bauwerken, so weit ich weiß. Die einst reizende Fachwerkstadt (zweitgrößte in Hessen?) wurde ausnahmslos vernichtet: d.h., es bleibt kein representatives, hochkarätiges Viertel wie in Halberstadt, Hildesheim, Braunschweig, wo man sehr bedeutende Häuser und verwinkelte Gassen noch bewundern kann. Wichtige mittelalterliche Grossbauten wie in diesen drei Städten hat es in Kassel sowieso nie gegeben, und eine modern wiederaufgebaute Stadt ohne solche Anhaltspunkte muß deswegen enttäuschend sein.


    Freilich gibt es andere Enttäuschungen in Deutschland: aber manche vergleichbare Städte haben einige historischen Sehenswürdigkeiten zu bieten: etwa Mannheim (Schloß und Jesuitenkirche, Museum und Wasserturm, Reste vom Markt); Magdeburg (Dom und Domplatz, eleganter Nachkriegs-Marktplatz mit Blick auf Rathaus und Johanniskirche ); Stuttgart (Schlößer, Oper, Schillerplatz, Schloßplatz); Heilbronn (Katherinenkirche, Rathaus am Markt, Deutschordenskommende); Darmstadt (Schlößer, Rathaus, Theater, Mathildenhöhe); Hannover (Rathaus und Marktkirche, Krämerstrasse, Ballhof, Oper und Rathaus). Kassel besitzt zwar ein Kunstmuseum von Weltrang und eine schöne Parkanlage: sie liegen aber außerhalb des Zentrums.


    Als Tourist kann man nur sagen, arme Stadt!

    Ich war zweimal in Venedig und jedesmal begeistert. Die Touristenmassen konzentrieren sich auf wenige Straßen, sodass man etwas abseits schnell seine relative Ruhe hat. Das gilt auch für die Touristenfallen unter den Restaurants und Cafés.

    Das war auch unsere Erfahrung: die Strecke von der Rialto Brücke bis zum Piazza San Marco ist die allerschlimmste, aber abseits, z. B. im ehemaligen Ghetto, ist es wesentlich besser. Florenz ist eigentlich schwieriger, finde ich, weil die meisten Touristen sich wohl länger in der Stadt aufhalten, und sich alle bemühen sich dieselben Kunststätten zu besuchen. Es stimmt, daß man In beiden Städten sehr aufpassen muß gute Restaurants zu finden.


    Man muß sich auch Zeit lassen um die Städte persönlich zu entdecken. Und natürlich Hochsommer vermeiden.

    Was da in Anklam gemacht wird, zweifellos mit begrenzten Mitteln, ist imponierend. Das ist eine Art von bescheidener Stadtbild Verbesserung wovon man bundesweit lernen könnte. Der Kriegsverlust vom Inventar (und mittelalterlicher Wandmalerei) der Nikolaikirche ist traurig und leider nicht wieder gut zu machen. Daher finde ich es richtig eine museale Nutzung für die Kirche zu finden, und kann nur hoffen dass es den Anklamern dadurch gelingt den Tourismus anzukurbeln. Obwohl ich persönlich eine historische Turmrekonstruktion befürworten würde, könnte ich auch mit einem Ichareumsaufbau leben, wenn es der Stadt und Region hilft...

    Laut einem Bericht von Mitte Mai 2020, gehen die Sanierungsarbeiten am Neuen Schloss in Baden-Baden weiter. Es geht jetzt darum, die Bausubstanz zu erhalten.

    Endlich! Gute Nachricht! Das Schloss ist in 1996 auf den Markt gekommen und seitdem wohl unbenutzt.

    "Zerstörungsgrad" ist sowieso ein komplizierter Begriff, aber nicht ohne Bedeutung wenn man realistisch über Wiederaufbau redet, und verschiedene Städte vergleichen will. Sogar wissenschaftliche Bücher die das Thema behandeln, wie beispielsweise das vierbändige Kriegsschicksale Deutscher Architektur, sind nicht konsequent. Was Ursus beispielsweise von Ulm sagt (75% kann gefühlsmässig nicht stimmen), betrifft u.a. auch Soest (62% ist doch unmöglich!). Um genaue Vergleiche zu haben, müsste man eher wissen, welche Prozente der Hausfassaden in jeder Altstadt wiederaufbaufähig waren. Aber der Begriff "wiederaufbaufähig" ist selbst unklar, und sehr unterschiedlich von Stadt zu Stadt gewesen. Waren Gebäude wie das Salzhaus oder das Essighaus "total" zerstört obwohl die Erdgeschosse erhalten waren?


    Zum Beispiel, in München hat man das Gefühl daß viele Häuser, wenn auch vereinfacht,wiederaufgebaut wurden die in anderen Städten abgerissen wären. So kann man erklären, daß die großen Prunkstrassen (Prinzregenten, Leopold-Ludwig), der Viktualienmarkt, und sogar, auf einer Strassenseite oder der anderen, die Hälfte der Fassaden in der Kaufingerstrasse noch stehen. Wäre so etwas auch in Köln möglich gewesen bei höherer Wertschätzung von der gründerzeitlichen Architektur?


    Wichtig ist auch die Bauart der jeweiligen Altstadt. Fassaden die mit Stein gemauert waren konnten eventuell gerettet werden, wie in München. Von Fachwerkstädten aber, wie Frankfurt und Kassel, war gar nichts übrig, von Hildesheim nur ein einziges (allerdings schönes) Viertel am Rande. In Frankfurt stand nur ein einziges Fachwerkhaus. Die Fachwerkstädten waren besonders hart betroffen. Die hohe Anzahl der erhaltenen Fachwerkhäuser in Ulm ist bemerkenswert, und beweist daß wesentlich mehr als 25% der Häuser noch standen.


    Die Art und Lage der überlebenden Häuser ist auch wichtig. Man liest z. B. von 85% Zerstörung in Mainz und Koblenz: aber die ganze zusammenhängende südliche Altstadt von Mainz, und sogar das gesamte mittelalterliche Zentrum von Koblenz sind noch erlebbar und könnten für sich als schöne Altstädte gelten. Das liegt auch an der Tatsache daß sich die erhaltene Substanz direkt neben dem Dom, bzw. wichtigen Kirchen befindet. Dadurch entsteht eine Ensemblewirkung.


    Das einzige teilweise erhaltene Ensemble in Köln ist leider nicht unmittelbar neben dem Dom. Es ist außerdem sehr klein im Vergleich zum riesigen Ausmaß der Kölner Altstadt, und hat auch deswegen nicht dieselbe Wirkung wie die Viertel in Mainz und Koblenz.

    Mit Dresden ist es ja eine eigene Sache gewesen. Erstens, blieb ein wichtiges Viertel von der Neustadt (heute als "Barock Viertel" bekannt) erhalten: ein gutes Sechstel des historischen Zentrums. Zweitens, blieb eine weltberühmte Gruppe von Monumentalbauten um die Brühlsche Terrasse als wiederaufbaufähige Ruinenlandschaft erhalten: das Herz und Zentrum der Stadt. Drittens, überlebte die zentrumsnahe Friedrichstadt, mit etlichen Barockhäusern, Marcolinipalast, Yenidze, und (ausgebrannter) Matthäuskirche. Letztens darf man nicht vergessen, daß die zwei schönsten Barockstrassen der Stadt, die Rampische, and die Große Meissener, als wiederaufbaufähige Ruinen eigentlich ERHALTEN waren, und erst nach dem Krieg aufgeräumt wurden!


    Insofern war Dresden gar nicht mit Köln vergleichbar. Was in Dresden tragischerweise endgültig verloren ging, und mit Köln doch vergleichbar ist, war die totalzerstörte innenstädtische gründerzeitliche Bebauung rings um die barocke Altstadt. Hier kann man tatsächlich zwei unterschiedliche Wiederaufbauphilosophien vergleichen: (1) In Dresden, totaler Abriss und darauffolgende Reißbrettplanung; (2) in Köln, Ersetzung der alten Gebäuden mit nüchternen und gesichtslosen Neubauten. Alle beide Versuche sind m. E. mißlungen, aber der Kölner Weg scheint mir der urbanere, großstadtgerechtere zu sein.


    Dresdens Zentrum hatte halt das einmalige Glück, unbebaut zu bleiben, bis die Zeit reif war für eine echte Rekonstruierung. Ich weiss noch, als ich Dresden 1990 zum ersten Mal sah, war das ganze Zentrum ein riesiger Parkplatz....Und nun! So eine Chance kommt nie wieder!

    "Nein, Frankfurt/Main ist gewiss nicht meine Favoritin unter den Großstädten Deutschlands (das wären Dresden/Leipzig/München/Hamburg) aber ich würde sie doch auf jeden Fall Köln vorziehen.


    In Köln scheint es (im Gegensatz zu Frankfurt) auch überhaupt kein Bewusstsein über das verlorene städtebauliche Erbe (abseits der restaurierten Kirchen) zu geben. Man fühlt sich wohl, so wie es ist."

    Als Stadtbilder sind die genannten vier auf alle Fälle eindeutig schöner; Bremen und, trotz Bausünden, Nürnberg auch. Aber, wie Heinzer schreibt, war Köln viel schlimmer zerstört als diese sechs. Wenn es um Fassadenerhaltung geht, wäre der Zerstörungsgrad in den Zentren von Leipzig und München als kaum über 40% zu schätzen. Berlin insgesamt war etwa 47% zerstört. Sogar Nürnberg konnte ein einigermassen intaktes Viertel (im Nordwesten) und ein Paar wichtige Ensembles aufweisen (z. B., im Südosten, in Südwesten, und um das Unschlitthaus). In der Kölner Altstadt dagegen, war es 95%, also, gar nicht vergleichbar. Ich möchte es nicht schönreden, aber das sind traurige Tatsachen.


    Über das Kölner Bewusstsein kann ich gar nicht berichten, aber es gibt ein sehr Aufschlussreiches Buch über den Wiederaufbau: Köln damals gestern heute

    von Peter Fuchs, Greven Verlag, 1965, jetzt mit einem Nachwort von Johannes Schilling.

    Vielen Dank, Maecenas, für die schöne Bilder. Obwohl ich kaum im Wismarer Umland unterwegs war, habe ich den Eindruck daß dort die Dorfkirchenlandschaft ungewöhnlich reich ist. Irgendwo habe ich sogar ein Buch darüber....


    Die Farbfassung der Kirche in Rerik ist fantastisch!

    Ich hätte lieber "Kunstinteressierter Tourist" sagen sollen. Ich bin kaum zu übertreffen in meiner Bewunderung für kleinere, guterhaltene Städte (habe neulich in Minden eine ganze Woche verbracht). Aber viele Touristen, vor allem wenn sie auf längerem Urlaub reisen, suchen auch Museen und Kunst um ihre Architekturerfahrungen zu bereichern. Die Museumlandschaft in Köln kann nur mit Berlin und München verglichen werden.


    Das Schnütgen Museum ist einmalig nicht nur weil Köln seine eigene mittelalterliche Malschule hatte, die in Deutschland wohl führend war, sondern auch weil die Kunstwerke in einer romanischen Kirche ausgestellt sind. Ich finde gerade mit mittelalterlicher Kunst daß die Werke besser "sprechen" wenn sie in mittelalterlichen Räumen, vor allem kirchlichen, gezeigt werden.


    Das Museum Ludwig überrascht nicht nur mit seiner sehr umfangreichen Picasso Sammlung, sondern auch mit seiner in Deutschland wohl einmaligen Pop Art Ausstellung. Die Ausstellungssäle sind großzügig angelegt, und bieten herrliche Blicke auf die Domapsis.


    Walraff-Richartz behauptet, die größte Sammlung französischer Impressionisten in ganz Deutschland zu haben, der demnächst ein eigenes Gebäude gewidmet wird. Erstklassige Meisterwerke aus verschiedenen Schulen sind auch zu bewundern, u.a. wichtige Werke von Munch und Rembrandt, und, natürlich, die weltweit bedeutendste Sammlung der Kölner Schule des Mittelalters. Von einigen Räumen hat man einen atemberaubenden Blick auf den Dom.


    Das Römisch-germanische Museum ist, neben dem von Trier, das wichtigste dieser Art in Deutschland. Vom Diözesan-Museum, und vom neuen Museum in der Kolumbakirchenruine kann ich nicht berichten weil ich leider noch nicht drin war. Das Kollwitz Museum, gleich um die Ecke von St. Aposteln, ist sehr sehenswert, behauptet die Weltweit größte Kollwitz Sammlung zu besitzen.


    Zu den romanischen Kirchen kann man nur sagen daß sie in keinem Buch über Architektur Geschichte fehlen.


    Doch, trotz der grausigen Nachkriegsarchitektur, mag ich Köln.

    "Es gibt in der Tat viele schöne Ecken in Mainz. Faszinierend fand ich die Häuser am Markt..."

    Mainz ist fürwahr eine von den deutschen Städten die, trotz Zerstörung, sehr viel, das Wesentliche sogar, von ihrer einstigen Schönheit bewahrt haben. Ähnliches kann man auch von Freiburg, Ulm, Koblenz, Bremen, Aachen, Braunschweig und Halberstadt sagen.


    Allein die südliche, unzerstörte Altstadt kann stellvertretend für die ganze historische Altstadt bestehen. Wenn man am Bahnhof Römisches Theater aussteigt, reicht die Altstadt fast ohne Unterbrechung vom Antiken Schifffahrtmuseum, in dem schön umgebauten industriellen Gebäude, bis zum Marktplatz. Der Weg geht an zwei erstklassigen Barockkirchen vorbei. Gleich in der Nähe liegt die Zitadelle, der Stefansberg mit einer wunderbaren gotischen Kichenanlage (Chagall Fenster!) und der mit Adelspalästen umrahmte Schillerplatz. Übrigens findet man im Ehrenfelser Hof gutes Quartier und eine schmackhafte Sortierung hiesiger Weine, zusammen mit imponierendem Blick auf den benachbarten Dom.


    Nördlich vom Dom ist der Altbaubestand zwar nicht mehr so dicht, aber ein sorgfältig ausgesuchter Weg führt ohne größere Bausünden zu den folgenden wichtigen Bauwerken: alte Universität, Quintinskirche, Josefskapelle, St. Christophruine, Karmeliterkirche, altes Zeughaus, Naturhistorisches Museum, Deutschhaus (Landtag), kurfürstliches Schloss, die bestens restaurierte Peterskirche, und schliesslich das überraschend großartige Landesmuseum (in einer barocken Kaserne).


    Mit seinem weltberühmten Dom und dem Gutenberg Museum, zählt Mainz für mich ohne Zweifel zu den 12 bis 20 allerbesten deutschen Städten überhaupt!

    Wegen seiner dezentralisierten Vergangenheit, hat Deutschland mehr sehenswerte Großstädte (> 450.000 Ew.) als alle andere

    europäische Länder. Unter diesen Städten hat Köln eine einmalige Stelle. Fast alle andere vergleichbare Städte haben viel mehr erhaltene Altbausubstanz, mehr Reiz, mehr Altstadt-Gefühl. Trotz schmerzlichen Verluste, besitzen beispielsweise Leipzig und München, Berlin und Hamburg, Bremen und Nürnberg Ensembles von Weltgeltung und unverwechselbarer Schönheit. Das barocke Zentrum von Dresden ist jetzt Gottseidank auch wieder erlebbar. Und Frankfurt, mit seiner neuen Altstadt, seinen Prunkbauten (z.B., alte Oper), und

    seinem bedeutenden Hochhausprofil hat echtes Weltstadt-Flair.


    Unter diesen Großstädten, hat Köln die längste Geschichte, und war im Mittelalter neben Nürnberg die weitaus Wichtigste. Aber schon vorm Krieg war Köln gründerzeitlich umgebaut, und allein deswegen kein Kandidat für Wiederaufbau. (Ist irgendwo ein gründerzeitliches

    Stadtviertel je wiederaufgebaut worden?) Außerdem mußte unbedingt die einmalige Kirchenlandschaft wiederhergestellt werden, was äußerst kostspielig war, lang gedauert hat, und fantastisch gelungen ist.


    Trotz allem finde ich, daß der Alte Markt und der Heumarkt mit ihren Parzellen-Fassaden etwas von dem Lübecker Gründerviertel

    vorwegnimmt und eine interessante Wiederaufbaulösung darstellt. Und, wie ich immer wieder bemerke, die kleine "Altstadt" am Flussufer, in fast unmittelbarer Nähe zum Dom, bietet doch exzellente Aufenthaltsqualität. Da sind Dom, Wallraf-Richartz, Praetoriumruine, Römisch-germanisches Museum, Museum Ludwig, Groß St. Martin, und Rathaus gleich vorhanden. Kunstliebendes Herz, was willst Du mehr?


    Von hier aus kann man einfach Mut faßen und zu den anderen Kirchen, zum Schnütgen- oder zum Kollwitzmuseum

    spazieren. Der Weg vom Dom zum St. Gereon ist nicht so weit. Und vom Heumarkt zum Maria im Kapitol ist es ja ein Katzensprung.


    Ich könnte mit gutem Gewissen keinem Tourist raten, Köln zu versäumen!