Posts by Bentele

    In all diesen Fällen geht es nicht darum, wer Recht hat oder nicht - sondern welche Mittel man in der Auseinandersetzung wählt.

    Woraus resultieren diese Mittel?


    Niemand von uns kann wohl sozialistische Ziele wie soziale Gerechtigkeit, allgemeinen Wohlstand oder das Ende der Ausbeutung ablehnen. Dagegen sind die Ziele der Nazis und aller Faschisten für jeden vernünftigen Menschen eindeutig zu verwerfen: Rassismus, vor allem als Antisemitismus, Krieg als notwendiges Mittel der Politik, die eigene Nation als die beste und zur Herrschaft berufene, Ablehnung der Demokratie und der Menschenrechte.


    Dennoch gleichen die aus dem Sozialismus und dem Faschismus entstandenen Diktaturen einander sehr.


    Beide Systeme führen unweigerlich zur Diktatur. Beim Faschismus ist das unmittelbar einzusehen. Beim Marxismus angesichts der zunächst durchweg positiven Endziele keineswegs.

    Es ist die besondere Sicht auf den Menschen, die Karl Marx leitet und die dem Marxismus zugrunde liegt: die Menschheit wird als Gruppierungen von Menschenmassen gesehen: strukturiert in Klassen und Zugehörigkeit zu Klassen, deren historischer Werdegang und ihre notwendige Zukunft für Marx erkennbar und absehbar sind.


    Der Mensch als Individuum kommt bei Marx in seiner gesamten Revolutionstheorie nicht vor, damit auch nicht das Recht auf Eigentum oder Glück oder individuelles Streben nach beidem. Das Ziel auf dem Weg zum Sozialismus ist die „Expropriation der Expropriateure“ - die Enteignung der Ausbeuter. Ausbeuter sei jeder, der Produktionsmittel besitzt und sich dafür die Arbeitskraft der Proletarier kaufe. Dabei blickt Marx nicht auf die individuelle Situation weder des Arbeiters noch des Unternehmers. Engels erhebt nun zudem die Theorien von Marx zur ewigen Wahrheit: Wahrheitsbesitz ist aber eine der wichtigsten Grundlagen jeder Diktatur: „Die Partei hat immer Recht“.


    Die Expropriation der Expropriateure gelingt, wie in diesem Strang bereits festgestellt, aber nur in einer Diktatur: der des Proletariats: Dazu braucht es nach Lenin Berufsrevolutionäre, wie er es sagt und verwirklicht - damit aber wird aus Revolution zwangsläufig Diktatur. Jetzt kommen die Systeme des Sozialismus und des Faschismus zur Deckung: Du bist nichts, dein Volk ist alles, formulierten die Nazis und setzten damit das Individuum auf Null: Die Zufriedenheit der Massen ist für jeden Diktator nur interessant für die Machterhaltung.


    Zur Erreichung der sozialistischen Ziele werden individuelle Bedürfnisse nur geduldet, wenn sie dem großen Ziel nicht im Wege stehen. Privatinteressen sind von vornherein suspekt. Um des Zieles Willen wird tief in den Lebensalltag eingegriffen, die Individualrechte staatlich verplant, Intimsphären nicht respektiert; die Staatsgewalt ist im Besitz des Diktators oder der Partei - keine Gewaltenteilung, Pluralismus von Weltanschauungen nicht toleriert, die Menschenrechte werden „zurückgestellt“. Dabei wären sie ja das eigentliche große Ziel: „erkämpft das Menschenrecht!“


    Die Diktatoren des Faschismus und Diktaturen des Sozialismus weisen daher dieselben Merkmale auf - die Rechte des Individuums, die Marx ja nicht in seine Theorien mit einbezieht, werden den Zielen des Sozialismus unterworfen, keine Reisefreiheit, keine Bildungs- und Berufsfreiheit usw. Und wie das bei Diktaturen zwangsläufig kommt, verselbstständigen sie sich weiter: Aus der Diktatur des Proletariats wird die Diktatur der Partei und aus der Diktatur der Partei die Diktatur des Diktators (Stalin, Kim Jong-un ...), Personenkult, keine freien Wahlen, Anwendung von Gewalt, die Liste kann fortgesetzt und weltweit besichtigt werden.

    Als Bauhaus-Geschädigter kann ich nur sagen: scheußlich, scheußlich, diese Ostseite!

    Lieber Elbegeist,


    ich hätte auch lieber die historische Ostfassade. Aber mit Pauschalurteilen soll man vorsichtig sein. Es gibt verblüffende Form-Beziehungen, die Manches erträglicher machen, wenn man sie erkennt. Joachim Schwerdt zeigt im neuen Extrablatt die Klarheit der Ostfassade in dreitausend Jahre altem Zusammenhang:


    Der Tempel der Hadschepsut in Ägypten:


    Irgendwie verblüffend, zwar völlig andere Umgebung und Einbettung, dazu eine Terrassierung. Dennoch scheint hier schon ein ganz ähnlich klares Formgefühl zu herrschen wie bei Stella Jahrtausende später.


    Ich finde bei Stella auch nicht alles gut - aber ich habe vom ersten Tag an gedacht, dass wir mit ihm sehr großes Glück hatten und haben.

    Deswegen noch einmal meine Bitte an die Moderation, diese ganzen themenfremden historischen und politischen Beiträge zu löschen.

    Ist das hier themenfremd?


    Wir arbeiten an der Deutung des leider verlorenen Nationaldenkmals vor dem Berliner Schloss. Ist nicht einer der wesentlichen Werte eines Denkmals, dass es zum Denken anregt und damit zur Diskussion? Solange diese sachlich verläuft, ist sie im Sinne des Denkmals und damit nicht themenfremd. Ich stimme newly zu, wenn die Sachlichkeit und der Bezug zu Fakten verlassen wird, wenn sich Ideologien einmischen und Politik „gemacht“ wird. Ich aber habe mich um Sachlichkeit und historische Fakten bemüht, und andere auch.

    Lieber Seinsheim,

    vielen Dank für diese glänzende Darstellung der geistigen Hintergründe der deutsch-französischen Auseinandersetzungen.


    Ich möchte noch einen politisch-strategischen Hintergrund ergänzen.


    Seit Philipp dem Schönen 1504 herrschten in Spanien die Habsburger. Die spanische Königsfamilie und die Habsburgische Kaiserfamilie hatten ihre Kinder untereinander verheiratet als Ergebnis eines Bündnisses Habsburgs und Spaniens im Italienischen Krieg (1494-1559) um die Vorherrschaft in Oberitalien. Teilnehmende Großmächte waren außer Spanien und Habsburg Frankreich, England, Venedig und einige Päpste.


    1504 wurde der Habsburger Philipp der Schöne König von Spanien. Im Heiligen Römischen Reich herrschte sein Vater Kaiser Maximilian I. Frankreich war zwischen den beiden Großmächten eingekesselt, und beide waren in der Hand einer Familie - gewissermaßen die Urkatastrophe für Frankreich!


    Als Maximilian 1519 starb, bemühte sich Franz I. von Frankreich um die Nachfolge als Kaiser des Heiligen Römisch Reiches, um die Einkreisung Frankreichs zu beenden. Gewählt zum Kaiser wurde aber der Sohn Philipps des Schönen und Enkel Maximilians Kaiser Karl V., in dessen Reich in Europa, Amerika und Asien, wie er sagen konnte, die Sonne nicht unterging. Und eingekreist von diesem größten Reich aller Zeiten war Frankreich!


    Der Schock der Franzosen wurde noch vertieft, als Franz I. von Frankreich in der Schlacht von Pavia 1525 von Karl V. gefangen genommen wurde. Als „Lösegeld“ bezahlte Franz mit Burgund, gewann es aber wieder zurück. Burgund war eigentlich habsburgisches Erbe, da Maximilians erste Frau Maria von Burgund, die Mutter Philipps des Schönen, die Erbin von Burgund war.


    Der Schock lebte weiter. Ziel aller Politik Frankreichs wurde seitdem zunächst die Befreiung von der Umklammerung und dann als Vorsorge die Schwächung Deutschlands, sei es als Heiliges Römisches Reich, als Reich der Hohenzollern oder als Drittes Reich.


    Das erklärt die französische Politik, entschuldigt sie aber nur zum Teil, an die Stelle des Ziels einer strategisch günstigen Lage trat seit Ludwig XIV. rücksichtsloser Hegemonie-Anspruch.


    Heute sind beide Mächte aufeinander angewiesen: Adenauer und de Gaulle haben Großartiges geleistet. Ich war damals im Hof des Ludwigsburger Schlosses dabei, als de Gaulle ein Hoch auf die große deutsche Nation ausbrachte - ein weltpolitisch bis dahin unvorstellbares Ereignis.

    Erstmals die Westfassade ohne Gerüst!


    Ein stolzer Anblick!


    Und so würde das „Schloss“ ohne Spender aussehen


    Oder so:

    Alles gewissermaßen Bau minus Spender!


    Daran ermisst sich nicht nur bildlich, welches gewaltige Geschenk eine riesenhafte Gemeinschaft kunst- und kulturbewusster Menschen der Stadt Berlin, Deutschland, ja, man darf sagen der Welt gemacht hat.


    Den Geber ehrt man in aller Welt, indem man sein kostbares Geschenk ehrt: es schätzt, sorgsam verwahrt und pflegt oder es in schönster Umgebung präsentiert. Man nennt das Dankbarkeit!


    Von alledem ist beim Berliner Senat leider nichts zu merken.

    Das ehemalige Nationaldenkmal hielt sehr wohl politische Informationen bereit:


    Der Kaiser lenkte als Reiter sein Pferd nicht selbst! Es wurde von einer Frauenallegorie geführt, die ein Palmenblatt in der Hand hielt - meist als Symbol des Friedens zu deuten: Der Kaiser lässt sich vom Frieden führen.


    Dem entsprachen zwei Bronze-Tafeln: Auf der einen war der personifizierte Krieg mit seinen schrecklichen Opfern zu sehen, auf der anderen der personifizierte Friede mit der glücklichen Welt, die er erschafft. Die klare Botschaft war Abschreckung vom Krieg!


    Die Insignien des Reichs wie die Krone lagen für jedermann zugänglich auf den Stufen. Die Schöpfer des Denkmals hatten in ihrer Vorstellung eine Staatsgewalt zum Anfassen. Dem entsprach die Verfassung im wesentlichsten noch nicht. Das Denkmal propagierte also eine Zukunftsvorstellung.


    Selbstverständlich gab es auch Waffen und Löwen: Das Reich des Friedens, das hier vorgestellt wurde, konnte und sollte verteidigt werden, ebenso wie unsere wehrhafte Demokratie.


    Es stimmt, dass Kaiser WII von diesem Denkmal nicht durchweg begeistert war.


    Insgesamt zeichnete sich das deutsche Nationaldenkmal durch seine Symbole des Friedens aus, im Gegensatz zu dem durchweg kriegerischen Denkmal von Frankreich, dem Arc de Triomphe.


    Vom Berliner Denkmal stammte die Darstellung auf dem alten Fünfzigpfennigstück, eine Eiche pflanzende Mutter mit Kind.

    Zur Farbigkeit des Fachwerks muss man einige Dinge unterscheiden:


    Die Zeit der Fassung - man findet auf dem Gebälk oft mehrere verschiedene Farbschichten, die Mode wechselte.


    Die Landschaft oder Region, in der das Fachwerk errichtet und mit Farbe versehen worden ist. Hier haben wir konstruktive und ornamentale Unterschiede als Grundlage der Farbigkeit.


    Unterscheiden müssen wir die Farben auf den Hölzern von denen in den Gefachen.


    Zudem müssen wir Außen- und Innenbemalung unterscheiden.


    Dies alles umfassend allein für Deutschland darzustellen, ergäbe ein umfangreiches Werk. Ich gebe hier also nur einen ganz kurzen und sehr groben Überblick.


    Zunächst Süddeutschland:


    Bis auf Beilarbeiten an Knaggen und sonstigen meist sehr einfachen geschnitzten Verzierungen ist das Gebälk meist in einheitlicher Farbe bemalt. Die Pigmente waren sehr oft Ockererden, das ergibt die Farben rot oder gelb. Rot wird oft als Ochsenblut bezeichnet. Aber Blut als Anstrich würde rasch schwarz werden, möglicherweise wurde Plasma von Tierblut als Konservierungsanstrich benützt. Dazu kommt die Farbe grau, die seit dem späten 16. Jhdt. modisch auftritt; es handelt sich um eine Mischung aus Kalk und Kohle. An Bauernhäusern oder Scheunen wurde bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg oft gekälkt, das ergibt eine weißliche Farbe, die sich vom Kalkanstrich der Gefache kaum abhob.



    Die Farben ockergelb, (ocker)rot und grau sind in Süddeutschland die beherrschenden Fachwerkfarben. Hier in der Schieringerstraße in Bietigheim. Die braune Farbe wurde seit dem 19. Jhdt. meist über die Vorgängerschichten drüber gemalt und ist eigentlich ahistorisch


    Seit den Siebzigerjahren sucht man bei der Restaurierung von Fachwerk in der Regel nach der Farbe, die das Holz zur Zeit der Errichtung des Hauses trug.


    Farben an einem Haus in Dürrmenz, Stadtteil von Mühlacker


    Schnitzarbeiten an Häusern in Süddeutschland heben sich farblich vom Gebälk grundsätzlich ab. Spiralstäbe an Eckpfosten oder an Knaggen oder Giebelverzierungen, aber meist in schlichten Formen und Farben.


    Eckständer am Gasthaus zur Peif in Idstein in Hessen


    Je weiter wir nach Norden kommen, desto farbenfreudiger werden die immer reicheren Ornamente gefasst.


    Im norddeutschen Fachwerk haben wir oft die Palmette als Hauptornament, es erschließt sich eine eigene und sehr faszinierende Welt, wenn man den farbigen Fachwerkbau im Norden, in Einbeck, Lemgo, Hameln oder Celle eingehend betrachtet.


    Hier die Tidexerstraße in Einbeck


    Oder die letzte erhaltene Fachwerkzeile von Hildesheim


    Hier sind die Gefache mit geschnitzten Bildwerken gefüllt. Noch weiter im Norden werden oft ornamentale Setzungen von Backsteinen zur Ausfüllung von Gefachen verwendet.


    Ein Höhepunkt der Farbigkeit am Knochenhauer Amtshaus in Hildesheim (Rekonstruktion)


    Im Süden sind es oft nur schlichte farbige, meist aber nur schwarze, rote, gelbe oder graue Begleitlinien innerhalb der Gefache. Füllungen mit gemalten Ornamenten innerhalb der Begleitlinien sind selten, aber doch immer wieder zu finden.


    Hier die Fachwerk-Innenbemalung des Hornmoldhauses erbaut 1536 in Bietigheim, die Bemalung hier um 1575


    Es handelt sich im Innenbereich um Kalk-Kasein-Farben. Die Grundlage der Farben bei der Außenbemalung dürften ähnlich gewesen sein. Vielleicht weiß jemand mehr zur Zusammensetzung der Farben im Außenbereich.

    Also stimmst du mir zu, dass diese Häuser früher eher nicht so aussahen?


    Bestimmt sahen die Häuser im Elsass früher so nicht aus! Colmar und Straßburg und viele andere Orte des Elsass kenne ich recht gut. Da gibt es diese schreiende Farbigkeit nicht. Ich nehme an, dass die angebotenen Links meist zu kolorierten Postkartenbildern gehen - hier wird Touristenwerbung betrieben! Man findet diese knallbunten Fachwerkhäuser in solcher Werbung oft. Wobei zu beachten ist, dass die Farbigkeit nie vom Gebälk ausgeht, sondern vom Verputz der Häuser, vor allem der Häuser ohne Fachwerk, die auf solchen buntfarbigen Bildern großflächig den Ton angeben.


    Allerdings muss man vorsichtig sein: Im 19. Jhdt. kamen vor allem an Bauerhäusern die neuerfundenen billigen Anilinfarben mit allerlei grünen, blauen, rosa, gelben, türkisen und anderen Hausanstrichen in Mode. An diesen grellbunten Farben orientieren sich diese Werbeansichten von bunten Straßen, die es möglicherweise aber in manchen Gegenden, wenn auch nicht so ganz grell tatsächlich in größerem Ausmaße aus der Zeit des 19. Jhdt. gegeben hat. Ja, manchmal werden in Süddeutschland immer wieder gerade in Dörfern heute frisch restaurierte Häuser wieder so gestrichen und stechen dann aus der Farbgebung der umgebenden Häuser oft recht unangenehm heraus, sind aber als Mode des 19. Jhdt. durchaus als historisch gegeben zu nehmen und stehen für diese Zeit: Die Anilinfarben konnte sich jeder leisten und sie befriedigten das Bedürfnis nach Farbigkeit, zudem durften sie als fortschrittlich gesehen werden.


    Dass sich nun das Elsass hier besonders hervorgetan hat, glaube ich nicht. Die Anilinfarben sind auch eher in ländlichen Gebieten verbreitet gewesen, nicht in den herrlichen Fachwerkstädten des Elsass.


    In Deutschland und damit auch in der deutschen Zeit des Elsass wurde im 19. Jhdt. die Farbe Braun typisch für den Anstrich des Fachwerk-Gebälks. Das ist heute gerade in Straßburg und Colmar noch gut zu erkennen. Das französische Fachwerk in Städten wie Rouen oder Dijon war meist schwarz gefasst.


    Die Farbe Braun ist im Fachwerk keine historisch getreue Farbe. Dazu und zur historischen Farbigkeit des Fachwerks in Deutschland, die regional und zeitlich sehr große Unterschiede aufweist, nächstens mehr.

    Das macht einen halt noch wütender, wenn man zugleich weiß, dass es in Nürnberg in den ersten Nachkriegsjahren auch durchaus Bestrebungen zu einer echten Rekonstruktion der Altstadt gab.

    Ich habe das Folgende schon einmal in einem Nürnberger Strang gefragt.


    Ich meine mich zu erinnern, dass ich wohl in den Fünfzigern mit großem Interesse in der Zeitung zeitnah gelesen habe, dass im Nürnberger Rat drei Vorschläge zum Aufbau der Altstadt vorgelegt worden seien:


    Eine autogerechte Stadt bei völlig neuer Verkehrsführung unter gänzlichem Verzicht auf alle historischen Grundrisse. Dies wäre der Tod der Altstadt gewesen, wurde in dem Bericht kommentiert, ich sehe das heute noch vor mir.


    Nach dem zweiten Vorschlag sollte auf den alten Grundrissen die gesamte Altstadt rekonstruiert werden, Haus für Haus.


    Der dritte Vorschlag: Wiederaufbau unter Erhaltung der noch vorhandenen Bausubstanz, Wiederaufbau oder Rekonstruktion wichtiger historischer Höhepunkte wie des Rathauses, der Burg und der Kirchen, ansonsten weitgehende Bebauung mit Wohnhäusern auf den alten Straßen-Grundrissen, die mit Satteldächern an die zerstörte Bebauung und ihre Dachlandschaft erinnerten.


    Ich meine mich zu erinnern, dass der erste Vorschlag mit großer Mehrheit abgelehnt worden ist, die Entscheidung aber dann mit nur einer oder zwei Stimmen Mehrheit zugunsten des dritten gefallen sei.


    Das liegt wohl etwa sechzig oder siebzig Jahre zurück. Darüber müsste in den Nürnberger Archiven ja etwas zu finden sein. Weiß jemand etwas?


    Kaum auszumalen, was die Annahme des zweiten Vorschlags für den Wiederaufbau in Deutschland generell bedeutet hätte. Ganz abgesehen davon, dass uns die Altstadt von Nürnberg wiedergeschenkt worden wäre wie die in Danzig oder Breslau.


    Zur Bewertung der heutigen Altstadt: Es hätte schlimmer kommen können. Die positive Beurteilung vieler, darunter auch von mir, hängt vielleicht damit zusammen, dass es grandiose Durchblicke zur Burg oder anderen markanten Punkten gibt, die durchaus noch den Eindruck der Stadt vor der Zerstörung erwecken können. Ich war einmal zu Gast in einer hochgelegenen Wohnung in der Nähe der Katharinenkirchen-Ruine, aber oberhalb - der Ausblick war so unglaublich grandios, dass ich mich kaum lösen konnte. Auch der Blick vom Vorplatz der Lorenzkirche zur Burg lässt mir jedesmal das Herz höher schlagen. Dazu kommen Plätze wie der Unschlittplatz oder Inseln wie unter der Burg, Partien an der Pegnitz, die Befestigung usw,


    Dennoch, ihr habt alle recht: Es gibt in Nürnberg noch sehr viel zu tun. Das Pellerhaus und das Toplerhaus wären zwei Highlights, nach denen sich jede Stadt der Welt die Finger lecken könnte. Und das wäre erst ein Anfang.


    Ich wäre heilfroh, wenn endlich wenigstens das Pellerhaus vollendet würde.


    Dennoch - ich liebe diese Stadt!

    Das kommt nicht von ungefaehr. Die Stadt hat schon im Mittelalter das aufwaendige Gestalten von Privathaeusern untersagt.

    Es gab Faelle, wo Eigentuemer von 500 Jahren schon Strafe zahlen oder die Pracht zurueckbauen mussten. Die Handwerker wurden ebenfalls bestraft. So soll es um das verhindern von Neid gegangen sein.

    Nürnberg war die Stadt der Innenhöfe! Da Prachtentfaltung nach außen, wie Bohnenstange richtig schreibt, verboten war, entfalteten die es sich leisten konnten die Pracht in den wundervollen Innenhöfen. Sie sind nach meinem Empfinden der größte Verlust. Die Welt der Innenhöfe muss einmalig schön gewesen sein. Der schönste für mich war Radbrunnengasse 8


    Da die Außenfassaden aber keineswegs ärmlich oder billig waren - Schmuck durch Erker und Chörlein war erlaubt und dazu die wirkungsvollen Speicherdächer mit ihren vielen Gauben die Fassaden abrundeten, entstand dieses kostbare Straßenbild, das an Harmonie von kaum einer weiteren Stadt in Deutschland erreicht wurde. Heute nur noch in der Weißgerbergasse und in einigen Resten nachvollziehbar. Pellerhaus und Toplerhaus wären unglaubliche Abrundungen.


    Dennoch hat der schlichte Wiederaufbau im Zusammenklang mit den kostbaren wiederaufgebauten oder rekonstruierten Wunderbauten für mich einen großen Reiz,


    Und die Kirchen sind jedesmal ein Erlebnis.

    Die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg geschah nicht durch Tilly und Pappenheim.


    Die kaiserlichen Truppen mussten größtes Interesse daran haben, die Stadt unversehrt zu besetzen - die Zerstörung war für die Truppen ein großes Unglück: Sie brauchten Quartiere. Löschversuche der kaiserlichen Truppen auf Befehl Tillys sind nachgewiesen, die Flammen breiteten sich in der zumeist aus Holz gebauten Stadt aber unaufhaltsam aus.


    Wer den Brand verursacht hat, ist letztlich nicht eindeutig zu klären. Es gibt Hinweise auf schwedische Abwehrmaßnahmen - es gab schwedische Befehlshaber in der noch unbesetzten Stadt - die zu einer Brandstrategie führen konnten. Nachweisbar ist das nicht.


    Möglicherweise ist der Brand einfach als Folge des zügellosen Plünderns zu betrachten. Da die Stadt nicht per Akkord, sondern militärisch durch Erstürmung eingenommen worden war, durfte sie nach damaligem Kriegsrecht auf eine befristete Zeit geplündert werden. Jeder Soldat nahm, so viel er kriegen konnte, er verschaffte sich die Beute auch mit zügelloser Gewalt.


    Die Todesrate durch Plünderung und Feuer wird auf über zwanzigtausend Opfer gerechnet.


    Der damals in Schwang gekommene Begriff vom Magdeburgisieren wurde als Drohung und Schuldzuweisung von beiden Seiten gebraucht und hat das Gerücht verstärkt, die Kaiserlichen unter Tilly hätten die Stadt angesteckt.

    Das Staatsratsgebäude versperrt durch die Überbauung der Brüderstraße die Verbindung zwischen dem Schloss und dem alten Zentrum von Cölln. Es zerstört damit die historische Einheit von Cölln. Eine städtebauliche Todsünde. Freilich, als das Staatsratsgebäude errichtet wurde, war das Schloss bereits Geschichte - auch vom alten Kern Cöllns war nicht mehr viel übrig geblieben.


    Mit der Sperrung der Brüderstraße ist auch die Verbindung zum nahegelegenen Nicolaihaus unterbrochen, Standort einer der Barrikaden der Revolution am 18. März 1848. Das Nicolaihaus war ein Zentrum der Berliner und der deutschen Aufklärung und wäre somit eine wunderbare Ergänzung des Humboldt Forums.


    Die Beseitigung des Staatsratsgebäudes ist also wünschenswert!


    Dennoch sollten wir seinen Abriss nicht fordern: Es ist als ehemaliges Zentrum der Macht in der DDR auch ein Denkmal der deutschen Teilung und insgesamt der deutschen Geschichte. Auch pragmatische Gründe verbieten eine solche Forderung: Man soll in der Politik nichts fordern, was unerreichbar ist, sofern nicht Menschenrechte verletzt werden - und das geschieht hier nicht. Zudem gehört es nach meiner Ansicht zu den besseren Bauwerken der DDR. Nicht nur durch die Übernahme des Portals IV wurde die Erinnerung an das Schloss aufrechterhalten.

    Zu den herrlichen Sitznischenportalen:


    Ich bekomme das Bild einfach nicht aufrecht. Vielleicht schafft es ja einer der Moderatoren.


    Diese Sitznische um 1625 bildet die Nordostecke des Hornmoldhauses in Bietigheim in Baden-Württemberg und ist als einzelne Nische nicht Teil eines Sitznischenportales wie alle Sitznischen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, die ich bis jetzt gefunden habe.


    Kennt jemand weitere einzelne Sitznischen? Weiß jemand weitere Sitznischen in Süd- und Südwestdeutschland? Von welchen im Taubertal weiß ich nichts - wäre überaus interessant.


    Ich bin immer davon ausgegangen, dass hier Einfluss aus Wittenberg vorliegt, da Samuel Hornmold, einer der Söhne des Erbauers des Hornmoldhauses, Hausgenosse von Philipp Melanchthon in Wittenberg war und im Osten diese Zierform kennengelernt haben muss.


    Ich habe diese Einzelnische immer nur als Zierde, nicht als Sitzgelegenheit betrachtet, dazu ist sie auch nicht geeignet. Früher wurde sie als Teil eines Prangers gesehen, was die Aussagen des Stadtarchivs völlig klar widerlegen.

    Das Ahnenbild


    Alter Vater! Du blickst immer, wie ehmals, noch,
    Da du gerne gelebt unter den Sterblichen,
    Aber ruhiger nur, und
    Wie die Seligen, heiterer


    In die Wohnung, wo dich, Vater! das Söhnlein nennt,
    Wo es lächelnd vor dir spielt und den Mutwill übt,
    Wie die Lämmer im Feld, auf
    Grünem Teppiche, den zur Lust


    Ihm die Mutter gegönnt. Ferne sich haltend, sieht
    Ihm die Liebende zu, wundert der Sprache sich
    Und des jungen Verstandes
    Und des blühenden Auges schon.


    Vor wenigen Tagen wurde in Lauffen das Hölderlinhaus eröffnet. Ich war gestern dort und möchte den Strang mit dieser wohl allerfrühesten Wohnstatt des Dichters abschließen, nachdem wir ihn bis zum Grab begleitet haben.


    Zuvor möchte ich das neugeschenkte Haus aber noch einbetten in die Umgebung und die Familie, so weit noch weiterer Bezug in Form eines Gebäudes besteht. Es ist das Pfarrhaus in Löchgau, zu dem der Dichter offenbar ein ganz besonderes Verhältnis hatte: Er empfahl es der Mutter als Witwensitz.


    Löchgau ist ein Dorf, etwa zwei Gehstunden von Lauffen entfernt, oberhalb der malerischen Stadt Besigheim gelegen, an deren nördlichem Rand die Enz in den Neckar mündet. Löchgau liegt inmitten einer fruchtbaren Lößlandschaft zu Fuß der ausgedehnten Laubwälder des Strombergs, in denen man wunderbar wandern kann.


    Wenige Kilometer sind es bis Cleebronn, wo der Großvater mütterlicherseits Johann Andreas Heyn Pfarrer war, und nach Frauenzimmern, dem Geburtsort der Mutter. Die Mutter hatte eine Schwester Maria Frederike, Hölderlins Tante. die 1775 Johann Ludwig Majer heiratete, der bis 1817 Pfarrer in Löchgau war.


    Das Pfarrhaus in Löchgau, das Hölderlin mehrfach besuchte.


    Hölderlins Cousin, oder wie man auf schwäbisch sagt, sein Vetter, Johann Friedrich Majer reiste mit dem Dichter Weihnachten 1795 von Löchgau nach Frankfurt und weiter nach Jena, wo Hölderlin dem sechs Jahre jüngeren Hilfe für sein Weiterkommen vermittelt hatte. Schon im November 1793 lässt sich ein Aufenthalt des Dreiundzwanzigjährigen in Löchgau nachweisen.


    Über die Familie seiner Mutter geborene Heyn ist Hölderlin verbunden mit den Nachkommen von Regina Bardili, die, wie im Strang Hornmoldhaus dargestellt, durch die „Folgen“ des von Sebastian Hornmold mit eingeführten Landexamens zur „Urmutter“ der schwäbischen Geistesgrößen geworden ist. Wir erinnern uns:

    Wilhelm Hauff, Friedrich Hegel, Friedrich Hölderlin, Friedrich Schelling, Ludwig Uhland, Justinus Kerner, Eduard Mörike, Hermann Hesse, Dietrich Bonhoeffer, Max Planck, Carl Friedrich von Weizsäcker, Richard von Weizsäcker und noch viele, viele andere Große waren alle miteinander verwandt. Auch die Mutter Goethes lässt sich hier einbinden. Schiller nicht.


    Zum neueröffneten Hölderlinhaus in Lauffen. Wenn auch sehr viel dafür spricht, dass es sich um das Geburtshaus des Dichters handelt, so fehlt doch der sichere Beweis, daher ist das Haus korrekt benannt:

    Das Hölderlinhaus und darin das Hölderlinmuseum, derzeit noch ein wenig Baustelle



    Das Museum ist wohltuend zurückhaltend und sehr informativ und bietet vor allem vielfältige Möglichkeiten und Anreize, sich dem großen Dichter, der hier als Zwei- bis Vierjähriger wohnte, auf anrührende und anregende Weise zu nähern. Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen.


    Wir aber sind hier in einem Architekturforum und blicken auf das Gebäude.


    Das Haus, 1750 vom Großvater des Dichters erbaut, ist in seiner Grundgestalt kaum verändert auf uns gekommen. Wir schreiten hier bildlich durch seine Räume und dürfen in jedem Winkel den noch ganz kleinen Friedrich entdecken, der übrigens bei seiner Liebe zu allen Tieren eine besondere Vorliebe für Eichhörnchen hatte.


    Die ehemalige Durchfahrt zur Scheune:


    Ein riesiger Keller hat dem empfindsamen Jungen vielleicht Angst gemacht

    Die Gitterplatte unten rechts deckt einen Ziehbrunnen.

    Wir sind im Neckarland - Weinbau, eine Quelle des Wohlstands der Familie.


    Die originalen Stiegen


    Zum zweiten Geschoss

    Eine wunderschöne Holzspindeltreppe, den Handlauf hat die Hand des Kleinen gespürt.


    Türe mit Katzenloch, für kleine Buben immer interessant


    Bürgerliche Stuckdecke


    Die anderen Räume, sicher noch im originalen Zuschnitt, einer noch mit Stuckprofilen an der Decke, sind alle Teil des Museums, aber für Fotos nicht spektakulär. Originalmöbel und sonstige Einrichtungen der Zeit werden keine gezeigt: Ziel ist nicht der Lebensstil der Zeit des Dichters, sondern eine Einführung in sein Schaffen und Leben.


    Verwinkelte Dachaufgänge, Gebälk, in Schlaufen hängende alte Stangen zum Trocknen von Kräutern und Säcken, ein richtiger Teppichklopfer, wie es ihn zur Zeit des Dichters zu dessen Glück aber noch nicht gegeben hat - in den Vierzigern des letzten Jahrhunderts wurde ich mit so etwas noch „erzogen“.


    Die Hofseite

    Nett ist die kleine Holzgalerie. Ob sie wohl schon immer zum heimlichen Ort führte?


    An der Stelle der abgegangenen Scheune entsteht ein Veranstaltungsraum, leider viel Beton




    Die du liebend erzogst, siehe sie grünen dir,
    Deine Bäume, wie sonst, breiten ums Haus den Arm
    Voll von dankenden Gaben;
    Sicher stehen die Stämme schon;


    Und am Hügel hinab, wo du den sonnigen
    Boden ihnen gebaut, neigen und schwingen sich
    Deine freudigen Reben,
    Trunken, purpurner Trauben voll.

    Der Jugendstil hat sich auch am Japanischen orientiert, wie so Vieles in der europäischen Kunst. Hier einige deutlich auf den noch in weiter Ferne liegenden Jugendstil hinweisende Holzschnitte von Tachibana Morikuni, entstanden etwa 1720, man könnte das beliebig erweitern.



    Das Schloss steht zum ersten Mal ganz ohne Kran!


    Hoffentlich fällt jetzt auch bald das letzte Gerüst, damit es seine Schönheit frei in die Mitte Berlins erheben kann. Wenn seine Stimme auch mit dem Verschwinden der Bauhütten immer klarer wird, hoffe ich auch auf ein Umdenken mancher Gegner.

    Vielen Dank für das viele Lob.


    Es war für mich die reine Freude, den Strang zu schreiben und zu gestalten.


    Wer sich noch weiter interessiert, dem empfehle ich die Biographie:


    Rüdiger Safranski: Hölderlin Komm! ins Offene, Freund!


    Ich habe daraus und aus der Erinnerung an die Vorlesungen von Friedrich Beißner seinerzeit in Tübingen die meisten Fakten und manche Interpretationen geschöpft.