Posts by Bentele

    https://Einzeitung.faz.net/faz….net/faz/feuilleton/2022-

    Erfreulicher Artikel aus der heutigen FAZ:

    Preußen-Trigger

    Von Andreas Kilb

    Wovor muss man die Menschen „da draußen im Lande“, wie es so schön heißt, eigentlich alles warnen? Vor Steinschlag natürlich, auch vor bissigen Hunden; vor Wildwechsel und gelegentlich vor giftigen Dämpfen. Im Berliner Humboldt-Forum nun soll die Bevölkerung in Zukunft vor einer Kuppel gewarnt werden: der rekonstruierten Kuppel des Berliner Hohenzollernschlosses. (...) Beitrag gekürzt, bitte keine Volltextzitate von Presseartikeln im Forum. Mod.

    ://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-06-https://zeitung.faz.net/faz/fe…ddb44d8629286b3c9?GEPC=s5

    Wer Lemberg kennen lernen will, dem empfehle ich das hervorragende Buch von


    Lutz C. Kleveman LEMBERG Die vergessene Mitte Europas

    Aufbau 2. Auflage 2017


    „Einst Teil des Habsburger Reichs, galt Lemberg als ,Jerusalem Europas‘, wo Polen, Juden, Ukrainer und Deutsche zusammenlebten.“ Lutz C. Klevemann sucht die Vergangenheit der Stadt freizulegen. „Was er dabei entdeckt und brillant erzählt, ist nicht weniger als die Geschichte Europas bis heute.“

    Ich kann an diesem Artikel nichts finden, was nicht zutrifft, schon gar keine Hetze. Das Projekt war von Beginn an heftig umstritten. Wer das negiert, der blendet die Debatten der letzten 20 Jahre aus. Und auch die Kostenangaben sind doch wohl korrekt wiedergegeben, oder? Wenn diese hier benannt werden, dann in Hinblick darauf, dass man bei einer solchen Investition und einem solcher Bedeutung des Objektes erwarten könnte, dass der Bau nicht schon kurz nach seiner Eröffnung erste Schäden aufweist.

    Oft schätze ich Ihre Art, zum Thema oder zur Sachlichkeit zurückzufinden. Heute nicht!


    Richtig: Alles in der Pressemeldung ist korrekt - der Vorgang an sich, die genannten Kosten, der Hinweis darauf, dass die Rekonstruktion umstritten ist und war.


    Und dennoch: Dass nach einem der heftigsten Stürme der letzten Jahre kleine Stücke Putz aus nur einem Fensterbogen in Fassaden so riesigen Ausmaßes gefallen sind, ist meiner Meinung nach keines Aufsehens wert. Dass die Meldung nicht nur um ihrer selbst gemacht ist, sieht man an der Formulierung, es seien „Brocken“ von bis zu fünf Zentimeter Größe gefallen. Putzstückchen von fünf Zentimeter sind keine „Brocken“, und sind auch nicht gefährlich. Auch ist es nicht angemessen, zu schreiben „die Fassade bröckelt“ . Die Verantwortlichen müssen natürlich trotzdem Absperrungen machen.


    Wenn in dieser Meldung der Streit um das Schloss nicht erwähnt würde, würde nichts „negiert“, denn die beiden Sachverhalte haben nichts miteinander zu tun.


    Ich habe wirklich den Eindruck, dass hier geframed wurde: Dass das Objekt der Meldung absichtlich in ein schiefes Licht gesetzt worden ist. Im großen Zusammenhang der unsachlichen Berichterstattung über das Schloss, die oft von Unwahrheiten und extremer Einseitigkeit geprägt war und ist, denke ich, ist der Verdacht berechtigt, dass die Meldung in der Nähe von Hetze anzusiedeln ist.

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    Heute in der FAZ ein sehr überzeugender Artikel zum Thema Ethnische Museen:


    Der vergessene Wissensspeicher

    https://zeitung.faz.net/faz/fe…34b85a36e2d248555?GEPC=s9

    eitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-01-12/e0a094abb6eca8b34b85a36e2d248555?GEPC=s55ps://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-01-12/e0a094abb6eca8b34b85a36e2d2?GEPC=s5https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-01-fEin 12/e0https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-01-12/e0a094abb6eca8b34b85a36e2d248555?GEPC=s5a094abb6eca8b34b85a36e2d248555?GEPC=s5https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-01-12/e0a094abb6eca8b34b85a36e2d248555?GEPC=s5https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-01-12/e0a094abb6eca8b34b85a36e2d248555?GEPC=s5

    Man sollte Frau Noa Ha mal fragen, wo in Städten von Afrika die zentralen Gedächtnisstätten stehen für die Schuld von Afrikanern an der Piraterie auf dem Mittelmeer mit der Jagd auf Menschen aus Europa und ihrem Verkauf als Sklaven auf afrikanischen Märkten. Auch wäre zu fragen, wo die Zentraldenkmale für das Gedenken an die Schuld der Obas in Benin eingerichtet sind, die unterlegene Stämme unterjochten, deren Angehörigen versklavten und an Europäer, vor allem an Portugiesen verkauften oder viele dieser Menschen den Göttern opferten.


    Auch sollte man sie daran erinnern, dass es eine Folge der abendländischen Aufklärung ist, dass sie sich gegen Corona impfen lassen kann.


    Auch würde ich ihr gerne sagen, dass ich (Jahrgang 1941) im Schulunterricht bereits vom Völkermord an den Hereros hörte, übrigens auch von meinem Vater. Ich würde ihr gerne erzählen von einem Herrn Rolf Italiaander, der an unserem Gymnasium einen Vortrag über den Kolonialismus in Afrika hielt, damals noch Gegenwart, Verbrechen auflistete, Afrika befreit sehen wollte, für das Ende jeder Apartheit eintrat, von der er aus Anschauung berichtete und meine Empörung auslöste - Teilnahme war für jeden Schüler ab der Mittelstufe Pflicht. Der Vortrag hat mich bis heute geprägt.


    Die Schule hatte eine Afrika-Karte aufgehängt. Auf ihr waren noch die deutschen Kolonien eingezeichnet, in den Fünfzigern waren die Ausstattungen der Schulen noch oft aus Geldmangel durchsetzt mit Gegenständen aus der Vorkriegszeit. Er machte die Karte öffentlich - mit Recht! Daraus wurde, wie ich mich noch gut erinnere, ein Presseskandal!


    Ich will damit darauf hinweisen: Der Kolonialismus mit seiner Schuld und den Folgen und Problemen wurde nicht erst in den letzten Jahren entdeckt. Es gab schon damals geradezu ein öffentliches Bewusstsein. Man muss nicht Schlösser abreißen, um die Welt zu verbessern!

    Jesus hat den Menschen das Angebot gemacht, sich mit Gott zu versöhnen. Von "Friede, Freude, Eierkuchen zwischen den Menschen" hat er nicht gesprochen.

    Von Eierkuchen hat Jesus nicht gesprochen. Aber die erste Botschaft bei seiner biblischen Geburt lautete: PAX HOMINIBUS!Friede den Menschen!


    Ich rede ausdrücklich von der historischen Gestalt, nicht von der theologischen. Ich wende mich an Atheisten und „Heiden“, also auch Menschen, die einer anderen Religion angehören als dem Christentum und die alle angeblich durch die Kuppelinschrift und das Kreuz auf dem Humboldtforum verletzt werden.


    Ich will zeigen, dass hinter Kreuz und Kuppel ein historischer Mensch steht, der den Menschen „seinen“ Frieden bringen wollte, was immer die Theologie in diesem „seinen“ und dem „Schwert“ auch sieht - sehr Unterschiedliches. Seine Welt war eine Welt der Vergebung, der Verständigung, der gegenseitigen Hilfe, der Barmherzigkeit. Und für diese zu allen Zeiten so notwendigen Anliegen ist er eines sehr grausamen Todes gestorben. Die Versöhnung mit Gott wird einen Atheisten wenig interessieren, und sie geschieht im Islam auf andere Weise, Und im Christentum geht sie über den Mitmenschen: „Was Du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan.“ Matth. 25,4. Und nichts lag dem Verkünder des Gebotes LIEBE DEINE FEINDE ferner als Krieg!


    Ich will zeigen, dass der historische Mensch Jesus keinen Ungläubigen oder Andersgläubigen Menschen in irgendeiner Weise verletzen kann,, auch seine Verehrung nicht.

    Vor fast genau zweitausend Jahren trat in Galiläa im heutigen Israel ein jüdischer Wanderprediger auf. Der Mann hatte einen glühenden Traum vom ewigen Frieden, viele Jahrhunderte bevor Kant seine fast gleichnamige Schrift veröffentlichte, auf welche die heutigen Vereinten Nationen zurückgehen. Es waren auch über hundert Jahre, bevor der römische Kaiser Marc Aurel über den Frieden als Ziel aller Politik nachdachte. Der Jude lebte in ärmlichsten Verhältnissen, gewann aber Freunde seiner Lehre, die ihn mit dem Nötigsten versorgten.


    Um seinen Traum zur Erfüllung zu bringen, schlug er menschenfreundliche Verhaltensweisen vor, Regeln und Gebote. Soziales Verhalten z.B. sollte Spannungen beseitigen, die dazu geeignet waren, Frieden zu verhinderten: Reiche sollten die Hälfte ihres Besitzes mit den Armen teilen - Hungrige sollten gespeist, Durstige getränkt, Nackte bekleidet, Fremde und Obdachlose aufgenommen werden. Er kümmerte sich um die Kranken und die Sklaven: für die einen sollte gesorgt, die anderen sollten befreit werden. Es ging ihm auch um Wahrhaftigkeit: Anderen ein frommes Leben vorzugaukeln, lehnte er ab - vor allem, wenn Populisten ihre Frömmigkeit einsetzten, um Macht zu gewinnen. Er wollte eine neue Welt aufbauen auf dem Gedanken der gegenseitigen Verzeihung und Aussöhnung. Selbstkritik, so dachte er ganz praktisch, sollte vor Vorurteilen und Pauschalierungen stehen. Der fromme, langmütige und in exemplarischen Lebenssituationen denkende und redende Jude erreichte die Leute, die ihm zuhörten, durch seine einfache Sprache und noch mehr dadurch, dass er selbst vorlebte, was er von anderen verlangte.


    Seine wichtigste und zentralste Forderung, mit der er die ganze Welt zu einem Paradies des Friedens machen wollte, lautete: LIEBE DEINE FEINDE!


    Der Mann war gerade etwas über dreißig Jahre alt, als er den Machthabern zu lästig wurde, unter anderem, weil immer mehr ihm zuhörten und nicht ihnen. Die Mächtigen setzten ihn gefangen und ließen ihn von den Römern, die das Land besetzt und die eigentliche Macht in den Händen hatten, hinrichten. Dies geschah auf die grausamste und schmerzhafteste Weise, welche Menschen je ersonnen hatten: Er wurde mit langen, eisernen Nägeln, die man durch die Fußknöchel und die Handgelenke schlug, an ein Holzkreuz genagelt und starb über Stunden hinweg unter entsetzlichsten Qualen. Bevor er starb, vergab er den Menschen, die ihn hinrichteten.


    Der Mann, der Friede auf die Welt bringen wollte, hieß Jesus.


    All dies sind historische Fakten, nämlich durch Gefährten und Zeitgenossen hinreichend belegt. Durch sein Wirken stiftete er eine neue Religion.


    Hier nun enden die historischen Fakten zu seiner Person; ab hier gilt die Welt des Glaubens und der Theologie. Die neue Religion hatte wie alle Religionen in den Jahrhunderten Licht- und Schattenseiten: Es sind Menschen, die auf der Welt in Religionen wirken, Gutes tun oder sie missbrauchen. Der Beitrag hier richtet sich an alle Menschen, auch an Atheisten, so wie Jesus mit LIEBE DEINE FEINDE nicht nur Christen gemeint hat, freilich müssten die besonders verpflichtet sein dazu. Aber das ist hier nicht das Thema.


    Das Thema hier ist die Kuppelinschrift am Berliner Schloss und das Kreuz, das darüber aufragt. Beide werden als Aufforderung betrachtet und abgelehnt, das Christentum über die ganze Welt zu erheben, was das Christentum tatsächlich pragmatisch immer wieder für sich selbst bestimmt hat. Und immerhin hatte der Mann aus Nazareth gesagt: ICH BIN DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN. Niemand muss das glauben. Aber die Aufforderung, seine Feinde zu lieben und ihnen um des Friedens Willen zu verzeihen, ist völlig unabhängig von jedem Glauben und gilt für alle Menschen, wenn denn auf der Welt Friede sein soll.


    Den Spruch an der Kuppel hat ein für uns heute überfrommer christlicher König von Preußen zusammengesetzt. Man sollte aber nicht den König betrachten, der immerhin mit diesem Spruch auch seine eigene Macht begrenzt hat - man sollte den jüdischen Mann des Friedens im Auge haben, den die Aufforderung des Spruches verehrt (die Knie beugen ist ein Bild). Dieser Mensch ist um des Friedens und um der Nächsten- und Feindesliebe Willen jämmerlich gestorben. Ob Atheist oder Christ, ob Jude oder Muslim: Jeder Mensch, aus welcher Kultur er auch immer kommt, kann einen Menschen ehren, welcher der Menschheit Wege zum Frieden gezeigt und dafür sein Leben geopfert hat.


    Der Spruch an der Kuppel steht für LIEBE DEINE FEINDE: Ich wüsste keine Worte, welche die Ziele des Humboldtforums besser ausdrücken könnten. Das Kreuz über der Kuppel ehrt einen Menschen, der für eine gute Zukunft der Welt am Kreuz sein Leben gelassen hat.


    Advent: Dem ganzen Forum hier eine frohe Weihnachtszeit! Und Friede den Menschen auf Erden!

    „Durch seine Forschungsreisen wurde Alexander von Humboldt auch zum weltweit anerkannten und gerühmten Chronisten sozialer Ungleichheit. So dokumentierte er ungeschönt etwa die Versklavung auf Zuckerrohr-Plantagen in Kuba oder die unmenschliche Arbeit der „Cargueros“, die Wohlhabende auf ihren Rücken durch die Anden trugen. Andererseits basieren Humboldts Entdeckungen und Erfolge selbst auf einem System kolonialer Unterdrückung. Diese Seite des Humboldt’schen Erbes spiegelt sich unter anderem im rücksichtslosen Eindringen in bis dato geschützte Räume und Territorien wider, das nur durch Humboldts engen Kontakt zu den Kolonialherren und Sklavenbesitzern möglich wurde. Und auch die Tatsache, dass er überhaupt auf Weltreise gehen und dadurch später seine Erfahrungen und Forschungsergebnisse veröffentlichen und Anerkennung erlangen konnte, verdankte Alexander von Humboldt seiner freundschaftlichen Verbundenheit mit dem preußischen und spanischen Königshaus.

    Wie ist vor diesem Hintergrund Humboldts innerer Kompass, seine Haltung zu all dem zu verstehen? Auf welcher Seite stand er – auf der Seite der Unterdrückten oder auf der der Herrschenden? Oder dazwischen? Was war er bereit, für den eigenen Erfolg und für die wissenschaftliche Erkenntnis in Kauf zu nehmen? Und nicht zuletzt: War er sich seines Interessenkonflikts bewusst?“


    Fragestellungen einer Veranstaltung des Humboldtforums zu Alexander von Humboldt im neuesten Newsletter.


    Ich bin fassungslos. Selbstverständlich kann und darf man alles hinterfragen. Aber Fragen zu stellen, die für den Erfragten längst positiv beantwortet sind, ist unlauter. Selbstverständlich musste Humboldt Kontakt aufnehmen zu Plantagenbesitzern, wenn er die Umstände der Sklavenarbeit ergründen wollte - was denn sonst? Fabulieren? Nein, er ging vor Ort, machte sich ein Bild und prangerte Sklavenarbeit und Sklaverei an, weltweit beachtet. Zigtausende hätten das auch tun können, blieben aber in ihrer Hängematte liegen.


    Selbstverständlich ist er in einem Königreich aufgewachsen, und selbstverständlich brauchte er Unterstützung von Monarchen. Hunderttausende waren in derselben Situation oder in noch viel vorteilhafteren - aber nur er hat seine privilegierte Lage dazu benützt, um Forschungsreisen zu unternehmen, deren Ergebnisse bis heute von höchster Bedeutung sind: z.B. die Entdeckung von Klimazonen in geografischen Abhängigkeiten und ihre weltweiten Verflechtungen.


    Man könnte noch lange fortmachen: z.B die Durchsetzung des Gesetzes in Preußen, das jeden Sklaven zum freien Menschen macht, wenn er die preußische Grenze überschreitet. Seine Freundschaft und seine Zusammenarbeit mit Simon Bolivar, dem großen Befreier, bei der Befreiung Südamerikas eben vom Kolonialismus und vieles, vieles Andere - Alexander von Humboldt braucht keine Entschuldigung, keine Anklage und keinen Freispruch!


    „Die Humboldts vom Sockel holen“ - das war der Beitrag des Zweiten Deutschen Fernsehens durch Klaus Kleber zum 250. Geburtstag Alexander v. Humboldts - das Fazit: die Humboldts als Wegbereiter von Kolonialismus und Rassismus.


    Das Humboldtforum meint es ja vielleicht gut: Wir wollen alles hinterfragen! Aber: War Jesus Christus vielleicht doch ein Arier? War Stalin vielleicht doch kein Verbrecher? Solche Fragen passen in die Politik von Diktatoren. Wer so fragt, bringt Dreck in die Welt. Vom Forum, das den Namen Humboldts trägt, sollte man erwarten können, dass es weiß, was historische Bedingungen von Wertungen, Handlungen und Methoden sind: Es gab für Alexander von Humboldt keinen „Interessenskonflikt“.


    Ich bin entsetzt!

    Was würde eigentlich geschehen, wenn man feststellte, dass ein Mensch mit Verbindung zu Rechtsextremen eine Million € an eine Stiftung für krebskranke Kinder gespendet hat? Wäre die Stiftung damit diskreditiert?


    Nicht vergleichbar? Doch! Die Rekonstruktion der Fassaden ist nicht weniger legitim! Sie ist ein vom Deutschen Bundestag mit fast Zweidrittelmehrheit beschlossenes öffentliches Anliegen. Sie wird noch weiter dadurch legitimiert, dass sie ausschließlich durch die Spenden der Bürger finanziert wird - diese Legitimation lag Herrn von Boddien besonders am Herzen.


    Die Gesinnung von Spendern oder ihre Motive gehen niemanden etwas an; sie gehören zum privatesten Bereich. Dabei können sie ganz unterschiedlich sein und sogar nicht einmal immer nur selbstlos. Die Verdächtigung, hinter den Spenden lägen rechtsextreme Netzwerke, setzen die Spender unter Generalverdacht und verleumden Herrn v. Boddien.


    Von Antje Vollmer, Grüne, bis Angela Merkel, CDU, hörte man in der damaligen Bundestagsdebatte fast nur positive Stellungnahmen, mit Ausnahme der Nachfolgerpartei derjenigen Partei, die das Schloss gesprengt hatte.


    „Höchst umstritten“, wie immer behauptet wird, ist die Maßnahme auch heute in der Bevölkerung keineswegs, nur bei „interessierten Fachleuten“. Aber diese haben die größte Unterstützung im überwiegenden Teil der Presse, von welcher gerade die Tatsache der Legitimierung durch den Bundestagsbeschluss heute fast durchweg verschwiegen wird.


    „Netzwerke“, welche nachträgliche Änderungen durchgesetzt hätten, kann es nicht geben: Die Fassaden sind eine getreue wissenschaftliche Rekonstruktion. Zusätzliche Teile, wie die Innenportale 2 und 4, von Stella vorgeschlagen, wurden legitimiert. Kuppel, Kreuz und Umschrift sind eine Kirche, die Möglichkeit ihrer Rekonstruktion war im Beschluss des Bundestags enthalten.


    Die Fortwährenden Angriffe auf das fertige Schloss missachten den vollzogenen Volkswillen, wie er im Beschluss des Bundestags verwirklicht wurde, und sind damit selbst höchst undemokratisch

    Dürerhaus und Umgebung, Weinstadl, Henkersteg, Unschlitthaus und Unschlittplatz, Gebäude um die Pegnitz beim Haller Tor, Weißgerbergasse, Welserhaus, Schöner Brunnen und andere Brunnen, auch sind immer wieder viele inselartige Entdeckungen möglich wie das Wohnhaus des sehr bedeutenden Goldschmieds Wenzel Jamnitzer u.a.

    Ich erinnere mich, vor einiger Zeit gelesen zu haben, dass über die Hälfte des historischen Inventar des Berliner Schlosses noch erhalten ist. Freilich verteilt auf viele Schlösser und Museen.


    Vielleicht kennt hier jemand Objekte, Zahlen und Orte.

    Vor hundert Jahren, am 26. August 1921, wurde der große Finanzpolitiker Matthias Erzberger im Schwarzwald von Rechtsradikalen ermordet. Er war der Vater der modernen Steuerpolitik; sie entstand nach Ansätzen vor dem Krieg als Antwort auf die Not Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg.


    Seine Trauerfeier vor dem Schloss und im Lustgarten zeigt, dass es in der Weimarer Republik im Gegensatz zur verbreiteten Meinung durchaus Demokraten gab:

    Jetzt, wo diese hässlichen Löcherkästen weg sind: Liebe Berliner oder Berlin-Besucher, macht Fotos, was Handys oder Kameras hergeben - lasst uns Provinzler, die wir ein Leben lang darauf gewartet haben, diesen unvergleichlichen Schlüterhof genießen, genießen, genießen …

    Da ist nun weltweit einer der bedeutendsten Barockinnenhöfe der Menschheit wiedergeschenkt. Man könnte das Kunstwerk nun reden und wirken lassen. Ja, zunächst verstummen sollte man vor einem solchen Werk!


    Nein, das geht nicht: ein Event muss her - Lichterspiele auf der gegenüberliegenden Wand - die in diesem Hof nicht bedeutungslos ist, aber doch nur in einer dienenden Funktion, von Stella recht gut bewältigt. Nein, die erste Maßnahme der Übergabe des Hofs von Schlüter an die Öffentlichkeit ist die Ablenkung vom Wesentlichsten!


    Und nicht genug damit, zur Durchführung braucht man noch diese Kästen, die diese wunderbare Harmonie der Fassaden sogleich zerstört.


    Ich denke, man hätte damit warten können und sollen, bis nach einigen Wochen das Bauwerk selbst ungestört und aus völlig eigener Kraft zu uns gesprochen hätte bis ins tiefste Innere.

    Auch das häufig wegen seiner einseitigen Ausrichtung umstrittene Goethe-Institut trägt über seinen italienischen (=dolce vita)-Ableger zur internationalen Weiterbildung über die bauliche Gestaltung des Humboldt-Forums bei

    Warum kann denn kaum einer von hunderten, die über die Rekonstruktion des Schlosses schreiben, in welchem Organ auch immer, das Gebäude einfach als wiedergewonnenes Kunstwerk wahrnehmen? Da sind immer zuerst die Hohenzollern, deren Wiederkommen angeblich ersehnt werde oder denen man wieder Glanz verleihen möchte. Die über vierzigtausend Spender, dabei viele aus dem Ausland, haben aus keinem dieser Gründe gespendet - von einer sicher winzigen Menge kurioser Sonderlinge abgesehen, die es immer gibt.


    Viele Berliner und auch andere Spender aus Deutschland haben auch wegen der Heilung ihrer Stadt oder Hauptstadt gespendet. Immerhin würdigt das Goethe-Institut wenigstens dieses Motiv, schon fast eine Rarität.


    Für mich ist das Schloss zuerst ein bauliches Kunstwerk von Weltrang, das Deutschland und der Welt wiedergeschenkt worden ist. Und dann ist es neben der Heilung der Stadt ein wiedergewonnenes Zeugnis unserer Geschichte, positiv und negativ. Eine historische Stimme in dem historischen Akkord der Stadt - eine gut vernehmbare und klare Stimme von zentralem Klang und überragender Bedeutung.


    Für die Welt aber, denke ich, ist die Rekonstruktion des Schlosses vor oder neben der auch für andere Nationen wichtigen historischen Dimension ein jetzt endlich wieder erlebbares Kunstwerk!

    Noch einmal das Gemälde Ballsouper von Adolf Menzel 1878:

    Der Glanz und Schimmer dieses Bildes, das den Rahmen eines Hoffestes so wunderbar schildert, liegt über einer tieferen Ebene. Verwunderlich ist schon, dass Menzel nicht den Hofball selbst darstellt, mit der Anmut der Tänzer, dem Glanz der Roben, dem Schwung der Bewegungen.

    Nein, er hat eine Ballpause oder die Zeit gegen Schluss des Festes dargestellt: auch lange Zeit nach dem Kommando „Das Büffet ist eröffnet!“ Die Gesellschaft wird nicht beim Tanz, sondern beim Essen beobachtet.


    Und diese Tätigkeit ist höchst hinderlich und bar jeder Eleganz:


    Die Linke Bildseite: Der zentrale Herr, ein ranghoher Militär, hat ganz protokollwidrig seine Kopfbedeckung zwischen die Knie geklemmt, um die Hände zum Essen frei zu haben. Die beiden Herren rechts neben ihm, einer hochdekoriert, scheinen in verkrampfter Haltung mehr Konzentration auf den Vorgang des Essens und der notwendigen Balance legen zu müssen als sie es auf das Gespräch können. Zwei Herren dahinter scheinen aus dem Bild zu blicken, der eine sehr scharf durch ein Monokel - eine Karikatur wie der Herr neben ihm.



    Die rechte Bildseite beherrscht die Damenwelt in eleganten, schimmernden und prächtigen Seidenroben. Die Eleganz aber wird sehr gestört durch die Teller auf den kostbaren Stoffen, das Nippen an den Gläsern als Balanceakt. Die hier zentrale Dame in hellblauer Garderobe, die sich einer Gruppe links von ihr zuwendet, die anmutigste Gestalt des Bildes, wird von ihrem Begleiter höchst ungalant fast grob am Arm nach rechts gezogen. Die Gesichter der Damen im Vordergrund erscheinen höchst unvorteilhaft verkniffen.


    Und über allem der Glanz des Hoffestes und die impressionistisch erahnte Pracht der Ausstattung des Schlosses. Menzel zeigt den preußischen Königshof nicht nur in dem Glanz, in dem er erscheinen möchte. Er analysiert ihn bis fast hin zur Karikatur. Er holt diese Damen und Herren aus der Wolke des Scheins und zeigt sie als Menschen.


    Dabei nimmt er ihnen bei aller Lächerlichkeit, die sich im Detail entpuppt, nicht die Würde: Er zeigt sie in einer menschlichen Situation des Essens und Trinkens, auch des Flirts und der Eifersucht, wenn man die Damen ganz rechts und ihre Galane genau beobachtet. Menzel, nur 1,40 m groß, hatte Zugang zum Hof und bekam mit dem Schwarzen-Adler-Orden den persönlichen Adel, bezeichnete seine Auszeichnungen aber als Kladderadatsch.


    Sein Ballsouper zeigt uns den preußischen Hof im Glanz seiner Geschichte durch die erfundene und doch so treffsichere Wirkung der Festräume des Schlosses - füllt diese aber mit Menschen, deren Schwächen gegenwärtig gemacht werden, ohne sie zu verletzen. Wir können uns eingliedern in dieses Leben im Schloss.

    Dieses Bild habe ich vor wenigen Wochen erstanden.

    Richard Duschek: Berliner Schloss 1922:



    Richard Duschek (1884 - 1959) galt in Deutschland als einer der der besten Pressezeichner der zwanziger und dreißiger Jahre. Entsprechend sucht das Aquarell, unterstützt von Feder und Bleistift mehr die Realität als die Stimmung, an der es dem Bild durch eine gewisse Orientierung am Impressionismus dennoch keineswegs fehlt. Besonders eindrucksvoll finde ich die Darstellung des Verkehrs zwischen der bewachsenen Mauer zum Kupfergraben und dem Schloss.


    Duschek ist in Neugarten Nordböhmen geboren, nicht weit entfernt von Zittau und hat sich auch als Landschaftsmaler einen Namen gemacht. Er hatte seine Wohnung und sein Atelier in Charlottenburg, wo er unter Verlust einiger seiner bedeutendsten Bilder ausgebombt wurde. Von da an lebte er im württembergischen Besigheim, dem Heimatort seiner Frau.


    Mein Vater war mit ihm befreundet, und so habe ich ihn schon als kleines Kind kennengelernt. Er war sehr humorvoll und meist zu Späßen aufgelegt und kam bei uns Kindern immer gut an. Er war wohl der erste, der mir vom Berliner Schloss erzählt hat.


    Richard Duschek war der einzige Pressezeichner, der am „Tag von Potsdam“ 1933 in der Garnisonkirche zugelassen war. Sein durch grelle Überbetonung der braunen Uniformen und der Hakenkreuze aufschlussreich kritisches Aquarell wurde von keiner Zeitung übernommen. Er hat es uns oft gezeigt und von dem Tag der Nazis erzählt, die er immer gehasst hat. Er war kleingewachsen und hatte so gar nichts Heldisches oder Germanisches an sich. Auch passte seine kritische und berlinerisch-schnoddrige Art überhaupt nicht zu den Nazis.


    Sein weiteres Werk hat vor allem expressionistische Einflüsse. Natürlich kann sich das Bild nicht mit Lovis Corinth oder Liebermann messen. Ich halte es in der Art, wie er das Schloss in die Zeit des Künstlers stellt, dennoch für ein Juwel.

    „Das wilhelminische Mosaik beinhaltet neben Schmuckelementen zu weiten Teilen eine Huldigung des Kaiserhauses der Hohenzollern, die sich in der Darstellung des Monogramms Kaiser Wilhelms und der Kaiserkrone widerspiegelt“, (…) „warum eine Sichtbarmachung des Mosaiks auf dem Denkmalsockel mit dem Projekt Freiheits- und Einheitsdenkmal unvereinbar ist“.


    Ganz in der Nähe steht das Staatsratsgebäude der DDR, in dem Schießbefehl und Mauerbau beschlossen wurden, von wo aus die Überwachung von Millionen Menschen ausging, hinein bis in privateste Bereiche.


    Man hat dieses höchst kontaminierte Gebäude dennoch zu Recht stehen lassen: Denkmale sind Zeugen ihres Zeitgeistes und als solche unersetzbar. Es ist falsch, hier Unterschiede zu machen. Der Geist von Monarchie und Feudalismus ist meiner Ansicht nach, aus ihrer Zeit verstanden, kaum oder sehr viel weniger unmenschlich als die Diktatur des Sozialismus. Die Überreste beider aber müssen als Zeugen toleriert werden: Beide sind unsere Geschichte.


    So schmerzhaft auch gerade das Staatsratsgebäude durch rücksichtslosen Einbruch in historische Bausubstanz und gewachsene Stadtstrukturen Geschichtslosigkeit geschaffen hat: z.B. Abbruch der aufbaufähigen Ruine des Wohnhauses von Andreas Schlüter, Abschneiden der Mitte vom Zentrum Cöllns.


    Der Schwung der Skulpturen am Großen Risaliten im Schlüterhof nach dem schönen Bild von Seinsheim, das man vielleicht im entsprechenden Strang zum vergleichenden Betrachten vergrößert aufsuchen sollte.


    Acht Figuren Schlüters, jede über drei Meter groß, viele als Kopien der noch original erhaltenen, erheben sich im Schlüterhof auf ihren Postamenten am sog. Portal VI, dem Großen Risaliten, davon sechs frontal zum Hof, und zwei, die Pax, die Allegorie des Friedens, und die Borussia mit den königlichen Insignien, die Allegorie Preußens, auf den Schmalseiten links und rechts der Hauptfassade des Risaliten. Fast zierlich wirken die mächtigen Figuren vor der feingegliederten Fassade.


    Diese lebendige Wirkung will ich untersuchen.


    Wir schreiten, den Blick auf die Figuren vom Pflaster des Hofes aus gerichtet, Schritt für Schritt und beginnen am Innenportal I, so wie sie jeder Besucher zweihundertfünfzig Jahre lang hat erleben können, wenn er das Portal I, als Hauptzugang benützte.


    Mit erhobener Hand begrüßt ihn als erste Figur Pax, der Friede, an der seitlichen Schmalfläche ihm ganz zugewandt. Die erste der sechs zentralen Skulpturen ist der Götterbote Hermes. Er zeigt sich mit ebenfalls erhobenem Arm in einer eigenartig spiralförmigen, sehr barocken Bewegung und mit leicht geneigten Kopf vom Betrachter aus nach links hin zu den weiteren Figuren. Damit leitet seine Bewegung von Pax graziös hinüber zu den anderen Göttern und Helden: Er ist der Götterbote, der hier den Frieden vermittelt.


    Er scheint hinüber zu Herakles zu tänzeln, dem Halbgott mit Löwenfell und Keule. Dieser ist hoch aufgerichtet, sein Gewicht ruht ganz auf seinem rechten Bein, sein linkes Bein scheint Schwung zu nehmen, um den Körper kraftvoll nach rechts zu drehen - vom Betrachter aus nach links - in Richtung der anderen Figuren, auf die sein Haupt und Blick bereits gerichtet sind. Die Keule ruht fast lässig auf der Schulter und weist dabei in dieselbe Richtung wie sein Blick, und ebenso wie der rechte Arm und die rechte Hand des Helden, das Löwenfell locker hochgezogen.


    Ein kurzer Blick auf alle sechs: Alle haben ihr Gewicht auf ihr rechtes Bein als Standbein gelegt, der Körperachse, die den Schwung der Hüfte, aber auch den des des linken Beines bestimmt. Diese Übereinstimmung gibt den sechs Gestalten insgesamt Ruhe und Festigkeit, auch dadurch, dass der Winkel der sechs Standbeine zur Standfläche und damit auch hinunter zum Boden des Hofes bei allen fast übereinstimmt. Gleichzeitig weist dieser Winkel aber auch wieder vorwärts in die Richtung des Innenportals V, die der Besucher abschreitet, in die Hermes und Herakles blicken und in die bei allen der Schwung des linken Beines den Körper um die Achse des Standbeines drehen würde.


    Meleager, der große Jäger, ist die dritte Figur: Er scheint sich dem weiteren Weg entgegenzustellen. Sein Blick geht zurück - wie die Reprise in einem Musikstück - zu Herakles, dessen Keule auf Meleagers Haupt zu zeigen scheint. Sein Gesicht ist dem Halbgott zugewandt, von vorne nur als Profil zu sehen - so führen die beiden in Augenhöhe offenbar ein stilles Gespräch, die Dramatik des spannungsreichen Herakles scheint in der aufrechten Haltung Meleagers zur Ruhe zu kommen. Ja, selbst das Standbein des Helden scheint fast gestreckt, wodurch nicht nur Spannung zu Herakles entsteht, sondern auch zu allen übrigen Figuren. Nur der Kopf des Wildschweins, den Meleager in Hüfthöhe mit der linken Hand hält, weicht von der Statik der fast gerade stehenden Gestalt ab und nimmt die Bewegungsrichtung der anderen Figuren deutlich wieder auf, verschiebt die fast symmetrische Statik Meleagers nach links in die Bewegungsrichtung und schafft so einen spannungsreichen Bezug.


    Steht Meleager als ein Sinnbild der Kraft auf der rechten Seite des kleinen Balkons unter dem Bogen des Großen Haupt- und Mittelfensters, so steht auf der linken Seite Antinous als eine Allegorie des Schönen. Es besteht eine gewisse Symmetrie zu Meleager: Antinous’ Kopf ist nach links gewandt, der Meleagers nach rechts. Nur der Eberkopf Meleagers und der abgewinkelte Arm des Antinous zeigen in dieselbe Richtung nach links. Ebenso der Winkel seines Standbeins.


    Verfolgt man die angedeuteten Drehungen dieser vier Figuren, so wirken die unterschiedliche Intensität der Drehungen und Stellungen bei insgesamt gleicher Hauptrichtung nicht nur als Vielfalt, sondern fast filmhaft tänzerisch. Davon scheint nun Poseidon als nächste Figur deutlich abzuweichen: Als Einziger blickt er aus der Fassadenfläche heraus, dabei das Haupt sogar etwas nach rechts geneigt, also in die Gegenrichtung der Hauptbewegung. Sieht man nur seinen sehr aufgerichteten Oberkörper und den leicht nach rechts gewinkelten linken Arm, der unter seinem Gewand hervortritt, so ist die Gegenbewegung sehr deutlich, der aufrechte Oberkörper aber strahlt Ruhe aus. In Poseidon kommt die Bewegung zur Ruhe, nur der leicht erhoben abgewinkelte rechte Unterarm weist wie auch seine Hüfte nach links. Poseidon ist die vorletzte Figur der sechs Figuren auf der Hauptfläche der Fassade: Die Ruhe, die hier eintritt, erinnert mich an die Retardation des klassischen Dramas, der Ruhe vor dem Sturm, aber ebenso an die retardierenden Momente in der Musik vor dem Großen Finale. In göttlicher Ruhe steht er da, der Bruder des Zeus oder Jupiter, seine aufrechte Gestalt hat wohl dazu geführt, dass Poseidon hier immer wieder auch als Jupiter gedeutet wurde. Der aber bekämpft über der Gigantentreppe im Inneren des Risaliten in der Gigantomachie die Giganten.


    Die Ruhe Poseidons führt dennoch mit einer lässigen Bewegung seiner rechten Hand hinüber zum Höhepunkt der bewegten Reihe - zu Apollo, dem Gott der Künste. Er, auf dem Podest vor der Ecke, in sehr eleganter Stellung noch höher aufgerichtet, leitet schwungvoll mit Haupt und Arm hinüber zur Schmalseite mit Borussia, der Allegorie Preußens. Ihr Haupt fängt den Blick Apollos auf, und sie - nahezu eine Kopie vom Grab der Mathilde von Tuszien von Bernini im Petersdom - weist dem Betrachter stolz die Herrschaftsinsignien der preußischen Könige. Die Reihe der Statuen auf der Frontseite leitet also in großem Bogen vom Frieden hinüber zur Allegorie des Preußischen Staates und imaginiert ein Friedensreich: nicht zu unrecht, König Friedrich I. in Preußen, der Krumme Fritz, wie die Untertanen ihn nannten, hat während seiner Herrschaft keinen Krieg angefangen.


    Die klassische Ruhe in der Bewegung erreicht Schlüter zudem durch die jeweils paarweise Zuordnung der Skulpturen. Hermes und Apollo leiten an den Ecksäulen hinüber zu den Schmalseiten. Paarweise zugeordnet sind jeweils die vier inneren Figuren: Herakles und Meleager stehen Auge in Auge, Meleager und Antinous sind unter dem Mittelbogen voneinander abgewandt, und doch durch Körperhaltungen miteinander verbunden. Antinous und Poseidon verbindet die Kopfhaltung und trennt eine gewisse Unverbindlichkeit in der Körperhaltung. Pax und Borussia verbindet dieselbe Position an den Schmalseiten sowie der Bogen der Figuren. So entsteht ein beziehungsreiches Miteinander, das voller Spannungen ist.


    Die Architektur des Großen Risaliten ist kristallklar und in der skelettartigen Ordnung sehr streng. Vor dieser Klarheit und Strenge, die freilich durch formalen Reichtum bereits in sich gelockert erscheint, bewegen sich nun die Steinfiguren. Ihre Mächtigkeit und Kraft erhält durch die beziehungsreichen Zuordnungen und durch Spannungen und tänzerische Bewegtheit eine filigrane Gesamtwirkung und verleiht der Fassade eine wunderbare Anmut. Diese wiederum macht den Schlüterhof zu einem der schönsten Innenhöfe nicht nur des norddeutschen Barock.


    Für mich nun in der Rekonstruktion ein unfassbares Geschenk!