Posts by Citoyen

    Ein wirklich guter Artikel! Ein kleiner Rechenfehler hat sich aber eingeschlichen, der das Revolutionäre bei Schinkel dann doch übertreibt:

    Quote from Die Welt

    183 Jahre vor dem Bauhaus zeigte der preußische Architekt im Alleingang, wie sich zweckrationale und ästhetische Ansprüche in einem neuen Bautyp vereinen lassen.

    Vielleicht kann man den Satz aber in zwei Jahren variieren: Zu seinem hundertjährigen Jubiläum und 183 Jahre nach Schinkel zeigt das Bauhaus (beziehungsweise das, was davon übrig ist), wie sich zweckrationale Ansprüche durchsetzen lassen, ohne auf ästhetische Belange zu achten.

    Die verbaute Zukunft


    Kürzlich hat „Bentele“ in einem Beitrag im Strang zum Berliner Schloss auf einen sehr lesenswerten Artikel von Niklas Maak in der FAZ vom 31. Januar hingewiesen (leider nicht frei verfügbar). Unter der Überschrift „Die verbaute Zukunft“ setzt sich der Autor darin kritisch mit der Frankfurter Baupolitik, aber auch mit dem modernen Städtebau im Allgemeinen auseinander.


    Maak beobachtet in den Frankfurter Neubauvierteln eine Entwicklung, die zunächst paradox erscheint: Die Mieten steigen immer weiter, während die ästhetische Qualität der Bebauung immer mehr abnimmt: „Neubauviertel sehen aus wie Filteranlagen für Menschen.“ Die Bewohner „haben es offenbar als unvermeidliche Entwicklung des Spätkapitalismus hingenommen, in trostlosen Neubauvierteln zu hausen und die Hälfte des Familieneinkommens für eine Wohnung ausgeben zu müssen, die den Charme einer öffentlichen Bedürfnisanstalt mit angeschlossener Schlaf- und Kochgelegenheit hat.“


    Den Grund für diese Entwicklung sieht er in der Auffassung der Stadt als Anlageobjekt für Großinvestoren. Für diese sei eine gestalterische Maßnahme allein als Mittel zur Profitmaximierung interessant. Daher die Lieblosigkeit der neuen sogenannten „Stadtquartiere“: „Viele Fassaden des neuen Europaviertels wirken wie eine Ausstellung für überdimensionierte Abluftgitter, die Foyers und Treppenhäuser von millionenteuren Apartments wie Fluchtwege und Notausgänge - und es ist alles ausverkauft.“


    Die häufige und einfallslose Reaktion der Stadtverordneten: Der Bau weiterer Stadtteile mit strengen Sozialquoten. Freilich leidet auch hier die Ästhetik: „Es sieht aus, als seien Nachkriegsreihenhäuser mit Wärmedämmputz ummantelt worden, davor steht ein Stahlbalkon, der aussieht wie das billigste Kellerregal von Ikea - fertig! Aber es sind keine renovierten Nachkriegsbauten. Es sind Entwürfe des Jahres 2017 - ohne Sockelgeschoss, ohne Läden, ohne Arbeitsmöglichkeiten, ohne Plätze, die den Namen verdienen. Es sind Schlafstädte, ach was, Schlafställe für den bürgerlichen Mittelstand. […] Man würde gern von den Planern und Erbauern dieser Niedrigenergie-Riegel, die auch Niedrigstästhetik-Riegel sind, wissen, ob sie selbst freiwillig auch nur eine Woche in derartigen Trübseligkeiten wohnen möchten.“


    Maak räumt ein, dass das Bauen teurer geworden ist, doch er plädiert dafür, gestalterisch mit diesem Problem umzugehen. Beispielsweise könne man Gebäude mit kleineren, gut geschnittenen Wohnungen entwerfen, die dafür hochwertiger gebaut werden könnten. Man könne Bauland kleinteilig parzellieren und in Bürgerhand geben.


    Die Lokalpolitik müsse vorgeben, was Stadt sei und nach welchen Regeln gebaut werde. Investoren würden sich dann immer noch finden. Nur so könne die europäische Stadt als „Ort für alle“ erhalten bleiben.

    Das sind ja beeindruckende Bilder, nicht nur von Berlin! Da sie aus mehreren Jahren stammen, ganz Europa umfassen und unterschiedliche Kriegsparteien fotorafiert wurden (mit Fokus auf den Deutschen), tippe ich eher auf einen Journalisten. Danke fürs Teilen!
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    Nachtrag: Es handelt sich um eine Sammlung eines Iren, der Farbdias verschiedenster Herkunft aus den 30er/40er-Jahren zusammengetragen und eingescannt hat. Ein schönes Projekt!

    Schlüters Treppenhäuser sind im Grunde Teile der Fassadenarchitektur.
    [...]
    Hier noch eine Literaturempfehlung:
    faz.net/aktuell/feuilleton/bue…d-vermauert-11057371.html

    Danke für Deine klarsichtigen Ausführungen und den Hinweis auf den Artikel! Angesichts des Anspruchs, das Humboldt-Forum als "demokratischen Stadtraum" zu gestalten, böte das Treppenhaus doch den idealen Ort dafür. Hoffentlich wird man dies noch erkennen und aus der politischen Floskel eine Tatsache machen.

    Danke für diesen Beitrag, zeitlos!

    Quote from Pressestelle des Erzbistums

    daß [...] der Neubau nun „in Form und Umfang eher dem Original“ entsprechen soll.

    Das mag schon stimmen; wobei dort vor dem Krieg zwei dreigeschossige Häuser mit deutlich unterschiedlicher Geschoß- und Traufhöhe standen. Dem Flair Alt-Freiburgs, wie man es zeitlos' Postkarte entnehmen kann, wird man mit dem Neubau aber wohl nicht näher kommen. Derzeit wird die Verschalung für den Betonguß des Erdgeschosses aufgebaut. Eine Aussparung für ein großes Schaufenster zeichnet sich dabei ab.
    Trotzdem hoffe ich, daß das Erzbistum nicht einen ebenso faden Neubau hochziehen wird, wie vor kurzem die Kollegen des evangelischen Stifts ein paar Häuser weiter:


    Freiburg, Neubau Herrenstraße 7 Eigene Aufnahme

    Guten Abend. Ich war schon kurz davor, diesen Beitrag im „Degenerierungs-Strang“ zu posten, aber ich will es denen, die ich im Folgenden kritisiere, nicht gleichtun und über andere den Stab brechen.
    Gerade komme ich aus einer Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt Freiburg. Drei Jahre lang hat eine Expertenkommission, vorwiegend besetzt mit Freiburger Historikern und Archivaren, alle Straßennamen der Stadt dahingehend überprüft, ob sie „aus heutiger Sicht“ noch „angemessen“ erscheinen. Nun liegt das Ergebnis vor, das Grundlage von Gemeinderatssitzungen und Bürgerbeteiligungen sein soll. Je nach Bedenklichkeit wurden die Straßennamen in vier Kategorien eingeteilt. Für 12 Straßen empfiehlt die Kommission die Umbenennung. Darunter Alban-Stolz-Straße, Hindenburgstraße und Martin-Heidegger-Weg.
    Diese Namensträger kämen meiner Meinung nach aber noch vergleichsweise gut weg, denn für 15 Benennungen der nächsten Kategorie empfiehlt die Kommission die Belassung der Schilder mit zusätzlichen Erläuterungsschildern. Ein paar Kostproben:

    • Heinrich Hansjakob (1937-1916). Priester und badischer Volksschriftsteller, polemisierte gegen den 'jüdischen Kapitalismus'.
    • Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Begründer der Turnbewegung und völkischer Nationalist.
    • Richard Strauss (1864-1949). Bedeutender Komponist, sozial engagierter Musiker, Förderer der nationalsozialistischen Kulturpolitik.
    • Richard Wagner (1813-1883). Weltberühmter Komponist, 1850 Verfasser des antisemitischen Pamphlets 'Über das Judentum in der Musik'.
    • Ulrich Zasius (1461-1535), Jurist und Humanist. Schöpfer des Freiburger Stadtrechtes mit judenfeindlichen Bestimmungen.

    Umfassende Informationen über historische Figuren sind sicher wichtig. Sie gehören aber in Bücher und allenfalls auf größere Informationstafeln. Auf dem knappen Raum eines Straßenschildes widersprechen solche Formulierungen meiner Meinung nach aber dem Zweck einer Benennung: Der Ehrung der genannten Person. Dass eine Benennung aber genau dies sein soll – eine würdigende Ehrung – darauf hatte der Oberbürgermeister heute Abend hingewiesen.
    Ich jedenfalls würde als geehrte Person, Nachfahre, Mitglied einer Heidegger/Strauss/Wagner…-Gesellschaft auf solch zweifelhafte Ehren lieber verzichten.

    Lieber zeitlos, das dürfte daran liegen, daß er meist schlicht als „Pergamentplan“ bezeichnet wird. Angefertigt wurde er wohl von Melchior August de la Venerie, einem habsburgischen General, zwischen 1706 und 1713. Er zeigt die Stadt nach dem Bau der Vauban‘schen Festung (1679). Viele Gebäude aus dem Spätmittelalter sind darauf aber so deutlich zu sehen wie sonst nirgends.
    Hier ist ein Ausschnitt zu sehen, der die Altstadt zeigt und hier ein spiegelverkehrter(!) Ausschnitt rund um das Münster. Die dort angegebene Jahreszahl 1685 stimmt nicht. Das Original kann man im Museum für Stadtgeschichte im Wentzingerhaus auf dem südlichen Münsterplatz sehen. Es zeigt zusätzlich das Umfeld Freiburgs mit den Festungsanlagen auf dem Schloßberg.
    Eine ähnlich detaillierte Vogelschau bietet nur noch der „Lerchplan“ von 1852. Dafür ist mir aber keine wirklich gute Quelle im Internet bekannt.

    Schon heute erhielt ich eine freundliche Antwort – sogar auf Deutsch – von der Fondation de l’Oeuvre Notre-Dame, also der Münsterbauhütte. Man habe die „Restaurierung (bzw. konservatorische Behandlung) der für das Straßburger Münster wichtigen Inschrift“ bereits geplant und sei sogar im Besitz eines alten Gipsabgusses sowie historischer Schwarzweiß-Fotos. So wird dieses Zeugnis hoch über der Stadt hoffentlich auch künftige Generationen auf den genius loci weisen!


    Und so sah ich denn von der Plattform die schöne Gegend vor mir, in welcher ich eine Zeitlang wohnen und hausen durfte: die ansehnliche Stadt, die weitumherliegenden, mit herrlichen dichten Bäumen besetzten und durchflochtenen Auen, diesen auffallenden Reichtum der Vegetation, der, dem Laufe des Rheins folgend, die Ufer, die Inseln und Werder bezeichnet.
    Johann Wolfgang von Goethe: Dichtung und Wahrheit, Zweiter Teil, 9. Buch

    Starßburger Münster Théophile Schuler: Das Straßburger Münster, 1817


    „Was braucht‘s dir Denkmal!“, schrieb Goethe einst in Erinnerung an Erwin von Steinbach, Meister der Westfassade des Straßburger Münsters. In diesem Sommer machte ich mich selbst auf die Suche nach den Inschriften, die Goethe und seine Gefährten um das Jahr 1770 am Nordturm in Höhe der Plattform hinterlassen hatten. Nur ein Schwarzweißfoto davon hatte ich auftreiben können und einen Hinweis in einem alten Baedeker. Schließlich fand ich die Stelle hinter einem Bauzaun und mußte feststellen, daß dieses „Denkmal im Kleinen“ vom Verschwinden bedroht ist. Johann Caspar Lavaters Unterschrift ist sogar schon zur Hälfte verloren gegangen. Lavater steht hier übrigens mit „F“, Lenz mit "TZ". Es wird wohl nicht jeder der jungen Herren persönlich Hammer und Meißel geführt haben.


    Wie dem auch sei, eine Anfrage bei der Fondation de l’Oeuvre Notre-Dame ist schon raus. Ich hoffe, daß man nicht in ein paar Jahren über Goethes Inschrift sagen muß:
    Als ich auf der Plattform herumwandelte, edler Johann, und den Stein suchte, der mir deuten sollte: „Hier war Goethe“, und ich ihn nicht finden, keiner deiner (einstigen) Landsleute mir ihn zeigen konnte, daß sich meine Verehrung deiner an der heiligen Stätte ergossen hätte, da ward ich tief in die Seele betrübt…



    Straßburger Münster Eigene Aufnahme


    Zitate nach Johann Wolfgang von Goethe: Von Deutscher Baukunst (1772)

    Danke für den Link, zeitlos. Auf der Seite von burgenkunde.at ist allerdings der Merian-Stich von 1640 zu sehen. Die Ansicht von Sickinger gibt es zum Beispiel hier. Einen sehr interessanten Stadtgrundriss enthält der Historische Atlas von Baden-Württemberg. Der Zahlenschlüssel findet sich im Beiwort als PDF. Überhaupt ist der Historische Atlas eine Fundgrube. Hier ist der Link dazu. Sehr hilfreich ist zum Beispiel diese Karte über die Herrschaftsgebiete zur Zeit der Französischen Revolution. Noch detaillierter gibt es die Karte hier. Viel Freude beim Stöbern!

    Ich kann Kardinal und Oktavian nur zustimmen. Bei Rekonstruktionen und Restaurierungen sollte man möglichst auf historistische Neuschöpfungen verzichten. Allein das Bauen nach alten unverwirklichten Plänen scheint mir noch angemessen. Im Wikipedia-Artikel über den Frankfurter Kaiserdom lassen einen die Abschnitte zu den beiden Wiederaufbauten ja geradezu erschaudern. Einzige offtopic-Anmerkung: Folgte nicht auch das gotische Langhaus des Frankfurter Doms dem Hallenschema und war nur niedriger als das neugotische?

    Herr Braunfels hat indes dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) gekündigt:


    „Betroffen ist das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, nach dem Paul-Löbe-Haus das zweite Gebäude, das Braunfels für den Bundestag entworfen hat. […] Für die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses wurden ihm "Räume über die Spree geworfen", die ursprünglich nicht eingeplant waren. So entstehen Kosten - um die Erstattung, das heißt zusätzliche Honorare oder Schadensersatzforderungen, allerdings müssen Architekten bei den zuständigen Behörden betteln. Oder vor Gericht ziehen.“ Insgesamt solle ihm das BBR fast 14 Millionen Euro schulden.


    Die Autorin resümiert: „[…] dass unsere Städte so aussehen, wie sie aussehen, könnte unter anderem auch daran liegen, wie die oberste Baubürokratie mit den Architekten umgeht.“


    Quelle: FAZ vom 10.09.2016.

    Unabhängig von der Erdbebensicherheit: Vergangene Woche war ich unweit des Erdbebengebiets zu Gast in einem Landhaus mit traditioneller Balkendecke und roten Ziegelsteinen sowie Außenmauern aus Naturstein. Zu meiner Überraschung sagte mir der Besitzer, dass das Haus ein Neubau aus den 90er-Jahren sei. Es gebe eine Vorschrift, nach der man angepasst bauen müsse. Ferner sei man verpflichtet, bei einem Neubau außerhalb einer Ortschaft große Ländereien hinzu zu kaufen bzw. über einen langen Zeitraum zu pachten. Damit solle eine Zersiedelung verhindert werden. Beeindruckend, dieser Sinn für das Schöne!

    Da ist das Bild, danke Heimdall:
    http://www.impact-group.de/de/Niederlassungen/Mannheim


    Das sieht natürlich viel besser aus, als das Stahl-Glas-Ungeheuer der 70er, wenngleich der Neubau im hinteren Bereich nur noch wenig mit dem bescheidenen Kutscherhaus gemein hat. Enttäuschend ist auch die Erdgeschosszone des Hauptgebäudes mit großen Schaufenstern anstelle barocker Fenster mit kunstvollen Fensterkörben. Insgesamt aber sicher ein Gewinn für Mannheim, den die Bürgerschaft mit errungen hat.

    Wie sieht denn der hintere Teil des Neubaus in Richtung Kunststraße mit dem barocken Portal aus? Anders als in Beitrag #96 wohl von der Homepage des Architekturbüros zitiert, existierte nicht nur ein "verschwommenes Foto" des Kutscherhauses. Eine kurze Recherche im bildindex ergab z.B. diese Bilder:



    Quelle: bildindex.de, mi07095b09



    Quelle: bildindex.de, mi07095a07


    Hier eine Aufnahme aus dem Mannheimer Morgen mit dem Portal am Bau der 70er Jahre.

    Danke für die Aufklärung, Riegel. Dazu passt auch folgende Darstellung aus "Ernst Hamm: Die bauliche Entwicklung von Freiburg im Breisgau im Mittelalter. In: Denkmalpflege und Heimatschutz, Bd. 27, Sonderheft, 1925, S. 1-10".
    Zum Mittelalter (S. 4):

    Quote

    Die älteren Wohnhäuser waren vermutlich einfache, mit Stroh und Schindeln bedeckte Holzbauten. Der Steinbau scheint sehr früh, wenigstens für das Erdgeschoß und die Giebelmauern, in Freiburg eingesetzt zu haben. Verschiedene Häuser sind bekannt, deren steinerne Giebelwände in die romanische Bauzeit zurückreichen mögen.

    Und schließlich zum Spätmittelalter (S. 9):

    Quote

    Der verputzte Steinbau hatte vielfach den Holzbau verdrängt, das Schindel- oder Strohdach war meist dem Ziegeldach gewichen.

    Durch den teuren Freikauf von den Freiburger Grafen ruhte übrigens nicht nur der Münsterbau für lange Zeit. Erneut Ernst Hamm (ebd., S. 2):

    Quote

    Im 13. Jahrhundert setzte eine dichte Bebauung ein, die um 1300 ihren Höhepunkt erreichte und zu einer teilweise doppelseitigen Wohnhausbebauung der Ost-West-Straßen führte. Im 14. und 15. Jahrhundert stagnierte die Bebauung durch den wirtschaftlichen Niedergang Freiburgs. Im 16. Jahrhundert wurde die Bautätigkeit in der Altstadt wieder lebhafter.

    Fachwerkliebhaber:
    Das ist ja interessant. Meine Annahme, dass es schon am Ende der Zähringerzeit nur noch wenig Fachwerk gab, stützte sich zugegebenermaßen nur auf Führungen und kleinere Quellen. Etwa diese:

    Quote from P. Kalchthaler

    Um 1120 waren diese Parzellen [von 50 x 100 Fuß] mit Holzgebäuden besetzt, die nach und nach kleineren Steinhäusern wichen. Auch die zunächst hölzernen Nebengebäude in den Hofbereichen wurden allmählich in Stein erneuert, lediglich in den ärmeren und marktfernen Stadtquartieren blieben Holzgebäude noch länger üblich.

    Peter Kalchthaler: Kleine Freiburger Stadtgeschichte. Verlag Friedrich Pustet, 2006.


    Mit "ärmeren Stadtquartieren" sind wohl z.B. Gerber-, Fischerau und Insel gemeint.
    Dass in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts Fachwerkhäuser verloren gingen, halte ich auch für plausibel. Man denke allein an die Vauban'sche Festung, der die meisten Vorstädte zum Opfer fielen. Auch in der Gründerzeit dürfte Fachwerk ersetzt worden sein. Man vergleiche dieses Bild mit jenem.
    Auf der Zeitreise würde ich Dich jedenfalls gerne begleiten!

    Außerdem sollte man das Fachwerkhaus gegenüber gleich mit rekonstruieren, damit Freiburg wieder ein Stück weit seinen ursprünglichen Stil zurückbekommt (war im Mittelalter eine reine Fachwerkstadt wie Colmar im Elsass).

    Meines Wissens bestanden die Häuser in Freiburg auch schon im Spätmittelalter aus Brandschutzgründen hauptsächlich aus Bruchstein. Auch beim Haus "Zum Klettenfels" am Münsterplatz war nur das 3. Obergeschoss aus Fachwerk. Die einzigen weiteren mir bekannten Häuser, die bis 1944 eine Fachwerkfassade zur Straße hin zeigten, waren das Haus "Zum großen und kleinen Freiburger" am Bertoldsbrunnen und die erhaltene Alte Münsterbauhütte in der Herrenstraße - kein Vergleich jedenfalls zu Colmar oder gar Straßburg.

    Aber so wie ich die Architekten von Heute kenne, befürchte ich, dass der Neubau noch viel schlimmer wird.

    Der junge Architekt hat in Mannheim einen schönen Neubau für die LBBW errichtet, auch wenn dafür ein wieder aufgebautes Neobarock-Gebäude weichen musste. Ich denke, man darf für das Bauvorhaben in Freiburg positiv gespannt sein. Eine originalgetreue Rekonstruktion des Kaufhauses Kapferer würde ich mir natürlich auch wünschen, so weit wird man aber leider nicht gehen.