Posts by Chalco

    Ich würde mir da wenig Sorgen machen. Zum einen gibt es keinen Grund, die Kuppel außen zu verändern, weil der Aufbau relativ simpel war und man ihn kaum weiter vereinfachen kann (im Sinne von Weglassen). Zum zweiten: Das Konzept der Sanierung sieht die Ergänzung von Bauteilen vor, die noch weitgehend erhalten sind. Die Fassade der StaBi ist noch völlig intakt, die Kuppel ist eine bloße Ergänzung dieses großen Bauteils. Deshalb wurde sie ja überhaupt ins Konzept einbezogen. Unter der Kuppel ist kein großartiger öffentlicher Raum (gewesen) wie beim Schloss, sondern ein bloßer nichtöffentlicher Magazinraum inmitten anderer Magazinzimmer. Die Wiedererrichtung der Kuppel ist ein reines Zugeständnis an das Berliner Stadtbild - das sollte uns alle hier begeistern! Ein modernistischer Eingriff würde überhaupt nicht ins Konzept passen. Zum dritten und wahrscheinlich das beste Argument, das ich bieten kann: Das Bild vom Wettbewerbsentwurf HG Merz'. An dieses Bild habe ich mich in den letzten Jahren geklammert, als mir der Pförter noch versicherte: "Da kommt keene Kuppel drauf, ditt könnse mir glauben". Ich sehe erstmal keine Unterschiede zur alten Kuppel .


    Sehr interessant: Das merkwürdige Zeichen, das da rechts an der Hauswand klebt, ist ein Verkehrsschild aus der Weimarer Republik mit der Bedeutung "Durchfahrt an allen Tagen für alle Verkehrsteilnehmer verboten", also das, was hier heute als roten Kreis mit weißem Querbalken kennen. Das kleine Rechteck oben drüber begrenzt den Adressatenkreis des Verbots möglicherweise noch. Näheres zu den Verkehrsschildern in der Weimarer Republik hier .

    Jo, die muss weg. Schade ist es allerdings, dass dann der Blick auf die herrlich restaurierten Innenhöfe und das Quergebäude zwischen Herrenhaus und Landtagsgebäude (das früher der Preußischen Landesregierung diente) verbaut wird. In diese Höfe und das Quergebäude kommt man nämlich normalerweise nicht rein... Vielleicht ändert sich das endlich, wenn das Besucherzentrum da ist. Und vielleicht findet der gewinnende Architekt ja einen Weg, diese Höfe und ihre Ästhetik nicht zu verschandeln. Hoffen soll man bekanntlich immer.

    Kurfürstendamm 210, Abriss, 1968:


    "Berliner Architekten protestieren gegen den Abriß" - "Soll Berlin wie Frankfurt aussehen"... Das ist ja bemerkenswert, dass in so einer Zeit der Protest gegen den Abriss ausgerechnet von Architekten kommt. Das sind ja dann quasi Nestbeschmutzer! Und das, wo es sich um "wertlose historistische Kurfürstendamm-Architektur" handelt, die sie im Studium zu verteufeln gelernt haben...

    Einen solchen Leihvertrag, bei dem es kein ordentliches Kündigungsrecht gibt, kann man juristisch gesehen auf zwei verschiedene Weisen beenden: Durch einvernehmliche Aufhebung (beide Seiten stimmen zu) oder durch eine Kündigung "aus wichtigem Grund", die zu keinem Zeitpunkt ausgeschlossen werden kann.


    Möglichkeit 1 ist auf politischem Wege zu erreichen, wenn man die öffentliche Meinung dahingehend kippt, dass die Beteiligten gar nicht mehr anders können.


    Möglichkeit 2 setzt gute Argumentation voraus, um vor Gericht zu bestehen; man muss beweisen, dass die Vertragsparteien den Vertrag nicht geschlossen hätten, wenn die heutigen Vorzeichen bestünden oder Gründe eingetreten sind, die so außergewöhnlich sind, dass der Wille einer der Parteien übergangen werden darf. Beispielsweise, dass die Figuren ja nur deshalb verliehen wurden, weil das [lexicon='Potsdamer Stadtschloss'][/lexicon] getilgt wurde (bzw. nie existiert hat) und die Figuren der Vorzeigeuniversität der DDR einen gewissen Schmuck verleihen sollten, anstatt im Depot zu vergammeln. Das Schloss ist wieder da, die Fassade der Humboldt-Uni wird/wurde gerade in Stand gesetzt und die politischen Vorzeichen haben sich auch geändert. Das Parlamentsgebäude des Landes Brandenburg, mit dem sich die Mark auf bemerkenswerte Weise vor ihrer eigenen Geschichte verneigt, hätte sicher einen größeren Anspruch auf "seine" Figuren als die Humboldt-Uni.


    Auf diese Argumente hätten eigentlich auch die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg kommen können... :kopfschuetteln:

    Das Hauptzollamt in Pankow ist ja ein herrliches Gebäude! Als Gebäude der Staatsverwaltung folgerichtig neobarock gebaut.


    Hier noch mal ein anderer Blick, entnommen aus der Wikipedia. Man sieht, dass das rechte Portal als Hofeinfahrt ausgeführt ist.


    https://commons.wikimedia.org/…_Algerische_Botschaft.jpg


    Das rechts angeschnittene Ossietzky-Gymnasium stammt übrigens auch von Carl Fenten, was vielleicht erklärt, warum die beiden Gebäude sich im Rustika-Geschoss so stark ähneln, ja miteinander zu verschmelzen scheinen. Carl Fenten war leitender Baubeamter der Stadt Pankow, gewissermaßen das Pankower Pendant zu Ludwig Hoffmann in Berlin oder Reinhold Kiehl in Rixdorf (Neukölln). Wie die beiden letztegannten ein sehr fähiger Architekt, der trotz aller Repräsentationswirkung angenehm ruhige und proportionale Baukörper geschaffen hat, die auch heute noch überzeugen cclap:) .

    Meines Wissens gilt die historische Weinberankung (die aus den 1920er Jahren stammt) als Gartendenkmal; Sanierungsauflage war ausdrücklich, den Bewuchs zu erhalten. Das bedeutet: Man werkelt mehr oder weniger um die Weinberankung herum, greift wenn dann höchstens so ein, dass die Pflanzen sich später erholen können. Werkeln ist hier durchaus wörtlich zu verstehen. Beim Bau bis 1914 ist nämlich gepfuscht worden. Vielfach müssen Sandsteinplatten abgenommen und das Mauerwerk dahinter erst saniert werden.


    Die Räume Preußische Akademie der Wissenschaften werden soweit ich weiss übrigens für die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hergerichtet. Schön, dass diese Institution an ihren angestammten Platz zurückkehrt!

    Bei den Kronen muss man streng unterscheiden: Bei dem obigen Beispiel (Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationssport) sieht man das Wappen der Stadt Berlin, ein rein kommunales Wappen. Die darüberliegende Krone ist kein monarchisches Symbol, sondern die sogenannte "Bürgerkrone". Alle Berliner Bezirkswappen tragen bis heute diese Krone, um zu verdeutlichen, dass die Bezirke alle zur selben Stadt gehören. Selbst die DDR-Bezirkswappen hatten diese Kronen noch. #


    Ludolf, gehe ich recht in der Annahme, dass der Bau von meinem Berliner Lieblingsarchitekten Ludwig Hoffmann ist? :smile:


    Bei der Krone über dem großen Wappenschild am Museum für Kommunikation hat man die Krone ja richtig "getilgt", ihre Existenz negiert und den Stein ausgebessert. Man merkt allenfalls noch, dass das Wappen so dargestellt ist, dass darüber irgendetwas fehlt. Aber eben erst auf den zweiten Blick. Bei den beiden Neuköllner Gebäuden Polizeirevier und Postamt dagegen hat man die Kronen einfach abgeschlagen, man sieht die freien Stellen und kann am Stein sogar noch recht gut erkennen, wie groß die Kronen waren und welche Kontur sie hatten (da ist der Stein nämlich etwas dunkler!). Auch dieser unterschiedliche Umgang mit der Geschichte spricht wieder Bände...

    Witzig: Sowohl beim Polizeipräsidium als auch bei der alten Post hat man vermutlich in der Weimarer Republik oder aber erst viel später die Kronen über dem preußischen Wappen bzw. dem Reichswappen entfernt. Es ist noch recht gut zu sehen, wo die Kronen jeweils saßen und dass es im einen Fall die Königskrone war (Polizei als Landesbehörde), im anderen Fall die Kaiserkrone (Post als Reichsbehörde).

    Ich schätze mal, dass die Rampe in dieser Form rein provisorisch ist, zumal sie ja zumindest teilweise auch grün ist. Alles was grün ist, kommt wieder weg, alles was orange ist, bleibt. Immerhin ist der Eingang an der Dorotheenstraße im Moment der einzige Eingang zur Stabi, entsprechend muss der auf jeden Fall barrierefrei sein.


    Der Haupteingang Richtung Süden hat übrigens einen ebenerdigen Fahrstuhl, braucht dort also theoretisch keine Rampe mehr. Jedoch muss das Bibliotheksmuseum ebenfalls barrierefrei sein und wenn man einen solchen Zugang nicht über eine der Hofeinfahrten schafft oder an einem Nebeneingang, muss an diese Tür an der Dorotheenstraße zwingend eine dauerhafte Rampe hin. Vielleicht schafft es ein Architekt mit selten gewordener Begabung ja, diese so auszuführen, dass sie das Gebäude optisch nicht stört.


    Zum Thema Inneres und "zum Glück": Palantir, schau dir mal die Entwürfe für das Bibliotheksmuseum an. Da kann man auch vortrefflich drüber streiten, vor allem wenn man vom herrlichen Kuppelraum dann HIER rein kommt: http://www.bbr.bund.de/BBR/DE/…heksmuseum.html?nn=547724

    Hallo zusammen! Ich habe gelesen, dass manch einer hier gerne mal in die Stabi unter den Linden reinkäme, um die historischen Interieurs zu sehen. Ich schreibe dort meine Doktorarbeit und was ich dort sehe, nötigt mich geradezu dazu, Fotos zu machen. Träumt mit mir von 2017, wenn das ganze Gebäude wieder eröffnet ist.


    stadtbild-deutschland.org/foru…index.php?attachment/640/
    Der Blick in den Kuppelraum am Nordeingang, wo bis 1945 der Eingang zum Lesesaal der Universitätsbibliothek gelegen war. Es ist also streng genommen gar nicht der Eingang zur Staatsbibliothek, sondern zu einer ganz anderen Bibliothek, die sich mit der Stabi das Gebäude teilte.


    stadtbild-deutschland.org/foru…index.php?attachment/641/
    Im Moment hat die Inschrift wieder ihre Berechtigung, da man während der Umbauphase des Südtraktes von hier aus den großen Lesesaal erreicht. Alles dahinter, was jetzt grün schimmert, ist provisorisch und verschwindet wieder, sobald der Hauptzugang geöffnet wird. Dann wird von hier aus ein allgemein zugängliches Bibliotheksmuseum beschritten werden können und der Eingang zum Lesesaal wieder über den großen Hof erfolgen. Schade zwar, dass dann der Weg von der S-Bahn zur Stabi viel weiter wird, weil man das Gebäude umrunden muss. Schön allerdings, dass diese Kuppel dann allgemein zugänglich wird. Anmerkung: Das ist sie jetzt schon; die Einlasskontrollen sind erst weit hinten, da wo es grün ist. Kommt zur Dorotheenstraße und genießt!



    Der Kuppelraum strahlt eine sehr angenehme Ruhe aus. Die Stukkaturen sind würdevoll, aber zurückhaltend. Die beiden Grautöne harmonieren ebenfalls ganz wunderbar. Vielleicht hätte Ihne mehr hiervon bauen können, wenn der Kaiser ihn gelassen hätte.


    stadtbild-deutschland.org/foru…index.php?attachment/643/
    Ein verstohlener Blick in eines der Nebentreppenhäuser. Hier kommt man eigentlich nur mit Mitarbeiterausweis rein, dieses Foto hat also Seltenheitswert :)

    Hallo zusammen! In meinem ersten Beitrag für dieses Forum, das ich schon seit Jahren mit Freude verfolge und auf dem ich viele Gleichgesinnte wähne, will ich auf einen durchaus üblen Artikel im Online-Tagesspiegel von gestern hinweisen (ich hätte ihn auch schon da gepostet, aber mein Benutzerkonto musste erst freigeschaltet werden...).


    http://www.tagesspiegel.de/ber…n-alt-berlin/9543002.html


    Wenn ich den Autor richtig verstehe, dann kritisiert er, dass ein Investor einfach so "stillos historisierend" bauen darf - gleichzeitig kritisiert, dass sich der Bau nicht in die Klosterstraße mit ihrem erhaltenen historischen Baubestand einfüge und verweist dafür in etwa auf die Geschosszahl (!). Worauf er eigentlich hinauswill, weiß ich nicht, aber eben das macht den Artikel so gefährlich. Hauptsache, ein historisierender Neubau kann als Projektionsfläche für so ziemlich alles an Hass dienen, womit man abends nach Hause kommt.


    Mal abgesehen von den ganzen Widersprüchen in dem Artikel: Im Grunde stellt sich der Verfasser doch im Grundsatz genau gegen das, was uns hier im Forum alle verbindet. Auch wenn man durchaus darüber streiten kann, ob die Klostergärten nur "annehmbar" oder gar "gelungen" sind - hier sollten wir meines Erachtens Lufthoheit gewinnen. Nicht dass in Zukunft Bürgerbeteiligung gefordert wird, um historisierende Privatbauten auf privaten Grundstücken (!) zu verhindern.