Posts by SchortschiBähr

    Ich habe zwar den Potsdammer Platz noch nicht aus eigener Anschauung kennengelernt (was ich hoffe dieses Jahr tun zu können), aber was ich auf den Bildern sehe entlockt mir nicht gerade seelige Begeisterungsstürme. Die Kuppel des Sony-Centers finde ich noch am innovativsten und ungewöhnlich. Ich frage mich, wie ich mich auf dem Platz fühlen würde, wenn diese vielen scharfkantigen Hochhausecken auf mich zielen. Konnte man sich da keine flächigeren, gestalteten Platzfronten überlegen, mußten es diese gigantischen Tortenstücke mit ihren messerscharfen Kanten sein !? :augenrollen::kopfschuetteln:
    Und auf den anderen Seite das krasse, runde Gegenteil, hmmh!?
    (Sind die spitzen Dreieckskanten nicht auch wahnsinnig unpraktisch, was die Raumnutzung angeht!? Aus den Häusern kann man ja garnicht richtig auf den Platz schauen)
    Einfach einfallslos und gefährlich unsensibel. Kann dieser Fassadenlösung echt nichts abgewinnen. Die Fassaden in den abführenden Straßen mögen interessant sein, aber zum Potsdamer hin, nneee.... :?:


    Eine gelungenere Tortenstücklösung finde ich das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, oder die Ecklösung, die im neuen Faden zur Bebauung "Tacheles" zu sehen ist.


    Na ja, mal sehen wie's vor Ort auf mich wirkt!

    @ marc
    Du meinst eine Kopie der alten Carolabrücke!!!
    Utopisch, aber warum nicht phantasieren. Im Faden "Bilder vom alten Dresden" seht ihr auf dem Bild "Dresdens Maler" wie schön die Ingenieurs-Eisenkonstruktion mit üppigem Roll- und Volutenwerk verbrämt war.



    Da war die Trennung von Ingenieursbau, Kunst und ursprünglicher Natürlichkeit noch nicht so groß. Bemerkenswert auch, wie das an Naturvorbildern orientierte Rankenwerk den an sich einen Fremdkörper in der Landschaft darstellenden Brückenbau mit der Landschaft und "dem Natürlichen" verbindet, ja einbettet. Ganz zu schweigen von den eleganten Bogenschwüngen der Brückenelemente.


    Dieses Prinzip, ja diese Haltung (gerne in anderen konkreten Formen) "des sich einfügens" (hat auch mit "sich-einfühlen" zu tun und wohl auch mit Demut) in den Natur-Fluß-Elbekontext, samt seiner kulturell geformten Umgebung geht der geplanten WSB völlig ab. Ob Burger da freie Hand hat? Nein, natürlich nicht! Ist ja nicht erlaubt, zu spielen, Herzgefühl ins Bauwerk hineinfließen zu lassen, der vom Ort des Bauwerks, vom genius loci inspirierten Schaffenslust freien Lauf zu lassen. Wenn`s wenigstens ein Bauwerk werden könnte, das uns alle die Sinne betörend vom Hocker reißt, eine Zier und Krönung, ein Entree zur königlichen Stadt, auf das die Bürger stolz sein könnten...

    Kann mich den vorhergehenden Empfindungen nur anschließen.
    Diese Betonfläche der Feuertreppe tut optisch richtig weh, wie vorm Kopf gestoßen. Seltsam, keine feine Schönheit ohne diese dreiste Beton-Coolness. Doch Feuertreppe wie Treppenhauskubusturm lassen sich auch wieder wegnehmen und haben die Substanz des wirklich einfühlsam ergänzten Schulbaus nicht angegriffen, soweit auf den Fotos erkennbar.


    @ Matthias
    auf der Borsbergstraße bin ich schon als kleiner Junge langgelaufen, in die Läden mit den Eltern, denn um die Ecke in der Krenkelstraße wohnten meine Großeltern, im Haus vom Bäcker Grundmann. Schöner Blick über nur Gründerzeitdächer und schräg rüber zum Großen Garten. Fand ich damals in den frühen 70igern echt toll!

    Quote from "Henry"

    Auf der einen Seite beneide ich die alte Dame auch sehr aber auf der anderen bin ich froh das ich das alte Dresden nicht mehr gesehen habe,den Verlust hätte ich noch schwerer verkraftet als ohnehin schon als Spätgeborener. Ich frage mich wie die Alten das hinbekommen haben. Sicher ist auch ein Großteil Verdrängung dabei.


    Davon kannst du wahrlich ausgehen! Wenn ich an meine verstorbene Mutter denke, die den Schrecken als 14-jährige mit ihrer Familie voll miterlebt und körperlich unverletzt überlebt hat, sagt das noch nichts über die seelischen Verletzungen aus. Das verursacht einen tiefen seelischen Schockzustand, der nur durch Verdrängung überlebt werden kann. Wenn meine Mutter berichtete, was sie erlebt hat, dann stets mit einer großen, inneren Distanz, doch mir schien nicht aus geheilter Integration und Überwindung des Erlebten, sondern als ein rationalisierter, sachlicher Bericht. Wenn ich sie gefragt habe, wie sie sich gefühlt hat, so spürte ich , daß die Gefühle tief verschüttet waren. "Wir hatten Angst " war das äußerste, was sie sagen wollte, aber erfühlbar war ihre Angst nicht, eben eine erinnernde Feststellung. Doch in zahlreichen Albträumen bahnte sich der unverarbeitete Dresdenhorror bis zu ihrem Lebensende drängend einen Weg in ihr Bewußtsein. Aus meiner Kindheit kann ich mich an angstvolles Rufen und Schreien aus dem elterlichen Schlafzimmer erinnern, in schöner, grausamer Regelmäßigkeit. Und auch zuletzt, als sie schon krank war, ich bei meinen Eltern zur Unterstützung weilte, lag ich einmal in der Nacht wach und hörte wieder dieses bekannte angstvolle, verwirrte Reden... .


    Die vielen Millionen Deutsche, die diesen Bombenterror erlebt haben, haben tiefe Wunden in der Kollektivseele der Deutschen eingebrannt. Nur wenige begabte und mutige Therapeuten haben sich in den vergangenen Jahren diesem Thema die Heilung unterstützend gewidmet.


    Hier in Freiburg haben wir 2: Ingo Jahrsetz und Tilmann Moser . Von Jahrsetz gibt es zu diesem Thema einen interessanten Artikel. Werde schauen den digital aufzutreiben und an geeignetem Ort hier zu posten.

    Also ich möchte hier nicht die geschätzte Meinung unserer Schloßexpertin vorwegnehmen, aber mir ist bei dem Gedanken an einen Schutzbau für die Schöne Pforte das nahe Freiberg und sein Dom eingefallen. Dort ist die Goldene Pforte um 1900? mit einem großen Schutzbau in Art einer romanisierenden-jugendstiligen Vorhalle geschützt worden. Freilich ein architektonisch großer Eingriff in das Gesamtensemble Dom, doch eine schöne materialstimmige Weiterführung des ohnehin aus verschiedenen Jahrhunderten überkommenen Domgebildes. Habe mal Bilder rausgesucht, die davon einen Eindruck vermitteln. Die Innenbilder zeigen leider wenig von der Vorhalle.


    http://www.bildindex.de/bilder/MI10693g04b.jpg
    http://www.bildindex.de/bilder/MI10693g06b.jpg
    http://www.bildindex.de/bilder/MI10693e10b.jpg
    http://www.bildindex.de/bilder/MI10693f03b.jpg



    Für das Dresdner Schloß könnte ich mir einen filigranen Glasvorbau vorstellen, der allerdings von einem "Architekten des 19.Jahrhunderts" entworfen werden sollte, mit feinen gußeisernen Säulen und filigraner Glasflächenaufteilung, anknüpfend an die historistischen Erweiterungen des Schlosses. Bloß keinen Fremdkörper ala Kulka. :augenrollen:


    Wäre auch eine Option für den kleinen Schloßhof gewesen, ein filigranes Glasdach ala Gewächshaus 1900 in Höhe des ersten Mauerdrittels, eben dort wo Gesimse eine Dachführung erlauben würden, vielleicht sogar mit Abstand zu den Mauern, oder noch besser ein unterirdischer Eingangsbereich wie im Louvre. Aber bloß nicht dieses aufgeblassene Ballonzelt über den Schloßdächern(da es eh eine statische Tüftelei zu sein scheint, das hinzubekommen, hätte man sich gleich eine bodenständigere Lösung einfallen lassen sollen.). :schockiert:


    Ansonsten fände ich eine Aufstellung der architektonischen tragenden Elemente der Pforte im Original am alten Standort mit Kopien der Reliefs sinnvoll. Die originalen Reliefs könnten dann in einer stimmmigen Präsentation in der Schloßkapelle einen Platz finden.

    Weiter geht's mit der Fortsetzung von:


    "Bilddokument Dresden 1933-1945", Teil 2



    Blick von der Frauenkirche übers Schloß zur Hofkirche




    Ruinenlandschaft, vermutlich vom Kreuzkirchenturm zum Polizeipräsidium Richtung Nordost




    Luther und die Frauenkirche






    Das Haus Dinglingers, Goldschmied August des Starken





    Dresdens Maler
    (Unter der Carola-Brücke)



    An der Ruine der Frauenkirche




    Das Palais der Gräfin Cosel





    Der Altmarkt vom Kreuzkirchenturm aus gesehen





    Die Sophienkirche





    Ende 2.Teil. Fortsetzung folgt, dann mit Rathaus und Schloß.

    Wie ist das beim Kurländer Palais eigentlich mit der Wandisolierung gelöst??? Beim neuen Flügel wirken die Mauern recht dünn dimensioniert. Eine übliche Außendämmung gibt es ja glücklicherweise nicht. Gibt es auf dem Baumaterialienmarkt schon dünnere, folienartige Dämmmaterialien, oder Beimischungen im Putz mit hoher Dämmwirkung!? Wer kennt sich aus und kann was dazu sagen :?:

    @ Armin,
    ach schön, was Du da schreibst! Liebenswürdig, wie Du mit der alten Dresdnerin in Gespräch gekommen bist.
    Wenn es die natürliche Spontanität der Situation nicht beeinflussen würde, wäre es doch wertvoll solche Schilderungen aufzunehmen. Aber auch so ist es wertvoll, daß du original aus dem Erleben der alten Frau was vom alten Dresden hörst. Und der alten Frau tut es sicher gut soviel Interesse von Dir zu spüren, hilft ihr hoffentlich beim Gesunden.
    Denke dabei an meine Mutter, wann immer sie mir vom alten Dresden erzählte, wie mir da die Schauer der Gerührtheit über'n Rücken gelaufen sind. Jetzt ist sie seit dem 1.September nicht mehr unter uns.

    @ Harmonica


    Danke, für das beeindruckende Triptychon, das Du uns da angefertigt hast. Ja, das Dritte hat noch gefehlt: die Wiederauferstehung!!!


    Wäre schön, Du könntest uns noch weitere Bildpaare ergänzen, je nach Deiner Zeit und Lust! :)
    Ich präsentiere demnächst wieder einen Schwung Bilder aus dem "Bilddokument".

    BautzenFan


    Großen Dank und Anerkennung. Schön, statt zum Schloß nun auch über ein größeres Dresdner Stadtgebiet durch Deine differenzierten reich bebilderten Beiträge Einblicke zu erhalten.


    Leider halt ein trauriges Thema. Die Meissner Gasse ist mir erst wieder bewußt geworden, als ich die Fotokarte dazu im Dezember hier präsentierte. Am meisten traurig finde ich die Beseitigung der aufbaufähigen Ruinen fassaden durch deutsche/dresdner Hände... :(
    Was ideologische, fundamentalistische Verblendung doch an Schaden für unsere kulturelle Umwelt verursachen kann... :kopfschuetteln:

    @ wissen.de
    Die Leute, die diesen von Dir angenommenen bewußten Bruch wollen, sehe ich als solche, die das Leben schwerpunktmäßig aus der Kopfperspektive wahrnehmen, will heißen verstandesmäßig erfassen, was unter Abspaltung anderer Wahrnehmungs- und Gefühlsebenen nur möglich ist. Kunst- und Architekturproduktionen dieser Menschen sind dann Kopfgeburten, denen der Bezug zur Natürlichkeit und die Einfügung in das Ganze auffällig fehlen. In der Architektur strahlen sie diese kantige Gefühlskälte aus, es fehlt das weiche, weibliche Element.
    Ein mit allen Sinnen und vor allem mit dem Herzen sehender und fühlender Mensch erfaßt intuitiv die naturgegebene Schönheit in seinen Werken, weil er das Empfinden für Harmonie in sich trägt und es eine Freude ist diese auszudrücken.
    Ich hab' ja schon mal zu diesem Thema einige heftig kritisierte Äußerungen von mir gegeben und lasse das jetzt hier. Ist nicht der Ort. Evt. demnächst im Bereich "Architektur allgemein".
    Sonst setze ich mich wieder in die Nesseln... :augenrollen:


    Gut gesagt :!: Sehr zutreffende Analyse.


    :applaus:


    ... und es kommt auf das WIE in der Ausführung einer Idee an, ob sie als gut oder misslungen empfunden wird (und mit Empfinden meine ich alle Sinne und nicht ausschließlich den intellektuell geprägten Verstand, der in Konzepten denkt und das gut findet, was seinen Konzepten entspricht.)

    Neulich hatte ich beim Einstellen der Mappensammlungen mit historischen Aufnahmen ein Buch mit Bildvergleichen erwähnt. Die Abbildungen des Buches habe ich nun mittlerweile fast alle eingescannt und möchte nun anfangen Euch diese hier im Forum zur Verfügung zu stellen.


    Das Buch besteht hauptsächlich aus Bildvergleichen Dresdner Stadtansichten vor und nach der Zerstörung 1945. Auf Doppelseiten sind je ein Paar direkte Bildvergleiche angeordnet. Zur Auflockerung gibt es auch Abbildungen dazwischen , die sich nicht paarig aufeinander beziehen.


    Das Buch kenne ich seit meinen Kindheitstagen, von Besuchen bei den Großeltern in Dresden. Irgendwann fand es dann Eingang in meinen
    Bücherbestand, sogar gleich in 2 unterschiedlichen Exemplaren. Eines zeigt die insgesamt 53 Aufnahmen plus Vorwort in einem leicht grünlich-bräunlichen Schwarzweiß-Ton, das andere in minderer Druckqualität in einem kräftigen Sepia-Ton. Ich habe die Bilder mit der besseren Druckqualität des ersten Buches eingescannt. Die Bildqualität ist akzeptabel, wenn man bedenkt, daß das Buch 1945 gedruckt wurde.


    Hier die genaueren Angaben:


    Titel:


    Bilddokument Dresden 1933-1945


    Aufnahmen und graphische Gestaltung:
    Kurt Schaarschuch


    herausgegeben vom Rat der Stadt Dresden 1945
    Druckerei der Sächsischen Volkszeitung GmbH


    Bei der Menge der Abbildungen werde ich diese in loser, ungleich großer Folge hier einstellen. Jetzt erstmal Teil 1. Habt Geduld, mag nicht solange am PC mit Modemverbindung sitzen. Dafür dürft ihr Euch auf einige Fortsetzungen freuen. Es sind einige ungewöhnliche und eher kaum gesehene oder völlig unbekannte Motive darunter. Freilich gibt es auch die klassichen Ansichten.


    Und bitte nehmt Euch die Zerstörungsbilder nicht zu sehr zu Herzen, grenzt Euch bitte etwas ab.


    Wie das alte Vorwort aufruft "die Trümmer einer der schönsten Städte der Welt rufen die aufbauwilligen Kräfte zum Neuaufbau" so mögen uns die Bilder in unserem Sinne unser Engagement für die Auferstehung dieser schönen Stadträume erneut bestärken.


    Ich beabsichtige bis zum 13. Februar- je nach Zeit- alle Bilder hier präsentieren zu können!



    Ich habe die Reihenfolge der Bilder, wie im Buche vorgegeben auch hier so belassen! Erst folgt das Vorwort (die Titelseite habe ich mir gespart), dann eine Übersichtsaufnahme vom Schloß/Altstadtbereich, dann geht's mit den Bildvergleichen und Dresdens Wahrzeichen- dem Zwinger- los.


    (Ein kleines graphisches Detail fiel mir noch auf: einige Bildunterschriften sind unterhalb mit einem dicken, fetten schwarzen Balken nachträglich überdruckt worden. Wenn ich das Blatt gegen das Licht halte, sehe ich unter dem schwarzen Balken kyrillische Zeichen durchscheinen, also gab es auch russische Bildunterschrifen...)



    Gute Reise in die Vergangenheit und kommt mir bitte wieder wohlbehalten und vernünftig zurück in die Gegenwart!!! :zwinkern:



    Das Vorwort




    Schloß und Altstadt von der Sophienkirche aus




    Zwinger, Kronentor





    Zwingerhof






    Meissner Glockenspiel





    Am Königsufer






    Frauenkirche und Neumarkt






    Fortsetzung folgt!

    Na klar, Leda und der Schwan!!! Schön, daß antike Mythologie wieder Eingang in den öffentlichen Raum findet. Dank an die Bauherrrin! (Am besten gleich Lob mailen: Werde Horb mal bald besuchen und in das Cafe einkehren.)


    Dann könnten wir hier von klassischer Moderne oder klassizistischer Moderne
    oder ... mit verspieltem Akzent (@ Anna), sprechen!? :zwinkern:
    Was meint ihr? :?:

    Ja, das Beispiel des Ergänzungsbaus der Berliner Auferstehungskirche ist wirklich ein äußerst abschreckendes. Hier wird die Kirchenruine zur bloßen konstrastierenden Kulisse mißbraucht. Ein Glas-Stahlkasten wie er die Unigebäude der 60er/70iger in einer x-beliebigen Großstadt kennzeichnet.
    Kein, klares bewußtes und erkennbares Aufnehmen der gotischen Strebewerks-Vertikalität, oder des Backsteinmaterials, und , und und,... (Und das nennt sich dann noch "Institut für Ökologisches... Bauen" :augenrollen: )


    Wenn allerdings Kirchenbauten, deren Umnutzungsschicksal unwiderruflich feststeht in die Hände dieses Architekten kämen, wäre ich total einverstanden und zufrieden damit: :D


    (ebenfalls "Süddeutsche Zeitung" vom 21.12.2007)