Berlin hat seine städtebauliche Mitte wieder, Berlin hat sein bedeutendstes Kunstdenkmal wieder, Berlin dokumentiert wieder, was es jahrhundertelang war: Residenzstadt.
Aber das nun fertige Berliner Schloss fand bisher in den lautesten öffentlichen Darstellungen nur wenig Anerkennung. Da erscheint gerade im fünfundsiebzigsten Jahr seiner Vernichtung ein geistig fast monumental zu nennendes Werk:
Peter Stephan
Friedrich I. Die Erfindung Preußens. Verlag C.H. Beck München
Eigentlich eine Biografie des Erbauers des Berliner Schlosses Friedrich I. König in Preußen, vor 1701 Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg. Aber es ist nicht die bloße Darstellung des Lebens dieses Königs. Es ist der Nachweis seiner starken Persönlichkeit im uns nun wieder zugänglichen Geist seiner Bauten - ein ungewöhnliches Verfahren! Gleichzeitig Ist es damit auch eine große Darstellung von Andreas Schlüter, dem prägenden Baumeister des Schlosses. Und dahinter anderer Größen, welche den Geist der Zeit Friedrichs prägten, vor allem Gottfried Wilhelm Leibniz, das große Universalgenie seiner Zeit.
Es ist zuerst Schlüters Denkmal des Großen Kurfürsten, das Stephan bespricht - des Vaters dieses ersten Königs in Preußen. Es steht heute vor dem Charlottenburger Schloss, müsste aber nach der Fertigstellung des Schlosses auf die Lange Brücke beim Schloss zurückkehren, für die es geschaffen worden ist. Stephan zeigt unter Anderem das Pathos des Denkmals als gleichzeitigen Fürstenspiegel, ganz im Sinne von Leibniz: Nur der kann herrschen, der sich selbst beherrscht.
Schlüters Sterbende Krieger im Zeughaus zeigen in ihrem Leiden das Suum Cuique, Jedem das Seine: Es war für Cicero und Leibniz die Definition der Gerechtigkeit an sich. Für Friedrich I. ist es Leitspruch seines Schwarzen Adlerordens, den er der Neugründung des Königreichs Preußen zugrunde legte.
Schließlich ist es das Schloss selbst, das die Grundzüge des neuen Staats versinnbildlicht. Es ist eine großartige und überzeugende Zusammenfassung aller geistigen Werte, die am Schloss verwirklicht wurden, in der Zusammenschau der damaligen philosophischen, ethischen und politischen Bestrebungen, die Preußen zum Frieden verpflichtete und aus Berlin das berühmte Spree-Athen machten. Vor unseren Augen entsteht ein breites und bedeutendes Abbild einer doch für die meisten von uns schwer zugänglichen Zeit.
Ein Werk, das dem vom Enkel Friedrich dem Großen geschmähten „Krummen Fritz“, so nannten ihn die Berliner, seine Würde und seine Einmaligkeit unter den preußischen Königen wieder gibt.
Viele, auch farbige Bilder.
Unbedingt lesen!
Peter Stephan, den man oft im Berliner Extrablatt findet, ist Professor für Kunstgeschichte und Architekturtheorie in Potsdam. Er gilt als einer der führenden Experten für die Epoche des Berliner Barock.