Posts by RaHaHe

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!


    Ob es einen Wiederaufbau gibt oder nicht, wird maßgeblich an der Spendenbereitschaft (finanzkräftiger) Nichtbremer liegen. Vielleicht ließe sich durch das Internet ein internationaler Spendenaufruf initiieren. Reich bebildert, professionell zusammen- und aufgestellt... Bremen allein wird es nicht bringen, befürchte ich.

    Ich bringe mich gerne wieder ein!


    Und heute morgen, beim Blick in die Tageszeitung, sehe ich mit freudigem Erstaunen, dass der Weser-Kurier vom DomRömer-Projekt in Frankfurt berichtet. Momentan scheint mir die Berichterstattung in den Bremer Medien geeignet, eine entsprechende Reko-Bewegung zu unterstützen. Und sei es nur, um zukünftig mindestens im Bereich der Altstadt bei neuen Bauvorhaben einen altstädtischen Charakter zu bewahren.


    Da Bilder mehr sagen, als tausend Worte, müssen wir Bilder schaffen. Sie müssen durchs Netz geistern oder als Handzettel in der Altstadt landen. In den Köpfen der Leute muss das Bild von dem "was sein könnte" Gestalt annehmen. Es hat auch einen anderen Charakter, als das Bild von dem was war!


    Die von Pagentorn eingestellte, im Weser-Kurier abgedruckte, Photomontage der Ansgarii-Kirche in der heutigen Obernstraße ist so ein Bild. Dass der Weser-Kurier es gedruckt hat, war schon bemerkenswert.


    Das Eisen ist heiß! Schmieden wir!

    Wichtig ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt, die "Bühne" für St. Ansgarii zu erhalten. Ein Wiederaufbau der Kirche inmitten einer Hochhauslandschaft wäre ein Desaster und ihrer unwürdig. Das geplante Einkaufscentrum wäre dieses Desaster geworden und für mindestens 30 bis 50 Jahre nicht zu ändern.


    Darum ist der Erhalt der aktuellen Bausubstanz geboten! Solange, bis die St. Ansgarii-Kirche wieder als Solistin ihre Bühne betreten kann.
    Denn, soviel ist klar, neben den aktuellen Gebäuden könnte sie wirken - auch ohne den passenden historischen Rahmen. Nach dem Wiederaufbau müssten sich natürlich weitere Veränderungen an der Kirche orientieren - und sich unterordnen.


    Aber wie gesagt: Solange das nicht der Fall ist, gilt es das Ansgari-Quartier vor Schlimmerem zu bewahren. Meine Befürchtung ist, dass alles, was sich ab heute ändern würde, eine Verschlimmerung mit sich bringen dürfte. Dazu gehört der Erhakt des Lloyd-Hofes. Er ist von allen Nachkriegsbauwerken in diesem Bereich ohnehin noch der ansehnlichste.

    Findest Du, dass ich mir widerspreche?


    Wenn ich den Wiederaufbau der ursprünglichen Gebäude, anstelle der Gründerzeitpaläste, erträumen würde hättest Du wohl Recht. Das habe ich aber weder gemeint und...wenn ich so nachlese... auch mit keinem Wort so geschrieben. Vielmehr ging es mir in meinem Beitrag um den Umgang mit historischer Bausubstanz und um die stilistische Authentizität der Gebäude. "Herrlich ursprünglich" bedeutet dabei nicht "besser" sondern "stilecht"!

    Ich lehne jede Störung der Altstadt-Skyline durch nicht-kirchliche Türme und Spitzen ab. Wenn auch das Lloyd-Gebäude und die Baumwollbörse ihre Fangemeinde hatten und haben, so gab es auch immer erheblichen Widerstand dagegen, dem ich mich anschließen möchte. Wilheminischer Gigantismus tat der Bremer Altstadt nicht gut und Neo-Gigantismus wird ihr auch nicht guttun.


    Den "Früher war alles besser"-Zahn möchte ich gezogen wissen! Neue Börse, Baumwollbörse und Lloyd-Gebäude gingen unglaublich rücksichtlos mit ihrer Nachbarschaft um und plätteten ganze Quartiere oder Straßenzüge. - mit herrlich urspünglichen Gebäuden - für ihre Realisation.


    Zudem war die Baumwollbörse als Baukörper in der Vorkriegsaltstadt viel zu groß! Von allen Seiten! Die Turmhaube eine viel zu gewaltige Konkurrenz zu den Türmen am Markt. Das erkennt man auf fast allen Stadt-Totalen der damaligen Zeit.


    Ähnlich verzerrt im Maßstab verhielt sich die Neue Börse, die viel zu sehr in Konkurrenz zu Rathaus und Schütting stand. Das waren einfach architektonische Missgriffe - die, für sich gesehen, der Mehrheit der Menschen gefallen mögen - im Ensemble mit der Umgebung müssen sie aber einfach gruselig gewesen sein.


    Die Silhoutte der Altstadt sollte, meiner Meinung nach, in der Hauptsache durch ihre Kirchtürme und Dachreiter betont werden (Dom, UL Frauen, Martini, Johann, Stephani und hoffentlich irgendwann wieder Ansgarii) und nicht durch profane Geltungswut.


    Und allen, die eine Vermengung von jeweils zeitgenössicher Architektur und Bestandsstil pauschal ablehnen, rate ich, einmal das Bremer Rathaus zu analysieren und zu prüfen, ob sie die Renaissance-Fassade auch zu Gunsten der Rekonstruktion des gotischen Urzustandes abschlagen würden.

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    Vielleicht wird es eines Tages ja doch eine Gelegenheit für einen neuen Anfang geben

    Ein 1:1-Wiederaufbau der Kirche ist aus vielerlei Hinsicht unwahrscheinlich bis unmöglich:


    1. der Kauf des Grundstücks und der Abriss des vermietbaren Gebäudes wären so teuer, dass eine nichtkommerzielle Nutzung wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Ausreichende Spendengelder wären nicht zu generieren. Ich schätze, dass mindestens 300 - eher 400 - Millionen EUR nötig wären.


    2. eine Nutzung als Kirche macht angesichts einer zunehmenden Christophobie und der zurückgehenden christlichen Religiosität keinen Sinn. Was soll es sonst sein? Eine Moschee? Konzerthaus?


    3. ist ein wichtiger Baustoff - der Portasandstein - nicht mehr (ohne weiteres) zu beziehen. Der letzte Steinbruch stellte seine Arbeit kurz nach dem 2. Weltkrieg ein.


    Einen Ersatzbau kann man sich vorstellen - jedoch nur, wenn der Turm wirtschaftlich nutzbar wäre (Vermietung), das Kirchenschiff als Veranstaltungssaal vermietbar wäre - oder Ladenflächen beherbergt.


    Außerdem müsste das Gebäude in einem anderen Material errichtet werden um nicht ein schlechtes Plagiat zu sein.


    Dann - und nur dann - kann ich mir vorstellen, dass sich zumindest ein Flüstern einstellt.


    Nebenbei war die Kirche mit Wetterfahne und ganz viel Mühe grade mal 100 Meter hoch!