Posts by Bentele

    Seinsheim

    Zu der Kuppelinschrift.

    Jesus als Brücke zwischen Mensch und Gott „ich bin der Weg“ hat niemand, das denke und empfinde ich so, treffender formuliert als vor über siebenhundert Jahren Walther von der Vogelweide in seinem weihnachtlichen Reisesegen: Jesus liegt für ihn in der Krippe, ein „junger Mensch und alter Gott“. Das Kind in der Krippe ist Gott, der den Menschen aufwertet, indem er nicht nur seine Gestalt annimmt - in der kleinsten und schwächsten Form, sondern auch sein Fühlen und Leiden. Er bleibt dabei der „alte Gott“und wird gleichzeitig ein „junger Mensch“, der nach einem nur dreißigjährigen Leben in einer entsetzlichen Hinrichtung alle Qualen, denen ein Mensch ausgesetzt sein kann, erleiden muss und erträgt, sich also mit allem Menschlichen voll identifiziert. Erst danach nimmt er durch Auferstehung und Himmelfahrt wieder die Höhe des alten Gottes ein, der er ja als Teil der Dreifaltigkeit ist.


    Man muss als Atheist den alten Gott und auch die Auferstehung und die Himmelfahrt nicht glauben. Aber man kann den Sinn übernehmen, dass ein Weg aus der menschlichen Bedürftigkeit nach Erlösung herausführt durch Mitmenschlichkeit oder auch durch Liebe zur Schöpfung, wie hier dargestellt worden ist, oder andere Wege oder Religionen.


    Ich meine in diesem Sinne kann die Inschrift der Schlosskuppel für jeden Bedeutung gewinnen, wenn er sie betrachtet und über sie nachdenkt. Wenn auch, wie ich zugebe, die Altertümlichkeit und Komplexität der Formulierung das heute nicht mehr einfach macht.

    In Weiler, Gemeinde Obersulm, Heilbronner Straße 56, steht ein weiteres recht eindrucksvolles Stelzenhaus. Der Ort liegt am Rande des Schwäbisch-Fränkischen Waldes östlich von Heilbronn.



    Wie in Kirchheim Neckar überdeckt der gestelzte Raum, hier ausnahmsweise auf der Traufseite, eine Treppe zum Eingang des Hauses wohl als Schutz vor der Witterung. Der Steilheit nach zu urteilen dürfte aber diese hier keine Reitertreppe gewesen sein. Das Neckarland scheint eine besondere Vorliebe für gestelzte Häuser gehabt zu haben. In der reichen Weinbauregion sind die Pfosten doch recht aufwendig gestaltet.

    Das Berliner Schloss und die Dankbarkeit der Stadt Berlin


    In meinem gestrigen Beitrag zum Geschenk des Berliner Schlosses an die Stadt Berlin habe ich das Wort Dankbarkeit vermieden. Als ich aufzählte, wie man sich angesichts eines Geschenkes von über einer halben Milliarde Euro, verhalten soll, enthaltend über hundert Millionen Euro, die Zigtausende von Spendern aufgebracht haben, habe ich das Wort Dankbarkeit bewusst vermieden. Dankbarkeit kann man nicht fordern, sie ist ein Gefühl, und Gefühle stellen sich ein oder nicht; man verlangt von Kindern ein Dankeschön für ein Eis mehr als Ausdruck und Schulung von Höflichkeit. Vor allem aber in der Politik geht es selten um Gefühle, aber wesentlich um Gesten.


    Eine Geste der Scham war der Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt bei seinem Besuch im Warschauer Ghetto. Willy Brandt war nie in die Schuld der Nationalsozialisten verstrickt, er hatte keinen Grund zur Scham. Er kniete in Warschau aber nicht als die Person Willy Brandt, sondern als deutscher Kanzler. Er hatte nicht einmal Grund zur Kollektivscham, die Theodor Heuss anstelle einer nicht vorhandenen Kollektivschuld gefordert hatte. Ich selbst, der ich am Ende des Dritten Reiches vier Jahre alt war und keinen Grund zur Schuld oder zur Scham hatte, empfinde diese Scham heute noch; im Laufe der Jahre nahm sie nicht ab, sondern wurde immer größer. Ich fühle mich zum deutsche Volk gehörig: Über einen Weltmeistertitel im Fußball freue ich mich, über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg empfinde ich Scham.


    Willy Brandt hat angesichts der unsäglichen Taten der Nationalsozialisten eine weltweit sehr positiv beachtete Geste gefunden: Er ist schlicht niedergekniet. Nach eigener Verlautbarung sei ihm das spontan eingefallen. Diese Geste muss keineswegs auf einem augenblicklich vorhandenen Gefühl beruht haben - freilich kann sie es. Wichtig ist, dass es ihm gelungen ist, authentisch für das ganze deutsche Volk zu handeln, ganz im Sinne des heutigen Bundespräsidenten, der zu recht einen demokratischen Patriotismus verlangt als Grundlage verantwortungsvollen bürgerlichen Verhaltens. Ähnlich Willy Brandts Äußerung angesichts des Falls der Mauer: Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört!


    Nichts von dieser Größe in Berlin angesichts des gewaltigen Geschenks von Schloss und Humboldt-Forum. Der Bezirksbürgermeister Mitte empfindet das Schloss als "grausig". Das kann er nicht als Bezirksbürgermeister sagen, höchstens als Privatmann - aber in beiden Fällen ist es ein grässlicher Schlag in das Gesicht von Abertausenden von Spendern, die sich jetzt übrigens zu rühren beginnen. Doch ich glaube ihm den Graus nicht einmal als Privatmann: Die Schönheit des Berliner Schlosses kann nicht einfach so mal als grausig empfunden werden, so wenig wie ein voller A-Dur-Akkord als hässlich empfunden werden kann. Schon Pythagoras wusste um die Geheimnisse von Harmonie. Stephan von Dassel wird ihn nicht außer Kraft setzen.


    Wenn er es gegen sein wirkliches Empfinden sagt oder dieses verdrängt, so tritt hier die hässliche Fratze einer ideologischen Verblendung hervor, die sich zu einer Art political correctness aufschwingt und seine Äußerungen diktiert, sogar gegen die Mehrheit der Bevölkerung in Berlin wie in Deutschland. Eine wirklich angemessene Geste für das Millionen-Geschenk wäre es, den Geist der Geber zu befriedigen und den Wunsch der Bürger zu erfüllen, wie im gestrigen Beitrag dargestellt. Das schließlich würde dann weltweit als Dankbarkeit empfunden werden, wie sie eigentlich in allen zivilisierten und unzivilisierten Völkern wie überhaupt zwischen Menschen von Anbeginn an natürliche Selbstverständlichkeit war.

    Vom Umgang mit Geschenken


    Berlin Mitte erhält ein Geschenk: ein sehr teures Geschenk! Das Projekt Humboldt-Forum, weitgehend in der Gestalt des barocken Stadtschlosses, kostet etwa 600 Millionen Euro. Freilich gibt es eine winzige Eigenbeteiligung, wenn man an die 32 Millionen denkt, mit denen sich die Stadt Berlin an diesem Geschenk beteiligt. Zigtausende von Menschen im In- und Ausland tragen wesentlich mehr zu diesem Geschenk bei: am Ende wohl über 110 Millionen Euro freiwillig und selbstlos aufgebrachter Spenden.


    Ein unglaubliches Geschenk einer unglaublich weiten Öffentlichkeit, wie es in der Geschichte sicher nur selten Geschenke gibt! Der Bezirksbürgermeister Mitte Stephan von Dassel, der Empfänger dieses Geschenks, aber findet das Geschenk „grausig“! Es gefällt ihm nicht! Er hätte sich ein anderes Geschenk gewünscht, besser den alten Palast der Republik, auf jeden Fall kein Schloss - vielleicht auch etwas Moderneres, es gebe anderswo so tolle moderne Bauten, sagt er.


    Auch der übrigen offiziellen Politik scheint dieses Geschenk, das ja letztlich die ganze Stadt Berlin bekommt, nicht richtig zu gefallen. Denn die Spender haben nicht nur gegeben: Sie wollen auch etwas - sie wollen, dass ihr Geschenk auch richtig zur Geltung kommt, dass es in dem Geist aufgenommen und weitergeführt wird, in dem sie es gespendet haben: Heilung der Stadt, Wiederkehr eines Kunstwerks, Erlebbarkeit der Geschichte, internationale Versöhnung.


    Aber der Bezirksbürgermeister Mitte spricht wohl für die derzeit verantwortliche Stadtpolitik: Er findet das Geschenk „grausig“! Darf er das nicht so sehen? Dürfen die übrigen verantwortlichen Stadtpolitiker das nicht auch so sehen und sagen? Geschmack ist doch verschieden, sie dürfen doch eine eigene Meinung haben und äußern! Es gilt doch das Recht der freien Rede, sie dürfen doch freie Entscheidungen fällen! Wo kommen wir denn hin, wenn auswärtige Spender über das Aussehen einer Stadt bestimmen? Müssen das nicht sie alleine bestimmen, ganz frei und unabhängig?


    Nein, sie dürfen nicht: Auf die Entscheidung für das Geschenk hatten sie keinen rechtlichen Einfluss, der lag in der Kompetenz des Bundes, der ja auch die finanzielle Hauptlast trägt: Der Deutsche Bundestag hatte sich für dieses Geschenk entschieden mit fast Zweidrittelmehrheit! Für das Land Berlin ist das eine Verpflichtung, hier gibt es keine Spielräume. Die Loyalität verlangt hier Solidarität.


    Und die Spender? Den Spendern gegenüber gilt selbstverständlich Takt und Anstand, wie es jeder verdient, der einem Anderen etwas gibt. Beschimpfungen und Beleidigungen sind in diesem Feld selten - in Berlin offenbar nicht. Es ist taktlos, ein Geschenk, noch dazu ein so teures „grausig“ zu finden. Vor allem, wenn nicht der Spender die Entscheidung über das Geschenk getroffen hat, sondern er nur Kosten trägt. Der Spender ist vom Wert und Sinn des Geschenks überzeugt, so wie es auch der Entscheider war. Und nicht nur die unzähligen Spender und der Bundestag waren und sind überzeugt, sondern die große, große Mehrheit der Deutschen, der Berliner, ja sogar Befragter im Ausland, wie ja auch die vielen Spenden zeigen. Es ist unanständig, taktlos und geschmacklos, die Spender vor den Kopf zu stoßen, sie in ungeheuerer Weise zu beleidigen, indem man ihr Geschenk, von weit über hundert Millionen Euro „grausig“ findet.


    Die Beleidigung und Missachtung der eigenen Bürger geht in dieselbe Richtung: Der Herr Bezirksbürgermeister weiß, was richtig und gut ist, nützlich und schön. Dem Bürger muss das gesagt werden; von Dassel ist ein Grüner: Reden die nicht jeden Tag von Bürgerbeteiligung? Merkt der Mann nicht wie er im geistigen Fahrwasser der Leute schwimmt, die das Schloss gegen die Meinung der Bürger haben sprengen lassen? Freilich verbreitet wurde lange Zeit, die Bürger wollten das Schloss gar nicht. Das aber waren Lügen nach verlogenen Fragestellungen, wie man heute weiß.


    Vom Wunsch der Spender habe ich geschrieben, nämlich das Geschenk im Geiste der Spender anzunehmen: mit den Rossebändigern den Geist Humboldts und Schinkels zu verwirklichen, auch den Geist der Versöhnung anzunehmen, der Berlin durch die Rossebändiger mit St. Petersburg verbindet, durch die Oranierfiguren mit den Niederlanden, durch die Coligny-Figur mit Frankreich und den Hugenotten, denen Berlin und Preußen seinen wirtschaftlichen Aufschwung verdankten, mit dem Schlossbrunnen den Willen der damaligen Berliner Bürger zu ehren, ihren Schlossplatz zu gestalten, formal als Geschenk an den Kaiser. Mit dem gesamten Umfeld aber das Schloss in seiner Einmaligkeit als Kunstwerk zu ehren - und dadurch, wie Brecht sagen würde, sich selbst.


    Sonst aber ist die Berliner Geschmack- und Taktlosigkeit gegenüber Bürgern und Spendern eine historische Einmaligkeit!

    Ich habe sie im Garten in Bietigheim, Schwaben, die Kamelie von Pillnitz!



    Weit weg vom herrlichen Schloss an der Elbe erinnert sie mich täglich an das Zauberschloss bei Dresden. Sie ist ein Ableger der Riesenkamelie im Pillnitzer Park und stimmt mit ihr genetisch völlig überein, vor allem in der Blüte. Leider ist sie gerade verblüht und hat die letzten typischen kleinen Blüten abgeworfen.


    Man kann solche Ableger beim Pillnitzer Schloss kaufen. Meiner ist etwa vier Jahre alt und sehr leicht zu pflegen.

    Sobald man darauf achtet, entdeckt man immer wieder Stelzenhäuser. Hier das Stelzenhaus in Kirchheim am Neckar, das ehemalige Gasthaus zur Rose:



    Interessant ist die ehemalige Reitertreppe, die hier gut sichtbar, auf der linken Seite recht gut erhalten ist: Der Gast zu Pferd konnte die Treppe hochreiten und oben absteigen, laut Erklärung einer Tafel am Haus. Der Knecht führte dann das Pferd in den Stall. Bei anderen gestelzten Häusern wäre Ähnliches - z.B. Absteigen im Trockenen - zumindest eine Überlegung wert.


    Kirchheim am Neckar war eines der wenigen Reichsdörfer im Heiligen Römischen Reich und damit wie eine Reichsstadt direkt dem Kaiser unterstellt; ich habe darauf im Strang Hornmoldhaus in Bietigheim hingewiesen

    Ich frage die Fachleute: Notre Dame sei durch die Schädigung der Mauern durch Hitze bis in den Grund vom völligen Einsturz bedroht.


    Was sind die erkennbaren Schäden? Die bunten Glasfenster scheinen unversehrt, selbst das Mobiliar im Schiff ist kaum angekohlt, eigentlich nur zerstört an den Stellen, wo es vom Einsturz der Gewölbe betroffen ist. Die Hitzeentwicklung unterhalb der Gewölbezone kann also nicht übermäßig gewesen sein. Dass oberhalb der Kalkstein stark geschädigt ist und dass die Türme und Giebel oberhalb der Dachhöhe vom Einsturz bedroht sind, leuchtet ein. Aber die ganze Kathedrale wie ein Kartenhaus?


    Hier ein Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg: die Kilianskirche in Heilbronn: Sie wurde mehrfach von Luftminen, und von Brandbomben getroffen, Sprengbomben explodierten zumindest in allernächster Nähe, und sie stand mitten in der Hitze des Feuersturms, als um sie herum die gesamte Heilbronner Altstadt, meist Fachwerk verbrannte. Alle Gewölbe der Kirche stürzten ein! Die Figuren des herrlichen geschnitzten gotischen Schreinaltars waren ausgelagert worden, das Gehäuse samt Sprengwerk hatte man eingemauert, es ist innerhalb der Ummauerung vollständig verglüht, so grauenhaft war hier die Hitzeentwicklung.


    Dennoch konnte die Kirche bei weitgehender Übernahme der alten Bausubstanz, auch der Türme wieder aufgebaut werden - bereits in den Fünfzigern. Die herrlichen Netzgewölbe und das Altargehäuse wurden rekonstruiert.





    Die Stelzenhäuser in Bönnigheim und vor allem das in Vaihingen-Kleinglattbach sind mit dem in Prevorst nicht ohne Einschränkungen zu vergleichen. Vor allem das Kleinglattbacher ist wesentlich enger und wirkt trotz breiter Hofzufahrt mit großen Radabweisern letztlich kleinbürgerlich.


    Das Stelzenhaus in Prevorst mit wesentlich größerer Tiefe des überkragten Raumes und viel mächtigeren Pfosten erinnert eher an gestelzte Rathäuser in Süddeutschland. Hier barg der offene Raum hinter den Ständern oft die Fleisch- und Brotbank der Gemeinde, war also eigentlich Verkaufsraum. Man nennt übrigens die Bürgerhäuser, in denen das Erdgeschoss nicht bewohnt war - Stallungen, Werkstätten, Läden - ebenfalls gestelzt. Wie weit sie über Nordwürttemberg hinaus verbreitet waren, weiß ich nicht. Aber diese Räume waren nicht nach außen offen. Vielleicht weiß Riegel mehr Bescheid.


    Bei Prevorst denkt man unwillkürlich auch an einen Unterstand für eine Hufschmiede, die oft überdacht waren. Aber man muss nur die Brandgefahr bedenken, um diese Deutung auszuschließen. Mir scheint hier eine ehemalige Brot- und Fleischbank wahrscheinlicher. Für einen laubenartigen Unterstand für Kutschen oder dgl. ist der Raum doch zu eng.


    Hier eine Übersicht über gestelzte Rathäuser:


    Plochingen:


    Strümpfelbach Remstal


    Königsbach Stein Altes Rathaus Stein


    Königsbach Stein Altes Rathaus Königsbach


    Und noch das Rathaus in Michelstadt Odenwald


    Das Rathaus in Heppenheim hat schon Fachwerkliebhaber in diesem Strang gezeigt.

    Ein weiteres

    Stelzenhaus steht in Prevorst bei Heilbronn: das Gasthaus zum Ochsen, das Geburtshaus der „Seherin von Prevorst“. Prevorst liegt auf einer Höhe des Schwäbischen Waldes in den Löwensteiner Bergen.


    Als Zeit der Errichtung steht am Haus modern die Zahl 1416, aus dieser Zeit könnten aber höchstens vielleicht die „Stelzen“ selbst stammen.

    Lieber Rastrelli, ich habe keine Zerstörungsphantasien, ich habe in früher Kindheit genug Zerstörung erlebt, um mich etwa mit Phantasien in solchen ergehen.


    Gedankenexperimente aber müssen erlaubt sein. Die Frage war eher als sokratische Frage gedacht. Seinsheim hat die meiner Ansicht nach beste Antwort darauf gegeben: Es geht um die Brüche, die auch bei einem zusammengesetzten und nicht von einem Schöpfer geschaffenen Werk, wie es die meisten großen Gebäude sind, als Zerstörung erlebt werden können. Und damit sind wir bei der Kernfrage fast aller Rekonstruktionen in Deutschland: Fast keine ist zu haben ohne diese von Seinsheim beschriebenen Brüche!


    Und diese wollen jetzt eben auch viele in Notre Dame.

    Wenn ein Attentat mit Säure oder Feuer, was Gott verhüten möge, einen großen Teil der Sixtinischen Madonna in Dresden zerstören würde - kein Mensch käme auf die Idee, die fehlenden Stellen modern zu ergänzen.


    Warum wird ein Bild als einheitliches, in sich geschlossenes und unberührbares Kunstwerk akzeptiert, aber ein Bauwerk nicht?

    Was qualifiziert Dich zu Aussagen zur frühchristlichen und mittelalterlichen Architektur?

    Nichts, kein Studium!


    Nur ein fast achtzigjähriges Leben und davon fast siebzig Jahre Interesse an Baugeschichte. Wie es dazu gekommen ist, kann man im Berliner Extrablatt Nr. 89 nachlesen. Ich habe in meinem Leben unzählige kunstgeschichtliche Bücher gelesen und habe aus der Erinnerung geschrieben, Wikipedia brauchte ich dazu nicht. Mit kunsthistorischem Wissen und historischen Forschungen habe ich mit einer Bürgerinitiative eine Altstadt und ein wunderbares großbürgerliches Haus mit umfangreichen Malereien vor dem Abbruch gerettet.


    Ich meine, auch wer nicht Kunstgeschichte studiert hat, darf sich in einem Strang wie hier zu kunstgeschichtlichen Fragen äußern. Freilich ist er zur Wahrheit verpflichtet: Sollte mich meine Erinnerung irgendwo getäuscht haben, tut es mir leid. Damit sollte man diese thematische Abschweifung wirklich beenden.

    Bitte nicht das Vorhandensein eines Westchors mit einer Westung der Kirche verwechseln. Westchöre sind zusätzlich zum Ostchor errichtet worden, nicht stattdessen.

    Ich verwechsle hier nichts: Die Grabeskirche in Jerusalem hatte von Anfang an ihren Zugang von Osten nach dem Vorbild des Tempels, und ebenso haben der heutige Petersdom in Rom und hatte sein konstantinischer Vorgängerbau den Chor im Westen und den Eingang im Osten - niemals aber hatten sie einen Ostchor. Doppelchoranlagen wie in Bamberg und anderswo haben vielfältige Ursachen, die hier zu weit führen würden. Solche Dinge müssen geklärt werden, haben aber nichts mit dem Berliner Schloss zu tun.: Wer Irrtümer schreibt, kann halt nicht umkommentiert bleiben. Ansonsten sollte das Thema hier wirklich nicht ausgeweitet werden, obwohl es natürlich interessant ist.

    Die Grabeskirche in Jerusalem folgte wie viele andere Kirchen, z.B. der alte Petersdom, ebenso die Vorläuferin der Sixtinischen Kapelle und dann noch im späten 15. Jhdt. diese selbst u. andere - nicht alle - dem alttestamentarischen Tempel in Jerusalem, der seinen Zugang von Osten hatte. Verbindlicher wurde die Ostung erst nach der Völkerwanderung: Ex oriente Lux, wie die Sonne kommt das Heil aus dem Osten, daher die Ausrichtung nach dort. Das galt auch für Begräbnissitten.

    Die Ausrichtung der Kirchen geht nicht immer nach Osten!


    Die urchristlichen Kirchen waren fast immer nach Westen gerichtet. Das heißt der Chor, der Standort des Hauptaltars, ging nach Westen - so heute noch im Petersdom in Rom. der die Ausrichtung der konstantinischen Basilika des 5. Jhdt. übernommen hat und viele andere Kirchen der ersten Zeit. Erst ab dem 7. Jhdt. hat man damit begonnen die Kirchen nach Osten auszurichten.

    Ein Unikat war das Stelzenhaus in Bönnigheim wohl nicht, aber dennoch etwas Besonderes. Es war vielleicht sogar typisch für die Region, in der im 18. Jhdt. noch Pauperismus herrschte und man auch Boden gespart hat, wo es nur ging. Selbst in so winzigem Maßstab wie an einem Stelzenhaus.


    Hier das Stelzenhaus in Kleinglattbach einem Stadtteil von Vaihingen Enz.