Posts by Chalco

    Iiiiih! Wie undemokratisch! Wo ist denn da die Distanz zum Überkommenen und der gelebte Kontrast in der Substanz zur Gegenwart und Demokratie und so?! Die gelungene Synthese aus alt und neu? Die kritische Rekonstruktion, ohne an den Geist des Alten anknüpfen zu wollen? Die morderne Antwort auf das 19. Jahrhundert? Die Wahl zeitgemäßer Materialien und Oberflächen? Der Bruch? Man kann doch nicht einfach so ein Obergeschoss rekonstruieren, ohne dass es wehtut!


    Also ehrlich: Wenn das jeder so machen würde, wo kämen wir da hin?!

    Naja da geht es ja darum, ein Objekt wirtschaftlich zu vermarkten. Der Bauherr will seine Investitionen wieder reinkriegen. Deshalb kriegt ja auch jeder etwas höherwertige Wohnhausbau gleich den Beinamen "Palais", "Residenz" o.ä. Das finde ich auch nicht schön (zumal es sich bei den englischen Begriffen meistens eher um ein Pseudo-Englisch handelt, das kein Brite je verwenden würde), aber noch eher verständlich als bei einem Kulturbau wie dem Humboldt-Form, das eben nicht "vermarktet" wird.


    Und sind wir uns darüber einig, dass die Upper East Side architektonisch so viel Positives für die Friedrichstraße getan hat, dass wir ihr den schaurigen Namen verzeihen?


    Hier übrigens noch mal ein Beispiel, wie man es an einem Kulturgebäude richtig macht.

    Und ich verstehe nicht, woher die Unverfrorenheit der Stiftung kommt, sich noch so eine Erklärung an den Haaren herbei zu ziehen. Das ist keine Frage von Gestaltung oder Gestaltungsfreiheit, das ist eine Frage von "richtig" oder "falsch". Und macht die Sache im Grunde noch schlimmer. Nur weil irgendwelche Leute der PR-Abteilung ein simples Prinzip der deutschen Grammatik nicht verstanden haben oder irgend eine PR-Agentur in 250 Seiten nachgewiesen hat, das Menschen das Gebäude nicht betreten werden, wenn es mit Bindestrich geschrieben wird und amerikanische Investoren abeschreckt werden, weil sie den Bindestrich nicht... ach keine Ahnung. Letztlich ist es doch immer ein Zeichen von Respekt vor dem öffentlichen Raum, ob ich mir mit etwas Mühe gebe und beispielsweise korrekte Grammatik verwende oder ob ich mich hinter meiner Individualität verstecke und den öffentlichen Raum dabei ignoriere. Und mit diesem Ansatz kann man den fehlenden Bindestrich gleich zum Synonym einer Gegenwartsarchitektur erklären, die Gewachsenes und Stadträume, Architekturtradition und Leitlinien verkennt, sich in ihrer vermeintlichen Progressivität suhlt und sich dabei auch noch ganz toll vorkommt...

    Leute, ich kann euch alle aufregen oder beruhigen, je nachdem ob die Stiftung Wort hält. Ich hatte – Klugscheißer, wie ich nunmal bin - schon 2013 die Stiftung [lexicon='Berliner Schloss'][/lexicon] angeschrieben und bemäkelt, auf einem der Baupläne fehlte der Bindestrich.


    Am 7. Oktober 2013 erhielt ich dann folgende Antwort:


    "vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Interesse an diesem wegweisenden Kulturprojekt.
    Die Ostfassade des Humboldt-Forums betreffend, darf ich Sie beruhigen. Der korrekte Bindestrich zwischen "Humboldt" und "Forum" wird eingemeißelt werden. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz - und die weiteren Nutzer des späteren Gebäudes - schreiben das Humboldt-Forum grundsätzlich mit Bindestrich. Lediglich die Stiftung [lexicon='Berliner Schloss'][/lexicon] - Humboldtforum verwendet, ihrem Namen folgend, die zusammengeschriebene Variante.
    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Müchler"


    Ich werde nun Herrn Müchler (sofern es ihn noch gibt) noch einmal schreiben und nachfragen, ob sich irgendetwas geändert hat. Die Antwort poste ich dann wieder hier.


    Wenn sie tatsächlich vom Bindestrich abgewichen sind, gibts einen schriftlichen Beschwerdebrief... :D

    Wo ich gerade das Wort "Wilhelmstraße" lese: es gibt ein großartiges Buch von Laurenz Demps zur Wilhelmstraße und den preußischen und deutschen Staatsbauten:


    http://www.amazon.de/Berlin-Wi…scher-Macht/dp/3861535971


    Das Buch ist reich bebildert und zeigt Gebäude von außen und innen, die uns heute so alltäglich und vertraut wären wie die Downing Street oder der Elysée-Palast, wäre die deutsche Geschichte 1933 anders verlaufen.


    Wer in Berlin ist: dort gibt es dieses Buch in etwas kompakteren Format für einen Spottpreis bei der Landeszentrale für politische Bildung (Hardenbergstraße), für Studenten etc. sogar kostenfrei!

    Vielleicht gibt dieser Zeitungsartikel hier Antwort:


    http://www.pnn.de/potsdam/886598/


    "Die Größe der Fenster im Schloss Babelsberg überwältigt selbst den
    Generaldirektor der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten
    Berlin-Brandenburg. „Das sind Monsterscheiben“, sagt Harmut Dorgerloh
    abseits des offiziellen Rundgangs über die Baustelle des Kaiserschlosses
    Wilhelm I. Vier Meter hohe Fenster aus einem Stück, „das Modernste, was
    ich mir an preußischer Architektur vorstellen kann.“ Der revolutionäre
    Ansatz von Baumeister Karl Friedrich Schinkel sei erst bei
    Bauhausarchitekten wie Mies van der Rohe wiederzufinden. Die Natur ins
    Haus zu holen war aber bereits vor 180 Jahren das Ansinnen von Friedrich
    Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augusta von Sachsen-Weimar für ihre
    Sommerresidenz."


    Ich finde es zwar stilistisch völlig unpassend, an eine so detallierte Fassade dann so öde Fenster dranzukleben, aber vielleicht hatte Meister Schinkel einen schlechten Tag oder an den Fensterscheiben fehlen wirklich noch Verzierungen. Wenn das wirklich so durchgängige Scheiben sind, dann können Fensterkreuze ja eh nur von außen angebracht werden.

    Mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre die Kuppel nie weggewesen. Keine zeitgemäße Interpretation. Kein Dachgeschoss aus Glas ("hier entstehen moderne Büroflächen..."). Keine gelungene Symbiose aus Alt und Neu. Stattdessen wilhelminischer Neobarock. Einfach mal ein wiedergewonnenes Statement des Historismus an Berlins Prachtstraße. Leute, ich find's herrlich... :knuddel:

    Wird es leider. Bzw. immerhin. Das Glas ist halbvoll, denke ich. Ich zitiere:
    "Zentraler Bestandteil der weiteren Grundinstandsetzung wird die
    Wiederbelebung der für das Gebäude charakteristischen
    Erschließungsachse: die offene Eingangshalle Unter den Linden, der
    Brunnenhof mit seinem berühmten Weinbewuchs, der trotz laufender
    Fassadensanierung erhalten wird, die zentrale Treppenhalle, die ihre
    ursprüngliche Kubatur zurück erhält: Die Flachdecke und die zwei
    Magazingeschosse, die in den 50er Jahren über der Haupttreppe eingebaut
    wurden, werden durch ein in seinen Ausmaßen dem historischen Original
    entsprechendes Tonnengewölbe ersetzt."
    Siehe das Foto hier.


    Wesentlich mehr Sorgen mache ich mir um das Vestibül. Ich zitiere erneut:
    "Das Foyer oberhalb der Haupttreppe, einst Entré
    des gewaltigen Kuppellesesaals und Zugang zu den Lesesälen der
    Fachabteilungen wird eine weitgehend am Original orientierte Gestaltung
    erhalten. Die ursprünglich geplante Wiederherstellung der
    Kuppelgeometrie wird aufgrund von Verformungen der Bausubstanz nicht
    möglich sein (siehe Abschnitt Bauen im Bestand). Die Gurtbögen und der
    Majolikaring im Scheitel der früheren Kuppel bleiben erhalten."


    Siehe die gesamte Beschreibung hier .

    Die Rosette ist noch vorhanden. Sie ist architektonisch nicht besonders berücksichtig worden (im Sinne von Sichtachsen im Lesesaal o.ä.), aber baulich vollständig vorhanden. Der davor liegende Lesesaal ist mit gestaffelten Galerien versehen, die haben Balkongitter und halten so ungefähr einen Meter Abstand von der Rosette. Während der Bauarbeiten hat mein eine provisorische Wand vor die Rosette gebaut. Ich schätze, man wird diese provisorische Wand irgendwann entfernen und die Rosette baulich wieder aufarbeiten, sodass man sie als architektonisches Fragment in Augenschein nehmen kann. Zwar in einer Nähe, die vom Ursprungsarchitekten nicht beabsichtigt werden kann, aber immerhin. Kleiner Wehmutstropfen: die genannten Bereiche befinden sich in einem gesonderten Bereich des Lesesaals, der nicht ohne Weiteres zugänglich ist. Man kann aber das Aufsichtspersonal fragen. Ich habe mal versucht, ein Foto zu machen. Leider kann man außer der provisorischen Wand und an den Seiten ein paar alten Steinen nicht viel erkennen.

    Ich kann es auch nur näherungsweise ausführen: ich bin mir nicht sicher, wem der Dom tatsächlich gehört; jedenfalls muss die Domgemeinde für die Betriebskosten des Domes aufkommen. Früher stand ihr dabei das Kaiserhaus zur Seite, heute muss sie die Mittel selbst bereitstellen. Einnahmen aus der Kirchensteuer erhält sie nur nach einem Umlageschlüssel bezogen auf die Zahl der Gemeindemitglieder. Da sie eine reine Personalgemeinde ist (also kein zugewiesenes Gemeindegebiet hat, dessen evangelische Einwohner automatisch Mitglieder wären), hat die Domgemeinde gerade mal 700 Mitglieder, was einer sehr sehr kleinen Dorfgemeinde entspräche und in entsprechend geringen Steuerumlagen resultiert. Hinzu kommen bauliche Zulagen, die ebenfalls nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind. Dem gegenüber stehen Betriebskosten von mehreren tausend Euro am Tag für Heizung, Beleuchtung, Personal etc. Der Gemeinde tut es übrigens selbst leid, dass sie die "Domerhaltungsgebühr" an der Pforte verlangen muss, aber die Konsequenz, es nicht zu tun, wäre die, den Dom nicht mehr öffnen zu können, auch nicht für Gottesdienste.

    Das Problem ist m.E., dass die jetzige Kuppelsituation am Dom einfach nicht denselben Geist atmet wie Raschdorffs Ursprungslösung. Stichwort: Silhouettenwirkung (dazu hat Ludwig Hoffmann anschaulich geschrieben). Ich finde den Dom im Detail nicht wirklich schön, aber seine Proportionen sind insgesamt schon so abgestimmt, dass der wuchtige Unterbau durch die nach oben aufragenden Türme und Laternen abgemildert wird und das Ganze relativ stimmig ist. Mit seinen originalen Aufbauten "funktioniert" das Gebäude. Der Architekt hat die ganze Gestalt aus diesem Prinzip entwickelt. Alle vertikalen und horizontalen Details versteht man nur vor dem Hintergrund dieser Gesamtwirkung. Die DDR-Architekturauffassung hat sich insgesamt von diesem Prinzip gelöst, wie wir an den völlig unproportionalen Straßenzügen, Gebäudeachsen etc. sehen können. Sie hat das Architekturkonzept negiert. Da sind wir heute eigentlich wieder weiter. Selbst wenn die jetzige Situation am Dom denkmalgeschützt ist, müsste es sich nach architektonischen Gesichtspunkten doch nachweisen lassen, dass die Ursprungsgestalt dem Gebäude gerade angesichts seiner stadtraumprägenden Wirkung wesentlich besser zu Gesicht stünde. Man müsste sich halt nur trauen, eben dies auch öffentlich zu vertreten!

    Das war meine Wenigkeit ;) Und es stimmt: die Kuppel ist nur eine Annäherung an das Original, keine 1-zu-1-Rekonstruktion.


    Wir werden nun einfach abwarten müssen, bis die Gerüste fallen und wir sehen, was man dem Stadtbild an dieser Stelle schenken oder zumuten wird.

    Naja, naja... Billigen kann ich den Artikel nicht. Der Autor setzt die Nikolaushaus-Ästhetik des Giebels ja gerade in Gegensatz zu den revanchionistischen Tendenzen, denen wir hier in diesem Forum so glücklich fröhnen (oh Schreck: Stuck, Gesims und Säule! Historische Formen nach Art von "copy und paste" usw. Böse, böse!). Das Beispiel mit dem neuen Konzertgebäudes in Stettin ist auch nur bedingt glücklich. Nachts, wenn sich alleine die Giebel abheben, mag das Gebäude in die Stadt passen. Aber eine Fassade ohne jedes Fenster, mit Metall(?)fassade und ohne erkennbaren Materialbezug zu den Nachbargebäuden in die Altstadt zu klotzen ist sowas von Siebzigerjahre!

    Das möchte ich aber auch meinen. Mit der erhaltenen Fassadenmalerei und dem Türmchen ist das doch ein regelrechtes Juwel! Aber wahrscheinlich schwer zu nutzen...

    Selbigen kann ich sowohl schlafens- als auch essenstechnisch empfehlen (von einer Dienstreise, bei der ich dankbarer Weise dort nächtigen durfte).


    Geradezu genial in Stolberg ist schon die Ortseinfahrt, die sich nach einem Stadttor malerisch und umstanden von geschlossener Fachwerksbebauung den Hang hochwindet - bis plötzlich majestätisch das Schloss über der Stadt auftaucht. Atemberaubend. Das ist eine der städtebaulich genialsten Situationen, die ich jemals gesehen habe, wobei die Straße bestimmt nicht planmäßig so angelegt wurde. So oder so: man möchte auf der Stelle anhalten und den Blick genießen...

    Es ist besonders bitter, weil die Kirchengemeinde und der Förderverein händeringend versuchen, den Wiederaufbau des Turms zu finanzieren. Es ist eine Gnade (von weiter oben?), dass es nicht geregnet hat wie beim letzten Diebstahl.


    Völlig egal, wo die Diebe herkamen, in welche Ethnie sie gehören (vielleicht waren es Lichtenberger?): wer für ein paar hundert Euro so riesigen gesellschaftlichen Schaden anrichtet (Beschädigung eines Gotteshauses, Lahmlegen einer Millionenstadt usw.), hat schlichtweg einen Dachschaden und eine gestörte Selbstwahrnehmung. Da bin ich als Jurist kurz davor, statt einer Strafe eine Therapie zu fordern.

    Aber echt: der Verzicht auf Sprossenfenster tut mir seelisch weh. Diese Fassade ist nicht für Fenster der Moderne konzipiert. Sie setzt auf Details, auf Linien. Der Architekt versucht, zwei verschiedene Architekturkonzepte zu vereinen, die nicht vereint werden wollen! Das Gebäude als Gesamtkunstwerk funktioniert so einfach nicht!

    Was allerdings empfindlich stört, das ist die Ecke am Portal III, wo man den Flügel (Weißer-Saal-Flügel?) stark verbreitert und die Portalsäule einfach davorgesetzt hat (von den vier Bildern das rechts unten). Die Ziegelmauer war nicht mal verkleidet. Das wirkt geradezu stümperhaft. Sehe ich das richtig, dass man das beim Humboldt-Forum korrigiert?

    Und alles, was Kritikern und Journalisten einfällt, ist ein "was wäre wenn..." - wenn sie doch nur hätten hoch bauen dürfen und nicht an die böse Berliner Traufhöhe gebunden gewesen wären. Die Aufgabe, ein Geschäftsgebäude mit 22 m Traufhöhe in bester Innenstadtlage überzeugend zu planen, scheint für heutige Architekten unerfüllbar zu sein. Alles, was ihnen einfällt, ist der Ruf, doch bitte die Spielregeln zu ändern, damit sie "spektakulär" bauen können.